Beschreibung des Oberamts Ehingen/Kapitel B 13

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13. Emerkingen,

ein kathol. Dorf, an dem großen Donauried, 23/4 St. südl. von Ehingen, und 1/2 St. von Munderkingen mit 501 Einw., Filial von Unterwachingen, mit einer eigenen Caplaney, F. A. Zwiefalten; Sitz eines grundherrl. Rentbeamten. Grundherr: Gr. von Stadion-Stadion-Thannhausen, und Gräfin Car. v. Stein; 1 Hof gehört dem Grafen Reuttner v. Weyl, (s. Rechtenstein), und 1 dem Frhrn. v. Stein zum Rechtenstein, ein Bauerngut ist Kammerlehen.

Das Patronat der Caplaney haben die beyden Grundherrschaften, nach einem 1734 errichteten Vertrag, abwechselnd. Die Zehnten gehören dem Fürsten von Thurn und Taxis, Theil am kleinen Zehnten hat die Pfarrey Hundersingen.

Gefälle beziehen: der Staat 23 fl. 55 kr., Stadion 1106 fl. 22 kr., Stein Emerkingen 1094 fl. 6 kr., Stein zum Rechtenstein, Harthausen 61 fl. 49 kr., Taxis 181 fl. 51 kr., Gr. Reuttner 71 fl. 6 kr, Caplaney Reichenstein 23 fl. 15 kr., Stiftspflege des Orts 10 fl. 30 kr., von Ober-Stadion 12 fl. 57 kr. und Munderkingen 59 kr., – 2586 fl. 50 kr., und zwar 1094 fl. 11 kr. Geld, 362 Sch. Dinkel und 198 Sch. Haber. Auch bezieht Stadion noch 23 fl. 55 kr. Mühlgült.

Emerkingen ist ein Bestandtheil des Ritterguts Emerkingen, wozu auch Unter-Stadion und Bettighofen gehören. Das Gut ist in 2 Hälften getheilt; der Stadionische Theil und die genannten 2 Höfe sind Lehen, der Steinische, wozu noch der Brühlhof gehört, Allodium. Der reine Ertrag des Stadionischen Antheils ist zu 3400 fl., der des Steinischen zu 4–6000 fl. berechnet, s. Tab. II. Das Gut war dem Ritter-Canton Donau einverleibt. S. Unter-Stadion.| Der Ort liegt theils in der Ebene, theils an und auf einer Höhe. In dem obern Theile liegt ein altes Schloß mit einer schönen Aussicht, das die Gräfin von Stein, der es gehört, bewohnt. Im Schloßgraben steht die Schloß-Capelle. Mitten in dem Schloßgebäude erhebt sich wie ein Riese ein kolossaler Thurm, der sichtbar Röm. Ursprung verräth. S. 9. Daneben sieht man noch die Ruinen eines ältern festen Schlosses. In dem untern Theile des Orts steht die kleine Dorfkirche zum h. Wolfgang. Die Caplaney wurde 1428 von Ruff von Reischach mit 3 Höfen zu Einhart bey Ostrach gestiftet. Durch den untern Ort fließt der Mühlbach, der eine Mahlmühle treibt. Name und Urkunden beweisen, daß Emerkingen, wenn wir seinen Ursprung auch nicht von den Römern ableiten wollen, immer ein sehr alter Ort ist. Der Name, der in alten Zeiten Anmarkingen, Amarkingen, auch Antarmarchingen etc. geschrieben wurde, bedeutet ohne Zweifel so viel, als an der Mark – Mark- oder Gränzort. Die beyden Gaue, der Erchgau und die Folkoltsbar trafen hier zusammen. In Urkunden kommt der Ort schon zu Anfang des 9ten Jahrhunderts vor: 805 schenken die Grafen Chadaloch und Wago, und 877 Gr. Chadaloch allein Güter daselbst dem Kloster St. Gallen, und i. J. 842 stellt der jüngere Wago eine Urkunde in villa Antemarchingas aus[1]. Später findet man eine Familie, die sich von Emerkingen schrieb. Es wird ihr häufig der Grafentitel beygelegt. Heinrich, Graf von Emerkingen schenkte 1108 dem Kl. Zwiefalten einen Hof in Daugendorf und das Wirthshaus zu Zwiefaltendorf, und von dieser Zeit an kommen die von Emerkingen gar häufig vor; auch haben wir sie schon bey Zwiefalten als Schirmvögte des Klosters und als Anhänger der Welfen kennen gelernt. Sie besaßen nicht nur Emerkingen mit Unterstadion und Bettighofen, sondern auch mehrere andere Orte umher, wie die Chroniken wollen, selbst: Munderkingen,| wo sie einen Sitz hatten, und wahrscheinlich waren sie Grafen des Munderkinger Gaus. S. Hausen, Wachingen, Hundersingen. Allmählig schenkten oder verkauften sie ihre meisten Güter, und mit Walter von Emerkingen, der noch 1382 vorkommt, verschwindet die Familie[2]. An ihrer Stelle findet man nun die von Stein. Die Brüder Benz und Eberhard v. St. theilten 1439 die Herrschaft. Benz verkaufte seine Hälfte an Herzog Albrecht von Östreich i. J. 1455, und nach mancherley Wechsel wurde diese Hälfte von Seiten Östreichs den Gr. v. Stadion, zuerst 1729 pfandweise, dann 1734 als Lehen überlassen. Die von Stein blieben dagegen in dem freyen Besitz der andern Hälfte. Benz von Stein hatte schon 1440 ein Söldgütlein zur Caplaney Reichenstein gestiftet, woher das obige Gefälle rührt, einzelne Höfe gehörten dem Spital Biberach, der sie 1666 und 1676 an Franz von Stein verkaufte. Der i. J. 1676 erkaufte Hof ist derselbe, welchen nun der Graf Reuttner besitzt. Der Zehnte war durch die Einverleibung der Pfarrey Unterwachingen an das Kl. Marchthal gekommen, nachdem das Kloster schon 1304 einen Theil, den sogenannten Laienzehnten, von den von Emerkingen zum Geschenk erhalten hatte.


  1. Neugart Cod. Dipl. I. Nr. 155. 193. 301. Von Arx Geschichte von St. Gallen I. 56
  2. Nach einer Archival-Urkunde verkauft i. J. 1382 Berthold von Stein zum Reichenstein, „ze disen Ziten ze Mundrichingen gesessen,“ den Laienzehnten, die Mühle, 2 Höfe etc. zu Kirchheim an Bruno von Hertenstein, Walther von Emerkingen, Walz und Conrad von Stein zum Reichenstein, beyde seine Brüder, Mang von Hornstein und Walz vom Stein von Rechtenstein, seinen Vetter. Eine Verwandtschaft der Stein mit den Emerkingen ist nicht bemerkt: aber merkwürdig bleibt die Gesellschaft.