Beschreibung des Oberamts Laupheim/Ober-Kirchberg

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Ober-Kirchberg.
Gemeinde III. Kl. mit 787 Einw., worunter 13 evangel.   a. Ober-Kirchberg Pfarrdorf, 560 Einw.   b. Beutelreusch, Weiler, 150 Einw.   c. Buch, Weiler 69 Einw.   d. Oberweiler, Weiler, 8 Einw. – Kathol. Pfarrei. Die evangelischen Einwohner sind nach Ulm eingepfarrt.
Das Pfarrdorf Ober-Kirchberg, Sitz eines gräflichen Fugger’schen Rentamtes, eines gräflichen Revierförsters und eines practicirenden Arztes, liegt an der östlichen Oberamtsgrenze, welche zugleich die Landesgrenze gegen das Königreich Bayern bildet, theils auf| einem schmalen, steilabfallenden Rücken zwischen der Iller und dem Hornbach, theils in dem engen Thälchen des Hornbachs selbst. Der nicht große Ort besteht meist aus kleinen Wohnungen; eine Ausnahme machen das großartige gräfliche Fugger’sche Schloß und die Wohngebäude der gräflichen Beamten, sowie einige ansehnliche Privatwohnungen, welche nebst der Pfarrkirche sämmtlich auf dem Bergrücken zwischen Iller und Hornbach stehen, und dieser Partie des Dorfs ein städtisches Ansehen verleihen. Von den höher gelegenen Stellen des Orts genießt man eine reizende Aussicht in das ½–1 Stunde breite Illerthal, dessen wilder Fluß sich bis an die östliche bewaldete Steilhalde des Rückens drängt. Überdieß erlaubt der Punkt noch eine überaus ansprechende Fernsicht in das Donauthal bis gegen Ulm und Elchingen; ferner in das Hügelland des benachbarten Bayerns und an die Tyroler Gebirge; gegen Westen ist die Aussicht beschränkt. Seiner unregelmäßigen Bauart ungeachtet ist der Ort freundlich und reinlich gehalten; die Bedachung der meist aus Backsteinen erbauten Wohnungen besteht durchgängig aus Ziegelplatten. Die Pfarrkirche zum heil. Sebastian, welche im Jahr 1514 Jacob v. Fugger-Kirchberg erbauen ließ, ist an den Schmalseiten gegen Osten und Westen mit den Schloßgebäuden in Verbindung gesetzt. Anfangs war sie nur Schloßkapelle, in der nach einer, vom Pabst Leo X. ausgestellten Bulle vom 8. Sept. 1514, der jeweilige Schloßkaplan für die In- und Anwohner des Schlosses an Sonn- und Festtagen Gottesdienst etc. halten durfte, jedoch ohne Nachtheil der pfarrlichen Gerechtsame in Unter-Kirchberg. Im Jahr 1818 wurde in Erwägung der großen Seelenzahl des Schlosses und Dorfes Ober-Kirchberg, wie der nahe gelegenen Weiler Beuttelreusch, Buch und Oberweiler, und deren zu großen Entfernung von dem Mutterort Unter-Kirchberg, die Kaplanei (seit 1793 Pfarrkaplanei), mit Einpfarrung der gedachten Orte, zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben. Der Grundherr, als Patron der Pfarrei, überließ hieraus die Schloßkapelle den Gemeinden zur Pfarrkirche und räumte ein passendes Pfarrhaus ein, von dem er die Baulast übernahm, während die neue Pfarrgemeinde die Baulast und Erweiterung zu übernehmen hatte. Das Äußere der Kirche ist in einem ganz einfachen, modernen Style gehalten; dagegen ist der massive, vierseitige, mit einem Satteldache versehene Thurm, sehr alt, und enthält in dem Glockenhause noch zwei rundbogige Fenster, welche an den romanischen Baustyl erinnern. Die innere, im Rococcogeschmack gehaltene Ausstattung, macht einen angenehmen Eindruck; Altäre und Kanzel bestehen aus braunem Holz mit vergoldeten | Verzierungen; im Übrigen ist die Kirche weiß getüncht und mit Stuckarbeiten versehen. Von den Altarblättern, welche Maler Huber von Weissenhorn mit künstlerischer Gewandtheit ausführte, enthält der eine Seitenaltar die Legende der Ida von Toggenburg s. S. 216., der andere die Geburt Christi, und der Hauptaltar das Bild des Gekreuzigten. Von einigem Kunstwerth ist endlich die in dem Chor ausgestellte, beinahe lebensgroße Statue des heil. Sebastian.

Eine Kapelle zu unserer lieben Frauen, an der Vicinalstraße nach Leutkirch, etwa 1/8 Stunde südlich vom Ort gelegen, wurde im vorigen Jahrhundert von dem Grafen Johann Nepomuk v. Fugger in einem Achteck neu erbaut, und wird von der Grundherrschaft unterhalten. Die Kapelle trägt ein Bohlendach, aus dessen Mitte eine sogenannte Laterne emporstrebt; das Innere ist sehr freundlich und reich ausgestattet. Um diese Kapelle wurde im Jahr 1818 der Begräbnißplatz angelegt und derselbe im Jahr 1832 mit einer Mauer umfriedigt.

Die Wohnung des Ortsgeistlichen befindet sich in dem nächst der Kirche gelegenen, ansehnlichen Rentamtsgebäude.

Das in der Nähe der Kirche gelegene Schulhaus mit Gelassen für den Gemeinderath, wurde im Jahr 1828 von der Gemeinde angekauft, weil das frühere, welches gegenwärtig noch dem Lehrer zur Wohnung dient, für die sich mehrende Kinderzahl nicht mehr den nöthigen Raum hatte; übrigens besteht außer der Volksschule auch eine Industrieschule.

Auf der äußersten Spitze des zwischen der Iller und dem Hornbach hinziehenden Bergrückens steht das großartige gräfliche Schloß, welches mit seinen namhaften Nebengebäuden und mit der Kirche einen ausgedehnten Hofraum einschließt, dessen Mitte ein eirunder, schön angelegter Blumengarten ziert. Zu dem Hofraum führt ein weißgesprengtes, im Rococcostyl gehaltenes Thor, über dem das gräflich Fugger’sche Wappen angebracht ist.

Das in einem modernen Styl erbaute Schloß, gegenwärtig die Wohnung des Grafen v. Fugger-Kirchberg, ist gut im Bau erhalten. An den auf drei Seiten der Schloßgebäude umgebenden Bergabhängen befinden sich freundliche, zum Schloß gehörige Gartenanlagen und Baumgüter.

Der Ort ist mit gesundem Trinkwasser hinreichend versehen, das durch ein künstliches Pumpwerk auch auf die Anhöhe zu dem Schloß und seinen Nebengebäuden getrieben wird[1]; überdieß fließt | durch den unteren Theil des Dorfes der Hornbach, welcher sich bald mit der an der östlichen Ortsseite vorbeifließenden Iller vereinigt. Letztere tritt nicht selten aus ihrem mit flachen Ufern versehenen Bett, und verursacht Überschwemmungen, die jedoch nur einem kleinen Theil des Orts gefährlich werden.

Die Luft ist gesund, rein und trocken, das Klima überhaupt vorzüglich, daher der Gesundheitszustand der Einwohner sehr gut, so daß epidemische Krankheiten zu den Seltenheiten gehören.

Die Vermögensumstände der Einwohner sind im Allgemeinen, bei einer zuweilen etwas luxuriösen Lebensweise, nicht sehr erfreulich; Feldbau und Viehzucht bilden die Haupterwerbsquellen; überdieß arbeiten Viele im Taglohn, wozu das nahe gelegene Ulm erwünschte Gelegenheit darbietet. Handwerker sind in großer Anzahl vorhanden, namentlich Maurer, Weber und Schneider, welche größtenteils in und von Ulm ihre Beschäftigung haben; von schwächlichen, zu schwerer Arbeit untauglichen Personen, wird die Linnenspinnerei getrieben, und das gewonnene Garn meist nach Ulm verkauft.

Ein aus etwa 125 Morgen bestehendes Gut nebst bedeutenden, an dem südlichen Ortsende gelegenen Gebäulichkeiten (Bauhof), welches zusammenhängend auf der Markung liegt und Eigenthum des Grafen v. Fugger ist, wird im Dreifeldersystem von einem Pächter rationell bewirtschaftet, was auf den landwirthschaftlichen Betrieb der übrigen Markung einen wohlthätigen Einfluß äußert. Außer diesem Bauhofgut besitzt der Graf noch etwa 30 Morgen auf der Markung zerstreut liegende Güter, welche an Ortsbürger verpachtet sind. Unter letzteren besitzt übrigens der Begütertste nicht über 30 Morgen Grundeigenthum.

Im Ort befinden sich: eine wohleingerichtete Apotheke, vier Specerei- und Ellenwaarenhandlungen, zwei Schildwirthschaften und eine ausgedehnte herrschaftliche Brauerei. Nördlich vom Ort, an der Straße nach Ulm, steht eine herrschaftliche Ziegelei.

Ober-Kirchberg ist der Geburtsort des Fürstbischofs von Seckau, Roman Sebastian Zängerle, dessen Vater aus Ischgl, im Paznauner Thal im Tirol, hieher einwanderte. Der Sohn wurde den 20. Januar 1771 geboren, 1792 Benediktiner in Wiblingen, später Lehrer des Bibelstudiums allda, dann zu Mererau bei Bregenz, seit 1801 abermals Lehrer zu Wiblingen, als welcher er zugleich bis zum Jahr 1803 die Pfarrei versah. Nach Aufhebung des Klosters Wiblingen kam er als Professor der Exegese und biblischen Hermeneutik nach Salzburg, 1807 als solcher nach Krakau, 1811 nach Prag, und 1812 nach Wien. Endlich | im Jahr 1824 wurde er zum Fürstbischof zu Seckau und Verweser des Bisthums Leoben erhoben. Als theologischer Schriftsteller ist er besonders im Fache der Homiletik und durch seine Fastenpredigten in einer Reihe von Jahrgängen bekannt. Er starb zu Grätz den 27. April 1848.

Der nicht große Gemeindebezirk, welchem von dem Iller-Thale nur der linke Steilrand angehört, wird von dem scharf eingeschnittenen Hornbach-Thälchen der Länge nach durchzogen und überdieß noch an der westlichen Seite von dem Weihungs-Thal berührt, so daß die Feldgüter im Allgemeinen ziemlich uneben liegen. Dagegen ist der humusreiche Boden sehr fruchtbar, und die gewöhnlichen Cerealien, Gemüse, Obst etc., gedeihen in demselben vortrefflich.

Die Landwirthschaft ist in sehr gutem Zustande, wozu jedoch die günstigen, natürlichen Verhältnisse das meiste beitragen. In der üblichen Dreifelderwirthschaft baut man die gewöhnlichen Getreidearten, und in der wenig benützten Brache zieht man Futterkräuter (Klee, Wicken), Kartoffeln, nur selten Flachs und Hafer. Bei einer Aussaat von 8 Simri Dinkel, 7 Simri Hafer, 4 Simri Gerste und 3–4 Simri Roggen, beläuft sich der durchschnittliche Ertrag eines Morgens auf 10 Scheffel Dinkel, 5–6 Scheffel Hafer, 3–4 Scheffel Gerste und 3–4 Scheffel Roggen.

Von Fabrik- und Handelsgewächsen gedeihen Flachs, Hanf und Reps vortrefflich; dagegen sind die Erfolge des Hopfenbaues weniger befriedigend. Der Absatz an Getreide, welcher meist auf der Schranne in Ulm geschieht, ist sehr bedeutend. Die Preise eines Morgens Acker bewegen sich von 100–250 fl.

Der Gartenbau beschränkt sich, mit Ausnahme des gräflichen Schloßgartens, nur auf kleine Gemüsegärtchen, die sich beinahe an jedem Hause befinden.

Die Wiesen liefern reichliches und gutes Futter; sie sind durchgängig zweimähdig und ertragen im Durchschnitt per Morgen 25 Centner Heu und 10 Centner Öhmd. Ihre Preise stehen denen der Äcker gleich.

In Vergleichung mit den übrigen Gegenden des Bezirks befindet sich die Obstzucht in sehr gutem Zustande, und dehnt sich nicht allein auf die nächste Umgebung des Dorfs und auf die Obstbäume an den bedeutenderen Straßen, sondern auch auf einzelne Wiesen und Äcker aus; von Kernobst trifft man beinahe alle gewöhnlichen Sorten gepflegt, von Steinobst jedoch nur Weichseln, Aprikosen und Pfirsiche. Es bestehen zwei Baumschulen, die eine im Schloßgarten, die andere gehört einem Ortsbürger; überdieß zieht beinahe jeder Gartenbesitzer die jungen Stämme für den eigenen | Bedarf nach, so daß von Außen nur wenige Bäume bezogen werden. Das Obst wird meist nach Ulm verkauft, theilweise auch zum eigenen Verbrauch gemostet und gedörrt.

Gemeindewaldungen sind keine vorhanden, dagegen haben 22 Ortsbürger das Recht, einen auf der Markung Senden im Königreich Bayern liegenden, 140 bayerische Morgen großen Wald zu benützen, so daß jeder derselben etwa ½ Klafter Holz und 300–400 Stück Wellen jährlich erhält.

Aus der Schafweide, welche höchstens 180 Stück Schafe nährt, zieht die Gemeinde einen Pacht von etwa 100 fl. jährlich; sie wird an einen fremden Schäfer verpachtet, überdieß findet nach der Ernte noch Austrieb des Rindviehs und der Schweine statt.

Die Pferdezucht ist ganz unbedeutend, dagegen wird die Zucht des Rindviehs gut betrieben; sie giebt sich hauptsächlich mit der Allgäuerrace ab, welche durch zwei tüchtige Farren (ein Schweizer und einen Allgäuer) immer mehr zu verbessern gesucht wird. Die Zuchtstiere schafft die Gemeinde an, und giebt sie gegen die Nutznießung von 4 Morgen Wiesen und 30 fl. 30 kr. einem Ortsbürger in Verpflegung. Einen besonders schönen Viehstand mit Schweizerracekreuzung hält der gräfliche Bauhofpächter, und liefert einen großen Theil des Milcherzeugnisses an einen besonderen Käser, welcher gute, besonders in dem benachbarten Bayern gesuchte Käse bereitet. Der Handel mit Vieh ist bedeutend.

Die Schweinezucht ist mittelmäßig; die meisten Ferkel werden auswärts aufgekauft und gemästet, theils in’s Haus geschlachtet, theils wieder verkauft.

Eine kleine Erwerbsquelle bildet die Zucht des Geflügels; dagegen ist die Bienenzucht von keinem Belang.

Die nicht unbeträchtliche Fischerei wird hauptsächlich nur im Frühjahr und Herbst von einem Fischer auf Rothfische (zuweilen gegen 45 lb schwer) betrieben, der den Fischdistrikt in der Iller von der Grundherrschaft gepachtet hat.

Durch den Ort führt die Landstraße von Ulm nach Leutkirch; auch ist eine Vicinalstraße nach Laupheim angelegt, und mittelst einer hölzernen, im Jahr 1843 erbauten Brücke über die Iller, wird die Verbindung mit der bayerischen Seite hergestellt; die Brücke ist Eigenthum der Grundherrschaft, welche einen Brückenzoll erhebt.

Über das Gemeinde- und Stiftungsvermögen, s. Tabelle III.

Außer der Armenpflege ist auch eine Schulstiftung von 525 fl. vorhanden.

| Auf die Bitte des Grafen Albert v. Fugger wurde im Jahr 1680 eine Scapuliar-Brüderschaft eingeführt, die jedoch keinen eigenen Fonds besitzt.

Im August 1589 war in Folge lange andauernden Regenwetters an dem Schloßberg eine Erdspalte entstanden, so daß das Schloß einen großen Riß von dem Dache bis auf den Grund bekam, und im December selbigen Jahres der Berg sammt der Hälfte des Schlosses einstürzte. Im Jahr 1816 spaltete sich der Abhang gegen die Iller von dem gegenwärtigen Schloß bis zu dem ½ Stunde südlich gelegenen alten Schloßberge, was an vielen Stellen namhafte Erdrutschen veranlaßte.

Von dem Dorf bis über die Gottesackerkapelle hinaus ist die gegenwärtige Landstraße auf eine ehemalige Römerstraße gegründet, deren Verlängerung bei einer in den Jahren 1807 und 1808 vorgenommenen theilweisen Ausstockung des Waldes Galtzach auf eine große Strecke aufgefunden wurde, und die sich noch weithin verfolgen läßt (s. den allgemeinen Theil).

Auf dem alten Schloßberg stand die Burg der Grafen von Kirchberg, von der noch Graben und Wall sichtbar sind. Hier soll im 12. Jahrhundert die selige Ida, Gräfin von Kirchberg, Gemahlin eines angeblichen Grafen Heinrich von Toggenburg, geboren sein, von welcher eine der Geschichte der heil. Genovefa ähnliche Sage unter dem Titel „Die Gräfin Ida von Toggenburg“ vielfach unter dem Volke verbreitet ist. (Braig, Gesch. der Abtei Wiblingen 51–53.) Ihr Namensfest wurde nach einer bischöflichen Anordnung vom 19. Februar 1600 zur alljährlichen Feier in der ganzen Grafschaft Kirchberg, in der Herrschaft Wiblingen, in der Pfarrei Regglisweiler und im Schlosse Orsenhausen auf den 3. November festgesetzt. (Braig a. a. O. 175. 176.)

Zu der Gemeinde gehören kirchlich und politisch folgende Weiler.

b. Beutelreusch, ein ½ Stunde südlich vom Mutterort gelegener, ansehnlicher Weiler. Die weitläufig, zwischen schönen Obstgärten gestellten Wohnungen, bestehen meist aus ansehnlichen Bauernhäusern, und sind an den sanft geneigten Gehängen zu beiden Seiten des Hornbachs hingebaut.

Am nordwestlichen Ende des Orts steht die Kapelle zum heil. Leonhard, welche im Jahr 1763 (nach Braig 1751) auf Kosten der Kapellenpflege erbaut – und im Jahr 1838 erneuert wurde. Der Kapellenfonds besteht etwa in 5000 fl. Kapitalvermögen und in 1 Jauchert Wald; er wird von der Pfarrkirchenpflege in Ober-Kirchberg, unter Aufsicht des Stiftungsraths, verwaltet. | Die natürlichen und landwirthschaftlichen Verhältnisse verhalten sich wie in Ober-Kirchberg (s. d.).

Im Jahr 1357 erwarb hier das Kloster Wiblingen den großen und kleinen Zehnten in Beutelreusch (Braig 128).

c. Buch, ein ansehnlicher Weiler, der 1/4 Stunde westlich von Ober-Kirchberg, theils im Weihung-Thale, theils an den rechten Gehängen desselben angenehm und ziemlich geschützt liegt. Im Ort besteht eine Mühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang, welche von der Weihung in Bewegung gesetzt wird.

Die Markung liegt meist eben, und hat einen noch ergiebigeren Boden als die Markung des Mutterorts; im Übrigen sind die natürlichen und landwirthschaftlichen Verhältnisse denen von Ober-Kirchberg ziemlich ähnlich. Die Rindviehzucht, namentlich auch die Schweinezucht, wird sehr eifrig betrieben.

d. Oberweiler, besteht nur aus einigen Gebäuden und liegt 5/8 Stunden südlich vom Mutterort, oben an den rechten Thalgehängen des Hornbachs.

Der Name Kirchbergs tritt im Jahr 1087 erstmals auf; de pago Hilargove Otto de Chirchberc ist Zeuge Graf Burkhards von Nellenburg für Kloster St. Salvator in Schaffhausen. Nach diesem Orte nannte sich ein im Mittelalter angesehenes Grafengeschlecht, dessen ältester bekannter Stammvater der ebengenannte Otto ist (vergl. über diese Familie den allgemeinen Theil).

Im Jahr 1356 verkaufte Graf Wilhelm von Kirchberg mit der Herrschaft Balzheim auch die Güter zu Ober-Kirchberg mit Gericht und mit Tafern, Leut und Gut an den Freiherrn Friedrich und Heinrich von Freiberg als ein rechtes Lehen für Töchter und Söhne. Das Hauptgut blieb jedoch in gräflich kirchberg’schen Händen bis auf den letzten Grafen Philipp, welcher es mit der Grafschaft an Herzog Georg von Bayern verkaufte, dessen Erben im Jahr 1504 Kaiser Maximilian diesen Besitz abnahm und 1507 an Jakob Fugger veräußerte.

Im Jahr 1806 kam der Ort unter bayrische, 1810 unter württembergische Landeshoheit.

  1. Nach dem Salbuch von 1483 bestand eine herrschaftliche Badstube im Ort, welche später eingefallen.