Allgemeines Deutsches Kommersbuch:154

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 306, 307
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[306]

     3. Der Aßmannshäuser am Rhein, fürwahr, ist köstliches Trauben=
blut, doch auch an dem Ufer der rauschenden Ahr der Walporzheimer
ist gut. Drum kommet und schauet, ihr Burschen am Rhein, dies
traubengesegnete Thal! Kehrt hübsch beim heiligen Petrus ein und
kostet von seinem feurigen Wein im Walporzheimer Pokal.

Hermann Grieben.


          338.     Der Geist von anno elf.     (II. 186.)

     Erzählend. H. Keyl.

     1. Beim Lin=den=wirt im Kel=ler ruht ein gro=ßes Faß voll
Traubenblut, ge=kel=tert an=no elf, ge=kel=tert an=no elf; und
in dem staubgen Fas=se kreist dem Lin=den=wirt sein
bö=ser Geist, der Geist von anno elf, der Geist von an=no elf.

     2. Der Lindenwirt, nach Schenkenbrauch, trägt einen wohlgenähr=
ten Bauch, |: ein Näslein rosigrot; :| und manchmal hat er’s aus=
geschwatzt, daß ihm das Näslein rot gekratzt |: der Geist von anno
elf. :|

     3. Wenn nachts der Zeiger zwölf erreicht, mit einem großen Kruge
schleicht der dicke Lindenwirt hinab zum Keller, wo er still und un=
beschrieen fangen will den Geist von anno elf.

     4. Am Fasse klopft er dreimal an und öffnet leise dann den Hahn
und füllt den Krug und trinkt fünfmal; da schießt der Geist hervor
und wirft den Lindenwirt aufs Ohr, der Geist von anno elf.

     5. Da liegt er schnarchend, bis ihn früh der Hausknecht polternd
und mit Müh wohl aus dem Keller schleppt, dann fängt er laut zu
schelten an: das hat der Geist mir angethan, der Geist von anno elf.

[307]

     6. So trieb er’s schon seit Jahr und Tag. An einem schönen
Morgen lag der dicke Lindenwirt im Keller tot, das Faß war leer,
kein Mensch im Hause spürte mehr den Geist von anno elf.

Friedrich Geßler.


          339.     Rheinweinlied.     (I. 136.)

     Mäßig. Joh. André. 1776.

     1. Bekränzt mit Laub den lie=ben vol=len Be=cher und
trinkt ihn fröh=lich leer, und trinkt ihn fröh=lich leer! In ganz Eu=
ro=pi=a, ihr Her=ren Ze=cher, ist solch ein Wein nicht
mehr, ist solch ein Wein nicht mehr, ist solch ein Wein nicht
mehr, ist solch ein Wein nicht mehr!

     2. Er kommt nicht her aus Ungarn noch aus Polen, |: noch wo
man franzmännsch spricht; :| da mag Sankt Veit, der Ritter, Wein
sich holen, |: wir holen ihn da nicht. :|

     3. Ihn bringt das Vaterland aus seiner Fülle; wie wär er sonst
so gut? wie wär er sonst so edel, wäre stille, und doch voll Kraft und
Mut?

     4. Er wächst nicht überall im deutschen Reich; und viele Berge,
hört! sind, wie die weiland Kreter, faule Bäuche, und nicht der Stelle
wert.

     5. Thüringens Berge zum Exempel bringen Gewächs, sieht aus
wie Wein; ist’s aber nicht, man kann dabei nicht singen, dabei nicht
fröhlich sein.