Benno von Kirchberg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Georg Rapp
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Benno von Kirchberg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 59–61
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[59]
Benno von Kirchberg.[1]

Ritter Benno liegt gebunden
In des Kerkers ödem Grab,
Fleht um Tod im Schmerz der Wunden,
Die des Bruders Hand ihm gab,

5
Der im Kampf ihn hingerungen

Um der Schönsten Liebesblick,
Seines Lebens Reiz verschlungen,
Seiner Hoffnung stilles Glück.

Horch! es hallen tiefe Glocken

10
Und der Orgel Donner jagt

In der Chöre Festfrohlocken
Und der Liebe Morgen tagt:
„Macht mich frei, ihr Himmelsworte,
Liebe, Liebe, brich mir Bahn!“

[60]
15
Er zerreißt die Kerkerpforte,

Schreitet zu dem Dom hinan.

Hingegossen auf die Stufen
Sieht er die Beglückten knie’n,
Hört ihr ewig Ja sie rufen, .

20
Klirrt in seinen Ketten hin:

„Ja und Ja! du Donnerstimme,
Ja, ach Ja, du richtest mich!
Brich mein Himmel denn im Grimme,
Und mein Engel berge sich!“

25
Im bekränzten Ahnensaale

Schwelgt im Fackeltanz das Paar.
Wer erscheint mit dem Pokale,
Beut ihn der Vermählten dar?
„Nimm ihn hin, den Trank, den herben,

30
Drinn ist meiner Zähren Fluth;

Leer’ ihn froh auf mein Verderben,
Wie dein Gatte trank mein Blut!“

Ueber seine Schwelle leise
Tritt die Auserwählte ein;

35
Dem mit Blut erkauften Preise

Will er sich in Wonnen weih’n.
Aber, – wie vom Schreck Gemähte,
Taumeln sie vom Kuß zurück.
Er ist hier auch, der Verschmähte,

40
Mit dem hohlen Todesblick.


„Zu ermessen was mir fehle,
Sah ich tief das Glück, die Lust;
Doch gestillt ist meine Seele,
Ausgerungen hat die Brust.

45
Aus der bangen Kerkerzelle,

Wo von Liebe Liebe litt,
Bau ich meine Himmelsschwelle,
Fleh’ um euren Eingang mit!“

Süßer als der Lieb’ Erwarmen,

50
Wonniger als ihr Genuß,
[61]

Lohnt es ihn in Bruderarmen;
Er verzeiht im Friedenskuß.
An des Felsenstroms Gebrauße,
Auf des Tannenthales Strand,

55
Baut er seine Gottesklause

Vom Gestein der Kerkerwand.

Der Gebirge Häupter schauen
Um ihn her, sein Friedensschild,
Bergen jenseits helle Auen,

60
Fern, wie seiner Liebe Bild.

Herzen, die verrathen trauern,
Von des Jammers Macht umtost,
Pilgern hin, zu Benno’s Mauern,
Und er spendet ihnen Trost.

Georg Rapp.

  1. [61] Das Schloß Kirchberg liegt bei dem Amtsorte Salem, an welche Gemeinde es im Jahre 1288 kam. Hier beschloß der letzte Reichsprälat von Salem sein Leben. In frühester Zeit nannte sich ein Adelsgeschlecht von Kirchberg. Standesherren dieser Besitzung sind jetzt die Markgrafen von Baden.