BLKÖ:Marastoni, Jacob und Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 16 (1867), ab Seite: 413. (Quelle)
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Marastoni, Jacob und Joseph[WS 1], Vater und Sohn. Jacob (geb. zu Venedig um das Jahr 1810, gest. um 1860). Seit bereits vierthalb Decennien ist Jacob M. in Ungarn eingebürgert und in Pesth ansäßig, wo er im Jahre 1846 eine Malerschute eröffnete, in welcher in 18 Zimmern, darunter vier große Lehrsäle, die Kunst zu malen, gelehrt wurde. Es fehlte auch nicht an den dazu unerläßlichen Erfordernissen, als Statuen, Modellen, Cartons, Skulpturen und Fresken. Es wurde sogar eine Bildergallerie improvisirt, in welcher mitunter Kunstwerke aus fast allen Schulen der Malerkunst sich befanden. Diese Kunstschule, an der sich der Pesther Kunstverein betheiligt hat, erfreute sich lange Zeit großen Zuspruchs. M. selbst wird als Vertreter der manierirten italienischen Methode der Gegenwart, aus welcher als Bester seiner Zeit Schiavoni hervorgegangen, bezeichnet, übrigens wird seine Geschicklichkeit im Modellzeichnen anerkannt. Im Jahre 1861 berichtete Gabriel Mátray im Vereine zur Unterstützung der ersten ungarischen Malerakademie, daß die von Marastoni gegründete Akademie und der sie unterstützende Verein aufgelöst seien. Erstens habe sich die Theilnahme des Publicums für die Anstalt vermindert, ferner seien die Hilfsmittel von Jahr zu Jahr immer geringer geworden und endlich sei Marastoni selbst seit 1859 so kränklich, daß er den Lasten und Sorgen der Anstalt nicht mehr gewachsen sei. Zugleich erstattete Mátray Nachricht von einer Lotterie mit deren Ergebniß eine „nationale Malerakademie“ in Pesth begründet werden sollte. In dieselbe würden dann die Modelle und Statuen und die sonstige Einrichtung der Marastonischen Malerschule übergehen, bis zur Verwirklichung dieses Planes aber die genannten Gegenstände im Museum aufbewahrt werden. Von Jacob M.’s Arbeiten waren wohl mehrere in der Pesther und nur wenige in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins in Wien zu sehen, so z. B. im Jahre 1852, im Juni: „Die gute Mutter“ (300 fl.); – im Jahre 1856, im Juli: „Ein Philosoph“ (120 fl.). – Sein Sohn Joseph (geb. zu Venedig 1. April 1834) kam als Kind mit seinen Eltern nach Pesth, wo er in des Vaters Malerschule bis zum Jahre 1850 den Unterricht in der Kunst genoß. Im Jahre 1850 besuchte er die Kunstakademie in Venedig, auf der er bis 1853 verblieb und mehrere Prämien und sonstige Anerkennungen seines Talentes erhielt. Im letztgenannten Jahre kehrte er nach Ungarn zurück und arbeitete theils im Atelier seines Vaters zu Pesth, theils zu Stuhlweißenburg als Porträtmaler. Nach dem Tode seines Vaters warf er sich auf die einträglichere Beschäftigung des lithographirten Porträts, auf welchem Felde er sich durch seine ähnlichen, kräftigen, den Charakter mit großer Wahrheit wiedergebenden zahlreichen Bildnisse, wie durch seine schönen Blätter zu Csaszar’s Werk „Halle ungarischer Vorfahren“ rühmlichst bekannt gemacht hat.

Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen [C. M. Kertbeny recte Benkert] (Prag 1862, A. G. Steinhauser, kl. 8°.) S. 129. – Pester Lloyd 1861, Nr. 96. – Kunst-Blatt [414] (Stuttgart, Cotta, 4°.) Jahrg. 1846, S. 248. – Kertbeny, Ungarische Maler-Revue u. s. w. 1. (u. einziges) Heft, S. 159. im Aufsätze: „Die ungarischen Maler, größtentheils nach der Bilderausstellung im Jahre 1845 beurtheilt“. [Daselbst heißt es über Jacob M.: „ist ein guter würdiger Bürger, aber kein guter Maler. Marastoni ist ein Nachäffer des Manieristen Schiavoni. Die Nachäffer machen aber alles besser. Sie klystiren das schmutzige aber geistreiche Fleischcolorit Schiavoni’s mit Milch und Blut, machen eine Mosaik von Unnatur zusammen, mischen eine olla potrida von Farben, hängen treuer als ihr Meister an den wahrhaft empörend manierirten Hemden und siehe – das Publicum bekommt beinahe die Maulsperre der Bewunderung. Marastoni der Maler ist der Sancho Pansa Schiavoni’s“.] – Ungarische Nachrichten 1864, Nr. 76.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Josef Marastoni (Wikipedia).