BLKÖ:Jachowicz, Stanislaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 13. (Quelle)
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Jachowicz, Stanislaus (polnischer Jugendschriftsteller, geb. zu Dzikow im Rzeszower Kreise Galiziens 17. April 1796, gest. zu Warschau 24. December 1857). Von unbemittelten Eltern, verdankt er die Mittel zu seiner Ausbildung der gräflichen Familie Tarnowski. Die Studien begann er zu Rzeszow, setzte sie in Stanislawow fort und beendete sie in Lemberg. Noch jung, ging er in’s Königreich, in Warschau sich dem Richteramte widmend. Aber in kurzer Zeit seinen eigentlichen Beruf als Pädagog erkennend, begann er für die Jugend zu schreiben und widmete sich ausschließlich dem Unterrichte derselben. Mit Brodziński [Bd. II, S. 156] befreundete er sich und mit der berühmten Clementine von Hoffmann-Tański[WS 1] begann er die Herausgabe des „Dziennik dla dzieci“, d. i. des Wochenblattes für die Kinder. Als Friedrich Graf Skarbek, damals Professor an der Warschauer Hochschule, den Verein zur Bildung sittlich verwahrloster Kinder gründete, berief er J. zu sich, um mit ihm vereint die Zwecke der neuen Anstalt zu fördern. Nun fand man J. in den Palästen der Großen, wie in den Hütten der Armen, seiner höhern Sendung als Erzieher und Bildner der Jugend mit aller Liebe, ja mit Begeisterung obliegend und während er als Lehrer in kleinen Kreisen segensvoll wirkte, wurde durch seine Jugendschriften sein Name bald überall bekannt, so weit die polnische Zunge reichte. Die Art und Weise seines Unterrichts, namentlich in der polnischen Sprache, war auf Grundlage tiefen Studiums der kindlichen Fähigkeiten basirt und J. besaß die Gabe in seinem Vortrage, sich ganz dem Begriffsvermögen seiner jugendlichen Zuhörerschaft anzuschmiegen. Als im Jahre 1840 zu Warschau die Kleinkinderbewahr-Anstalten in’s Leben traten, war es vornehmlich er, der im Vereine mit dem Warschauer Kaufmanne Theophil Janikowski die Förderung dieser Anstalten sich angelegen sein ließ. Auch die Schule der Warschauer Wohlthätigkeitsgesellschaft wurde zumeist durch seinen Eifer und seine Bemühungen auf den Standpunkt gebracht, daß sie als Musteranstalt ihrer Art allgemein galt. Was er für die Kinder war, die er lehrte und bildete, war er in anderer Art für die Armen, in deren Namen er sammelte und den Pfennig der Nächstenliebe einhob. „Wer“, so rief der Redner an seinem Sarge, „wer kann die Schritte zählen, welche J. zum Frommen der Armen gemacht, um ihrem Elende abzuhelfen?“ Seine Schriften sind: „Powiastki i bajki“, d. i. Erzählungen und Fabeln. 3 Theile (Płock 1824, und dann zu Warschau 1826, 1827, 1829, 1833, 1842,12°.), in mehr als 13.000 Exemplaren in Polen und Galizien verbreitet; – „Nowe powiastki i bajki“, d. i. Neue Erzählungen und Fabeln (Warschau 1847, 12°.), gleichsam als 4. Band der vorerwähnten; – „Rozmowy matki z Józia służące za wstęp do wszelkich nauk a mianowicie grammatyki“, d. i. Unterredungen der Mutter mit Josi als Einleitung in alle Unterrichtsgegenstände, vornehmlich aber in die Sprachlehre (Warschau 1830, neue verm. Aufl. 1846, 12°.); – „Pamiątka dla Eryczka“, 3 Bde. (Warschau 1846,12°.); – „Czytania Józi“, d. i. Josi’s Lesebuch (Warschau 1847, 8°.), für Mädchen im Alter von 10 bis 12 Jahren; – „Zabawka abecadłowa“, d. i. Unterhaltendes ABC [14] (ebd. 1848, mit Kupf.); – „Kalendarzyk dla dzieci na rok 1848“, d. i. Kalender für Kinder auf das Jahr 1848 (ebd.), und deßgleichen für das Jahr 1849; – „Ksążika dla rzemieślnika“, d. i. Buch für den Handwerksmann (ebd. 1855). H. starb im Alter von 61 Jahren. Seine „Bajki“, d. i. Fabeln, das am meisten in’s Volk gedrungene Buch, sichern seinem Namen ein dauerndes Andenken, vermögen aber mit den Fabeln Krasicki’s, die unbegreiflicher Weise ganz in Vergessenheit gerathen, nicht den Vergleich auszuhalten. Uebrigens zählt J. zu den besten polnischen Jugendschriftstellern.

Gwiazdka Cieszyńska, d. i. Das Sternlein von Teschen (ein polnisches Unterhaltungsblatt), 1858, Nr. 9. – Czas, d. i. Die Zeit (Krakauer politisches Journal. Fol.) 1858, Nr. 41. 42, 43. – Wojcicki (K. Wl.), Historyja literatury w zarysach, d. i. Geschichte der polnischen Literatur in Umrissen (Warschau 1846, Gust. Sennewald, gr. 8°.) Bd. IV, S. 390.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Klementyna Hoffmanowa (Wikipedia).