Beschreibung des Oberamts Gaildorf/Kapitel B 14

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Ober-Gröningen.


Gemeinde III. Kl. mit 430 Einw. a. Ober-Gröningen, Pfd. 188 Einw. b. Algishofen, W. mit Röthenbach, Hs., Brand, Hs. und Brandhof, H. 87 Einw. c. Buchhof, W. 91 Einw. d. Fach, W. 42 Einw., wor. 20 Katholiken. e. Schlauchhof, H. 7 Einw.; f. Suhhaus, H. 10 Einw. g. Wahlenhalden, H. 5 Einw. – Evang. Pfarrei die Kath. in Parz. d. sind nach Hohenstatt eingepfarrt.


Diese dem Limpurger Oberland angehörige Gemeinde befindet sich theils auf der bei Eschach und Frickenhofen erwähnten Hochebene mit weiter Fernsicht, theils in dem gegen das Kocherthal abfallenden, die beiderseitigen Ufer begrenzenden Waldgebirge, und östlich an das Oberamt Aalen stoßend. Das unter vielfachen Krümmungen in nordwestlicher Richtung sich hinziehende Kocherthal ist hier und gegen Unter-Gröningen hin tief, schmal und auf beiden Seiten von felsigen, quellenreichen Schluchten und steilen Höhen eingeengt, die an manchen Orten senkrechte Abstürze darbieten und mit düsterm Nadelwald bedeckt sind. Hier wechseln die schönsten Naturgemälde, bald einen reizend sanften, bald einen wilden Ausdruck empfangend. Von den Schluchten sind namentlich jene zu erwähnen, welche in nördlicher Richtung der Suhbach und der Streitbach bewässert. Überschwemmungen des Kochers kommen wegen seines hier tiefen Bettes nur bei Schneeabgang vor, sind aber auch dann nicht von Bedeutung. Jede Parzelle hat ihre Brunnen. Der Boden, meist tiefgründiger, schwerer Lehm, ist eben nicht fruchtbar, die Luft rein, scharf und gesund. Die Gemeinde hat die meisten alten Leute, s. S. 32. (Vergleiche auch Eschach und Frickenhofen.) Durch den Gemeindebezirk führt die neue Amtskörperschaftsstraße von Gschwend über Ober-Gröningen an die Oberamtsgrenze Aalen. Ober-Gröningen und einige Höfe sind vermöglich; im Allgemeinen finden die Leute ihr Auskommen. Feldbau, Vieh- und Holzhandel und Taglohn sind die Erwerbsquellen. Die Gesammt-Markung ist 18604/8 M. groß, darunter 3767/8 M. Wald und 1496/8 M. Weide und Öden, wornach 2,8 M. Baufeldes auf den Kopf treffen. Die Äcker liegen an den Bergabhängen und sind daher schwer zu bauen; die Wiesen im Thale. Das Fruchterzeugniß kommt dem eigenen Brodbedarf gleich. Es wird hauptsächlich Roggen und Haber, dann Dinkel, Gerste und Wicken gebaut. Auf einen Scheffel Aussaat rechnet man vier Scheffel Ertrag. Der Pflug bedarf 4 Ochsen als Anspann. Außerdem werden Kartoffeln, Klee und Hanf, der aber grob ist, gebaut. Ein Morgen Ackers kostet 25–100 fl. Die Wiesen, meist zweimähdig, werden zum Theil gewässert und geben ein gutes Futter. Das | Obst wird nicht geachtet, weßhalb man es „Grabsig“ nennt, das man grabsen oder stehlen darf. Die Zucht desselben ist sehr gering. Der Stand des Rindviehs ist schön; es wird nur im Herbst einige Wochen ausgetrieben.

Der Gemeinde-Bezirk ist dem Forstamt Comburg zugetheilt. Die Vermögensverhältnisse der Gemeinde sind nicht so beschaffen, daß nicht namhafte Umlagen für dieselbe erforderlich wären; auch die Einnahmen der Stiftungspflege genügen ihren Zwecken nicht. Der Schulverband entspricht dem Kirchsprengel. Zehentherr war bisher der Staat, mit der Beschränkung, daß am großen Zehenten in Ober-Gröningen Graf von Adelmann, in Algishofen, Fach und Schlauchhof die Stiftungspflege Ober-Gröningen, und am kleinen Zehenten in Ober-Gröningen die Pfarrei Schechingen, in Fach die Pfarrei Eschach Theil hatten.

Bis 1806 bildete die ganze Gemeinde einen Bestandtheil der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gröningen, Amts Untergröningen, mit Ausnahme von Brandhof, das bis dahin zur Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Amts Gschwend, gehört hat.

Die einzelnen Orte:

a) Das evang. Pfarrdörfchen Ober-Gröningen liegt 41/2 St. südöstlich von Gaildorf, auf der Hochfläche, an der Straße und nahe an der Oberamtsgrenze, in einer kesselförmigen, grasreichen Aue, welche den ganzen östlichen Theil des Ortes umkränzt und Anfangs einen freundlich sanften Anblick gewährend, wildromantisch durch eine tannenreiche Schlucht in’s Kocherthal sich hinabzieht. Die kleine düstere Kirche zum h. Nicolaus hat an einem steinernen Behältniß im Chor die eingehauene Jahreszahl 1427. Auf dem kleinen Thurme hängen 3 Glocken, wovon eine vom Jahr 1492 von dem mehrerwähnten Lachamann. Die Baulast liegt dem nicht vermöglichen Heiligen ob. Das hoch und frei gelegene, die gedachte Aue beherrschende, 1837 von der Gemeinde erbaute, Pfarrhaus gewährt eine schöne Fernsicht. Das 1829 von der Gemeinde erbaute Schulhaus wurde 1846 erweitert. Das Patronat ist königlich. Die Schule, seit etwa 90 Jahren bestehend, bis wohin die in Unter-Gröningen für den ganzen Pfarrsprengel gemeinschaftlich war, hat keinen Fonds. Der Begräbnißplatz ist im Dorfe.

In Gröningen – ob hier oder in Unter-Gröningen, ließ sich nicht ermitteln – war Comburg mindestens seit 1248 begütert. Das Dorf kaufte 1436 Limpurg mit Unter-Gröningen; es zählte damals 9 Höfe und Lehen und theilte von da an seine Geschicke mit Unter-Gröningen. Die zugleich erworbene Pfarrei scheint von hohem Alter zu seyn. Im dreißigjährigen Kriege haben die Einwohner viel gelitten und sich oft | in dem Wegstetter Wald in einem Verhack lang aufhalten müssen; Manche wurden 1634 getödtet, Viele rieß die Pest hinweg. Der Ort hatte 1741 nur 18 Bauernhäuser und 1767 136 Einwohner.

b) Algishofen, 1/2 St. nördlich von O. (Ober-Gröningen) beim Einfluß des Röthenbachs und Suhbachs in den Kocher. Dazu gehören eine Mahlmühle und die einzelnen Häuser Röthenbach und Brand. Limpurg kaufte 1436 mit Gröningen die Mühle und 2 Güter; 1741 waren in 8 Wohngebäuden 8 Unterthanen und 1 Ausdinger; 1767 42 Einwohner.

c) Brandhof, 1/2 St. nördlich von O. über dem linken Kocherufer. Eine neuere Ansiedelung.

d) Buchhof, 3/8 St. nordwestlich von O. auf der Hochfläche über dem sogenannten Buchwald; ursprünglich ein kleiner Hof, der 1767 nur 5 Einwohner hatte.

e) Fach, früher Vach, 5/8 St. nördlich von O. auf der Grenze des Oberamts Aalen und dem linken Kocherufer. Hier war Kloster Lorch frühe schon begütert; 1239 überläßt es „mansum nostrum situm in Vache“ einem Ritter Ulrich von Merchingen auf Lebenszeit gegen 12 Pfund Heller. S. auch Kemmnathen und Stixenhof. Ein Gut erwarb Limpurg mit der Herrschaft Gröningen; ein zweites, das 1414 der Gmünder Bürger Cyr Kirchberg an die St. Veitskapelle zu Gmünd verkauft hatte, wurde 1557 von der Stadt Gmünd erwechselt. Auch die Herren von Adelmann zu Hohenstatt hatten ein Gut, das 1741, wo Limpurg 3 Unterthanen und 2 Ausdinger hatte, in den Händen der Propstei Ellwangen sich findet.

f) Schlauchhof, 3/8 St. nördlich von O. über dem linkseitigen Kocherufer; ein 1702 angelegtes Waldgütchen.

g) Suhhaus, 3/8 St. nordwestlich von O. am Suhbach, auf der Markung von Schlauchhof.

h) Wahlenhalden, 5/8 St. nördlich von O. über dem rechtseitigen Kocherufer. Ein kleines 1720 auf dem zu Algishofen gehörigen Felde Wahlenhalden angelegtes Gütchen.

Zwischen Algishofen und Schlauchhof erhebt sich auf dem linken Kocherufer ein Hügel, der „Schloßburren“ genannt, wo man noch Reste von Wall und Graben sieht. Das Volk spricht von einem Schlosse Eulenburg, das hier gestanden habe. Ob die Burg der ursprüngliche Sitz der Herren von Gröningen gewesen und diese später nach Gröningen übergesiedelt, muß dahin gestellt bleiben.


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