BLKÖ:Gruber, Gabriel

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Gruber, Franz Joseph
Band: 5 (1859), ab Seite: 382. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Gabriel Gruber in der Wikipedia
Gabriel Gruber in Wikidata
GND-Eintrag: 132380862, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Gruber, Gabriel|5|382|}}

Gruber auch Grueber, Gabriel (Hydrograph geb. zu Wien 6. Mai 1740, gest. zu St. Petersburg 26. März 1805). Trat 1755 in den Orden der Gesellschaft Jesu, beendete zu Graz die philosophischen und theologischen Studien, lehrte dann selbst die lateinische Sprache an der orientalischen Akademie, und indem er vor Aufhebung der Gesellschaft Jesu noch der Letzte war, welcher in der österr. Ordensprovinz das Ordensgelübde abgelegt hatte, lehrte er 18 J. zu Laibach Mechanik und Hydraulik, und leitete ebenda die Regulirung des Flusses und die Austrocknung der Sümpfe. Als aber der Jesuiten-Orden in Rußland sich des Schutzes der Regierung erfreute, verließ er Oesterreich und ging 1784 nach Rußland, trat zuerst in das Jesuiten-Collegium zu Połock ein, wo er Architektur und Mechanik vortrug und das physikalische Kabinet daselbst mit vielen sinnigen Instrumenten seiner Erfindung bereicherte. Im J. 1800 ging er nach Petersburg und wurde daselbst Rector des unter Kaiser Paul von den Jesuiten begründeten nach dem Kaiser benannten Paulinischen Collegiums. In Petersburg gewann er durch seine Kenntnisse, die sich auch auf die Medicin erstreckten und ihm Gelegenheit boten, seine Kunst am Hofe selbst zu erproben, die Zuneigung des Kaisers in solchem Grade, daß er jederzeit freien Eintritt bei Hof hatte, und ihn der Kaiser auch sonst noch auszeichnete. Um jene Zeit wurde der Jesuiten-Orden in Rußland durch einen General-Vicar regiert. Der erste General-Vicar (vom 17. Oct. 1782) war Stanislaus Czerniewicz; ihm folgte 27. Sept. 1785 Gabr. Lynkiewicz und 1. Febr. 1799 Franz X. Kareu. Als aber Kaiser Paul von Papst Pius VII. die Bestätigung des Ordens erbat, und diese mit Breve vom 7. März 1801 erfolgte, wurde nach Kareu’s Tode (30. Juli 1802) G. am 10. Oct. 1802 zum Oberhaupt der russischen Jesuiten-Provinz erwählt. Nur drei Jahre bekleidete er diese Würde, der Tod entriß ihn der Gesellschaft im Alter von 65 Jahren. G. zählt zu den wirklichen Zierden seines Ordens; reich an seltenen und mannigfaltigen Kenntnissen, verband er mit denselben die Tugenden eines echten Ordensmannes. Sein Wissen erstreckte sich auf Geschichte, Mathematik, Mechanik, Hydraulik, Architektur, Sprachen, Musik, Malerei, und wie schon bemerkt, selbst auf die Medicin. Viele Proben seiner Arbeiten im Gebiete der Kunst enthält das Collegium zu Połock; insbesondere leistete er in der Perspectiv-Zeichnung Treffliches. Die perspective Tiefenansicht eines Corridors daselbst, in Wasserfarben, ist ein wahres Meisterstück. Seine Zeichnungen der Ansichten des Połocker Collegiums wurden von G. A. Liebe und von G. G. Endner gestochen. Ob er als Schriftsteller gewirkt, ist nicht mit Bestimmtheit zu ermitteln. Das Werk über die Regulirung des Saveflußes, von Einigen dem Tobias Gruber (s. diesen weiter unten) zugeschrieben, der auch Mathematiker u. Hydrograph war, dürfte denn doch von Gabriel verfaßt sein. Ueberhaupt ist in Werken die Verwirrung unter den denkwürdigen Personen dieses Namens, die auch öfter mit der alten Schreibart Grueber erscheinen, sehr groß. Zum Theil wird sie hervorgebracht durch die Klosternamen, die einer oder der andere führt, der nun bald mit demselben, bald mit seinem ursprünglichen Taufnamen in den verschiedenen Werken [383] erscheint. Gabriel G. selbst erscheint hie und da, z. B. bei Murr, irrig als Joseph Gruber.

Ephemerides russes par Spada (Petersburg 1816) [daselbst seine Biographie]. – Rastawiecki (Edward), Słownik malarzów polskich, d. i. Lexikon der polnischen Maler (Warschau 1853, Orgelbrand, gr. 8°.) I. Bd. S. 188; III. Bd. S. 218 [nach diesem geb. 6. Mai 1738, gest. 26. März 1805]. – Der Biograph. Darstellung merkwürdiger Menschen der drei letzten Jahrhunderte (Halle 1802 u. f.) IV. Bd. S. 479. – Murr (C. G. von), Journal zur Kunstgeschichte (Nürnberg 1784) XIII. Bd. S. 288: „De rebus Jesuitarum in Alba Russia.“ – Ebenda XVII. Bd. S. 241. – Baur (Samuel), Allgemeines histor.-biogr.-literar. Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die im ersten Jahrzehend des 19. Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, Lex. 8°.) I. Bd. Sp. 520 [nach diesem gest. 23. März 1805]. – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Soc. Jesu (Wien u. Regensburg 1856, Mechitharisten, Lex. 8°.) S. 109 [nach diesem geb. 6. Mai 1740, gest. zu Petersburg 25. März 1805.]. – Poggendorff (J. C.), Biogr.-literar. Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Barth, gr. 8°.) Sp. 962 [nach diesem gest. 25. März 1805]. – Gazeta Warszawska. Dodatek, d. i. Warschauer Zeitung (1803) Beilage zu Nr. 57, S. 978. – Augustin Magnan, Professor der Mathematik am Collegium zu Połock, gibt in einem Briefe vom J. 1784 folgende Schilderung Grubers, den er irrthümlich Joseph nennt: „P. J. Gruber, Germanus ex urbe Nauporto seu Lubiana, superiore in Carinthia, vir plane rarus, siquidem egregia cum indole et probata virtute, plurima conjungit ornamenta scientiarum et artium, quippe qui hydrostaticus et mechanicus egregius, publico officio ac censu a Caesare jam honestatus, Italicae, Gallicaeque linguae gnarus nec non medicinae, chirurgiae, musicae, architectonices picturae artis delineandi adeo peritus, ut raro uno in homine tot merita conspirasse videas ...“