Beschreibung des Oberamts Göppingen/Kapitel B 26

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 25 Beschreibung des Oberamts Göppingen Kapitel B 27 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
26. Gemeinde Ottenbach,
bestehend aus 18 Parcellen. G. E. 668.
a) Ottenhach, früher auch Autenbach, kathol. Pfarrdorf mit 362 Einw., wor. 47 evang., liegt nordöstlich, 2 St. von Göppingen, | gehört in die III. Classe und zum Forstbezirk Lorch. Die Zehenten stehen theils dem Staat und theils wegen Rechberg der Ortspfarrei zu. An den grundherrlichen Rechten in der Gemeinde haben namentlich die Grafen von Rechberg und Degenfeld Theil; an solchen hat die Gemeinde seit 1817 für 6379 fl. 53 kr. abgelöst. (S. S. 82.)

Mit dem Rittergut Hohenrechberg sind ein großer Theil von Ottenbach, der Fladenhof, das Lindenhöfle, der Merzenhof, der Mühleisenhof, der Schonterhof, der Stichsenhof und 1 Haus in Kitzen, mit dem gleichfalls rechbergschen Rittergute Ramsberg aber der Etzberghof, der Feuerlenshof, der Kübelhof und Peterlingshof, mit dem ebenfalls rechbergschen Rittergute Donzdorf der Weiler Bärenbach, das Bärenhöfle und der Waldenhof und mit dem rechbergschen Rittergute Kleinsüßen der Bärenhof und ein Gut in Kitzen verbunden. Alle diese Güter sind Allodien und wurden von Rechberg mit hoher und niederer Obrigkeit besessen. Ottenbach ist seit 1843 Sitz einer rechbergschen Vogtei, welche unter dem Amtsbezirke Donzdorf steht. (S. oben S. 84.) Die grundherrlichen Rechte der Grafen von Degenfeld-Schomburg in Kitzen rühren von dem Rittergute Staufeneck her.

Ottenbach liegt am Schlusse des von ihm genannten Thales (S. 5), an der Krumm, in welche auf der Markung der östlich herkommende Ottenbach fällt. Da, wo eine niedere Gebirgskette den Rechberg mit dem Hohenstaufen verbindet, das Thal sich erweitert und wieder Hügel emporsteigen, erhebt sich das Dorf mit seiner Kirche. Die Aussicht auf Hohenstaufen und Rechberg und auf die Gebirgskette der Alpen ist herrlich. Die Lage wäre gesund, wenn nicht die an den 2 hohen Bergen sich anhängenden und die aus der Krumm und dem Ottenbach aufsteigenden Nebel, welche auch den Gartenpflanzen und der Blüthe schädlich werden, dieselbe unbehaglich machen würde. Die Gemeinde zählt 92 Haupt- und 83 Neben-Gebäude. In der Mitte des Dorfes steht die 1709 erbaute Pfarrkirche zum heiligen Sebastian. Sie ist in gutem Zustande und hat eine neue Orgel, bietet aber nichts Merkwürdiges dar. In derselben befindet sich die Sebastiansbrüderschaft. Der Heilige hat sie im Bau zu erhalten. Das 1738 nach einem Brande wieder aufgebaute Pfarrhaus liegt hoch und gewährt eine schöne Aussicht. Die Baulast liegt wegen des großen Zehenten der Pfarrstelle ob. Der Boden ist beschwerlich zu bauen. (S. 22.) Das Vereinödungs-System, welches hier hauptsächlich im Bezirke hervortritt, war indessen der Bodencultur, welche noch weit zurück ist, nicht günstig. Mit der Stallfütterung ist noch kein Anfang gemacht. Freilich erschweren auch schlechte Wege nach den entfernten Märkten von Gmünd und Göppingen einen vortheilhaften | Absatz der Erzeugnisse und manchen Nebenverdienst. Von den ganz unbedeutenden Gewerben sind 2 Bierbrauereien und einige Kleinhändler zu erwähnen. Etwas Getreide, Holz, Obst und andere Victualien können von den Höfen ausgeführt werden. Das Wollespinnen für Göppinger Weber und etwas Perlenstickerei beschäftigt mehrere ärmere Einwohner.

Der Kirchenfonds hat 1792 von Pfarrer und Dekan Gulden ein Vermächtniß von 1500 fl. erhalten. Die Pfarrei gehört in das Landkapitel Eybach; das Patronat steht dem Grafen von Rechberg zu. Die Parochie besteht aus den Katholiken der Gemeinde. Die evangelischen Einwohner von Ottenbach, Breitenfeldhof und Kitzen sind nach Hohenstaufen und die von Bärenhöfle nach Groß-Süßen eingepfarrt. Die Schule besuchen alle katholischen Kinder, mit Ausnahme jener von Bärenbach und Bärenhöfle, welche zur Schule Salach halten. Der Friedhof liegt um die Kirche her.

Die übrigen Parcellen liegen im Umkreise von 1/8 – 1 St. von Ottenbach, und theilen mit diesem, soweit keine Ausnahme bemerkt ist, alle Verhältnisse. Ihre Lage ist theils in Buchten, theils an Bergabhängen und theils auf dem Gebirge des romantischen Thales.

a) Bärenbach, Weiler mit 43 kath. Einw., südlich 1 St. von Ottenbach, am Bärenbach gelegen. Hier steht eine hübsche Capelle mit schönem Altar und eigenem Stiftungsfonds. Der sie umgebende Friedhof ist auch für Bärenhöfle bestimmt.

b) Bärenhof, Hof mit 8 kathol. Einw., östlich 1/2 St. von Ottenbach, auf der OA. Grenze von Gmünd gelegen.

c) Bärenhöfle, Hof mit 4 evang. Einw., östlich, ganz nahe bei Bärenbach liegend.

d) Etzberg, Hof mit 16 evang. und 7 kath. Einw., am Ende des nördl. Ausläufers von Staufeneck (S. 5), 3/4 St. von Ottenbach.

e) Feuerlenshof, H. mit 5 kath. Einw., südöstlich 3/4 St. von Ottenbach, zunächst an der OA. Grenze von Gmünd liegend.

f) Fladenhof, Hof mit 4 kath. Einw. zwischen Hohenstaufen und Ottenbach, 1/8 St. von diesem. Hier saßen rechberg’sche Dienstleute. Hug v. Rechberg zu Scharfenberg kaufte 1446 von den Fladen das „Fladenhölzlein“ bei Ottenbach.

g) Kübelhof, H. mit 14 kath. Einw., ganz nahe am Feuerlenshof.

h) Lindenhöfle, H. mit 6 kath. Einw., nordöstlich, 1/2 St. von Ottenbach an der Grenze des OA. Gmünd.

i) Merzenhof, H. mit 12 kath. und 3 evangel. Einw. am Hohenstaufen, zunächst des Fladenhofes.

k) Mühleisenhof, auch Fürstenhof genannt, H. mit 14 kath. Einw., nordöstlich, 1/4 St. von Ottenbach.

| l) Peterlingshof oder Scheurenklausen, H. mit 10 kath. Einw., südöstlich, 1/2 St. von Ottenbach, an der Grenze des OA. Gmünd.

m) Schonterhof, H. mit 12 kath. Einw., nördlich, 3/4 St von Ottenbach.

n) Stichsenhof, H. mit 7 kath. Einw., zunächst des Schonterhofes.

o) Waldenhof, H. mit 7 kath. Einw. zwischen Bärenbach und Feuerlenshof.

Ottenbach mit allen seinen alten Parcellen war ohne allen Zweifel ein Stammgut der Hohenstaufen, von denen es theils durch Schenkung an Klöster, theils durch frühe Theilung an die verwandten Rechberg gelangte und theils bei Hohenstaufen blieb. Dieses gemeinschaftliche Besitzthum so kleiner Orte, dieser Antheile der von Hohenstaufen gestifteten und ausgestatteten Klöster steigert die mehr erwähnte Annahme der Verwandtschaft der beiden sich so nahe gelegenen Häuser Staufen und Rechberg beinahe zur Gewißheit. Wir fanden bei Hohenstaufen, daß 2 Höfe in Ottenbach seit den ältesten Zeiten nach Hohenstaufen gehörten und mit diesem die Hohheit über dieselben von Württemberg erworben worden ist. Das Eigenthum des einen gehörte der zillenhardt’schen Caplanei in Göppingen und gelangte mit dieser an die Stiftungsverwaltung; der andere Hof, einst ein Freigut, wurde von dem Stifte Oberhofen 1480 erworben, sodann besaß das Kl. Lorch 2 Höfe mit hoher und niederer Obrigkeit, die es 1342 von Hans von Nenndingen und Pfaff Diemar von Degenfeld erworben, deren Inhaber in das hintere pfahlbronner Amt dieses Klosters gehörten. Der Antheil von Rechberg auf Hohenrechberg war: 31/2 Höfe und 3 Sölden, die mit aller Obrigkeit unter dem Gerichte zu Hohenrechberg standen. Im J. 1806 bestand dieser rechberg’sche Antheil in 30 Häusern mit 200 Einwohnern. Dieser gelangte durch die Rheinbundakte unter württembergische Hohheit. Dasselbe war mit Fladenhof, Lindenhöfle, Merzenhof, Mühleisenhof, Schonterhof und Stichsenhof der Fall. Zu der alten rechbergischen Herrschaft Ramsberg, die zu derselben Zeit unter württembergische Staatshohheit fiel, gehörten Etzbergerhof, Feuerlenshof, Kübelhof und Peterlingshof. Mit der alten rechbergischen Herrschaft Donzdorf waren Bärenbach, Bärenhöfle und Waldenhof und mit dem gleichfalls rechbergischen Rittergut Kleinsüßen war Bärenhof verbunden; und obgleich Donzdorf und Kleinsüßen selbst erst 1810 unter württembergische Hohheit kamen, so fielen doch die hier genannten Parcellen als württembergische Enclaven schon durch Staatsvertrag mit Bayern vom 13. Dec. 1806 unter dieselbe.

p) Kitzen, früher auch Kützen, Weiler mit 15 evangel. und 107 kath. Einw., liegt südöstlich 1/4 St. von Ottenbach an dem | Kitzenbache, der bald darauf in die Krumm fällt. Der Weiler theilt seine jetzigen Verhältnisse mit Ottenbach, hat aber seine eigene, jener von Ottenbach ähnliche, Geschichte, denn so klein er auch stets war, so waren doch an der Herrschaft über denselben fünf Herren betheiligt. Zwei Höfe besaß Württemberg und ihre Inhaber gehörten in das Ämtchen Hohenstaufen. (S. 231.) Einer dieser Höfe, das nur 10 M. große Streithöflin, war lange ein Freigut, dessen Inhaber keinen Herrn über sich erkannte; als dieser aber 1568 gegen 400 fl. auf sein Recht verzichten und der Herrschaft Ramsberg sein Gut fallbar machen wollte, löste Herzog Christoph dieses um die genannte Summe ein und verlieh es ihm „zu Gnaden,“ wodurch er ihm unterworfen ward. Sodann besaß das Kl. Adelberg einen Hof, der in sein Amt Hundsholz gerichtbar und nach Börtlingen steuerbar war. Über einen weitern Hof, den Mönchhof, der mit Eigenthum Adelberg zustand, übte die Herrschaft Staufeneck alle Obrigkeit aus. Ein Haus gehörte ferner mit aller Hohheit unter die Herrschaft Hohenrechberg und ein Gut ebenso zu dem Rittergut Kleinsüßen. Dieses Condominat verursachte vielen Hader. Am 21. Juni 1706, wo der Weiler 10 Bürger zählte, kam man endlich überein, daß alle Jahre der Stab unter den vier Herrschaften (Württemberg und Adelberg als Einheit genommen) abwechseln solle. Wie oben erwähnt und bei Staufeneck zu finden ist, fand auch dieses Condominat 1806 sein Ende.

q) Wanne oder Breitenfeldhof, H. mit 7 evangel. Einw., südwestlich 1 St. von Ottenbach; ein altwürttembergisches, von der Kellerei Schorndorf herrührendes, Besitzthum. Die Verhältnisse wie oben.

r) Kleinbreitenfeldhof, H. mit 5 kath. Einw., südlich 1/4 St. von Ottenbach. Der Hof wurde erst in neuerer Zeit angelegt und theilt seine Verhältnisse mit Ottenbach.

Die Pfarrei ist alt; schon 1397 wird „Pfaff Serien Vot, Kirchherre zu Otenbach“ genannt. Wegen der Anhänglichkeit derer von Rechberg an den alten Glauben konnte die Reformation hier keinen vollen Eingang finden; nur im württembergischen Antheile und in Kitzen theilweise drang sie durch. Die Zehenten auf dem Waldenhof, Feuerlenshof, Kübelhof und Mühleisenhof, sowie in Bärenbach, Kitzen und Bären-Höfle standen seit den ältesten Zeiten ganz oder theilweise dem Kl. Adelberg zu.

Zu bemerken ist noch, daß die Herren von Hohenrechberg in Ottenbach ein Jagdhaus hatten, und daß hier am 4. December 1518 das große Schwein von 589 Pfd. geschossen wurde, welches noch zu Weissenstein abgebildet zu sehen ist. Merkwürdig ist eine, wohl noch aus dem Urwalde stammende, alte Eiche, die zunächst an dem | Wohnhause auf dem Schonterhofe steht. Sie hat am Stamme 131/2 Ellen im Umfang, und ihre Hauptäste gleichen den größten Sägblöcken. Ihren Hauptstamm haben Sturm und Wetter vieler Jahrhunderte so ganz ausgehöhlt, daß derselbe dem Hofbesitzer als Remise für Pflüge, Eggen und abgebrochene Wagen dient. Und doch treibt sie noch alljährlich das schönste Laub.
« [[Beschreibung des Oberamts Göppingen/|]] Beschreibung des Oberamts Göppingen Kapitel B 27 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).