Berthold Schwarz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: August Schnezler
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Berthold Schwarz
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 374–377
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[374]
Berthold Schwarz.[1]

Wer kennt die schöne Freiburg nicht
Mit ihrem hehren Dome,
Der mit ernstheiterem Gesicht
Steht in der Zeiten Strome?

5
An gläubigre Vergangenheit

Für uns die beste Mahnung,
Doch vorwerts blickend in der Zeit,
Voll sorgentrüber Ahnung.

Bei seiner Glocken vollem Ton

10
Umwehn mich alte Sagen;

Vergönnts dem Sänger, euch davon
Heut eine vorzutragen!
Ich will zurück euch führen weit
Ins Franziskanerkloster,

15
In stiller Zellen Einsamkeit

Und Mauern, graubemooster.

In dem Laboratorium
Voll Tiegel und Phiolen,

[375]

Umstellt mit Büchern ringsherum,

20
Schürend des Heerdes Kohlen,

Sitzt Bruder Berthold, eingewiegt
In grübelnde Gedanken,
Doch jeder Blick des Geistes fliegt
An allzuhohe Schranken.

25
Er forschet wohl mit heißem Fleiß

Nach der Natur Bekanntschaft,
Er sucht in aller Wesen Kreis
Geheime Wahlverwandtschaft;
Der Elemente herben Kampf

30
Zur Harmonie zu gleisen

Und, unter Qualm und Ofendampf,
Umsonst den Stein der Weisen.

Er sucht umsonst die Goldtinktur,
Es will ihm nicht gelingen

35
Dem Zaubermeister der Natur

Den Schlüssel abzuringen;
Er stampft im Mörser ämsiglich
Salpeter, Kohlen, Schwefel,
Und rief’ den Teufel gern zu sich,

40
Wär’s nur kein solcher Frevel. –


Nun schürt die Glut er wieder frisch,
Daß alle Funken spritzen,
Und einer springt in das Gemisch
Und plötzlich jagt mit Blitzen

45
Die Mörserkeul’ ein Donnerschlag

An des Gewölbes Decken;
Geschleudert auf den Boden lag
Der Mönch im Todesschrecken.

Und als er wieder schwankt empor,

50
Ists ihm, als ob er träume,

Durch des zertheilten Rauches Flor
Schaut er in ferne Räume;
Und deutlicher stellt sich ihm dar
Ein schauerlich Gebilde:

[376]
55
Es drängen Krieger, Schaar auf Schaar,

Sich auf ein Schlachtgefilde.

Aus Rohrgewehren knallen sie
Sich Blitz um Blitz entgegen,
Und todesröchelnd fallen sie

60
Von einem Kugelregen;

Er sieht, auf Rädern hergeschafft,
Viel Mörser, deren Mündung
Spie Globen aus mit Donnerkraft
Vulkanischer Entzündung.

65
Wo das Geschoß hinwetterte,

Da riß es Reihen nieder,
Er lagen rings zerschmetterte
Zuckende Menschenglieder;
Es stürzten Felsenburgen ein

70
Zertrümmert unter Bomben,

Die Fluren wurden Wüstenei’n,
Die Städte Catakomben.

Da schritt der Tod im Riesengang
Das Leichenfeld hinüber,

75
Die Sense triumphierend schwang

Nach Berthold er herüber
Und rief ihm zu: „Wie bin ich dir,
O Mönch! so sehr verbunden,
Daß du ein solches Elixir

80
Zu meinen Diensten erfunden!“


Und als das Bild verschwunden war,
Kniet Berthold in der Zelle:
„Als Alchymist war unsichtbar
Der Teufel mein Geselle!

85
In diesem Pulver war mir nah

Der Hölle schwarzer Samen;
O Gott verhüte, was ich sah!
Gib mir nicht Schuld dran, Amen!“

A. Schzlr.

  1. [376] Drei teutsche Städte streiten sich um die Ehre, die Heimath des Pulvererfinders zu seyn. Von Köln aber und Goslar ist wohl kaum zu [377] reden, da für Freiburg nicht nur die ältesten Sagen, sondern selbst urkundliche Data sprechen. Es lebte schon während des 14. Jahrhunderts die Familie Schwarz zu Freiburg, wo sie noch heute fortblüht, und selbst jener zweite Namen des räthselhaften Pulvererfinders, Anklißen, war daselbst einheimisch.
    (Vergleiche Joseph Baders: „Freiburg und seine Umgebungen.“ Ein Handbuch für Reisende. Freiburg, 1838. Herder S. 31.)