BLKÖ:Treves, Sabbato Graziadio

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 47 (1883), ab Seite: 183. (Quelle)
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Treves, Sabbato Graziadio (Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Triest, geb. zu Vercelli in Piemont um 1780, gest. in Turin am 25. Juni 1850). Der Vater, ein frommer Rabbiner alten Schlages, in den biblischen und talmudisch-rituellen Wissenschaften wohlbewandert, erzog den Sohn sur seinen Beruf, und Sabbato that sich bald so hervor, daß er, kaum zwanzig Jahre alt, von der israelitischen Gemeinde in Asti zum Rabbiner erwählt wurde. Dort zeichnete er sich besonders als Lehrer aus und bildete viele Jünglinge für das Leben heran. Nach zwanzigjährigem Wirken daselbst folgte er 1820 einem Rufe nach Turin als Ober-Rabbiner sämmtlicher israelitischen Gemeinden in Piemont, wo er dreizehn Jahre seines Amtes waltete und besonders durch seine Rednergabe glänzte. Ein jüdischer Geistlicher, der in guter und ausgewählter Sprache zeit- und kunstgemäß, in verständlicher und volksthümlicher Weise, ohne jedoch den strenggläubigen Boden zu verlassen, in edlem Vortrage mit ausreichender und klangvoller Stimme predigte, gehörte zu den damals noch seltenen Erscheinungen. Und eine solche war Treves, dessen Ruf als Seelsorger, Lehrer und Redner weit über das Weichbild der Stadt, in der er wirkte, weit hinaus über die Grenzen des Landes sich ausbreitete. So richtete denn bald die Triester Judengemeinde auf ihn ihr Augenmerk, und der Umstand, daß es in Piemont ihm unmöglich war, seinen Söhnen eine den Anforderungen der Zeit entsprechende wissenschaftliche Erziehung zu geben, bestimmte ihn endlich, den Turiner Rabbinerstuhl mit jenem in Triest zu vertauschen. Im Jahre 1833 dahin übersiedelt, gewann er durch seine Leutseligkeit, Offenherzigkeit und Duldsamkeit bald Aller Herzen. 23 Jahre wirkte er auf diesem letzten Posten, ein würdiger Nachfolger seiner mitunter berühmten Vorgänger, wie Formiggini, Tedeschi [Bd. XLIII, S. 174], Levi und Cologna [Bd. II, S. 432]. Treves besaß tiefe und gründliche Kenntnisse in der orientalischen Literatur, war ein glücklicher hebräischer Dichter, ein ausgezeichneter Redner, führte mit Gewandtheit die Feder, konnte aber nie dazu bewogen werden, seine trefflichen [184] Reden und Gutachten in hebräischen Angelegenheiten drucken zu lassen. Als Seelsorger suchte er seines Gleichen, mildthätig gegen Bedürftige, zeigte er sich unerschrocken den Kranken gegenüber, die er auch bei herrschenden Seuchen und als er schon im hohen Alter und sehr gebrechlich war, besuchte und durch sein tröstendes Wort aufzurichten verstand. Ein nicht geringes Verdienst erwarb er sich um den öffentlichen Unterricht. Er bildete viele tüchtige Jünglinge, ausgezeichnete Lehrer in der hebräischen Sprache und Literatur, wie in den übrigen hebräischen Disciplinen. Als er kurz vor seinem Tode der Sehnsucht, die Stätten seiner einstigen Wirksamkeit in Piemont zu besuchen, nicht widerstehen konnte, und am 22. Mai 1856 mit Frau und Sohn dahin reiste, glich diese Reise einem wahren Triumphzuge. Gastmahle, Beleuchtungen, Fackelzüge, Ansprachen, Serenaden wechselten einander ab, um den 76jährigen Greis zu feiern, der wohl dieser ununterbrochenen, wenngleich freudigen Erregung endlich erlag, denn als er am 25. Juni von Turin, wo er länger weilte, als er anfangs beabsichtigt hatte, nach Asti, der ersten Stätte seiner rabbinischen Wirksamkeit, welches Boten auf Boten mit der Bitte an ihn abschickte, daß er seine Ankunft beschleunige, abreisen wollte, befiel ihn in der Nacht vom 24./25. Juni ein Lungenschlagfluß, der seinem Leben plötzlich ein Ende machte. Die Trauer um den Verblichenen war in seinen Kreisen eine große und allgemeine. Der Leichenzug gestaltete sich imposant. Am Grabe sprach eine ergreifende Rede der Rabbiner von Vercelli, der Vaterstadt des Dahingeschiedenen. Dreißig Tage nach dem Tode des Edlen wurde demselben an vielen Orten eine Leichenfeier mit Trauerreden, Trauergedichten und Gesang veranstaltet. Elf Elegien, zehn hebräische und eine italienische, erschienen in Triest, eine hebräische lithographirte von Professor Marco Tedeschi, Rabbiner in Asti, eine andere von David Terracius, Rabbiner von Acqui, der auch mehrere hebräische Inschriften verfaßte.

Nelle solenni Esequie dell’eccelentissimo Signoro Sabbato Graziadio Treves Rabbino maggioro della comunità israelitica di Trieste. Orazione letta il 24 Luglio 1856 dal Rabbino Lelio della Torre (Trieste 1856, Lloyd austr., 4°., 12 S.). – Il Diavoletto. Giornale triestino. Anno IX. 27 Luglio 1866, Nr. 206: Sabbato Graziadio Treves“. Del Dre. Formiggini. – Wiener Mittheilungen. Zeitschrift für israelitische Culturzustände. Von Dr. M. Letteris (Wien, 4°.) 1855, Nr. 45; 1856, Nr. 39 und 53.