BLKÖ:Haindl, Anton Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hainiš, Franz
Band: 7 (1861), ab Seite: 220. (Quelle)
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Haindl, Anton Franz (Arzt und Director des allgemeinen Krankenhauses in Wien, geb. zu Leitmeritz 14. September 1803, gest. 25. September 1855). Sohn eines österreichischen Militärarztes. Die unteren Schulen besuchte H. in Turnau, wo sein Vater nach dem Austritte aus dem Militärdienste lebte, das Gymnasium in Jungbunzlau, die philosophischen Studien und den theoretischen Curs der Medicin beendete er in Prag, den praktischen in Wien. 1829 erhielt er die medicinische Doctorwürde in Prag, widmete sich, dem Wunsche seines Vaters zu Folge, dem Lehramte seines Faches, und wurde 1831 Professor der Anatomie an der damaligen chirurgischen Lehranstalt zu Klagenfurt, an der er, nachdem mehrere seiner Collegen andere Posten erhielten, auch ihre Fächer supplirte. Als diese Anstalt 1834 aufgehoben wurde, kam H. in gleicher Eigenschaft nach Lemberg, später wurde er dort Director des allgemeinen Krankenhauses und der damit verbundenen Irren- und Gebärabtheilung. Seine umsichtige Verwaltung lenkte bald das Auge der Regierung auf ihn, und als man die Errichtung einer Irrenanstalt in Lemberg beantragte, wurde H. 1845 amtlich mit der Mission betraut, die Irrenanstalten Deutschlands, Frankreichs und Belgiens zu besuchen. Von seiner Reise zurückgekehrt, wurde H. in die Commission berufen, welche 1846 in Wien wegen des Baues einer neuen Irrenanstalt daselbst zusammentrat. Nachdem sich diese Commission beendeter Arbeit wegen aufgelöst, kehrte H. nach Lemberg zurück. Dort that er sich während der Cholera-Epidemie 1848, und als zur Zeit des Durchmarsches der russischen Hilfstruppen das Spital mit den Kranken derselben überfüllt war, so sehr hervor, daß ihn 1850 Se. Majestät mit dem Franz Joseph-Orden belohnte. Im folgenden Jahre, 11. Juni 1851, wurde ihm, ohne daß er sich darum beworben hatte, die Directorstelle im allgemeinen Krankenhause in Wien verliehen. Dort entwickelte H. eine energische Thätigkeit, schaffte Mißbräuche ab, machte die Fortsetzung von Unterschleifen, welche in dergleichen Anstalten sich so gerne als gutes Recht einbürgern, unmöglich und brachte in Allem, was nicht die Pflege und Heilung der Kranken betraf, jenen Geist weiser Sparsamkeit zur Geltung, der das segensvolle Gedeihen solcher Anstalten nicht nur nicht hemmt, sondern vielmehr fördert. Seine Verdienste ehrte der Monarch durch Verleihung des Titels eines k. k. Regierungsrathes. Während der mittlerweile ausgebrochenen Cholera-Epidemie verdoppelte H. Thätigkeit und Eifer und wurde alsbald im Alter von 52 Jahren ein Opfer derselben. Als Schriftsteller war H. nicht thätig, denn außer seiner Inaugural-Dissertation, welche eine wegen ihrer praktischen Brauchbarkeit von Schülern der Anatomie sehr gesuchte „Darstellung der Muskeln des menschlichen Körpers“ enthält, hat H. nichts durch den Druck veröffentlicht. Sein Bericht über die im Jahre 1845 ausgeführte Mission des Besuches der Irrenanstalten Frankreichs, Belgiens, Deutschlands und der Schweiz liegt in Handschrift im Lemberger Gubernialarchive. Es ist, wie Sachkenner erklärten, ein gediegenes, mit Plänen und Zeichnungen ausgestattetes Elaborat. Seine Drucklegung wurde beschlossen, kam aber in Folge der Zeitwirren [221] und des damit in maßgebenden Kreisen verbundenen Personenwechsels nicht zu Stande. Das Gleiche war mit dem Projecte der in Lemberg zu erbauenden Landes-Irrenanstalt der Fall. Als Mensch, Arzt und Beamter war H. musterhaft, und seine strenge Rechtlichkeit, verbunden mit unerschütterlichem Pflichtgefühl und völliger Hingebung für den Dienst, verstand es, die Pflichten des Einen mit denen des Andern so zu verbinden, daß sie sich nirgends hinderlich in den Weg traten. Sein Andenken lebt in Lemberg im Herzen der Armen, Witwen und Waisen fort, denen er nicht bloß ein hilfreicher Arzt, sondern auch ein liebreicher Wohlthäter war.

Oesterreichische Zeitschrift für praktische Heilkunde (Wien, 4°.) 1855 ( I. Jahrg.) Nr. 38, S. 350: „Nekrolog“. – Wiener Kirchenzeitung herausg. von Sebastian Brunner, 1855, Nr. 85, S. 682. – Donau (Wiener polit. Blatt) 1855, Nr. 461 [ein Nekrolog, welcher in Opposition steht zu den obigen zweien, und, so richtig die darin ausgesprochenen Grundsätze sind, in den Angriffen auf Haindl völlig im Unrechte ist, denn H. war durch und durch ein Ehrenmann und seine Sparsamkeit bestand nicht in Verkürzungen an den Gebühren und Erfordernissen für die Kranken, sondern in der Beseitigung jener zahllosen Unterschleife, welche in ärarischen Anstalten nicht genug strenge überwacht werden können, und wodurch die Kranken nichts gewinnen, das Aerar aber oft unnöthige Einbuße erleidet].