Balthasar Küchler an Herzog Johann Friedrich von Württemberg, 1611

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Textdaten
Autor: Balthasar Küchler
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Titel: Widmungsbrief an Herzog Johann Friedrich von Württemberg
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aus: Repræsentatio Der Fürstlichen Auffzüg vnd Ritterspil [...], VD17 23:250959C, abgebildet bei Peter Spranger, Balthasar Küchler, in: Gmünder Studien 3 (1989), S. 12 (fehlt im Digitalisat Wolfenbüttel)
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Entstehungsdatum: 1611
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Erscheinungsort: Schwäbisch Gmünd (Druck erfolgte in Stuttgart)
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Kurzbeschreibung: Küchler blickt auf die (angebliche) Geschichte des Turnierwesens zurück
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DEm Durchleuchtigen / Hochgebornen Fürsten vnd Herrn /
Herrn Johann Friderichen / Hertzogen zu Wirtemberg vnd Teck / Grafen zu Mümpelgart /
Herrn zu Heydenheim vnd Oberkirch / etc. Meinem gnedigen Fürsten vnd Herrn.


DVrchleuchtiger / Hochgeborner / Gnädiger Fürst vnd Herr: Wer sich ein wenig in den alten Geschichten vnd Historien vmbsihet / der befindet / daß nit allein die Römer / sondern auch längsten vor denselben die Griechen vnd Trojaner allerhand Ritterliche Spiel vnd Kurtzweilen / mit Thurnieren / Rennen / Stechen / Kämpffen / Ringen / Springen / Fechten / vnd dergleichen im brauch gehabt / welche sie theils jhren vermeynten Göttern vnd Wolthätern / theils wolverdienten Helden zu ehren / theils auch nach erlangtem Siege / vnd sonsten in Frieden vnd Frewden zeit zu Ergetz- vnd Frölichkeit / auch übung zur Geschickligkeit / vnd vorbereitung zum Ernst vielmals mit stattlichem Pracht angestellet. Diese Ritterliche übung vnd Frewdenspiel ist nach Trojæ zerstörung / welches eine vorneme Königliche Hauptstatt in Asia minori, jetzt vnter dem Türcken Natolia genannt / gewesen / durch Ascanium, Æneæ Son / in Italiam, longam muris cum cingeret Albam, zum ersten bracht worden / wie solches Virgilius im 5. Buch Æneid. bezeuget / vor erbawung der Statt Rom über die 420. vnd vnsers Seligmachers Geburt / 1170. Jar / daher auch solch simulacrum pugnæ equestris vnd Ritterspiel / Troja / weil es von den Trojanern nemlich herkommen / bey den alten Latinern vnd Römern genennet worden. Dergleichen Ritterspiel vnd Frewdenfest hat der erste Römische König vnd Fürst Romulus / im vierdten Monat nach selbiger Statt erbawung / wie Fabius Pictor bezeuget / vff seiner Kirchweyh / oder viel mehr Stattweyh / angerichtet / welche bey den alten ludi Circenses genennt worden / darzu er seine benachbarten mit Weib vnd Kind geladen / vnd damals / weil er sampt seiner jungen Mann- vnd Burgerschafft Eheloß / vnd niemands vnter den angrentzenden Nachbarn durch heyrathen sich mit jhnen befreunden wollen / ein jeder jhm selbst vmb ein Weib getrachtet / vnd der benachbarten Sabiner Mannbare Töchter entführet vnd geehelicht / welches sich begeben nach erschaffung der Welt / on gefehr im 3223. Jahr / vnd Virgil. auch im 8. Buch bey der Beschreibung deß künstlich geetzten oder gestochenen Schilds / Æneæ gedencket. Keyser Augustus / nach dem er allerhand statliche Schau- Freuden- vnd Ritterspiel zu Rom gehalten / hat sich sonderlich mit disem Trojæ ludo, oder Thurnier vnd Rennkampff delectiret, in massen Suetonius meldet. Hat auch dem Abgott Apollini zu ehren / als er Antonium vnd Cleopatram in Egypten sieghafft überwunden / bey dem Epirotischen Vorgebirg Actio dergleichen ludos, so dannenhero Actiaci genennt / vnd alle 5. Jar / zu selbiger victori Gedächtnuß / exerciret worden / angerichtet / vnd mit sonderer sollennitet celebriret, dahin auch gedachter Poet in seiner 3. Æneid. zierlich alludiret. Ebenfalls wird von Julio Cæsare vnd vielen andern folgenden Keysern gelesen. So haben auch die Griechen lang zuvor vier dergleichen Certamina, oder Ludos, oder Spectacula gehabt vnd gehalten: Darunter ludi Olympici die vornembsten / so vom Hercule in honorem sive Jovis, sive Pelopis, am Berg Olympo in Arcadia bey Pisa vnd Elide neben dem Fluß Alphæo, angestellet / vnd hernach alle 5. Jahr einmal gehalten / darnach dieselben Völcker in folgenden zeiten jhr Jahr gerechnet / vnd selbige Olympiades genennet. Welche sachen alle in specie zu erzehlen / vnd diß orts ein zu führen / viel zu lang werden wolte. Nach Christi vnsers Seligmachers Geburt ist diese Adeliche / Ritterliche übung deß Rennens / Roß vnd Fuß Thurniers / sampt andern / auch in Franckreich / Britannien vnd Engeland / vnd dannenhero in Teutschland kommen: Vnd hat Keyser Heinrich / auceps genannt / als er im Jar vnser Erlösung 933. tempore quadragesimali, die Vnglaubigen Hunnen oder Hungern bey Merßburg in einer gewaltigen Schlacht gedempfft / den Fürsten / Grafen / Rittern vnd Herrn / wegen jhrer trewen gehorsamen Dienste vnnd ritterlichen Beystands / so sie jhrer Majestat vnnd dem H. Reich im selben Zug geleistet / einen ehrlichen Hof vnd solch Frewdenfest zu Göttingen bestellen lassen: Darbey auch die Adeliche / Ritterliche übung deß Thurniers damals in Teutschland auffkommen / vnd der erste von dannen gen Magdeburg gelegt / vnd Anno 938. wie Münsterus meldet / daselbsten / vnd hernach an vielen Orten mehr / mit grossen Sollenniteten / Pracht / Magnificentz vnd Herrligkeit: mehr anhangt / seythero vielfältig / vnd sonderlich bey Fürstlichen Freudenfesten vnd Kindtauffen / Wie newlich auch bey E. F. G. Fürstlichem Beylager sehr stattlich / prächtig vnd köstlich / vnd mit aller anwesenden stupore vnd verwunderung / gantz glücklich / durch Gottes verleyhung / seyn gehalten worden. Welche Inventiones, Auffzüg vnd damals verübte Fürst- vnd Adeliche Ritterspiel / als sie nit allein von den anwesenden / sondern auch frembden in Gemälde vff Kupffer sehr begeret worden: Hat E. F. G. Obervogt zu Wildberg vnd Ober Hofmeister dero löblichen Fürstl. Collegii zu Tübingen / der Gestr. Edle vnd Veste Johann Joachim von Grünthal / sampt E. F. G. Conterfetern / dem Ehrnhafften vnd Kunstreichen Georg Donawern / mit mir gehandelt / daß ich mich selbiger Mühwaltung E. F. G. zu vnterthenigem gehorsam vnd ehren zu vnterfangen geruhete / welches dann solcher gestalt / vnd wie E. F. G. ab dem Werck gegenwertig gnedig zu sehen / mit nicht geringer Müh / Arbeit vnd Vnkosten / nach vermögen beschehen. Demnach nun diese meine Mühwaltung vnd ringfügige Arbeit angeregter Gestalt hochgedachten E. F. G. zu vnterthänigen Ehrn vermeynt / vnd zu werck gerichtet / habe niemand andern / als Deroselben ich solche in vnterthänigkeit gehorsam dediciren sollen: Solchem nach vnterthänig bittend / dieselben geruhen es in gnaden von mir zu verstehen vnd auff zunemen / darneben auch mein gnädiger Fürst vnd Her zu seyn vnd bleiben. E. F. G. sampt dero hochgeliebten Fürstlichen Gemahlin / vnnd Herrn Gebrüdern / meinen gnädigen Fürsten vnd Herrn / hiermit dem Allmächtigen zu langwiriger beständiger Leibs Gesundheit / friedlichem Regiment / vnd allem ersprießlichen auffnemen / denselben aber zu dero beharrlichen F. Gnaden mich vnterthänigs fleiß anbefehlend. Datum Schwäbischen Gemündt / den 22. Februarij / Anno 1611.

               E. F. G.
                              

Vnterthäniger vnd
Gehorsamer

                                             

Balthasar Kuchler Burger
vnd Mahler daselbst.


Anmerkungen (Wikisource)