Beschreibung des Oberamts Münsingen/Bremelau

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11. Bremelau mit dem Heuhof,

ein kath. Pfarrd. auf der Alp, an der Poststraße nach Ehingen, 2 St. südöstlich von Münsingen, mit 265 Einwohnern, C.A. Münsingen, standesh. Bezirksamt Obermarchthal, Forstverwaltung Buchau, Revier Bremelau und Sitz eines Fürstl. Försters.

Der Name des Orts wurde in ältern Zeiten gewöhnlich Bremenloch geschrieben.

Grund- und Patronatsherr ist der Fürst von Thurn und Taxis.

Zehenten, den großen beziehen die Fürsten von Thurn und Taxis und Fürstenberg gemeinschaftlich, von 28 M. bezieht ihn der Staat, von dem Bezirk Hofstetten die Pfarrey Frankenhofen, von den Gemeinde- und Stiftungsäckern die Ortspfarrey und von 78 M. (Bezirk Michelsfeld) bezieht die Heiligenpflege Buttenhausen für Zehnten und Landgarben die 5te Garbe; den kleinen, den Heu- und Öhmd-, Obst- und Blutzehnten bezieht die Pfarrey allein.

Vormals bildete Bremelau mit dem Heuhof eine eigene, dem Ritter-Canton Donau einverleibte, Herrschaft, jetzt ist diese zu den standesherrlichen Besitzungen des Fürsten von Thurn und Taxis geschlagen.

Gefälle beziehen

Geld Dinkel Haber
Taxis 98 fl. 44 kr. 95 Sch. 1 Si. 94 Sch. 1 Si.
v. Gumpenberg 2 fl. 44 kr.

Der Ort liegt hoch und frey, s. S. 45., in zwey Hauptmassen getheilt, wovon der untere Theil von der Bauerschaft, den eigentlichen und bevorrechteten Bürgern, der obere Theil aber, der eigentlich Schueckenhofen heißt, und der Sage nach diesen Namen von einem Hofe, der hier gestanden hatte, erhalten hat, von Taglöhnern und Handwerkern bewohnt wird. Das Pfarrhaus wurde erst i. J. 1819 gebaut.

Die Bevölkerungsverhältnisse sind sehr ungünstig, die Sterblichkeit ist ungewöhntlich groß, von 100 Kindern sterben| 54 schon wieder im ersten Lebensjahre, S. o. S. 57. 58. Die Einwohner sind übrigens fleißig und vermöglich, der Ort hat guten Feldbau und trotz der hohen Lage eine schöne Obstzucht, der sich der Pfarrer Kling sehr annimmt. S. S. 75. 69. 73.

Die sehr alte Kirche zum h. Otmar, welche i. J. 1748 fast ganz neu gebaut worden, wurde erst 1812 zur Pfarrkirche erhoben; früher war Bremelau Filial von Granheim, mit einer Curat-Caplaney, wozu nebst dem Heuhof auch die Hälfte von Dürrenstetten gehörte, bis diese i. J. 1809 der Pfarrey Bichishausen zugetheilt wurde. In dem Ort befindet sich eine, durch Pferdekraft getriebene, Gypsmühle, welche den Gyps an dem Neckar holt und ihn gemahlen auch in der Umgegend verkauft. Der Gemeindehaushalt ist in vorzüglich guten Umständen.

Bremelau gehörte früher dem Kloster Marchthal und der Abt von Marchthal schrieb sich Herr der Herrschaft Bremelau. In ältern Zeiten gehörte Bremelau den Herrn von Gundelfingen; Friedrich von Gundelfingen verkaufte i. J. 1407 an Georg von Wöllwart unter Anderem auch Bremenloch. Bald darauf aber findet man die Truchseßen von Bichishausen, wovon der Truchseß Johann i. J. 1468 die Curat-Caplaney stiftete, im Besitze, und nach diesen die von Bemmelberg, von welchen Bremelau und Heudorf an die Grafen Ferdinand von Döring-Seyfeld und Maximilian von Lichtenstein, und von diesen i. J. 1666 an das vormalige Reichsstift Marchthal für 40.000 fl. verkauft wurde. Im Jahr 1802 kam die Besitzung mit Marchthal an den Fürsten von Thurn und Taxis und 1806 unter Würtembergische Landeshoheit. – S. 40. 72. 80–83.

Über einen, kürzlich bey Bremelau aufgedeckten Grabhügel s. o. S. 16.

Der Heuhof liegt 1/2 Stunde nordöstlich von Bremelau, auf Bremelauer Markung und ist Eigenthum des F. von Taxis. Der Hof hat eine eigene Capelle, womit ein beträchtlicher Kirchenfond verbunden war, der aber unter Marchthal| mit dem armen Bremelauer Heiligen vereinigt wurde. Fürstenberg hat auch hier den halben Zehenten. Der Heuhof ist der alte Weiler Heudorf, der wahrscheinlich im dreyßigjährigen Kriege zu Grunde gegangen ist. Von dem Kloster Marchthal wurde er in ein Maiergut verwandelt. Das Kloster baute hier ein sogenanntes Schlößchen, das dem Pater Statthalter zum Sitz diente, nun aber für zwey Bauern eingerichtet ist, an welche der Hof verliehen ist.


12. Buttenhausen,

ein ev. Pfarrd. an der Lauter, 11/2 St. von Münsingen, mit 240 ev., 31 kath. und 193 jüdischen (1823 zusammen 464) Einwohnern, C.A. Münsingen, F.A. Zwiefalten, R. Grafeneck.

Grund- und Patronatsherr ist der Herr von Weidenbach, Namens seiner Gattin, einer geb. Freyinn von Münch. Das Pfarrhaus hat die Heiligenpflege des Orts zu bauen.

Zehnten bezieht die Grundherrschaft nur von einigen Äckern, und die Pfarrey von den umgebrochenen Wiesen und Gärten. Alles übrige Feld gibt Landgarben.

Gefälle bezieht die Grundherrschaft 434 fl. 50 kr. und 4 Sri. Dinkel und 1 Schl. 7 Sri. Haber, unter dem Geld sind 156 fl. 6 kr. Frohnsurrogatgelder; ferner bezieht die Grundherrschaft die Landgarbe, deren Betrag im Kataster zu 1000 fl. 331/2 kr. berechnet ist.

Der Staat bezieht 1) von den Juden a) Schutz- und Schirmgeld von jedem 4 fl., von dem Rabbiner, Vorsänger und den Wittwen 2 fl. b) Aufnahmsgebühr für einen fremden Juden 50 fl.; eine fremde Jüdin 20 fl., ein fremdes Judenkind 5 fl., für einen einheimischen Judensohn 15 fl. 2) von jedem Einwohner 3 V. 3 E. 2 F. Zollhaber, und 3) von 4 christlichen Familien, getheilt mit der Grundherrschaft, jährlich 12 fl.

Das Rittergut Buttenhausen, welches vormals dem Ritter-Canton Donau einverleibt war, ist ein freyes Erbgut,| nur der Kirchensatz mit 3 Hofgütern war Würtembergisches, von Güterstein herrührendes Lehen, ist aber auch i. J. 1823 von dem Grundherrn allodificirt worden. Sämmtliche Einwohner drückte früher das Falllehens-System in vollem Maße, bis dasselbe durch Vertrag vom Jahr 1787 aufgehoben und die Bauerngüter in Erblehen verwandelt wurden. Die Schafweide gehört dem Grundherrn.

Der Ort liegt größtentheils an den beyderseitigen Abhängen des engen Thals; zum Theil zieht er sich noch in das Apfelstetter Thälchen hinein. Über die Lauter führen in dem Ort eine steinerne und eine hölzerne Brücke. Bey dem Orte befinden sich die Reste von zwey alten Schlössern, nebst einem von dem jetzigen Gutsherrn neugebauten Wohnsitze. Das eine von jenen liegt am Berge, hinter der Kirche, und wird jetzt noch als Fruchtkasten benutzt, das andere, welches am Wasser lag, ist in neuern Zeiten erst abgebrochen und zu Ökonomiegebäuden verwendet worden.

Die Bevölkerung hat seit 10 Jahren nicht unbedeutend, hauptsächlich aber bey den Juden (im Verhältniß zu den Christen dreyfach) zugenommen. S. o. S. 57 u. ff. Der Ort hat 1 Mahlmühle, 2 Öhlmühlen und 3 Schildwirthschaften; unter den Gewerbenden befindet sich auch ein Maler. – Die Juden lassen ihre Güter durch die Christen im Taglohne bauen, und die Mannsleute sind den meisten Theil des Jahrs auf dem Hausirhandel abwesend. Im Jahr 1821 nahmen sie bleibende Familiennamen an. Ihre Ansiedelung erfolgte mit 25 Familien im Jahr 1787, durch Gestattung der Familie von Liebenstein. Ihre Kinder genießen den Elementarunterricht von dem christlichen Schullehrer, den Unterricht in der Religion und in der hebräischen Sprache aber von dem Rabbiner. Sie haben hier eine Synagoge und einen Kirchhof. Zu der Pfarrey gehört auch Apfelstetten; der Heilige hat viele Gefälle – den großen und kleinen Zehnten in Apfelstetten, Zehnten und Landgarben in Münsingen, Bremelau, Ehestetten, Hundersingen etc.; dennoch leidet er an einem Deficit, zu dessen Hebung die Pfarrey von 1822/24 unbesetzt blieb, und auch| das Filial Apfelstetten freywillig, so wie die Grund- und Patronats-Herrschaft beytrugen.

Die Gemeinde hat weder Schafweide noch Wälder, noch andere nahmhafte Einkünfte; daher der Gemeindebedarf fast ganz durch Beyträge aus dem Privatvermögen der Bürger beyzuschaffen ist. Die Beholzung geschieht zum Theil durch herkommlich berechtigte Holzgaben aus den grundherrschaftlichen Wäldern, die Juden bestreiten alle ihre Bedürfnisse durch Umlagen.

Die älteste Nachricht von Buttenhausen ist vom Jahr 1330, wonach Anselm von Justingen der Kirche zu Buttenhausen den obern Maierhof schenkte. Nach Crusius wird i. J. 1250 von Hildebrand von Stockhorn ein Schloß Buttenhausen an den Bischof Eberhard von Constanz verkauft: ob aber das unsere? ist zweifelhaft, wenn gleich nicht ganz unwahrscheinlich, da auch die Herrschaft Niedergundelfingen, womit man früher Buttenhausen verbunden findet, ein (von Reichenau herrührendes) Constanzisches Lehen war. Der Ort ging durch mehrere Hände; Gundelfingen, Wöllwart, Stein, Gemmingen, Liebenstein waren nacheinander Besitzer davon, bis er endlich durch Kauf an den Herrn von Münch, von diesem auf seinen Tochtermann, den Herrn von Weydenbach kam.

Im Jahre 1407 stiftete Frau Agnes, eine geborne Gräfin von Eberstein, mit ihrem Sohn, Hans von Gundelfingen, ein Diakonat in der Kirche zu B. Ein Friedrich von Gundelfingen verkauft 1480 den Kirchensatz zu B. an das Kloster Güterstein, dem die Kirche nachher einverleibt wurde, s. Eglingen; i. J. 1530 wird Wolf Dietrich von Stein mit 3 Gütern zu B. sammt dem Kirchensatz belehnt. Dieser „Wolf Dietrich von Stein zu Klingenstein zu Buttenhausen und Niedergundelfingen“ verkauft 1569 das Lehen an Eberhard von Gemmingen-Rappenau und von Gemmingen kam es tauschweise 1782 an Philipp von Liebenstein oder vielmehr dessen Frau, eine geb. v. Schmidberg, und von Liebenstein i. J. 1812 durch Kauf an den Herrn von Münch.| Bey dem Dorfe entspringt eine starke Quelle, welche eine Öhlmühle treibt und in die Lauter geht. S. o. S. 42. Nicht weit davon steht mitten im Thale ein kegelförmiger Hügel, die Capelhalde genannt; vermuthlich stand vormals eine Capelle darauf. – S. 45. 72. 80 – 86.


13. Dottingen mit Steingebronn.
a. Dottingen,

ein ev. Kirchd. auf der Alp, verbunden mit der Pfarrey Steingebronn, am Fuße der hohen Buchhalde, 3/4 St. von Steingebronn, und 5/4 St. von Münsingen, mit 374 ev. und 8 kath. (1823. 393) Einwohnern, C.A. Münsingen, F.A. Zwiefalten, R. Grafeneck.

Der Zehnte, der große gehört mit geringer Ausnahme dem Staat, den kleinen beziehen zu 1/2 die Pfarrey, zu 1/4 der Heilige und 1/4 der Staat. Die Wiesen sind größtentheils zehentfrey.

Gefälle beziehen, aus 42 vormaligen Erblehen und aus Zinsgütern:

Geld Dinkel Haber
Der Staat 118 fl. 15 kr. 59 Sch. 2 Si. 113 Sch. 4 Si.
Pf. Ehestetten 1 fl. 40  –   3 Sch.   5 Sch. 4 Si.
Ortsheilige 1 fl. 361/2 – 1 Sch. 6 Si. 4 Sch. 7 Si.
Der Heilige in Hundersingen 40 kr., in Münsingen 12 kr., in Gächingen 28 kr.

Der Ort hat seine eigene Kirche, und ein neues, 1818 erbautes Schul- und Rathhaus; in der Kirche werden alle Gottesdienste und nach einer Übereinkunft von 1820 die Sonntags-Gottesdienste nicht blos, wie früher, abwechselnd mit Steingebronn, sondern jeden Sonntag verrichtet. Die Bevölkerung ist in starkem Zunehmen. S. o. S. 57.

Dottingen gehörte vormals den Herrn von Spät. Im Jahr 1397 vergabte Eitel Spät einen halben Hof zu D. an das Kloster Güterstein; i. J. 1562 verkaufte Hans Ludwig die Hälfte von D. (s. Steingebronn) i. J. 1630 Johann Caspar Spät, Domherr zu Mainz und Joh. Fried. Spät zu Sulzburg die andere Hälfte nebst Kastenvogtey und Caplaney| des Heiligen und mit aller hoher und niederer malefizischer Obrigkeit und Gerichtsbarkeit um 11.300 fl. an Würtemberg.

Daß Dottingen im dreyßigjährigen Krieg ganz ausgestorben sey, und der Todtengräber als der letzte den Tod herausgefordert habe, wird von Höslin erzählt, nach den Untersuchungen des Herrn Pfarrers Busch aber durch die Kirchenbücher widerlegt. Übrigens war, nach amtlichen Berichten, der Ort halb eingefallen. – S. 39. 46. 65. 95.

Nahe bey Dottingen liegen der Eisenrüttel und die Buchhalde, s. o. S. 20. 66.

b. Steingebronn,

ein ev. Pfarrweiler auf der Alp, 11/2 Stunde westlich von Münsingen mit 83 (1823. 84) Einwohnern. C.A. Münsingen, F.A. Zwiefalten, R. Grafeneck.

Seinen Namen, der sonst auch Steinebronn geschrieben wurde, hat der Ort ohne Zweifel von seiner Lage an einem aus steinigem Grunde entspringenden Brunnen.

Zehnten, den großen bezieht der Staat, den kleinen die Pfarrey.

Gefälle beziehen, aus 8 vormaligen Erblehen und aus Zinsgütern

Geld Dinkel Haber
Der Staat 9 fl. 20 kr. 20 Sch. 1 Si. 28 Sch. 6 Si.
Pf. Eglingen 211/2 kr. 1 Sch. 1 Si. 1 Sch. 1 Si.
Ortsheilige 211/2 kr. 1 Sch. 5 Si. 1 Sch. 5 Si.

Das kleine Örtchen liegt stille und friedlich zwischen Bergen und Wäldern auf einer Anhöhe, an deren Fuße 3 Quellen entspringen, welche dasselbe reichlich mit Wasser versehen.

In der Kirche werden nur alle 14 Tage die Sonntagsgottesdienste gehalten, zur Pfarrey gehört auch Dottingen. In Steingebronn selber wurde erst 1568 eine eigene Pfarrey errichtet. Als besondere politische Gemeinde wurde St. i. J. 1822 aufgehoben und mit der zu Dottingen vereinigt. Vergl. S. 93.

Der Ort gehörte wie Dottingen, vormals den von Spät, bey dem Orte findet man auch einige Spuren von der ehemaligen| Burg Steingebronn; ein Zweig der Späte, welcher hier seinen Sitz hatte, schrieb sich davon. Im Jahr 1347 verkauft „Heinrich Spät von Steingebronn“ Güter an Würtemberg; s. Münsingen. 1562 verkauft Hans Ludwig Spät von Höpfigheim mit dem Burgstall Seeburg auch seinen Flecken Steingebronn und 1/2 Dottingen um 9831 fl.[1] Kirche und Kirchensatz hatten ihre eigenen Herrn: im Jahr 1420 verkaufte Otto von Wurmlingen den Kirchensatz, die Kastenvogtey und den Zehenten zu Steingebronn und seinen Theil am Zehnten zu Dottingen um 220 fl. an das Priorat Güterstein, und Herzog Ulrich v. Teck eignet dem Priorat in demselben Jahre diese Erwerbung. Der Besitz war also Teckisches Lehen. – Der dreyßigjährige Krieg entvölkerte den Ort gänzlich viele Jahre lang und bis 1652 befand sich keine Seele mehr darin. Bey Steingebronn finden sich auch Hungerbrunnen, wovon einer den Namen Wildbad führt. Von dem Zuge der Römerstraße durch das Steingebronner und Dottinger Feld war oben schon die Rede.


14. Eglingen,

ein kath., vormals rittersch. Pfarrdorf, in hoher Lage, 21/2 St. sw. von Münsingen, mit 253 kath. und 11 ev. (1823. 266) Einwohnern, C.A. Münsingen, F.A. Zwiefalten, R. Grafeneck.

Grundherr ist die Gemeinde. Das Patronat hatte bisher die Gutsherrschaft.

Den großen Zehnten bezieht der Staat, den kleinen, Heu- und Öhmd-, Obst- und Blutzehnten die Pfarrey. Das Pfarrgut ist zehentfrey.

Gefälle beziehen, aus Lehen und Zinsgütern:

Geld Dinkel Haber
Der Staat 7 fl. 55 kr. 2 Sch. 11/2 Si. 3 Sch. 23/4 Si.
Gemeinde 262 fl. 59 kr. 85 Sch. 6   –   5     –  
Ortspfarrey 3   –   2 –   3    –  4     –   3    –  4     –  
Heilige Untermarchthal 3   –   2 –   3    –  4     –   3    –  4     –  
Pf. Hayingen 3   – 16 –   4     –   4     –  
Ortsheilige 3   – 15 –  
| und der Heilige zu Tapfen 2 V. 5 E. Haber.

Die gleichen Gefälle der Ortspfarrey und des Heiligen zu Untermarchthal rühren von dem Vermächtniß eines Maierhofs einer Äbtissin in Offenhausen, geb. v. Spät, her. Der Staat bezieht auch Zollhaber. Der Bau und die Unterhaltung des Pfarrhauses lastet auf dem Pfarrer.

Die Lage des Orts ist heiter, die Häuser der Bauern sind von Stein, die der Taglöhner und Handwerker von Holz. Bey dem Orte steht ein Schloß, das jetzt nebst dem Schloßgute der Gemeinde gehört, und an die Bürger verpachtet ist.

In dem Orte hatte früher ein Würtembergischer Förster seinen Sitz, und es steht noch ein herrsch. Försterhaus da, womit einige Güter verbunden sind. Mit der Pfarrey ist die Kirche zu Ehestetten verbunden. Eglingen selbst erhielt übrigens erst i. J. 1484 eine eigene Pfarrey. Bis dahin war es unter die Pfarreyen Buttenhausen und Tapfen getheilt. Im Jahr 1484 bewilligten der Prior und die Väter des Carthäuser Klosters Güterstein, wohin das Patronat jener beyden Pfarreyen gehörte, daß die kurz vorher von den Eglingern erbaute Kirche zu einer Pfarrkirche erhoben wurde, unter der Bedingung, daß der jeweilige Pfarrer zu E. den Pfarrern zu Buttenhausen und Tapfen jährlich entweder 24 Pfd. Hl. oder den kl. Zehenten als Schadloszahlung zu reichen habe, und diese Anordnung erhielt dann auch noch in demselben Jahre, wie die Originalurkunden ausweisen, die bischöfliche Bestätigung. Der Prior von Güterstein nannte sich nun Lehensherr der 3 Pfarreyen Buttenhausen, Tapfen und Eglingen. Von Güterstein kam das Patronat an Würtemberg, von dem es in der Folge den Herrn von Spät sammt dem davon abhängigen kleinen Zehenten zu Lehen gegeben wurde.

Die Gemeinde-Verwaltung kämpft mit großen Schulden,| hat aber auch gute Einkünfte, so daß bey gutem Haushalt sie sich bald erleichtern kann. S. 101.

Eglingen gehörte schon von alten Zeiten her den v. Spät: i. J. 1473 wurde es von Wolf Spät von Schiltzburg an die Späten von Untermarchthal verkauft. Es war Würt. Lehen, wurde aber im Jahr 1806 mit sämmtlichen Spät-Marchthalischen Lehen allodificirt. Im J. 1823 wurde es von Spät mit Schloß und allen Gütern und Rechten für 32.000 fl. an die Gemeinde Eglingen verkauft. Die Gemeinde bezieht nun die Einkünfte und Gefälle und die Gemeindeangehörigen sind von der Local- und Personal-Leibeigenschaft und von einer jährlichen Frohn-Surrogats-Summe von 191 fl. 20 kr. befreyt.

In ältern Zeiten hatte Eglingen seine eigenen Edelleute. Im Jahr 1254 ist Heinrich von Eglingen und sein Bruder Ulrich Zeuge, da Heinrich von Gundelfingen dem Kloster Denkendorf ein Mühle zu Kemnat eignet, i. J. 1267 verkauft Eberhard von Eglingen den Fruchtzehenten zu Bach an Zwiefalten. Daß Kaiser Ludwig i. J. 904 Güter zu Eglingen verschenkt habe, ist schon S. 3 angeführt worden.

Auf dem Krähenberg bey Eglingen hat man eine weite Aussicht. – S. 76. 83.


15. Ehestetten,

ein kath. Kirchd., auf der Alp, 3 St. von Münsingen, 31/2 St. von Zwiefalten mit 236 kat. und 5 ev. (1823. 247) Einwohnern, Filial von Eglingen, C.A. und F.A. Zwiefalten, R. Pfronstetten.

Der Name des Orts, gemeiniglich Estetten gesprochen, wurde ehemals häufig auch so, aber auch Eschstetten, Eschestetten geschrieben.

Grundherr ist der Freyherr von Spät-Untermarchthal; s. Eglingen.

Den großen Zehnten bezieht mit Ausnahme eines kleinen Antheils, welchen der Heilige zu Buttenhausen hat,| zur Hälfte der Staat, zur Hälfte die Grundherrschaft, den kleinen die Pfarrey.

Gefälle beziehen

Geld Dinkel Haber
Der Grundherr 151 fl. 39 kr. 79 Sch. 5 Si. 105 Sch. 5 Si.
Der Ortsheilige 2 fl.  
Pfrr. Hayingen 2 fl. 16 kr. 3 Sch.  3 Sch. 

Ehestetten macht ein eigenes Rittergut aus, das dem Ritter-Canton Donau einverleibt war. Es war von alten Zeiten her Würt. Lehen, wurde aber 1809 eigen gemacht.

Bey dem Orte steht ein grundh. Schloß, die Burg genannt. Die Kirche ist 1756 neu gebaut worden. Sie hat alle Rechte einer Pfarrkirche. Die Gottesdienste wechseln in der Kirche mit Eglingen ab. Ehemals wurde viel darüber gestritten, ob die Ehestetter oder die Eglinger Kirche die Pfarrkirche sey, woher es ohne Zweifel auch kommt, daß in dem Verzeichniß S. 11 Ehestetten doppelt, in der Eigenschaft als Pfarrey und als Filial aufgeführt ist. Die Ehestetter behaupteten in einer Beschwerdeschrift vom J. 1663 an die W. Regierung, daß ihre Kirche allein die rechte Pfarrkirche und Eglingen nur Caplaney sey: dagegen erklärt ein Würt. Commissionsbericht bey den Lehenacten, daß laut des Spätischen Lagerbuchs, Ehestetten keine Pfarrey, sondern immer nur Caplaney von Hayingen gewesen seyn und es sollen daher auch noch das obige Gefälle und ein Fruchtbesoldungsbezug der Pfarrey Hayingen zu Ehestetten rühren. Auf jeden Fall hatte Ehestetten, wie wir gleich sehen werden, schon 1179 seine eigene Kirche, und es ist auch noch ein Pfarr-Lagerbuch von Ehestetten vom Jahr 1549 vorhanden.

Ehestetten ist eine sehr alte Spätische Besitzung; sie kam durch Kauf für 3700 Pfd. Hl. i. J. 1364 von Schweikhardt von Gundelfingen an die Familie. Noch früher, in der päpstlichen Bestätigungsurkunde des Klosters St. Georgen auf dem Schwarzwalde vom Jahre 1179, wird E. mit der Kirche (Estetten cum ecclesia) unter den Besitzungen| dieses Klosters aufgeführt[2]. Im folgenden Jahrhundert aber findet man Herrn von Estetten, welche gar häufig in Urkunden der Pfalzgrafen von Tübingen vorkommen, und vielleicht ursprünglich Klostermaier waren. Im Jahr 1345 kommt ein Dietrich von Estetten „zu Enibeuren gesessen“ vor, und die Wittwe Jakobs von Estetten verkauft 1408 alle ihre Güter zu Enabeuren an das Stift Wiesensteig. Übrigens hatte Würtemberg schon vor 1364 Lehensrechte über Ehestetten, denn i. J. 1344 empfängt Joh. von Gundelfingen, Ritter von Estetten, zwey Höfe zu E. von Würtemberg zu Lehen.[3]

Im J. 1599 brach ein kleiner Krieg wegen E. aus, Wilhelm Dietrich Spät hatte mit seiner Frau und seinen Kindern Händel. Zu Schlichtung derselben ward ein K. Commissarius in der Person eines Grafen von Zollern ernannt. Der Graf war gegen den alten Spät, und nahm am 4. April 1599 Estetten und Zwiefaltendorf mit Gewalt in Besitz. Herzog Friedrich v. W. fand sich als Lehensherr dadurch beleidigt und vertrieb den Grafen wieder, und als hierauf K. Völker anrückten, befahl Friedrich dem Obervogt in Urach, seine Amtsuntergebene mit dem Sturmstreich aufzubieten. Die K. Völker entfernten sich jetzt wieder, und der Streit wurde endlich dadurch geschlichtet, daß Spät die Güter seinem Sohn übergab.

Über die Grundherrn und deren Zumuthungen hatten die Ehestetter in ältern Zeiten immerwährend Klagen zu führen; besonders beschwerten sie sich auch darüber, daß sie für dieselben auch spinnen sollten, daß ihre Söhne und Töchter willkührlich zu jeder Arbeit angehalten wurden, was übrigens von Seiten des Lehensherrn abgestellt wurde. S. o. S. 92. 93.


16. Emeringen,
ein kath., vormals Zwiefaltisches Pfarrd. am Abhang der Alp, auf der Gränze des Oberamts gegen die Donau, 7 St.| von Münsingen, 5/4 St. östlich von Zwiefalten, mit 229 (1823. 238) Einwohnern, C.A. und F.A. und R. Zwiefalten.

Den großen Zehnten bezieht der Staat, den kleinen und den Heu- und Öhmdzehenten und den Obstzehenten die Pfarrey. Einen kleinen Theil des Zehenten bezieht auch der Besitzer des St. Josephsguts zu Ober-Wilzingen.

Gefälle beziehen

der Staat, aus 3 Falllehen und aus Zinsgütern, nebst Frohngeldern: 101 fl. 6 kr. Geld, 106 Sch. 1 Si. 1 V. Dinkel und Einkorn, 103 Sch. 7 S. 3 V. Haber, 7 Si. 3 V. 2 Ek. Hanfsamen, ferner die Pfarrey 33 fl. 34 kr. und der Heilige 3 fl. 5 kr.

Die Herrschaft Rechtenstein hat auf einem Theile der Markung die Schafweidegerechtigkeit, und der Fürst von Thurn und Taxis als Besitzer von Marchthal das Fischrecht in der Donau, so weit sie an der Markung hinfließt, ungefähr 3/4 Stunden lang.

Die Kirche hat die Kammer zu bauen. In die Kirche war unter Zwiefalten Unter-Wilzingen nebst einem Theil von Ober-Wilzingen und Reichenstein eingepfarrt, jetzt ist es noch Reichenstein. – Der Gem. Haushalt ist gut und geordnet. E. ist einer der wenigen Zwief. Orte, der eigene Commun-Wälder, aber dagegen kein Beholzungsrecht an die Herrschaft hatte. Der Ort hatte ehedem seine eigenen Edelleute, welche mit den Grafen von Emerkingen nicht zu verwechseln sind. Ein Heinrich von Emeringen verkauft i. J. 1151 ein Gut in Taugendorf und ein anderes zu Lindau an das Kloster Zwiefalten. Johann von Emeringen verkauft 1266 seine Lehngüter in E. an seinen Bruder Philipp, von welchem sie 1296 an das Kl. Zwiefalten übergeben werden. Neben und nach den von Emeringen findet man die von Stein zum Rechtenstein im Besitze. Im Jahr 1298 verkauft Wolf von Stein den Kirchensatz, Laienzehnten und Alles, was er für seinen Theil zu E. besessen, an eben dasselbe Kloster, mit Vorbehalt der Vogtey, in deren Besitz die von Stein bis in den Anfang des 18ten Jahrhunderts blieben; i. J. 1682| tauscht das Kloster den noch übrigen Steinischen Antheil an E. gegen einen Hof zu Unterwilzingen, 6 Höfe zu Thalheim und 5.500 fl. ein, und 1686 vertauscht Frau Juliana von Stein zum Rechtenstein 2 Höfe zu Lauterach und Emeringen, so sie von Würtemberg an sich gebracht, gegen den Zehnten zu Unterwilzingen an das Kloster. Durch diese und andere Käufe und Tauschverträge kam allmählig das Kloster Zwiefalten in den Besitz von Emeringen. Übrigens scheinen die von Justingen und von Wildenstein Lehensherrn gewesen zu seyn; denn die meisten Verkäufe werden von ihnen genehmigt und die Güter geeignet.

Zwischen Emeringen und Zwiefaltendorf liegt der Emerberg, wo man eine ausgebreitete Aussicht hat. Lindau, dessen oben gedacht worden, war einer der vielen verschwundenen Weiler und Höfe der Gegend, der in der Nähe von Emeringen lag.[4]


17. Enabeuren,

ein paritätisches Pfarrd., auf der Alp, 3 St. von Münsingen mit 335 ev. und 227 kath. (1823. 562) Einwohnern, C.A. Münsingen, F.A. Blaubeuren, R. Magolsheim.

Der Name des Orts wird in alten Dokumenten sehr verschieden geschrieben gefunden, Onimburon, Onenburron, Änobeuren, Enobeuren, Enabeuren etc., nie aber, wie jetzt gemeiniglich geschrieben wird, Ennabeuren. Beuren, Büren bedeutet sonst gewöhnlich Born, Quelle; bey Enabeuren findet sich aber keine Spur einer Quelle, oder eines Baches, dagegen kommen in der Gegend mehrere Hügel unter dem Namen Burren vor, was in der Volkssprache noch jetzt eine Erhöhung bedeutet, und vielleicht auch auf den Namen Enabeuren gedeutet werden könnte, wenn man nicht anders der Sage, daß unter dem benachbarten Schloßberge hin einst ein großer Strom seinen Lauf gehabt habe, Glauben beymessen will.

| Die Grundherrschaft ist zwischen Würtemberg und Fürstenberg getheilt.

Das Patronat beyder Pfarreyen hat Würtemberg, das der katholischen hatte früher das Kloster Urspring.

Den großen Zehnten bezieht der Staat, (früher Kloster Urspring) 261/2 Jauchart Äcker zehenten Fürstenberg, 1211/2 Jauchart sind zehentfrey, und eben so 631/2 Jauch. gültbare Äcker. Der Novalzehnte ist zwischen dem Staat und Fürstenberg getheilt, den kl. Zehnten, den Heu- und Öhmdzehenten beziehen die beyden Pfarreyen.

Gefälle beziehen, aus 38 vormaligen Erblehen und aus Zinsgütern etc.

Geld Dinkel Haber
Der Staat 84 fl. 42 kr. 166 Sch. 4 Si. 2. V.
und 1 Sch. 2 Si. Roggen
145 Sch. 3 Si.
Fürstenberg 20 fl. 58 kr. 54 Sch. 4 Si.
und 6 Si. Roggen
52 Sch. 2 Si.
Die 2 Pfarreyen 3 fl. 
Die 2 Heiligen 2 fl. 46 kr. 7 Sch. 4 Si. 7 Sch. 4 Si.
Der Heilige in
    Machtolsheim
34 kr. 4 Sch. 3 Si. 4 Sch. 
–   Gundershofen 24 kr.

Jeder Bürger ohne Haus zahlt 30 kr. Schutz- und Schirmgeld, eine Weibsperson 15 kr., ein Beysitzer 1 fl.

Enabeuren liegt theils in einem Teiche, theils sanft ansteigend an und auf einer Anhöhe, wo man eine weite Aussicht hat. Die Kirche ist beyden Confessionen gemeinschaftlich, sie wurde im vorigen Jahrhundert 1754 von einer Äbtissinn zu Urspring erneuert, wegen, auch jetzt noch fortdauernder, Unvermögenheit der beyden Ortsheiligen, welche die Kirche zu bauen haben.[5]

| Die Markung ist nach der Münsinger die größte im Oberamt, das Feld aber ist ziemlich undankbar, der Ort hat überdieß häufig Wetterschlag, in den letzten 14 Jahren wurde er nicht weniger als 12 Mal davon betroffen, s. o. S. 50. Winters wird viel gesponnen, Männer und Weiber, Knechte und Mägde spinnen.

Der Gemeindezustand ist durch Steuer und andere Rückstände in eine bedrängte Lage gerathen. Doch sind eine treffliche Schafweide, welche gegenwärtig jährlich 1100 fl. Pacht abwirft, und schöne Wälder Hülfsmittel, die, bey einer kräftigen Verwaltung, baldiges Aufkommen begründen.

Der Ort hat 2 Schulen, eine evangelische und eine katholische, auf deren Vereinigung jüngst beyde Confessionen bey der Behörde angetragen haben. Die Verschiedenheit der Religion rührt, wie zu Magolsheim, von den verschiedenen Herrschaften her; was Würtemberg erwarb, wurde auch nach dem alten Territorialgrundsatz: cujus est regio, ejus est religio, reformirt. Die evangelischen Einwohner waren anfänglich der Gemeinde Sontheim, von 1596 an der Gemeinde Feldstetten zugetheilt, i. J. 1603 erhielten sie endlich einen eigenen Pfarrer, und diesem wurde jetzt zugleich auch die Pfarrey Magolsheim übertragen. Zur Wohnung wurde dem Pfarrer „des Junkers Gaisberger“ Behausung angewiesen.

Vormals hieß Enabeuren ein Freyflecken, eine Benennung, die sich verschieden deuten läßt, hier aber wahrscheinlich eine frühe Befreyung von öffentlicher, d. h. fremder Beamtengewalt, namentlich in Beziehung auf Gerichtsbarkeit bedeutete; denn der Ort hat seinen eigenen Stock und Galgen. Der Besitz des Fleckens war von frühen Zeiten her sehr getheilt, bis er endlich in zwey Theilen sich bey Würtemberg und Fürstenberg unter gemeinschaftlicher Hoheit vereinigte. Güter und grundherrliche Rechte besaß neben ihnen das Kloster Urspring, und bis zum Vergleich mit Würtemberg von 1750 auch Zwiefalten.

| Ursprünglich muß der Ort seine eigenen Edelleute gehabt haben; denn i. J. 1258 schenkten nach Crusius die Brüder „Eberhard, Conrad und Heinrich von Onobeuren“ dem Kloster Urspring einige Höfe daselbst, und auf der Stelle des evang. Pfarrhauses findet man auch noch die Spuren eines Schlosses. Übrigens findet man schon vor ihrer Zeit die Grafen von Achalm, die Herrn von Steußlingen und Andere zu E. begütert.[6] S. auch Ehestetten. Den großen Zehnten sammt der Pfarrey Widhofen (Pfarr-Wittumhof) kaufte nach Rebstock das Kloster Urspring i. J. 1418 von Hans Hartscher (Harscher war der Name einer Ulmer Patricier-Familie). Die Fürstenbergische Hälfte von E. wurde laut Kaufbriefs vom Jahr 1413 von Cornelia von Schwendi, Wittwe Wolfarts von Nenningen an Hans Truchseß von Bichishausen um 710 fl. verkauft. Von den Truchseßen kam sie an die von Buttlar und von diesen an die von Veldberg, von welchen sie i. J. 1522 mit Bichishausen an Fürstenberg verkauft wurde. Der andere Theil von Enabeuren kam meist von den von Grafeneck und ihren Erben an Würtemberg. Nachdem schon ein Theil i. J. 1594 als eröffnetes Lehen heimgefallen war, kaufte Herzog Friedrich I. im Jahr 1603 ein Viertheil an dem den Grafeneckischen Erben gehörigen Antheil von Philipp von Remchingen; i. J. 1627 verkaufte Gideons von Remchingen Wittwe ihren Theil für 7000 fl. und 1608 folgten ihr die von Degenfeld und von Gaisberg, und verkauften ihren Antheil für 9000 fl. Von dieser Zeit war E. Würt. Fürstenb. Condominialort, bis es 1806 ganz unter Würt. Hoheit kam. Im Jahr 1128 wurde Enabeuren von Herzog Friedrich von Schwaben zerstört. Die Veranlassung dazu war folgende: Friedrich übernachtete, auf einem Zuge nach Oberschwaben gegen den Herzog Welf (s. Zwiefalten) in Enabeuren. Die Bauern, wahrscheinlich von der Welfischen Partey aufgereizt, standen gegen den Herzog auf, überfielen ihn in der Nacht,| und jagten ihn aus dem Dorfe. Aber Friedrich kehrte bald zurück, und rächte sich mit Feuer und Schwert.[7]

Enabeuren soll einst auf einer benachbarten Höhe gestanden, und das jetzige E. soll Enaweiler geheißen haben. Die Höhe heißt Kirchlesberg, eine starke Viertelstunde westlich von E., wo noch vor kurzer Zeit die Reste einer von Quadern erbauten Kirche mit einem Thurm standen, welche die Pfarrkirche des alten Enabeuren gewesen seyn soll, und erst vor ungefähr 15 Jahren vollends abgebrochen worden ist. Man findet hier auch noch Grundmauern von anderem Bauwesen und einen verschütteten Brunnen. Die Kirche muß schon in frühern Zeiten in Abgang gekommen seyn; denn i. J. 1567 wird das ewige Licht von Heroldstetten nach Zwiefalten versetzt.[8] Mehr westlich, über einer Schlucht, wird die Höhe der Schloßberg genannt, und es zeigen sich hier auch noch die Spuren eines Schlosses. Der umliegende Bezirk, der eine lang gestreckte Hochebene bildet, heißt Heerdstetten, oder richtiger Heroldstetten, Heroldstatt. S. 21. Er hat seinen Namen von einem Weiler, der da gestanden hatte, und der von dem Otto von Steußlingen (Stuzilingen) ums Jahr 1112 dem Kloster Zwiefalten geschenkt worden war. Eine andere Angabe in dem Zwiefalter Nekrolog läßt Otto dem Kloster Önoburron mit der St. Peterskirche schenken. S. S. 45. 51. 57. 72. 87. 101.


18. Erbstetten mit Unterwilzingen.
a. Erbstetten,

ein kath. Pfarrd. auf der Alp, 43/4 St. von Münsingen und 21/2 St. von Zwiefalten, mit 130 Einwohnern, C.A. und F.A. Zwiefalten, R. Kirchen.

Grund- und Patronatsherr ist der Freyherr von Spät-Schiltzburg. S. Schilzburg.

Zehenten, den großen und den kleinen hat die Ortspfarrey| zu beziehen, mit Ausnahme von etlichen Äckern, wo er dem Besitzer des St. Josephsgut zu Oberwilzingen zusteht.

Gefälle beziehen

Der Grundherr  128 fl. 26 kr.
Der Ortsheilige  2 fl. 4 Schl. Dinkel und 4 Schl. Haber.

Ferner bezieht der Grundherr die 5te Garbe, nach dem Katasteranschlag, mit Einschluß eines ganz kleinen Antheils des Ortsheiligen, jährlich 845 fl. 14 kr. betragend.

Erbstetten ist ein Bestandtheil des Ritterguts Schiltzburg; es ist freyes Allodium und gehörte vormals zum Ritter-Canton Donau. Die Besitzer waren ehedem auch von Kaiser und Reich mit dem Blutbann daselbst belehnt. Dem Grundherrn gehört auch die Schafweide und die Fischerey in einem Theil der Lauter.

In die Pfarrkirche zum h. Stephan, welche auf einer Anhöhe bey dem Ort liegt, war früher Schiltzburg mit einem Theil von Anhausen eingepfarrt; als diese 1811 an Hayingen kamen, erhielt die Kirche dafür Unterwilzingen zum Filial. Vor der Reformation soll auch Mundingen Filial gewesen seyn; die Pfarrey Erbstetten bezieht noch einen Theil des Zehenten in Mundingen.

Erbstetten kommt schon in den Jahren 805 und 817 vor, wie vorn schon zu sehen ist. Aus den dort angeführten Urkunden erhellt, daß Erbstetten, Weiler, Unter- und Oberwilzingen zu den Erbgütern der berühmten Gaugrafen von der Bertoldsbar, namentlich zu den Erbgütern der Brüder Chadaloch und Wago, Söhne Bertolds, und Grafen von der Folkoltsbar gehört haben. In der Urkunde vom J. 805 schenkt Chadaloch, jedoch mit Vorbehalt, dem Kloster St. Gallen all sein Gut in Erfstetimcum omni marca sua, id est et illam terram in superiori Wilzinga et inferiori.“ Neugart Cod. Dipl. Nr. 155 und 193. S. o. S. 6.

Im Jahre 1527 kam Erbstetten von Hans Renner von Allmendingen durch Heirath an Diebold Spät, und 1806 unter Würtembergische Landeshoheit. – Vergl. S. 39. 57. 58. 93. 98.

| Auf der Markung von Erbstetten findet man noch die Ruinen von 2 alten Burgen, wovon die eine Wartstein, die andere Monsberg heißt, und von einem Kloster St. Ruprecht genannt. Wartstein, auch Warstein genannt, lag auf dem linken Lauterufer über schroffen Felsen unterhalb Schiltzburg. Noch sind ansehnliche Ruinen davon übrig, welche gemeiniglich „das alte Schloß“ genannt werden. Ein gewaltiger viereckiger Thurm und weit über die Felsen sich ausdehnende Mauern zeugen noch von ihrer ehemaligen Stärke; hoch ragt der Thurm über die wilde Umgebung hervor und weit schaut er in das Donaugebiet hinüber ein trauernder Zeuge entschwundener Größe. Wartstein war einst eine sehr feste Burg; sie gehörte dem Welfischen Hause. Als Herzog Heinrich von Baiern, Welf IV., auf dem Felde bey Rotenacker i. J. 1093 zum Schirmsvogt von Zwiefalten gewählt wurde, geschah es hauptsächlich deßwegen, weil er in der Nähe die feste Burg Wartstein an der Lauter inne hatte, von wo aus er am besten das Kloster zu schützen im Stande wäre.[9]. Auch lange nach dieser Zeit waren die Welfen noch im Besitze der Burg; im 13ten Jahrhundert aber findet man eigene Grafen von Wartstein, und ein Graf Hermann von Wartstein, der in dem Zwiefalter Todtenbuch vorkommt, fällt wahrscheinlich noch ins 12te Jahrhundert. Im J. 1283 freyt Graf Eberhard von Warstein den Hof Vainhausen, und ebenderselbe übergibt bey seinem Absterben durch die Hände seiner 6 Söhne dem Kloster alle seine Güter zu Wilzingen.[10] Im Jahr 1339 versetzt Graf Hartmann von Wartstein[11] dem Grafen Ulrich von Würtemberg seinen Wildbann, zu Wartstein gehörig, um 400 Mark. Gegen weitere 200 fl. verzichtet i. J. 1375 sein Sohn Graf Heinrich von Wartstein| zu Gunsten Würtembergs ganz auf diesen Wildbann. In einem Vergleiche zwischen Herzog Ulrich von Würtemberg und dem Kaiser Maximilian, vom Jahre 1514, über Grenzstrittigkeiten, wird der Herzog Inhaber der Grafschaften Urach und Wartstein genannt, und die Grenze zwischen diesen und den Österreichischen Besitzungen festgesetzt. Worin übrigens die Grafschaft bestanden habe, ist schwer zu sagen.

Im Jahr 1481 befindet sich noch ein Friedrich Schenk als Burgvogt zu Wartstein; jetzt kennen aber die Wenigsten den Namen der Burg mehr, und diejenigen, welche ihn kennen, streiten sich über ihre Lage, die jedoch durch Dokumente und insbesondere durch eine alte Karte von dem Lauterthal, welche der Freyherr von Spät-Schiltzburg besitzt, außer Zweifel gesetzt ist. S. auch Oberwilzingen und Maisenburg.

Monsberg, Montsberg, Muntsberg und Münzberg, lag ebenfalls auf dem linken Ufer der Lauter, nur eine kleine Viertelstunde von Wartstein, wie dieses über wilden, steilen Felsen. Auch von dieser Burg sind noch Ruinen vorhanden, und ihr Name hat sich noch in einigen, dem Herrn von Spät gehörigen, Gütern erhalten. Über den Namen vergl. Münsdorf. Als ältere Besitzer der Burg lernt man die von Stein kennen. Hans von Stein, von Klingenstein kaufte i. J. 1379 die Burg Munsperg sammt Zugehörungen, und Güter und Leute zu Ober- und Unterwilzingen von dem Grafen Conrad von Aichelberg um 621 Pfd. Heller. Im Jahr 1394 kommt ein Conrad von Stein zu Monsperg, der also vermuthlich seinen Sitz auf der Burg hatte, und eben so in mehreren spätern Urkunden vor. Im Jahre 1438 erscheint ein „Conrad vom Steine zu Monsperg“ als Procurator in der Anklage Betzmanns von Geisingen vor dem heimlichen Gericht zu Bruninghausen, laut den darüber noch vorhandenen Urkunden.

St. Ruprecht lag unterhalb Monsberg, auf einer vorspringenden Anhöhe des linken Lauterufers. Unter den Überresten zeichnet sich noch eine große Mauer aus, auch| findet man noch einen zerfallenen Keller. Es soll ein Mönchskloster gewesen seyn und dabey auch ein Nonnenkloster sich befunden haben. Den Platz nennt man noch auf dem Capuziner, und eine benachbarte Schlucht heißt die Pfaffenhölle oder Klosterhölle.
b. Unter-Wilzingen,

ein kath. Weiler im Lauterthale, 5 Stunden von Münsingen und 11/2 St. von Zwiefalten, mit 58 Einwohnern, Filial von Erbstetten, C.A. und F.A. Zwiefalten, R. Kirchen.

Grundherr ist der Graf von Reuttner.

Zehnten beziehen den großen der Grundherr, den kleinen und den Blutzehnten die Pfarrey Emeringen.

Gefälle beziehen

Geld Dinkel Haber
Der Grundherr 90 fl. 371/2 kr. 1 Sch. 61/2 Si. 1 Sch. 71/2 Si.
Die Caplaney Reichenstein 52 fl. 
Der Heilige in Erbstetten 7 Si. 5 Sch.  1 V.

ferner bezieht der Grundherr Theilgebühren, welche mit Einschluß seines Zehnten zu 338 fl. 241/2 kr. berechnet sind, dagegen genießt die Gemeinde Unterwilzingen eine zu 149 fl. 28 kr. berechnete Holzgerechtigkeit in den grundherrlichen Waldungen und das Triebrecht.

Unterwilzingen ist ein Bestandtheil des Ritterguts Rechtenstein. Die Bevölkerung ist im Rückschreiten, s. o. S. 57. Der Ort hat eine, i. J. 1787 neu gebaute, Capelle, worin alle Monate eine Messe gelesen wird. Sie steht malerisch auf einer Anhöhe und hat einen beträchtlichen Fond. Die Schule ist in Erbstetten. Bey dem Ort führt eine hölzerne Brücke über die Lauter. – Vergl. S. 6. 23. 45. 51. 58. 93. 95.

Das Geschichtliche des sehr alten Orts ist in der Hauptsache schon bey Monsberg und Erbstetten angeführt. Im 12ten und den folgenden Jahrhunderten kommen mehrere Vergabungen zu W. von Edelleuten an das Kl. Zwiefalten vor. Im J. 1682 tauscht Wilhelm v. Stein ein Gut und i. J.| 1686 Juliana von Stein den großen Zehnten zu U. W. von dem Kloster ein.[12] In spätern Zeiten soll der Malteser-Orden den Ort an die Familie von Freyberg-Hürbel verkauft haben, von dieser kam er 1815 theils durch Vertrag, theils durch Erbschaften an den gegenwärtigen Besitzer und schon vorher 1806 unter Würt. Landeshoheit.


19. Feldstetten,

ein ev. Pfarrd. und Marktfl. mit Post, auf hoher und rauher Alp, an der Straße nach Ulm, 3 St. in gerader Linie von Münsingen, mit 793 (1823. 788) Einwohnern, C.A. Blaubeuren, F.A. Urach, R. Zainingen.

Der Zehnte, der große in der Hauptmarkung gehört dem Staat, in dem Bezirk Nattenbuch den beyden Pfarreyen in Enabeuren, der kleine der Ortspfarrey.

Gefälle beziehen

Geld Dinkel Haber
Der Staat 87 fl. 131/2 kr. 51 Sch. 1 S. 1/2 V. 35 Sch. 6 S. 21/2 V.
Die Pfarrey 8 fl.  27    kr. 14   –     1 – 33/8–  12   –     7 –  15/8 – 
Frühmeß Westerheim 4   –     6 –  1   –  1   –     4 –  3     – 
Spital Blaubeuren 55    kr. 4   –     3 –  1/2 –  4   –     3 –  1/2   – 
Die Heiligen zu
    Feldstetten
7 fl.  48    kr. 8   –     5 – 11/2–  9   –     3 –  3     – 
Laichingen 1 fl.  36    kr. 4   –  4   – 
Gemeindepflege 11 fl.    9    kr.
2 Privaten 12   –     2 –  4   –  12   –     2 –  4     – 

ferner bezieht der Staat 15 Sch. 5 Si. Vogt-Dinkel und die Gemeinde 2 fl. 51 kr. Käsegeld, die Maierbauern (s. Laichingen) haben die Hälfte des Zehentstrohs zu genießen, dagegen die Hälfte an dem Bau und der Unterhaltung der Zehentscheuer zu tragen, und 2 Stück Faselvieh zu halten. Das Pfarrhaus hat die Gemeinde zu bauen.

Feldstetten ist eines der ansehnlichsten Dörfer und, nach Laichingen, das volkreichste im Oberamt. Kirche und Kirchhof| sind befestigt und mit Graben und Schießmauern versehen. Die Einwohner sind betriebsam; es wird viel gesponnen und gewoben, und nach Laichingen ist Feldstetten der Hauptweberort im Oberamte. Das Feld leidet sehr vom späten Schneeabgang. S. S. 49.

Die Kirche war ehedem Filial von Laichingen, bis i. J. 1453 eine eigene Pfarrey errichtet worden ist, worauf i. J. 1485 auch ein eigenes Pfarrhaus gebaut wurde. Der Gemeindezustand ist gut, der Flecken hat auch einen nicht unvermöglichen, jedoch für alle seine Obliegenheiten nicht mehr ausreichenden Heiligen, der theils in dem Orte, theils auswärts, zu Donstetten, Zainingen Gefälle hat. – Im dreyßigjährigen Kriege wurde auch Feldstetten ganz verwüstet, nach amtlichen Berichten war 10 Jahre lang kein Mensch mehr im Orte.

Die ältere Geschichte von F. ist ohne Zweifel dieselbe wie die von Laichingen. Auch hier hatte Helfenstein und von diesem bis 1810 Baiern Gefälle und die Jagd, jedoch nur in einem Theile der Markung, in der sogen. Klostersmarkung. Die Helfensteinischen Grenzsteine mit dem Elephanten liefen in neuern Zeiten noch mitten durch den Ort: das Kloster Blaubeuren hatte hier ebenfalls grundherrliche Rechte und Gefälle und seinen Maier, wie zu Laichingen. Ein besonderer Markungsbezirk heißt noch die Klostermarkung, wozu Egelsee gehörte, wo das Kloster anfänglich erbaut werden sollte. S. 19. Ein Theil der Klostermarkung heißt Hochwang, Hohenwang, ein aus Wald und Mähdern bestehender Bezirk. Unter dem Walde führt die Landstraße durch eine Schlucht hin, welche der Salzwinkel genannt wird. Ein anderer bemerkenswerther Bezirk ist

Nattenbuch, eine Höhe mit einem besondern, in drey Zellgen eingetheilten, Markungsbezirk auf der Grenze gegen Enabeuren. Das Kloster Urspring hatte hier den großen Zehnten, welchen die beyden Pfarrer zu Enabeuren gemeinschaftlich genießen. Auf Nattenbuch stand einst eine Capelle, worin die Feldstetter, ehe sie noch einen eigenen Pfarrer hatten,| wegen der Entfernung von Laichingen, ihren Gottesdienst gesucht haben sollen. Die Capelle wurde von Enabeuren aus versehen, und nachdem sie nicht mehr zu gebrauchen war, mußte der kath. Pfarrer daselbst für den Zehentgenuß alljährlich eine Messe in dem Kloster Urspring lesen. Bey der Capelle soll auch ein Schloß gestanden haben; man findet auch noch Mauern und Gewölbe davon. Merkwürdig ist, daß auf dem ziemlich hohen Berge eine nie versiegende Quelle angetroffen wird. In der Nähe befindet sich das Höllenloch, und bey Feldstetten der hohle Stein, Höhlen, wovon oben schon S. 35 u. f. Nachricht gegeben worden. Auch gibt es mehrere Erdfälle in der Gegend, einen sogar im Flecken selber. Auf der Grenze gegen Westerheim über den Hohenwang zieht die alte Römerstraße hin. S. 13. 14. Weitere Nachrichten: S. 45. 47. 51. 72. 74. 77. 86.


20. Gauingen mit Hochberg.
a. Gauingen,

ein kath., vormals Zwiefaltischer Weiler auf der Alp, Filial von Zwiefalten, 1 kleine Stunde davon, und 51/2 St. von Münsingen, mit 122 Einwohnern, C.A. und F.A. Zwiefalten, R. Huldstetten.

Den großen und kleinen Zehnten bezieht der Staat, Heu- und Öhmdzehnten wird nicht gereicht.

Gefälle beziehen

der Staat, aus 14 Falllehen und aus Zinsgütern etc. Geld 35 fl. 12 kr., Dinkel 13 Sch. 7 Si. 1 V., Haber 35 Sch. 1 V., Hanfsaamen 1 Sch. 1 V.; der Staat bezieht auch 3 Sch. 7 Si. 1 V. Vogt und Leuthaber.

Der Ort hat eine, von der Gemeinde i. J. 1819 wieder neu hergestellte Capelle.

Der Berg, worauf Gauingen liegt, heißt Gauenberg, Gauberg. Man findet in ältern Zeiten neben Gauingen auch eine Ort unter dem Namen Gowiberg, der| wahrscheinlich aber nur einen Theil des noch jetzt in zwey Massen sich theilenden Weilers ausmachten. Gauingen und Gauenberg gehörten zu den ersten Stiftungen von Zwiefalten. Einzelne Theile kamen jedoch erst in spätern Zeiten durch Schenkungen und Käufe an das Kloster. S. Sulger b. d. J. 1111, 1233, 1397; über die Vogtey, welche die Grafen von Veringen besaßen, s. auch Zwiefalten.

Bey Gauingen befindet sich ein großer Steinbruch, in dem sogenannten Flözdolomit. S. 67; 58. 95.

b. Hochberg,

sonst auch Hohberg, Hohenberg geschrieben, ein kath., vormals Zwiefaltischer Weiler, in hoher Lage, wie schon der Name ausdrückt, Filial von Zwiefalten, 1 St. davon, und 7 St. von Münsingen, mit 107 (1823. 110) Einwohnern; Amtseintheilung wie Gauingen. S. 95.

Den großen und kleinen Zehnten bezieht der Staat.

Gefälle beziehen, aus 12 Falllehen und aus Erb- und Zinsgütern etc.

Geld Dinkel Haber
Der Staat 42 fl. 19 kr. 13 Schl.  18 Sch. 5 Si. 2 V.
Pfr. Hayingen 52 kr. 1 Sch. 3 Si. 3 E. 1 Sch. 3 Si. 3 E.

ferner die Heiligenpflege Zwiefalten 3 kr.

Über die Bevölkerungsverhältnisse, s. S. 57. 58. Der Ort hat eine Capelle zum h. Wendelin, welche mit der zu Gauingen i. J. 1688 gebaut und geweiht worden. Um Boden und Cultur sieht es in Hochberg und Gauingen schlecht aus.

Hochberg kam allmählig durch mehrere Käufe und Schenkungen, welche in Sulger bey den Jahren 1110. 1111. 1124. 1356 und 1397 zu finden sind, an Zwiefalten. Im Jahr 1154 kommt auch eine Schenkung eines Wilhelm von Hochberg vor.



  1. Sattler Grafen IV. 190.
  2. Neugart Cod. Dipl. II. Nr. 878. S. 106.
  3. Sattler I. e. Beyl. 61. S. 271.
  4. Sulger I. 124.
  5. In einem Berichte v. 10. April 1752 bemerken der Dekan und Stabskeller, daß zwar, so viel man wisse, das Kloster Urspring als Zehentherr sich geneigt finden lassen dürfte, das Bauwesen zu übernehmen, daß aber, wenn die Wahl der Handwerksleute dem Kloster überlassen bliebe, Präjudicium erwachsen könnte, und sie fragen daher an, ob nicht das Kloster anzuhalten wäre, zu solchem Baugeschäft Handwerksleute von beyderley Religionen zu nehmen?
  6. Sulger Ann. Zw. I. 44. 48. 211.
  7. Sulger Annal. Zwif. I. 75. Crusius ad. a. 1128.
  8. Sulger Annal. Zwif. II. 156.
  9. Sulger Annal. I. 25.
  10. Ebend. I. 244.
  11. Sattler, Grafen I. Beyl. 49. Die von Hertenstein waren Lehensleute der Gr. v. Wartstein.
  12. Sulger Annal. Zwif. I, 58. II. 6. 324.
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