BLKÖ:Melnitzky, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 333. (Quelle)
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Melnitzky, Franz (Bildhauer, geb. zu Schwamberg in Böhmen im Jahre 1822). Der Vater, ein Steinmetz, bestimmte den Sohn für dasselbe Fach. Nachdem dieser mehrere Jahre unter der Leitung des Vaters gearbeitet, erwachte die Neigung zu edlerer Beschäftigung in ihm, und er wollte Bildhauer werden, womit sich der Vater einverstanden erklärte. So kam er denn im Jahre 1838, 16 Jahre alt, zu seinem Onkel nach Olmütz, der dort als Bildhauer lebte und arbeitete. Bis zum Jahre 1845 blieb M. bei seinem Oheim, und hatte sich in dieser Zeit eine ganz vortreffliche Technik angeeignet, auch bereits selbstständig mehrere Arbeiten in verschiedenem Material, vornehmlich religiöse Gegenstände, mit Glück ausgeführt, aber in seinem Streben nach höherer Ausbildung fühlte er es nur zu sehr, daß ihm die eigentliche Schule noch fehle. Olmütz besaß zu jener Zeit keine Anstalten, wie sie der junge Bildhauer zu seiner höheren Ausbildung bedurfte. So begab sich M. nach Wien, um dort seine Studien fortzusetzen. Mittlerweile waren seine Eltern gestorben, hatten durch verschiedene Unglücksfälle all ihr Hab und Gut verloren und M. war für sein Fortkommen auf sich selbst angewiesen. Seine Bemühungen, in die kais. Akademie der bildenden Künste zu kommen, scheiterten an dem Umstande [334] daß er sich nicht mit dem Besuche der Realschule, die als Erforderniß für die Aufnahme vorgeschrieben war, ausweisen konnte. Ein dreimaliges Gesuch – ohne Rücksicht auf die ausgesprochene, durch seine bereits geleisteten Arbeiten bewiesene Befähigung – wurde jedesmal abgewiesen. Indessen gelang es ihm, in das Atelier des Directors [BLKÖ:Klieber, Joseph|Klieber]] [Bd. XII, S. 92] zu kommen, und dort bei großen Arbeiten verwendet, fand er während zwei Jahren, die er daselbst beschäftigt war, Gelegenheit, sich zu vervollkommnen. Ein von ihm für die neue Kirche in der Jägerzeile in Marmor vollendetes Basrelief verschaffte ihm endlich die Erlaubniß, die kais. Akademie der Künste besuchen zu dürfen. Dort arbeitete nun M. mit allem Fleiße und mit rastloser Ausdauer. Auch gelang es ihm, binnen kurzer Zeit zwei Preise zu erwerben. Zu gleicher Zeit fand er im Atelier des Bildhauers Hanns Gasser [Bd. V, S. 92] hinreichende Beschäftigung für sein Fortkommen. Im Jahre 1851 unternahm er eine Reise durch Deutschland und besuchte mehrere Städte, die ihm durch ihre Bildhauer- und sonstigen Monumentalarbeiten Gelegenheit zu Studien für seine Kunst boten. Endlich sollte sich sein sehnlichster Wunsch, eine Reise nach Italien, erfüllen, auch hatte er bereits den Paß gelöst, als sich knapp vor der Abreise die Bestellungen von verschiedenen Seiten in solcher Weise mehrten, daß er vorderhand die Reise aufzugeben genöthigt ward und leider bisher nicht wieder die Zeit gefunden hat, diesen seinen Lieblingswunsch zu verwirklichen. Die zahlreichen ihm übertragenen Arbeiten ermöglichten ihm aber die Eröffnung eines eigenen Ateliers, in welchem er bis zur Gegenwart mit der Ausführung von Privataufträgen und nicht minder von monumentalen Bildnereien für das neue Wien ununterbrochen beschäftigt ist. Melnitzky’s vorzüglichste Werke sind: „Der lehrende Christus“, für die Schule auf dem Rennwege, 7 Schuh hohe Statue; – „Die Kunst“, – „Die Wissenschaft“, – „Der Handel“, – „Die Industrie“, vier allegorische Figuren, jede 7 Schuh hoch, aus Sandstein, für die Realschule auf der Wieden; – die Heiligenstatuen: „Leopold“, – „Andreas“, – „Kaspar“, – „Stephan“, – „Barbara“ und „Franciscus“, für die Giebel der St. Stephanskirche, jede 5 Schuh hoch, aus Sandstein; – „Vier Kindergruppen“, jede 5 Schuh hoch, aus Zink, für die Karolinenbrücke; – „Zehn Basreliefs“, theils aus Holz, theils aus Gyps, für die innere Decoration des Fürst Kinsky’schen Palais auf der Freiung; – „St. Barbara“, – „St. Johannes“, – „Zwei Engel“ und ein „Christus am Kreuze“, sämmtliche Figuren aus Birnbaumholz, für die Kirche des kaiserlichen Arsenals; – die zwölf Schuh hohe Figurengruppe für das neue Bürgerversorgungshaus in der Währingerstraße; – ferner sieben Altarfiguren aus Sandstein für die Hauscapelle daselbst; –die „Karyatiden“, aus Wolersdorferstein, für das Liebich’sche Haus auf dem Graben, und die vier Figuren auf der Attika ebenda, aus Sandstein; – „Gruppe von drei spielenden Kindern“, für den Springbrunnen im Augarten zu Brünn; – „Christus am Kreuze, umgeben von dem h. Johannes, von Maria und Magdalena“, Basrelief aus carrarischem Marmor, für ein Grabdenkmal auf dem Währinger Friedhofe; – drei Basreliefs aus Gyps für den Sitzungssaal des Börsengebäudes auf der Freiung; ein Basrelief aus Birnbaumholz, „Die Gründung der Bank“ vorstellend, und zwei freistehende allegorische Figuren „Der Ackerbau“ und „Der Handel“, für das[335] selbe Gebäude; – „Bergbau“, – „Baukunst“, – „Handel“ und „Industrie“, vier Statuen für den Heinrichshof auf der Ringstraße, jede 6 Schuh hoch, aus Sandstein; – „Eine Quellennixe“, 61/2 Schuh hoch, aus Sandstein, für das anläßlich der Jubelfeier des Teplitzer Bades zu errichtende Denkmal; – „Die Weisheit“, – „Die Gerechtigkeit“, – „Die Ehre“ und „Die Stärke“, vier Portal-Figuren, für den Palast des Herzogs von Württemberg; – „Die Gastfreundschaft“, großes Basrelief für denselben Palast; – der reich mit Ornamenten geschmückte Wappenschild für die Hauptfaçade des Ludwig Victor-Palastes. In jüngster Zeit hat er die Modelle seiner letzten, im Auftrage der Commune ausgeführten Arbeiten ausgestellt, nämlich jenes der Statue Heinrich’s Jasomirgott für die Elisabethbrücke, und der Kolossalfiguren des Krieges, des Friedens, des Ruhmes und Wohlstandes für die Aspernbrücke. Gegenwärtig beschäftigt er sich mit der Ausführung von vier Gruppen für die Attika des Cursalons und mit zwei weiteren Gruppen für die Rückseite desselben Baues. Was den künstlerischen Charakter der Arbeiten Melnitzky’s betrifft, so ist derselbe, wie dieß bei Werken, bei denen leider der Kunstzweck noch in zweiter Linie steht, nur zu oft vorkommt, sehr verschieden. Die Technik in Melnitzky’s Arbeiten wird von Kennern immer als tadellos gerühmt; er arbeitet mit Sorgfalt und Fleiß. Am Geschmack in Auffassung und Gruppirung wird Einzelnes getadelt, Anderes wieder sehr gerühmt; jedenfalls aber gewinnt bei denselben der Bildhauer, weil er rasch und im Ganzen gefällig arbeitet, mehr, als die Kunst.

Wiener Zeitung 1866, Nr. 105: „Die Figuren der Aspernbrücke“. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 513 u. 602. – Vorstadt-Zeitung (Wien) 1864, Nr. 303: „Die Statuen für die Elisabethbrücke“. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1864, Nr. 263; 1865, Nr. 159; 1866, Nr. 80, 114, unter den Kunstnotizen. – Kataloge der Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins (Wien, 8°.) 1852, April Nr. II; 1853, September Nr. II; 1854, Februar Nr. I; 1855, December Nr. 106; 1860, April Nr. I; 1861, Juni Nr. 53; 1866, Februar Nr. 57.