Beschreibung des Oberamts Hall/Kapitel B 29

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29. Gemeinde Wolpertshausen,
bestehend aus 9 Parcellen mit 1273 Einwohnern.
Der Gemeindebezirk ist einerseits von dem Bühlerthale und andererseits von dem Schmerachthälchen begrenzt. Er bildet die Hochfläche über beiden Thälern, indem nur Cröffelbach, Hopfach und Unterscheffach dem Bühlerthale angehören, und grenzt nördlich an das Oberamt Gerabronn. Er hat 2 Stunden in der Länge und ist fast ebenso breit. Durch den Bezirk, über Cröffelbach, Wolpertshausen und Rudelsdorf, zieht die mehrgedachte Landstraße von Hall nach Ilshofen und Crailsheim, welche in neuerer Zeit einerseits von Rudelsdorf über Hörlebach nach Langenburg, andererseits aber über Ilshofen und Asbach nach Vellberg führt. Dem Bezirke gehört auch die unten zu erwähnende Cröffelbacher-Steige an. Das Klima ist auf der Höhe etwas rauh. Hauptnahrung ist Viehzucht und Landbau. Der letztere zeichnet sich nicht aus; doch ist des starken Repsbaues zu gedenken; dagegen hat die Gemeinde fast den größten Viehstand (s. o. S. 75) und | es werden der Viehzucht und Mastung wegen die Wiesen und Futterkräuter besonders gepflegt. Der Handel mit Mastochsen, fetten Hämmeln und Schmalvieh ist lebhaft. Die Gebäude sind in den Orten auf der Hochebene, wo auch Wohlstand herrscht, sehr stattlich.

Der Bezirk gehört zum Forstamt Crailsheim. Der große Zehente gebührt in Wolpertshausen, Cröffelbach, Hohenberg, Hopfach und Unterscheffach wegen Comburgs ganz dem Staat; in Haßfelden und Reinsberg demselben aus dem gleichen Grund und den Ortspfarreien; in Hörlebach dem Hospital Hall; in Rudelsdorf dem Freiherrn von Gemmingen-Bonfeld zu Niedersteinach. Der kleine und Blut-Zehente gehört in Haßfelden den Pfarreien Haßfelden und Ober-Steinach, in Hörlebach dem Hospital Hall, in den übrigen Parcellen der Pfarrei Reinsberg. Was die übrigen Gefälle betrifft, so stehen solche dem Staat, der Stadtpflege und dem Hospital oder der Armenverwaltung Hall und einigen haller Privaten zu; in Hörlebach hat die fürstl. Standesherrschaft Hohenlohe-Ingelfingen einen kleinen, in Rudelsdorf der Freiherr von Seckendorff zu Erkenbrechtshausen hälftigen Antheil. Die Rechte der Freiherrn vom Holz in Alfdorf zu Wolpertshausen sind abgekauft. Seit 1817 hat die Gemeinde an den Gefällrechten des Staats für 11.257 fl. 49 kr. Capital abgelöst. Nach Ruppertshofen, Oberamts Gerabronn, ist Hörlebach, nach Haßfelden sind die Bewohner des Landthurmes und nach Reinsberg die übrigen Parcellen eingepfarrt. Schulen sind in Haßfelden und Reinsberg. Der ganze Gemeindebezirk war bis 1803 dem alten hall’schen Amte Bühler zugetheilt.

a) Wolpertshausen, früher Wolbrechtshausen, Dorf mit 167 evang. Einwohnern und 26 Gemeinderechten, wovon 25 hallisch, und 2306/8 M. vertheilten und 611/8 M. unvertheilten Allmanden und Waldungen; liegt oberhalb an der jenseitigen cröffelbacher Steige, 2 Stunden östlich von Hall, an der Staatsstraße von Hall nach Crailsheim, und hat eine Schildwirthschaft mit Brauerei, und ein auf Rechnung der Gemeinderechtsbesitzer erhaltenes Gemeinde- und Armen-Haus, so wie ein Hirtenhaus. Der Orts-Etter wurde 1840 mit Kandeln versehen.

Ein Theil von Wolpertshausen gehörte zu Bielrieth und theilte die früheren Verhältnisse mit Wolpertsdorf. Conrad v. Stetten verkauft 1413 mit seiner Hausfrau Margareth von Horkheim einen Hof an Hans v. Morstein; 1516 veräußern Caspar Eberhards Erben und 1533 Rudolph v. Eltershofen ihre Besitzungen an Hall. Die Rechte der Freiherrn vom Holz ruhten auf einem Hofe, den sie früher von Brandenburg-Ansbach, ehedem von Limpurg, zu Lehen getragen.

| Jörg von Rosenberg, Hans von Helmstädt u. A. brannten am Montag nach Judica 1469 das Dorf nieder. – Auf der Markung lagen noch 1706 zwei Seen und in noch früheren Zeiten zwei längst abgegangene Orte: Hofstetten und Walmersthal, die noch 1464 und 1352 genannt werden.

b. Cröffelbach, früher auch Crefftelbach, Weiler mit 207 Einwohnern, worunter 1 Kath., 14 hallischen Gemeinderechten und 140 M. vertheilten und 38 M. unvertheilten Allmanden und Waldungen; liegt an der Bühler, zwischen den beiden cröffelbacher Steigen, und hat eine Capelle, eine Mahlmühle und eine Schildwirthschaft. – Im Jahr 1838 wurde der Durchweg über den Klingenbach mitten im Orte neu hergestellt und 1840 der Orts-Etter mit Kandeln versehen. Die 1500 von Hall erbaute Bühlerbrücke wurde 1842 vom Staat erweitert. Die bedeutende Correktion der beiden früher gefährlichen cröffelbacher Steigen (s. o. S. 97) fällt in die Jahre 1836/40. Der Aufwand belauft sich auf etwa 80.000 fl., wovon die Amts-Corporation 21.000 fl. übernommen hat.

Cröffelbach gehörte einst zur Herrschaft Bielrieth und theilte mit derselben die Besitzstandsveränderungen. Adalbert von Bielrieth schenkt 1078 den halben Weiler an Comburg. Im Jahr 1532 verkauft Eberhard von Eltershofen das halbe Gericht, die Mühle, 3 Güter und Gülten an Hall, nachdem die v. Morstein kurz zuvor ihre Hälfte auch dahin verkauft hatten. Der Hospital Hall besaß 1706 fast den ganzen Ort. Im Jahr 1402 standen hier zwei Keltern.

c. Haßfelden, früher Hastoldesfelden, Hastolzfelden, Hastisfelden und Hastenfelden, Pfarrweiler mit 162 Einwohnern, worunter 1 Kath., 22 Gemeinderechten und 44 M. vertheilten und 393/8 M. unvertheilten Allmanden, liegt auf der Hochebene und hat mehrere wohlbemittelte Einwohner. Es sind zwei Schildwirthschaften im Orte. – Derselbe bildet mit den Bewohnern des hörlebacher Landthurms eine eigene Pfarrei, hat eine schlechte Kirche, die des Neubaues bedarf, ein 1838 neu gebautes Pfarrhaus und ein 1839 neu gebautes Schulhaus. An der unscheinbaren, kleinen, 1701 erbauten Kirche und dem Pfarrhaus hat wegen Comburgs der Staat, an dem schon 1650 erwähnten Schulhaus der Gemeinde die Baulast. Das Patronatrecht hat, von Comburg her, der Staat. Auch ist ein Gemeinde- und Hirten-Haus vorhanden. Das Stiftungsvermögen wurde 1837 neu gebildet.

Wignands Schenkung 1090 an Comburg von Gütern zu Hisolvestatt dürfte wohl unsern Ort betreffen. Im Jahr 1359 | verkauft Hermann v. Neuenstein an Hermann Colmar, Domherrn zu Basel, 2 Güter, die 1384 von Claus Schneewasser zu Hall an das Kloster Comburg kamen, an welches 1394 Egon Sieder und Heinrich Keck, 1393 Ulrich v. Heimberg und Heinrich Eberhard, 1399 Ulrich v. Gailenkirchen und 1402 Wilhelm v. Stetten alle ihre Besitzungen hier und in Atzmannsdorf verkaufen. Comburg veräußert sie aber 1521 (17 Höfe, wovon 6 zu Atzmannsdorf) an Hall, wohin auch 1537 Ludwig v. Morstein und 1539 Apollonia, Werners v. Stetten Wittwe ihre Besitzungen (wahrscheinlich sind dieß die bielriether) verkaufen; auch der Heilige von Steinach verkauft die seinigen 1599 an Hall; ebenso 1564 Graf Ludwig Casimir zu Hohenlohe und 1587 Junker Hans Conrad v. Absperg. – Mit der Reformation waren auch die 11/2 Höfe an die Stadt gekommen, welche 1370 Hans Lecher an das haller Barfüßerkloster verkauft hatte.

Markgraf Achilles von Ansbach brannte 1449 den Ort nieder.

Die Pfarrei ist alt. Schon 1248 bestätigte der Papst dem Kloster Comburg das Patronat. Da 1528 unter haller Autorität die Pfarrbesoldung geregelt ward, so scheint die Reformation schon eingeführt gewesen zu seyn. Von nun an übte Comburg nur noch die Nomination, Hall aber die Examination aus.

Auf der Markung, über der Klinge am Wege nach Altenberg, stand eine Burg, von der nichts weiter bekannt ist, als daß sie den Strüllern, genannt Alt von Altenberg, gehört haben soll. Auch lag auf derselben ein kleiner See und der schon oben genannte abgegangene Ort Atzmannsdorf, wovon der Zehente dem deutschen Hause zu Mergentheim gebührte. Conrad von Vellberg, Bürger zu Hall, vermacht 1342 ein Gut zu Atzmannsdorf, allen seinen Harnisch und alle seine Reitpferde dem Heiligen zu St. Michael in Hall.

d. Hohenberg, Weiler mit 107 Einwohnern, 11 Gemeinderechten und 144 M. vertheilten und 341/4 M. unvertheilten Allmanden; liegt westlich von Wolpertshausen, 1/4 St. von der von Geislingen herauf ziehenden Vicinalstraße, auf dem Bergvorsprung, der sich auf der Südseite gegen Cröffelbach sehr steil abdacht.

Die Vogtei über 1 Hof und 7 Güter ist vormals weinsbergisches, nachmals pfälzisches, nun württembergisches Kron-Lehen der Armenverwaltung oder des Hospitals zu Hall; 1339 verkauft sie Friz v. Scheffau und Elsbeth, seine Hausfrau, an Heinrich Veldner, Bürger zu Hall, als weinsbergisches Lehen; 1402 war Wernher Philipp damit belehnt, ebenso 1415 Philipp v. Eltershofen; 1481 verkauft aber Jörg v. Eltershofen seinen Antheil an den | Hospital in Hall, und 1486 verkauft Burkhard Eberhard das Seinige daran an Gabriel Senft und dieser 1516 ebenfalls an den Hospital, wohin auch 1521 Comburg seine Gültrechte von 9 Höfen verkauft. Ein weiteres Gut kaufte die Stadt 1636 von David Horlacher, als Allodium.

e. Hopfach, früher auch Hopfau, Weiler mit 93 Einwohnern, 11 Gemeinderechten, mit 96 M. unvertheilten Allmanden und Waldungen; liegt im Bühlergrund, 1/2 St. oberhalb Cröffelbach, und hat eine Mahlmühle. Diese kaufte 1407 Hans Knopf, Caplan des heil. Kreuzaltars in der Kirche St. Michael zu Hall, von Conz Adelmann, und schenkte sie sofort der Pfründe dieses Altars, mit der Bedingung, seine und seiner Altvordern Jahrszeit ewig zu begehen. Der Ort gehörte im Übrigen zur Burg Bielrieth und theilte die Besitzstandsveränderungen derselben. Im Jahr 1399 standen hier zwei Keltern.

Auf der Nordseite von Hopfach stand auf einem von dem Bühlerthal aufstrebenden steilen Berg, im sogenannten Himmelreich, die Burg Hopfach, auf der die Brunnen hausten und von der noch colossale Mauerreste, die aber ganz überwachsen sind, nebst Wall und Graben, Zeugniß geben. Von ihren Besitzern haben wir nur wenige kennen gelernt: 1268 Conradus de Brunnen (Menken a. a. O. S. 401, s. auch Thüngenthal), 1280 Seifried Brunn, 1286 Heinricus Plebanus (Menken a. a. O. S. 403), 1307 Sifridus (Wibel a. a. O. II. S. 253), 1292 und 1314 Heinricus (Wibel a. a. O. II. S. 254, Menken S. 408). Über die Schicksale der Burg konnten wir nichts erfahren.

f. Hörlebach, früher auch Hürdelbach und Hürlebach, [1] mit dem Beisatz: „am Landthurm,“ Weiler mit 166 evang. Einwohnern, 17 Gemeinderechten und 15 M. unvertheilten Allmanden, liegt links ab von der Hall-Rothenburger Staatsstraße und an der von Langenburg nach Ilshofen und Vellberg führenden Vicinalstraße. Der Ort besitzt eine Schildwirthschaft; auch sind hier mehrere sehr wohlhabende Bauern, wovon einer zum vormals senftischen Lehen der Standesherrschaft Hohenlohe-Ingelfingen gehört.

Im Jahr 1266 kommen durch Conrad v. Krautheim Güter an Gnadenthal (Wibel a. a. O. II. S. 76), und von diesem 1291 ein Gut an die Johannitercommende Hall. Zwei Güter verkauft Anna von Gailenkirchen 1420 an die Kirchenpräsenz zu St. Michael. Im Jahr 1421 verkauft Conrad v. Stetten seine Güter an Hug v. | Vellberg, von wo sie 1595 an Hall kamen, wohin auch 1599 der Heilige zu Steinach die seinigen verkauft. Ebenso erwarb die Stadt 1576 von Sebastian Hans und Albrecht v. Crailsheim, 1580 von Conrad v. Vellberg und 1587 von Hans Conrad von und zu Absberg einige Güter. – Der Ort, welcher früher Filial von Bächlingen war, wurde 1437 nach Ruppertshofen umgepfarrt. – Der viereckige, ganz massive Landthurm wurde 1821 an Privaten verkauft und ist nun bewohnt.

g. Reinsberg, früher Reinoldsberg, Reinholzberg und Reinwolsberg, Pfarrweiler mit 189 ev. Einwohnern und 31 Gemeinderechten, worunter 22 hallische und 9 comburgische, mit 226 M. vertheilten und 17 M. unvertheilten Gemeindegründen. Der Ort liegt hoch und eben, 3/4 St. südlich von Wolpertshausen, und gewährt beinahe gegen alle vier Weltgegenden eine schöne Fernsicht. Er hat ein sehr stattliches Ansehen und die schönen und großen Gebäude verrathen alsbald die behagliche Lage und den Wohlstand der Einwohner. Die Kirche, eine Kreuzkirche, ist niedlichen Styls, aber ohne allen Schmuck. Das Schulhaus wurde 1840 wesentlich erweitert. Wegen der Erweiterung der Kirche und der Verlegung des für den Pfarrsprengel gemeinschaftlichen Kirchhofs außerhalb Etters sind Unterhandlungen eingeleitet. An Kirche und Schulhaus hat der Staat wegen der Oberlandesheiligenpflege, an dem soliden Pfarrhaus derselbe wegen Comburgs die Baulast. – Es ist eine Schildwirthschaft mit einer wohl eingerichteten Bierbrauerei vorhanden. – Das Patronatrecht steht von Comburg her der Krone zu. Zum Pfarrsprengel gehören, außer Reinsberg, Wolpertshausen, Cröffelbach, Unterscheffach, Hohenberg, Rudelsdorf und Hopfach. Die Schule bestand schon 1609.

Reinsberg ist, wie wir hienach finden werden, ein alter Ort, der frühe schon, wenigstens theilweise, den Grafen von Rothenburg oder Comburg zugehörte. Das Kloster Comburg besaß durch Schenkung von diesen den größten Theil desselben und gab die Vogtei den Herren von Weinsberg als Lehen, welche wieder Andere mit derselben afterbelehnten. Comburg verkaufte aber 1521 an die Stadt Hall 20 Lehen und die Gülten aus der 1413 errichteten Badstube. So besaß Comburg am Ende nur noch 9 Güter und Gemeinderechte, wovon 5 mit dem Pfarrsatze verbunden waren, die 4 andern, welche Comburg 1403 von den Eberhard erkauft hatte, trugen bis zu ihrem Aussterben die von Münkheim und dann 1640 die Senft von Suhlburg als Lehen von Comburg.

Am 27. Mai 1695 brannten hier 28 Gebäude ab.

Die Pfarrei ist sehr alt. Der Stifter der Pfarrei Thüngenthal soll auch diese gegründet und dotirt haben. Nach ihm bereicherten | sie seine Bruderssöhne, die Stifter Comburgs, noch mehr, namentlich mit Zehenten und einem Widdumhof, und schenkten den Pfarrsatz dem Kloster Comburg. Diesem bestätigte namentlich Papst Innocenz 1248 die Pfarrei. Beringer, plebanus in Reinoldsberg wird 1251 genannt (Wibel a. a. O. IV. 13). Wie aber die Pfarrei Comburg incorporirt wurde, 1287 an das Domstift Würzburg und erst 1575 wieder an Comburg gelangte, ist bei Michelfeld gezeigt. Der hiesige, 1562 gestorbene und in der Pfarrkirche begrabene Pfarrer und Chronist, Johann Herold, legte 1529 das Cölibat ab und ließ sich trauen. Von nun an übte Hall die Examination und Bestätigung aus. Es ist hier noch eines tragischen Vorfalls (Prescher a. a. O. I. 207) zu erwähnen. Als nämlich 1433 die Pfarrei erledigt war, übertrug sie der Abt von Comburg dem Sohn eines Salzsieders. Weil aber der Vorgänger in einem Papstmonate gestorben war, so erschien auch ein vom Papst ernannter Pfarrer aus der Markgrafschaft Ansbach im Pfarrhaus und schloß den hallischen aus. Darüber kam es zum Streit, und weil Hall und Comburg sich nicht darein mischen mochten, so brach der Haller mit Hülfe Einiger in das Pfarrhaus und verlangte, daß der Andere weiche; und weil dieser sich sträubte, so schleppten sie ihn an die Bühler, zwischen Scheffach und Hopfach, warfen ihn hinein und zerrten ihn an einem Seile hin und her, worüber er im Wasser den Geist aufgab. (Der Ort daselbst heißt noch der „Pfaffengump.“) Allein ein Bruder des ertränkten Geistlichen war ein Dienstmann Conrads von Bebenburg, welcher nun mit einigen andern Dienstleuten an den Einwohnern von Reinsberg Rache nahm, das Dorf plünderte, Mehrere tödtete und allerlei Unzucht trieb. Auf erhaltene Nachricht kamen nun die Haller zu Hülfe, erstachen Einige und nahmen 21 gefangen, die sie am Tag nach Nicolai 1434 erhängten. Es waren dabei: Conrad von Bebenburg und sein Narr, Hans von Thann, Berchtold von Bibrach, ein Junger von Bibrach, 14 Jahr alt, Heinz von Absberg und ein von Gebsattel. Daraus entstanden nun aber viel größere und blutigere Händel, die erst 1446 ein Ende nahmen.

Hinter dem Dorfe, oberhalb Scheffach, stand die Burg Reinsberg, wo die Herren von Reinwoldsberg saßen, welche zu den ersten Wohlthätern Comburgs gezählt werden (Wibel a. a. O. IV. 58). Wir fanden jedoch nur Einen dieses Geschlechts, 1420 Friz von Reinwoldsberg, Bürger zu Hall. Wann die Burg zerstört worden, ist unbekannt; mit den Steinen derselben soll 1413 die Badstube erbaut worden seyn. Die Ruine mit Zugehör kam später in die Hände der Schenken von Limpurg, welche 1562 den in sechs Theile getheilten Burghof und Gülten aus dem Burgstall an die Stadt Hall abtraten.

| Auf der Markung von Reinsberg lagen einige nun abgegangene Orte. Namentlich, gegen Rudelsdorf hin, Argersdorf und Hertlinsdorf. Im letztgenannten Ort stand auch ein Schloß oder Wasserhaus, wovon 1561 noch die Gräben zu sehen waren.

h. Rudelsdorf, Weiler mit 38 evang. Einwohnern, mit 6 Gemeinderechten und 1171/4 M. vertheilten und 191/4 M. unvertheilten Gemeindegründen, liegt 1/4 St. östlich von Wolpertshausen, gegen Ilshofen, an der Staatsstraße gegen Crailsheim und hat lauter wohlhabende Einwohner. Seine Besitzungen erhielt Hall 1521 von Comburg, 1564 von Graf Casimir von Hohenlohe und 1587 von Junker Hans Conrad von Absperg. Die übrigen drei Güter, nebst Vogtei darüber, waren immer mit dem Rittergut Erkenbrechtshausen verbunden.

i. Unter-Scheffach, früher auch Unterscheffau, Weiler mit 144 evang. Einwohnern, 15 Gemeinderechten und 243/8 M. vertheilten und 331/4 M. unvertheilten Allmanden, liegt unterhalb Reinsberg, im Bühlerthal, 1 St. südlich von Wolpertshausen und 1/4 Stunde unterhalb Ober-Scheffach, hat eine Mahlmühle, 1/4 St. stromaufwärts, südlich von Hopfach. Die Capelle zu Aller Heiligen wird zu gottesdienstlichen Zwecken nicht mehr benützt und wurde 1841 vom Staat dem Orte überlassen. Die Frühmesse in derselben wurde 1421 von Hans Wegner von Scheffau gestiftet. Seine verschiedenen Besitzungen erwarb Hall 1521 vom Stift Comburg (Mühle und Fischwasser), 1562 von Limpurg und 1564 von Graf Ludwig Casimir von Hohenlohe, sowie 1576 von Sebastian, Hans und Albrecht v. Crailsheim einen Hof und 3 Güter mit Keltern, Weinbergen und Waldungen. Ein weiteres Gut kaufte Rudolph von Münkheim, Bürger zu Hall, 1399 von Ulrich von Heimberg und schenkte es unter der Bedingung an den Altar des heil. Kreuzes in St. Michael, daß für seine verstorbene Gattin, Anna von Heimberg, eine ewige Seelenmesse gelesen werde.

Auf einer östlichen Anhöhe von Unter-Scheffach stand die Veste derer v. Scheffau, eines der ältesten, angesehenen und wohlbegüterten adeligen Geschlechter in hiesiger Gegend, deren Hauptbesitzung von den Schenken v. Limpurg zu Lehen gegangen zu seyn scheint, da insbesondere der weit größte Theil von Scheffach von Limpurg an Hall kam. Wir finden 1078 Marholdus de Scheffovve, 1101 und 1102 Egesberthus und Heinricus de Scevovve (Menken 391 und 394), 1216 Sifridus de Scephovve (Wibel a. a. O. III. S. 37), 1253 Sigfrid (a. a. O. S. 68), 1266 Heinricus (Wibel a. a. O. II. S. 76), 1270 Wernherus (Wibel a. a. O. II. S. 83), 1282 und 1292 Aureus miles, Ruggerus de Scheffau (Menken a. a. O. S. 402 und | 403, Wibel a. a. O. II. S. 117), 1291 Heinrich (Wibel a. a. O. II. S. 116), 1286 Arnold (Menken a. a. O. S. 403), 1307 Elsbeth, Ritter Conrads Tochter (Wibel a. a. O. III. S. 159), 1305 Gertrud, Nonne zu Gnadenthal (Wibel a. a. O. II. S. 381), 1311 Bruder Heinrich, Commenthur des Johanniterspitals zu Hall, zugleich Vasall von Lobenhausen; 1339 Fritz, Vasall von Weinsberg und Besitzer von Hohenberg mit Vogtei, und endlich 1388 Cunz oder Conrad v. Scheffau. Welches Schicksal die Burg hatte, ist uns unbekannt. Anna Geyer, Heinrich Berlers Wittwe und ihre Söhne Heinrich und Jörg Berler, verkauften 1470 den Burgstadel mit 2 Gütern an die Frühmesse von Unter-Scheffach, und da der Kaufspreis nur 110 fl. war, so ist anzunehmen, daß nur noch die Ruinen standen.
  1. Ein Garten „am Horle“ in Hürlebacher-Mark wird 1549 urkundlich genannt. Der Ortsname scheint also von einem alten Späheposten herzurühren.


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