BLKÖ:Merode-Westerloo, Johann Philipp Eugen Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Merkle, Meinrad
Band: 17 (1867), ab Seite: 398. (Quelle)
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Merode-Westerloo, Johann Philipp Eugen Graf (kais. Feldmarschall, geb. zu Brüssel 22. Juni 1674, gest. im Jahre 1732). Seinen Vater hatte der Graf, als er erst ein Jahr alt war, durch den Tod verloren. Im Jahre 1677 heirathete die Mutter den zur katholischen Religion übergetretenen Herzog Joachim Ernst von Holstein-Rethwisch, jüngsten Sohn des Herzogs von Holstein-Ploen und der Schwester des Herzogs Ulrich Anton von Braunschweig-Wolfenbüttel. Des jungen Grafen Stiefvater hatte als General der Cavallerie in spanischen Diensten, als er einst auf dem Schlosse Westerloo im Quartiere lag, die damalige Gräfin Merode kennen gelernt und sie später geheirathet. Der Stiefvater trug große Sorge für die Erziehung seines Stiefsohnes, und da dieser von schwächlicher Gesundheit war, wurde frühzeitig darauf hingearbeitet, ihn von der militärischen Laufbahn abwendig zu machen. In seinen Knabenjahren machte M. mit seinen Eltern große Reisen. Im Jahre 1686 ging er mit ihnen nach Spanien und von dort aus begleitete er seinen Stiefvater nach Afrika, um an der Vertheidigung der von den Mauren belagerten, damals noch spanischen Stadt Oran Theil zu nehmen. Erst im Jahre 1689 waren sie aus Spanien nach Brüssel zurückgekehrt. Als er sich einige Zeit darauf mit seinem Stiefvater entzweit, zog er sich auf die ihm gehörende, bei Mastricht gelegene Herrschaft zurück. Im Jahre 1692 machte er, mit dem Herzoge wieder ausgesöhnt, unter seinem Commando als Freiwilliger eine Campagne gegen die Franzosen mit, im Jahre 1793 wohnte er der Schlacht bei Neerwinden bei, kämpfte bei Namur, und als, um ihm den Soldatendienst zu verleiden, seine Eltern seine Beförderung hintertrieben, begab er sich nach Madrid und erhielt dort eine Capitänstelle in der Reiterei, die er in Mailand antrat. Nach dem Ryswicker Frieden begab er sich in sein Vaterland zurück, wo er theils auf seinen Gütern, theils in Brüssel lebte. In Folge eines Streites mit dem Churfürsten von Bayern, damaligen Gouverneur [399] der Niederlande, anläßlich der Leichenfeier des Königs Karl II. von Spanien, erhielt der Graf, der damals ein Regiment in Ostende commandirte, Festungsarrest. Bei Ausbruch des spanischen Successionskrieges that er wieder Kriegsdienste, und zwar begab er sich nach Italien. Später ging er in die Niederlande zurück, wo auch bald die Feindseligkeiten begannen; im Jahre 1703 wurde er zum Maréchal de camp ernannt. Im Jahre 1704 erhielt er ein Commando über die in Deutschland stehenden spanischen und wallonischen Truppen bei Breisach, kämpfte bei Hochstädt (12. August 1704), in welcher Schlacht er die wesentlichsten Dienste leistete, verwundet wurde und zweimal in Todesgefahr kam. Als die Alliirten nun Landau belagerten und der Churfürst von Bayern sich nach den Niederlanden zurückzog, begab sich auch der Graf nach Hause. Er hatte für seine ausgezeichneten Dienste, die mit großen Vermögensopfern verbunden waren, Anerkennung gehofft, aber keine solche, wie er erwartete, erhalten, er nahm daher seine Entlassung und trat durch Vermittelung des Churfürsten von der Pfalz im August 1705 in die Dienste des Kaisers Karl VI. über. Er erhielt nun ein Regiment in der kaiserlichen Armee, das berühmte, nach ihm Merode-Westerloo benannte Dragoner-Regiment, heute Windisch-Grätz-Dragoner, und wurde im Jahre 1711 von Kaiser Karl VI. nach Wien berufen. Er reiste über Innsbruck, wo der Kaiser sich eben zur Huldigung der Stände befand, und als sich Kaiser Karl VI. von dort nach Frankfurt a.M. zur Kaiserkrönung begab, gab ihm auch der Graf das Geleite dahin; bereits von dem Könige von Spanien zum Ritter des goldenen Vließes, von dem Kaiser aber in Innsbruck zum Kammerherrn ersten Ranges ernannt, war er in beiden Eigenschaften berufen, bei der Krönung Theil zu nehmen. Im October 1712 machte der Graf in Familienangelegenheiten – denn er hatte sich schon im Jahre 1702 mit Maria Theresia Pignateli, Herzogin von Monteleone, vermält – eine Reise nach Italien, von welcher er im November 1713 zurückkehrte. Den Rest dieses Jahres und die folgenden bis 1716 verlebte der Graf auf seinen Gütern und in Brüssel, worauf er im Sommer 1717, zum Feldmarschall ernannt, sich nach Wien begab. Da seine in Brüssel zurückgebliebene Gemalin bald darauf (9. August 1718) gestorben war, blieb der Graf in Wien, wo er sich (im Juni 1721) zum anderen Male, mit Charlotte Wilhelmine Prinzessin von Nassau-Hadamar, vermälte, aus welcher Verbindung die heutigen Grafen von Merode-Westerloo – die Herrschaft Westerloo ererbte er von seinem Großoheim Philipp von Merode, der kinderlos gestorben war – abstammen. Bald nach seiner zweiten Heirath zog sich der Graf mit seiner Gemalin auf seine Güter zurück. Einige Quellen berichten, der Graf sei im Jahre 1727 bei dem kaiserlichen Hofe in Ungnade gefallen. Der Graf hat Memoiren hinterlassen, welche erst von einem seiner Nachkommen in unseren Tagen (1840) herausgegeben worden sind. Ihr Titel ist in den Quellen angegeben. Diese Memoiren sind eine ebenso wichtige, als unterhaltende Geschichtsquelle. Sie umfassen die Zeit von 1702 bis 1732, und geben die interessanten Aufschlüsse über die damaligen Zeitverhältnisse und maßgebenden Persönlichkeiten. Wenn auch der Graf durchaus nicht immer streng objectiv verfährt, [400] was namentlich bei seinen Mittheilungen über den Prinzen Eugen hervortritt, den er immer und überall tadelt, so stellt er doch ein bemerkenswerthes und für den Historiker höchst schätzbares Material bei. Vornehmlich beachtenswerth sind seine Mittheilungen über den Kaiser Karl VI. und seine Regierung. Er weist in anregender Manier nach, wie es den Ministern gelang, dem thätigen Fürsten die Lust, selbst zu regieren, zu nehmen. Er beschreibt die Besetzung der höheren Staatsstellen, gibt über die, welche sie bekleideten, als über den Fürsten Schwarzenberg, die Grafen von Herberstein, Zinzendorf, Schlik, Schönborn, Windisch-Grätz, Starhemberg, Thürheim, Harrach, lesenswerthe Notizen. Er schildert den Prinzen Eugen und dessen Charakter, welche Schilderung jedoch durch eine Stelle im zweiten Bande der Memoiren: „j’ai le prince Eugène pour ennemi“ (p. 181) die gehörige Aufklärung erhält. Aus seiner ersten Ehe hinterließ der Graf, als er im Alter von 56 Jahren starb, eine Tochter, Isabella Maria (geb. 13. October 1703), welche sich im Jahre 1717 mit Franz Joseph Grafen von Czernin vermälte und schon im Jahre 1733 Witwe wurde. Die zweite Gemalin gebar ihm neben mehreren Kindern den Sohn Johann Wilhelm (geb. 16. Juni 1722), mit welchem die Stammreihe der Grafen Merode-Westerloo anhebt. Schließlich muß noch bemerkt werden, daß Oettinger in seiner „Bibliographie biographique“ (Bruxelles 1854, Stiènon), p. 1193, den Grafen Johann Philipp Eugen im Jahre 1763 geboren und im Februar 1830 gestorben sein läßt, was offenbar kein Druckfehler, sondern ein Irrthum um ein volles Jahrhundert ist. Endlich werden im Historisch-Heraldischen Handbuche zum genealogischen Taschenbuche der gräflichen Häuser, S. 589, dem Grafen Johann Philipp Eugen zwei Söhne, Namens Johann Philipp und Philipp Max, zugeschrieben, was dahin zu berichtigen ist, daß die beiden aus der zweiten Ehe stammenden Söhne Johann Wilhelm (geb. 16. Juni 1722) und Philipp Max (geb. 4. Juli 1729) heißen, von denen der Erstere den Stamm fortpflanzte.

Mémoires du Feldmarechal Comte de Merode-Westerloo, chevalier de la Toison d’or, Capitaine de Trabans de l’Empereur Charles VI. etc. etc., publiées par M. le Comte de Mérode-Westeroo, son arrière petit-fils. 2 Bde. (Bruxelles 1840, Société typographique belge, 8°.). – Hübner (Johann), Genealogische Tabellen (Leipzig 1733, Gleditschens Erben, kl. Qu. Fol.) Bd. IV, S. 1279, 1280, 1281 u. 1282.