BLKÖ:Nugent-Westmeath, das Grafengeschlecht, Genealogie

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 20 (1869), ab Seite: 428. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Earl of Westmeath in der Wikipedia
Earl of Westmeath in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Nugent-Westmeath, das Grafengeschlecht, Genealogie|20|428|}}

Zur Genealogie des Grafengeschlechtes Nugent. Die Nugent sind ein altes irisches katholisches Adelsgeschlecht, das seinen Ursprung geschichtlich bis zu dem alten Stamme der des Bellesmes, Herren von Nogent le-Rotrou Grafen von Perche und von Alençon und Vicegrafen von Chateaudun zurückführt. Die Stammreihe wird vom Jahre 930, von Albert, ältest bekannten Grafen von Perche, durch mehr als dreißig Generationen bis auf die Gegenwart in ununterbrochener Folge fortgeführt. Im Laufe der Zeiten haben sich mehrere Linien gebildet, als: a) die Linie der Grafen von Westmeath, die einzige protestantische, in Irland; b) der Lords Riverston, auch in Irland; c) die Linie von Dromeng und die neuere von Brocklyn in Oesterreich; d) von Ballynacor in Irland; e) von Killasonna ebenda, und f) die bereits erloschene von Lacy, welche von Hugo von Nugent und Emma von Lacy ihren Ursprung ableitet, indem Hugo den Namen seiner Gattin Lacy annahm und beibehielt, und von welcher der berühmte österreichische Feldmarschall und Ritter des goldenen Vließes, Franz Moriz Graf von Lacy [Bd. XIII, S. 464], in directer Linie abstammt. Für dieses Werk speciell hat die dritte in Oesterreich ansässige Linie Nugent-Westmeath von Dromeng und Bracklyn Interesse, welche um die Mitte des 17. Jahrhunderts nach Oesterreich kam. Dieser Zweig der Nugent hat um Oesterreich große Verdienste, in anderthalb Jahrhunderten fielen neun Nugent für Oesterreich auf dem Felde der Ehre. Edmund Nugent zog mit 80 Freiwilligen nach Ungarn und fand bei der Einnahme von Ofen, 1686, seinen Tod. – Der Sohn seines Vaterbruders Jacob, der Graf Eduard Nugent-Westmeath, trat in spanische Dienste und starb 1730 als Oberst in denselben. – Eduard’s Schwiegervater Graf Heinrich, auch aus dem Hause Nugent, stand als General-Major in Diensten Karl’s VI., war zuletzt Vice-Gouverneur in Gibraltar und fand mit drei Neffen und einem Vetter bei der Vertheidigung von Gibraltar, 1707, den Tod. – Eben dessen Tochter Marcella, die Gemalin des vorerwähnten Eduard, gebar ihrem Gatten zwei Söhne: Nikolaus, der 1738 als Domherr zu Passau gestorben, und Michael, der das Geschlecht fortpflanzte. Michael, der 1752 gestorben, hinterließ mehrere Kinder, darunter fünf Söhne, von denen Richard, Jacob und Eduard, alle drei österreichische Officiere, den Ehrentod auf den Schlachtfeldern bei Torgau, Leuthen und Olmütz fanden, Olivier, k. k. Oberst, der als solcher ohne Nachkommen im Jahre 1792 starb, und Johann, seit 1791 mit Johanna Mac-Donough (gest. zu Bath im Jahre 1820), von den alten fürstlichen Dynasten von Tirreril, vermält, der das Geschlecht fortpflanzte. – Hier nun finden sich in den verschiedenen Werken, welche über die Nugent Nachrichten geben, die Widersprüche, welche, schon im Eingange der Biographie Laval’s Grafen von Nugent und zu Ende jener Jacob’s Robert Grafen von Nugent angedeutet worden. Ueberall nämlich wird Laval Graf Nugent als ein Sohn des 1794 zu Prag verstorbenen Feldmarschall-Lieutenants Jacob Robert angegeben, während der offenbar aus unmittelbaren Mittheilungen [429] der Familie selbst geschöpfte Artikel im „Genealogischen Taschenbuche der gräflichen Häuser“, 1862, S. 603–611, den Grafen Michael Anton, der ein Sohn des obgenannten Grafen Johann und Johanna’s, geb. Mac-Donough, war, als den Vater des Grafen Laval ausdrücklich bezeichnet, ein anderer Jacob Robert Nugent aber, mit Ausnahme des bei Leuthen oder Torgau gebliebenen Jacob, in diesen Darstellungen gar nicht vorkommt. Die Lösung dieses bisher unaufgeklärten Punctes vermag Herausgeber dieses Lexikons zu geben, und zwar aus einer Stelle in der amtlich beglaubigten Abschrift der den Adelsacten der Grafenfamilie beigelegten, von Laval Grafen Nugent selbstverfaßten kurzen Adelsgeschichte der Nugent, welche lautet: „Mein Großonkel Jacob Graf Nugent war Kämmerer, Gesandter in Berlin und Feldmarschall-Lieutenant in allerhöchsten Diensten, drei Brüder meines Vaters: Richard, Jacob und Edward, blieben in den Schlachten von Leuthen, Torgau und Olmütz. Der ältere, Olivier Graf Nugent, starb an seinen im letzten Türkenkriege erhaltenen Wunden als Oberst 1789. Mein naher Blutsverwandter, Ignazius Graf Nugent, heißt es in diesem Actenstücke weiter, blieb als Major von Loudon-Infanterie vor Belgrad und sein einziger Sohn Karl fiel als Oberlieutenant von St. Julien-Grenadieren bei Feistritz im Jahre 1813 u. s. w.“ Aus dieser Stelle also ist deutlich zu entnehmen, daß es zwei Jacob Grafen Nugent in dieser österreichischen Linie gibt, nämlich den bei Leuthen oder Torgau gefallenen Jacob und den Feldmarschall-Lieutenant und Gesandten am Berliner Hofe Jacob (auch Jacob Robert) Grafen Nugent, der nach des Grafen Laval eigener Angabe sein Großonkel gewesen. – Der vorerwähnte nahe Verwandte Ignaz Graf Nugent – der irische Grafentitel hatte für Oesterreich keine Giltigkeit – ist aber derselbe, dem mit Diplom vom 10. Februar 1786 der erbländische Ritterstand und das Incolat für das Königreich Böhmen verliehen wurde. Graf Michael Anton (gest. im Jahre 1812) ist demnach der Vater des Grafen Laval und außerdem noch des Grafen Johann, der als k. k. General-Major im Jahre 1849 den Heldentod vor Brescia gefunden. Von diesen Beiden, dem Grafen Laval und dem Grafen Johann, stammen die der österreichischen Linie angehörigen Sproßen des Grafenhauses Nugent, und der heutige Stand der österreichischen Linie ist folgender: Graf Laval, seit 1815 mit Johanna Duchessa di Riario-Sforza (gest. zu Paris 25. März 1855), Sternkreuz-Ordens- und Palastdame der Kaiserin von Oesterreich, einzigem Kinde und Erbtochter des 1797 gestorbenen Raphael duca di Riario-Sforza und der Prinzessin Beatrix (Tochter und Miterbin des 1806 verstorbenen Prinzen Franz Xaver von Polen und Sachsen und der Clara, Schwester des Cardinals Erzbischofs Spinucci und Tochter Joseph’s Grafen Spinucci), vermält, zeugte in dieser Ehe die Kinder: Albert Eugen Laval (geb. 25. September 1816), kais. Oberst in der Armee, römischer Fürst, Magnat von Ungarn und Landstand in Krain; Gilbert Laval (geb. 1. October 1822), Ehrenritter des souveränen Malteserordens, k. k. Kämmerer; Arthur Patrick Laval (geb. 17. März 1825, gest.), Oberstlieutenant und Flügeladjutant seines Vaters; Beatrix, Sternkreuz-Ordensdame, vermält mit Maximilian Marquis Strozzi-Sagrali, Witwe, wiedervermält seit 20. Jänner 1864 mit Leopold Prinzen von Croy-Dulmen, Cavallerie-Officier in der kais. Armee, eine muthige hochsinnige Dame, die zur Zeit, als Erzherzog Ferdinand Max General-Gouverneur im lombardisch-venetianischen Königreiche war, bei einer demonstrativen Theatervorstellung im Teatro Fenice in Venedig, bei welcher es auf eine Beleidigung der kaiserlichen Regierung von den Italianissimi abgesehen war und in welcher Alles in Trauerkleidern erschien, mit Stolz die kaiserlichen Farben an ihrer Toilette zur Schau trug; und Johanna Lilla, Sternkreuz-Ordensdame, vermält mit Anton Grafen Pallavicini-Fibbia, Witwe seit 1860. Der bei Brescia gefallene Graf Johann war mit Regina Gräfin Abriani vermält und stammt aus dessen Ehe ein Sohn Graf Laval (geb. 1843), k. k. Officier in der Armee. [Quellen. Anerkennungs-Diplom des römischen Fürstentitels ddo. Wien 12. Juni 1848. – Incolats-Verleihung für das Herzogthum Krain ddo. Schönbrunn 26. September 1846. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser (Gotha, J. Perthes, 32°.) 35. Jahrg. (1862), S. 603 bis 611: ausführlicher genealogischer Artikel; – dasselbe, 40. Jahrg. (1867), S. 603: heutiger Familienstand. – Historisch-heraldisches Handbuch zum genealogischen Taschenbuche [430] der gräflichen Häuser (Gotha 1853, Just. Perthes, 32°.) S. 657. – Kneschke (Ernst Heinrich Prof. Dr.), Neues allgemeines deutsches Adels-Lexikon (Leipzig 1863, Voigt, 8°.) Bd. VI, S. 545.]

Wappen. Quadrirter Schild. 1: in Silber zwei rothe Querbalken; auf dem silbernem Grunde stehen je vier Hermelinschwänzchen; 2: ein von blauen und silbernen Eisenhüttchen eingefaßtes, von Gold und Roth in vier Theile getheiltes Feld; die blauen Hüttchen sind aufrechtgestellt, die silbernen gestürzt; 3: in Silber ein rother Basilisk; 4: in Blau ein goldener ausgespitzter Sparren, ober dem Sparren sind zwei, unter demselben ein silberner Vogel. Auf dem Schilde ruht die Grafenkrone. Schildhalter. Zwei auf einem unter dem Schilde flatternden rothen Bande stehende gegen einander gekehrte Basilisken, von welchen jener zur rechten Seite mit den Krallen des linken und der zur linken mit jenen des rechten Beines den Schild erfaßt. Auf dem Bande steht in silbernen Lapidarbuchstaben die Devise: Decrevi. Das Ganze umhüllt ein rother, mit Hermelin gefütterter und mit goldenen Tressen verbrämter fürstlicher Mantel, über den beiden Ecken ist der Mantel mit goldenen Schnüren, von welchen goldene Quasten herabhängen, zusammengezogen. Auf dem Mantel ruht der Fürstenhut. Dieses fürstliche Wappen führt der jeweilige Fürst des Hauses; die übrigen führen dasselbe Wappen mit der gleichen Devise und den Wappenhältern, nur ohne Fürstenmantel und Fürstenhut.