Beschreibung des Oberamts Gerabronn/Kapitel B 9

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9. Gemeinde Gammesfeld,
bestehend aus 4 Parcellen, mit 472 Einwohnern.

Der Gemeindebezirk liegt auf dem sich hier südöstlich senkenden Plateau, stößt mit der Parcelle Metzholz an die bayrische Grenze und ist in den Orten Ehringshausen und Gammesfeld von der Vicinalstraße, welche von Wiesenbach nach Rothenburg zieht, von der Vicinalstraße zwischen Brettheim und Leutzendorf, aber bloß in Gammesfeld berührt. Naturschönheiten und Merkwürdigkeiten bietet der Gemeindebezirk nicht, außer drei Erdfällen auf Gammesfelder-Markung, von denen der eine die Gewässer der Umgebung aufnimmt, und bei Brettenfeld in die Sandtauber (so wird vermuthet) zu Tage bringt, und die zwei andern bei Regen und Schneegang Gewässer ausströmen. Bäche, Seen und Weiher fehlen, dagegen sind Brunnen zur Genüge vorhanden. Die Orte sind weitläufig, mit breiten, doch nicht reinlich gehaltenen Straßen gebaut, zählen 101 Haupt- und 80 Neben-Gebäude, darunter zu öffentlichen Zwecken neben Kirche, Schule und Gefängniß noch ein Armenhaus in jedem Ort. Die meisten Gebäude sind wegen ihrer hohen Lage mit Stroh bedeckt. Jeder Ort hat besondere Gemeinderechte mit abgesondertem Vermögen. Die Gesammtgemeinde besitzt Nichts als 767 fl. Aktivausstände.

| Die Orte der ganzen Gemeinde gehörten bis 1802 zum Reichsstadt rothenburgischen Gebiet und von da bis 1810 zu Bayern. [b 1] Von Gebäuden und Grundstücken stand ein großer Theil im Erblehensverband und entrichtet noch in Veränderungsfällen 5 % Handlohn und 11/2 % Sterbfall.

a. Gammesfeld, Pfarrdorf mit einem Schlößchen und 308 evang. Einwohnern, wurde früher Gamsvelt und Gamsfeld geschrieben. Das äußere Ansehen des 4 Stunden von Gerabronn entfernten Ortes ist freundlich; seit er von Vicinalstraßen berührt ist, wird auch etwas mehr auf Reinlichkeit gehalten. Unter den Gefällberechtigten in den 4 Orten sind mehrere Privatpersonen in der Stadt Rothenburg an der Tauber. Früher gehörte der Pfarrei der kleine Zehente und an 27 Mrg. Wiesen der Heuzehente, nachdem aber neuerlich in Folge der Pfarr-Besoldungs-Verwandlung die Staatsfinanz-Verwaltung in alle Zehentrechte eingetreten ist, und davon den Hauptzehenten ablösen ließ, steht nur noch der Novalzehnte, sowie der große und kleine Zehente dem Staate zu. Die Hälfte der Jagd, dem Staat gehörig, ist an einen Privaten verpachtet, die andere Hälfte ist Eigenthum eines solchen.

Das Alter der hiesigen Kirche zum heil. Nikolaus und der Pfarrei ist nicht bekannt. 1329 ist ihrer erstmals erwähnt. Pfarrei und Schule besetzt der König. Bis 1802 stand das Recht hiezu der Johannitercommende zu Rothenburg zu. Die politische Gemeinde bildet auch die Pfarr- und Schul-Gemeinde; bis 1810 gehörte übrigens Metzholz zur Pfarrei Bettenfeld (in Bayern)[b 2]. Der Begräbnißort für die Pfarrei liegt nächst der Kirche. Die Baulast an dem Pfarr- und Schul-Haus hat der Hospital in Rothenburg, an der Kirche die Stiftungspflege in Gammesfeld, welche 1250 fl. Grundstock besitzt.

Gammesfeld kommt urkundlich mit Edlen, die sich vom Dorf oder Schloß nannten, schon frühe vor. 1101 lebte ein Heinrich von Gammesfeld (s. hienach bei Ehringshausen). 1303 verkaufte Dieter von Hornberg dem Johanniterorden in Rothenburg 4 Malter Winterweizen jährliche Gült in Gammesfeld und Metzholz mit Genehmigung seines Herrn, Graf Kraften von Hohenlohe. Den 24. März 1329 übergeben Rudolph von Bebenburg und Petronella seine Hausfrau mit Zustimmung Lupolds von Bebenburg das Patronat zur Kirche in Gamesvelt dem Meister und den Brüdern der Johannitercommenthurei zu Rothenburg. 1336 versprach Berthold von Hennenberg, Namens des Johanniterordens, in gleichzeitiger Anerkennung der Schenkung des Patronatsrechts von Seite| Rudolphs von Bebenburg, diese Kirche stets mit tüchtigen Priestern zu besetzen. Den 10. December 1341 bestätigten Rudolph und seine Gattin Sophie mit Zustimmung Lupolds dem Friedrich von Bebenburg, Bruder des gedachten Ordens, die Schenkung. Am St. Michaelsabend 1347 bewilligte der Johanniterorden denen von Bebenburg als rechten Erben von Bebenburg und Gammesfeld, die Gewalt, einen oder zwei Altäre in der Kirche zu Gamsfeld aufzurichten, doch ohne Schaden der Pfarrei. Hiernach scheint es, daß die von Bebenburg Erben derer von Gammesfeld waren, oder daß sich früher bloß ein einzelnes Familienglied von der letzteren Burg geschrieben hat. In demselben Jahr stiftete Friedrich von Bebenburg eine ewige Messe und Lupold von Bebenburg und Genossen für Rudolph von Bebenburg eine Seelmesse, und 1348 am St. Veitstag eine ewige Frühmesse.

Auch ein kleines Kloster, eine Schwesterklause, war hier. 1348 bekennen Lupold von Bebenburg etc., daß sie als Vormünder von Rudolfs Kindern der Klause 3 Pfd. Heller, 2 Malter Korn und 4 Malter Haber auf 2 Höfen zu Gammesfeld gestiftet haben. 1363 verschreiben Wilhelm von Bebenburg und seine Brüder 2 Bürgern in Rothenburg 30 Pfd. Heller und 3 Faßnachthühner jährlich auf ihrer Burg und Veste Gammesfeld um 300 Pfd. Heller. 1367 überläßt Conrad von Bebenburg dem Wilhelm von Bebenburg die Veste Gamsfelt etc., und erhält dafür den großen und Heu-Zehenten zu Gamsfelt etc. Im Jahr 1380 verkaufen Wilhelm von Bebenburg und Gutta von Landau seine Gemahlin die Veste Gammesfeld u. s. w. an ihren Oheim, Walther von Hohenried, mit dem auf 2 Jahre bedungenen Wiedereinlösungsrecht, und in demselben Jahr sofort (Auslösung muß sonach in Kürze wieder erfolgt seyn) auch an den Burggrafen Friedrich von Nürnberg, von dem sie übrigens schon 1388 durch Kauf an die Reichsstadt Rothenburg kam (Reg. Boic. 10, 225). 1407 eroberte der Burggraf im Krieg mit Rothenburg die Veste wieder, gab sie jedoch, nachdem sie in der Zwischenzeit die Rothenburger in einem Angriff desselben ausgebrannt hatten, in Folge der Vermittlung des Kaisers 1408 an die Stadt unter der Bedingung ihres gänzlichen Abbruchs zurück. Dennoch wurde sie schon 1408 wieder aufgebaut, denn es findet sich, daß sie 1494 wieder zerstört und dann 1608 neu aufgebaut wurde.

Freitag nach Exaudi 1525 wurde der Ort durch Adam von Thüngen und Genossen ausgeplündert. Nachdem das Schloß im dreißigjährigen Krieg hart mitgenommen worden war, verkaufte es die Reichsstadt 1650 unter Vorbehalt der Gerichtsbarkeit und gegen eine jährliche Recognition, an den kaiserlichen Generalauditor Graaß, von dem es 1654 an Johann Wildstock und 1694 an| Senator Ehrhard in Rothenburg kam. Nun ist das Schlößchen, nachdem das Schloßgut längst im Einzelnen verkauft worden, im Besitz eines Bauern zu Gammesfeld. Bei der Reformation wurde die Frühmesse zum rothenburgischen Hospital gezogen, aber besonders verwaltet und später der Pfarrei wieder zurückgegeben. Obrigkeit und Landesherrschaft stand bis 1802 ganz der Reichsstadt zu.

b. Ehringshausen, Weiler mit 75 Einwohnern, worunter 1 Katholik, 5/8 Stunden westlich von Gammesfeld, an der Vicinalstraße von Wiesenbach nach Buch gelegen. Den großen und kleinen Zehenten hat die Gemeinde erkauft und aufgehoben. Bloß von einem Gut gehört er dem Staat, dem auch der Neubruchzehente zusteht. Früher hatte das Stift Feuchtwangen, neben 1 Unterthanen seiner Pfarrei Reubach, den großen Zehenten auf 4 großen Gütern; beim Übergang des Orts an Württemberg stand dieser Zehente aber Privaten zu. Die Jagd ist verpachtet und gehört dem Staat.

Geschrieben wurde der Ort früher Eyrings- und Iringshausen. Er gehörte immer zur Kirche in Gammesfeld. 1101 schenkte Heinrich von Gammesfeld den Weiler Iringshausen und Alles was er hier anzusprechen hatte, mit Ausnahme eines zur Kirche Gammesfeld verliehenen Hofs, dem kurz zuvor gestifteten Kloster Comburg. Den 25. November 1367 begibt sich Rudolph von Bebenburg aller Ansprüche auf seines Bruders Wilhelm väterliches und mütterliches Erbe, dagegen ihm derselbe den Zehenten zu Eyringshausen und Winden (wahrscheinlich das anstoßende Heufelwinden) aufgibt. Hieraus und weil später Rothenburg Besitzungen hier hatte, ergibt sich, daß Ehringshausen von Comburg wieder zur Veste Gammesfeld kam und immer als deren Eingehörung behandelt wurde.

c. Heufelwinden, mit 47 Einwohnern, worunter 2 Katholiken, 1/2 Stunden westlich von Gammesfeld gelegen, gehörte von jeher zu Gammesfeld. Von den 7 Gemeinderechten des Orts waren zwar bis zu den neuesten politischen Veränderungen eines deutschherrlich, jedoch bloß in Bezug auf die Vogteilichkeit und das Recht der Besteurung. Der große und kleine Zehente stand der Pfarrei Gammesfelden zu; in Folge der Pfarrei-Besoldungs-Verwandlung ist aber der Staat in Besitz derselben gekommen. Neubruchzehente ist hier keiner vorhanden und der Heuzehente abgelöst. Die Jagd, dem Staat gehörig, ist an die Gemeinde verpachtet.

Geschichtliches findet sich außer dem, was hievon bei Ehringshausen bemerkt ist, besonderes bloß noch vor, daß 1350 Engelhard von Weinsperg und Walter von Limpurg dem deutschen Orden ihre Güter zu Hildgartshausen, Winden und Herbsthausen verliehen.| Unter diesem Winden ist unser Ort zu verstehen, wie sich denn auch später, wie wir hievor gesehen haben, hier wirklich ein deutschorden’scher Unterthan fand.

d. Metzholz, Weiler mit 42 Einwohnern, nordöstlich von Gammesfeld, eine kleine halbe Stunde entlegen. Der große und kleine Zehente gehört dem Dr. Bezold und Genossen in Rothenburg; Neubruch- und Heu-Zehente gibt es hier keinen. Früher waren jene dem Hospital in Rothenburg zuständig. Das Jagdrecht steht dem Staat zu und ist an die Gemeinde verpachtet. Was bei Gammesfeld in Betreff der früheren politischen Zustände bemerkt worden, gilt auch hieher. Der Ortsname wurde früher Mettenholz geschrieben, wie eine Urkunde von 1303 ergibt, die besagt „den 9. Oktober 1303 verkauft Dieter von Hornberg dem Johanniterorden in Rothenburg 4 Malter Weizen jährliche Gült in Mettenholz und Gammesfeld mit Bewilligung seines Herrn Herrn Graf Kraft von Hohenlohe.“


Berichtigungen
  1. Berichtigung in Beschreibung des Oberamts Gerabronn S. 313–314: S. 143. L. 4 ist die Bezugnahme auf Brettheim zu streichen.
  2. Berichtigung in Beschreibung des Oberamts Gerabronn S. 313–314: S. 143. L. 27. l. Bettenfeld (in Bayern).
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