BLKÖ:Meggenhoffen, Ferdinand Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Megyeri, Karl
Band: 17 (1867), ab Seite: 262. (Quelle)
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Meggenhoffen, Ferdinand Freiherr von (Humanist, geb. zu Burghausen in Bayern im Jahre 1761, gest. zu Ried in Oberösterreich 26. October 1790). Sein Vater war Regierungsrath in Burghausen und ein vermögender Edelmann. Nachdem der Sohn eine gute Erziehung im Elternhause und in der Schule seines Geburtsortes erhalten hatte, kam er im Jahre 1778, damals 17 Jahre alt, nach Ingolstadt, wo Weishaupt Studienrector war. Bei seiner Aufnahme in die Studien wurde er mit Weishaupt bekannt und erhielt Zutritt in dessen Hause. Der Orden der Illuminaten – eine dem Freimaurerorden verwandte Gesellschaft – war schon seit zwei Jahren in Thätigkeit, und Meggenhoffen, der durch den Gründer derselben in den Orden eingeführt wurde, lebte bald ganz in dem Orden und für den Orden. Dieser merkwürdige Verein, der sich über Bayern verbreitet und dessen Mitglieder später die mannigfachsten und schwersten Verfolgungen zu erdulden hatten, war eine Verbrüderung von Menschen, welcher die höchsten und heiligsten Wahrheiten in der Theorie zu Grunde gelegen haben. Uebereilungen und Fehler in der Anordnung dieser großen Grundsätze, Mißverständnisse und böser Wille haben diesen Tempel der Humanität zertrümmert, nachdem er kaum gegründet war, und noch alle Spuren eines erst entworfenen, angefangenen Werkes an sich trug. Weishaupt, der Stifter des Illuminatenordens, wirkte zu jener Zeit durch seine öffentlichen Vorlesungen über Kirchenrecht und Philosophie sehr viel auf die Erleuchtung und auf die moralische Bildung der Studirenden in Ingolstadt, noch vielmehr aber durch die Unterhaltung in dem gesellschaftlichen Kreise von Jünglingen, die sich fast täglich in seinem Hause versammelten. In Weishaupt’s Hause bildete sich auch Meggenhoffen’s Geist und Herz; bald that er sich unter seinen jüngeren Freunden durch seine Kenntnisse und Gemüthseigenschaften hervor, und der Orden der Illuminaten nahm ihn durch den Professor Baader in die ersten Grade auf. Indessen lag M. dem Studium der Rechtswissenschaft ob und betrieb es mit aller Gründlichkeit. Die Mußestunden widmete er vorzugsweise der Lectüre der Classiker, und unter diesen vornehmlich der Stoiker. Unter den Lateinern fesselten ihn Cicero und Seneca, unter den Griechen Epiktet, Antonin und Lukan. Ueberdieß aber beschäftigte er sich auch mit den gewähltesten Werken der französischen und italienischen Literatur, und unter den Deutschen wirkte vornehmlich Garve auf seine geistige Bildung. Im Orden der Illuminaten selbst stieg er bald zu den höheren Graden und wirkte durch Wort und Beispiel für die Förderung desselben unter seinen Comilitonen. Nach einem zweijährigen Aufenthalte verließ er die Ingolstädter Hochschule und war zunächst Willens, den Anfang seiner politischen Laufbahn in Burghausen zu machen. Aber Familienverhältnisse, da schon sein Großvater Rath in der dortigen Regierung gewesen, sein Vater jetzt noch diesen Posten bekleidete, bestimmten ihn, eine Stelle beim Militär zu suchen. Er begab sich zu diesem Zwecke nach München, wo er eine [263] Proberelation ablegte und wurde dann als Auditor bei dem Hechnenberg’schen Regiments angestellt, welches in Burghausen stationirt lag. Auf diesem Posten erwarb er sich bald die allgemeine Achtung. Schon waren mehrere Officiere des Regiments Mitglieder des Illuminatenordens, durch ihn wurden noch andere für denselben gewonnen. Auch blieb er von Burghausen aus in beständigem Briefwechsel mit seinen Lehrern und Freunden in Ingolstadt. Ueber sein Wirken als Auditor schreibt sein Nekrologist: „Officiere und Gemeine liebten ihn nicht nur, sie verehrten ihn. Seine Art, bei Verhören die Schuldigen zum Geständniß und zur Einsicht ihrer Vergehungen zu bringen, soll musterhaft in psychologischer Hinsicht gewesen sein, und wer solche Protocolle von ihm gesehen hat, halt sie für wirklich merkwürdige Documente in dieser Gattung.“ So hatte er mehrere Jahre als ein allgemein beliebter und geachteter Mann und als der treueste Diener des Staates in seinen Verhältnissen gelebt, als im Juli 1784 eine churfürstliche Verordnung erging, die alle Staatsdiener und Unterthanen ermahnte, von der Gesellschaft der Illuminaten-Freimaurer, deren Dasein bekannt geworden war, abzustehen. Der Orden löste sich sofort auf, nur der erste oder sogenannte Minervalgrad wurde als eine bloß literarische Verbindung zur Bildung junger Leute noch fortgesetzt. Indessen kam die Sache immer schlimmer. Im Jänner und in den folgenden Monaten des Jahres 1785 begannen die Inquisitionen gegen Weishaupt und einige andere Professoren in Ingolstadt. Weishaupt, der willkürlichen Art und Weise, mit der man gegen ihn verfuhr, müde, legte schon am 11. Februar seine Professur nieder, verzichtete auf die ihm belassene Pension und ging als sachsen-gothaischer Hofrath nach Regensburg. In ähnlicher Weise ward gegen andere Mitglieder eingeschritten. Da sich aber viele vornehme und sonst hochgeachtete Personen, welche hohe Stellen in den Landescollegien, ja selbst bei Hofe bekleideten, unter den Ordensmitgliedern befanden, so schien der Churfürst geneigt, sich von einem Mitgliede der Gesellschaft selbst, von dem Grafen von Seeau, in einer besonderen Audienz näheren Bericht über dieselbe erstatten zu lassen. Indessen entwickelte Hofkammerrath Utzschneider, der Hauptgegner des Ordens, eine so energische Thätigkeit gegen denselben, daß, ehe noch Seeau’s Audienz stattfand, ein erneuertes Aufhebungs-Edict wider die Illuminaten in München unter Trompetenschall ausgerufen wurde, und nun Seeau’s Audienz unterblieb. Nun erst gingen die Verfolgungen gegen alle Theilnehmer ihren geregelten Gang. An die Landesstellen und an die Armee erging der Befehl, daß sich alle Mitglieder binnen sechs Wochen angeben und dem Orden schriftlich entsagen sollten. Natürlich unterwarf sich auch Meggenhoffen diesem Befehle. Da der Landesherr Allen, die sich freiwillig als Mitglieder bekennen würden, seine ewige Gnade zusicherte, so schien die Sache abgethan zu sein. Jedoch für Meggenhoffen – und, wie die Geschichte jener Tage nachweist, auch für Andere – war das keineswegs der Fall. Nach einigen Monaten gelangte von dem General Belderbusch ein Brief an den Commandanten in Burghausen, worin ihm befohlen ward, dem Auditor Meggenhoffen einen Revers, der aus 26 Fragepuncten bestand, einzuhändigen, welche dieser innerhalb drei Tagen beantworten sollte. Die Fragen [264] erstreckten sich auf Alles, was seine Verbindung mit dem Orden und die Einrichtung der Gesellschaft selbst betraf, über die Beiträge, Casse, Anzahl der Mitglieder, über den Endzweck des Ordens und dessen Einfluß in das Ganze. Meggenhoffen antwortete innerhalb der festgesetzten Frist auf alle Fragen und ohne allen Rückhalt [vergleiche die Quellen]. Einige Tage darnach, am 27. October, nachdem er den Revers mit den beantworteten Fragen abgeschickt, wurde er von der Wachparade nach Hause berufen. In seiner Wohnung traf er eine Commission, welche ihm mittheilte, daß sie Befehl habe, nach Papieren des Ordens bei ihm zu suchen und sie abzunehmen. Die Commission fand einige Papiere, es waren Briefe von seinen Freunden und darin die bedenklichsten Stellen folgende: „Ich denke mein Vaterland so bald als möglich zu verlassen; es tödtet seine Propheten. – Am Ende, hoffe ich, sind wir doch noch die gewinnende Parthie, wenn wir nur Römer sind.“ – „Träfe die Verfolgung die Würdigsten, so hätten Sie unter Allen einer der Ersten sein müssen.“ Außer diesen Briefen fand man eine Abhandlung über das geschäftige Leben, mehrere Reden, die in einer Loge zu Frankfurt a. M. gehalten worden waren, das Fragment eines Protokolls von einer wissenschaftlichen Unterredung und noch einiges Andere ohne Bedeutung, was jedoch nichtsdestoweniger von der Commission mitgenommen und an den General Belderbusch abgeschickt worden war. Acht Tage nachdem dieß vorgegangen, erging an das Regiment der Befehl, daß M. vermöge eines Cabinets-Rescriptes ab officio zu suspendiren und ihm der Auftrag zu ertheilen sei, sofort nach München zu reisen und sich dort dem geheimen Rathe Häusler vorzustellen, um die ihm vorgelegten Fragen zu beantworten. M. entsprach dem Befehle, reiste nach München, wo ihn General Belderbusch in roher Weise empfing und an den Rath Häusler verwies. Bei diesem brachte er in zwei Tagen fünfzehn Stunden in Verhören zu, Alles, was M. sprach, wurde protokollirt. Nach weiteren acht Tagen wurde ihm die über ihn gefällte Sentenz bekannt gemacht. In dieser aber hieß es zum Schlusse: „Um aber diesen naseweisen Philosophen und Illuminaten von einer so verführerischen Secte, von welcher man weder die vorgespiegelte Besserung der Sitten noch Aufklärung des Verstandes an ihm und seinen Mitbrüdern im geringsten wahrnehmen kann, ab- und auf den rechten Weg der Tugend und Aufklärung zu bringen, soll er nach vorläufig ernstlichem Verweis und Ermahnung in das hiesige Franziskanerkloster auf unbestimmte Zeit überbracht und alldort in den christkatholischen Sitten- und Glaubenslehren der Nothdurft nach unterrichtet werden.“ Diese Sentenz, gegeben zu München am 13. November 1785, gegen einen Mann wie Meggenhoffen, war offenbar ein Hohn, eine Erniedrigung, und somit empfindlicher als die Strafe selbst. Meggenhoffen gab seinen Degen ab und verfügte sich in seine Haft zum Guardian des Franziskanerklosters. Dort fand er den humansten Empfang und eine Behandlung, die ihm alle Bitterkeit seiner Lage vergessen machte. Nie dachte M. später ohne Rührung an die Zeit seines Aufenthaltes im Kloster zurück. Nachdem man ihn näher kennen und achten gelernt, drängten sich die Mönche um den Philosophen im Soldatenrocke, man gab ihm freien Eintritt in die Bibliothek und that Alles, um ihm seine [265] Haft angenehm zu machen. Als nach einiger Zeit der geheime Rath Häusler bei dem Pater Guardian nach seinem Gefangenen sich erkundigte und diesen fragte, ob sie ihn gern bald los sein wollten, erwiederte der Guardian: „Ganz und gar nicht, er ist uns ein lieber gnädiger Herr. Er weiß sich selbst aufzumuntern und zu beschäftigen. Was die Religion betrifft, so finden wir, daß er auch ein Christ sei, wie ein Anderer. Ich kann nicht glauben, daß dort, wo dieser Herr gewesen ist, etwas Unerlaubtes vorgegangen sei.“ So hatte die einfache Rede eines Mönches jenes unwürdige amtliche Verfahren gegen einen Mann wie M., ja selbst gegen die Gesellschaft, der er angehört hatte, gerichtet. Nach einmonatlicher Haft wurde M. entlassen. Er begab sich nun zu seinem Regimente zurück und traf alle Anstalten zum Austritte aus demselben. Es war ein schwerer Entschluß, Vaterland, Eltern, Freunde und ein Regiment zu verlassen, wo ihn Officiere und Gemeine liebten und verehrten. Er hatte keine Aussicht auf andere Dienste, wußte nicht, wohin er ziehen sollte, aber in seinen Rechten als Mensch ließ er sich – da er musterhaft als Staatsdiener war – nicht in so gröblicher Weise verletzen. Alle Gegenvorstellungen seiner Freunde und Kameraden waren vergeblich, und mit wahrer Betrübniß sah ihn das Regiment aus seiner Mitte scheiden. Es war zu Ende des Jahres 1785. Noch besuchte er seinen Geburtsort Burghausen, dann seinen Freund Weishaupt, mit dessen Beistimmung er die folgende Schrift drucken ließ: „Meine Geschichte und Apologie; von F. Freiherrn von Meggenhoffen“ (Nürnberg 1786), welche auch als Beilage zum 6. Bande von Weckherlin’s „Grauem Ungeheuer“ ausgegeben worden ist. Dann begab er sich nach Mainz, wo er einige Monate verweilte, von Mainz nach Neuwied und Ende des J. 1786 nach Wien. Alle seine Versuche, daselbst ein Unterkommen zu finden, scheiterten im Anbeginn. Auf die mühsamste Weise rang er um seinen Unterhalt, endlich, nachdem er ein Jahr lang unter allen Entbehrungen sein Dasein gefristet, gewann er an Born [Bd. II, S. 71] einen thatkräftigen Freund; durch ihn erhielt Meggenhoffen im Jahre 1787 in dem neuerworbenen österreichischen Innviertel die Stelle eines Schulcommissärs in Ried, mit dem Gehalte von 800 fl. Das war so recht ein Wirkungskreis für M., diesen Humanisten vom Wirbel bis zur Zehe. Bald gewann er auch alle Herzen. Er war unermüdlich in Erfüllung seiner Amtspflichten, die darin bestanden, seinen District beständig zu bereisen, genaue Aufsicht auf die Schullehrer zu halten, Reformen vorzunehmen, Pläne für verbesserte Methoden einzureichen u. dgl. m. Seine Amtstreue und sein Pflichteifer fanden auch an maßgebender Stelle solche Anerkennung, daß seine Beförderung zum Kreishauptmanne gewärtigt wurde. Da machte er im Monate October 1790 einen Besuch in Stubenberg bei seinem ehemaligen Obersten, dem Grafen von Baumgarten. Auf einer Wasserjagd setzten sie am 26. g. M. auf einem kleinen Kahne über den Inn und wollten von Hagenau auf die bayerische Seite rudern, da stieß der Kahn an einen Stock, schlug um und der Oberst und Meggenhoffen ertranken. Der Oberst wurde todt aus dem Wasser gezogen, M.’s Leiche erst drei Monate später aufgefunden. Die Nachricht von seinem Tod machte tiefen Eindruck auf seine Freunde. In seinem unablässigen Bestreben nach eigener moralischer Besserung, gehört [266] M. zu jenen seltenen Erscheinungen, welche den wahren Adel der Menschheit bilden. Weit entfernt, sich selbst für fehlerlos zu halten, war er, wenn er einen solchen an sich gewahr wurde, auf das Eifrigste bemüht, ihn abzustellen. Fremdes Unrecht, wenn auch an ihm verübt, ertrug er mit Mäßigung, weniger sich, als jene bedauernd, die es begingen. Der Glaube an Gott und Unsterblichkeit waren die Grundpfeiler seines Denkens, auf die er sich in den Wechselfällen seines kurzen aber bewegten Lebens im Handeln und im Leiden unwandelbar stützte. Es war eine schöne Zeit, als das so oft übelbeleumundete Oesterreich solchen Männern nicht nur Unterkunft, sondern Amt und Würde gab, und dazu ein Amt, in welchem für künftige Generationen der Samen des Segens gestreut werden konnte.

Schlichtegroll (Friedrich). Nekrolog auf das Jahr 1790. Enthaltend Nachrichten von dem Leben merkwürdiger, in diesem Jahre verstorbener Personen (Gotha, Just. Perthes, kl. 8°.) Bd. II, S. 279; – derselbe auf das Jahr 1791, Bd. II, S. 380. – Zu Meggenhoffen’s Charakteristik als Illuminat. In dem Revers mit den 26 Fragepuncten, welche Meggenhoffen zu beantworten erhielt, wie dieß in der obigen Lebensskizze bemerkt worden, schreibt M. unter anderem: „Der Orden machte sich zu meinem Schutz und Beistand, zur Erweiterung und Erleichterung meiner Kenntnisse, zur Erhöhung meiner moralischen Gefühle und folglich zu der daraus für mich resultirenden Glückseligkeit gegen mich verbindlich. Er erlaubte sich in Bestrafung der ungetreuen Mitglieder gar keiner äußeren Gewalt. Meine Pflichten als Minerval (im ersten Grade) liefen auf moralische und scientifische Zwecke hinaus. Ich mußte vorgeschriebene Bücher lesen; diese waren Antonin, Epiktet, Plutarch, Abt, Meiners und überhaupt die alten Classiker; das Gelesene notiren, mich zu einem Studienfach bekennen, in solchem von Zeit zu Zeit Beweise meiner Arbeitsamkeit geben und mich hierdurch im Vortrage üben. Vorzüglich wurde mir aufgetragen, alles zur Aufnahme gelehrter Akademien und der Schulen beizutragen, die Pflichten meines Standes, die der Orden als die ersten Pflichten erklärt, genau zu erfüllen, mich eines untadelhaften Rufes zu befleißen, Beweise von Mäßigkeit, Selbstbeherrschung, von Friedfertigkeit und Wohlwollen zu geben. Auch wurde Hochachtung für das Alter und für die hohen Stände des Staates empfohlen. – An Geld habe ich weder bei meiner Aufnahme, noch auch monatlich etwas beigetragen. Der Endzweck von allem schien mir zu sein, die Moral in’s praktische Leben einzuführen, den Gliedern mehrere Beweggründe zur Erfüllung ihrer sowohl allgemeinen Pflichten, die ihnen als Menschen, als auch der besonderen, die ihnen als Christen und Bürgern obliegen, zu verschaffen, und hierdurch die Ausübung derselben zu erleichtern und die Verletzung zu erschweren; eine continuirliche wissenschaftliche Akademie herzustellen, in der keine Kenntniß verloren gehen kann, worin die Nachkommenschaft geschehene Arbeit findet, die Früchte der Vorarbeiter genießt, nicht in diesem oder jenem scientifischen Fache neu anfangen darf, sondern fortfahren kann, wo es die Vorfahren gelassen haben. Das Geheimhalten schien nöthig, nicht, weil man etwas zu fürchten hatte, sondern um ruhiger, und weil das Verborgene größeren Reiz für die Menschen hat, eifriger die übrigen Zwecke verfolgen zu können, auch deßwegen, um die weite Kluft auszufüllen, die zwischen den verschiedenen Ständen des Staates sich in jeder öffentlichen Gesellschaft befindet. Der Einfluß des Ordens auf das Ganze schien mir in nichts minderem zu bestehen, als meinem Vaterlande und jedem Staate aufgeklärte und brave Bürger zu verschaffen, und so Staaten zu Staaten addirt, ein besseres Menschengeschlecht in der Welt herzustellen.“ Aus einem Briefe, den ein Bekannter Meggenhoffen’s an Schlichtegroll schrieb, können folgende Züge zu Meggenhoffen’s Denkungsart entnommen werden. „Meggenhoffen“, heißt es in diesem Briefe, „sprach einige Jahre vor seinem Tode öfters vom Ehestande, und war auch gesinnt, sobald er durch den Tod seines Vaters Gutsbesitzer würde, sich zu verehelichen. Weil er aber keine Person fand, die er ganz für sich passend hielt, so entschloß er sich in seinem letzten Jahre, unverehelicht zu bleiben, sobald er den Besitz seines Gutes Tiefenbach antreten würde, ganz für seine Unterthanen zu leben und diese sowohl durch zweckmäßigen Unterricht über [267] ihre Pflichten und Bestimmung, als durch Mäßigung ihrer Abgaben möglichst glücklich zu machen. Mit seinem Tode sollte Tiefenbach dereinst aufhören, ein Gut zu sein, sondern den jetzigen Unterthanen als Eigenthum zugehören und diese also von allen grundherrschaftlichen Abgaben für immer frei bleiben; dagegen hatten sie ihm versprechen müssen, einige für sie nützliche Anstalten, über die er erst noch weiter nachdenken würde, aufrecht zu erhalten. Das waren seine festen Vorsätze und Entschließungen in der letzten Zeit.“