BLKÖ:Pázmándy, Dionys (1781–1854)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pazelt, Vincenz
Band: 21 (1870), ab Seite: 402. (Quelle)
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Pázmándy, Dionys [des Vater] (ungarischer Landtags-Deputirter, geb. zu Kömlöd in Ungarn 10. März 1781, gest. zu Baracska 1. Februar 1854). Entstammt einer ungarischen Adelsfamilie, die urkundlich bereits zu Anbeginn des 16. Jahrhunderts vorkommt. Sein Vater Johann war ein schlichter ungarischer Edelmann, die Mutter Therese, eine geborne Szücs, aus Baracska. Dionys erhielt eine gute Erziehung, deren Erfolge durch treffliche angeborne Anlagen gefördert wurden. Frühzeitig machte er sich mit den Geschäften seines Comitats – die Familie ist im Komorner ansässig – vertraut und war darin so bewandert, daß sich ihm bald das allgemeine Vertrauen zuwendete. Zwei Restaurationen hindurch war P. erster Vicegespan des Komorner Comitates. In dieser Stellung errang er sich als geschickter unparteiischer Richter, als gewandter, fleißiger, energischer Comitatspräsident allgemeine Achtung und Popularität in seinem Comitate, das ihn bald für seinen tauglichsten Repräsentanten auf dem Landtage hielt und als den ausgezeichnetesten Deputirten und Gesetzgeber ansah. Er selbst war dabei ein eifriger, seinen Grundsätzen unerschütterlich treuer Patriot, der bedeutende Gesetzeskenntniß – freilich nur ausschließlich des ungarischen Rechts – scharfe Beurtheilung und zutreffende Logik besaß, die einigermaßen nur durch den engen Kreis seiner Anschauungen, die sich nicht über die Verhältnisse Ungarns hinaus erstreckten, beeinträchtigt wurden. In Kenntniß dieser letzteren aber fand er kaum seines Gleichen, da war er in allen [403] praktischen, vorzüglich administrativen und Urbarialfragen, vor allem aber in den Beschwerden der protestantischen Kirche sehr bewandert. So wurde er denn auch auf dem berühmten Landtage 1825/1827, wiederholt für den kurzen des Jahres 1830, dann auf den vierjährigen von 1832/1836 und auf den des Jahres 1840 als Deputirter gewählt. Auf den Landtagen von 1830 und 1832 war P. einer der einflußreichsten Führer der Opposition, in seiner Wohnung fanden die Berathungen seiner Partei Statt, zu welcher Männer wie Somsich, Pongracz, Thomas Ragályi u. A. gehörten. In jeder großen Frage gehörte P. zu den Matadoren der Opposition, der alle Waffen seiner haarscharfen zutreffenden Logik auf die Gegenpartei richtete. Viele tüchtige, praktische, unmittelbar auf das Wohl der Nation einwirkende Gesetze, wie z. B. über Commassation, Feldpolizei u. a. m. wurden von ihm angeregt und eingebracht. Er war dabei kein großer Redner, warf nicht mit Phrasen und bestechenden Redensarten um sich, aber seine Vorträge klärten die in der Verhandlung stehende Frage auf, führten zur Formulirung der Artikel und zur endgiltigen Entscheidung. In den Landtagsverhandlungen sucht man vergeblich nach oratorischen Meisterstücken in Pázmándy’s Reden, dafür aber sind die Protokolle der Landtage gefüllt mit seinen gewichtigen, verständigen, gründlichen Aeußerungen, welche überall die erstaunlichste Detailkenntniß der in jedem einzelnen Falle bisher bestehenden Legislatur, wie der speciellen Verhältnisse bekunden. So fanden denn die Wahlen von 1848 den damals 67jährigen Mann auf denselben Wegen, welche er bereits im Jahre 1825 betreten und auf denen er nahezu ein Vierteljahrhundert, ernst, würdevoll und des großen Zieles, auf das die Nation lossteuerte, sich vollkommen bewußt, einherschritt. Man hatte ihm bisher die ihm längst gebührende Obergespanswürde, eben weil er Mitglied der Opposition war, immer vorenthalten, der neue Minister des Innern ernannte P. sofort zum Obergespan des Stuhlweissenburger Comitates, welches durch die nationale Regierung ihm verliehene Amt P., wie alt er auch war, gern antrat. In dieser Eigenschaft nahm er Theil an allen Sitzungen des Oberhauses im Pesther Landtage und wurde als eines der hervorragendsten Mitglieder, im September zum Mitgliede des Landesvertheidigungs-Ausschusses erwählt. Altersschwäche aber, vielleicht auch Unzufriedenheit mit der späteren Wendung der Angelegenheiten, ließen ihn jedoch keinen bedeutenden Theil an den Arbeiten des Ausschusses nehmen, und diesem Umstande wohl mochte er es zumeist zu verdanken haben, daß, als auch er unter [[BLKÖ:Windisch-Grätz, Alfred Candid Ferdinand Reichsfürst|Windisch-Grätz] eingefangen wurde, die Gefangenschaft, deren Last auf das Leben des Greises kaum ohne Wirkung geblieben sein mochte, von verhältnismäßig kurzer Dauer war. Der alte Dionys hatte seine politische Rolle ausgespielt, er hatte aber Sorge getragen, daß auf seinen Schultern eine jüngere Kraft, die seines gleichnamigen Sohnes, sich erhob. P. erlebte nicht mehr den politischen Umschwung in den Verhältnissen seines Vaterlandes. Er starb wenige Jahre nach der Bezwingung Ungarns mit dem fleckenlosen Rufe eines echten Patrioten von altem Schrot und Korn, im Alter von 73 Jahren. Aus seiner Ehe mit Judith von Pély-Nagy hatte er nur einen Sohn, Dionys [s. d. Folg.], der im Geiste seines Vaters an dem von ihm geförderten Werke fortzuarbeiten [404] begann, bis er, als seine Partei falsche Pfade einschlug, sich zurückzog, um, leider in der Vollkraft des Mannesalters vom Tode hingerafft, auch nicht mehr die Wiedergeburt seines Vaterlandes zu erleben.

Csengery (Anton), Ungarns Redner und Staatsmänner (Leipzig und Wien 1852, Fr. Manz, 8°.) Bd. II, S. 366–394: „Die beiden Dionys[WS 1] Pázmándy“, von L. Tóth. – Neue Croquis aus Ungarn (Leipzig 1844, J. B. Hirschfeld, kl. 8°.) Bd. II, S. 176. – Ballagi (Mór. Dr.), Protestáns képes-naptár, d. i. Ungarischer protestantischer Bilder-Kalender (Pesth 1859, 5°.) Jahrg. 1859, S. 27. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Moriz Ráth, 8°.) Bd. IX, S. 170. – Porträte. 1) Unterschrift Facsimile des Namens: Pázmándy Dienes Komárommegyei követ (Báró Lütgendorf Férd. sc.), 1827; – 2) Holzschnitt in Dr. Mór. Ballagi’s „Protestáns képes-naptár“ 1859, p. 27.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Dyonis.