Beschreibung des Oberamts Laupheim/Achstetten

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Achstetten.
Gemeinde III. Klasse mit 793 Einw., worunter 13 evangel. a. Achstetten, Pfarrdorf 774 Einw. b. Mönchhöfe, Weiler, 19 Einw. – Kath. Pfarrei.

Der große, schöne, in die Länge gebaute Ort, der mit Ausnahme des südlichen Theils streng genommen nur zwei Häuserreihen bildet, zwischen denen die Ulm-Laupheimer Landstraße durchführt, liegt 3/4 Stunden nördlich von Laupheim, an dem nicht hohen, östlich geneigten Thalabhange gegen die nahe vorbeifließende Roth. Die Gebäude selbst sind meist ansehnliche Bauernhäuser und in der Regel durch Hofräume oder Baumgärten von einander getrennt, so daß selten zwei Häuser zusammenstoßen, was theils zur Freundlichkeit des Orts, theils zur Sicherheit gegen Feuersgefahr wesentlich beiträgt.

Im südlichen Theil des Dorfs liegt etwas erhöht an der Hauptstraße die Pfarrkirche zum heil. Oswald, welche im Jahr 1625 von dem Kloster Ochsenhausen im späten Renaissancestyl mit halbrundem Chorschluß neu erbaut – und in den Jahren 1817/18 von der gräflich Reuttner’schen Gutsherrschaft im Innern sehr freundlich reparirt und mit drei neuen, von Huber gut gemalten Altarblättern beschenkt wurde. Der Thurm, welcher in seinen unteren Theilen viereckig und alt ist, geht gegen oben in ein Achteck über, das ihm nebst einem neuen Bohlendach im Jahr 1823 auf Kosten der Gutsherrschaft aufgesetzt wurde, welche bei der Unvermögenheit der Kirchenpflege eintrat.

Am südlichen Ende des Dorfs liegt neben dem Begräbnißplatz die Kapelle zu unserer lieben Frauen oder zum englischen Gruß, welche Philipp Adam von Freiberg in der Mitte des 17. Jahrhunderts in einem einfachen, ansprechenden Styl erbauen ließ; sie wurde im Jahr 1847 auf Kosten der Gutsherrschaft gründlich renovirt und namentlich das Innere derselben sehr geschmackvoll ausgestattet. Außer guten Deckemalereien und drei über deren Eingang angemalten, den adeligen Familien v. Reuttner, v. Herrmann und v. Freyberg gehörigen Wappen, enthält dieselbe noch| ein gut ausgeführtes Altarblatt, den englischen Gruß vorstellend, und unter dem mit einem Halbrund schließenden Chor die im Jahr 1847 errichtete und eingeweihte Familiengruft der Grafen von Reuttner. Der unten viereckige, gegen oben in ein Achteck übergehende, mit einem Satteldach gedeckte Thurm, stammt aus einer weit früheren Periode als das Schiff der Kapelle. Die guterhaltenen Pfarrgebäude und das Schulhaus liegen zunächst der Kirche; letzteres wurde 1826 auf Kosten der Gemeinde neu erbaut und enthält außer der Wohnung des Schullehrers zugleich die Rathszimmer.

Das der Pfarrkirche nahe stehende, dem Grafen Reuttner v. Weyl gehörige, in den Jahren 1793–1796 gänzlich renovirte Schloß ist in einem einfachen, modernen Styl erbaut und mittelst eines bedeckten Ganges mit der Kirche verbunden. Um dasselbe lief früher ein Weiher, der in den Jahren 1793/96 theilweise und später ganz ausgetrocknet wurde; an seine Stelle traten schöne Öconomiegebäude und Gartenanlagen. Sehr interessant sind zwei ausgezeichnet gute Gemälde und eine Sculpturarbeit, weche als Eigenthum des Grafen v. Reuttner in dem Schloß aufbewahrt werden; erstere von Hans Holbein gemalt, stellen das lebensgroße Brustbild eines schon ergrauten Ritters, auf dem Hüfthorn das Wappen derer v. Freyberg tragend und das Brustbild einer ältlichen, aber noch stattlichen Dame vor. Das sehr künstliche Sculpturwerk von Isaak Kiening von Isny 1568 gefertigt, besteht in einer aus Sohlenhofer Plattenkalk gearbeiteten, mit Reliefs reich verzierten Tischplatte von 4′ im Durchmesser. Die Reliefverzierungen treten 1/2 – 1′′′ hervor, je nachdem es die Anordnung der Bilder erforderte. Die in drei Kreise getheilte Platte enthält im innersten runden Felde Christus am Kreuze, zu beiden Seiten Maria und Johannes; auf dem mittlern ist die Ahnenprobe des Karl v. Freyberg und seiner Gemahlin, geb. v. Laubenberg, dargestellt, der äußerste Kreis ist Jagdstücken und körnigen Jagdsprüchen gewidmet. Das auf der Markung zerstreut liegende, etwa 300 Morgen große Schloßgut steht in Selbstbewirthschaftung, mit einem Viehstand von über 30 Stücke Simmenthaler Race.

Der Ort ist mit gutem Trinkwasser hinreichend versehen und eine im sog. Urspring beginnende Quelle, welche die Brunnen, Bassins etc. bei dem Schlosse speist, kann im Dorfe bei Feuersgefahr zu einer Wette geschwellt werden. Die nahe am Ort in vielen Krümmungen vorbeifließende Roth setzt eine Mahl- und Öl-Mühle in Bewegung. Auch ist ein im J. 1839 erbautes öffentliches Backhaus vorhanden. | Die ziemlich vermöglichen Einwohner sind im Allgemeinen fleißige, religiöse Leute, die sich hauptsächlich von Feldbau und Viehzucht nähren.

Die beinahe ebene Markung hat einen vorherrschend sandigen, leichten fruchtbaren Boden, dem meist Gerölle zur Unterlage dienen; in den Thalebenen ist der Boden moorig und erzeugt an vielen Stellen saures Futter.

Das Klima ist mild und wird als gesund besonders gerühmt; Bohnen und Gurken gedeihen noch. Im Riede schaden nicht selten Frühlingsfröste und zuweilen Hagelschlag.

Die Landwirthschaft, auf welche das Beispiel des rationellen Betriebs der gutsherrschaftlichen Güter einen vortheilhaften Einfluß äußert, wird nach der Dreifelderwirthschaft gut betrieben, und zur Besserung des Bodens werden neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln hauptsächlich die Jauche, Gyps und Torfasche angewendet. Die Brabanter Pflüge sind allgemein eingeführt, während die Gutsherrschaft und einige Ortsbürger den Hohenheimer Pflug anwenden.

Der Morgen erträgt durchschnittlich 7 – 8 Scheffel Dinkel, der sehr gut gedeiht, 41/2 Scheffel Hafer und ebenso viel Gerste oder Roggen. In der zu 3/4 angeblümten Brache zieht man Kartoffeln, Wicken, Erbsen, Kraut, Kohlraben, Futterkräuter, besonders Klee, der an Heinzen getrocknet wird, Reps, Flachs, und nur wenig Hanf. Die höchsten Preise eines Morgens Acker belaufen sich auf 330 fl. — die niedersten auf 100 fl. Die Produkte werden meist auf den Schrannen in Biberach und Ulm abgesetzt.

Der Wiesenbau wird zwar sehr ausgedehnt betrieben, liefert aber keinen besonders reichlichen Ertrag, da die Wiesen meist ohne Wässerung nicht selten gering und 1/3 derselben nur einmähdig sind, daher bewegen sich ihre Preise von 50 – 200 fl. per Morgen. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens Wiese wird zu 24 Centner Heu und 12 Centner Öhmd angegeben.

Die Obstzucht ist unbedeutend. Außer den gewöhnlichen Birnen- und Äpfelsorten werden noch etwas Zwetschgen und Kirschen gezogen; feineres Obst kommt nur in dem Schloß- und Pfarrgarten zum Anbau.

Die Rindviehzucht, welche sich hauptsächlich mit der Simmenthaler und Allgäuerrace beschäftigt, ist seit 15 Jahren sehr vorangeschritten und wird durch gute Farren (meist Simmenthaler) nachgezüchtet, welche statt früher von der Gemeinde, jetzt von dem Grafen von Reuttner und mehreren Besitzern größerer Bauernhöfe gehalten werden. Rindvieh wird nicht nur auf benachbarten Märkten, sondern auch an fremde Händler häufig verkauft. Viehmastung | findet nicht statt, dagegen sind zwei Käsereien vorhanden. Die Pferdezucht wird im Allgemeinen und vergleichsweise mit anderen Orten gut betrieben, die Stuten werden theils auf der Beschälplatte in Laupheim, theils durch patentisirte Hengste im Ort selbst bedeckt. Pferde kommen an auswärtige Pferdehändler, besonders auf den Ulmer Pferdemärkten, häufig zum Verkauf.

Schafzucht ist unbedeutend; die Herbstweide benützen gewöhnlich fremde Schäfer, die dafür an die Gemeinde ein Pachtgeld von etwa 100 – 150 fl. jährlich entrichten.

Auch die Schweinezucht ist nicht sehr ausgedehnt, doch werden mehr Schweine aus- als eingeführt.

Hühner und Gänse zieht man in großer Anzahl und setzt sie entweder in Ulm oder an Händler ab.

Die Roth, wie die Westernach, führen Hechte, Barben, Börschinge, Weißfische und Krebse; das Fischrecht steht dem Grafen v. Reuttner zu; die Fischerei in der Westernach ist an einen Bürger verpachtet, welcher die Fische nach Laupheim verkauft.

Die Bienenzucht ist nicht bedeutend; Wachs und Honig werden nach Außen verkauft.

Was die Gewerbe betrifft, so sind diese ziemlich zahlreich vertreten; die Handwerker, welche theils für den Ort, theils auch nach Außen arbeiten, treiben übrigens durchgängig nebenbei einigen Ackerbau. Am östlichen Ende des Orts setzt die Roth eine Mühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang in Bewegung; eine Schildwirthschaft mit Brauerei besteht; Krämer sind neun vorhanden.

Außer der durch den Ort führenden Hauptstraße, sind noch Vicinalstraßen nach Roth, Ersingen und zur Eisenbahnstation Rißtissen angelegt; über die Roth führen zwei hölzerne Brücken, welche Graf Reuttner zu 2/3 und Graf Törring-Guttenzell zu 1/3 unterhalten – und dafür in gleichem Verhältnisse Brückengeld einziehen; auch über die Westernach führt eine hölzerne Brücke.

Über das Vermögen der Gemeinde und der Stiftungspflege etc. s. Tabelle III.

Etwa 1/2 Stunde westlich vom Ort, oben an der Sommerhalde, wurden die Grundreste eines römischen Wohnplatzes entdeckt und in den sog. oberen und unteren Schelmen waren drei Grabhügel vorhanden, welche man bei der Anlage der Eisenbahn abtrug und Kohlen, Gefäßefragmente etc. in denselben fand (s. den allg. Theil).

Der zur Gemeinde Achstetten gehörige Weiler, Mönchhöfe, ein 1/4 Stunde südöstlich vom Mutterort, besteht aus ansehnlichen Bauernwohnungen, welche hinter Obstbäumen versteckt, oben an dem Abhang gegen das Roth-Thal liegen. Er bestand | aus einem Hof und einer Zehentscheune, welche zwei weiteren Höfen weichen mußte. Unter den drei Höfen hat einer Wirthschafts- und Brauereigerechtigkeit, ein anderer besitzt eine westlich vom Ort gelegene Privatkapelle; überdieß befindet sich im Ort eine Käserei, welche den größten Theil ihres Milchbedarfs von der Gutsherrschaft bezieht.

Die Mönchhöfe haben eine eigene, geschlossene Markung, welche mit Ausnahme des leichten Abhangs gegen die Roth eben liegt und mit der Markung Achstetten die gleichen natürlichen und landwirthschaftlichen Verhältnisse theilt.

Der Weiler war früher nach Laupheim eingepfarrt und wurde erst nach der Besitznahme von Seiten Württembergs der Gemeinde Achstetten zugetheilt.

Die Mönchhöfe waren früher Lehen von dem Kloster Gutenzell und dem Kloster Ochsenhausen zehentbar.

Genannt wird Achstetten am frühesten in einer Bulle des Pabstes Cölestin III. vom 1. Jan. 1194, in welcher der Pabst dem Kloster Wiblingen alle Rechte und Besitzungen, namentlich auch in Achstetten, bestätigt. Dieses Kloster besaß einen Theil des Zehnten noch bis zum Jahre 1574, in welchem es solchen dem Kloster Ochsenhausen um 5900 fl. verkaufte.

Der ritterschaftliche Ort, welcher zu dem Kanton Donau steuerte, hatte im 14. Jahrhundert zu den frühesten Besitzern, welche man kennt, die Herren von Freiberg, von denen sich ein Zweig „von Achstetten“ schrieb. Es kommen als Herren vor z. B. Burckard von Freiberg von Achstetten im Jahr 1356 (Balzheimer Deduction von 1765 Beil. S. 62), Eberhard 1367 u. f. (Reg. Boic. 9, 168), Ernst 1464 (Lori Lechrain 2, 181), Hans 1437 (Steinhofer 2, 803). Im Jahr 1442 theilten sich in den Ort die Brüder Hans, Eberhard und Wilhelm vom Freiberg, von denen der letzte im Jahr 1447 seinen Antheil dem Kloster Gutenzell, welches auch den lehnbaren Blutbann über den ganzen Ort erwarb, verkaufte [1]; die übrigen Theile kamen später wieder zusammen und blieben Freibergisch bis nach dem kinderlosen Tod Philipps von Freiberg im Jahre 1625. Diesem succedirten seine | vier Schwestern, wovon eine an Graf Berthold von Wolkenstein, eine an den Freiherrn Maximilian Trapp verheirathet, zwei aber Nonnen zu Constanz und Rorschach waren. Letztere zwei wurden 1651 immittirt, nachdem ihnen vom Reichshofrathe die Miterbrechte zuerkannt worden waren (Zeiller Topogr. Sueviae). Späterhin gelangte durch Kauf dieser freibergische Antheil (2/3 des Orts, während 1/3 im Besitz des Klosters Gutenzell verblieb) an Franz Freiherrn von Schwendi auf Hohenlandsberg, dessen Tochter und Erbin Johanna sich am 26. Juni 1689 mit Franz Albrecht Graf von Öttingen-Spielberg vermählte, und hiedurch kam Schloß und Dorf Achstetten an das gräfliche, später fürstliche Haus Öttingen-Spielberg, welches beide gegen Hochaltingen im Ries an die Herrn von Welden im Jahr 1765 austauschte. Von letztern erkauften diesen Theil im Jahr 1796 Freiherr Beat Konrad von Reuttner von Weil, Landkomthur in Altshausen († 1826) und übergab ihn, nachdem er ihn mit landesherrlicher Genehmigung zu einem Familien-Fideicommiß bestimmt hatte, seinem Neffen Julius Cäsar von Reuttner (von König Wilhelm von Württemberg im Jahr 1819 in den Grafenstand erhoben), dessen Sohn Graf Karl Viktor der gegenwärtige Besitzer ist. Durch Ministerialverfügung vom 23. Juli 1836 wurde derselbe in Ansehung der staatsrechtlichen Verhältnisse seines Rittergutes zu den Zugeständnissen der Königlichen Declaration vom 3. Dezember 1821 zugelassen. Das Drittheil, welches dem Kloster Gutenzell gehörte, und den Weiler Mönchhöfe (s. oben), erhielt im Jahr 1803 mit dem Kloster die gräfliche Familie von Törring.

Den Großzehnten nebst dem Antheil an dem Kirchenpatronat (s. unten) erkaufte am 6. August 1802 der Baron Reuttner um 54.000 fl. von dem Kloster Ochsenhausen.

Der Ort ging im Jahr 1806 in Bayerische und durch Staatsvertrag Bayerns mit Württemberg vom 13. Okt. 1806 in Württembergische Oberhoheit über.

In älterer Zeit Filial von Laupheim, hat Achstetten eine besondere Pfarrei seit 1442 durch die Dotation der Gebrüder Eberhard, Hans und Wilhelm von Freiberg. Das Kloster Ochsenhausen, welchem die Pfarrei Laupheim einverleibt war, sah den neuanzustellenden Curat in Achstetten als Vicarius an. Den Herren von Freiberg wurde das Nominationsrecht zugesichert, das Präsentationsrecht behielt sich der Abt als Pfarrer von Laupheim und Großdecimator zu Achstetten vor. Ein Meßbeneficium stiftete im Jahr 1504 Burkhard von Freiberg, Domherr zu Augsburg.

Neben dem Kloster Ochsenhausen hatte das Kloster Gutenzell die Connomination zur Pfarrei, von ersterem kam dieses Recht im| Jahr 1802 mit dem hiesigen Zehnten an den Baron von Reuttner, das des Klosters Gutenzell im Jahr 1803 an den Grafen Törring. Gegenwärtig alternirt das Patronat zwischen beiden Grafen; wenn übrigens die Reihe an Gutenzell ist, so hat der Graf von Reuttner das Vorschlagsrecht an den Grafen Törring.
  1. „Achstetten in des von Freiberg und der Äbtissin zu Heggbach niedern Gerichten und in der Landvogtei hohen Obrigkeit. Außer im Dorf Bronnen ist ihnen hohe und niedere Obrigkeit überlassen worden, außerhalb derjenigen Malefiz, darum einer vom Leben zum Tod verurtheilt werden möcht, Inhalt Vertrags von 1535. Freiberg aber prätendirt die hohe Obrigkeit in beiden Dörfern, Achstetten und Bronnen, weil der Vertrag nie besiegelt worden und kein Original bei der Landvogtei sei.“ Wegelin Landvogtei 2, 161.