BLKÖ:Montluisant, Bruno Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 19 (1868), ab Seite: 63. (Quelle)
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Montluisant, Bruno Freiherr von (k. k. Oberst des Tiroler-Jäger-Regiments und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Enzersdorf am Gebirge bei Wien im Jahre 1815). Ein Sohn des Maria Theresien-Ritters Johann Freiherrn von Montluisant [s. d. Folg. S. 65]. Seine militärische Ausbildung erhielt er im Knaben-Erziehungshause des Infanterie-Regiments Nr. 49, Freiherr von Langenau, aus welchem er am 16. December 1832 als Regiments-Cadet [64] ausgemustert und im 12. Infanterie-Regimente Alois Fürst Liechtenstein eingetheilt wurde. Am 1. November 1833 wurde er zum Kaiser-Jäger-Regiment übersetzt, bei welchem er durch alle Chargen bis zu seiner gegenwärtigen vorrückte. Er wurde nämlich am 1. November 1834 zum Unterlieutenant, am 1. September 1845 zum Oberlieutenant und am 1. November 1848 zum Capitän-Lieutenant befördert. Am 1. April 1849 erfolgte seine Ernennung zum Hauptmann, am 28. März 1855 jene zum Major und am 7. Februar 1860 zum Oberstlieutenant im Regimente, dessen Oberst und Commandant er am 27. December 1864 wurde. In den Kriegen dieser Periode kämpfte er mit Auszeichnung und erhielt auch in Anerkennung seines tapferen Verhaltens den Orden der eisernen Krone 3. Classe. Im preußisch-italienischen Kriege des Jahres 1866 hat sich M. aber das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens erkämpft. Die Nachrichten von einer beabsichtigten Invasion der italienischen Armee von Schio und Bassano wurden immer häufiger. Das Truppencommando in Tirol, welches General-Major Freiherr Kuhn führte, entschloß sich somit, noch einen Schlag gegen Garibaldi’s Truppen zu führen, die in einer Stärke von 35.000 Mann vom Ledrothale an bis Condine standen. Erst mußte Garibaldi für einige Zeit unthätig gemacht werden, damit General-Major Kuhn seine Reserven gegen Trient und Val Sugana wenden konnte. Zu diesem Zwecke wurde die Brigade General-Major Kaim gegen Condino beordert, um dort einen Scheinangriff zu unternehmen, die Brigade Montluisant aber sollte gegen das Val di Ledro vordringen und dort den Feind ernstlich angreifen. Am 19. Juli g. J. hatte Montluisant von dem Truppencommando für Tirol und Vorarlberg Befehl erhalten, mit seiner Brigade – Oberst Montluisant that Brigadierdienste – am folgenden Tage über Pranzo und Campi vorzugehen, am Passo Pichea zu lagern und am nächsten Tage, 21. Juli, in Verbindung mit den verfügbaren Truppen der Halbbrigade Major Graf Grünne in das Val di Conzei und Val di Ledro vorzudringen, um das von dem Feinde hart bedrängte Fort Ampola zu befreien. In Campi bereits hatte Oberst Montluisant in Erfahrung gebracht, daß Fort Ampola schon vom Feinde genommen und das Val di Ledro stark besetzt sei, und diese Nachricht erhielt am Passo Pichea volle Bestätigung, wo das 6. Kaiser-Jäger-Bataillon rastete und einige Mann desselben verkleidet aus Fort Ampola entwichen waren, welche nun obige Kunde überbracht hatten. Nichtsdestoweniger entschloß sich Oberst M., am folgenden Tage in das Val di Conzei hinabzusteigen und gegen Val di Ledro vorzudringen. Die Truppen, welche Oberst M. für den zu erwartenden Kampf im Conzei- und Ledrothale verfügbar hatte, betrugen 18 Compagnien, 4 Dreipfünder und 8 Gebirgs-Raketengeschütze, zusammen 2600 Mann. Der Feind stand 10.000 Mann stark im Ledro- und Conzeithale, hatte eine gute Straße nach Rocca d’Anfo, um Munition und Nachschub in kurzer Zeit von dort zu erhalten, während Oberst Montluisant einen 6000 Fuß hohen Berg in’s Thal hinabsteigen mußte, um mit dem Gegner in Contact zu kommen, keine Munition ergänzen konnte und überdieß eine höchst beschwerliche Rückzugslinie über den Passo Pichea hatte. Auch war bei der starken feindlichen Besetzung des Ledrothales auf keine starke Unterstützung von [65] Seite der in Riva befindlichen Truppen-Division zu rechnen. Oberst M. traf sofort alle Anstalten zu einem entschiedenen Angriffe. Die Ruhe und Sicherheit, mit welcher er alle Dispositionen traf. wirkte belebend auf die zum Kampfe bereiten Truppen. Die Dispositionen wurden pünctlich, wie sie ertheilt worden, ausgeführt, alles griff in fördernder Weise ineinander und trug wesentlich bei zum siegreichen Erfolge des blutigen Kampfes mit einem fünfmal stärkeren und in jeder Hinsicht begünstigten Gegner. Dieser wurde zuerst aus Lensumo und Enguiso vertrieben, dann wurden Locca und Bececca trotz des stärkeren feindlichen Artilleriefeuers mit Sturm genommen. Erst nachdem der Mangel der Munition fühlbar wurde und eine Gebirgs-Raketen-Batterie nebst mehreren Infanterie-Abtheilungen ihre Munition bereits verschossen hatten, gab M. Befehl zu einem langsamen, nur ganz allmälig zu bewerkstelligenden Rückzuge, indeß der Feind wieder Artillerie-Verstärkung erhalten hatte. Das Gefecht war ganz zu unserem Vortheile ausgefallen, nicht weniger denn Eilfhundert Gefangene wurden gemacht, darunter 16 Stabs- und Oberofficiere, außerdem viele Pferde und andere Kriegsbeute. Die Gefangenen, dann die eigenen und feindlichen Verwundeten wurden über den Monte Pichea in Sicherheit gebracht. Nach Aussage der feindlichen Gefangenen hatte der Gegner außerdem an Tausend Todte und Verwundete, so daß der Verlust desselben an Gefangenen, Todten und Verwundeten allein der Gesammtsumme unserer eigenen Angriffsmacht gleich kam. Die Schlappe, welche den Garibaldinern durch dieses siegreiche Gefecht Montluisant’s beigebracht worden, war eine empfindliche und für die weiteren Bewegungen unserer Truppen folgenreiche: denn durch dieses siegreiche Gefecht wurde General-Major Freiherr von Kuhn in den Stand gesetzt, in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli, ohne von Garibaldi weiter belästigt zu werden, nach Trient zu gehen und diesen wichtigen strategischen Punct zu retten, der durch die bereits vorgedrungene feindliche Armee-Division Medici sehr bedroht war. Das Gefecht, das Montluisant unter so schwierigen Oertlichkeitsverhältnissen und mit einem so bedeutend überwiegenden Gegner so glänzend bestanden hatte, gehört unbedingt zu jenen Fällen eines Gebirgskrieges, die einzig in ihrer Art dastehen. Oberst Montluisant wurde auch für seine schöne Waffenthat am 29. August 1866 mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Oberst Montluisant hat sich als Oberstlieutenant am 5. Februar 1861 mit Fräulein Theresia von Rajacovics vermält, verlor aber bereits seine Gattin am am 26. Jänner 1864 zu Villafranca durch den Tod.

Tapferkeits-Zeugniß des Officierscorps ddo. Triest 31. Juli 1866. – und Tapferkeits-Zeugniß des General-Majors und Maria Theresien-Ordensritters Freiherrs von Kuhn ddo. Triest 4. August 1866 [beide in den Acten der Maria Theresien-Ordenskanzlei].