BLKÖ:Vaclík, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vacquant
Band: 49 (1884), ab Seite: 188. (Quelle)
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Vaclík, Johann (politischer Agent, geb. zu Plav[WS 1] im Budweiser Kreise 1832). Die Gymnasialclassen besuchte er zunächst in Budweis, dann in der Prager Altstadt, wo sein Oheim, der Doctor der Rechte Florian Chromý, die Advocatur ausübte. Das Jahr 1848 rief in dem damals sechzehnjährigen Jungen den slavischen Gedanken wach, der ihn auch seitdem bis in die Gegenwart beschäftigte. Noch während er das Gymnasium besuchte, erlernte er die polnische, serbische und russische Sprache, und 1848 unternahm er eine größere Reise in die südslavischen Länder, in Folge dessen sein slavischer Gedanke eine neue und entschiedenere Richtung erhielt und bestimmten Zielen zusteuerte. Nachdem er das Gymnasium vollendet hatte, brachte er das Jahr 1852 in der Wiener theresianischen Akademie zu, in welcher er sich auf die romanischen Sprachen und diplomatische Wissenschaften, wie Staats- und Völkerrecht u. s. w. verlegte. Nach Prag zurückgekehrt, studirte er daselbst privat bei seinem Onkel internationales Recht und moderne Sprachen, während er sich nebenbei durch zwei Jahre als Mitarbeiter an der „Pražsky noviny“, d. i. Prager Zeitung, unter den Redacteuren Picek und Šesták, betheiligte Nun unternahm er eine zweite Reise nach dem südslavischen Ländern und knüpfte mit hervorragenden und einflußreichen Persönlichkeiten Serbiens und Croatiens Verbindungen an, namentlich aber trat er mit Svetozar Medakovic, dem Secretär des Fürsten von Montenegro in engeren Verkehr. So erhielt er auch aus dem Archive des Fürsten die Urkunden und sonstigen Documente zu seiner 1858 herausgegebenen Schrift: „La Souveraineté du Monténegro et le droit des gens moderne de l’Europe“ (Leipzig 1858, F. A. Brockhaus, 8°.), in welcher die von Seite der Türken immer wieder angefochtene Unabhängigkeit und die Bedrängnisse, welche Montenegro von der Pforte auszustehen hat, in ausführlicher Weise dargestellt und erörtert werden. Diese Schrift schickte Fürst Danilo I. an sämmtliche Höfe Europas und übergab sie während seiner Anwesenheit in Paris persönlich dem Kaiser Napoleon III. Als dann im obengenannten Jahre 1858 der Fürst aus Paris über Prag in sein Land zurückkehrte, nahm er unseren Schriftsteller nach Montenegro mit und ernannte ihn zu seinem Secretär, in welcher Eigenschaft Vaclík durch zehn Jahre seinem hohen Gönner, dann dessen Nachfolger, dem Fürsten Nicolaus I., diente. In dieser Stellung unternahm Vaclík mehrere Male größere diplomatische Reisen nach Paris, Wien und Petersburg und brachte dann zwei Jahre als montenegrinischer Consul in Skutari zu, immer und überall die Slaven und christlichen Stämme gegen die Türken und anderen Gegner slavischer Tendenzen aufreizend. Nachdem er so allmälig, jedoch gründlich die Interessen Montenegros, Dalmatiens, der Hercegovina und Albaniens kennen gelernt und sich mit den Sprachen dieser Länder, sowie [189] mit der türkischen ganz vertraut gemacht hatte, nahm er 1868 Abschied von Montenegro, welches ihm einen zu engen Wirkungskreis bot, und begab sich nach Petersburg, wo sich ihm ein weiteres und geeigneteres Feld für seine diplomatischen und politischen Intriguen erschloß und er als montenegrinischer Agent für die Verwirklichung seines slavischen Gedankens erfolgreicher wirken konnte. Dort gab er auch mit Hilfe des russischen Generalstabes seine Karte von Montenegro und der Hercegovina, sowie seine „Zápisky o poměrech jihoslovanských“, d. i. Memoiren über die südslavischen Ziele, heraus. Schon früher war von ihm erschienen das Werk: „Turecko evropské Srbsko, Multany a Valachie Černá Hora a pohraničné země rakouské dle nejnovějších pramenů“, d. i. Die europäische Türkei, Serbien, Moldau und Walachei, Montenegro und die benachbarten österreichischen Länder nach den neuesten Quellen (Prag 1859, Pospíšil), zu welchem er die Schriften von Ami Boué, Griesebach, Hahn, Hecquard, Jurisić, Karaczay, Kovalewskji, Milenkovic, Visquesnal und Wilkinson benützte, und dann das biographische Werk: „Polní maršálek ruský A. I. kníže Barjatinskij“, d. i. Der russische Feldmarschall Fürst Baratinski (Prag 1871, Skrejšovsky, Fol.). Noch vor Antritt seiner politischen Agentschaft hatte er sich auf einem minder bedenklichen, eigentlich ganz ungefährlichen Gebiete beschäftigt, indem er Doctor Müller’s Schriftchen über die Arnicatinctur und ihre Anwendung bei Verwundungen u. s. w. ins Čechische übersetzte und, mit Zusätzen vermehrt, unter dem Titel: „Prhovina, čili lék na všeliké zmoždeniny, kloubů vyhnutí, puchýře, kuří oka, poraněniny i t. d.“ (Budweis 1853, L. E. Hansen, kl. 8°.) herausgab.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Plov.