Benutzer:Xarax/KHM

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Inhaltsverzeichnis

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Anhang.

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Zum Froschkönig. No. 1.

Eins der allerältesten und schönsten Märchen, das man sonst in Deutschland unter dem Namen: von dem eisernen Heinrich besonders gekannt hat, nach dem treuen Bedienten, der sich sein kummervolles Herz in Banden hatte legen lassen. Rollenhagen nennt es so unter den alten deutschen Hausmärlein. Darauf bezieht sich auch, was Thilander v. Sittewald 3, 42 sagt: „dann ihr Herz stund in meiner Hand, fester als in ein eisen Band.“ Vom Band der Sorge ist noch allgemeiner und öfter Rede, vom Stein der auf dem Herzen liegt, schön singt ein Minnedichter: „sie ist mir recht stahelhart in mein Herz gedrückt.“ Heinrich von Sax (1, 36.) sogar ausdrücklich: „mein Herze in Banden litt,“ und ein Lied von Heinrich dem Löwen Str. 59. „es lag ihr Herz in Banden.“ – Allein der Hauptsage nach lebt das Märchen auch in Schottland fort. In the complaynt of Scotland geschrieben 1548. wird unter andern alten Erzählungen the tale of the wolf of the warldis end genannt, das leider ganz verloren gegangen (vielleicht die Sage vom nordischen Loke) ist. J. Leyden in s. Ausg. des Complaynt Edinb. 1801. S. 234. 35. glaubt, daß es in verschiedene Lieder und Ammenmärchen zerstückt noch herumgehe, er habe Fragmente singen hören, worin der Brunnen von der Welt End (well of the warldis end) vorkomme und the well Absolom und the cald well sae weary heiße. Hieran schließt er nun unser Märchen an, wiewohl der Weltbrunnen recht gut in verschiedene Sagen eingreifen kann, und wir auch in dem deutschen keine Anknüpfung zu

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jenem Wolf (oder sollte Wolf im Original statt well stehen?) ahnen. Leydens Worte lauten nun: „according to the popular tale a lady is sent by her stepmother to draw water from the well of the worlds end. She arrives at the well, after encountering many dangers; but soon perceives that her adventures have not reached a conclusion. A frog emerges from the well, and, before it suffers her to draw water, obliges her to betrothe herself to the monster, under the penalty of being torn to pieces. The lady returns safe; but at midnight the frog lover appears at the door and demands entrance, according to promise, to the great consternation of the lady and her nurse.

›open the door, my hinny, my hart,
open the door, mine ain wee thing;
and mind the words that you and I spak
down in the meadow, at the well-spring!

the frog is admitted, and addresses her:

›take me up on your knee, my dearie,
take me up your knee, my dearie,
and mind the words that you and I spak
at the cauld well sae weary

the frog is finally disenchanted and appears as a prince in his original form.“ Die Stelle in the romance of Roswall and Lilian:

„the knight that kept the pavent well
was not so fair as Roswall

spielt schwerlich hierher an.“ La grenouille bienfaisante der Madame d'Aulnoy, ein schlechtes Märchen, hat auch gar keine Aehnlichkeit mit dem unsrigen.


Zu Katz und Maus in Gesellschaft. No. 2.

Man erzählt es auch von Hähnchen und Hühnchen, die hatten einen Edelstein im Mist gefunden, beim Juwelirer verkauft ein Fetttöpfchen auf den Winter dafür erhandelt, und auf einen Schrank gestellt. Das Hühnchen frißt es nun nach und nach leer, wie das herauskommt, wird das Hähnchen

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ganz wüthend und hackt das Hühnchen todt. Darnach aber empfindet es Reue und nun wird das Hühnchen begraben wie in No. 80.


Zum Marienkind. No. 3.

Aehnlichkeit damit hat die Legende von der heil. Ottilie, zumal, wie sie Naubert in ihren Volksmährchen Th. 1. erzählt. Die gründliche Idee von vielen erlaubten und der einen verbotenen Thüre kehrt vielmal und unter verschiedener Einleitung, wie bei der Todtenbraut und dem Blaubart (No. 46 u. 62.) wieder. Eine andere Erzählung ist folgende: der arme Mann, da er seine Kinder nicht ernähren kann, geht in den Wald und will sich erhenken, da kommt eine schwarze Kutsche mit vier schwarzen Pferden und eine schöne schwarzgekleidete Jungfrau steig: aus und sagt ihm, er werde in einem Busch vor seinem Haus einen Sack mit Geld finden, dafür solle er ihr geben, was im Hause verborgen sey. Der Mann willigt ein, findet das Geld, das verborgene aber ist das Kind im Mutterleib; und wie das geboren ist, kommt die Jungfrau und will es abholen, doch, weil die Mutter so viel bittet, läßt sie es noch bis zum zwölften Jahr. Da aber führt sie es fort zu einem schwarzen Schloß, alles ist prächtig darin, es darf an alle Orte hin, nur nicht in eine Kammer. Vier Jahre gehorcht das Mädchen, da kann es der Qual der Neugierde nicht länger widerstehen und guckt durch einen Ritz hinein. Es sieht vier schwarze Jungfrauen, die, in Bücherlesen vertieft, in dem Augenblick zu erschrecken scheinen, seine Pflegemutter aber kommt heraus und sagt: „ich muß dich verstoßen, was willst du am liebsten verlieren?“ – „Die Sprache,“ antwortete das Mädchen. Da schlägt sie ihm auf den Mund, daß das Blut hervor quillt, und treibt es fort. Es muß unter einem Baum übernachten, da findet es am Morgen der Königssohn, führt es mit sich fort und vermählt sich, gegen seiner Mutter Willen, mit der stammen Schönheit. Als das erste Kind zur Welt kommt, nimmt es die

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böse Schwiegermutter, wirft es ins Wasser, bespritzt die kranke Königin mit Blut und giebt vor, sie habe ihr eigen Kind gefressen. So geht es noch zweimal, da soll die Unschuldige, die sich nicht vertheidigen kann, verbrannt werden. Schon steht sie in dem Feuer, da kommt der schwarze Wagen, die Jungfrau tritt heraus, sie geht in die Flammen, die sich gleich niederlegen und auslöschen, hin zu der Königin, schlägt ihr auf den Mund und giebt ihr damit die Sprache wieder. Die drei andern Jungfrauen bringen die drei Kinder, aus dem Wasser gerettet; der Verrath kommt an den Tag, und die böse Schwiegermutter wird in ein Faß gethan, das ist mit Schlangen und giftigen Nattern ausgeschlagen und einen Berg herabgerollt.

auch im Pentamerone IV, 6. (le tre corune) schließt Marchetta die verbotene Cammer der Orca auf und wird darum von ihr ausgestoßen.


Zum Wolf und den Geiserchen. No. 5.

muß auch, wenigstens sonst, in Frankreich seyn bekannt gewesen. Lafontaine hat offenbar die 15te Fabel seines 4ten Buchs daraus gemacht, allein wie mager erzählt er sie; vielleicht hatte er auch bloß die frühere Bearbeitung Corrozets (le loup, la chevre et le chevreau) vor sich, wo sich gleichfalls die junge Ziege hütet und den Wolf gar nicht einläßt. Die Fabel ist aber viel älter, und steht u.a. bei Boner XXXIII., wo jedoch der Umstand mit der weißen Pfote, dessen schon Lafontaine nebenbei gedenkt, fehlt. Dagegen erinnern wir uns eines Bruchstückes aus dem vollständigen französischen Kindermärchen. Der Wolf geht zum Müller, reicht ihm die graue Pfote hin und spricht:

„meunier, meunier trempe moi ma patte dans ta farine blanche!“
non non, non non! – „alors je te mange!“

da thut es der Müller aus Furcht. – Auch Psamathe die Nereide sandte den Wolf auf Peleus und Telamons Heerden, der Wolf fraß sie insgesammt und wurde dann versteinert, wie ihm hier Steine eingenäht werden. Doch liegt die Sage

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vom versteinerten Wolf tiefer, als sie hier ausgeführt werden kann.


Zur Nachtigall u. Bl. No. 6.

aus dem Französischen übersetzt, Mémoires de l'academie celtique. Tome 2, 204, 205. Vergl. T. 4, 102. Das Märchen und der Glauben findet sich unter den Solognots. Die französischen Reime ahmen den Ton der Nachtigall glücklicher nach:

je ferai mon nid si haut, si haut, si haut! si bas!
que tu ne le trouveras pas!


Zur Hand mit dem Messer. No. 8.

ein schottisches Märchen oder Volkslied, das Mrs. Grant in ihren essays on the superstitions of the highlanders of Scotland, London 1811. vol. 1, 285, 286. erzählt. Sie sagt: „one of these (stories) which I have heard sung by children at a very early age, and which is just to them the Babes in the wood, I can never forget. The affecting simplicity of the tune, the strange wild imagery and the marks of remote antiquity in the little narrative, gave in the greatest interest to me, who delight in tracing back poetry to its infancy.“


Die zwölf Brüder. No. 9.

Im Pentamerone doch sehr abweichend IV, 8. <ERR>le sette cottonelle</ERR><KORR>li sette palommielle</KORR>.


Zum Lumpengesindel. No. 10.

Vergl. unten No. 41. Herr Korbes.


Zum Brüderchen und Schwesterchen. No. 11.

Eine ähnliche Erzählung kennen wir nur fragmentarisch: Bruder und Schwester gingen eines Tags

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in den Wald und weil die Sonne so heiß und der Weg so weit war, so fing den Bruder an zu dursten. Sie suchten Wasser und kamen zu einer Quelle, daran stand geschrieben: „wer aus mir trinkt, ist es ein Mann, wird er ein Tiger, ist es ein Weib, wird es ein Lamm.“ Da sprach das Mädchen: „ach! lieber Bruder, trink nicht aus der Quelle, sonst wirst du ein Tiger und zerreißest mich.“ Da sagte der Bruder, er wolle noch warten, ob ihn gleich der Durst so quäle, bis zur nächsten Quelle. Wie sie aber an die nächste Quelle kamen, stand daran: „wer aus mir trinkt, wird ein Wolf.“ Da sprach das Mädchen wieder, „lieber, ach lieber Bruder trink nicht, sonst frißt du mich.“ Der Bruder sprach: „noch einmal will ich meinen Durst bezähmen, aber länger kann ich nicht mehr;“ und sie kamen zu einer dritten Quelle, daran war geschrieben: „wer aus mir trinkt und ist es ein Mann, wird er ein goldener Hirsch, ist es ein Mädchen, wird es groß und schön.“ – Da legt sich der Bruder nieder und trinkt und steht als ein goldener Hirsch auf, das Mädchen trinkt auch und wird noch schöner und groß, als wär es erwachsen. Dann legt es den Hirsch an ein Seil und führt ihn fort, der König sieht den wunderbaren Hirsch und läßt ihn einfangen. Das Mädchen bleibt bei ihm und wird einmal behorcht, als sie mit ihm spricht, da hört der König, daß es die Schwester von dem Goldhirsch ist, und vermählt sich mit ihr. Die Mutter des Königs aber ist neidisch und will sie verderben, sie giebt ihr eine häßliche Gestalt und macht, daß sie soll getödtet, der Hirsch aber vom Metzger geschlachtet werden. – – Die Unschuld aber kommt an den Tag, die Schwiegermutter wird in eine mit scharfen Messern angefüllte Tonne gethan und einen Berg herabgerollt.


Zu Rapunzel. No. 12.

im Pentamerone II, 1. (Petrosinella), wo vieles anders und besonders die zweite Hälfte lebendiger ist, als im deutschen Märchen. Dieses hat schon

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Friedr. Schulz in s. kleinen Romanen Bd. 5. Lpz. 1790. S. 269-88. nur zu weitläuftig erzählt, wiewohl ohne Zweifel aus mündlicher Sage. Wie weit übertrifft es dennoch seine übrigen Märchen! Eins in Büschings Sammlung hat anfangs S. 287. einige Züge aus dem unsrigen, geräth aber bald nachher heraus und in den französischen Stil.


Zu Hänsel und Gretel. No. 15.

hängt genau mit einigen Daumlingssagen, besonders dem französ. kleinen poucet zusammen. Der ganz doppelartige Charakter des Daumerling (pulgarejo <ERR>Pollus</ERR><KORR>Pollux</KORR>) erscheint schon in der uralten Mythe und geht z.B. in unserer Sprache nur halbrecht in <ERR>Dummlung</ERR><KORR>Dummling</KORR>, Dümmling über, während das alte thumb, wie noch jetzt das Englische, eine mildere Bedeutung hat. Die eigentliche Ausführung einer so merkwürdigen Fabel würde hier zu viel ableiten. Oberlin giebt ein Stück dieses Märchens nach dem Dialect der Gegend von Lüneville in seinem <ERR>Essais</ERR><KORR>Essai</KORR>, sur le patois. Auch in deutschen Erzählungen wird Hänsel als ein Daumling dargestellt. Es sind sechs Kinder, er ist das siebente. Wie sie im Wald beim Menschenfresser sind, sollen sie ihn frisiren, der Daumling aber springt ihm ins Haar, zupft ihn und kommt immer wieder. Darauf Nachts die Verwechslung der sieben Kronen mit den sieben rothen Kappen. In den Meilenstiefel thut der Daumling alle Geldbeutel und Kostbarkeiten.

vergl. den Eingang von nennillo e nenella im Pentamerone.


Zu Fix und Fertig. No. 16.

ähnlich damit No. 64, II. dasselbe Märchen aber in dem jüdischen Maasähbuch c. 134. vom Rabbi Chanina, nur wird der König aufmerksam auf die Prinzessin mit den goldenen Haaren, durch ein einzelnes Haar, das ein Vogel einmal ihm auf die Achsel fallen läßt. Bei Straparola mit einiger Veränderung in den Motiven von Livoret

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III, 2. Dann auch in den modernen franz. Märchen der Aulnoi.



Zur weißen Schlange. No. 17.

Die Sagen von sprechenden Vögeln, die den Menschen rathen und ihr Schicksal verkündigen, sind unzählig und können hier nicht abgehandelt werden. Die Menschen lernen diese Sprache hauptsächlich auf zwei Arten: 1) durch das Essen eines Herzens von einem Drachen, z.B. Siegfried, oder Vogel, s. unten No. 60.; 2) oder einer weißen Schlange, wie hier und in einer merkwürdigen, hannöverischen Volkssage von der Seeburg, die wir anderwärts mittheilen werden. Ganz hierher gehört auch die märchenhafte, altnordische Sage von Kraka und ihren beiden Söhnen, Roller und Erich.


Zum Strohhalm. No. 18.

Vergl. No. 80. Dieses und ähnliche Märchen (No. 23. 43.) entscheiden freilich den Punct, ob außer den Thieren, auch Pflanzen und andere Dinge zur Fabel gehören können.

vergl. auch die äsopische Fabel vom Dornstrauch, Taucher und der Fledermaus. (Furia 124. Coray 42.)


Zum Fischer un sine Fru. No. 19.

Dieses Märchen welches der seel. Runge aus der pommerschen Mundart treflich niedergeschrieben, theilte uns Arnim im Jahr 1809 freundschaftlich mit, von demselben durch v.d. Hagen erhielt es auch Büsching und hat es in seiner Sammlung wiewohl nicht ohne Fehler abdrucken lassen. Die Fabel selbst, deren Eingang merkwürdig an eine der N. 1001, No. 9. etc. etc. so wie an die wallifische von Taliesin erinnert, wird auch in hiesiger Gegend sehr häufig, aber unvollständiger, doch mit einigen Abänderungen erzählt. Es heißt: vom Männchen Dominē (sonst auch von Hans Dudeldee) und Frauchen Dindĕrlindē. Domine klagt über sein Unglück und geht hinaus an den See, da streckt ein Fischchen den Kopf hervor:

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was fehlt dir Männchen Domine? –
„ach daß ich im Pispott wohn, thut mir so weh.“ –
so wünsch dir was zu haben. –
„ich wills nur meiner Frau erst sagen.“

nun geht er heim, „wünsch uns ein besseres Haus“ sagt Dinderlinde. Am See ruft er:

„Fischchen, Fischchen, an der See!“ –
was willst du Männchen Domine?

nun gehen die Wünsche an, aber es sind mehr, erst Haus, dann Garten, dann Ochsen und Küh, dann Länder, u. so fort alle Schätze der Welt. Wie sie sich ausgewünscht haben, sagt das Männchen: „nun möcht ich der liebe Herrgott seyn, und mein Frauchen Mutter Gottes.“ Da streckt das Fischchen den Kopf heraus und ruft:

willst du seyn der liebe Gott?
so geh wieder in deinen Pispott.

Das Motiv von der Frau, die ihren Mann zu hohen Würden reitzt, ist gewiß uralt, von Eva und der etrurischen Tanaquil (Livius 1, 47.) bis zur Lady Macbeth.


Zu dem tapfern Schneider. No. 20.

Die erste Erzählung ist genommen aus einem ziemlich seltenen, kleinen Buch: Wegkürzer, ein sehr schön lustig und aus der Maßen kurzweilig Büchlein – durch Martinum Montanum von Straßburg 12. von 1557. Bl. 18-25. Wir kennen noch eine andere Ausgabe von 1607. In einem dänischen Volksbuch ist dieselbe Geschichte gereimt, Nyerup spricht davon in seiner Abhandlung über die dänischen Volksbücher (Iris und Hebe 1796. Octob. S. 36) Es ist da ein Schuhmacher, der mit seinem Knieriemen 15 Fliegen auf einen Schlag tödtet. Er besteht erst den Eber, der eine schlaferweckende Frucht frißt, dann das Einhorn, zuletzt einen Bären, den er in einen Ziegelbrennerofen einsperrt. Die hier folgende holländische Recension ist aus einem Amsterdammer Volksbuch: Van kleyn Kobisje alias Koningh sonder Onderzaten S. 7-14. Sie hat, wie man sieht, wieder ihre Eigenthümlichkeiten.

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Zu beklagen ist, daß die zweite Erzählung, nach mündlicher Mittheilung, nur ein Fragment giebt, ohne Zweifel wäre das Ganze recht gut. Bei der glücklichen Jagd denkt man auch an den feigen Waldemar in der Wilkinasaga, (235.) der auf den Hirsch zu sitzen kam.


Van kleyn Kobisje.

Kleyn Kobisje sittende aen de Naaybank hy scheld een Appel ende laet de Schel van die op de Naaybank liggen, hy maeckt een Vliegeslager, en alsoo 'er Vliegen op de Appelschel quamen om die af te keeren, slaet 'er net in eenen Slag seven gelyk; springt van de Naaybank, oordelde dit een Romeyn-stuk te zyn, denkt noch hier door een groot Man te worden, verkoopt al wat hy heeft, en laet 'er een cierlyk Schild van maken, en liet 'er opsetten: jck heet Kobisjen den onversaagden, ick sla der seven met eenen Slagh. Treckt doen in een ver Landt, daer den Koningh Meester was, bind doen dit Schild op syn Borst, ende gaet achter des Konings Paleys, tegen een hoogen Heuvel aen leggen, daer hy wist dat de Koningh gewoon was ordinaris heen te sien: ende also de Son sterck scheen, en wist de Koningh niet wat daer so flikkerde, send terstond een Edelman derwaerds. Hy by hem komende wierd vervaert in dit te lesen: ick heet Koningh onversaagd, ick sla der seven met een Slagh. Gaet wederom, verhaelt den Koningh dit vorgaende, die terstond 2 a 3 Compagnien Soldaten daer henen sond, om hem wacker te maken, en met een beleeft Onthael ten Hove te geleyden, met soodanigh Respect, als sulcken Cavalier toekomt. Sy trecken op's Koninghs Bevel henen, by hem komende en dorsten hem, ofte niemand en wil de eerste wesen, om hem aen te spreken. Maer eenen uyt den Hoop was soo couragieus, dat hy een Pieck nam ende stiet hem tegens de Sool van syn Schoen. Hy springht op met groote Kracht, sy vallen op haer Knyen, ende biddem hem, hy beliefden eens by den Koningh te komen, het welcke

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geschieden. By den Koningh nu zynde, was hy in groot Aensien. Ondertusschen word hem voorgehouden, hy kon des Koninghs Zwager worden, maer daer waren drie zware Dingen te doen, die moest hy voor den Koningh uytwercken. Voor eerst soo was 'er een wild Vercken, dat seer heel quaed dede, en niemand vangen kon. Ten tweeden waren 'er drie Reusen, die het in het Bosch des Koninghs soo onvry maekten, dat 'er niemand door konde reysen, of was een doodt Man. Ten derden waren 'er ettelyke duysend vreemde Volckeren in het Landt gevallen, en soo't scheen, stond het Ryck in groot Peryckel. Dit neemt hy aen om uyt te voeren. Word den Wegh aengewesen, daer her wild Vercken was. Gaet met een groote Couragie uyt 't Hof. Hy was qualyck soo ver, dat hy 't Vercken hoorde, of wenschte sich selve weer aen syn Naaybank 't Vercken komt met sulcken Furie op hem aenlopen, dat hy na een goed Heenkomen sagh, siet een vervallen Kapel, en vlucht daer in. Het Vercken hem na. Hy met 'er Haast vlieght door het Venster over de Muur ende haelt de Deur van de Kapel toe. Doen was 't Vercken vast, en komt by den Koningh, die hem vraeghde, hoe hy 't Vercken gevangen had? voer altoos uyt: ick greep het met groote Kracht by de Hairen of Borstelen en wierp 't in de Kapel, en ick heb't niet willen dooden, om u voor een Present te vereeren Groote Vreugd was 'er in 't Hof. – Gaet na de Reusen, en tot en Geluck vond haer slapende. Neemt syn Sack, vult die met Steenen. Klimt op eenen hoogen Boom, werpt den eenen, die meenden dat het den anderen dede. Begint te kyven, hy sou syn werpen laten of hy soude hem voor syn Ooren bruyen. Den tweeden word ook geworpen, begint te vloecken. De derde word met het selfde onthaelt. Staet op en treckt syn Degen. Vlieght den anderen aen, en steekt hem, dat hy doodt ter Aerden valt. Begint met den anderen ook, en door't lang Worstelen vallen beyde ter Aerden van Vermoeytheyd. Hy syn Hans siende, komt af en neemt van die dood was syn Rapier, en steekt die alle beyde doodt, en houdse

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den Kop af, gaet so weder na't Hof. Den Koningh vraeghde hem, of het bestelt was? antwoorde ja. Men vraeghde hem; hoe hy't bestelt had? Seyde aldus: ik nam den eenen by syn Beenen, en ick slveger den ander met, dat hy doodt ter Aerden viel, er den anderen heb ick met de selfde Munt betaelt. En die ick by de Beenen had, half doodt zynde, smeet ick met sulcken Kracht tegen een Boom, dat den Boom wel ses Voet uyt de Aerde vloogh. De Vreughd was seer groot, ende men hielt hem voor de grootste in't Hof. Hy maeckten hem wederom gereed, en den Adel van't Hof met hem, en daer toe een braef Heyrleger, daer hy Oversten van sou zyn. Syn Afscheyd genomen hebbende, vingh't derde Stuck aen. Liet het Leger marcheeren, ende hy volghde te Paerd Maer alsoo hy noyt een Paerd gereden hadde, wist hen qualyk in Postuur te houden. Gekomen zynde op de Plaets daer de Vyandt was, laet hy het Leger in Batalie stellen, hem wierd doe geboodschapt, dat het alles in Order was. Wist niet, hoe hy't Paerd soude wenden. Treckt aen de verkeerde Zyde des Tomms, en geeft het Paerd de Sporen, so dat het met een volle Galop na de Vyand liep. En alsoo hy den Toom van het Paerd niet vast en hield, greep hy onderwegen een houte Kruys, dat onder afbrack, en hield het soo vast in den Arm. Den Vyand hem siende, meende dat het de Duyvel was, ende begonden te vluchten, en die't niet ontkomen en kosten, verdronken: staken hare Schepen van de Wal af ende voeren soo wegh. Hy quam met den Zegen wederom by syn Adeldom, en't heele Leger, die hy zyn Victorie verhaelde, en hoe de Vyanden heel in Routen geslagen waren. Hy komt by den Koningh, en verhaelt syn Victorie, die hem bedanckten. Voorts doet hy hem uytroepen voor Navotger en Nazaat tot de Kroon. Den Troumdagh vast gestelt zynde, maken daertoe groote Preparatien. Den Trouw gehouden hebbende, was hy in groot Annsien, en altyd naest den Koningh. 't Geviel, dat Kobisje meest alle Nachten droomde, als dat hy noch aen de Naaybank sat, en hem quam altydt noch het een of't ander

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in de Gedachten van syn Werck, kuydkeels riep: Lustigh, lustigh, rep-je! noch ses of seven, soo hebje heyligh Avond! meende dat hy de Jongens iet te vouwen of te naajen gaf. De Dochter wierd vervaert, meenende dat den Duyvel in hem was, om dat hy soo al relde van lustigh, lustigh. Klaegh: het haer Vader, dat hy haer een Boekebinder gegeven had, en geen Heer van Staet. De Vader besluyt een Compagnie Soldaten 2 a 3. by zyn Slaepplaets te leggen, om (soo't weer geveurde) hem gevangen te nemen, of dooden. Hy word hiervan gewaerschouwt. Te Bed zynde, vaert aldus uyt! ick heb een wildt Zwyn overwonnen, ick heb drie Reusen gedoodt, ick heb een Leger van honderd duysend Mannen verslagen, en van dese Nagt sal' er nog 2 a 3 Compagnien Soldaten aen. Hy ten Bedde uytstapt na haer toe, en gaet met groote Kracht. Sy hem hoorende, vielen Bol over Bol van boven neer. Die gene, die doodt bleven en Armen en Beenen verloren hadden, waren in groot Getal, en die het ontliepen, brochten oen Koningh sulken Boodschap, die aldus uytvoer: myn Dochter behoord wyser te wesen, datse sulken grooten Cavelier soo sal affronteren. Ondertusschen den Koningh sieck zynde, sterft, laet hem tot Nazaat van de Kroon, die Kobisje aenneemt en heeft syn Ryck in Rust geregeert.


Zum Aschenputtel. No. 21.

gehört unter die bekanntesten und wird aller Enden erzählt. Schon Zeiler von Kaisersberg schrieb sein Eschengrudel mit Beziehung darauf. S. Oberlin v. Gruidlecht. Rollenhagen in der Vorrede zum Froschmeuseler unter den wunderbarlichen Hausmärlein erwähnt des: „von dem verachten frommen Aschenpößel und seinen stolzen spöttischen Brüdern.“ Diese niederdeutsche Form des Namens leitet Schütz im hollst Idiot. 1, p. 50. von pöseln, mühsam (die Erbsen aus der Asche) suchen her. Adelung hat Askenpösel, Askenpüster, Askenböel und büel. Im hollst. nach Schütze:

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Aschenpöselken und Sudelsödelken, von sölen, sudeln, weil es im Schmutz verderben muß. Die hiesige Mundart bestätigt auch Estor in s. oberheß. Wörterbuch v. Aschepuddel, ein geringfügiges, unreines Mägdlein. Noch mehr oberdeutsch ist: Aschenbrödel s. Adelung, und Aescherling unter welchem Namen man es auch neulich für die deutsche Bühne bearbeitet hat, freilich nach schlechtem französischen Muster. Der dänische Name ist Askeftis, schwed. Askefis. Verelius in den Noten zu <ERR>Gautraksjaga</ERR><KORR>Gautreksjaga</KORR> S. 70. gedenkt der Volkssage: „huru Askefisen fick Konungsdottren <ERR>till</ERR><KORR>til</KORR> hustru,“ es scheint daher umgekehrt auf den Jüngling die unterdrückte Jugend übergetragen. Wie denn auch die <ERR>Sprichwörtersitta</ERR><KORR>Sprichwörtersitia</KORR> hemma i asku, liggia som <ERR>kaltur</ERR><KORR>kattur</KORR> i hreise, und liggia vid arnen, meist von Königssöhnen gelten. s. Wilkinasaga C. 91. von Thetleifr und Refssaga (C. 9. der Gothreks S.) aus welcher Verelius alles andere herleiten will. Oberlin führt eine Stelle v. Aschenprödel an, woraus erhellt, daß auch im deutschen auf Männer der Namen bezogen wurde. Perraults Cendrillon ou le petite pantoufle de verre gehört nicht unter seine am besten erzählten Märchen, der Gräfin d'Aulnoy Finnette Cendron wiewohl noch geringer der Form nach, enthält manche eigenthümliche und reichere Nebenumstände. Wir werden davon im zweiten Band zu dem unvergleichbar schöneren Mährchen Cennerentola (Pentamerone 1, 6) das Nöthige anmerken. Auch eine polnische Recension ist uns bekannt, u.d. T. Kopciuszek, von Kopec Ruß, Rauch, in andern slav. Dialecten kopet, kopt. s. Linde v. Kopciuch und Brudny (schmutzig, Brödel.) S. auch Allerlei-Rauh. No. 65.


Zum Kinderschlachtspiel. No. 22.

Die erste Recension ist aus einem alten Buche in den Berliner Abendblättern von Kleist (1810. No. 39.) abgedruckt worden. Die zweite befindet sich in Martin Zeilers Miscell. Nürnberg 1661. S. 388. der sie aus J. Wolf lectiones memorabiles.

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Laving. 1600. fol. genommen. Es wird hinzugesetzt, der Papst, der zur Zeit dieser Geschichte gelebt und ein fertiger Poet gewesen, habe versucht sie in ein Distichon zu bringen, es aber nicht vermocht. Da habe er einen stattlichen Preis darauf gesetzt, den ein armer Student verdienen wollen, dieser habe sich auch lange umsonst gequält, bis er endlich unmuthig die Feder weggeworfen und ausgerufen: „kann ichs nicht, so mags der Teufel machen!“ Dieser sey alsbald erschienen, habe gesagt er wolle es zu Stand bringen, die Feder aufgenommen und geschrieben:

sus, pneri bini, puer unus, nupta, maritus
cultell', lympha, fune, dolore cadunt.

Neuerdings hat Werner in seinem Trauerspiel der 24ste Februar die alte Fabel benutzt und damit die Macht menschlicher Poesie gegen den Teufel bewährt.


Zum Mäuschen, Vögelchen etc. etc. No. 23.

Aus Philanders von Sittewald Gesichten, Theil 2. ganz am Ende des siebenten Gesichts. Das Märchen lebt aber auch noch mündlich fort, doch mit veränderten Umständen, namentlich wird es bloß vom Mäuschen und Bratwürstchen erzählt, ohne das Vögelchen; das eine muß diese Woche kochen, das zweite die andere.


Zu der Frau Holle. No. 24.

Von diesem Märchen gibt es noch eine andere Erzählung: Es war einmal eine Frau die liebte nur ihre rechte, nicht aber ihre Stieftochter, hielt diese immer hart und suchte sie los zu werden. Eines Tags setzte sie beide Töchter an einen Brunnen, da sollten sie spinnen: „wer mir aber den Rocken hinunter fallen läßt, den werf ich hinten drein,“ sagte sie und band ihrer Tochter den Rocken fest, der Stieftochter aber ganz lose Kaum hat diese ein bischen gesponnen, fällt ihr der Roken hinab und die Stiefmutter ist unbarmherzig genug und wirft sie hinterdrein. Sie fällt tief

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hinunter, kommt in einen herrlichen Garten und in ein Haus, wo niemand ist, in der Küche will die Suppe überlaufen, will der Braten eben verbrennen und der Kuchen im Backofen eben schwarz werden. Sie setzt die Suppe geschwind ab, gießt Wasser zum Braten, und nimmt den Kuchen heraus und richtet an; so hungrig sie aber ist, nimmt sie doch nichts davon außer ein paar Krümchen, die beim Anrichten vom Kuchen herabgefallen sind. Darauf kommt eine Nixe mit furchtbaren Haaren, die gewiß in einem Jahr nicht gekämmt waren, und verlangt, sie solle sie kämmen, aber nicht rupfen und nicht ein einzig Haar ausziehen, welches sie endlich mit vielem Geschick zu Stande bringt. Nun sagt die Nixe, sie wolle sie gern bei sich behalten, sie könne aber nicht, weil sie die paar Krumen gegessen habe; doch schenkt sie ihr einen Ring und andere Sachen, wenn sie den Nachts drehe, wolle sie zu ihr kommen. Die andere Tochter soll nun auch zu der Nixe, und wird in den Brunnen geworfen; sie macht aber alles verkehrt, bezähmt ihren Hunger nicht, und kommt dafür mit schlechten Geschenken zurück. Nach dieser Recension ist das Märchen in der Naubertischen Sammlung I, 136-179. bearbeitet und in der Manier der andern, aber recht angenehm, erweitert. In der jungen Amerikanerin oder Verkürzung müßiger Stunden auf dem Meer. Ulm 1765. Th. 1. ist, auch dies Mährchen benutzt. Das Murmelthier (Ciron), so heißt das Stiefkind, muß die gröbste Arbeit verrichten, die Schafe hüten, und dabei eine gegebene Zahl gesponnener Faden mit nach Haus bringen. Das Mädchen setzt sich oft an einen Brunnenrand, eines Tages will es sich das Gesicht waschen und fällt hinein. Als es wieder zu sich kommt, befindet es sich in einer Cristallkugel unter den Händen einer schönen Brunnenfrau, der es die Haare kämmen muß, dafür bekommt es ein kostbares Kleid und so oft es seine Haare schüttelt und sich kämmt, sollen glänzende Blumen herausfallen und wenn es in Noth ist, soll es sich herabstürzen und Hülfe bei ihr finden. Dann giebt sie ihm noch einen Schäferstab,

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der die Wölfe und Räuber abwehrt, ein Spinnrad und einen Rocken, der allein spinnt, endlich einen zahmen Biber, zu mancherlei Diensten geschickt. Als Murmelthier mit diesen Gaben Abends heim kommt, soll die andere Tochter sich gleiche erwerben, und springt in den Brunnen hinab, sie geräth aber in Sumpfwasser, und wird wegen ihres Trotzes begabt, daß stinkendes Rohr und Schilf auf ihrem Kopf wächst, und wenn sie eins ausreißt, wächst nur noch viel mehr. Nur Murmelthier kann den häßlichen Schmuck auf 24 Stunden vertreiben, wenn es sie kämmt, das muß es nun immer thun. – Hierauf folgt die weitere Geschichte des Murmelthiers, wozu wieder andere Märchen benutzt sind, es soll allzeit etwas gefährliches ausrichten, aber durch Hülfe seiner Zauberdinge, vollbringt es alles glücklich. Einige Aehnlichkeit im Ganzen mit diesem Märchen hat auch das erste in der Braunschweiger Sammlung, und eins im Pentamerone.


Zu den drei Raben. No. 25.

hierzu vergl. man No. 11. und von dem Glasberg wird sonst noch so erzählt: es war eine verzauberte Königstochter, die konnte niemand erlösen, als wer den Glasberg erstiegen hätte, worein sie gebannt war. Da kam ein junger Gesell ins Wirthshaus, zum Mittagessen wurde ihm ein gekocht Hühnchen vorgesetzt, alle Knöchlein davon sammelte er sorgfältig, steckte sie ein und ging nach den Glasberg zu. Wie er dabei angekommen war, nahm er ein Knöchlein und steckte es in den Berg und stieg darauf, und dann als ein Knöchlein und als eins, bis er so fast ganz hinaufgestiegen war, aber er hatte nur noch eine einzige Stufe übrig, da fehlte ihm ein Knöchelchen vom Hühnchen, worauf er sich den kleinen Finger abschnitt und in den Glasberg steckte, so kam er vollends hinauf und erlöste die Prinzessin. – So erlöst Sivard stolt Bryniel af Glarbierget, indem er mit seinem Fohlen hinaufreitet; in einem dithmarser Lied kommt vor:

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so schalst du my de Glasenburg
mit eenen Perd op rieden;

Wolfdieterich wird in einen Graben gezaubert, da waren:

vir perg vmb jn geleit
die waren auch glesseine
vnd waren hel und glat,

nach dem Dresdn. Wolfd. str. 289; im gedruckten heißt es str. 1171.:

mit glasse was fürware
burg und grabe überzogen,
es mocht nichts wan zum tore
sein in die Burg geflogen.

Dies erinnert an die rabbinische Mythe vom Schamir, womit der Auerhahn das Glas sprengt, das man ihm über sein Nest gelegt. (s. auch Reinfried v. Braunschweig) König Artus wohnt bei der Fee Morgan auf der Glasinsel, und leicht ist gar ein Zusammenhang, nicht bloß im Wort, mit dem nordischen Gläsiswoll, wovon anderswo. – Zu dem ganzen Märchen gehört aus dem Pentamerone hierher IV, 8. <ERR>lisette</ERR><KORR>li sette</KORR> palommielle, wo Cianna gleichfalls in der Welt herumzieht, ihre 7 Brüder zu erlösen, nebst einer Menge eigenthümlicher, schöner Wendungen. Wenn das Schwesterchen hier an das Weltende gelangt, so vergl. man dazu, was zu No. 1. aus dem schottischen bemerkt worden. Auch Fortunatus reist so weit, bis er endlich nicht mehr weiter konnte, und Nierup S. 231. bemerkt dazu folgende Stelle aus einem Lied:

gamle Sole ligge der,
og forslidte Maaners Här,
hvoraf Stjerner klippes.

hierzu ein anderes im Wunderhorn I, 300. sonst auch von hohen Bergen, die bis an den Mond reichen, im Titurel einmal:

swer gar der erde ende
so tiefe sich geneiget,
der vindet sunder wende,
daz er antarcticum wol vingerzeiget.

Voß in seiner Abhandlung über die alte Weltkunde

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giebt folgende Fragmente: „die Spinnmädchen erzählen von einem jungen Schneidersgesellen, der auf der Wanderschaft immer weiter und weiter ging, und nach mancherlei Abenteuern mit Greifen, verwünschten Prinzessinnen, zaubernden Zwergen und grimmigen bergeschaufelnden Riesen zuletzt das Ende der Welt erreichte. Er fand sie nicht, wie die gewöhnliche Meinung ist, mit Brettern vernagelt, durch deren Fugen man die heil. Engel mit Wetterbrauen, Blitzschmieden, Verarbeitung des alten Sonnenscheins zu neuem Mondlichte und des verbrauchten Mond- und Sternenscheins zu Nordlichtern, Regenbogen und hellen Dämmerungen der Sommernächte beschäftigt sieht. Nein, das blaue Himmelsgewölbe senkte sich auf die Fläche des Erdbodens wie ein Backofen. Der Mond wollte eben am Rande der hohlen Decke aufgehn, und der Schneider ließ sich gelüsten, ihn mit dem Zeigefinger zu berühren. Aber es zischte, und Haut und Fleisch war bis an den Nagel hinweggesengt.“ – Ein Theil der Fabel erinnert auch an das Altdän. Lied von Verner Ravn, der von der Stiefmutter verflucht war, und dem die Schwester ihr kleines Kind giebt, durch dessen Auge- und Herzblut er seine menschliche Gestalt wieder erlangte.

Hieran schließen wir noch eine märchenhafte Erzählung vom Mond an, die in Menanders Fragmenten oder in Plutarchs kleinen Abhandlungen erhalten ist, wozu man gleichfalls eine äsepische Fabel (edid. Furia 396.) vergleiche. – Der Mond sprach einmal zu seiner Mutter: „die Nächte sind so kalt, ich friere, mach mir doch ein warmes Kleid!“ Sie nahm das Maaß, und er lief fort, wie er aber wieder kam, war er so groß geworden, daß das Röcklein nirgends passen wollte. Da fing die Mutter an, und trennte die Nähte und ließ aus, allein die Zeit währte dem Mond zu lange, und er ging wieder fort seines Weges. Emsig nähte die Mutter am Kleid, und saß manche Nacht auf beim Sternenschein. Der Mond kam zurück, und hatte viel gelaufen, und hatte

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darum viel abgenommen, war schmächtig und bleich geworden, das Kleid war ihm also viel zu weit, und die Ermel schlotterten über die Knie. Da war die Mutter bös, daß er sie so zum Narren habe, und verbot ihm, je wieder ins Haus zu kommen. Deswegen muß nun der arme Schelm nackt und bloß am Himmel laufen, bis daß jemand kommt und ihm ein Röcklein kauft.


Zum Rothkäppchen. No. 26.

Dieses Märchen haben wir außer unserer mündlichen Sage, was zu wundern ist, nirgends angetroffen, als bei Perrault (chaperon rouge) wonach Tiecks Bearbeitung.


Der Tod und der Gänshirt. No. 27.

Aus Harsdörfer, der große Schauplatz jämmerlicher Mordgeschichten. Hamburg 1663. Seite 651. 652.


Zu dem singenden Knochen. No. 28.

In einem altschottischen Lied kommt dieselbe Idee vor; aus dem Brustbein der ersäuften Schwester macht ein Harfner eine Harfe, die spielt darauf von selbst, und ruft weh über ihre Schwester. (Scotts minstrelsy II, 157-162.)


Zu dem Teufelmit den drei goldenen Haaren. No. 29.

Ein ähnliches Märchen theilt Herr Büsching in seiner Sagensammlung No. 59. mit, ebenfalls wie er versichert, aus mündlicher Ueberlieferung. Es leidet aber keinen Zweifel, daß es, wie es dort erscheint, vorsätzlich erweitert und vermuthlich nach einem französ. Buch erzählt worden. Der Pastetenbäcker, der für Deutsche nirgends eine märchenhafte Person ist, noch ganz französ. Wendungen in der Sprache, vor allem aber die verwickelten und angehäuften Bedingungen bei Auflösung des Zaubers, die ganz unepisch sind, machen dies klar.

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Was wir hier nach mündlicher Erzählung mittheilen, ist reiner, wiewohl immer noch etwas fremdartiges in dem Ganzen durchblickt. – Eine abweichende Recension ist No. 75. vom Vogel Phönix.


Zum Mädchen ohne Hände. No. 31.

mit andern Umständen, doch nicht so schön, im Pentamerone III, 2. (la penta mano mozza). Unser Märchen ist die volksmäßige Quelle, woraus die im Mittelalter so bekannten Fabeln von der schönen Helena, Mai und Beaflor u.a. entsprungen sind. Eine weitere Ausführung dieses Zusammenhangs müßte bei der Ausgabe eines der beiden letztgenannten Gedichte gegeben werden. Der unserer Erzählung eigenthümliche Umstand mit dem Versprechen dessen, was hinter der Mühle stand, erinnert an die altnordische Alfskongs Sage cap. 1. wo Hott fodert, von der schwangern Signy, das was zwischen ihr und dem Bierfaß sey. In dänischen Volksliedern ähnliche Versprechungen.


Zum gescheidten Hans. No. 32.

Die zweite Erzählung ist aus Frei's Gartengesellschaft. cap. 1. In Kirchhofs Wendunmuth I, No. 81. steht sie ebenfalls nur mit andern Worten. Im Pentamerone I, 4 (Vardiello) die nämliche Idee, mit schönen Varianten. – Die verschiedenen Thaten Hansens in der ersten Erzählung werden bald mehr, bald weniger vollständig, oder in anderer Ordnung und Wendung gehört, so erzählt man von einer Ziege, die er ins Bett legt etc. Vergl. auch facet. Bebel. Amsterd. 1651. 12. p. 47-49. Wahrscheinlich bezieht sich auf dieses Märchen die Erwähnung des Rollenhagen in der Vorrede zum Froschmeusler: „vom albern und faulen Heinzen.“


Zum gestiefelten Kater. No. 33.

Dies Märchen gehört unter die bekanntesten und verbreitetsten. Perrault hat es in s. chat

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hotté gut erzählt, aber Basile mit vielen Abweichungen aus der italienischen Sage, Pentam. II, (4. Gagliuso) wo nur zwei Söhne sind. Der älteste, aber nicht beste Erzähler ist Straparola N. IX 1. von Constantino. Man hat auch deutsche gedruckte Uebersetzungen nach Perrault, wo nur der Graf Carabas in einen Sabarak umgedreht ist. Tiek hat es dramatisch bearbeitet.


Zu Sperling und seine vier Kinder. No. 35.

Aus Schuppii Schriften. (Fabul. Hans S. 837. 38.)


Zum Tischchen deck dich. No. 36.

Bei diesem und dem folgenden Märchen erinnert man sich an eine große Menge ähnlicher Mythen von wunderbaren Sachen, deren innerer Zusammenhang eine umständliche Untersuchung verlangen würde. Mit dem Hauptgang der unsrigen hat sonderlich das erste Märchen im Pentamerone eine sichtbare Aehnlichkeit.


Zu der Serviette, dem Kanonenhütleinund dem Horn. No. 37.

Der Schluß hat eine deutliche Uebereinstimmung mit dem Fortunat. – Ein dänisches Volksblatt aus Kopenhagen: Lykkens flyvende Fane. Historie om tre fattige <ERR>Skrandere</ERR><KORR>Skraedere</KORR>, der <ERR>Ved</ERR><KORR>ved</KORR> Pillegrimsrejse kom til stor Vaerdighed og Velstand: erzählt das Märchen folgendergestalt: drei arme Schneider, die am Handwerk nicht viel verdienen, nehmen Abschied von Weib und Kind, wollen in die Welt ziehen und ihr Glück versuchen. Sie kommen in eine Wüste zu einem Berg, wo ein Zauberer wohnt, der Berg steht, Sommer und Winter grün, voll Blumen und Früchten und um Mittag und Mitternacht wird alles zu dem feinsten Silber. Der älteste füllt sich seinen Bündel, und alle Taschen mit den schönsten Silber-Blumen

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und Früchten, geht nach Haus, wirft Nadel und Bügeleisen unter den Tisch, und wird ein reicher Handelsmann. Die zwei andern denken zu dem Berg können wir wieder, wenn wir wollen, zurückgehen, wir wollen unser Glück weiter versuchen und wandern fort. Sie kommen zu einer großen Eisenpforte, die geht von selbst auf, nachdem sie dreimal daran geklopft. Sie treten in einen Garten, da hängen die Bäume voll Goldäpfel. Der zweite Schneider bricht sich so viel ab, als sein Rücken tragen kann, nimmt Abschied und geht heim. Dort begiebt er sich auch zum Handel und wird ein noch größerer Kaufmann, als der erste, so daß man glaubt, der reiche Jude zu Hamburg stamme von ihm ab. Der dritte aber meint, der Garten mit den Goldäpfeln bleibt mir sicher, ich will noch weiter nach meinem Glück gehen; er irrt in der Wüstenei umher, und als er den Garten und den Silberberg wieder sucht, kann er ihn nicht finden. Endlich er zu einer großen Anhöhe, und hört auf einer Pfeife blasen, er geht näher und findet eine alte Hexe, die pfeift vor einer Heerde Gänse, die bei dem Ton mit den Flügeln schlugen, und auf der Alten auf und nieder tanzten. Sie hatte sich schon 94 Jahre auf der Höhe mit dem Tod herumgezerrt, und konnte nicht sterben, bis die Gänse sie todt getreten, oder ein Christ kam, der sie mit Waffen todt schlug. Sobald sie seine Schritte hört, und er so nah ist, daß sie ihn sieht, bittet sie ihn, wenn er ein Christ sey, möge er sie mit der Keule, die an ihrer Seite da stehe, todtschlagen. Der Schneider will nicht, bis sie ihm sagt, er werde unter ihrem Haupt ein Tuch finden, welches, wie er es wünsche, auf ein paar Worte, voll der <ERR>köstlichen</ERR><KORR>köstlichsten</KORR> Speisen stehe; da giebt er ihr einen Schlag auf den Hirnschädel, sucht und findet das Tuch, packt es gleich in seinen Bündel, und macht sich auf den Heimweg. Ein Reuter begegnet ihm und bittet ihn um ein Stück Brot, der Schneider sagt: „liefere mir deine Waffen aus, so will ich mit dir theilen,“ der Reuter, der doch Pulver und Blei im Krieg verschossen, thut das gern, der Schneider breitet sein

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Tuch aus, und tractirt den hungrigen Kriegsmann. Diesem gefällt das Tuch, und er bietet dem Schneider dafür seine wunderbare Patrontasche zum Tausch, wenn man auf die eine Seite klopft, kommen hunderttausend Mann zu Fuß und Pferd heraus, klopft man auf die andere, aller Art Musikanten. Der Schneider willigt ein, aber nachdem er die Patrontasche hat, beordert er zehn Mann zu Pferd, die müssen dem Reuter nachjagen und ihm das Tuch wieder abnehmen. Der Schneider kommt nun nach Haus; seine Frau wundert sich, daß er so wenig auf der Wanderschaft gewonnen. Er geht zu seinen ehemaligen Cammeraden, die unterstützen ihn reichlich, daß er eine Zeitlang davon mit Frau und Kind leben könne. Er aber ladet sie darauf zum Mittagsessen, sie mögten nicht stolz seyn, und ihn nicht verschmähen, sie machen ihm Vorwürfe, daß er alles auf einmal verschlemmen wolle, doch versprechen sie zu kommen. Wie sie sich zur bestimmten Zeit einfinden, ist nur die Frau zu Haus, die gar nichts von den Gästen weiß und fürchtet, ihr Mann sey im Kopf verwirrt. Endlich kommt der Schneider auch, heißt die Frau die Stube eilig rein machen, grüßt seine Gäste und entschuldigt sich, sie hätten es zu Haus besser, er habe nur sehen wollen, ob sie nicht stolz durch ihren Reichthum geworden. Sie setzen sich zu Tisch, aber es kommt keine Schüssel zum Vorschein, da breitet der Schneider sein Tuch aus, spricht seine Worte, und im Augenblick steht alles voll der kostbarsten Speisen. Ha! ha! denken die andern, ists so gemeint, du bist nicht so lahm, als du hinkst, und versichern ihm Liebe und Brüderschaft bis in den Tod. Der Wirth sagt, das sey gar nicht nöthig zu versichern, dabei schlägt er der Patrontasche auf eine Seite, alsbald kommen Spielleute und machen Musik, daß es eine Art hat. Dann klopft er auf die andere Seite, kommandirt Artillerie und hunderttausend Soldaten, die werfen einen Wall auf und führen Geschütz darauf, und so oft die drei Schneider trinken, feuern die Konstabeler ab. Der Fürst wohnte 4 Meilen davon und hört den

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Donner, also meint er die Feinde wären gekommen, und schickt einen Trompeter ab, der bringt die Nachricht zurück, ein Schneider feiere seinen Geburtstag, und mache sich lustig mit seinen guten Freunden. Der Fürst fährt selbst hinaus, der Schneider tractirt ihn auf seinem Tuch; dem Fürst gefällt das, und er bietet dem Schneider Ländereien und reichliches Auskommen dafür, der will aber nicht, sein Tuch ist ihm lieber, da hat er keine Sorge, Müh und Verdruß. Der Fürst faßt sich kurz, nimmt das Tuch mit Gewalt und fährt fort. Der Schneider hängt aber seine Patrontasche um und geht damit an des Fürsten Hof, und bittet um sein Tuch, bekommt aber einen Buckel voll Schläge. Da lauft er auf den Wall des Schlosses, läßt zwanzigtausend Mann aufmarschiren, die müssen ihre Stücke gegen das Schloß richten, und darauf los feuern. Da läßt der Fürst das Tuch herausbringen und demüthig bitten mit dem Feuer einzuhalten. Der Schneider läßt nun seine Mannschaft wieder ins Quartier rücken, geht heim und lebt vergnügt mit den zwei andern Schneidern.


Zur Frau Füchsin. No. 38.

Dies gewiß uralte Märchen, dessen überaus wichtiger Zusammenhang mit dem altfranzösischen, nie gedruckten, roman du renard in unserer bevorstehenden Ausgabe dieses Gedichts abgehandelt werden soll, ist uns so vielmal erzählt worden, daß jede Recension ihre Eigenthümlichkeit hat. Die zwei bedeutendsten Recensionen, wovon die letzte sich noch fast ganz in Reimen erhalten, haben wir mitgetheilt, die meisten Abweichungen laufen dahin aus, daß der alte Fuchs wirklich, oder nur scheintodt (wie im altfranzös. Lied) ist, und daß entweder bloß Füchse, oder auch andere Thiere Freiens vorgeben. Im letzten Fall sind die Fragen der Füchsin oft genauer wie sieht er denn aus, hat er auch ein roth Käppchen auf? „ach nein, ein weiß Käppchen“ (der Wolf) – hat er denn ein roth Camisölchen an? – „nein,

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ein gelbes“ (der Löwe), die Anrede der Katze im Eingang:

Frau Kitze, Frau Katze,
schön Feuerchen hatse,
schön Fleischchen bratse;
was macht die Frau Fuchs.

Auch:

was macht sie da, mein Kätzchen?
„sitze da, wärme mir das Tätzchen.

Nachher:

da lief das kleine Kätzelein,
mit seinem krummen Schwänzelein,
die Treppe hoch hinauf.
Frau Füchsin, ist sich drunten ein schönes Thier.
gestaltet wie ein schöner Hirsch vor mir.“

Ach nein, sagt Frau Füchsin, und hält dem alten Herrn einen Lobspruch, worin sie seine mancherlei Tugenden erwähnt. Nach dem die verschiedenen Thiere sind, wird immer etwas anderes vom Fuchs gelobt.


Zum Herrn Gevatter. No. 42.

Dieses und das folgende Märchen haben in der Hauptsache, große Aehnlichkeit. Der Umstand mit den Hexenhörnern leitet auch ein anderes Märchen folgendergestalt ein: eine Hexe hatte ein junges Mädchen bei sich, und vertraute ihm alle Schlüssel an, verbot ihm jedoch eine Stube (wie im Blaubart). Allein aus Neugier machte es eines Tags die Thüre auf, da sah es die Hexe sitzen, mit zwei großen, großen Hörnern auf dem Kopf. Die Hexe wird wüthend und schließt es in einen hohen, hohen Thurm gefangen ein, woran keine Thüre war, wenn sie ihm nun zu Essen bringt, so muß es seine langen Haare aus dem Fenster herunterlassen, woran die Hexe hinaufsteigt, denn die Haare waren 20 Ellen lang, (so geht es in das Rapunzelmärchen über.)


Zu dem Schneider Daumerling. No. 45.

Verwandt scheint damit ein dänisches kleines Volksbuch, welches Nyerup, Iris und Hebe 1796. Juli S. 88 anführt, der Titel lautet:

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Svend Tommling etc. (ein Mensch nicht größer als ein Daumen, der sich verheirathen will mit einer Frau drei Ehlen und drei Quartier hoch; kommt auf die Welt mit Hut und Degen an der Seite; treibt den Pflug, wird von einem Gutsbesitzer gefangen, der ihn in seiner Schupftabacksdose verwahrt, er hüpft heraus und fällt auf ein Ferkel, und das wird sein Reitpferd.)


Zum Machandelboom. No. 47.

Machandel ist Wachholder (nicht Mandel), Marleenken Marianchen, Marie Annchen. Dieses wunderschöne Märchen ist uns von Runge mitgetheilt worden. Die Geschichte wird auch in hiesigen Gegenden häufig, selten aber so vollständig erzählt, so daß sich etwa nur noch hinzusetzen ließe, daß das Schwesterchen die Knochen an einem rothseidenen Faden zusammenreiht. Der Vers lautet:

meine Mutter kocht mich,
mein Vater aß mich,
Schwesterchen unterm Tische saß,
die Knöchlein all all auflas,
warf sie übern Birnbaum hinaus,
da ward ein Vögelein draus,
das singet Tag und Nacht.

In einer Stelle von Göthes Faust S. 225, wozu unser Märchen den Commentar liefert, und die der Dichter unstreitig aus altem Hörensagen aufnahm, lautet es so:

meine Mutter die Hur,
die mich umgebracht hat,
mein Vater der Schelm,
der mich gessen hat,
mein Schwesterlein klein
hub auf die Bein,
an einem kühlen Ort,
da ward ich ein schönes Waldvögelein,
fliege fort, fliege fort!

Die böse Stiefmutter, wovon ein altes Sprichwort (Stiefmutter, Teufels Unterfutter) verweist

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an gar viel andere Mährchen, der Eingang vom in Fingerschneiden an Sneewittchen, und an eine merkwürdige Stelle im altdeutschen Gedicht Parcifal, worüber mit Zuziehung vieler anderer Parallelsagen nächstens ein umständlicher Commentar gegeben werden soll. – Das Sammeln der zerstreuten Knochen ist in den Mythen von Osiris, Orpheus, und der Legende von Adalbert. Das Wiederbeleben in vielen andern, z.B. der Negersage von Nanni, den seine Mutter lehrt, das Fleisch eines jungen Huhns zu essen und die Federn und Beine wieder zusammen zu setzen. So sammelt Thor die Knochen der gegessenen Ziegen und belebt sie rüttelnd. (s. auch von Arnliot in der Heimskringla und manche andere Sage, die hier anzuführen zu umständlich wäre).


Zum alten Sultan. No. 48.

Das eigentliche Verhältniß dieses und aller andern Märchen der vorliegenden Sammlung, worin Thiere auftreten, zur großen Thierfabel überhaupt, soll anderswo genau untersucht werden.


Zu den sechs Schwänen. No. 49.

in der braunschweiger Sammlung S. 349-379. von sieben Schwänen, in schlechter Wettläuftigkeit erzählt, aber mit einigen guten Varianten; sie soll sieben Jahr stumm seyn, in jedem Jahr ein Mannshemd fertig nähen, und keine Thränen die ganze Zeit über weinen. Allein beim dritten Kind, das ihr weggenommen wird, vergießt sie eine Thräne, und bei der Erlösung fehlt dem letzten Bruder ein Aug. – Dieses schöne Märchen deutet überall auf ein hohes Alterthum, das im hohlen Baum-sitzen des stummen Mädchens auch in No. 3. Die sieben fertigen Menschenhemder scheinen mit den sieben Schwanenhemdern zusammen zu hängen, über diese werden wir bei der Volundarquida ausführlich seyn. Die Sage von dem Schwanenschiff auf dem Rhein (Parcifal, Loherangrin) in Verbindung mit dem altfranzös.

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chevalier au cigne schließt sich wiederum an, und auch hier bleibt der letzte Schwan unerlöst, weil das Gold von seinen Schwanenring schon verarbeitet war.


Zu Dornröschen. No. 50.

Perraults belle an bois dormant, mit unserm Märchen No. 82 verbunden. Die Jungfrau, die im Schloß mit Dornenwall umgeben schläft, bis sie der Königssohn erlöst, ist mit der schlafenden Brynhild, die ein Flammenwall umgiebt, durch den Sigurd dringt, insofern identisch. – Man hat eine Blume, die Gretel im Busch heißt, weil sie ganz von feinem, krausem Laub eingehüllt ist, auch Gretel in der Staude, schwed. Jungfru i det gröna, engl. the devil in a bush. (<ERR>migella</ERR><KORR>nigella</KORR> damascena). – Der Eingang mit der gefährlichen Spindel ist wie im Pentameron III, 3. mit einem gefährlichen Knochen.


Zum Fundevogel. No. 51.

Die Köchin ist wohl anderwärts die böse Frau des Försters. Die Fragen und Antworten an die Knechte, werden auch anders gestellt, z.B. ihr hättet die Rose nur sollen abbrechen, der Stock wäre schon nachgekommen. Dieser Theil des Märchens hat mit einem der folgenden (No. 70) große Aehnlichkeit.


Zum König Droßelbart. No. 52.

sonst auch Bröselbart, weil die Brotbröseln vom Essen in seinem Bart hängen blieben. Auch macht die Königstochter bekannt: sie wolle dem ihre Hand allein geben, der rathen könne, von welchem Thier und welcher Gattung eine ohne Kopf und Füße ausgespannte Haut wäre. Sie war aber von einer Wölfin. Bröselbart aber erfährt das Geheimniß, räth mit Fleiß fehl und kommt dann verkleidet als Bettler wieder, um recht zu rathen. – Im Pentamerone IV. 10. la superbia castecata, wo vieles anders ist.

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Zu Sneewittchen. No. 53.

Dies Märchen gehört zu den bekanntesten, doch wird in Gegenden, wo bestimmt hochdeutsch herrscht, der plattdeutsche Namen beibehalten, oder auch verdorben in Schliwitchen. Im Eingang fällt es mit dem Märchen vom Machandelbaum zusammen, noch näher in einer andern Recension, wo sich die Königin, indem sie mit dem König auf einem Jagdschlitten fährt, einen Apfel schält und dabei in den Finger schneidet. Noch ein anderer Eingang ist folgender: Ein Graf und eine Gräfin fuhren an drei Haufen weißem Schnee vorbei, da sagte der Graf: „ich wünsche mir ein Mädchen, so weiß als dieser Schnee.“ Bald darauf kamen sie an drei Gruben rothes Bluts, da sprach er wieder: „ich wünsche mir ein Mädchen, so roth an den Wangen, wie dies Blut.“ Endlich flogen drei schwarze Raben vorüber, da wünschte er sich ein Mädchen; „das Haare hat so schwarz, wie diese Raben.“ Als sie noch eine Weile gefahren, begegnete ihnen ein Mädchen, so weiß wie Schnee, so roth wie Blut und so schwarzhaarig, wie die Raben und das war das Sneewittchen. Der Graf ließ es gleich in die Kutsche sitzen und hatte es lieb, die Gräfin aber sah es nicht gern und dachte nur, wie sie es wieder los werden könnte. Endlich ließ sie ihren Handschuh hinausfallen, und befahl dem Sneewittchen ihn wieder zu suchen, in der Zeit aber mußte der Kutscher geschwind fortfahren: nun ist Sneewittchen allein und kommt zu den Zwergen u.s.w. In einer andern Erzählung, ist das bloß abweichend, daß die Königin mit dem Sneewittchen in den Wald fährt, und es bittet ihm von den schönen Rosen, die da stehen, einen Strauß abzubrechen, während es bricht, fährt sie fort und läßt es allein. Endlich kennen wir noch eine dritte Recension: Ein König verliert seine Gemahlin, mit der er eine einzige Tochter Sneewittchen hat und nimmt eine andere, mit der er drei Töchter bekommt. Diese haßt das Stiefkind, auch wegen seiner wunderbaren Schönheit, und

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unterdrückt es, wo sie kann. Im Wald in einer Höhle wohnen sieben Zwerge, die tödten jedes Mädchen, das sich ihnen naht. Das weiß die Königin, und weil sie Sneewittchen nicht geradezu tödten will, hofft sie es dadurch los zu werden, daß sie es hinaus vor die Höhle führt und zu ihm sagt: „geh da hinein und wart bis ich wieder komme.“ Dann geht sie fort, Sneewittchen aber getrost in die Höhle. Die Zwerge kommen und wollen es anfangs tödten, weil es aber so schön ist, lassen sie es leben und sagen, es solle ihnen dafür den Haushalt führen. Sneewittchen hatte aber einen Hund, der hieß Spiegel, wie es nun fort ist, liegt der traurig im Schloß, die Königin fragt ihn:

„Spiegel unter der Bank,
sieh in dieses Land, sieh in jenes Land:
wer ist die schönste in Engelland?“

Der Hund antwortet: „Sneewittchen ist schöner bei seinen sieben Zwergen, als die Frau Königin mit ihren drei Töchtern.“ Da sieht sie, daß es noch lebt und macht einen giftigen Schnürriemen. Damit geht sie zur Höhle, ruft Sneewittchen, es solle ihr aufmachen. Sneewittchen will nicht, weil die sieben Zwerge ihm streng verboten, keinen Menschen hereinzulassen, auch seine Stiefmutter nicht, die es habe verderben wollen. Sie sagt aber zu Sneewittchen, sie habe keine Töchter mehr, ein Ritter habe sie ihr entführt, da wolle sie bei ihm leben und es putzen. Sneewittchen wird mitleidig und läßt sie herein, da schnürt sie es mit dem giftigen Schnürriemen, daß es todt zur Erde fällt, und geht fort. Die sieben Zwerge aber kommen, nehmen ein Messer und schneiden den Schnürriemen entzwei, da ist es wieder lebendig. Die Königin fragt nun den Spiegel unter der Bank, der giebt ihr dieselbe Antwort. Da macht sie ein giftiges Kopfband, geht mit dem hinaus und redet zu Sneewittchen so beweglich, daß es sie noch einmal einläßt: sie bindet ihm das Kopfband um, und es fällt todt nieder. Aber die sieben Zwerge sehen, was geschehen ist, schneiden das Kopfband ab und es hat das Leben wieder. Zum drittenmal fragt

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die Königin den Hund, und erhält dieselbe Antwort. Sie geht nun mit einem giftigen Apfel hinaus, und so sehr Sneewittchen von den Zwergen gewarnt ist, wird es doch von ihren Klagen gerührt, macht auf und ißt von dem Apfel, da ist es todt, und wie die Zwerge kommen, können sie nicht helfen, und der Spiegel unter der Bank sagt der Königin sie sey die schönste. Die sieben Zwerge aber machen einen silbernen Sarg, legen das Sneewittchen hinein und setzen es auf einen Baum vor ihrer Höhle. Ein Prinz kommt vorbei und bittet die Zwerge, ihm den Sarg zu geben, nimmt ihn mit und daheim läßt er es auf ein Bett legen und putzen, als wär es lebendig, und liebt es über alle Maßen, ein Diener muß ihm auch beständig aufwarten. Der wird einmal bös darüber: „da soll man dem todten Mädchen thun, als wenn es lebte!“ giebt ihn einen Schlag in den Rücken, da fährt der Apfelbissen aus dem Mund, und Sneewittchen ist wieder lebendig.


Zu Hans Dumm. No. 54.

Ausführlicher in Pentamerone I, 3. und bei Straparola auch recht gut III, 1.


Zum Rumpelstilzchen. No. 55.

Schon Fischart kann das Alter dieses Märchens bezeugen, im Gargantug, wo die Spiele verzeichnet werden, steht unter Num. 363. ein Spiel: „Rumpele stilt oder der Poppart.“ Man sagt auch Rumpenstinzchen. Die Erzählung selbst wird auch folgendermaßen anders angefangen: einem kleinen Mädchen dem wurde eine Kaute Flachs gegeben, daraus sollte es Flachs spinnen, aber was es spann, war immer Goldfaden und kein einziger Faden Flachs konnte aus ihrem Rädchen kommen. Da wurde es traurig, setzte sich aufs Dach und spann und spann drei Tage lang, aber immer nichts als Gold. Da kam ein klein Männchen gegangen: ich will dir helfen aus aller deiner Noth, ein junger Königssohn soll da vorbei kommen,

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und dich heirathen, aber du mußt mir dein erstes Kind versprechen etc. Auch wird das Männchen anders entdeckt. Eine Magd der Königin geht Nachts hinaus in den Wald, da sieht sie es auf einem Kochlöffel um ein groß Feuer herum reiten etc. Zuletzt fliegt auch das Männchen auf dem Kochlöffel zum Fenster hinaus. In vielen deutschen Märchen kommen Müller und Müllerstöchter vor (s. No. 31.), das gegenwärtige erinnert aber ganz sonderlich an die nordischen Fenia und Menia, die alles, was man haben wollte, mahlen konnten, und die der König Frode Frieden und Gold mahlen ließ. – Das Abfodern der Kinder greift in sehr viele Mythen ein.

Das Spinnen des Golds kann auch auf eine andere Art verstanden werden, nämlich durch die harte schwere, kummervolle Arbeit den Golddrath zu verfertigen, welche armen Jungfrauen überlassen blieb. So heißt es in einem altdän. Lied:

nu er min sorg saa mangefold,
som Jomfruer, de spinde guld.


Zu dem Liebsten Roland. No. 56.

Nach einer andern Erzählung, stecken die zwei bei ihrer Flucht eine Bohne in einen Kuchen, der eben auf dem Heerd liegt und backen soll, als die Stiefmutter aufwacht und ihre Tochter ruft, antwortet die Bohne für diese auf jede Frage, und sagt sie sey in der Küche und koche; so lange aber nur, als der Kuchen noch backt, als er gar ist, schweigt sie still, da ist ihre Kraft vorbei, und über das Stillschweigen wird die Mutter aufmerksam, und findet dann ihre todte Tochter. In den Zaubereien bei der Flucht vor der Stiefmutter kommt dies Märchen mit dem vom Fundevogel und Okerlo zusammen; die letzte Verwandlung, wo die Stiefmutter durch Tanzen in einer Dornhecke umkommt, erinnert an das bekannte Fabliau, welches <ERR>Hans Sachs</ERR><KORR>Ayrer</KORR> auch dramatisch behandelt hat, wo sich ein Verurtheilter auf diese Art vom Tod rettet.


Zum goldnen Vogel. No. 57.

No. 64, I. von der weißen Taube hat denselben Eingang, doch wird es auch sehr häusig und wie es scheint, wo nicht besser, doch älter mit folgendem erzählt: ein König war krank, oder nach andern blind geworden, und nichts in der Welt vermochte

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ihn zu heilen, bis er einstmals hörte (oder es ihm träumte), daß weit davon der Vogel Phönix wäre, durch dessen Pfeifen (oder Gesang) er allein genesen könne. Nun machen sich die Söhne nach einander auf, und nur in der Menge der verschiedenen Aufgaben, die der dritte Sohn zu bestehen hat, weichen die verschiedenen Recensionen ab. Das nothwendige Pfeifen des Phönix ist hier allerdings besser begründet. Einmal wird auch erzählt, daß der Fuchs, nachdem er den Schuß zuletzt empfangen, ganz verschwindet und nicht zu einem Menschen wird. Das Stürzen in den Brunnen (wofür auch ein Steinbruch vorkommt) ist mit der Sage von Joseph, der ja auch sonst selbst der Phönix, (d.h. der Goldvogel) ist, die Befreiung daraus durch den Fuchs mit der von Aristomenes (nach Pausanias), von Sindbad (nach 1001 Nacht), und Gog und Magog (nach Montevilla) merkwürdig verwandt. – In den Kindermärchen aus mündlichen Erzählungen gesammelt, Erfurt bei Keyser 1787. wird unser Märchen S. 94-150. in falschem Ton erzählt; im Norden ist es aber schon früh bekannt gewesen, und ohne Zweifel auch in andern Theilen Europas. Peringskiold in seinem für Hickes gemachten Catalog p. 315. führt die Saga af Artus Fagra an, und beschreibt ihren Inhalt folgendermaßen: hist. de tribus fratribus Carolo, Vilhialmo atque Arturo, cogn. fägra, regis angliae filiis, qui ad inquirendum Phönicem, ut ea curaretur morbus immedicabilis patris illorum, in ultimas usque Indiae oras missi sunt. (Vielleicht ist auch in einem angelsächs. Codex, den Wanley p. 281. angiebt: Liber VI. septem constans capitulis, descriptionem tractat felicissimae cujusdam regionis orientalis et de Phönice, quae ibi invenitur, etwas davon berührt). Eine spätere dänische Bearbeitung in sechszeiligen Strophen ist zum Volksbuch geworden, aber ohne poetischen Werth. Nyerup handelt davon unter Num. 15. Von dem daselbst angeführten Titel ist eine vor uns liegende Ausgabe etwas abweichend,

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und der Uebersetzung aus dem Holländischen, die wohl nur ein Vorgeben ist, wird nicht gedacht. (En meget märkvärdig Historie om <ERR>Rong</ERR><KORR>Kong</KORR> Edvard af Engelland, der faldt i en svär Sygdom, men helbrededes ved en viis Qvindes Raad, og det ene ved hans yngste Söns Prins Atti (Arti) Ömhed og Mod, der havde sin Fader saa kier, at han foretog en Rejse til Dronningen af Arabien, tilvendte sig ved List hendes Klenodier, bortförde Dronningens dyrebare Fugl Phönix, og sik til Slutning_... Dronningen selv tilägte.) Die Söhne heißen auch hier Carl, Wilhelm und Artus, vom hülfreichen Fuchs kommt nichts vor, und fast in allem ist die deutsche Volkserzählung weit vorzüglicher.


Zu dem treuen Gevatter Sperling. No. 58.

Ueber den Zusammenhang dieses Märchens mit dem Gedicht von Reinhart Fuchs. S. Schlegels deutsches Museum 1812. Maiheft.


Zu Prinz Schwan. No. 59.

Aehnlich damit das Märchen von den drei Gürteln in der Braunschw. Samml. S. 122-150. Die Königin erhält von einer Fee, der sie als einer alten bösen Hexe unermüdlich Beistand geleistet, drei Gürtel, so lang die nicht entzwei gingen, könne sie an die Liebe und Treue ihres abwesenden Gemahls glauben. Als zwei davon geplatzt sind, verkleidet sie sich in eine Pilgerin und zieht ihm nach. In einem großen Wald, durch den sie geht, fallen ihr nach einander drei goldne Nüsse vor die Füße, die sie aufhebt und mitnimmt. Sie kommt zu einem Müller, der sie für seine Base ausgeben will, und ihr einen andern Namen giebt. Hier findet sie der König, und ohne sie wiederzuerkennen, verliebt er sich in sie. Sie zeigt sich ihm geneigt, wie er sie aber umarmen will, platzt der dritte Gürtel, sie erschrickt und bittet ihn die Hausthüre zuzumachen, deren Schlagen sie nicht hören könne. Wie er aber eine zumacht,

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springt eine andere wieder auf und so fort, daß er die ganze Nacht nichts zu thun hat, als Thüren zuzumachen. Der König ist dadurch gekränkt, kommt nicht wieder, und will sich mit der Prinzessin, die seine Braut ist, vermählen. Die Königin macht ihre erste Goldnuß auf, da ist das prächtigste Nähzeug und Nähkästchen darin, damit geht sie zum Schloß, setzt sich den Fenstern der Prinzessin gegenüber und näht. Die Prinzessin sieht sie und trägt großen Gefallen an dem Nähzeug, sie tauscht es für das Recht ein, die erste Nacht bei dem König zubringen zu dürfen. Am andern Tag öffnet diese die zweite Nuß, findet eine köstliche Spindel darin, spinnt damit vor der Prinzessin und vertauscht sie für die zweite Nacht, endlich auch das Geschmeide, welches die dritte Nuß in sich faßte, für die dritte Nacht. Wie der Hochzeitstag nun vorbei ist, wird die Königin zum König geführt, da entdeckt sie sich als seine Gemahlin; am dritten Morgen beruft er einen Rath und legt die Frage von dem Schlüssel vor, den er zu einem goldnen Vorlegeschloß verloren, und wiedergefunden, ob er den alten oder den neuen gebrauchen solle. Die Prinzessin entscheidet selber für den alten und demnach für ihre Trennung.


Zu dem Goldei. No. 60.

In der Erfurter Sammlung S. 1-58. aber schlecht erzählt: der Vogel, der jeden Morgen ein Goldei legt entflieht dem Prinzen Gunild, ein Bauer fängt ihn und von diesem bekommt ihn ein Goldschmidt, der auf den Flügeln liest: „wer meinen Kopf ißt unter dessen Kopfkissen werden täglich tausend Ducaten liegen; wer mein Herz ißt, wird König in Akindilla werden,“ und ihn darum dem Ynkas, seinem Schwestersohn zum Braten giebt; dieser ißt unschuldig beides und entflieht dann bei den Drohungen des zornigen Goldschmidts, der sich getäuscht sieht. Indeß geht der Ausspruch in Erfüllung; hineingezogen ist die dem Fortunat ähnliche Sage von den zweierlei

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Aepfeln, wovon einer alt und häßlich, der andere wieder jung und gesund macht und wodurch die treulose Gemahlin bestraft und gebessert wird.

bei dem Herz, das die Besenbindersjungen unversehens essen, ist sich zu erinnern an Loki, der das halbverbrannte Herz (Hyndluliod 37.) und an den Fuchs der äsopischen Fabel (Furia 356. Coray 358.) der das zufällig herausfallende Herz der Hindin verzehrt. Der Löwe fragt wie der Goldschmied danach, allein der Fuchs giebt ihm hier eine moralisch, witzige, statt der mythischen Antwort. Vermuthlich gehört eben darum auch die Fabel vom Koch und Hund hieher (Furia 227.)


Zu dem Schneider der bald reich wurde. No. 61.

Nach einer andern Erzählung heißt der Mann Herr Hände, den die Bauern wegen seiner Klugheit hassen. Sie schlagen ihn aus Neid den Backofen ein, er trägt aber den Schutt in einem Sack zu einer vornehmen Dame und bittet sie, den Sack ihm aufzuheben, es sey Gewürz, Zimmet, Nägelein und Pfeffer darin. Er kommt dann wieder, ihn abzuholen und verführt ein großes Geschrei, sie habe ihn bestolen, wodurch er ihr 300 Thaler abzwingt. Die Bauern sehen ihn das Geld zählen und fragen, woher er das habe, er sagt von dem Backofenschutt, da schlagen die Bauern all ihre Backöfen ein, tragen den Schutt in die Stadt, kommen aber übel an. Die Bauern wollen ihn aus Rache tödten, er zieht aber seiner Mutter Kleider an, dadurch entgeht er ihnen und seine Mutter wird todt geschlagen. Diese rollt er in einem Faß zu einem Doctor, läßt sie dort ein wenig stehen, kommt wieder und giebt ihm dann Schuld er habe sie getödtet, so erpreßt er von dem Doctor eine Summe Gelds. Er sagt den Bauern, er habe sie für seine todte Mutter bekommen, nun schlagen diese auch ihre Mutter todt. Darauf die Begebenheit mit einem Schäfer, der für ihn sich in die Tonne legt, ersäuft und dem die andern Bauern alle nachspringen. In dem Märchen vom Bauer Kibitz, welches Büsching S. 296. mittheilt, sind wieder einige Züge verschieden. Kibitz läßt seine Frau von den Bauern todt schlagen, und setzt sie dann mit einem Korb voll Früchte an ein Geländer, wo sie ein Bedienter, dem sie keine Antwort giebt, als er für seine Herrschaft bei ihr einkaufen soll, ins Wasser stürzt; dafür erhält Kibitz den Wagen, worin diese gefahren mit allem Zubehör. – Das Gelderpressen durch bloßes Lärmen gehört auch zu den Listen des Gonella (bei Flögel Gesch. der Hofnarren S.

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309). – Den Betrug mit dem Schäfer hat Straparola I. 3. in der Erzählung vom Messire Scrapafigue. – In dem zu Erfurt 1794. gedruckten Volksbuch: Rutschki oder die Bürger zu Quarkenquatsch sind verschiedene Züge aus diesem Märchen benutzt, das Erkaufen des alten Kastens, worin der Liebhaber steckt, durch die Kuhhaut (S. 10.), das Ausstellen der todten Frau: Rutschki gibt ihr Butter in den Schooß und setzt sie auf den Brunnenrand, der Apotheker der ihr abkaufen will, aber keine Antwort bekommt, rüttelt sie und stürzt sie hinunter, und muß dem Rutschki tausend Thaler bezahlen (S. 18. 19.). Der Betrug an dem Schäfer zuletzt, ist wieder ganz verschieden: Rutschki ist zum Tod verurtheilt, und wird in einen Kleiderschrank eingeriegelt, hinaus zu dem Teich getragen, weil er aber zugefroren ist, lassen sie ihn darauf stehen, und wollen erst Aexte holen, um ein Loch ins Eis zu hauen. Wie sie fort sind, hört Rutschki einen Viehhändler vorbei ziehen und ruft: „ich trinke keinen Wein! ich trinke keinen Wein! mich durstet nicht!“ der Viehhändler fragt, was er vorhabe, Rutschki läßt sich aufriegeln und erzählt, er sey zum Burgemeister erwählt, das Amt nähm er gern, denn es sey wenig Arbeit und 500 Thl. Besoldung dabei; dagegen die Sitte, daß jeder Burgemeister beim Antritt seines Amts einen Becher mit Burgunder austrinke, wolle er durchhaus nicht mitmachen, er trinke keinen Wein, da hätten sie ihn herausgesetzt, daß er Frost und Durst nach einen feurigen Trank bekommen sollte; es helfte ihnen aber alles nichts, er trinke doch nicht. Der Viehhändler trägt einen Tausch gegen seine Heerde an, er legt sich hinein, Rutschki riegelt zu, die Bauern kommen, hauen ein Loch und lassen den Schrank hinab. Wie sie zurückkommen begegnet ihnen Rutschki mit dem Vieh und sagt, er habe es auf dem Grund gefunden, da sey ein schönes Sommerland. Nun stürzen sie sich alle in das Wasser (S. 22. 23.). – Uebrigens sind die allezeit betrogenen Bauern offenbar mit den <ERR>Calenbürgern</ERR><KORR>Lalenbürgern</KORR> verwandt.

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Zu dem Blaubart. No. 62.

Perraults la barbe bleue gehört zu seinem am besten erzählten Märchen; ein schwedisches fliegendes Blatt: Bläskägget, Fahlum 1810. ist bloß eine Uebersetzung davon. Die französische Sage kennt noch eine Schwester der Frau, Anne, als jene sterben soll, gewährt ihr der Blaubart eine halbe Viertelstunde, da schickt sie die Anne auf den Thurm läßt sie nach den Brüdern sehen und ruft ihr von Zeit zu Zeit in ihrer Angst zu: „Anne, ma soeur Anne, ne vois tu rien venir?“ noch ganz volksmäßig erscheinen die Antworten derselben,

„Je ne vois que le soleil, qui poudroie,
et l'herbe, qui verdoie.“

In der deutschen Erzählung, wenigstens wie wir sie gehört haben, fehlt dies gänzlich; dagegen kommt der Zug vor, daß die Geängstigte den Blutschlüssel in das Heu legt, weil es wirklich Volksglauben ist, das Heu ziehe Blut aus. – Ein deutsches Volkslied (Wunderhorn I, 274. und Herder Volkslieder I, 79) am schönsten neulich in Gräters Idunna nach dem breslauischen Volksgesang mitgetheilt, enthält im Grund dieselbe Sage, doch sehr abweichend und ohne des blauen Barts Erwähnung zu thun, von Ulrich und Aennchen. Eben so der <ERR>Fitschersvogel</ERR><KORR>Fitchersvogel</KORR> (No. 46.) auch wieder recht eigenthümlich und gut, und das holländische Mord-Schloß (No. 73). Tieks Bearbeitung ist bekannt. In Hamburg sagt man von einem Starkbärtigen, er sei ein Blaubart (Schütze hollst. Idiot. I, 112.), dasselbe gilt von dem ehemaligen Hessen; hier in Cassel ist ein verwachsener, halb alberner und toller Handwerksbursch unter dem Namen bekannt genug. – Endlich haben ihre unverkennbare Aehnlichkeit mit der Sage: das schottische Lied von Cospatrik, der König Porc bei Straparola und der Eingang der 1001. Nacht, wo der Sultan auch seine Weiber nach der ersten Nacht tödtet.


Zu den Goldkindern. No. 63.

Damit stimmt überein No. 74. Vom Johannes

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Wassersprung und Caspar-Wassersprung, und dann auch im Pentamerone lo mercante I, 7. und la cerva fatata I, 9. In den beiden deutschen Erzählungen scheint hin und wieder eine Lücke zuseyn, wenigstens müßten in No. 74. die so eigen erworbenen Thiere sich thätiger beweisen, oder so daß einmal bloß von ihnen nach der Reihe die Hülfe käme. In demselben Märchen bei Straparola Th. 2, S. 290. von Cesarin erwecken sie ihren Herrn auch wieder vom Tod.


Zu dem Dummling. No. 64.

I. Die weiße Taube hat im Eingang Aehnlichkeit mit dem goldenen Vogel. No. 57. II. Die Bienenkönigin hat offenbar viel Uebereinstimmung in den Motiven mit dem Mährchen von Fix und Fertig (No. 16). III. Die drei Federn. Hier finden sich häufig kleine Abweichungen in andern Recensionen, besonders in den Aufgaben. Der Vater gibt jedem der drei Söhne einen Apfel, wer den seinen am weitesten wegwirft, soll das Reich erben. Der des jüngsten fliegt am weitesten, weil der aber gar zu dumm ist, will der Vater ihm das Recht nicht lassen und verlangt zwanzig Steigen Leinwand in einer Nußschale, der älteste reist nach Holland, der zweite nach Schlesien, wo feine Leinewand seyn soll, der dritte, der Dumme, geht in den Wald, da fällt eine Nußschale von einem Baum, worin das Linnen steckt. Darnach verlangt er einen Hund, der durch seinen Trauring springen kann, dann drei Zahlen Garn, die durch ein Nadelöhr gehen: alles bringt der Dummling. Nach einer andern Erzählung soll der des Königs Gut erben, der den schönsten Geruch mitbringt, der Dumme kommt vor ein Haus, da sitzt die Katz vor der Thür und fragt: „was bist du so traurig?“ – „Ach! du kannst mir doch nicht helfen!“ – „Nun hör einer! sag nur was dir fehlt.“ Die Katz verschafft ihm dann den besten Geruch. Wiederum ist die Einleitung mannichfach: der Vater jagt den dummen Hans fort, weil er gar zu dumm ist, da geht er an des Meeres Gestade, setzt

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sich hin und weint; da kommt die Kröte, die eine verzauberte schöne Jungfrau ist, mit der springt er auf ihr Geheiß ins Wasser und ringt mit ihr und erwirbt sich das Reich, indem sie ihre menschliche Gestalt dadurch wieder gewinnt. – In der braunschweiger Sammlung steht das Märchen S. 271-286. wieder mit andern Aufgaben 1) der Kahn zu dem kein Spänchen gehauen, den ein Greis ihm giebt, weil er ihn gelabt. 2) Die kleinste, feinste Webeleinwand. Diese giebt ihm eine kluge Katze in einer Nuß, als diese aufgemacht wird, liegt eine noch kleinere darin, in dieser endlich ein Gerstenkorn, und dieses enthält erst das Gewebe. 3) Die schönste Braut, in die sich die Katze verwandelt.


Zu Allerlei-Rauh. No. 65.

Ist die peau d'ane des Perrault, aber vollständiger und besser. Die Prinzessin Mäusehaut No. 71. ist dieselbe mythische Person, aber die Sage bis auf einiges ganz verschieden. Nach einer andern Recension wird Allerlei-Rauh von ihrer Stiefmutter vertrieben, weil ihr ein fremder Prinz einen Ring zum Liebeszeichen und nicht ihrer eigenen Tochter geschenkt hatte. Sie kommt hernach an ihres Geliebten Hof als Schuhputzerin, und wird entdeckt, indem sie den Treuring unter das Weißbrod legt. – Einige Aehnlichkeit hat das Märchen mit dem Aschenputtel No. 21.


Zum Hurleburlebutz. No. 66.

Aehnlichkeit damit hat ein Märchen in der Braunschweiger Sammlung S. 322-48. Eine Prinzessin ist so stolz auf ihre Schönheit und wird ganz übermüthig, daß sie alle Freier verspottet, und als Thiere abmahlen läßt, auch alle Wünsche erfüllt haben will. Einmal träumt sie von dem singenden, klingenden Bäumchen, und ihr Vater muß ausziehen und es suchen. Er findet es glücklich, wie er es aber ausreißt, springt ein fürchterlicher Löwe aus der Erde, dem muß er dafür das

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angeloben, was ihm zuerst zu Haus begegnen wird. Das ist nun die stolze Prinzessin, die das singende, klingende Bäumchen kommen hörte. Der König erschrickt und sagt, daß sie einem Löwen jetzt zugefallen sey, aber sie bekümmert sich nicht darum, läßt die Tochter einer Wäscherin mit ihren Kleidern anthun und an ihren Platz setzen. Nach drei Tagen kommt der Löwe: „setz dich auf meinen Rücken“, spricht er, und trägt sie in den Wald. Das Mädchen weint, wie es eine Quelle sieht: „wer wird meiner Mutter jetzt waschen helfen!“ Der Löwe merkt den Betrug, trägt sie zurück und kommt nach drei Tagen wieder, da sitzt eines Hirten Tochter in den Kleidern der Prinzessin, „setz dich auf meinen Rücken,“ sagt der Löwe und trägt sie hinaus. Wie sie auf die bunte Wiese kommen, seufzt das Mädchen:„ach! wer wird den Hans trösten, wenn ich nicht bei ihm hier liegen kann!“ Der Löwe kehrt wieder um, bringt dem König die falsche Braut, droht ihm, und läuft zur Prinzessin, die sich gleich auf seinen Rücken setzen und mit ihm fort muß. Er führt sie in eine Höhle, wo sie an elf Kranken die niedrigsten Arbeiten thun muß und ihre eiternden Wunden heilen. Sie empfindet da Reue über ihren vorigen Hochmuth, heilt dann auch den Löwen, der verwundet wird, und mit dem allem büßt sie ihre Sünden, befindet sich einmal, als sie erwacht, wieder in dem prächtigen Schloß bei ihrem Vater, der Löwe aber ist ein schöner Jüngling geworden, und ihr Bräutigam. In dem Märchen vom Weißtäubchen in der Erfurtschen Sammlung S. 87 88. wird auch der Zauber gelöst, indem das Mädchen der Taube den Kopf abreißt, und ihn gegen Morgen, den Rumpf gegen Abend wirft. In einer andern mündlichen Erzählung, fragt der Fuchs immer, das Mädchen, das er fortträgt, wie viel Uhr es sey, die Hirtentöchter antworten, zehn Uhr, wenn ich die Heerde sonst zusammengeblasen habe, die Königstochter aber, zehn Uhr, wenn zur Tafel geblasen wird, und nun bin ich hier im Wald und habe nichts zu essen.

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Zum König mit dem Löwen. No. 67.

Das Vergessen der ersten Verlobten kehrt auch im Prinz Schwan von der treuen Julian und im Liebsten Roland wieder, auch wohl in Allerlei Rauh, aus dem Pentameron gehört mehreres hierher (II, 7. la palomma, wo der Prinz die Filadoro vergißt; III, 3. la viso, wo Renza vergessen wird; III, 9. Rosella), der Grund aber liegt tief in den Sagen_... Wir wollen nur zwei denkwürdige Beispiele angeben: Duschmanta vergißt die Sacontala, und Sigurd die Brynhild.


Zum Sommer- und Wintergarten. No. 68.

Eigentlich die Fabel von der Psyche, noch näher in andern Recensionen, wo die Schwestern bösartig sind, und die jüngste, als sie gekommen ist, sie zu besuchen, mit Gewalt zurückhalten. In einem Roman, die junge Amerikanerin Ulm 1765. I, 30-231. ist auch dieses Märchen, aber schlecht benutzt. Das Thier ist ein Drache, aus dessen Garten (es ist auch kein Winter) der Vater sich eine Rose bricht und dafür seine Tochter versprechen muß. Die Tochter geht selbst in des Drachen Schloß, der stellt sich dumm und ungeschickt, in der Nacht aber träumt sie von einem schönen Jüngling, und allmählig gewöhnt sie sich an ihn so, daß sie ihn endlich lieb gewinnt. Sie besucht ihre Eltern und kommt zurück durch Hülfe eines Rings, der ein- und auswärts gedreht wird. Endlich gesteht sie ihm in einer Nacht, daß sie ihn lieb habe, da ist er am Morgen ein schöner Jüngling und sein Zauber gelöst. Es entdeckt sich auch, daß sie nicht des Kaufmanns Tochter, sondern von einer Fee untergeschoben ist. In der Leipziger Sammlung ist es das siebente Märchen (S. 113-130). Die jüngste Tochter bittet den Vater bei seiner Abreise um einen Eichelzweig mit drei Eicheln an einem Stengel. Der Vater verirrt sich in dem Wald, kommt zu einem prächtigen Schloß, das ganz leer steht, wo er aber

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alles aufs beste vorfindet. In der Nacht kommt ein Bär, bringt die drei Eicheln an einen Stengel und verlangt die Tochter, die der Vater endlich bewilligt. Zu Haus werden die Thüren verschlossen, der Bär aber kommt doch zweimal um Mitternacht herein und fordert die Braut; in der dritten sind die Koffer von selbst gepackt und drei Eicheln stecken darauf, die Tochter selbst ist wie eine Braut geputzt, ihr Haar von selbst gekräuselt und weiß es nicht, der Bär aber steht neben ihr, und steckt ihr einen Goldring mit einer Bärentatze und drei Eicheln an den Finger. Da fährt sie mit ihm hinaus, sieht in der Folge Vater und Schwestern in einem Spiegel, geht aber nicht heim, und nachdem sie ein Kind geboren und dies über drei Jahre alt ist, wird der Zauber gelöst, und der Bär in einen schönen Jüngling verwandelt. Bloß der Anfang ist gut und ächt, am Ende scheint vieles gemacht zu seyn.


Zu Jorinde und Joringel. No. 69.

Aus Heinrich Stillings Jugend I, 104-108.


Zum Okerlo. No. 70.

Das ital. huorco, das französ. ogre, Popanz. In diesem Märchen sind einzelne Züge aus dem Daumerling und Fundevogel. In der Braunschweiger Sammlung wird es S. 44-72. fast mit denselben Umständen, nur sehr weitläuftig erzählt. Die Fliehenden lassen einen Rosenstock daheim, der an ihrer Stelle antwortet; sie verwandeln sich nur einmal in einen Pfirsichbaum und eine Biene; ihren Wünschhuth, womit sie alle Zaubereien ausrichten, aber lassen sie auf dem Gipfel des Baums sitzen; sie werden zwar auf diese Art nicht von der Verfolgenden erkannt und sind gesichert, aber der Wind jagt den Wünschhut herab, so daß sie nicht wieder ihre menschliche Gestalt annehmen können. Indessen wird die Prinzessin, die den Hut zugeweht bekommt, durch die Stiche der Biene und durch das Blut, das aus

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einem abgerissenen Blatt tropft, bewegt, ihn wieder darauf zu werfen und beide sind nun erlöst. Vergl. auch No. 56. der Liebste Roland.


Prinzessin Mäusehaut. No. 71.

Ist bei Perrault das Märchen von der Eselshaut, wiewohl sehr abweichend, woran auch die Erweiterung Schuld haben mag, der Eingang stimmt dort mit der Geschichte der schönen Helene überein; besser ist, daß der Prinz den Ring in einem Kuchen findet, welchen peau d'ane gebacken hat.


Das Birnli will nit fallen. No. 72.

Mündlich aus der Schweiz. In derselben Art ist No. 30 und 80. Auch die Juden haben ein damit zusammenhängendes Volkslied, welches Wagenseil (jüd. teutsche Red- und Schreibart Frankf. 1715. 4. S. 108-110.) mittheilt, und in den Kinderliedern S. 44-47. (Wunderhorn III.) abgedruckt ist.

Ein Zicklein! ein Zicklein!
das hat gekauft das Väterlein
um zwei Schilling Pfenning:
ein Zicklein!

Da kam das Kätzlein und aß das Zicklein, das hat gekauft u.s.w.
da kam das Hündlein und biß das Kätzlein,
da kam das Stecklein und schlug das Hündelein,
da kam das Feuerlein und verbrennt das Steckelein,
da kam das Wässerlein und verlöscht das Feuerlein,
da kam der Ochs und trank das Wässerlein,
da kam der Schóchet (Metzger) und schecht den Ochsen,
da kam der Málach Hammóves (Todesengel) und schecht den Schóchet,
da kam unser lieber Herr Gott und schecht den Málach Hammoves.

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Der vorstehende Refrain ist aus einem chaldäischen Osterlied der Juden, welches sich wie auch das bei Wagenseil in Bodenschatzens kirchlicher Verfassung der Juden (II, 2. Sect. 8) findet. Herr Gräter theilt dies alles in seiner Alterthumszeitung No. 40. u. 41. 1812. unser Volkslied aber nicht ganz vollständig, mit, auch bemerkt er ein anderes jüdisches, das durch eine etwas ähnliche Manier auf dieses zu deuten scheint, indessen ergiebt sich durch das aus Wagenseil der vermuthete Zusammenhang viel näher. Die mystische Bedeutung eines Leberecht, die dort gleichfalls angeführt wird, ist uns nicht so wahrscheinlich als Herrn Gräter: das Lied scheint die Macht Gottes, als die letzte und größte darstellen zu wollen, nennt man es albern, so sind es die Mythen der Rabbiner, und im Talmud noch mehr. Interessant ist noch die ebendaselbst abgedruckte lateinische Recension des Volkslieds, welche nicht bloß an manche Studentenlieder (in dem bekannten: Laurentia schönste Laurentia mein etc., wachsen die Strophen gleichfalls immer mehr an), sondern an andere Kinderlieder erinnert, worin lateinische Brocken angebracht sind. Viele Rhein- und Mainbewohner gedenken wenigstens noch des Lieds von einem Hund, der in der Küche die Bratwurst frißt und dem der Koch den Schwanz abhaut, worin auch ähnliche Wiederholungen vorkommen.


Zum Mordschloß. No. 75.

eine Art Blaubart, aber mit anderm, auch sonst schon bekanntem Ausgang. Der Reim im Anfang erinnert auch an das Todtenreiterlied. Das Ganze aus dem Holländischen übersetzt, das wir aus dem Munde einer Fräulein aufgeschrieben haben. Hier möge das Original selbst stehen:

't Moord-Castel.

Daar was eens een Schoen-Maker, welke drie Dochters had, op een tyd, als de Schoen-Maker uyt waar, kwaam daar een Heer, welke seer goed gekled was, en welke prachtige Ekipagie hieldt,

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zu dat men hem voor seer ryk hield, er verliefde zig in een der schone Dochters, welke dacht, haar Fortuyn gemaakt te hebben, met zo een ryk Heer, en maakte dus geen Swarigheid, met hem mede te ryen; daar 't Avond wierde, toen zy vnder weges waren, vroeg er aan haar:

't maantje schynt zo hel,
myn paardtjes lope zo snel,
soete liefje rouwt 't w niet? –

ny, warom soud' 't my rouwen? ik ben immers by uw wel bewaard, – daar zy tog cenig Angst inwendig had, wyl zy in een groot Bos waren, vroeg zy: of zy haast daar waren? – „ja, segt er, fien zy dat Ligt daar in de Vernte, daar is myn Casteel;“ eindlyk qwamen zy dan daar aan, en alles was even fraay. 'S anderen Daags seid er tot haar, er moest op eenigen Daagen haar verlaten, wyl er Affairen hadt, die noodtwendig waren, maar soude haar alle Sleutels laten, met dat zy 't gansche Casteel konde door zien; van wat Rykdom zy al Meester was. Toen er vertrokken was, gink zy dvor 't gansche Huys, en vond alles es schoon, dat zy er vollig met te vreden was, tot zy eindlyk aan een Kelder qwaam, waar een oude Brouw zat, te Darm schrabben. Ey Moedertje, wat doen zy daar? – ik schrab Darmen myn Kind, morgen schrab ik uwe ook! – waar van zy so schrikte, dat zy de Sleutel, welk in haar Hand was, liet in een Pot met Bloed vallen, welk er niet goed weder af te wasschen was. Nu, seid 't oud Wyfje, is uw Dood seker, wyl myn Heer nu zien kan, dat gy in dit Vertrek geweest zyt, waar buyten hem, en ik, geen Mensch mag komen,

(men moet weten, de 2 voryge Susters op deze wyze reeds waren omgekomen)

daar op dat moment net een Wagen met Hooy van het Slot weg reed, zo seid de oude Vrouw, dit nog het cenigste middel was, om 't Leeven ie behouden, zig onder dat Hooy te versteken, en dan zo weg te ryden, 't welk zy dan ook deed; daar intuschen de Heer te Huys kwaam, vroeg er, waar de Mamsel is? O – seid de oude

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Vronw, daar ik geen Arbeid meer had, en ze morgen er tog aan moest, heb ik ze maar geslagt en hier is een Lok van haar Haar, en 't Hart, als ook wat warm Blood, de rest hobben de Honden al gevreten, en ik schrab de Darmen. De Heewaar also gerust, dai zy dood waar. Zy komt inkuschen met de Hooywagen op een naby gelegen Slot aan, waar 't Hooy aan verkogt was, en zy met uyt 't Hooy komt, en zy de gansche Saak vertelt, – en versogt wort, daar eenigen Tyd te blyven: na verloop van eenige Tyd nodigt de Heer van dozen adelyk Slot de ganiche naby zynde Edelieden op een groot Feest, en veranderen 't Gesigt en Kleding van de vreemde Mamsel, so dat iy niet gekend konde worden, myl ook de Heer van dat Moord-Casteel daar versogt was. Toen zy alle daar waren, moest een jeder een Vertelsel verhalen, thoen de Reie aan de Mamsel kmaam, verteide zy bewußte Historie. Waar by 't den zogenaanden Heer Graaf zo benaumd om 't Hert wierd, dat er met Gewalt weg wilde, waar de goede Heer van 't adelyk Huys hadt intuschen gesorgd, dat 't Geregt onsen fraye Heer Graaf in Hegtenis nam, zyn Casteel uyt roeyde en zyn Goederen alle aan de Mamsel toe eigende, welke naderhand mer de Soon des Huyses, waar zy zo good in ontfangen was, trouwde, en Jaaren lang leefde.


Zur Nelke. No. 76.

damit scheint verwandt die Redensart unter dem Volk:

„Wenn mein Schatz ein Nelkenstock wär,
setzt ich ihn vors Fenster, daß ihn jedermann jah.“


Zum Drechsler. No. 77.

nur unvollständig erhalten; schon daß das Märchen von dem Drechsler abspringt, dem auch wohl das folgende selbst begegnen könnte, ist unrecht.

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Es schlägt übrigens in die alten Sagen von hölzernen Flugpferden, Entführungen etc. ein.


Zu dem alten Großvater und dem Enkel. No. 78.

So erzählt es Stilling in seinem Leben II, 8. 9. wie wir es gleichfalls oft gehört, sonst wird auch gesagt, das Kind habe die Scherben von der irdenen Schüssel aufgelesen und sie für seinen Vater aufheben wollen. Ein alter Meistergesang (No. 83. in dem Codex den Arnim besitzt) enthält die Fabel ganz abweichend, und giebt eine Chronik als seine Quelle an: Ein alter König hat seinem Sohn das Reich abgetreten, der ihn aber lebenslang erhalten soll. Der Sohn verheirathet sich, und die junge Königin klagt über das Husten des Alten. Der Sohn läßt den Vater unter die Stiege auf Stroh legen, wo er viele Jahre, nicht besser als die Hunde, leben muß. Der Enkel wird groß, bringt seinem Großvater alle Tage Essen und Trinken, einmal friert dieser und bittet um eine Roßdecke. Der Enkel geht in den Stall, nimmt eine gute Decke, und schneidet sie in Unmuth entzwei; der Vater fragt, warum er das thue? „die eine Hälfte bring ich dem Großvater, die andere heb ich auf, dich einmal damit zu bedecken.“ (S. Wunderhorn II, 269.) Ein altfranzös. Fabliau (bei Meon 4, S. 479. 485.) weicht davon nur wenig ab: der Sohn verstößt auf Antrieb seiner Frau den alten Vater, der bittet um ein Kleid, das schlägt er ihm ab, dann um eine Pferdedecke, weil das Herz ihm vor Frost zittere. Der Sohn heißt sein Kind mit dem Alten in den Stall gehen und ihm eine geben, der Enkel schneidet sie mitten entzwei, der Großvater verklagt ihn deshalb, der Enkel vertheidigt sich aber bei seinem Vater, er müsse die Hälfte für ihn aufheben, wenn er ihn erst aus dem Haus treibe. Da geht der Sohn in sich und nimmt den Großvater in allen Ehren wieder zu sich. In Paulis Scherz und Ernst. (Dänisch: Lystig Skiem: eg Atvor S. 73.) bittet der Großvater um ein neues Kleid, der

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Sohn giebt ihm zwei Ehlen Zeug, das alte damit zu flicken. Darauf kommt der Enkel weinend und will auch so zwei Ehlen Zeug haben, der Vater giebt sie ihm und das Kind versteckt sie unter eine Latte am Dach, und sagt dann: es hebe sie da für seinen Vater auf, wenn er alt werde. Da bedenkt sich dieser eines bessern.


Zu dem Tode des Hühnchens. No. 80.

Etwas anders in den Kinderliedern S. 23-26. (Wunderhorn III.) Mit dem Ende hat Aehnlichkeit No. 18.


Von dem Schmid und dem Teufel. No. 81.

Dieses treffliche Märchen scheint eine weitverbreitete Volkssage zu seyn. Gewöhnlich erzählt man es von einem Schmid zu Jüterbock und ausgezeichnet gut dargestellt ist es in dem Deutschfranzos. der stellenweise überhaupt zu den lebendigsten Erzeugnissen der ersten Hälfte des 18. Jahrhund. gehört, befindlich. (Leipz. Ausg. v. 1736. S. 110-30. Nürnberger von 1772. S. 80-95.) Der fromme Schmied von Jüterbock trug einen schwarz und weißen Rock und hatte eines Abends einen heiligen Mann gern und freudig geherbergt, der ihm vor der Abreise gestattete drei Bitten zu thun. Er bat 1. daß sein Lieblingsstuhl hinter den Ofen die Kraft bekäme, jeden ungebetenen Gast auf sich festzuhalten, bis ihn der Schmied selbst loslasse. 2. daß sein Apfelbaum im Garten die daraufsteigenden gleicherweise nicht herunter lasse. <ERR>5</ERR><KORR>3</KORR>. daß aus seinem Kohlensack keiner heraus käme, den er nicht selbst befreite. – Nach einiger Zeit kommt der Tod, geräth auf den Sessel und muß dem Schmied noch 10 Jahre Leben schenken, wenn er herunter will; nach 10 Jahren kehrt er wieder, steigt auf den Apfelbaum und der Schmied ruft seine Gesellen, die mit Stangen den Tod jämmerlich zerschlagen; diesmal wird er nur unter der Bedingung los, daß er den Schmied ewig leben

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lassen will. Betrübt glieder- und lendenlahm zieht der Tod ab, begegnet unterwegs dem Teufel und klagt dem sein Herzeleid, der ihn auslacht und meint mit dem Schmied bald fertig zu werden. Der Schmied verweigert aber dem Teufel Nachtlager wenigstens werde die Hausthür nicht mehr geöffnet, er müsse denn zum Schlüsselloch einfahren. Das ist dem Teufel ein leichtes, allein der <ERR>Schied</ERR><KORR>Schmied</KORR> hatte den Kohlensack vorgehalten, bindet ihn alsbald zu, wie der Teufel darin ist, und läßt auf dem Ambos wacker drauf zuschmieden. Als sie sich nach Herzenslust auf ihm müde geklopft und gehämmert, wird der bearbeitete arme Teufel zwar wieder befreit, muß aber zu demselben Loch hinaus seinen Weg nehmen, wodurch er hereingeschlüft war. Aehnliche Sage geht vom Schmied zu Apolda, (vergl. Falk Grotesken 1806. S. 3-88.) der unsern Herrn sammt St. Petrus über Nacht bewirtet und drei Wünsche frei erhält. Die Wünsche, die er thut, sind: 1. daß dem, der in seiner Nägeltasche fahre, die Hand stecken bleibe, bis die Tasche zerfalle. 2. daß wer auf seinen Apfelbaum steige, darauf sitzen müsse, bis der Apfelbaum zerfalle. 3. desgleichen wer sich auf den Armstuhl setze, nicht eher aufstehen könne bis der Stuhl zerfalle. Nach und nach erschienen drei böse Engel, die den <ERR>Schied</ERR><KORR>Schmied</KORR> wegführen wollen und die er sämmtliche in die gestellten Fallen lockt, so daß sie von ihm ablassen müßen. Endlich aber kommt der Tod und zwingt ihn zum Mitgehen, doch erhält er die Gunst, daß sein Hammer in den Sarg gelegt wird. Als er sich der Himmelsthür naht, will sie Petrus nicht aufthun, da ist der Schmied her, geht in die Hölle und schmiedet da einen Schlüssel, verspricht auch im Himmel mit allerlei Arbeit nützlich an Hand zu gehen, St. Georgs Pferd zu beschlagen etc. und wird zuletzt eingelassen. – Findet sich nicht auch eine ähnliche Fabel bei Hans Sachs? Zu unserem, aus mündlichen Erzählung gegebenen Text stimmt im Ganzen am meisten das gedruckte Volksbuch, betitelt: das bis an den jüngsten Tag währende Elend, das jedoch wie es

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scheint aus folgendem französischen übersetzt ist: histoire nouvelle et divertissement du bon homme Misere. Troyes etc. Garnier. 3. S. 8, wiederum aber deuten manche Umstände auf einen italienischen Ursprung des letzteren, oder wenigstens hat sie de la Riviere in Italien erzählen gehöre Peter und Paul gerathen bei schlimmem Wetter in ein Dorf, stoßen auf eine Wäscherin, die dem Himmel dankt, daß der Regen kein Wein, sonder Wasser sey, klopfen bei dem reichen Mann an, der sie stolz abweist, und kehren zu dem armen Elend ein. Dieses thut nur den einen Wunsch mit dem Birnbaum, den ihm gerade ein Dieb bestohlen hatte. Der Dieb wird gefangen und sogar noch andere Leute, die aus Neugierde aufsteigen um den Jammernden zu befreien. Endlich kommt der Tod und Elend bittet ihn, daß er ihm seine Sichel leihe, um sich noch eine der schönsten Birnen mit zu nehmen. Der Tod will sein Waffen nicht aus der Hand lassen, als ein guter Soldat und die Mühe selbst übernehmen Elend befreit ihn nicht eher, bis er ihm zusagt, er wolle ihn bis zum jüngsten Tag in Ruhe lassen, und darum wohnt Elend noch immer fort in der Welt. Damit stimmt wieder zum Theil der Schluß einer andern mündlichen Erzählung, die sonst ganz wie der Schmied von Apolda lautet. Als Elend gestorben ist und vor den Himmel kommt, wird er von St. Petrus nicht eingelassen, weil er sich von ihm nichts besseres ausgebeten hatte, nicht das Himmelreich, wie er erwartet. Elend geht also zur Hölle, aber der Teufel will ihn auch nicht, weil er ihn genarrt, da muß er wieder zurück auf die Welt und Elend ist so lange darauf als sie steht. – Durch diesen Schluß aber knüpft sich das Märchen an die Sage von den Landsknechten, die im Himmel kein Unterkommen finden können, und <ERR>wenche</ERR><KORR>welche</KORR> Frei in der Gartengesellschaft No. 44. und Kirchhof im Wendunmuth I. No 8. erzählen. Die Teufel wollen sie nicht, weil sie das rothe Kreuz in der Fahne führen, und der Apostel Petrus läßt sie auch nicht ein, weil sie Bluthunde,

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arme Leut Macher, und Gotteslästerer wären. Der Hauptmann wirft dem Petrus seine Verrätherei an dem Herrn vor, daß dieser schamroth wird und ihnen ein Dorf Beit ein Weil (wart ein Weil.) zwischen Himmel und Hölle anweist, wo sie sitzen spielen und zechen; mit welcher Sage dann wieder viele Andere von dem St. Petrus und den Landsknechte zusammenhängen. – Endlich ist noch zu bemerken, daß Coreb und Fabel in dem lustigen Teufel von Edmonton (Tieck altengl. Theater II.) offenbar die Personen unseres Märchens sind. Das Reisen der wohlthätigen Männer durch das Dorf, wo sie von den Reichen verschmäht, von dem Armen aufgenommen werden, erinnert an die Sage von Lot und den Engeln, von Philemon und aucis bis auf viele neuere Traditionen, z.B. von einem Zwerglein, daß im Berner Oberland im Unwetter bei einem Armen einkehrte und ihn und seine Hütte vor dem nahen Untergang des Dorfs rettete. – Wegen der Intrigue vom Groß- und Kleinmachen vergleiche man das Märchen vom Blaubart.


Zu den drei Schwestern. No. 82.

Dieses Märchen wird oft gehört, aber allezeit stimmt es der Sache nach mit der auch zum Volksbuch gewordenen Erzählung des Musäus, so daß man es auch hier so finden wird. Er scheint nur die ihm eigenthümliche etwas breite Manier und die Episode von dem Zauberer Zornebock ferner die Namen hinzugethan zu haben, Reinald, das Wunderkind ausgenommen, welches der volksmäßige scheint da in den drei dänischen Liedern von <ERR>Rohmer</ERR><KORR>Rosmer</KORR> dem Meermann (Kämpe-Viser S. 152-160. Uebersetzung 201-206.) die einen Theil des Märchens enthalten der Bruder einmal Roland heißt, und beide Namen äußerliche Aehnlichkeit haben. Auch sonst ist aus Musäus beibehalten was noch volksmäßig schien. Li tre' rri anomale im Pentamerone (IV. 3.) gehört hierher.

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Zu dem armen Mädchen. No. 83.

Nach dunkeler Erinnerung aufgeschrieben, mögte es jemand ergänzen und berichtigen. Jean Paul gedenkt seiner, unsichtb. Loge I, 214. Auch Arnim hat es in den Erzählungen S. 231. 232. benutzt.


Zu der Schwiegermutter. No. 84.

Stimmt überein mit einem Theil von Perraults la belle au <ERR>boy</ERR><KORR>bois</KORR> dormant. – In Pentamerone V. 5 (sole, luna e talia) läst eine <ERR>eifersichtige</ERR><KORR>eifersüchtige</KORR> Frau gerade so den Koch rufen, um ihre Nebenbuhlerin, sammt ihren Kindern zu kochen. Der Eingang aber ist hier wie in Dornröschen von der gefährlichen Spindel, und besonders schön und neu der Uebergang beider Geschichten in einander.


Zu den Fragmenten. No. 85.

a) Ein französ. Volksmärchen, perceneige, (Frühlingsblume, Schneeglöcklein, Primel neulich in ein Gedicht: Thibaut ou la <ERR>naissane</ERR><KORR>naissance</KORR> du comte de champagne. Paris 1811. pag. 97. 98. verflochten. b) Erinnert an eine Variante zu Droßelbart. Das Ganze vollständig im Pentamerone I, 5. la polece. c) Dieses Märchen erinnert sich Karl Graß in seiner Kindheit in Liefland von einer deutschen Amme, die Marie hieß, erzählen gehört zu haben. Er hat daraus ein Gedicht in 12 Gesängen gemacht, welches schwerlich dem Märchen beikommen wird. S. Erheiterungen 1812. Stück 5, 391-393. d) In der 1001. N. von der kupfernen Lampe, die auch aus Dummheit gegen eine neue gegeben wird. Einigermaßen verwandt ist auch das Fabliau vom Sperber den die Tochter kauft, während die Mutter zur Kirche ist.


Fuchs und Gänse. No. 86.

ein Vexiermärchen, das man auch zuweilen erzählen hört, statt des gewöhnlicheren vom Schäfer,

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der viel hundert Schafe über einen breiten Fluß setzen will, in einem kleinen Nachen, worin jedesmal nur ein einziges Platz hat. Dieses hat bekanntlich in dem Don Quixote I. cap. 20 Cervantes vortrefflich angebracht, und Avellaneda in seiner Fortsetzung cap. 21. es durch ein ähnliches von Gänsen, die über eine schmale Brücke gehen überbieten wollen. An sich ist es viel älter, die novelle antiche n. XXX. erzählen es schon und noch früher das altfranzös. cartoiment (fabliaux ed. Meon. 11, 89-91.) – eine ähnliche Idee liegt dem <ERR>demadischen Redner</ERR><KORR>Redner Demades</KORR> Aesops zu Grund (Furia 54. Coray 178.)


Einiges aus dem Kinderglauben.


1) Wenn ein Brüderchen oder Schwesterchen geboren wird, und die Kinder fragen, woher es gekommen sey? so sagt man ihnen: aus dem Brunnen, da hole man sie heraus. Gewöhnlich ist aber an dem Ort ein gewisser Brunnen, auf den man verweist, und wenn sie hineingukken, sehen sie ihre eignen Köpfe unten im Wasser und glauben desto mehr daran. Oder man sagt: ein Engel bringe sie, und der habe zugleich das Zuckerwerk mitgebracht, das ihnen bei der Kindtaufe oder vorher gegeben wird; gewöhnlich sind es bunte Zuckererbsen Oder: der Storch fische die Kinder im Wasser und bringe sie in seinem rothen Schnabel getragen, darum wird er angesungen:

Klapperstorch, Langbein,
bring meiner Mutter ein Kind heim,
leg es in Garten,
will es fein warten,
legs auf die Stiegen!
will es fein wiegen.

Oder auch niederdeutsch:

Ebeer, Langbeen
wenneer wult dn to Lande teen etc.

Der Name des Storchs Adebar, bedeutet vermuthlich Kindträger, von baren, tragen und andere erklären Oudevar durch: alter Vater. Unter

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den Nürnberger Spielwaaren ist der Storch mit dem Wickelkind im Schnabel sehr häufig. Bronner erzählt in s. Leben (Zürch. 1795. I, 23. 24.) „da fragte ich meinen Vater einst bei Tische: wo ist denn unser Brüderlein hergekommen?“ die Hebamme saß auch dabei. Diese Frau da, sagte er, hat es aus dem Krautgarten hereingebracht, du kannst noch heute den hohlen Baum sehen, aus dem die kleinen Kinder immer herausschauen, die man denn abholen läßt, sobald man ihrer verlangt, u.s.w. Es war eine hohle Weide an einem Teich, Bronner schaute hinein und sah den Knaben im Wasser, sein Vater hieß ihn rufen: Buben, wo seid ihr? und er zweifelte nicht mehr. In einem Kinderlied:

„die andere geht ans Brünnchen
und finde ein goldnes Kindchen.“

2) Wenn man Papier verbrennt, giebt man Acht, wie die Funken auf dem schwarzen herumgeben und nach und nach verschwinden, besonders auf den allerletzten. Man sagt: das seyen die Leute die aus der Kirche gingen, und der letzte sey der Glöckner, (Küster der die Thüre zuschließe, Französ. que <ERR>l'est</ERR><KORR>c'est</KORR> l'abbesse, qui fait coucher les nonnains.)

3) Wenn die Kinder Abends vor Müdigkeit mit den Augen blinzen und gleichwohl noch gern wach blieben, aber nicht können, heißt es: das Sandmännchen kommt! Baierisch: Pechmännchen (Schmidt westerwald. Id. Schütze, im holstein. Id. 4. p. 34) meint es sey aus Sämännchen entstellt, wie Sandsaier, aus Saatsaier: „de Saatsaier kumt,“ wenn einer schläfert, und still ist, wie im stillen Wetter gesät wird. Offenbar gezwungen. Nach der griech. Mythe sprengt der Schlaf Lethewasser in die Augen (wie dort Sand), und weht mit seinen Flügeln, bis man entschläft. Bei Zeus setzt er sich auf die höchste Tanne des Ida in das stachelvolle Gezweig.

4) Frisches Brod aus neuem Korn heißt Haasenbrod, und der Haase hat es im Wald gebakken. Wenn auf den Bergen Nebel liegt, so ist es der Rauch aus seiner Küche: „der Haas kocht.“

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5) Fällt Schnee, so sind es Federn aus dem großen Bett, das dem lieben Gott aufgegangen ist; oder Frau Holle macht ihr Bett. Hierzu gehört eine merkwürdige Stelle Herodots (Melpom. c. 7. und 31.) wonach bereits die alten Skythen den schneienden Himmel voller Federn glaubten. Vom wehenden Schneien in großen Flocken: „Müller und Becker schlagen sich einander.“ (I. Paulus Fixlein p. 91.) Der Schnee ist Mehl. Hier wird vielleicht eine Stelle Rumelands (alt Meistersgesangbuch CCCXXII.) klar:

swan so der sne gevallen ist, so hor ich das vil dicke
man sprichet: gib den wynden brot, er hat gesnyget!
swer syne guten wynde laz in hungernot verderben den sumer lang,
der mac des winters in dem sne vil lutzel mite ir (? in) erwerben, ir macht ist krank.

soll hier der fallende Schnee das Mehl bedeuten, woraus man den hungrigen Winden Brod backen solle? Daß die Winde hungrig, vielfressend sind, erhellt aus der nordischen Mythe, Vafthrudnismal 37; der Wind heißt Hräsvelgr, cadaverum lielluo (svelgia, schwelgen, svelta, hungern) oder vielmehr: er kommt aus den Adlerflügeln des Hräsvelgr. Er ist also ein Vogel und dies bestätigt der latein. Name aquilo, der nach Festus a vehementissimo volatu ad instar aquilae benannt wird, im Grund aber der Adler selbst ist, denn wie dieser der Vögel König, so ist aquilo der Winde König. Besondere Erläuterung gewährt aber, was Prätorius in s. Weltbeschreibung 1, 429 berichtet: „zu Bamberg in Franken zur Zeit eines starken Windes hat ein alt Weib ihren Mehlsack in die Hand gefaßt, und denselben aus dem Fenster in die freie Luft nebenst diesen Wörtern ausgeschüttet:

lege dich, lieber Wind,
bringe das deinem Kind!

sie wollte hiermit den Hunger des Windes stillen, da sie glaubte derselbige wüthe darum, wie ein fräßiger Löwe, oder ein grimmiger Wolf.“

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In der Rockenphilosophie p. 265. „wenn der Wind sehr wehet, so kann man solchen stillen, wenn man einen Mehlsack ausstaubet und darzu spricht:

sieh da Wind,
koch ein Muß für dein Kind!“

Fischart, im 14. Capitel, von der Jugend des Gargantua führt folgendes an: die Wolken sind Wolle oder Blumendolder (wie man eine gewisse Art weißer Wolken Lämmerchen nennt), das Gewölk Spinnweb oder Schynhut (?), der Schnee Mehl (so der Mehlthau), die Schlosen Zuckererbsen, die Wasserblasen Laternen, (Rabelais IV. 5. läßt den Hagel aus einem Land Lanternois kommen), man schöpfe die Kinder aus dem Brunnen; es all noch eins vom Himmel: der Storch bringe roche Schuh mit; wann die Wolken fallen, konne man alle Lerchen sehen; wann den Kindern hungert: die Frösche murrten in ihrem Bauch (stomachus latrat). (Nach Schütze pflegt man auch zu sagen: Jung iß, sonst kommt der Hund und frißt dir deinen Magen weg.)