BLKÖ:Trauttmannsdorff, Ferdinand Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 47 (1883), ab Seite: 82. (Quelle)
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Trauttmannsdorff-Weinsberg, Ferdinand Graf (Staatsmann, Ritter des goldenen Vließes, geb. 27. Juli 1825). Ein Sohn des Grafen Joseph (gest. 1870) aus dessen Ehe mit Elisabeth Gräfin Karolyi und Enkel des Fürsten Ferdinand [S. 57], verbrachte er, für den diplomatischen Dienst frühzeitig gebildet, den Anfang seiner Laufbahn als Gesandtschaftssecretär in London. Von da kam er in der Eigenschaft eines Legationsrathes an den Berliner Hof, an welchem sein Vater als kaiserlich österreichischer Gesandter beglaubigt war. Am 15. October 1859 ging er als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister an den großherzoglich badischen Hof in Karlsruhe und verblieb in dieser Stellung bis nach dem Kriege von 1866. Jedoch befand er sich in der Zwischenzeit auf längere Dauer in Wien, wo er in der Staatskanzlei arbeitete. Die „Presse“ meinte damals: daß seine fortgesetzte Abwesenheit von Karlsruhe, deren Dauer sich schon vom Herbst 1861 bis in den August 1862 erstreckte, ohne Zweifel die Stellung der beiderseitigen Cabinete zu einander [83] habe einigermaßen markiren sollen. Am großherzoglich badischen Hofe hatte der Graf die schwierige Aufgabe, den Schwiegersohn des Königs von Preußen – denn der Großherzog Friedrich Wilhelm von Baden ist seit 1856 mit Louise, Tochter des Königs von Preußen, heute deutschen Kaisers Wilhelm vermält – zuerst zur Theilnahme an dem Fürstentage von Frankfurt (1863) und dann zur Allianz gegen Preußen (1866) zu bewegen. Beides gelang ihm. Durch Zustimmung zum Bundesbeschlusse vom 14. Juni trat die badische Regierung auf Seite der Gegner Preußens. Als Bestandtheil des achten Bundesarmeecorps betheiligte sich die badische Division an dessen erfolglosen Operationen, focht bei Hundheim (23. Juli) und Werbach (24. Juli), trat aber dann in Folge der zwischen Baden und Preußen angeknüpften Friedensunterhandlungen den Rückzug an (30. Juli). Am 4. Februar 1867 wurde Graf Trauttmannsdorff als Gesandter an den größeren Hof von München versetzt, wo er bis zum Herbst 1868 blieb. Indessen waren die Angelegenheiten in Rom in eine Phase getreten, welche Oesterreichs Vertretung an der päpstlichen Curie durch einen ebenso ruhigen als gewandten Mann erforderlich machten, und die Wahl fiel auf den Grafen Trauttmannsdorff, der im November 1868 als Botschafter an derselben accreditirt wurde. Er blieb daselbst bis zum Mai 1872. Es ist bekannt, wie die Italiener mit deutschen Namen barbarisch umgehen und sie bis zur Unkenntlichkeit entstellen. Den Bediensteten der Curie wollte auch der Name des Grafen nicht mundgeläufig werden, am meisten quälte sich mit demselben der dienstthuende Kämmerer des Cardinal-Staatssecretärs Antonelli ab, und er machte sich zuletzt die Sache zungengeläufiger, indem er kurzweg sagte: „Sua Eccelenza il conte „Sabene“ (Sie wissen schon). Von dieser Zeit hieß der Graf am päpstlichen Hofe Sabene. Wir gedenken dieses Umstandes hier nur deshalb, weil es leicht geschehen kann, daß wir in einem historischen Werke, das Italiens neuere Geschichte behandelt, und das einen Italiener oder Franzosen zum Verfasser hat, mit einem Male einem österreichischen Gesandten Sabene begegnen. Im April 1872 erfolgte an Stelle des damals verstorbenen Grafen Fünfkirchen die Ernennung des Grafen Trauttmannsdorff zum Vicepräsidenten des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes. Im Jahre 1877 fungirte der Graf als Präsident der Reichsrathsdelegation, und mit ah. Handschreiben ddo. 30. September 1879 wurde er für die Dauer der Reichsrathssession zum Präsidenten des Herrenhauses ernannt. Diese Ernennung zugleich mit jener des Fürsten Constantin Czartoryski zum Vicepräsidenten bedeutete einen vollständigen Wechsel in der Leitung der Verhandlungen des Herrenhauses. Seiner politischen Gesinnung nach wird der Graf zum conservativen Flügel der Verfassungspartei gezählt. Er wurde wiederholt von Bayern, dann von Württemberg, Hessen-Darmstadt und dem Papste decorirt; ist Mitglied der Magnatentafel des ungarischen Reichstages, seit October 1867 Großkreuz des Franz Joseph-, seit Februar 1870 Großkreuz des Leopoldordens; seit 1878 Ritter des goldenen Vließes. Am 29. October 1860 vermält mit Marie Prinzessin Liechtenstein (geb. 20. September 1834), ist er Vater zweier Söhne und dreier Töchter, [84] welche alle aus der Stammtafel ersichtlich sind.

Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1879, S. 4068 und 4069. – Ueber Land und Meer. Illustrirte Zeitung (Stuttgart, Hallberger, Fol.) XLIII. Bd. (1880), S. 479. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1862, Nummer vom 10. August, in den „Wiener Nachrichten“. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1869, Nr. 195. – Neues Tagblatt (Gratz) 1869, Nr. 331. – Neue Freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1869, Nr. 1743. – Dieselbe, 1872, Nr. 2753.
Porträt. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in „Ueber Land und Meer“. Bd. XLIII, S. 480.