Benutzer:Aschroet/1

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ganz anderen künstlerischen Empfinden heraufgezogen, das sich gerade in der mainfränkischen Landschaft immer mehr Bahn brach und auch das Kloster Münsterschwarzach mehr und mehr in seinen Bann zog, bis es schliesslich mit seinem herrlichen barocken Klosterbau der Meister Pez-zani-Greising (s. oben) und dem gigantischen barocken Münster Balthasar Neu manns an die Spitze klösterlicher Barockarchitektur Mainfrankens trat, wogegen es sein mächtiges Münster aus romanischer Zeit mit allen Werken vergangener Kunstepochen grosszügig, aber von uns heute – unzweifelhaft mit Recht – tief bedauert, zum Opfer brachte.

(Schluss folgt.) Srlmvlasen und Anfänge kirchlicher Vrganisation an der mittleren lie;at. <1>)

<1> Von der benützten Literatur nenne ich besonders:

Weigel Helmut, Siedlung und Kirche an der oberen Tauber im frühen Mittel-alter. Zeitschrift f. bayr. Kirchengeschichte, Jahrg. 14, S. )9ff, S. 1)9ff; Jahrg. 1), 7 ff. (zitiert - Weigel).

Weigel Helmut, Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Nezat. Ztschr. f. bayr. K.Gesch., Jahrg. 16,1 ff. (zit. Weigel).

Hauck Albert, Kirchengeschichte Deutschlands ISs?, II 1890, III 1896, IV 190) (zit. Hauck).

Aealencyklopäöiefür Prot. Theologie und Kirche, Leipzig,). Aufl. (zit. R.-E.). Muck Georg, Geschichte von Kloster Heilöbronn, I–HI. Nördlingen 1879, 1880 (zit. Muck).

S^ornbaum Karl, Archivinventare der evangelischen mittelfränkischen Pfarreien des ehemaligen Konsistoriums Ansbach. Würzburg 1929. (Alle einschlägigen Patrozinien sind daraus entnommen.) Deinharöt Wilhelm, Frühmittelalterliche Kirchenpatrozinien in Franken. Nürnberg 19)). (zit. Deinharöt.) Schöffel Paul, Der Archiöiakonat Nangau am Ausgang des Mittelalters. Hm Jahrbuch für Fränkische Sanöesforschung, Band ). Erlangen 19)9. (zit. Schöffel.) Bayer Adolf, Pfarrei und Kirche St. Johannis zu Ansbach im Mittelalter. Hm 6?. Jahresbericht des Hist. Vereins f. Mittelfranken. Ansbach 19)7. (zit. Bayer.) Bdsl Karl, Die Neichsministerialität als Träger staufischer Staatspolitik in Ostfranken und auf dem bayer. Norögau. Hm 69. Jahresbericht des Hist. Ver. f. Mittelst. Ansbach 1941. (zit. Bosl.) Nusam Georg, Entstehung und Entwicklung der Urpfarrei Sachsen b. Ansbach.

Hm 6S. Jahresbericht des Hist. Ver. f. Mittelfr. Ansbach 1929. (zit. Nusam.) Dinklage Karl, Die Besiedlung des Schwabacher Landes in karolingischer Zeit.

Jahrbuch f. Fränk. Sanöesforschung, Band 6/7. (zit. Dinklage.) Staatsarchiv Nürnberg kep. 16)3, Nr. )4 (Besitzverhältniffe des Gumbertus-stifres, Zehntrechte u. a.).

Lanöeskirchl. Archiv Nürnberg, Akten des markgräfl. Konsistoriums Ansbach, Nr. )66, )68, 424 3, 42) u. a.; Akten ö. bayr. Kons. Ansbach ))41, ))44, )))0, )001, )002, 49S), 49S9, 4990, 4991 u. a.


Von Kirchenrat Rusam, Ansbach.

Unter der bezeichnten Überschrift hat Or. Helmut Weigel in Erlangen im 1. Halbband des 16. Jahrgangs der Zeitschrift für bayrische Kirchengeschichte eine Abhandlung erscheinen lassen, die sich zunächst mit meinem Aufsatz im 68. Jahrgang des Historischen Vereins für Mittelfranken über die „Entstehung und Entwicklung der Urpfarrei Sachsen“ befasste, im weiteren aber das Problem der kirchlichen Organisation in ihren Anfängen an der mittleren Rezat zu lösen suchte. Gr wandte dazu- wie er selbst sagte, eine „neuartige Arbeitsweise“ an im Gegensatz zu den bisherigen Methoden bei der Behandlung solcher Fragen. Die gleiche Arbeitsweise hatte er schon in einem ersten Artikel über „Siedlung und Kirche an der oberen Tauber im frühen Mittelalter“ im Jahrgang 14 und Is dieser Zeitschrift angewandt, worauf er wiederholt Bezug nimmt. Als Resultat seiner Untersuchung glaubte er beidemale feststellen zu können- dass die bisherige Annahme von Urpfarreien- aus denen sich der kirchliche Organismus im Laufe der Jahrhunderte entwickelt habe, ein „Phantom“ sei. Der geschichtliche Verlauf habe vielmehr folgenden Gang genommen:) Zuerst die pippinisch-karlingische Fiskalpfarrei als Gigenpfarrei des Frankenherrschers auf Königslanö; dann die spätkarlingisch-ottonische Gigenkirche des adeligen Grundherrn in der wirtschaftlich führenden Siedlung der Grunöherrschaft, Lm 11. Jahrhundert umgeben von gleichfalls grundherrlichen Meierhof-Kapellen; weiter die auf dieser Grundlage von geistlichen Gewalten, Kloster, Stift oder Bischof, neu organisierte hochmittelalterliche Grosspfarrei (10. bis 1). Jahrhundert); endlich die durch Zerschlagung der Grosspfarrei im 14. Jahrhundert aufkommende Kleinpfarrei.

Zu diesem Ergebnis gelangte er auf Grund besonderer Quellens) 3) der Bodenfunde aus prähistorischer Zeit und der dadurch erschlossenen Vorgeschichte; b) der Ortsnamen und der daraus abzulesenden historischen Siedlung, die ihrerseits aufs stärkste bedingt ist durch die Raumlage der Landschaft, durch deren Bodenbeschaffenheit und durch die vorgeschichtliche Siedlung; c) der Patroziniumskunöe.

Die kirchlichen Verhältnisse des 12.-14. Jahrhunderts dürfe man nicht in bas 8.–9. Jahrhundert zurückprojizieren, da inzwischen die Klunya-zensische Reformbewegung neu gestaltend eingegriffen habe. Darum müsse man Wege beschreiten, die unmittelbar bis in die Zeit der kirchlichen Anfänge zurückführten) und das seien – neben den spärlichen urkundlichen Nachrichten – die angeführten drei Wege.

Or. Weigel hat diese Forschungsmethode selbst als einen Versuch bezeichnet;^) und er hat den Versuch gemacht mit dem vollen Rüstzeug wissenschaftlicher Kenntnisse, mit einer Fülle von Namen und Zahlen, Kombinationen und Schlüssen. Dergleichen Versuche mit neuen Arbeitsweisen sind notwendig, wenn die Wissenschaft gefördert und befruchtet werden soll, und müssen immer als dankenswert begrüsst werden. Sie bergen freilich auch die grosse Gefahr in sich, dass man dabei auf Irrwege gerät und Fehlschlüsse macht. Sie müssen deshalb stets überprüft werden. Die benützten Quellen sind nach ihrem Werte und ihrer Tragweite sorgsam abzuschätzen; es werden da und dort Einschränkungen vorzunehmen oder auch Ergänzungen beizubringen sein.

Diesem Zwecke möchten die nachfolgenden Ausführungen dienen, und zwar lediglich für das Gebiet der mittleren Rezat, da mir für den oberen Taubergrunö die nötige unmittelbare Kenntnis fehlt, während ich auf Grund langjährigen Aufenthaltes an der Rezat eine eingehendere Ginsicht in die Landschaft und ihre geschichtlichen Bedingtheiten gewonnen zu haben glaube. Um Wiederholungen zu vermeiden, werde ich das von Or. Weigel bereits zutreffend Gesagte nicht noch einmal vornehmen und mich z. B. über die Zeit der Vorgeschichte, über die Deutung der Ortsnamen und ihr erstes urkundliches Vorkommenn auch über Patrozinien u. a. nicht weiter verbreiten; nur, wo ich Ginwände zu erheben, Bedenken zu äußern, Berichtigungen anzumelöen habe, werde ich entsprechende Ausführungen machen.

Zunächst sollen die von Or. Weigel angegebenen Quellen überprüft, dann die Siedlungsgeschichte eingehend gewürdigt und endlich Schlüffe auf die älteste kirchliche Organisierung gezogen werden.

Sie forschungsquellen.

1. Die Vorgeschichte.

Von ihr hat Or. Weigel ausführlich gehandelt, besonders auf Grund -er von Gumpert herausgegebenen Abhandlungen über die gemachten Funde aus den verschiedenen Perioden der Vorzeit. Nur über die letzte vorgeschichtliche Zeit, aus der Funde fehlen, glaubte er eine Kenntnislücke annehmen zu sollen. Gr ist der Meinung, daß auch da noch einzelne Siedler das Land bewohnt hätten. Unter Bezugnahme auf die beiden prähistorischen Niederlassungsgebiete im Umkreis von Ansbach und Windsbach spricht er geradezu den Satz aus : nIrgendwie haben sich die Plätze dieser ,bach’-Orte noch im ?. oder 8. Jahrhundert als besonders geeignet zur Ansiedlung empfohlen, vielleicht eben durch Fortdauer einer seit Jahrhunderten, wenn nicht länger, bodenständigen Bevölkerung“. Dieser Satz kann nicht als zutreffend anerkannt werden, nicht nur, weil keinerlei Beweis hiefür vorliegt, sondern vor allem aus rein geschichtlichen Erwägungen. Or. Weigel muß selbst zugeben, dass der grosse Herzyni-sche Wald, der sich ehedem über das ganze Keupergebiet erstreckte und der durch die bekannte Urkunde von ?8S ausdrücklich bezeugt ist, damals nur für „Fischer und Jäger“ genügende Lebensbedingungen bot.’) Fischer und Jäger richteten aber ihre Wohnstätten nach ganz anderen Gesichtspunkten ein als bäuerliche Siedler, die einen landwirtschaftlichen Hof bauen wollten. Diese suchten günstig gelegenes Ackerland und geeigneten Wiesenboden, um da möglichst mitten hinein ihre Wohn- und Betriebs-stätten zu stellen; Jäger und Fischer aber brauchten nichts weiter als einen möglichst sicheren Wohnplay, von dem aus sie Wald und Wasser bequem erreichen konnten. Nur die Nähe einer Quelle war für beide Teile die gleiche Lebensnotwenöigkeit. Aber Quellen gibt es im Rezat-gebiet so viele, daß die Wohnstätte eines Jägers oder Fischers durchaus nicht ausschlaggebend zu sein brauchte für die spätere Ansässigmachung eines Bauern. Beispielhaft ist hiezu die von Gumpert aus der Höhe über Gyb aufgedeckte vorgeschichtliche Wohnstätte. Ihre Lage an einem stillen auslaufenöen Talwinkel neben einer Quelle entsprach so recht den Wünschen eines Fischers oder Fägers, da er rings von Wald umgeben war und doch zu den beiden Gewässern der Rezat und des Gichenbaches nicht weit zu gehen hatte. Keinem Bauern aber wäre es je eingefallen- sich an dieser für die Anlage eines Hofes höchst ungünstigen Stelle niederzu-lassen.

Gewiss können vorgeschichtliche Niederlassungen richtungweisend sein für eine geschichtliche Siedlung- aber nur dann, wenn schon Ln vorgeschichtlicher Zeit bäuerliche Betriebe dort gestanden sind. Wir dürfen da an alte Kulturlandschaften denken- wie an das Ries- das mittlere Altmühlgebiet- an den Aischgrund und an weite Teile von Unterfranken. Aber für unser Keuperlanö trifft das eben nicht zu. Darum können hier prähistorische Funde keinerlei Bedeutung für die in historischer Zeit erfolgte Besiedlung beanspruchen. Sie sind für das hohe Alter einer An-sieölung nicht beweiskräftig- ebensowenig wie das Fehlen solcher Funde für jüngeres Alter. Letzteres hat Or. Weigel übrigens selbst bei Kleinhaslach und Petersaurach als belanglos behandelt- während er es für den Bezirk um Sachsen als --kein günstiges Vorzeichen“ ansehen zu sollen glaubte?) Gleiches gilt von den vorgeschichtlichen Strassen oder Altwegen. Gewiss hat es solche gegeben- aber doch nur zwischen alten Kulturgebieten-wo ein gewisser Verkehr stattfand. Solche Altwege müssen sich dann auch durch Bodenfunde ausweisen- wie Waffen- Geräte- Gebrauchsgegenstänbe-Heröstellen und dergleichen. Hievon ist aber im Gebiet der mittleren Rezat bisher noch keine Spur gefunden worden. Weigel nimmt einen Nord-Südweg an, ausgehend von der Fliehburg auf dem Dillenberg bei Ka-öolzburg, über die Gegend von Dietenhofen und Warzfelden ziehend, bei Frankendorf das Zellbachtal überquerend, auf der Hochstrasse zwischen Gebersdorf und Obereichenbach verlaufend, zwischen Gyb und Ansbach die Rezat überschreitend und zur Altmühlfurt bei Herrieden sich wendend. Auch wenn man den Dillenberg als altes Kulturzentrum annimmt- muss man doch fragen: Wohin sollen dann die prähistorischen Wanderer gezogen sein? Von Herrieöen aus führt der gerade Weg nur in ein neues grosses Waldgelände. Wollte man aber den Hesselberg und bas Ries als Ziel nehmen- so geht der Weg weiter östlich viel näher und zugleich viel bequemer- da weniger Täler zu überqueren sind. Furten aber boten sich sowohl über die Rezat (Lichtenau- die Streitfurt zwischen Immeldorf und Schlauersbach, Windsbach usw.) als auch über die Altmühl (Grossenried-Ornbau- Hunzenhausen) in genügender Zahl dar. Die erwähnte --Hochstrasse“ ist ein mittelalterlicher Verbindungsweg zwischen Ansbach und Kaöolzburg, bezw. Fürth- und lief nicht über Frankendorf- sondern auf der abfallenden Höhe unmittelbar in den Haslachgrund. Von Frankenöorf selbst wird später noch zu reden sein.

Eine Ost–West-Fernstrasse soll dann nach Weigel von der Reönitzfurt bei Stein ausgegangen sein, über Kleinhaslach und das Tal von Frankendorf) Weihenzell und Wernsbach zur Tauberfurt bei Rothenburg geführt haben. Aber ein Altweg durch das letztgenannte Tal war in vorgeschichtlicher Zeit und auch noch im Mittelalter eine Unmöglichkeit. Derschmale-von dem bald rechts bald links sich windenden Bache durchflossene, ehe-4 dem reichlich versumpfte Talboöen schloss von selbst jeden Durchgang aus. Der nach Norden rasch aus dem Tal ansteigende Berg verhinderte ebenso ein Vorwärtskommen) wie das nach Süden sich zwar sanfter erhebende-aber von einer Reihe von Seitenbächlein und Quellen durchschnittene-naffe Gelände. Weigel muss selbst zugeben- dass die beiden Altstrassen im Mittelalter „nie von Bedeutung“ gewesen seien- dass der eigentliche Ost–West-Verkehr sich vielmehr über die Höhe nördlich von Dietenhofen vollzogen habe. Letzteres ist gewiss richtig; dort haben wir eine ehedem viel befahrene Hochstrasse. Aber es war eine mittelalterliche Strasse; ob sie auch schon in vorgeschichtlicher Zeit benützt wurde- müsste erst untersucht werden.

Eben weil enge Täler unpassierbar waren- gingen die Altstrassen stets über die Berghöhen hinweg. Nur wo die Täler sich weiteten und an ihren Rändern genügend trockenen Raum liessen- konnten die Wege durch sie hindurchgehen. Aber auch aus der Feststellung einzelner Hochstrassen kann noch lange kein Rückschluss auf vorgeschichtliche Wege gezogen werden- da es im Mittelalter eine Menge solcher Wege gab. So führte z. B. von Ansbach –Gyb eine Hochstrasse über Untereichenbach dicht an Neukirchen vorbei nach Heilsbronn und über Gottmansdorf weiter nach Nürnberg. Selbst zwischen so benachbarten Orten- wie Ansbach und Lichtenau lief die Strasse bis in die neue Zeit herein nicht im Rezattal-sondern über Kaltengreuth- Hirschbronn und Sachsen. Zwischen Zandt und Grossbreitenbronn trafen sich nicht weniger als L Höhenwege- die einst Ansbach- Lichtenau- Obereschenbach- Günzenhausen und Herrieden miteinander verbanden.

Nach alk dem Gesagten muss für das mittlere Rezatgebiet die Vorgeschichte als Quelle für die Siedlungsgeschichte und weiterhin für die kirchliche Organisation notgedrungen ausscheiden.

2. Sie geschichtliche Siedlung.

Dass die kirchliche Organisation in unserem Gebiete aufs engste mit der Siedlungsgeschichte zusammenhängt- leuchtet ohne weiteres ein. Denn die Kolonisten- gleichviel ob sie aus Franken- Schwaben oder Bayern kamen, waren doch bereits christianisiert, mochte auch ihr Christentum noch so mangelhaft und mit heidnischen Elementen durchsetzt sein. Sie waren nicht mehr Objekte der Mission- es war vielmehr nur noch für ihre kirchliche Betreuung zu sorgen. Das war nach der Anschauung der damaligen Zeit eine selbstverständliche Pflicht. Wo sich immer in einem bestimmten Umkreis eine grössere Anzahl von Siedlern niedergelassen hatte- wurde von den beteiligten Herrschaften Vorsorge getroffen, dass ein Gotteshaus erbaut und die Kirche mit einem Priester besetzt wurde.

Die Frage ist nur, wo sich zuerst ein grösserer Kreis von Siedlern bildete und wer der verantwortliche Träger der Siedlung war- und weiterhin wie und durch wen sich der Ausbau der Siedlung vollzog. Ln diesem Sinne ist deshalb die Siedlungsgeschichte zu erforschen- damit sie Aufschluss über die erste kirchliche Organisation geben kann.

Or. Weigel hält sich zur Beantwortung dieser Fragen ausschliesslich an die Ortsnamen (neben der hier auszuschaltenden Vorgeschichte).

Lässt sich dieser Standpunkt rechtfertigen? Wir nehmen beispielsweise die von Weigel so stark in den Vordergrund gerückten Orte, deren Namen aus „bach“ auslauten. Sagt er nicht selbst mit vollstem Recht von ihnen:) „bach“ und „ach“ kommen auf allen Stufen des Ausbaus vor, ganz früh und ganz spät?“ Darf man sie dann unbesehen alle in die erste Siedlungsperioöe einreihen? Oder wir denken an die Orte auf --heim“, deren es ) in dem von Weigel umriffenen Beobachtungsraum gibt. Sie sind alle drei mit Sachbezeichnungen zusammengesetzt: Elaffheim mit dem Klaff (– Klapperkraut- wucherndes Unkraut)^)- Sauernheim mit saurem-sumpfigen Wiesenboden- Speckheim mit einer durch das Sumpfgelände bedingten Specke (– Knüppeldamm). Überall erscheint hier der Begriff „heim“ so abgeblasst) dass er nur noch in der allgemeinen Bedeutung von Ort, Platz- Stätte gefasst werden kann. Darf er so mit den typischen „Heim“-Orten in Unterfranken oder auch im mittleren Altmühlgrund zusammengestellt und auf die gleiche Altersstufe versetzt werden? Ähnlich steht es mit den vereinzelt auftretenöen Ortsnamen auf „ingen“ (Kölbingen- Zellrüglingen), die weder gleichalterig noch gleichwertig mit den altschwäbischen „ingen“-Orten sind- vielleicht überhaupt nur ein sogenanntes fasches „ing“ enthalten. Vereinzeltes „Hausen“ ist ähnlich zu würdigen (Schalkhausen). Kurz, wir stossen überall auf grösste Schwierigkeiten und Irrgänge, wenn wir uns nur auf die Form und Zusammensetzung der Ortsnamen stützen wollen.

Gewiss kann uns die Gestalt der Ortsnamen vielfach Aufschluss geben über die Zeit der Siedlung und die Art derselben, häufig auch über den siedelnden Volksstamm und hin und wieder einmal über den Siedlungsherrn. Aber sie können das nur im Nahmen der Landschaft- in der sie stehen, und im Nahmen der allgemeinen Geschichte- darin sie auf-treten. Niemals aber bieten sie uns ein Schema dar- nach dem wir sozusagen blindlings arbeiten könnten. Daraus ergibt sich die allgemeine Regel- dass wir zuerst die Landschaft und ihre Geschichte zu uns reden lassen müssen- ehe wir an die geschichtliche Einstufung der Orte und an die Wertung ihrer Siedlungsnamen herantreten. Eine durch keinerlei Vorurteil gebundene Stellungnahme ist darum bei der Siedlungsforschung von vornherein unbedingt geboten. Or. Weigel deutet das selbst an-wenn er schreibt - „Die frühmittelalterlichen Besiedlungsvorgänge sind ausser von der allgemeinen politischen Entwicklung auf das stärkste bedingt von der Naumlage der Landschaft, ihrer Bodenbeschaffenheit usw?)“ Gerade das letztere ist das Ausschlaggebende für die Besiedlung- die Bodenbeschaffenheit. Weigel hat das jedoch nicht weiter verfolgt, jedenfalls aus dem naheliegenden Grunde- weil ihm dazu die nötigen Unterlagen fehlten, die nur aus einer genauen Kenntnis der Ortslagen, ihrer Flurverhältnisse und der Bonität ihres Grund unö Bodens gewonnen werden können. Hierüber wird deshalb vor allem bei der nachfolgenden Sieö-lungsgeschichte des mittleren Nezatgebietes zu handeln sein.

Hier sei nur noch Eines betont: Es geht nicht an- den geschichtlich überlieferten Ortsnamen da und dort noch eine ältere Namensform unterzulegen- wenn keine urkundliche Beglaubigung oder sonst kein zwin- genöer Grund vorliegt. Lediglich um eines vorgefassten Schemas willen kann und darf eine Veränderung nicht vorgenommen werden. So darf z. B. in dem Namen Dettelsau ) das „au“ nicht in ein vermutetes älteres „bach“ unter Berufung auf ein Dettelbach in Unterfranken umgewan-öelt werden, umsoweniger als die Bezeichnung „au“ (– Aue, saftiger, guter Wiesgrunö) sowohl als Flur- wie als Ortsname sehr häufig ist und gerade bei Dettelsau (alt und neu) eine solche Aue der Flur ihr charakteristisches Gepräge gegeben hat. Ähnlich verhält es sich bei (Wasser-) Mungenau. Gbensowenig können die beiden Orte Wattenbach und Büschelbach unter das Urteil gestellt werden, dass ihre „bach“-Gnöung „wohl durch Ausgleich entstanden“ sei anstelle eines früheren Namens auf „dorf“^). Auch dem Namen Frankenöorf ein ursprüngliches Franken-„heim“ unterzuschieben unter Hinweis auf ähnliche Namen anderwärts ^), ist nicht zulässign schon um deswillen nichtn weil der Ort das typische Gepräge eines alten „Dorfes“, d. h. eines ursprünglichen Ginzelhofes, zeigt.

Man wird sich überhaupt hüten müssen, fremde Sieölungsverhältnisse auf unsere Gegend zu übertragen. Was etwa in der Gegend des Untermains oder im oberen Taubergebiet zutreffen mag, kann für das Land um . die mittlere Nezat durchaus unzutreffend sein. Jedes Land und jede Gegend hat ihr eigenes Gepräge und darum ihre eigene Siedlungsgeschichte, und gerade das Nezatgebiet wie überhaupt die ganze Keuperlandschaft besitzt eine ausgesprochene Gigenart. So kann z. B. die Siedlung Lengenfeld bei Neunkirchen nicht in Parallele mit Burglengenfeld in der Oberpfalz gestellt und daraus auf eine frühfränkische Niederlassung – wenn auch nur stillschweigend – geschlossen werden?) Oder wenn irgendwo ein Steinbach schon im 8. Jahrhundert vorkommt, so kann das nicht als ein Anzeichen gewertet werden, dass auch Steinbach unterhalb Ansbach in die gleiche Zeit fällt, was hier nach der ganzen Siedlungslage vollkommen ausgeschlossen ist.

In solchem Sinne dürften die Untersuchungen über die Siedlungsgeschichte zu umschranken sein, damit sie nicht auf Irrwege geraten und zu falschen Schlüssen führen.

vie pattosinlenlnm-e.

Auch ihr kommt fraglos bei der Prüfung und Feststellung der kirchlichen Organisation in der Anfangszeit eine besondere Bedeutung zu. Man kann aus den überlieferten Kirchenheiligen mancherlei Schlüffe ziehen, vor allem auf das Alter der betreffenden Kirchen und Pfarreien. Or. Weigel spricht aber mit gutem Grunde von einer „bedachtsam“ anzuwendenden Wissenschaft?) Das will sagen, dass die Patrozinienkunde nur im Zusammenhang mir anderen geschichtlichen Faktoren Bedeutung gewinnt, nicht aber für sich allein schon feste und bestimmte Aussagen zu machen geeignet ist.

Das ist zunächst bei den schon in frühester Zeit auftretenden Kir-chenpatronen zu beachten. Bei ihnen kann vielfach eine Blütezeit ihrer Verehrung festgestellt werden, wie z. B. bei St. Martin, der zur mero- ’) Weigel Is. 11. – -) Weigel 16,14. - -) Weigel Is, Is.

y Weigel Is. 12. - °) Weigel 14.167.

wingischen und frühkarolingischen Zeit der Nationalheilige der Franken war und dem die Franken überalln wo sie siedelten, vornehmlich ihre Gotteshäuser weihten, Martins Bedeutung ist in der Folgezeit zwar zurück-getreten, aber durchaus nicht erloschen. Immer wurden ihm Kirchen zum Schutze übergeben, nicht nur im Frankenlande, sondern weit darüber hinaus. Schon der Volksglaube und das Volksbrauchtum im Mittelalter, ja bis herein in unsere Zeit, legt Zeugnis von seiner hohen Verehrung ab. Zwar meint Or. Weigel, dass wir davon ganz ungenügend unterrichtet seien, und dass die Seltenheit des Vornamens Martin im Mittel-alter der Annahme eines verbreiteten und starken Martinskultus widerspräche; <2>) allein die Wahl der Vornamen ging durchaus nicht gleichlaufend mit der Heiligenverehrung, sondern hing von der Familientradition, von der Patenschaft und nicht zum letzten von der Mode ab; auch ist die Annahme von Heiligennamen als Vornamen erst im späten Mittel-alter recht in Gebrauch gekommen. Als Beleg für das fortgehende Kirchenpatronat St. Martins mag die Ostmark nördlich der Donau, das sog. Mühlvierteln dienen; dort ist erst vom 12. Jahrhundert ab kolonisiert worden, gleichwohl aber treffen wir als Kirchenpatron den hl. Martin neben anderen alten Patronen wie St. Peter und St. Stephan, und gleichzeitig neben den jüngeren Kirchenheiligen St. Nikolaus, St. Oswald, St. Veit u. a. Wir müssen schon damit rechnen, dass auch in unserer Gegend ein Martins-Patrozinium durchaus noch kein Beweis für eine altfränkische Kirchengrünöung ist, wenn nicht noch gewichtige andere Tatsachen dafür sprechen.

<2> Weigel Is, 2Z. – ’) Siehe auch Deinhardt Zs. – ’) Deinhardt Slf.

’) Hauck II, 6Ss.

^ Deinharö ). – ’) Schöffel 1)). – Rusam 1 ff.


In gleicher Weise ist das Patronat des hl. Petrus zu behandeln; es ist an keine bestimmte Zeit gebunden, sozusagen „zeitlos“, wie Weigel mit Recht sagt?) Dieselbe Stellung nimmt Johannes der Täufer ein, der nach Deinhardt „wohl im 9. und 10. Jahrhundert“ eine Blütezeit der Verehrung erlebte. Ob man in Anschluss an diesen Heiligen mit Weigel ein „Zweikirchensystem“ annehmen darf, einen Dualismus von Tauf- und Seelsorgekirchen, wird von Deinhardt und anderen bestritten?) Auch Stephan, der schon früh erscheint, ist erst im späteren Mittelalter recht populär geworden, wie man z. B. in der Pfarrei Sachsen feststellen kann. Andreas tritt um die Mitte des 8. Jahrhunderts auf, hat aber keine allzu grosse Verbreitung gefunden. St. Michael kommt zwar schon früh vor, sein Kultus gedieh aber erst später; als Totenführer wurde er gern in Friedhofskapellen verehrt.

Zusammenfassend ist von den alten Kirchenheiligen, denen auch Maria zuzurechnen istn zu sagen, dass sie nicht an die alte Zeit gebunden sind, sondern auch später immer wieder erscheinen, zum Teil sogar häufiger als im Frühmittelalter.

Später auftretende Heilige sind der ritterliche Georg, der erst nach 800 allgemeiner bekannt wurde?) Dann Nikolaus, einer der Reformheiligen, der im 10. Jahrhundert aus dem Osten auf deutschen Boden verpflanzt wurde und im 11. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte; Laurentius, der nach dem am Saurentiustage 9Ss errungenen Sieg auf dem Sechfeld zu hohem Ansehen gelangte; Lambert- der uns in das 11. Jahrhundert weist; Moritz- von dem wir ebenfalls im 11. Jahrhundert besonders hören; St. Jakob, den man kaum vor dem 11. Jahrhundert anseyen darf; St. Veit- Bartholomäus u. a., denen auch die weiblichen Patrozinien –- ausser Maria – zuzuzählen sind. Alle die genannten Kirchenheiligen treten nicht vor einer gewissen Zeit in unserem Lande auf. Wo uns deshalb solche jüngere Heilige an einer Kirche begegnen^ ist der Schluss nicht unberechtigt- dass man es mit einem erst später errichteten Gotteshause zu tun hat. Allerdings kann dabei der Ginwand erhoben werden, dass ein Patroziniumswechsel stattge-funöen habe. Or. Weigel glaubt- dass dies öfters geschehen sei, besonders als Folge der von Klugny ausgegangenen kirchlichen Reformbewegung. So bei Windsbach und Burgoberbach. Allein auch hier muss nach dem Grundsatz verfahren werden- dass ein so wichtiger Vorgang entweder durch Urkunden belegt oder durch zwingende Tatsachen als wahrscheinlich erwiesen werden muss. Deinhardt macht mit Recht darauf aufmerksam, dass der konservative Sinn der Kirche und des Volkes im allgemeinen ein Festhalten am Urpatrozinium gewährleistete, dass auch juristische Erwägungen eine erhaltende Kraft ausübten, da der Heilige der Kirche stets als der Besitzer und Sachwalter des Kirchengutes galt; ein Patroziniums-Wechsel sei darum stets als eine Ausnahme von der Regel anzusehen. Wo der Wunsch nach einem der jüngeren Heiligen auftauchte, wird man sich meist so geholfen haben, dass man zum alten Patron noch den Namen des neuen fügte, wie denn überhaupt Doppelpatronate nichts Seltenes waren. Als die Pfarrkirche zu Sachsen im Jahre 1)2) nach dem Neubau des Lhores neu geweiht wurde, geschah dies nicht mehr nur auf den Namen des ursprünglichen Heiligen St. Alban, sondern zugleich auf den Namen der hl. Jungfrau und des hl. Stephanus. So wird man den jüngeren Kirchenpatronen doch ein grösseres Recht zugestehen müssen, als es angesichts der Möglichkeit eines Wechsels im Patrozinium zunächst den Anschein hat.

Es dürfte bei der ganzen Frage der Anschauung des Staatsarchivrats Or. Schöffel zuzustimmen sein, der in seinem Artikel über den Archidia-konat Rangau, worin er auch die Kirchenheiligen registrierte, erklärte: „Über die geringe geschichtliche Ergiebigkeit der Patrozinien an sich besteht kein Zweifel; da sie jedoch im Zusammenhalt mit anderen Erscheinungen lanöesgeschichtlichen Fragen durchaus dienstbar gemacht werden können – ich erinnere an die Frage der fränkischen Martinskirchen –, erschien ihre Aufnahme gerechtfertigt“?) 4. Vermögensrechtliche und filialverlMniffe der Kirchen und Pfarreien.

Or. Weigel legt auf die Vermögensverhältnisse der Pfarreien keinerlei Gewicht, obwohl ich in meinem Aufsatz über die Urpfarrei Sachsen diesen Punkt stark betont habe. Die Bezugnahme auf Filialverhält-nisse lehnt er aus grundsätzlichen Erwägungen ab, da man diese nicht aus dem Hochmittelalter bis in das 8. oder 9. Jahrhundert rückwärts projizieren dürfe; denn es liege die einschneidende Reformbewegung der Klunya-censer inmitten neben dem Verfall der königlich-fränkischen Staatsgewalt?) Anders urteilt Deinhardt, der gerade den Filialverhältnissen grosse Wichtigkeit beimisst?) Man muss in der Tat fragen, ob die genannte Reform-bewegung wirklich so tief einschneidend war, dass sie nicht nur die Macht der kirchlichen Hoheitsträger (Bischöfe, Klöster) gegenüber dem vielfachen Unwesen der Eigenkirchen hervorragend stärkte, sondern auch auf die äusseren kirchlichen Verhältnisse, wie Psarrzugehörigkeit, Pfarrechte und dergleichen umgestaltend einwirkte. Bei der Betrachtung vieler Zustände noch lange nach dieser Reformzeit gewinnt man den Eindruck, dass die Aesormbewegung sich nicht, wenigstens nicht tiefer nach dieser Seite hin auswirkte. Wie hätte es sonst z. B. geschehen können, dass die mit Grosshaslach gar nicht zusammenhängenden Orte um Reuth bei Neuenöettelsau (Reuth, Moosbach, Wollersdorf, Triebendorf, Watzendorf, Mausendorf, Aich) trotz aller kirchlichen Schwierigkeiten und Beschwerden doch bis 14?) bei der Pfarrei Grosshaslach verbleiben mussten, obwohl sie ganz nahe bei den Pfarreien Petersaurach, Neuendettelsau und Windsbach lagen. Es wurden da die offenbar aus ältester Zeit stammenden Parochialver-hältnisse trotz der unhaltbaren Zustände aufrecht erhalten. Das berechtigtauch für andere alte silialkirchliche Zusammenhänge im allgemeinen gleiches Fortbestehen bis in spätere Zeit vorauszuseyen, solange nicht gewichtige geschichtliche Tatsachen dagegen sprechen.

Was die vermögensrechtlichen Verhältnisse betrifft, so ist daran zu erinnern, dass das Kirchenkapitular Ludwigs d. Fr. im Jahre 818/19 bestimmte b): Jedem Geistlichen an einer Eigenkirche ist eine ganze Hufe Sand (unu3 M3N8U5) nebst den Zehnten und Oblationen, dem Pfarrhaus, Kirchhof und Pfarrgarten ohne Entgelt, nur gegen Leistung des kirchlichen Dienstes zur Leihe zu geben. Die Bestimmung wurde 823/2) auch auf die bischöflichen Kirchen ausgedehnt. Den Zehnten, der ursprünglich eine freiwillige Leistung war, hatte schon Karl d. Gr. obligatorisch gemacht. Selbst den Königsgütern wurde seine Abgabe zur Pflicht gemacht, ja sogar den neubekehrten Sachsen auferlegt?) Die Zehnten sollten stets bestimmten Kirchen gehören und selbst dann dabei verbleiben, wenn eine neue Kirche im Raum der alten Parochie abgezweigt wurde. Letztgenannte Bestimmung wurde allerdings später abgemildert und dem Willen der Bischöfe anheimgestellt?) Gewiss liessen es die Grundherren an der Durchführung dieser Bestimmungen bei den ihnen gehörigen Sigen-kirchen und Eigenpfarreien oft sehr fehlen. Obwohl die Kirche erklärte, dass Zehnten in den Händen von Laien Sünde sei ^), glitt doch nur allzu oft dieser Ginkommensteil der Kirche ganz oder doch teilweise in die Hände der weltlichen Herren hinüber, und auch die Klöster wussten davon nicht wenig an sich zu ziehen. Bekannt ist die Tatsache, dass im späteren Mittelalter Zehntrechte geradezu verkauft und gekauft werden konnten. Daraus erhellt, dass das Vorhandensein oder Fehlen von Zehntrechten bei einer Pfarrei in der Folgezeit keinen absolut sicheren Massstab abgeben kann für die Verhältnisse bei der Gründung der Pfarrei. Immerhin darf auch hier ein starker Konservatismus mit in Rechnung gesetzt werden; r) Weigel 16,1 ff. – r) Deinhardt 3. – n) k. L. 13,16. – 4) k. 21, 633.

°) tzauck II, 739. – n) k. 21, 634.

und wo sich alte Zehntrechte bei einer Pfarrei finden- können – wenigstens im Zusammenhalt mit den sonstigen geschichtlichen Tatbeständen – sehr wohl Schlüsse auf den Umfang der Pfarrei wie auch auf das Alter derselben gezogen werden. Das Umgekehrte kann geschehen- wo Zehntrechte mangeln, wobei allerdings besondere Vorsicht angebracht ist. Wo übrigens Zehntrechte in Abgang kamen- wurde meist in anderer Weise die Pfarrei schadlos gehalten- sei’s durch Darreichung von Getreide oder auch durch Gelöbesoldung.

Durch die Missalinstruktion von 802 war festgelegt worden- -daß das Kirchengut bestimmungsgemäß zu erhalten sei- bei Strafe des Kirchenbannes?) Auch hiegegen ist gewiß viel gesündigt worden- freilich mehr in neuerer als in alter Zeit. Aber zumeist hat sich doch der als Dotation ausgeworfene Grund und Boden bei den Pfarreien erhalten. Wo ein großer Fundus vorhanden war- kann dieser Umstand gewiß als ein Zeichen hohen Alters gewürdigt werden; kleiner Fundus oder das Fehlen eines solchen sprechen für spätere Zeit- wobei aber immer die übrigen Tatbestände im Auge zu behalten sind.

S. Hie flusweituns Ves Untersuchungssebietes.

Gs kann nichts dagegen eingewendet werden, wenn Or. Weigel seine Untersuchungen über den Umfang der alten Pfarrei Sachsen hinaus aus-öehnte und noch die umliegenden Gebiete, besonders den Aurach- und Bi-bertgrund- beizog. Jeder Forscher in Sokalgeschichte wird von selbst sein Auge stets auf die Gesamtgeschichte, sowohl der Landschaft wie des Reiches, gerichtet halten; denn nur aus der lebendigen Beziehung des Ortes und der Gegend zur näheren und ferneren Umgebung kann ein wahrheitsgetreues Bild des Zeitgeschehens innerhalb eines kleineren Rahmens gewonnen werden.

Anderseits wird sich freilich der Sokalhistoriker immer bewußt bleiben müssen, dass jeder öebensraum seine Sonderart in sich trägt- so dass er nicht ohne weiteres nach Analogie anderer Räume beurteilt werden darf. So begegnet schon die Beiziehung eines Teils des Altmühlgebietes zum Untersuchungsfelö des Rezatgrunöes nicht unerheblichen Bedenken. Denn dort machen sich offensichtlich starke Ginflüsse aus dem schwäbischen Stammlande geltend, wie man aus den Ortsnamen auf „Weiler“, „Wangen“, „ried“, „roth“ (statt „reuth“),, dem häufigeren Auftreten von Namen auf „Hausen“, „felden“, und anderem erkennt. Auch das Kloster Herrieden tritt dort in den Gesichtskreis. Vor allem aber überschreiten wir dorthin die Grenze zwischen dem Bistum Würzburg und dem Bistum Eichstätt, eine Grenze, die sich hier allem Anschein nach mit der politischen Scheide zwischen dem fränkischen Rangau und dem schwäbischen Sualafeld deckte. Diese Grenzlinie läuft zunächst annähernd auf der Wasserscheide zwischen Rezat und Altmühl ostwärts, geht jedoch dann weiter in der Richtung auf Winösbach, überschreitet kurz vor dieser Stadt die Rezat und wendet sich scharf nördlich, um das Flussgebiet der Schwabach zu umgehen und dieses mit seiner altschwäbischen Bevölkerung (Buchschwabach, Stadt Schwabach, Heilsbronn, Weißenbronn) beim Sualafeld und beim Bistum r) k. 2), 269 ff.

Eichstätt zu belassen. Diese teils politische, teils kirchliche Grenzscheide macht manche Verhältnisse klar, die sonst unverständlich bleiben, so die Verhältnisse um Windsbach und talabwärts, die Verhältnisse um Petersaurach und Grosshaslach. Auch der Blick in den mittleren und unteren Aurachgrund wird dadurch gehemmt, wenn auch die Siedlungsverhältnisse dort im grossen und ganzen die gleichen waren wie die im Aezatgrund. Dagegen kann ohne weiteres Bedenken in das Biberttal hinübergegriffen werden, da das dortige Landschaftsbild und seine geschichtlichen Zusammenhänge nicht anders gestaltet sind wie im mittleren Rezatgrund, und der Ginfluss des letzteren ohnehin tief in das Einzugsgebiet der Bibert bis nahe an den Fluss hinreichte. (Fortsetzung folgt.) fembelMdlung Melanchthons durch einen Nürnberger flr;t.

Von Otto Glemen, Zwickau i. Sa.

Während Friedrich Küchenmeister 1881 nsuchers Krankheitsgeschichte“ und Wilhelm Ebstein 1908 nsuchers Krankheiten und deren Einfluß auf seinen körperlichen und geistigen Zustand“ behandelt und jüngst Or. mecl. Paul F. Reiter (Martin Suchers Umwelt, Eharakter und Psychose, l> die Umwelt, Kopenhagen 1937, II. Suchers Persönlichkeit, Seelenleben und Krankheiten, 1941) ndurch eine psychiatrisch-pathologische Schilderung neues Sicht auf die mächtige Persönlichkeit Luthers zu werfen“ versucht hat, sind Melanchthons Krankheiten und der Zusammenhang zwischen seinem leiblichen Befinden und seiner geistig-seelischen Haltung noch nicht erforscht worden. Wir kannten die Krankheit seiner nletzten Lebenstage“ (vgl. Nik. Müller, Philipp Melanchthons letzte Sebenstage, Heimgang und Bestattung 191Z), waren unterrichtet über die durch das nÄrgernis“ der Doppelehe des Landgrafen Philipp von Hessen verursachte Erkrankung Melanchthons in Weimar im Juni 1S40, wußten, dass er 1S44 über sein Steinleiden klagte (Ck! L> 4Z4, 440) und daß er in früheren Fahren, 1S2S und 1SZ0, an Schlaflosigkeit litt (Lk! 1,729. 2, 280), aber an einer erschöpfenden Erfassung des Stoffes und einer Hesamtschau fehlt es. Noch viel bedauerlicher ist es, daß Karl Hartfelder in seinem ausgezeichneten Buche nPhilipp Melanchthon als prseceplor Oer-M3M36“ S. 286 ff. die Leistungen desselben als Gelehrter auf den Gebieten der Philosophie, Philologie, Geschichte, Geographie, Mathematik würdigt, aber von seinen Verdiensten um den Aufschwung der medizinischen Wissenschaft schweigt. Die schier einzigartige Vertrautheit Melanchthons mit Galen erhellt besonders aus seinem großartigen Werke Oe 3NiM3> aus das in dieser Zeitschrift schon deshalb einmal nachdrücklich hinzuweisen ist, weil die vier ersten Auslagen 1S40ff. dem Hieronymus Baumgartner, die nächsten öurchgesehenen und verbesserten, acht an der Zahl, 1S52ff. dem Sohne desselben (vgl. über ihn Akk?g1Z, 29S <3>) gewidmet sind. Vgl. Foh. Rump, Melanchthons Psychologie (seine Schrift äe 3NIM3) in ihrer Abhängigkeit von Aristoteles und Galenvs dargestellt, Kiel 1896?) Mit mehreren Äerzten war Melanchthon befreundet, beson-

<3> Nachträglich werbe ich aufmerksam auf den Aufsatz von Viktor Fossel, Philipp Melanchthons Beziehungen zur Medizin, in - 20 Abhandlungen zur Geschichte der Medizin. Festschrift, Hermann Baas in Worms zum 70. Geburtstag gewidmet, 1S0S, S. ZZ–40. Auch Fossel handelt fast nur von Melanchthons Os anims.