BLKÖ:Wiener, Friedrich Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 56 (1888), ab Seite: 29. (Quelle)
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Wiener, Friedrich Ritter von (Mitglied des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes und des böhmischen Landtages, geb. zu Prag am 20. November 1817, gest. daselbst im Frühjahr 1887). Er besuchte das Gymnasium und die Universität seiner Vaterstadt und verlebte eine kümmerliche Jugend, in welcher er alle Bitternisse eines blutarmen Studenten durchkostete. Doch gelang es ihm, sich durchzuwinden und die juridischen Studien zu beenden, worauf er in Prag am 16. December [30] 1842 zum Doctor der Rechte promovirte. Nun erhielt er eine Advocatenstelle in Brüx. 1860 nach Prag zurückgekehrt, wurde er zu Beginn der Sechziger-Jahre daselbst in der Josephstadt in den böhmischen Landtag gewählt, in welchem er über ein Vierteljahrhundert als Vertrauensmann des deutschböhmischen Volkes saß, lange Zeit auch dem böhmischen Landesausschusse als Ersatzmann und Mitglied angehörte. 1873 ward er in demselben Wahlbezirke auch in das Abgeordnetenhaus des Reichsrathes entsendet, in welchem er, wie unsere Quelle bemerkt, „mehrere Jahre hindurch geräuschlos, aber nachdrucksvoll wirkte“. Er trat in den Plenarsitzungen des parlamentarischen Körpers nur selten hervor; bei seinem stillen sich nicht vordrängenden Wesen brachte er sein reiches gediegenes Wissen, seine umfassende Personenkenntniß, seine Schlagfertigkeit und sein kluges Erfassen der Verhältnisse vorwiegend in den Commissionsberathungen zur Geltung. In denselben aber übte er bei der hohen Achtung, in der er stand, großen Einfluß. Seine milde, vermittelnde Art schaffte oft Schwierigkeiten hinweg, die unbesiegbar schienen, und manchen Sturm im deutschen Vertrauensmännercollegium, welcher Spaltungen herbeizuführen drohte, hat Wiener’s Eingreifen beseitigt. Als Rechtsfreund war derselbe hochgeschätzt, Cavaliere und Geschäftsmänner der verschiedensten Parteistellung suchten in gleicher Weise seinen juridischen Rath nach und brachten ihm alle das höchste Vertrauen entgegen. In der That war seine Prager Kanzlei die hervorragendste in Böhmen, und Jahre hindurch befand er sich bald als Präsident, bald als Vice-Präsident an der Spitze der Prager Advocatenkammer. Seit dem Beginne der Verfassungsära stand er im Vordergrunde des politischen Lebens und der politischen Kämpfe. Sobald die Sonderung der Parteien in Böhmen und Oesterreich sich vollzogen, nahm er Stellung, schloß sich der deutschen liberalen Verfassungspartei an und ist als bewährter Vorkämpfer des Deutschthums in Böhmen ihr treues hingebungsvolles Mitglied geblieben. Sein Hingang wäre unter allen Umständen ein Verlust gewesen; bei den Spaltungen, welche die deutsche Partei des Abgeordnetenhauses zur Zeit zum großen Schaden der deutschen Sache in Oesterreich trennen, wird ’Wiener’ mit seinem ausgleichenden, versöhnenden, immer die praktischen Ziele ins Auge fassenden Wesen heute schwer vermißt. Von seinen um die Prager Commune besonders erworbenen Verdiensten sei hier noch seiner Leistungen bei der Organisation der städtischen Feuerassecuranz und seine Ausarbeitung des Planes zu städtischen Anlagen gedacht. Wiener wurde für seine Verdienste im December 1872 mit dem Orden der eisernen Krone dritter Classe ausgezeichnet und den Statuten gemäß in den österreichischen Ritterstand erhoben. Er starb nach langem schmerzlichen Leiden im Alter von 70 Jahren.

Neue illustrirte Zeitung. Herausgegeben von Balduin Groller, Wien, 17. April 1887, Nr. 29, S. 459.
Porträt. Unterschrift: „Friedrich Ritter von Wiener“. Nach einer Photographie gez. von F. F. W(eiß) [ebenda S. 449].