BLKÖ:Mercy, Franz Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 394. (Quelle)
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4. Franz Freiherr von Mercy (geb. zu Longwy gegen Ende des 16. Jahrhunderts, gest. am 2., nach Anderen am 3. und wieder nach Anderen am 4. August 1645). In jungen Jahren trat er in das Heer des Churfürsten von Bayern, zu Anfang des dreißigjährigen Krieges unter dem Herzoge von Lothringen in kaiserliche Dienste. In der Schlacht bei Leipzig, 1631, damals bereits Oberstwachtmeister unter Piccolomini, zeichnete er sich durch seine Tapferkeit besonders aus, wurde aber auch verwundet; nachher als Oberst bei einem Ausfalle aus Breisach 1633 gefangen. Seine fast sprichwörtlich gewordene Tapferkeit, die ihn sich selbst immer vergessen ließ, brachte ihn noch oft in ähnliche Lagen, so bei Wattweil, auf der Hülsenhaide und bei Ravensberg. Im Jahre 1634 mit der Vertheidigung von Rheinfelden beauftragt, hielt er den Platz mehrere Monate, von Uebermacht bedroht, bis die Umstände, den Platz weiter zu halten, unmöglich machten. Zum General-Wachtmeister befördert, wohnte M. von 1635 bis 1637 der Belagerung von Colmar, dem Entsatze von Vola und dem Treffen bei Grey bei; dann focht er wider den Herzog von Longueville in der Unterpfalz, schloß bei Waldneuburg den General Schlangen mit vier Reiter-Regimentern ein und zwang ihn, sich zu ergeben, wirkte bei der Belagerung von Wolfenbüttel und bei der Eroberung von Göttingen (1640 bis 1641) mit. Nun drang er in das von den Franzosen besetzte Breisgau und in Württemberg ein, überfiel bei Duttlingen (24. December 1643) den General Ranzau, nahm ihn gefangen und richtete fast seine ganze Armee zu Grunde. Nun wurde M. zum kaiserlichen Feldmarschall ernannt und an die Spitze des vereinigten Heeres gestellt. Mit diesem unternahm er, nachdem er sich im Mai 1644 Ueberlingens bemächtigt, die Belagerung von Freiburg und zwang die Festung zur Uebergabe, worauf er vor derselben in einem verschanzten Lager Stellung nahm. In [395] diesem wurde er in den ersten Tagen des August von dem Herzoge von Enghien und von Marschall Turenne angegriffen, und mußte erst nach einem dreitägigen Kampfe – vom 3. bis 5. August – welchem täglich immer nur die Nacht erst ein Ende machte, seine Stellung aufgeben. Als er aber endlich den Rückzug antrat, geschah es nicht, ohne der ihm nachsetzenden feindlichen Cavallerie in einem hartnäckigen Kampfe schweren Verlust beizubringen, worauf er sich in guter Ordnung zurückzog. Im Feldzuge des Jahres 1645 nahm M. seine Stellung an den schwäbischen und fränkischen Grenzen. In demselben gewann er gegen den sich für unbesiegbar haltenden Turenne die große Schlacht bei Mergentheim, 25. April 1645, fand aber noch im nämlichen Jahre im Treffen bei Allerheim. 3. August 1645, den Tod. Wieder war er im Kampfe dem Herzoge von Enghien und dem Marschall Turenne gegenüber gestanden, und alle Chancen des Sieges neigten sich bereits auf Mercy’s Seite. Da, als er mitten im Kampfe auf eine Stelle eilte, wo dringende Gefahr seine Gegenwart zu fordern und von deren Behauptung der Erfolg des Tages abzuhängen schien, tödtete ihn eine Musketenkugel. Wohl entspann sich nun der Kampf noch heftiger, aber der Feind errang immer neue Vortheile, und Johann von Werth, obgleich er auf dem linken Flügel gesiegt, mußte sich, nachdem er das Mißgeschick der Anderen gehört, unter dem Schutze der einbrechenden Dunkelheit nach Donauwörth zurückziehen. Mercy wurde auf dem Schlachtfelde beigesetzt, und der auf seinem Grabe aufgestellte Stein trägt die von Feindeshand eingegrabene Schrift: „Sta viator heroem calcas“. Mercy galt für einen ausgezeichneten Feldherrn seiner Zeit und seine Kämpfe mit Turenne, dem ungeachtet seiner Alles übersteigenden Eitelkeit großes Feldherrntalent zuerkannt worden, sind taktisch ungemein lehrreich. Der Marschall Grammont steht nicht an, in seinen Memoiren offen zu gestehen, daß, so oft der Herzog von Enghien und Turenne dem General Mercy gegenüberstanden, und sie mochten im Kriegsrathe den Angriffsplan so sorgfältig wie möglich und immer zum Vortheile ihres Heeres ausgedacht haben, Mercy immer Alles errathen habe und ihnen in Allem zuvorgekommen sei, als wenn er mit ihnen im Einverständniß gewesen wäre und Kenntniß von allen ihren Plänen gehabt hätte. [Allgemeines historisches Lexikon (Leipzig 1731, Th. Fritschen’s Erben, gr. Fol.) Bd. III, S. 535. – Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen, 8°.) Bd. I, Abthlg. 4. 5. 193. – Porträt. Auf einem Blatte mit Nikolaus Grafen Eßterházy, gest. von Langer (Wien 1813, 4°.).] –