BLKÖ:Vincenti, Karl Ferdinand Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 51 (1885), ab Seite: 20. (Quelle)
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Vincenti, Karl Ferdinand Ritter von (Schriftsteller, geb. bei Baden-Baden am 14. December 1835). Der Sproß eines altadeligen aus Sardinien nach Deutschland eingewanderten Geschlechtes, über welches die Quellen S. 21 näheren Aufschluß geben. Der jüngste Sohn des 1837 verstorbenen Ferdinand Anton Ritter von Vincenti, erhielt er eine sehr sorgfältige Erziehung, widmete sich dann auf den Hochschulen zu Heidelberg, Göttingen, Wien und Paris den Sprachwissenschaften, der Philosophie und Jurisprudenz, gab jedoch letztere bald wieder auf und verlegte sich mit besonderem Eifer auf Sprachforschung und ethnographische Studien. Sein Hauptaugenmerk wendete er den orientalischen Idiomen zu, deren Anfangsgründe er sich in früher Jugend aneignete. Schon im ersten Jünglingsalter führte ihn eine unwiderstehliche Reiselust nach Frankreich, Italien, Oesterreich u. s. w., und zwanzig Jahre alt, unternahm er eine große Reise nach Schweden, Norwegen, Finnland und der Lappmark bis zum Nordcap. Nach seiner Rückkehr lag er in Paris und Wien längere Zeit dem Studium der orientalischen Sprachen, vornehmlich der arabischen, ob und verbrachte dann mehrere Jahre hindurch auf Reisen in Vorderasien (Syrien, Euphratländer), ferner in Aegypten, Nubien u. s. w., wobei es ihm besonders gelang, das Oasen- und Wüstenleben näher kennen zu lernen und praktische Sprachstudien zu treiben, deren Ergebnisse er in einer Grammatik der arabischen Vulgärdialekte niederzulegen beabsichtigte. Von diesen Lebensfahrten brachte er reiches Material mit, das noch zum Theile der Bearbeitung in seinem Pulte harrt. Harte Schicksalsschläge, Vermögensverluste und eigenthümliche Lebensfügungen zerstörten seine glänzendsten Aussichten und Pläne. Nach einem Aufenthalte in Algier und Spanien nahm er, reich an Erinnerungsschätzen, aber sonst vielfach geprüft, bald seinen ständigen Aufenthalt in Oesterreich. Im October 1871 ließ er sich in Wien nieder, wo er seitdem auch auf schriftstellerischem und journalistischem Gebiete thätig ist. Nachdem er zwei Jahre als einer der Hauptredacteure des politischen Parteiblattes „Der Wanderer“ fungirt hatte, übernahm er das Kunstreferat in der kaiserlichen „Wiener Zeitung“, später auch in der „Deutschen Zeitung“, und führte es bis 1880. Zu Beginn des Jahres 1876 wurde er zur Mitbegründung des illustrirten Familienblattes „Die Heimat“ berufen, welches er drei Jahre als Chefredacteur leitete und unter den illustrirten Blättern zu wirklicher Bedeutung brachte, welche erst dann so recht erkannt wurde, als nach Vincenti’s Austritte der allmälige Verfall des Blattes immer sichtbarer sich herausstellte. Mitte 1880 legte er die Redaction der „Heimat“ nieder und trat in das Bureau der „Neuen Freien Presse“ ein, in welchem er noch zur Stunde arbeitet. Ueberdies ließ er während dieser Zeit eine Reihe selbstständiger Werke erscheinen, deren Titel sind: „Die Tempelstürmer Hocharabiens“ Roman, drei Bände (Berlin 1873, Janke, 8°.). Dieser culturhistorische Roman, den Vincenti seiner Gemalin gewidmet, wurde von der deutschen Kritik allgemein mit sehr großem Beifalle aufgenommen. „In diesem Buche“, so [21] äußert sich der noch immer nicht, wie er es verdient, gewürdigte Ferdinand Kürnberger, „ist zum ersten Male der erfolgreiche Versuch gemacht, einen orientalischen Roman aus dem vollen Leben zu schreiben. Fast alle Gestatten dieser farbenprächtigen Dichtung sind dem Verfasser thatsächlich auf seinen Reisen im Orient in entsprechenden Typen begegnet“. Auf „Die Tempelstürmer“ folgten: „Der Roman eines Gefolterten“ (Berlin 1870, Janke); – „Unter Schleier und Maske. Orientalische Novellen“ (Stuttgart 1874, Simon); – „In Glut und Eis. Novellen und Geschichten“ zwei Bände (Dresden 1876, Baensch); – „Wundergeschichten der Liebe“ (Wien 1880, Manz); – „Auferstanden“ (Dresden 1877, Baensch). Seit 1873 beschäftigte sich Vincenti wieder sehr eingehend mit Kunststudien, die er schon im Oriente mit großer Vorliebe getrieben, und deren Resultate er in zahlreichen Correspondenzen niedergelegt hatte. Diese vorherrschende Neigung veranlagte ihn im letztgenannten Jahre, das Wiener Kunst- und Theaterreferat für die frühere Augsburger, jetzt Münchener „Allgemeine Zeitung“ zu übernehmen, welches er seitdem ohne Unterbrechung führt, so daß seine v. V. gezeichneten umfassenden Referate, welche zu benützen Verfasser dieses Lexikons mehrfach Gelegenheit hatte, bis 5. August 1884 eine stattliche Nummer (LXXVII) erreichen und eine Fülle biographischen, kunst- und culturhistorischen Materials enthalten. Im Jahre 1876 erschien selbständig eine Reihe kunstkritischer Studien und Skizzen unter dem Titel: „Wiener Kunst-Renaissance. Studien und Charakteristiken“ (Wien, Gerold’s Sohn, 8°., VIII und 464 S.), wozu der mittlerweile verstorbene Laufberger [Band XIV, S. 220] ein reizendes Titelblatt gezeichnet hat. Ebenso finden wir Vincenti unter den ständigen Mitarbeitern des in Wien seit 1872 erscheinenden literarischen Jahrbuches „Die Dioskuren“, welches, wie kein zweites derartiges Unternehmen, eine Fülle des mannigfaltigsten Materials für Cultur- und Literaturgeschichte Oesterreichs aufweist. Seit vielen Jahren hat unser Schriftsteller, als einer der Redner des deutschen Vereinsverbandes für öffentliche Vorträge, das Vortragswesen, welches er schon in früheren Jahren gepflegt, wieder aufgenommen und über seine Reisen und Studien im Orient und culturhistorischen Studien in Deutschland und Oesterreich zahlreiche Vorträge gehalten, von denen sich jene im Wiener „Orientalischen Museum“ besonders günstiger Aufnahme erfreuten. Seine alljährlichen Vortragsreisen führten ihn bisher wohl in mehr als hundert Städte, in denen er über zweihundert öffentliche Vorträge gehalten.