Allgemeines Deutsches Kommersbuch:303

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 604, 605
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[604]

fah=ren ins Heu.

     2. Ei, dachte der Bauer, was fällt ihr denn ein? sie hat mir
etwas auf dem Rohr. Wart! wart! ich schirre die Rappen zum
Schein und stelle mich hinter das Thor; ich thu, als führ ich ins
Heu, ich thu als führ ich ins - Ha=ha=ha=ha=ha=heu, ich thu, als
führ ich ins Heu!

     3. Bald kam ein Reiter das Dörfchen herab, so nett wie ein Hof=
kavalier. Das Weibchen am Fenster ein Zeichen ihm gab und öffnte
leise die Thür. „Mein Mann ist gefahren ins Heu!“

     4. Sie drückte den blühenden Buben ans Herz und gab ihm manch
feurigen Kuß. Dem Bauer am Guckloch ward schwül bei dem Scherz;
er sprengte die Thür mit dem Fuß. „Ich bin nicht gefahren ins Heu!“

     5. Der Reiter, der machte sich, wie ein Dieb, durchs Fenster ge=
schwind auf die Flucht; doch sie sprach bittend: „Lieb Männchen, ver=
gieb! er hat mich in Ehren besucht. Ich dachte, du führest ins Heu!“

     6. „„Potz Hagel! und wär ich auch meilenweit gefahren ins
Heu oder Gras, verbitt ich, zum Henker! doch während der Zeit mir
solchen verwetterten Spaß. Da fahre der Teufel ins Heu!““

Langbein 1807 nach einem älteren Volksliede.


          670.     Königtum.

     Singw.: Stimmt an mit hellem hohen Klang ec., oder: Wenn mich die Welt, dies Jammerthal ec.

     1. Ein nüchtern Mann — ein armer Mann! vertrocknet Herz und
Kehle, ein König, der da trinken kann zugleich mit Leib und Seele!

     2. Hier sitz ich auf dem grünen Pfühl von Maien aufgeschlagen,
der Tag ist lau, der Wein ist kühl, so muß der Trank behagen.

     3. Und rings um meinen Thron gedeckt die Flaschen in dem Grase,
kein Pfaff und kein Minister steckt ins Regiment die Nase.

     4. Es spielt mir um die Stirn der Kranz wie’m Bacchus Blatt und
Traube, es schwärmt umher der Frauen Tanz, bacchantisch in dem Laube.

     5. Sie säen nicht, sie ernten nicht, sind doch so froh genähret; ich
trinke nur und sorge nicht, so hat mir’s Gott bescheret.

     6. Und du, mein einzger Herzensfreund, genug fürs ganze Leben,
du trinkst mit mir, und jedem Feind kann ich mit dir vergeben.

     7. Mit dir beim Weine Zug um Zug, wie wachsen die Gedanken!
So selig kann des Adlers Flug im Äthergold nicht schwanken.

     8. Und all der hohe stolze Tag, uns soll er ganz gehören, kein
Zeiger und kein Stundenschlag darf seine Feier stören.

[605]

     9. Fern braust der Markt, wo groß und klein sich Schätze will
erraffen, ’s sind lauter Knechte, die den Wein in meine Schläuche schaffen.

     10. Wenn alle Welt im Staube wühlt, muß es doch einen geben,
der einen König noch sich fühlt, als König weiß zu leben.

     11. Stoßt an! und sinkt der Sonnenschein und ist mein Reich
zerfallen, sollst du des Thrones Erbe sein, die andern die Vasallen.

     12. Sei König, wer da trinken kann zugleich mit Leib und Seele.
Ein nüchtern Mann — ein armer Mann! vertrocknet Herz und Kehle.

J. G. Fischer.


          671.     Am Grenzwall.     (II. 8.)

     Bestimmt, gemäßigt. Franz Abt. 1878.

     1. Ein Rö=mer stand in finst=rer Nacht am deut=schen Grenzwall
Posten, fern vom Ka=stell war sei=ne Wacht, das Antlitz ge=gen
Osten, da regt sich feindlich was im Fluß, da schleicht und hallt was
lei=se, kein Pä=an von Ho=ra=zi=us, ganz
wild=fremd war die Wei=se: Ha, hamm, hammer dich
e=mol, e=mol, e=mol, an dei'm ver=ris=se=ne Ka=mi=sol,