BLKÖ:Morelli von Schönfeld, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Morelli, Ausonius
Band: 19 (1868), ab Seite: 80. (Quelle)
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Morelli von Schönfeld, Karl (Geschichtschreiber, geb. zu Görz 4. Mai 1730, gest. ebenda 3. September 1792). Entstammt einer alten Görzer Familie, unter deren Vorfahren sich mehrere ausgezeichnet haben. Die Quellen berichten darüber Näheres. Karl ist ein Sohn des Peter Anton von M., der die Stelle eines Questors der Grafschaft Görz unter der Regierung des Kaisers Karl VI. bekleidete, aus dessen Ehe mit Helena Baronin von Taccó. Nachdem Karl die Schulen besucht und das Studium der Rechtswissenschaft beendet, trat er im Jahre 1753 als Auscultant bei der Statthalterei in Görz ein, und erhielt, nachdem die Organisation und Vereinigung der Grafschaften Görz und Gradisca im Jahre 1754 durchgeführt war, die Stelle eines Rathes bei der politischen Abtheilung, bei welcher er vornehmlich mit den Arbeiten in Handelssachen betraut wurde. In dieser Stellung erhielt er von Seite der Regierung in den Jahren 1756 und 1757 den Auftrag, die Seestädte in Italien und Frankreich zu [81] bereisen. Dem mit den nöthigen Creditiven Versehenen gaben die Consulate und Vice-Consulate, welche angewiesen waren, ihm bei seinen Nachforschungen behilflich zu sein, alle den Handel betreffenden Nachweise, und so lernte er Alles kennen, was zur Förderung des Handels und der Schifffahrt, mit besonderer Rücksicht der Hebung der Interessen Oesterreichs, sich dienlich zeigte. In sein Vaterland zurückgekehrt, nahm er wieder die Stelle eines Statthaltereirathes ein und war als solcher bei verschiedenen, die Förderung der Wohlfahrt des Landes berathenden Commissionen thätig, unter anderen als oberster Leiter des Josephinischen Katasters, welches Operat noch bis auf die Gegenwart seinen Namen – Misurazione Morelliana – behalten hat. Ueberdieß arbeitete er auch in Lehensachen und in Angelegenheiten des Schulwesens. Die Ausführung des Auftrages, die Archive der vereinigten Grafschaften Görz und Gradisca zu ordnen, brachte ihn zur Kenntniß der reichen, daselbst aufbewahrten Quellen und auf den Gedanken, die Geschichte seines Vaterlandes zu schreiben, durch deren Vollendung er sich ein bleibendes Andenken gesichert hat. Diese Geschichte, welche vollendet den Zeitraum von drei Jahrhunderten (1500–1790) umfaßt, erschien, ursprünglich von Morelli selbst herausgegeben, unter dem bescheidenen Titel, in kleinem Umfange und nur ein Jahrhundert (1500–1600) umfassend: „Del saggio storico della contea di Gorizia dall’ anno 1500 all’ anno 1600“, Parti due (Gorizia 1773 e 1778, Stamperia Guberniale, 14 unpaginirte und 363 paginirte Seiten), der Druckort Görz ist falsch, das Werkchen wurde in Udine von Gallici gedruckt, Görz aber als Druckort auf den Titel gesetzt, um die venetianische Regierung zu täuschen, welcher dieses Werk mißliebig war und welche alle Exemplare, die bei den Buchhändlern gefunden wurden, confiscirte. Weitere Forschungen des Autors gaben Anlaß zu Aenderungen und zu einer ziemlich umfassenden Vermehrung, und Morelli selbst beabsichtigte eine neue Ausgabe, welche den Titel: „Istoria della Contea“ führen sollte. Wenigstens steht derselbe auf dem sauberen Originalmanuscripte von Morelli’s eigener Hand, welches dessen Witwe der Società agraria Goriziana zum Geschenke gemacht, wo es sich zur Stunde noch befindet. Morelli selbst scheint nicht mehr Muße oder Gelegenheit zur Herausgabe dieses größeren Werkes, welches fast erst ein Jahrhundert später erschien, gefunden zu haben. Das oberwähnte „Saggio“ erschien in unseren Tagen vermehrt und mit den Urkunden versehen in neuer Ausgabe (Görz 1854, 275 S. 4°.), welche Della Bona besorgte und durch eigene Zusätze ergänzte. Die erste Ausgabe des vollendeten Werkes kam aber auch erst in unseren Tagen heraus nach dem oberwähnten, im Besitze der Görzer Landwirthschafts-Gesellschaft befindlichen Manuscripte unter dem Titel: „Istoria della Contea di Gorizia di Carlo Morelli di Schönfeld in quattro volumi compresavi un Appendice di note illustrative“, 4 tomi (Gorizia, 1855–1856, Paternolli, 8°.), der erste Band, welcher die Zeit von 1500 bis 1600 umfaßt, ist eigentlich nur ein Wiederabdruck des obigen Saggio; der zweite behandelt den Zeitraum von 1600 bis 1700, der dritte den von 1700 bis 1790, der vierte enthält: „Osservazioni ed aggiunte di G. D. Della Bona sopra alcuni passi dell’istoria della Contea di Gorizia di Carlo Morelli di [82] Schönfeld. Was die ferneren Lebensschicksale Morelli’s betrifft, so ist nur mehr weniges zu sagen. Als mit der neuen politischen Organisation vom 1. Juli 1783 der Statthaltereirath von Görz und Gradisca aufgelöst und in einen Körper vereinigt winde, der nur mehr den Titel eines k. k. Provinzial-Gouvernements von Triest und Görz führte, wurde die Zahl der Provinzial-Deputirten von Görz auf einen Einzigen reducirt und zu diesem Einen Karl Morelli von Schönfeld erwählt. Aus den Standesausweisen, welche die Almanache von Görz und Triest in den Jahren 1773–1791 enthalten, sowie aus verschiedenen amtlichen Urkunden erhellen die Functionen Morelli’s, wie er sie nach und nach übte, und welche hier wörtlich in der Originalsprache mitgetheilt werden. Nach diesen führte Morelli nachstehende Titel: Carlo Morelli nobile di Schönfeld, Signore in Studenitz, consigliere effettivo presso l’unito ces. reg. Governo di Trieste, Gorizia e Gradisca, deputato degli stati provinciali e regolatore degli archivi di queste pricipate contee, membro referente nella commissione concernente i feudi, in quella spettanti gli studi, e nel consesso di commercio: aulico supremo commissario negli affari per la confezione del nuovo catastro, e per la regolatione della steura in Gorizia, giurisdicente camerale in Ternova, Ossegliano e ville annesse, socio della ces. reg. Società di agricultura, arti e commercio, e uno dei censori della colonia arcade sonziaca di Gorizia. Als später der Statthaltereirath auf Allerh. Befehl in Görz wieder errichtet ward, zog sich Morelli in den Ruhestand zurück, den er nur mehr kurze Zeit genoß, da er, in Folge angestrengter Arbeit schon längere Zeit leidend, bald darauf im Alter von 62 Jahren starb. In ziemlich vorgerückten Jahren hatte sich M. mit Franziska gebornen Freiin von Valvasor vermält, aus welcher Ehe keine Kinder hervorgingen. Es scheint, daß beide Gatten die letzten ihres Geschlechtes waren, denn die Valvasor sind ganz erloschen und von dieser Familie Morelli scheinen auch keine Nachkommen mehr vorhanden zu sein.

In der neuesten, von Bona besorgten Ausgabe der Istoria della Contea di Gorizia di Carlo Morelli di Schönfeld. Tomo I–IV (Gorizia, 1855, Paternolli, 8°.) sind im I. Bande in der Vorrede (al lettore) einige Nachrichten über Morelli’s Leben enthalten.