BLKÖ:Sigmair, Peter

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Sigl, Georg (Verweis)
Band: 34 (1877), ab Seite: 271. (Quelle)
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Sigmair, Peter (Tiroler Landesvertheidiger, geb. im Tiroler Pusterthale im Jahre 1774, gest. ein Opfer der Kindesliebe im Jänner 1810). Es war im denkwürdigen Jahre 1809, als in Tirol die letzten Anstrengungen des noch zu Anbeginn des Jahres durch Emissäre und geheime Correspondenzen vorbereiteten Volksaufstandes bei Brixen und Bruneck vernichtet, und die bewaffneten Volkshaufen allenthalben zerstreut wurden. Nun aber übten die Franzosen fürchterliche Rache, sie ließen die Anführer des Landsturmes, die sich nicht geflüchtet hatten, und auch Andere, so ihnen gefährlich schienen, ergreifen, ihnen den Proceß machen, der gewöhnlich mit einem Todesurtheil endete, das dann auch vollzogen wurde. Zu diesen Opfern gehörten außer dem damaligen Pfarrer zu Vingen und dessen Cooperator, [272] dann dem Nikolaus Amhof zu Niederndorf, dem Joseph Leitgeb vom Pfaffingerhofe in Antholz, auch Peter Sigmair, der Sohn des Tharerwirthes zu Mitteralang, Georg Sigmair. Peter Sigmair hatte sich geflüchtet; sein Vater Georg, ein Greis mit Silberhaaren, den schon sein Alter gehindert, am Aufstande theilzunehmen, wurde am Thomastage (21. December) 1809 zu Bruneck verhaftet, weil sein flüchtiger Sohn Peter, welcher Oberlieutenant in der Compagnie des Hauptmanns Zeller von Neunhäusern gewesen, und überdieß beschuldigt war, Ordonnanzen befördert zu haben, nicht gefunden und verhaftet werden konnte. Der französische General Broussier gab die kategorische Erklärung, daß der alte Georg Sigmair erschossen werden sollte, wenn sich der Sohn Peter nicht innerhalb drei Tagen stellen werde. Kaum war dem Sohne die Gefahr, in welcher des Vaters Leben schwebte, zu Ohren gekommen, als er, ohne sich zu besinnen, sein sicheres Versteck verließ, und sich – seiner Kindespflicht eingedenk – den französischen Vergewaltigern stellte. Der Greis war nun gerettet, Peter aber wurde in Ketten geschlagen, und nach Botzen abgeführt. In den ersten Tagen des Monats Jänner 1810 wieder nach Bruneck zurückgebracht, wurde er dort einige Zeit im Gefängniß gehalten, dann wurde ihm das Todesurtheil mit dem Beisatze angekündigt, daß er vor dem Tharerhause in Mitteralang, also vor der Wohnung seines Vaters erschossen und dann sein Körper zum Schrecken der Gegend an einen Galgen aufgehängt werden solle. Vergebens warf sich S.’s junge Frau zu Füßen des feindlichen Commandanten, vergebens flehten die kleinen Kinder den General um das Leben ihres Ernährers, ohne Erbarmen befahl er den Vollzug des Todesurtheiles, welches auch am zweiten Sonntage nach Neujahr, am Namen Jesu-Feste vollzogen wurde. Die einzige Begünstigung, welche von dem, den Verurtheilten bis zum Tode begleitenden Priester Franz von Mörl erwirkt wurde, bestand darin, daß die Execution nicht vor dem Wohnhause des alten Vaters, sondern vor dem Baumgartnerhause zu Mitteralang Statt hatte. An der Stelle, wo diese Unthat geschah, erhebt sich nun eine Capelle, an deren Mauer diese Gewaltthat der Franzosen zu bleibendem Gedächtniß an die an der Spitze der Civilisation schreitenden Franzmänner bildlich dargestellt und noch heute zu sehen ist. Peter Sigmair starb im Alter von 36 Jahren diesen erhebenden Tod aus Kindesliebe, und dieses Märtyrthum eines Sohnesherzens verdient der Vergessenheit entrissen zu werden. Ein Poet Namens M. Beyrer hat diese Heldenthat des Sohnes, die mit jeder Waffenthat auf dem Schlachtfelde wetteifert, in einigen Versen verherrlicht.

Staffler (Joh. Jac.), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen u. s. w. (Innsbruck 1847, Felic. Rauch, 8°.) Bd. II, S. 357.