Beschreibung des Oberamts Crailsheim/Kapitel B 14

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14. Ober-Speltach,
Gem. III. Kl. mit 681 Einw.; 1. Ober-Speltach, Pfarrdorf, 430 Einw., wor. 1 Kath., Fil. von Crailsheim; 2. Bonolzhof, Weiler, 23 Einw., wor. 1 Kath.; 3. Burgberg, Hof, 3 Einw.; 4. Hilpert, Hof, 13 Einw.; 5. Neuberg, Haus, 11 Einw.; 6. Steinehaig, Weiler, 52 Einw. wor. 1 Kath.; 7. Waldbuch, Weiler, 149 Einw. Parz. 4, 5 und 6 ev. Fil. v. Stöckenburg.

Der Ort liegt am Lind- oder Lanzenbach kurz vor der Einmündung des Buchbach, die nun beide vereinigt die Speltach bilden, in einer durch den Burgberg und seine Ausläufer nach Norden und Westen geschützten Lage. Die Speltach tritt zuweilen aus und verursacht im Sommer auf den Speltachwiesen einigen Schaden. Dem Bach entlang läuft die Hauptstraße. Der ziemlich weitläufig angelegte Ort ist freundlich, mit manchen alten, von Gärten umgebenen Holzhäusern. Besonders ist das Wirthshaus ein alter Bau mit schöner Holzdecke und Holzvertäfelung in den Zimmern. An einem Haus steht die Inschrift:

Ich laß alles von mir sagen,
Ich laß mich hier und dort verklagen,
Ich halte mein Gewissen rein,
Ich weiß, Gott wird mein Beistand sein.

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Der Bach theilt den Ort in die nordöstliche markgräfliche und in die südwestliche hällische Hälfte. Mitten im Dorf steht die kleine Kirche zu St. Matern, ursprünglich als Kapelle | 1420 erbaut, 1634 niedergebrannt, s. u., 1643/44 neu aufgebaut, aber 1728 wegen Engräumigkeit und Baufälligkeit abgebrochen und entsprechend jener Zeit in nüchternem Geschmack als Betsaal wieder aufgebaut. Vom ursprünglichen Bau hat sich nur der untere Theil des niedern, erst vier-, dann achtseitigen Thurms mit plumpem Gurtengewölbe und dicken Mauern erhalten. An der Ostwand des Schiffes, das durch die breiten Emporen und den Orgeleinbau im Westen verdüstert ist, stehen Altar und Kanzel übereinander. Die 3 Glocken sind 1862 von König in Langenburg gegossen. Nach dem Brand 1634 ließ die Gemeinde Honhardt ein Glöcklein, 2 weitere ließen die Ober-Speltacher 1663 von Stephan Bruncler und Joh. Arnold gießen (Örtl. Urkunden). Die Kirche besaß einen alten Abendmahlskelch, dessen Kuppa weit und flach ist (jetzt im Museum vaterländischer Alterthümer in Stuttgart). Der Knauf hat 6 Vorsprünge mit 6 theilweise sehr charakteristischen Gesichtern. Auf dem Fuß sind 6 halberhaltene Medaillonbilder mit Scenen aus dem Leben Jesu. Der Rand hat die Inschrift: HEINR. DECAN. ONOLSPACEN. ME. OBTULIT (Dek. Heinrich in Onolzbach 1299–1328). Die Kirche ist von der Kirchengemeinde zu unterhalten. Der Gottesacker, der ursprünglich bei der Kirche lag, wurde später östlich von derselben angelegt, mußte aber wegen Feuchtigkeit 1836 aufgegeben werden und liegt nun nördlich vom Ort auf der Höhe. Ein Pfarrhaus ist nicht vorhanden, dagegen wird ein Baufonds zur Erbauung eines solchen gesammelt. Das neben der Kirche gelegene 1821 erbaute Schulhaus ist feucht und düster und seiner Bestimmung wenig entsprechend. Es enthält ein Lehrzimmer und die beschränkte Wohnung des einen ständigen Lehrers. Das Rath- und Spritzenhaus unweit des Schulhauses wurde 1859 zugleich als provisorische Wohnung des augenblicklich mangelnden Pfarrverwesers erbaut. Nördlich vom Dorf auf einer Anhöhe steht die alte Zehntscheuer mit 2 württembergischen Wappen, dem des Herzogs Ludwig und dem einfacheren des Herzogs Johann Friedrich, mit der Inschrift J. F. H. Z. W. 1614 geschmückt. Ein Armenhaus und Schafhaus ist vorhanden. Je eine steinerne Brücke führt über den Buchbach und den Lanzenbach. Daneben sind 5 hölzerne Stege vorhanden, welche sämmtlich von der Realgemeinde zu unterhalten sind. Die einzige Vizinalstraße geht von Waldbuch über Ober-Speltach an die Kronprinzenstraße nach Crailsheim.

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| Die Quellverhältnisse sind nicht ganz günstig. Die nicht sehr zahlreichen Quellen führen hartes Wasser. Es sind 30 Pump- und 8 Zieh- und Schöpfbrunnen vorhanden.

Der Vermöglichste besitzt 19–22 ha, der Mittelmann 7,8 bis 11 ha, die Ärmeren 1,26–1,9 ha. Von Handwerkern sind Schuhmacher und Leineweber am stärksten vertreten. 2 Schildwirthschaften, darunter eine mit Brauerei, und 3 Krämer dienen dem Verkehr. Die verhältnismäßig große wohlabgerundete Markung hat mittelfruchtbaren, theilweise lehmhaltigen, seichtgründigen Boden, der im Thale schwer, auf der Höhe leicht ist. Das Klima ist ziemlich rauh, Frühlingsfröste und kalte Nebel sind nicht selten, dagegen Hagelschlag sehr selten. Die Landwirthschaft ist gegen früher bedeutend fortgeschritten. Die Hauptfrüchte sind Dinkel und Haber; auch Gerste und Roggen und etwas Einkorn wird gebaut. Der Wiesenbau ist ausgedehnt. Das Futter ist mit Ausnahme von einigen Stellen am Lanzenbach und beim Bonolzhof gut. Die Obstzucht nimmt zu. Doch geräth das Obst wegen der Frühlingsfröste nicht gerne. Man zieht vorzugsweise rauhe Sorten. Die Gemeinde besitzt eine Baumschule, auch ist ein Baumwart angestellt.

An Wald besitzt die Gemeinde 116 M. gemischtes Holz, lauter junger Aufwuchs mit geringem Ertrag. Der Wald ist jedoch unter die Realgemeindebürger vertheilt. Zur Weide dienen die Allmanden, Brach- und Stoppelweide. Das Weiderecht wird von den berechtigten Realgemeindebürgern ausgeübt, welche auch den Ertrag der Pferchnutzung mit 600 M. unter sich vertheilen. An Gütern besitzt die Realgemeinde 4 M. Wiesen, die jährlich ca. 200 M. Pacht abwerfen.

Die Pferdehaltung ist bedeutend, aber die Pferdezucht äußerst gering; die Rindviehzucht in gehobenem Stand. Auch die Viehmastung ist bedeutend. Der Absatz geht an die Handelsleute und an die Metzger in Crailsheim. Die Gemeinderechtsbesitzer halten im Sommer 400, im Winter 200 Stück Lammschafe. Die Wolle wird theils für das Haus gebraucht, theils an die Israeliten verkauft. Die Lämmer werden von den Händlern aufgekauft. Die Schweinezucht ist belangreich. Die Ferkel kommen auf den Schweinemarkt in Crailsheim. Mastschweine werden in ziemlicher Zahl verkauft, aber auch fürs Haus geschlachtet.

Einige Armenstiftungen, darunter je 171 M. von Kasp. Eberhardt und G. Haag, sind vorhanden.

| Alterthümer: Über Burgberg und Neuberg und die abgegangenen Orte s. unten. An den Besitz der Herren von Kirchberg erinnert die Flur Kirchberg. An der Kirche steht ein Steinkreuz zur Erinnerung an einen im 30jährigen Krieg erstochenen Schullehrer, s. unten. Von Flurnamen sind noch zu nennen: Bubenhölzle, Lindrain, Wolfsberg bei Oberspeltach, bei Bonolzhof Einbühl, Hengstnest und Wasserrath bei Neuberg und Spaningersbrunnen, bei Steinehaig Hanglich.


Ober-Speltach, von Speltach vielleicht dem Wasser an einem Spelter, Holzkeidel d. h. der von Buchbach und Lanzenbach gebildeten Landzunge, wenn nicht von dem ahd spildan ausgießen (Buck Flurn.), ohne Zweifel zur Herrschaft Flügelau gehörig, wurde später ein Ganerbenort. Von einzelnen Herren, die hier Besitz hatten, sind zu nennen:

1. Die von Dinkelsbühl. 1330 verkaufte Ulrich v. D. ein Gut zu O. an den Spital zu Dinkelsbühl. Reg. boic. 6, 316. 2. von Hornburg. Herdegen v. H. und Adelheid v. Bieringen s. Gattin, Barbara v. Merckingen, We. Hochbrands v. H., verkaufen ein Gütlein, das Bonland, zwischen Ober-Speltach und Buch an das Kl. Anhausen. St.A. 3. Die Müller v. Scheffau. Hans Müller verkauft 13 . . 1 Wiese an die Frühmesse zu Stöckenburg. St.A. 4. Die Rot. 1442 verkauft Hermann R. sein Erbgütlein zu O. an Ulrich Butz, der es 1447 an den Spital in Crailsheim verkaufte. Cr. Akt. 5. Die Vellberg. 1500 kaufte Marg. v. Ahelfingen, We. Wilhelms von Vellberg ein Gut von Hans Kolsen. St.A. Durch Tausch gegen Güter in Unterfischach erhielten die Vellberge (wann?) Güter von den Schenken von Limpurg, deren Besitz in Ober-Speltach ursprünglich bedeutend gewesen sein muß. 1574 trat Schenk Friedrich 3 Güter an Brandenburg ab gegen 3 zu Ober-Sontheim. 1732 hatte Limpurg-Sontheim noch 2 Güter. Von geistlichen Korporationen waren besitzberechtigt: 1. Kl. Anhausen s. oben, welches das Bonland 1446 an die Heiligen-Pflege zu Ober-Speltach verkaufte. 2. Der Spital zu Crailsheim s. ob. 3. Die Brüderschaft zu St. Johannis dort, welche 7 Tagwerk Wiesen im Lanzenbach 1492 von Konz Goltschmid erkaufte. 4. Der Spital in Dinkelsbühl s. oben. 5. Die St. Anna-Pfründe im Kerner zu St. Michael in Hall, welcher der Rath zu Hall 1446 eine Wiese übergab. 1732 hatte Brandenburg 10 Güter, Hall 6, ursprünglich vellbergisch und 4 des Amtes Honhardt, Dinkelsbühl 1 und der Heilige zu Speltach 1. Die württembergischen | Zehntrechte stammten vom Stift Möckmühl s. Honhardt. Das sogen. alte Haus war ein Freihaus. 1531 Mont. n. Kantate wurde eine Gemeindeordnung erlassen (Örtliche Akten). Im dreißigjährigen Krieg hatte der Ort schwer zu leiden. 1623 im April lag ein Kapitän Booß im Quartier (Honh. Kb.). 1632 brachte Kapit. v. Gemmingen vom hohenlohischen Regiment 200 Stück Vieh aus Bayern, die nach Neuenstein geliefert werden sollten. Seine Soldaten hielten bei dem Vieh auf dem Feld schlecht Wache. Die Bürger von Ober- und Unter-Speltach, Stetten und Gründelhardt entführten einige Stücke. Als nun v. Gemmingen im September mit seiner Kompagnie zurückkehrte, drohte er dem Dorf mit Brand und Plünderung, nahm 2 Bürger gefangen und forderte eine große Summe Gelds (Cr. Akten). Am 1. Sept. 1634 wurde der 86jährige Meßner von den kaiserlichen Reitern durch den Schenkel geschossen († 14. Sept.) und am 3. Sept. ein Mann im Obersp. Wald getödtet (Kb. v. Honh.). Am 4. Sept. brannte die Kirche mit dem Dorfe, bis auf ein Haus nach der Sage, nieder.

1640 lag das Neunecksche Regiment im Quartier, 1675 16. Febr. Soldaten vom Regiment Lanbach unter Kapit. Dietfurt, 1725 27. Juni das Reg. Prinz Eugen v. Savoyen in O., Gründelhardt, Stetten, Brunzenberg, Banzenweiler.

Kirchliches. Ober-Speltach war Filial von Honhardt. 1420 erscheint die Kapelle zu St. Matern (nach dem Bericht v. Pf. Wiedmann v. 1643 St. Veit). 1421 aber Sonntag nach Joh. Bapt. beurkundet Eberhard, B. v. Sebaste, Weihbischof v. Würzburg, daß er die Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria, der 4 Evangelisten, Maria Magdalena, St. Matern und Sigismund geweiht habe. Cr. Urk. Der Frühmesser von Honhardt hielt den Gottesdienst, nach der Reformation aber der Schulmeister von Honhardt allsonntäglich den Katechismus-Gottesdienst.

1706 aber trennte Hall unter dem Widerspruch von Brandenburg O. mit Waldbuch von Honhardt und setzte einen eigenen Vikar, der in des Pfarrbauern Haus wohnte, ein. Burgberg kam erst in diesem Jahrh. von Roßfeld zu O., das gegenwärtig eine mit der Pfarrei Gründelhardt verbundene Pfarrverweserei bildet.

Zur politischen Gemeinde gehören:

1. Bonolzhof, ein hart bei Waldbuch auf der Höhe über dem Buchbach gelegener Hof mit 2 Häusern, ist vielleicht | der auf dem oben bei Ober-Speltach genannten Bonland angelegte Hof (Bonlandshof, in den Akten und Kirchenbüchern bald Bonelts-, bald Bonetz- und Bonazhof), hieß früher „zum Steg“ und gehörte zum Amt Honhardt, dessen Geschicke der Hof theilte. 1592 wurde der Bauer Lor. Heinold „zum Steg oder Bonolzhof“ wegen eines Wegs zur Waldbucher Hut im Eichenberg mit der Gem. Waldbuch vertragen. St.A. B. war früher Filial von Stöckenburg.

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2. Burgberg, heutzutage nur noch ein Forsthaus auf der Höhe des Burgbergs, jener Bergkuppe, welche weithin in Franken ein Wahrzeichen und eine Wetterscheide bildet. Ursprünglich wahrscheinlich schon ein altgermanischer Opferplatz (s. o. bei den Alterthümern) und Zufluchtsort in Kriegszeiten, wovon seine großartige Terrassirung und die auf der „Hofstatt“ gefundenen Säbel und Hufeisen Zeugnis geben, vereinsamte der Berg im tiefen Wald und hieß vielleicht der Buchberg oder Hohenbuch. Als nun um die Mitte des 15. Jahrhunderts der Wunderglaube auf’s neue Kraft in den Gemüthern gewann und z. B. zur Stiftung des Klosters zur Nessel bei Heilbronn Anlaß gab, entstand auch eine Wallfahrt auf den Burgberg wie bald darnach auf den Einkorn bei Hall. Ein Hirte, der in den Gipfeln einer „gezwieselten“, d. h. gegabelten Buche Wasser fand, glaubte eine wunderthätige Quelle in der Buche entdeckt zu haben. Die Quelle sollte besonders gegen Augenleiden helfen. Man baute zu Ehren der Maria eine Kapelle, welche zur Pfarrei Roßfeld gehörte. Dieselbe erscheint von 1473 an in den Urkunden. 1473 erwarb sie ein Gut zu Bronnholzheim von Hans Roßler, 1478 ein G. Gült auf einem Gut zu Wallhausen. Cr. Urk. 1490 vertrugen die Heiligenpfleger U. L. F. von Burgberg Schwan v. Crailsheim mit Hans Hohenstein wegen eines Guts zu Rüddern. 1494 gaben die Markgrafen Friedrich und Sigmund dem Gotteshaus 10 Morgen Holz auf dem Burgberg statt 10 Morgen auf dem Muckenmad. 1499 stiftete Agathe v. Berlichingen, We. Bernhards v. Berl., einen Jahrtag. St.A. In demselben Jahr war die Kapelle schon so wohlhabend, daß man einen eigenen Priester anstellen und die Frühmesse mit Einkünften in Bölgenthal, Beurlbach, Appensee, Wallhausen und Waldthann dotiren konnte, während bisher nur ein Bruderhaus oben stand. Stieber S. 668. 1504 7. Febr. bestätigte B. Lorenz diese Stiftung eines sacerdotium sine cura (ohne Seelsorge). | Neben dem Priesterhaus und der Kapelle entstand ein Wirthshaus und ein Badhaus. Man sagte, wenn die Zahl der Wallfahrer im Wirthshaus keinen Raum mehr fand, habe man auch die Kapelle zur Wirthschaft benützt. In der Reformationszeit schloß sich der Kaplan Balth. Weisung der neuen Lehre an. Auf Bitten des Pfarrers Ad. Weiß wurde der Kaplan 1534 nach Crailsheim versetzt, die Burgberger Gefälle dienten später zur Gründung der Kirchhofs-Kaplanei. Die Wallfahrten hatten schon 1521 ein Ende genommen. Die Kapelle zerfiel allmählich. Doch hielt der Pfarrer von Roßfeld noch alljährlich eine Kirchweihpredigt unter freiem Himmel oder in dem Bauernhaus, das südlich vom Forsthaus stand. Man setzte einen Streifer oder Wildmeister auf den Burgberg. An der Stelle der Wunderquelle wurde ein 125′ tiefer Brunnen angelegt. Die Einfassung desselben trägt die Jahrszahl 1629.

Von dem Wildmeister Jakob Schweicker ist noch ein Grabstein vorhanden, der einst auf dem Gottesacker bei der Kapelle stand, mit der Inschrift: Den 20. Dezember (1586 Kb. von Roßfeld) zwischen 6 u. 7 früh morgens ist in Gott selig entschlafen der ehrbar und gottesfürchtige Jakob Schweicker, Forst- und Wildmeister auf dem Burgberg in die 43 Jahr, seines Alters 65 Jahr .... 21. A. .... 1720/21 wurde für den Wildmeister eine Wohnung in Maulach erbaut. Das jetzige einstockige Forsthaus ist 1746 entstanden. 1622 wurde eine Frau aus Gründelhardt von 2 Soldaten auf dem Burgberg überfallen, schändlich mißhandelt und getödtet. Kb. v. Roßfeld.

3. Hilpert, ein einsamer Hof mit 2 Häusern am Berghang über dem Bühlerthal, eine Enclave im OA. Hall, gehört seit alter Zeit zur Pfarrei Stöckenburg. Der Hof hieß Heilbrecht (Hildebrecht) und war hohenlohisches Lehen, das 1348 Heinrich Hefner (von Sontheim) innehatte, H. Arch. 1, 335. 1536 verlieh Graf Wolfgang v. Hohenlohe die Beholzung zu Altdorf, Prunkling, Kuelitte und an der Hilbrechtshalde. Aus dem Besitz der Vellberg kam H. an Hall. Hilpertsweiler, wo Herm. Prell um 1350 2 „Gütlach“ als hohenlohisches Lehen hatte, H. Arch. 1, 348 und die Schenken v. Geyern einen Hof, Limpurger Lehen, von den Herren von Haldermanstetten erkauft hatten, W. F. 8, 497, ist im Landgericht Feuchtwangen Gem. Unterampferach.

| 4. Neuberg, Hof, eine Enclave im OA. Hall auf einem Bergvorsprung, der ins Bühlerthal jäh abfällt, von Nord und Süd durch 2 tiefe Waldschluchten schwer zugänglich gemacht, war einst eine stattliche Burg, deren Ruinen noch 1550 in alter Höhe sich über dem Bühlerthal erhoben, Widm. Chronik. Auch der Keller war wohl erhalten. Jetzt ist die Area der Burg, „der Schloßbuck“ westlich von dem Bauernhof, noch wohl erkennbar, von Graben und Wall sind noch einige Spuren erhalten. Der letzte Mauerrest wurde 1845 abgebrochen. Man findet aber zahlreich Steinkugeln, Pfeile, Hufeisen, Thürschlösser.

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Nuwenburg, die neue Burg, vielleicht Gegensatz zu Vellberg, wohin der Hof eingepfarrt ist, war nicht der Sitz der Herren von Thalheim, OA.Beschr. Hall S. 264. Nach Herolt hatten die auf Neuenburg gesessenen Herren ein Wappen mit den Herren von Anhausen, Buch und Klingenfels, nemlich einen schwarzen stehenden Löwen mit offenem Rachen und den Schwanz zwischen die Hinterbeine geschlagen im goldenen Feld, Herolt S. 22, während eine alte Haller Chronik ihnen den Vellbergischen Flügel gleich denen von Klingenfels gibt. In den Urkunden erscheint Neuenburg 1357 im Besitz Ulrichs des Tauben von Crailsheim, W. F. 4, 277. Die Burg war bayrisches Lehen, das 1376 die Herren von Kirchberg besaßen. Da diese der Lehensmuthung nicht rechtzeitig folgten, so gaben sie die Herzoge Stephan, Friedrich und Johann von Bayern 1376 Gottfried v. Hohenlohe zu Lehen, Hans. 1, 146 ff. Doch bekam Raban v. Kirchberg gegen Verzicht auf Kirchberg 1377 die Burg wieder, OA.Beschr. Gerab. 251. Noch 1416 wurde Ad. v. Kirchberg durch Ludwig von Oettingen Namens des Herzogs Ludwig von Bayern mit N. belehnt, Reg. boic. 12, 229. Doch waren auch andere Geschlechter in N. angesessen. 1391 Hugo v. Willenholz, Jung Misc. 2, 101. Wib. 2, 151. Wilh. v. Bebenburg, sen. und jun., auf deren Güter zu N. Ulrich Kudorfer Anleitung bekam, St.A. Zu welchem Geschlecht Rudlin v. Niwberg gehört, der 1410 bekennt, daß er kein Recht an das Gut und die Schenke zu den Müllin (Willa OA. Ellw.) habe, ist noch nicht festzustellen, St.A. Das Schloß scheint in der Fehde zwischen Hall und den Bebenburgern 1443/44 eine Rolle gespielt zu haben, wobei die Bürger von Crailsheim einen Zug (zur Hilfe von N.?) zu machen hatten. In den Bauamtsrechnungen von 1443 erscheint ein Posten „für die Rayß vor Neuenburg“. Aktenmäßig läßt sich noch feststellen, daß N. im 16. Jahrhundert den Vellberg | gehörte. Wolf v. Vellberg verkaufte N. um 1550 an einen Bauern von Thalheim. Mit den Vellbergischen Gütern kam N. an Hall, das 1667 für den Zehnten zu N. 5 Kopfstücke bekam, St.A., s. übrigens Steinehaig.

5. Steinehaig, 1357 Steineheg, 1603–56 Steinehaag, im Gegensatz zu dem „mit Flechtwerk“ geschützten Spaichbühl der mit Steinen eingehegte Ort. Die jetzige Schreibweise ist eine Mißform. Ein hochgelegener Weiler mit 4 Häusern in waldreicher Umgebung, 4 km westl. von Ober-Speltach, war St. hohenlohisches Lehen, wahrscheinlich aus dem Besitz der Flügelau stammend. Die Lehen trugen meist die H. v. Vellberg bis zu ihrem Aussterben. 1357 verkaufte Seiz v. Vellberg, gen. von Pfahlheim, Gülten zu St. an St. Martin zu Stöckenburg, ebenso 1419 Hans v. Vellberg 1/6 des Zehnten zu Eschenau, Snackenweiler (OA. Hall), Hockenberg (wo?), St. und Birenbach (abg. in der Pf. Honhardt). Jörg und Hans v. Vellberg erwarben 1435 einen Hof zu St. und ein Gut zu Buch, hohenl. Lehen, und Hölzer bei beiden Orten von Kraft v. Enslingen, St.A. Aber auch die Herren von Hornburg hatten Besitz in St. 1401 verkauften Herdegen v. Hornburg und Anna Vellberg ein 1/2 Lehen zu St. an das Kl. Anhausen. Mit Vellberg erwarb die Stadt Hall auch St. Doch wurde 1609 der Zehnte zu St. Neuberg und „Bonets“hof dem Stift Ellwangen und Theoderich Echters v. Mespelbrunn Nachkommen zugesprochen, St.A.

6. Waldbuch, ein freundlicher, ansehnlicher Weiler mit 22 Häusern und Brauerei, liegt an der Abdachung eines Bergrückens gegen das Buchthal 2,2 km westlich von Ober-Speltach.

Der Ort, früher Buch auf dem Wald gegenüber von Buch bei Vellberg, OA. Hall, gehörte zu dem hohenlohischen Lehensbesitz. Um 1350 hatten N. v. Schechingen, Sifrid von Vellberg, Huter zu dem Buch und Turbrech daselbst hohenlohische Lehen, H. Arch. 1, 336, 339, 344. 1364 verkauft Peter Schneewasser, B. zu Hall, an Berthold Schletz ein Gut. Letzterer hatte zu Buch Gülten „uf der Unreimen Gut, uf Winterbergsgut und dem Turbrechenhof“, H. Arch. 1, 348. Die Hauptbesitzer waren die v. Vellberg. 1366 erwarb Hans v. Vellberg ein Gut zu Buch von Volkart v. Onolzheim, 1432 Haug v. V. ein Gütlein von Peter Pretzing, B. zu Hall, St.A. 1434 wurde Hans v. V. mit 3 Gütern zu Buch auf dem Wald von Kraft von | Hohenlohe, 1552 und 1553 Wilh. und Wolf v. Vellberg je mit dem halben Zehnten belehnt, St.A. 1357 verkauft Seiz v. Vellberg Gülten zu B. an die St. Martinskirche zu Stöckenburg, St.A. Als die Vellbergischen Lehen heimgefallen waren, kaufte Hall 1598 von Graf Wolfgang v. Hohenlohe Waldbuch, W. J. 1843, 157. Über Waldbuch führte 1669 die Straße von Hall nach Ellwangen über Hellmannshofen und Jagstzell neben der Straße über Sontheim und Willa, Honh. Akten.

Abgegangen sind:

1. Hergershofen oder Hergersdorf (nicht Bergertshofen, W. F. 8, 552, 554), Hof eines Heriger, auf der Flur Hofstatt am nördlichen Abhang des Burgbergs. H. erscheint 1357 im hohenlohischen Gültbuch, W. F. 10, 110. Die Grafen v. Helfenstein hatten daselbst ebenfalls Lehen, W. F. 8, 458, welche wahrscheinlich die H. v. Vellberg inne hatten. H. war noch 1600 Filial v. Stöckenburg.

2. Regenheresweiler, Riensweiler, W. eines Reginher, westlich vom Burgberg im Wald gegen Lorenzenzimmern gelegen. 1085 schenkte Adalbert von Bilriet seinen dortigen Besitz an das Kl. Komburg, W. U. I, 395.

3. Vielleicht auf dem südlichen Abhang vom Burgberg am Wolfsberg lag der Wolfers- oder Wolfhertshof, Hof eines Wolfher. Zweifelhaft ist, ob hier mons, ubi Wolfherus moratur Wib. 2, 76, und die bona sutoris in Wolfrichsberg, quae habuit dictus Magenhein, zu suchen sind. (Albrecht W. F. 4, 265 sucht ihn bei Wilfersberg OA. Öhringen.) Doch könnte die Verwandtschaft der Herren von Krautheim mit den Flügelau und die Beziehungen dieser zu den Magenheim hieher weisen. Ebenso unsicher ist, wenn auch die weinsbergische Vogtei zu Markertshofen die Annahme möglich macht, ob hieher zu ziehen ist der Verzicht Konrads und Engelhardts von Weinsberg auf den Wald „zur gewundenen Eiche“ (wahrscheinlich Wundeneich W. U. I, 395 in der Nähe von Regenheresweiler) neben ihrem Wald Wolfshause, St.A.


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