Beschreibung des Oberamts Heidenheim/Kapitel B 24

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24. Gemeinde Söhnstetten,
evangelisches Pfarrdorf, nebst Dudelhof, mit 1049 Einwohnern (worunter 3 katholische Filialisten von Böhmenkirch, OA. Geislingen) und einer Markung von 62182/8 Morgen Flächengehalt. Söhnstetten selbst gehört noch zum Albuch, während die südlichen Theile der Markung gegen Gerstetten und Gussenstadt schon zur Alp gerechnet werden. Mehrere Trockenthäler und Mulden, das Frohnthal, Eselthal, Benzenhauser Teich und Mantel- oder Mauerthal, vereinigen | sich in einer flachen Vertiefung, in welcher Söhnstetten liegt, und mit welcher das ostwärts streichende Stubenthal seinen Anfang nimmt. Mit diesem vereinigt sich auf der östlichen Markungsgrenze das sogenannte Zwerch- (Quer-) Stubenthal von Heuchstetten her. Die Hänge und Höhen zwischen den zuvor genannten Thälern und Vertiefungen sind größtentheils mit Ackerland (37946/8 Morgen) bedeckt, die zu beiden Seiten des Stubenthales mit Laubholz bewachsen (12143/8 Morgen Wald). Der Bezirk ist durchaus wasserlos; nur Dudelhof hat einen, in trockener Jahreszeit bald erschöpften, Brunnen. Die Luft ist rauh, der Boden steinigt und hitzig, und daher in trockenen Jahrgängen sehr wenig ergiebig. Überhaupt gehört diese Markung zu den von der Natur am wenigsten begünstigten im Oberamt. Der ganze nördliche Theil besteht aus sogenannten Ausbäuen, die einen noch bei weitem undankbareren Boden haben, als die flürlich gebauten Felder, und daher gewöhnlich nur zum Haberbau benutzt werden. Doch hat man in neueren Zeiten angefangen, den Boden durch Mergel zu verbessern und für Roggenbau geeignet zu machen. Sonst ist die vorherrschende Getreideart der Dinkel, dessen Ertrag man aber nur auf 3 Scheffel per Morgen schätzt. Auch wird ziemlich viel Einkorn, und mehr als in der Nachbarschaft, gebaut. Preise des Morgen Ackers sind 3 fl., 80–100 fl., 350 fl. Der Wieswachs ist gering, da nur 1037/8 Morgen (ohne 491/8 M. Holzwiesen) nur in nassen Jahren zweimädige Wiesen vorhanden sind, die einen Ertrag von 12 Ctr. Heu per Morgen gewähren. Preise per Morgen 150 fl., 200 fl., 300 fl. Von obiger Waldfläche gehört der Gemeinde etwas über die Hälfte (650 M.), 410 Morgen dem Staat, das Übrige Privaten. Waldweide findet statt, jedoch nur in älteren Schlägen. Pferde- und Rindviehzucht stehen den benachbarten Alpgemeinden merklich nach. Stallfütterung ist nur bis nach der Ernte gewöhnlich, worauf Stoppel- und Herbstweide eintritt. Die sehr gute Schafweide wird mit einheimischen (spanischen) und auswärtigen Schafen beschlagen und gewährt gegenwärtig einen jährlichen Pachterlös von 1500 fl. Hauptnahrungsquelle ist der Feldbau, und die Gewerbe stehen sehr zurück. Weberei wird von einigen und 30 Meistern fast ohne Ausnahme für Heidenheimer Fabriken betrieben. Schildwirthschaften sind 2, Bierbrauereien 2 und Ölmühle 1 vorhanden, die durch Pferdekraft betrieben wird. Merklich ist bereits auch hier der wohlthätige Einfluß, welchen die durch das Stubenthal angelegte Straße aus Bayern nach dem Unterland auf Belebung des Verkehrs äußert, indem die bedeutende Getreidedurchfuhr für die hiesigen Wirthe, Handwerker, Fuhrleute etc. einen nicht unbeträchtlichen Verdienst abwirft. Übrigens ist der Wohlstand im Ganzen ein sehr mittelmäßiger. | Seit dem so häufig gewordenen Zerstückeln der Hofgüter sind nur noch 4–5 etwas bemitteltere Bauern vorhanden; die übrigen leben von einem beschränkten Feldbesitz, vom Taglohn, Holzmachen etc. und sind zum Theil sehr verschuldet. Auch das Gemeindevermögen ist in keinem erfreulichen Zustande; die Activa bestehen in der Schafweide und in dem Gemeindewald, wogegen sich die Passiva auf 27.000 fl. belaufen. Als Nutzung genießt ein Bürger 1/4 Jauchert Acker und jährlich 1/2 Klafter Holz nebst 25 Wellen. Großzehent- und Gefällherr ist der Staat; den kleinen und Heuzehenten bezieht die Pfarrei. Dienstgelder und Jagdfrohnen wurden abgelöst zusammen jährliche 27 fl. 55 kr., Hausgenossengelder an den Staat 3 fl. 42 kr. Gebäudeabgaben an die Gemeinde- und Stiftungspflege 4 fl. 36 kr. Aufgehoben aus dem Hirtenstab, Gewerbezinse etc. 8 fl. 58 kr.

1) Söhnstetten liegt auf einem flachen Rücken in der oben genannten Vertiefung des Albuchs, an der sogenannten Wilhelmsstraße, 31/2 St. westlich von Heidenheim, und zählt 1024 Einwohner in 163 Wohngebäuden. Der Ort macht mit seinen Strohdächern und kleinen Häuschen den Eindruck eines gewöhnlichen Alpdorfes, und kommt den ansehnlicheren Nachbarorten Gerstetten, Gussenstadt, Steinheim etc. nicht gleich. Der Wassermangel ist fast jedes Jahr ein drückendes Übel, indem das Wasser, wenn die kargen Schöpfbrunnen der näheren Umgebung ausgeleert sind, von Sontheim a. A. herbeigeschafft werden muß. Auf einer Anhöhe, dem Kirchberg, steht die 1666 erbaute Pfarrkirche; sie hat nichts Ausgezeichnetes und ist für ihre Bestimmung zu klein. Die Baulast derselben wie auch des neben ihr stehenden Pfarrhauses liegt dem Staat ob. Für die Schule (mit 2 Lehrern) hat die Gemeinde 1824 ein angemessenes Gebäude errichtet, in dessen Erdgeschoß sich das Rathszimmer befindet. Unter den Stiftungen ist eine Armenstiftung mit 200 fl. von der Wittwe des Prälaten v. Haas zu erwähnen, der den 1. Januar 1779 hier geboren worden war. Ein Gemeindebackhaus ist seit einigen Jahren erbaut. Der Begräbnißplatz, früher um die Kirche, ist jetzt außerhalb des Ortes, südlich von demselben angelegt.

Als geborenen Söhnstetter erwähnen wir den zu Tübingen den 3. Februar 1842 gestorbenen ersten Professor der Theologie etc. Dr. Friedrich Heinrich Kern, geboren den 20. April 1790.

Als Sanstetin erscheint das Dorf im Jahr 1143 unter denjenigen, wo Kloster Anhausen Stiftungsgüter erhielt. Im Jahr 1337 hatte Albrecht Graf von Grafeneck und seine Brüder einen Hof, im Jahr 1437 Wolf von Zillenhard Güter allhier (Gabelkh.). Conrad von Zillenhard verkaufte den 11. November 1507 den Ort mit aller Zugehörde um 2050 fl. rheinisch an Kl. Königsbronn (Scheffer 81), welches durch Kauf und Tausch (vergl. Sachsenhausen) später noch | einzelne Liegenschaften an sich brachte, z. B. im Jahr 1546 Güter und Gülten von Wolf von Rechberg auf Hohenrechberg um 325 fl. erkauft. Im Besitze des genannten Klosters blieb Söhnstetten. Ein Achtel des Ortes war übrigens heidenheimisch; dieser Theil hatte bis 1806 eine ganz abgesonderte Verwaltung unter einem eigenen Schultheißen und war dem Oberamt Heidenheim zugetheilt.

Den Kirchensatz hatte Königsbronn seit dem Jahr 1422 (Cleß. C. 74). Schon im Jahr 1243 den 12. Juni kommt ein decanus Bertholdus de Senstetten vor (Z. i. d. Urk. Bisch. Siboto’s von Augsburg für Kl. Lorch. Orig. in Stuttg.). 1634 brannte der Ort sammt der Kirche ab. Von diesem Jahr an bis 1672 blieb die Pfarrei unbesetzt.

2) Dudelhof, Weiler aus 2 Bauernhöfen bestehend, 1/2 St. ostsüdöstlich von Söhnstetten entfernt, mit 25 Einwohnern.

Ein Felddistrikt zwischen Söhnstetten und Gussenstadt heißt der Einsiedel.


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