Beschreibung des Oberamts Crailsheim/Kapitel B 3

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 2 Beschreibung des Oberamts Crailsheim Kapitel B 4 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
3. Goldbach,
Gem. III. Kl., mit 481 Einw., wor. 6 Kath., Fil. von Crailsheim und 6 Isr., zur Synagoge Crailsheim.

In einem lieblichen Wiesenthälchen, das der Mühlbach, sicher ursprünglich der Goldbach genannt, durchfließt, liegt das kleine Dorf Goldbach in einer Einbuchtung der Crailsheimer Hardt, welche das Thal und seine Wiesen im Süden schützend umschließt. Die Häuser, im Grünen zerstreut, sind theilweise recht stattliche Holzhäuser mit bemaltem Balkenwerk, theilweise bescheiden, besonders das Judenviertel enthält unscheinbare Häuschen.

Die Kirche, einst in Erinnerung an den Zusammenhang des Orts mit dem St. Moritzstift in Augsburg dem h. Mauritius geweiht, steht frei mitten im Ort, ein sauberes helles Gotteshaus, 1725 neuerbaut. Der geostete Thurm schließt in einer Laterne und enthält in seinem ohne Gurten gewölbten Unterstock den Chor; das hohe Schiff hat eine Stuckdecke mit schönem Fries und 2 Emporen über einander. Im Chor drei Grabsteine| der Familie Geyer. 1. Anno 1686 den 8. September Nachts umb 2 Uhr ist in Gott verschieden die Reichshochwohlgeborene Frau Johanna Agatha Geyerin von Giebelstadt, geb. Senftin v. Sulburg, Wittib ihres Alters 74 Jahre 2 M. 3 Tage, mit den Wappen Geyer, Senft, Senft, Kräwinkel, Schilling von Cannstatt, von der Heyden. 2. Anno domini 1624 den 17. November starb die wol edle Sabina Susanna Geyerin mit den Wappen Geyer, Wolfskeel, Schenken v. Sinaw. 3. Anno domini 1640 den 3. Ostertag abends ... ist verschieden der wol edel Wolfgang Heinrich Geyer zu Giebelstadt. Wappen – Geyer, Wolfskeel, Schenk v. Sinaw und Wolfskeel, in der Mitte das Allianzwappen Geyer-Senft. Auf der Nordseite des Chors das gute Bild des 21. Jan. 1718 gestorbenen Ritters Joh. Gottfried v. Beringer, k. preußischen Geheimenraths und Generalbevollmächtigten bei der Grafschaft Geyer, für den jährlich eine Gedächtnispredigt gehalten wird. Der dazu gehörige Grabstein ist 1848 zerbrochen.

Auf dem Thurme hängen 3 Glocken, die kleine ohne Inschrift mit schönem gothischem Fries, die beiden andern gegossen von C. König in Langenburg 1844 und 1856. Baupflichtig die Stiftung.

Das 1843 auf Staatskosten neuerbaute Pfarrhaus liegt abseits der Straße dem Schloß gegenüber und ist sehr wohnlich eingerichtet. Die Schule neben der Kirche enthält das etwas niedere Lehrzimmer und die angenehme Wohnung des Schullehrers. Mit der Schule ist eine Arbeitsschule verbunden. Die Schule wird von der Gemeinde baulich erhalten. Die Synagoge der Israeliten am Ostende des Dorfes ist ein unscheinbares, ungetünchtes, niederes Gebäude. Der Begräbnisplatz liegt nördlich vom Ort am Bergabhang. Die Gemeinde besitzt ein Armenhaus. Das ansehnlichste Gebäude war einst das Geyerische Schloß, ein großer Holzbau auf steinernem Unterstock, nach der Ortsüberlieferung als Viereck, wahrscheinlich nur als ein Mittelbau mit 2 Seitenflügeln in edlem Renaissancestil gebaut, von einem tiefen Graben mit Zug-, jetzt fester steinerner Brücke umgeben. An dem Eingang in den Westflügel besagt eine Inschrift mit dem Wolfskeelschem Wappen: Anno domoni 1531 hab ich Sebastian Geyer Golbach köfft, und alsobalt angefangen zu bauen in dn Namen des herrn. Der Ostflügel ist vor ca. 200 Jahren abgebrannt. Der Südwestgiebel, welcher noch ziemlich gut erhalten ist, läßt noch etwas von der einstigen| Stattlichkeit des Baues mit seinen schönen Gängen, seinen gedrehten Treppengeländern ahnen. 1798 wurde das Haus an die Gemeinde verkauft und ist jetzt in Privathänden, aber theilweise baufällig.

Der Ort ist durch Vizinalstraßen mit Crailsheim, Waldthann (Markt)Lustenau und Westgartshausen verbunden. Das Trinkwasser ist gut und reichlich. Es sind 8 laufende und 14 Pumpbrunnen mit einer hölzernen Wasserleitung vorhanden.

Der größte Grundbesitz beträgt 19 ha, der mittlere 9 ha, der geringste 50 ar. Auf der Markung Crailsheim besitzen die Bürger 30 ha.

Von Gewerben sind besonders Maurer und Zimmerleute vertreten, ein Krämer ist im Ort, sowie eine Bierbrauerei und zwei Gastwirthschaften. Die Mühle am Mühlbach hat 2 Mahlgänge und einen Gerbgang.

Der Hauptnahrungszweig ist Ackerbau mit Viehzucht. Die etwas kleine wohlarrondirte Markung hat schwer zu bearbeitenden Keuperboden, auch etwas Sandboden von mittlerer Fruchtbarkeit. Das Klima ist im ganzen mild, gegen kalte Nord- und Ostwinde geschützt durch die Berge, doch kommen schädliche Fröste und Nebel vor. Hagelschlag ist selten (8. Juli 1849, daher Hagelfeiertag hier und in Waldthann). Der Burgberg ist Wetterscheide.

Die Realgemeinde besitzt 95 Morgen Nadelwald, der den Berechtigten per Morgen 1 Rm. Holz jährlich liefert. Zur Weide dient neben den Ödungen Brach- und Stoppelweide. Das Weiderecht gehört der Realgemeinde, welche dasselbe durch den Ortsschäfer ausübt und ca. 200 St. Schafe von der Bastardrace Sommer und Winter auf der Markung gehen läßt.

Die Rindviehzucht ist stark, man hält den Traisdorfer Schlag, von welchem ein Farren aufgestellt ist, zu dessen Unterhalt die Realgemeinde 21/2 M. Wiesen gibt. Es herrscht durchaus Stallfütterung. Das nachgezogene Vieh wird auf die benachbarten Märkte gebracht. Auch die Schweinezucht ist bedeutend. Es werden viele Schweine von einheimischem Schlag zum Markte geliefert. Schweinemästung zu 1/4 für den Verkauf, zu 3/4 für den eigenen Bedarf.

An Armen-Stiftungen sind vorhanden 400 fl. von Geh. Rath Beringer, 160 fl. von Winter, 50 fl. von Moder, 100 fl. von Schneid, 50 fl. von Deeg, 600 fl. von Schuler, 25 fl. von Rau, 50 fl. von Wiedemann, 160 fl. von Busch.

| Alterthümer: Auf der Schönebürg fanden sich Hufeisen, Sporen, ein Jagdmesser, ein Dolch, – ein Stück von einem Thürschloß. Über die Schönebürg s. unten. Im Judengreut soll eine große Eiche gestanden haben, unter der sich die jüdischen Schnorrer, von denen die Goldbacher Israeliten heimgesucht wurden, sammelten. Eigenthümlich ist der Flurname Kropfisfeld, -schlag, auch Kruppisfeld. Ein Zigeunerweg führt von Marienkappel durch den Wald.

Goldbach, (der gelben Sand führende Bach) erscheint zuerst als Besitzung des St. Moritzstifts in Augsburg, dem 1178 Papst Alexander II., 1183 P. Lucius die ecclesia und eine curia villicalis cum taberna in villa Goltpach bestätigen, W. U. II, 191, 228.

Dieser Besitz gelangte wohl mit den Gütern des St. Moritzstiftes in Crailsheim 1289 an Ludwig und Konrad von Oettingen, und als Kraft von Hohenlohe die Güter des von K. Heinrich VII. geächteten Grafen Konrad Schrimpf von Oettingen, welche an das Reich gefallen waren, von König Friedrich erhielt, an Hohenlohe, dessen Lehen Goldbach fortan blieb. Doch hatte auch Limpurg ein Lehensgut hier, wahrscheinlich aus dem Erbe der Grafen v. Flügelau. (Nicht hieher gehört Reg. boic. 4, 581 ca. 1295, wo statt Golbach Balbach zu lesen ist). Als ritterliche Dienstmannen und meist Lehensleute des Grafen von Hohenlohe kennen wir: 1238 Embricho v. Goltbach Zeuge für Albert von Ingelstadt, der sein Lehengut Ussenkeim (Ussigkeim) an das Kloster Bronnbach schenkt, Mone Zeitschr. für den Oberrh. 2, 316. 1255 Hein. v. Goltbach erwirbt der Kirche in Westgartshausen einen Ablaßbrief von Papst Alexander IV., St.A. Gottfried ca. 1303 belehnt von Würzburg mit Zehnten in Etzelnheim. 1331 s. unter Kleonrode bei Marienkappel. Heinrich theidigt in Hall 1343, W. F. 19, 194. Walter hat als hohenl. Lehen einen Hof zu Uskershausen (Westg.), 1 halbe Hube und den Zoll daselbst, die Mühle und 2 Lehen zu Golbach, die zur Herrschaft Lobenhausen gehörten, eine Kelter zu Münkheim, halb Neukotspiel, den halben Zehnten zu Schonberg und Ruckersbronn und Oßhalden neben Konrad v. Liegartshausen, Hoh. Arch. 1, 332, 344. 1383 Wilhelm v. G. Mönch in Komburg, W. F. 9, 112. Betz Adelhard Goltbach 1373 Spitalmeister in Dinkelsbühl. 1425, 1431 Kunz Goltbach, Bürger in Dinkelsbühl. Dinkelsb. Arch.; Reg. boic. 13, 209. Ohne Zweifel stehen diese Herren mit denen von Lickartshausen in naher Verwandtschaft.

| 1409 tritt als Besitzer von Goldbach Fritz Geyer auf, Reg. boic. 12, 41, der (nach einem für die Geyer und Lickartshausen gemeinschaftlichen Jahrtag zu schließen), W. F. 10, 44 der Erbe der Lickartshausen war. Seine Witwe (?) Agnes v. Schechingen, die 1429 durch Konr. v. Ellrichshausen das Lehen empfieng, sah sich wohl genöthigt, dasselbe an die Sützel zu verkaufen. 1451 ist Wilhelm Sützel in Besitz. Aber 1454 verkaufte Rüdiger Sützel G. wieder an Fritz Geyer jun. und fortan blieb es bei der Familie Geyer bis zu ihrem Erlöschen. 1492 gehörte zu dem hohenl. Lehen in Goldbach das Schloß mit Bauhof und Feld, Mühle, Zehnten gr. und kl., 5 Weiher, 3 Weiher, 1 Hof, 4 Seldengüter zu Westgartshausen, 2 Höfe zu Altenmünster, 1/2 Hof zu dem Berg, 2 Weiher unter Lindach, 6 Lehen zu Schonbach, Fischwasser bei Ingersheim, derselbe Zehnte zu Lickartshausen, der Schirm über die Kapelle, dazu helfensteinische Lehen zu Brunoltsheim, Ingersheim, Ofenbach und Oßhalden, ein Gütlein zu G. als limburgisches Lehen. 1531 verkauft Wilhelm Geyer seinen Besitz an seinen Vetter Sebastian, würzb. Amtmann zu Bütthard.

Der letzte Sprößling der Familie Geyer von Giebelstadt, Heinrich Wolfgang, wurde von Kaiser Leopold am 14. Mai 1685 in den Reichsgrafenstand erhoben. Zur Grafschaft gehörte Reinsbronn, Neunkirchen OA. Mergentheim, Giebelstadt und Ingelstadt bei Würzburg. Durch Vertrag vom 30. April 1696 und 14. April 1704 trat Graf Heinrich Wolfgang unter die Protektion des Königs Friedrich von Preußen. Nach seinem Tod 24. August 1708 ergriff Preußen Besitz von der Grafschaft, welche Joh. Gottfr. v. Beringer bis 1718, später Ernst Ludw. v. Seckendorf verwaltete. Die hohenlohischen Ansprüche auf die Lehen wurden mit 19.500 fl., die Ansprüche des ansbachischen Geheimenraths v. Forstner, der 1701 eine Exspektanz erhalten hatte, mit 5000 fl. abgefunden. 1729 fiel die Grafschaft als Theil des Heirathsgut der Prinzessin Friedrike Luise an den Markgrafen Karl Wilhelm von Ansbach. Als aber 1791 Markg. Alexander die Regierung niederlegte, kam Goldbach aufs neue unter preußische Staatshoheit. Das bisherige Renteiverwalteramt wurde 1798 aufgehoben und mit dem Amt zu Crailsheim vereinigt, das Schloß verkauft. Zum Vorstehenden vergl. W. F. 6, 1 ff. Der Besitz der Geyer war kein ruhiger gewesen. 1513 stritt Hans Geyer mit dem Spital Crailsheim über den Zehnten auf 30 Morgen in Goldbacher Markung, Cr. Urk.

| 1535 gab die Fraisch, 1601 die Jagd Zehntrechte zu Satteldorf und Westgartshausen, der Bannwein zu Goldbach Anlaß zu Streit mit Brandenburg-Ansbach, das 1620 und öfters gewappnet in Goldbach einfiel.

1571 hatte Hans Konrad Geyer Schwierigkeiten mit seinen Unterthanen zu G. Dieselben klagten über vertragswidrig gemehrte Frohnen und weigerten sich dieselben zu leisten. Hans Konrad fiel mit gewappneter Mannschaft zu Roß und Fuß ein und führte 9 Mann mit 5 Söhnen gefangen weg und legte dieselben zu Schrotsberg, Haltenbergstetten und Röttingen gefangen (8 Tage nach Pfingsten Westg. Kb.). Die Unterthanen suchten Schutz beim Markgrafen, der aber nicht helfen zu können erklärte, da Hans Konrad die hohe Obrigkeit nicht bestreite, St.A.

Der Spital zu Crailsheim hatte nach und nach ansehnliche Güter auf Goldbacher Markung z. B. 1468 ein Drittel an dem Weiher ob der Rorwiese, davon 2/3 ihm schon gehörten, von Fritz Geyer erworben.

Kirchliches. 1178 bestand eine Kirche in Goldbach, welche nach einer Urkunde von 1443 dem heil. Mauritius geweiht war, also wahrscheinlich von dem St. Morizstift in Augsburg erbaut ist. Bis nach der Reformation gehörte Goldbach als Kaplanei zu Crailsheim, wo der Kaplan an allen hohen Festen mithelfen mußte. Das Ernennungsrecht hatten die Herren von Goldbach, 1443 die v. Likartshausen, später die Geyer, dann Preußen, resp. Ansbach. 1443 thut Erhard Schott, Generalvikar in Würzburg, dem Archidiakon Reinward v. Cospoden kund, daß Georg v. Likartshausen nach dem Tode Erhard Fabers von Feuchtwangen Konrad Kastner zur Kapelle des h. Mauritius in G. präsentirt habe, Cr. Urk.

Die Reformation trat um 1528 ein, der Kaplan Hans Reß, der bald darauf starb, ehelichte seine Maid und hielt sich unsträflich, war aber kein Prediger, Kr. Arch. Nürnb. Öfters wurde G. von Westgartshausen versehen z. B. 1561–67.

Pfarrer. Eichard Faber Kapl. vor 1443. Konr. Castner 1443. Hans Reß 1528. Vakatur 1561–67. Sebastian Jung 1567–80, s. Leukersh. Christoph Rupp von Altenmünster 1580 Nik. Athleta von Schleusingen 1589. Mich. Schimel 1585. Georg Grönagel von Goldbach, examinirt in Hall 1587. Mart. Seufferlin 1589–92. Ulr. Reuß 1598 … Tob. Walter Craner 16..–1625. Joh. Lud. Betulius von Wildenstein an der Eger 1632, ein Vaters-Bruder Sigismunds| Betulius, gen. v. Birken, des Dichters, und des Christian Betulius, s. Gödecke Grundr. II, S. 463, 470, wird Hofprediger zu Waldenburg, Wib. I, 521. Dan. Kleinsdretlein 1637–53. Joh. Heck 1654 bis 1660. G. Helmerich 1660–75. Joh. Barth. Rein 1675–1704. J. Fr. Lips 1705–21. J. G. Schmid 1721–25, K. Fr. Knoll 1726 bis 1746. G. Fr. Dreutter 1746–59. G. Leonh. Engelhardt 1760 bis 1780. J. Le. W. Michael 1780–90, J. G. Zhr. Zimmermann 1790–97. C. L. Frobenius 1801–7. J. J. Chr. Wiedemann 1808 bis 1813. Joh. Aug. Miller 1813–16. Joh. Fener 1816–23. And. Fr. Hassold 1823–42. Paul Rau 1842–54. K. M. Grunsky 1854 bis 62. K. E. L. Knecht 1862–72. G. Wetzel 1877–80.

Auf der Markung Goldbach steht im Eichwald jene sagenumduftete Kuppe, die mit ihrer Aussicht die Umwohner erfreut, aber für den Historiker manches schwere Räthsel bietet. Es ist die Schönebürg, welche eine besondere Darstellung fordert.

Durch prächtige Wälder auf schönen von der Forstverwaltung und dem Verschönerungsverein angelegten Wegen steigen wir empor zur Spitze eines an Belladonna reichen Bergrückens, der nach Osten mit den Höhen um Marienkappel zusammenhängt, nach Westen gegen Crailsheim allmählich abfällt und nach Norden von dem Waldthal des Künbaches, nach Süden vom Goldbacher Mühlbach umsäumt ist. Auf der Spitze ist ein Waldhaus zum Schutze gegen Regen, bequeme Sitze zum Genuß der Aussicht und dahinter freundliche Anlagen, ganz geeignet zu ländlichen Festen, zu finden. Zu unsern Füßen liegt eine weite wiesengrüne Aue, rings eingeschlossen von tannenbewaldeten Höhen und in der Mitte der Ebene das stattliche thurmreiche Crailsheim mit seinem hochgelegenen großen Bahnhof. Gerade gegenüber erhebt sich der Burgberg, jene geheimnißvolle Stätte uralten Gottesdienstes, und hinter ihm in einem Halbkreis eine Bergkette von dem Wahrzeichen Frankens, dem Schloß in Waldenburg, bis zu den Ellwanger Bergen mit der in Weiß und Gold herüberglänzenden Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg. Ganz besonders hebt sich Hohenberg OA. Ellw. mit seiner großen Kirche, die den Thurm, die stete Beute der Stürme, entbehren muß, wie ein runder Kegel hervor. Dahinter in blauer Ferne die östliche Albkette von Kapfenburg bis zum Hohenstaufen.

Wir nehmen Akt von dem am Waldhaus angeschriebenen Vers:

Die Aussicht ist prächtig,
Der Durst ist so mächtig.
Ein Wirthshaus da oben
Das wäre zu loben.

| Hier oben soll Adelheid von Württemberg, die Gemahlin Krafts von Hohenlohe, † am 13. Sept. 1346, ihren Witwensitz gehabt haben, und daher heißt der Ort die Schönebürg, S. 117.

Klar und deutlich ist noch der Graben zu sehen, der den Berg nach Osten unzugänglich machte. Ein unterirdischer Gang ist nicht zu finden außer einem Stollen, den Schatzgräber im Anfang dieses Jahrhunderts angelegt haben, wobei einer elend ums Leben kam, dagegen fanden sich Hohlziegel, ein Thürschloß und die oben angeführten Waffen, Jagdgeräthe aus dem Mittelalter, die wohl der Zeit der Gräfin Adelheid angehören. Aber nirgends findet sich weder in dem hohenlohischen Lehenbuch des Grafen Kraft, noch in dem Gültbuch von 1357, das alle Besitzungen der Grafen von Hohenlohe in der Gegend von Crailsheim angibt, auch nur eine leise Spur von einem Schloß oder Burg auf diesem Berg. Dagegen findet man bis zum Städtekrieg 1449 einen Ort Schönbuch erwähnt, von dem das Salbuch des Amts Crailsheim, indem es dasselbe von Schonbuch-Scheinbach OA. Crailsheim unterscheidet, sagt: soll die Schönebürg sein. 1432 verkauft Joh. Keppner, Dechant zu Dinkelsbühl an Friedrich v. Wolmershausen den halben Zehnten zu Wüsten (Wüstenau) Mergenbrunn (Marienkappel) Schönbuch, Cleonrode, Kenbach und Hohenbuch. Vierteljh. 4, 76. Vergl. auch Marienkappel. Das weist unzweideutig auf die Umgegend der Schönenbürg. Cleonrode lag auf der Flur Kläret östlich von der Schönenbürg, Kenbach unmittelbar darunter im Künbachthal gegen Beuerlbach. Ob der Name ein Jahrhundert früher Schönburg hieß, mag dahin gestellt sein. Ein ähnlicher Wechsel ist beim Burgberg, der auch Buchberg heißt, und bei Hohenberg zu beobachten. Dann wäre hieher zu ziehen der Hof zu Schönburg, den 1345 Albrecht von Crailsheim von Kraft v. Hohenlohe zu Lehen empfing. H. Arch. 1, 336.

Es dürfte ziemlich wahrscheinlich sein, daß im Mittelalter bis zu der Verheerung der Gegend von Crailsheim im Jahr 1449 ein Hof Schönbuch oder Schönburg hier oben stand, auf dem die Gräfin Adelheid sich aufhielt. Aber die Elemente der Sage weisen auf eine Bedeutung des Orts in höherem Alterthum hin. Der Wall dürfte der altgermanischen Zeit angehören und einen dem Dienste der Göttin Berchta geweihten Ort gegen Überfälle geschützt haben.




« Kapitel B 2 Beschreibung des Oberamts Crailsheim Kapitel B 4 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).