Beschreibung des Oberamts Münsingen/Kapitel A 6

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VI. Nahrungsstand.

1.) Vermögen.

Der Bestand und die Vertheilung des hier in Betracht kommenden Vermögens – Grundeigenthum, Gebäude und Vieh – ist aus den beygefügten Tabellen zu ersehen. Die Tabelle Nr. V. gibt noch weiter Kenntniß von den Activ- und Passiv-Kapitalien der Körperschaften.

Der Geldwerth der erwähnten Gegenstände ist nach dem Kataster und den bey Reutlingen (S. 47) angenommenen Sätzen folgender: [1]

  1.) Grundeigenthum, 6.545.451  fl.
  2.) Gebäude, 1.883.675 —
  3.) Vieh,    407.218 —
8.836.344  fl.
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Davon ist
a.) steuerfrey
 1) Grundeigenthum 588.040  fl.
 2) Gebäude
 a) des Staats      }
 b) der Körperschaften    }
   582.400   - 
1.170.440  fl.
b.) steuerpflichtig
 1) Grundeigenthum 5.957.411  fl.
 2) Gebäude 1.301.275   - 
7.258.686  fl.

Das Verhältniß des steuerfreyen Vermögens zu dem steuerpflichtigen ist also = 1 : 61/5. Die ganze Summe des steuerpflichtigen Vermögens macht

mit Einrechnung des Viehstands 7.665.904  fl.
mithin auf 1 Kopf
 a) ohne Vieh 399 fl. 45 kr.
 b) mit Vieh 422 fl. 

In Beziehung auf das steuerpflichtige Grundeigenthum ist noch zu bemerken, daß 1031 M. unbestockte Waldplätze im Kataster nicht enthalten und also auch nicht zu Kapital berechnet sind.

Was den Vermögenszustand der einzelnen Einwohner betrifft, so ist dieser im Durchschnitte gering; er ist dieß insbesondere in den Thalorten, welche man für glücklicher zu halten geneigt ist, die aber eben um ihrer Lage willen und weil die Güter meist auf der Höhe liegen, ihren Nahrungsstand weit mehr erschwert finden. Außerdem findet man in der Regel in den neuwürt. Orten noch mehr Wohlstand, als in den altwürtemb. Als die dermalen vermöglichsten Orte sind Laichingen, Bremelau und Pfronstetten, als die ärmsten die der vormaligen Herrschaft Justingen, ferner Böttingen und Dottingen auszuzeichnen, wo Theurungs- und Hagel-Jahre nicht nur das Vermögen, sondern, leider, auch den Muth geschwächt haben, welcher zur Erholung nöthig ist. Indessen ist wohl in allen Orten durch die bürgerlichen Wohlthaten in Holzgaben, Gemeindegütern etc. auch der ärmste Arbeiter wenigstens für sein nothdürftiges Auskommen gesichert.

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2. Wirthschaft.
A. Landbau.
a) Gewinnung von Mineralien.
Metalle finden sich, wie oben bemerkt worden, zwar in Eisenerzen vor, sie werden aber nicht benutzt. Daß diese aber in frühern Zeiten benutzt, oder wenigstens Versuche auf ihre Benutzung gemacht worden sind, und daß man sogar auf edlere Erze gebaut hat, geht aus verschiedenen Thatsachen und Urkunden hervor. Bey dem Schlosse Justingen z. B. befindet sich eine senkrechte Höhle, Höllenloch genannt, welche ohne Zweifel nichts anders als ein alter Schacht ist, wie noch der Stollen, zu dem er führt, beweist. Man weiß auch aus der Geschichte, daß bey Justingen ein Bergwerk auf Silber gebaut, oder vielmehr wahrscheinlich ein Versuch darauf gemacht wurde. Graf Eberhard der ältere von Würtemberg gerieth deßwegen mit den Herren von Stöffeln, welche den Bau angefangen hatten, in Streit. Eberhard glaubte Ansprüche zu haben, weil es in seinem Wildbann, Forst und Geleit lag, und ließ im J. 1479 durch seinen Schultheißen zu Münsingen davon Besitz nehmen. Da von Östreichischer Seite auch Ansprüche gemacht wurden, so kam der Streit so weit, daß Eberhard einen Einfall in das Dorf machen und die Bauern wegführen ließ. Zuletzt endigte der Streit damit, daß Würtemberg sich seiner Ansprüche begab. [2] Ebenso findet man Spuren von Bergbau bey Ehrenfels und Wimsheim. Im Jahre 1470 verglichen sich der Abt Johann von Zwiefalten und Georg Kayb von Hohenstein, über die Rechte zu den Eisengruben bey Ehrenfels und Wimsheim. [3] Auch am Eisenrüttel bey Dottingen wurde vor langer Zeit schon ein Bergwerk angefangen und in dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts nahm eine Gesellschaft von Urach, wahrscheinlich mehr, als blos| Eisen suchend, das Werk wieder auf, verließ es aber, in ihren Hoffnungen getäuscht, auch bald wieder.

Steine. Steinbrüche gibt es an mehreren Orten, besonders zu Gundershofen, Gauingen, Mehrstetten, Hundersingen, Tapfen, Ödenwaldstetten, Huldstetten; sie liefern aber durchaus nur Kalksteine oder den schon genannten Flözdolomit; die Kalkfelsen zu Tapfen und Huldstetten brechen in schönen Platten, die zum Steindruck tauglich scheinen. Eine Benutzung des Marmors findet dermalen nicht statt; der herrschaftliche Marmorbruch in Böttingen ist ganz überwachsen.

Erden. Der Töpfer- und Zieglerthon wird von den Münsinger Hafnern und den Zieglern des Oberamts benutzt; s. o. S. 52. Die Benutzung des Mergels findet neuerlich wenig mehr statt. In der Bettelmannshöhle und andern Höhlen des Lauterthals wird Mondmilch gegraben und verkauft.


b. Pflanzenbau und Viehzucht.
a) Zustand des Feldbaues im Allgemeinen.

Über die Maß- und Ertrags-Verhältnisse des gebauten Bodens vergleiche man die beygeschlossene Tabelle Nr. II., wo auch das Verhältniß der Grundfläche zur Bevölkerung und zum Viehstand und der eigenthümliche Besitzstand der Grundherrschaften ausgedrückt ist.

Das ungebaute Land verhält sich, Wälder nicht eingerechnet, zum gebauten = 1 : 3, wobey aber die Wechselfelder als gebautes Land gerechnet sind.

Welche Orte das meiste oder wenigste ungebaute Land, die meisten oder wenigsten Wechselfelder haben, ist aus der Tabelle zu ersehen.

Das Verhältniß der verschienen Bauarten unter sich ist folgendes:

 Gärten und Länder 1.
 Wiesen 115/6
 Äcker 751/3
 Waldungen 331/3
Die Vertheilung des Grundeigenthums ist in dem| Oberamte minder groß, als in der Regel anderwärts, man findet selbst in dem alten Oberamts-Bezirke noch manche ungetheilte Bauernhöfe, und in den neuen Theilen bestehen noch die alten Falllehenhöfe. Im Durchschnitt kommt gebautes und ungebautes Land auf 1 Menschen 81/8 Morgen, und somit mehr, als in irgend einem andern Oberamte, und mehr als das Doppelte des Durchnitts im ganzen Königreiche.[4] Dieses Verhältniß steigt, wie die Tabelle zeigt, von 11/16 Morgen (bey Hütten) bis auf 181/2 Morgen (bey Dürrenstetten).

Der Stand der landwirthschaftlichen Cultur läßt sich schon aus dem obigen Verhältnisse ermessen; als sehr nieder geht er insbesondere auch aus der Größe der Wechselfelder und der ganz ungebauten Äcker hervor, welche mehr als die Hälfte, in einzelnen Orten sogar das Drey- und Vierfache der ordentlich gebauten Äcker ausmachen. Manche Strecken wurden in vielen Jahren nicht mehr angebaut, so daß der Bauer seinen eigenen Acker nicht mehr kennt; Erscheinungen, deren schon bey Reutlingen angegebene Ursachen sich hier noch mehr als dort durch die Ungunst des Klimas, durch die Größe der Baukosten und durch die daraus entstandene Neigung, demjenigen Boden, welchen zu bauen Kräfte und Muth versagen, durch Weidewirthschaft noch einen Ertrag abzugewinnen, erklären. Sehr beschwerlich und kostspielig ist insbesondere der Ackerbau für die Thalorte, weil ihr Feld größtentheils auf den Höhen liegt. Aus diesem Grunde haben auch in den 1780er Jahren die Bürger von Hundersingen um die Erlaubniß zur Vereinödung gebeten, um, statt im Thal, mitten unter ihren Äckern auf der Bergebene zu wohnen; sie wurden aber abgewiesen.

Bey aller Ungunst der Verhältnisse ist übrigens nicht zu läugnen, daß die Cultur des Bodens noch großer Vervollkommnung fähig ist; es ist aber auch nicht zu läugnen, daß| er in neuern Zeiten entschiedene Fortschritte gemacht hat; nach allgemeinen Wahrnehmungen wird jetzt ein Drittheil mehr Getreide, als noch vor 40 Jahren gebaut. Da dieser Fortschritt hauptsächlich dem größern Futterkräuterbau und der dadurch gewonnenen größern Düngermasse zugeschrieben wird: so ist die Beobachtung um so erfreulicher, daß diese Hebel allmählig immer mehr und besonders in den neuesten Zeiten sich verstärken. In Hayingen, Magolsheim sind seit einiger Zeit die Dungstätten nach Grundsätzen und mit Gillenlöchern versehen, angelegt, und ähnliche Einrichtungen sind neuerlich in allen Gemeinden angeordnet und größtentheils vollzogen worden. – Von künstlichen Besserungsmitteln ist bisher hauptsächlich der Gyps, hier und da auch der Mergel angewendet worden.

Dermalen zeichnen sich die Orte Münsingen, Bremelau, Ödenwaldstetten, Auingen, Tigerfeld vorzüglich durch Ackerbau aus. Als Landwirthe, welche mit gutem Beyspiel vorangegangen sind und vorangehen, verdienen hauptsächlich der Bauer Aloys Traub in Attenhöfen, der Bauer Engst in Tigerfeld und der Schultheiß Späth in Mehrstetten genannt zu werden. Um die Einführung des Klee- und Esperbaus haben sich hauptsächlich der verst. Pfarrer (1773/87) Lutz und der Chirurgus Bösbier in Bernloch, der Stadtrath Koch in Münsingen und der Schultheiß Stähle in Ehestetten verdient gemacht.

Der Reinertrag von 1 Morgen Land beträgt nach der Kataster-Schätzung im Durchschnitt, Waldungen miteingerechnet, 1 fl. 44 kr., das Ackerfeld allein gerechnet, 1 fl. 55 kr; er ist weit der geringste unter allen Oberämtern des Königreichs. (Vergl. die oben angeführten Würt. Jahrb. S. 416.) Wenn wir den Reinertrag mit Einrechnung des Zehnten (nach den Haupt-Summen jeder Culturart) zu 5 Prozent kapitalisiren, so ergibt sich als Werth von 1 Morgen steuerbaren Landes im Durchschnitt die Summe von 40 fl. 19 kr. und zwar für

 1 Morgen Acker   41 fl. 24 kr.
  - - Gärten und Länder 164 fl.
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 Wiesen   85 fl. 29 kr.
 Wald   20 fl. 24 kr.[5]

Die steuerfreye und steuerpflichtige Fläche zusammengerechnet, macht, da unter der erstern unverhältnißmäßig mehr Waldungen sind, der Durchschnitt auf 1 Morgen Land 38 fl. 36 kr.

Die Staats-Steuer von 1 Morgen beträgt im Durchschnitt 10 kr.


b) Einzelne Culturarten.
1) Ackerbau.

Die Bewirthschaftung ist auch hier mit geringen Ausnahmen die gewöhnliche Dreyfelderwirthschaft. Wie die Wechselfelder gebaut werden, ist schon bey Reutlingen gezeigt worden.

Das Brachfeld wird bey dem Überfluß an Feldern nicht überall gleich und an manchen Orten nur in der Nähe der Ortschaften angebaut. Seinem Anbau, besonders mit Futterkräutern, stand außer andern, theils in dem Boden, theils in der zufriedenen Gemächlichkeit des Alpbauers liegenden Hindernissen, früher der Wildfraß entgegen, in neuern Zeiten wird er noch durch die Schafweidewirthschaft gehindert, obwohl zum Theil ersetzt. Im ganzen Oberamt werden von 100 Morgen ordentlichen Brachäckern im Durchschnitt 5 Morgen jährlich eingebaut; die Summe aller eingebauten Brachäcker beträgt 2237 Morgen, im Oberamt Reutlingen 3680 Morgen.

Der Pflug ist der gewöhnliche Setzpflug. Der Belgische Pflug, wovon ein Exemplar von Sr. Majestät dem Könige neuerlich gnädigst verliehen worden, wurde in allen Geländen versucht; es ergab sich aber, daß der steinige Boden ein Hinderniß seiner Anwendung ist, bey dem er wesentliche Änderungen in seinem Bau erleiden mußte, um gebraucht werden zu können. Der Pflug erfordert dieselbe Bespannung, wie auf der Reutlinger Alp (s. S. 54); wie dort wird fast| durchaus mit Pferden gepflügt; Ochsen und Kühe, welche ebenfalls zum Zug, jedoch selten zum Pflügen gebraucht werden, werden gemeiniglich, wie die Pferde, ohne Joch, hier und da auch mit Halbjochen, eingespannt. Die Winterfrüchte werden geschnitten, die Sommerfrüchte gemeiniglich gemäht.

Die gewöhnlichen Gegenstände des Ackerbaues sind:

Getreide, und zwar im Sommerfeld meist Haber und Gerste, im Winterfeld Dinkel, Roggen und Gerste. Außer diesen Getreidearten wird auch noch Einkorn, in manchen Gegenden mit Dinkel gemischt, auch ein Mischling von Haber und Linsen (Linsenhaber) oder Wicken gebaut.

Unter dem Dinkel gibt man auf der östlichen und auf der Zwiefalter Alp dem röthlichen, sogenannten Tyroler Korn, den Vorzug, theils weil es weniger dem Wildfraß ausgesetzt ist, theils weil es schwerer ist, als der gewöhnliche weiße Dinkel. Neugepflanzt wird seit wenigen Jahren der frühe, schwarze Haber, unter dem Namen Russischer Haber.

Hülsenfrüchte werden im Sommerfeld, seitdem aber eine Reihe von ungünstigen Jahren sie nur theilweise zur Reife gelangen ließ, wenig gebaut. Die häufigsten sind Linsen, dann Erbsen; Wicken, auch Ackerbohnen sind selten. Von Linsen hat man die kleine röthliche Art, die großen gedeihen nicht, auch die Erbsen sind kleiner, als in bessern Gegenden.

Kartoffeln, hauptsächlich Gegenstand des Brachbaues, wurden erst in den Jahren 1745 bis 1750 auf der Alp bekannt und damals nur für ein Futter des Viehes angesehen; jetzt machen sie, wie überall, einen Hauptnahrungszweig aus. Die besten erzeugt die Amts-Stadt.

Rüben, weißes Kraut und vorzüglich Bodenkohlraben sind nebst den Kartoffeln die häufigsten Pflanzungen in der Brache, in Gärten und Ländern. Die Kohlraben vertreten auf der Alp die Stelle der Angerschen (Runkelrüben) und werden seit 25 Jahren außerordentlich stark als Viehfutter gepflanzt.| Von Handels-Gewächsen wird hauptsächlich Flachs (viel im Winterfeld) und, wiewohl weniger häufig, Hanf gebaut. Die Hauptflachsorte sind Enabeuren, Magolsheim, Mehrstetten, Feldstetten und Laichingen. Im Allgemeinen zeichnet sich der Flachs durch keine besondere Vorzüge aus. Da er bey dem Klima häufig auf der Breite verloren geht, oder verdorben wird, so hat man angefangen, ihn zu überwintern und man gewinnt dabey zugleich einen feinern und zähern Flachs. Übrigens reicht das Erzeugniß für die starke Weberey weit nicht hin, und es wird viel Flachs und Garn eingeführt. Hanf wird hauptsächlich im Lauterthal, viel auch in Auingen, Magolsheim, Bremelau etc. gepflanzt. Räps wird neuerlich weniger als früher gebaut, sein Anbau wird dem Fruchtertrag für nachtheilig gehalten; gegenwärtig wird sein Bau noch zu Justingen, bey dem Herrn v. Spät zu Schiltzburg etc. gefunden. Dagegen wurden neuerlich glückliche Versuche mit Hopfenbau zu Münsingen, Dottingen, Gomadingen, Kohlstetten, auch zu Laichingen und Justingen gemacht. In Münsingen wird neuerlich auch Krapp gebaut.

Futterkräuter: Klee, dreyblättriger, wird überall mehr oder weniger gebaut, ewiger wenig, mehr noch Esper, namentlich in Justingen, Ingstetten, Hundersingen, Gomadingen, Maßhaldersbuch und hauptsächlich in Magolsheim, wo die Wechselfelder damit eingesäet werden, um die Weiden zu verbessern. In Magolsheim und noch mehr zu Justingen und Ingstetten wird auch viel Klee und Espersaamen erzeugt und verkauft. In dem vormals Zwiefaltischen Gebiete wurde der Esperbau von dem Kloster überall befohlen. Im Allgemeinen gehörte der Futterbau bisher noch unter die schwachen Seiten der Alp und unter diejenigen Gegenstände, welche neben dem Klima noch sehr mit dem Vorurtheil und der Trägheit zu kämpfen hatten. Die Aussaat und der Ertrag ist in der Regel, wie auf der Reutlinger Alp|
 Dinkel 6 bis 10 Sri. 2 10 Scheffel [6]
 Haber 3 5 2 6
 Gerste 3 4 1 5
 Roggen 2 4 1 4
 Linsen 2 3 11/2 2

Nach Maßgabe der Kataster-Einschätzung stellt sich der jährliche rohe Ertrag des steuerbaren Ackerfelds mit Einschluß des Zehnten, wofür wir 1/12 als in der Schätzung nicht begriffen annehmen, in Geld auf  466.015 fl. 52 kr.

Zu diesem Ertrag kommt noch der Brach-Ertrag von 2237 Morgen, gleich dem Ertrag eines Fruchtackers (4 Schl.) geschätzt, mit  24.607 fl.

Es macht also der ganze rohe Geldertrag des Ackerfeldes 490.016 fl. Der Reinertrag ist in dem Kataster zu 153.854 fl. 5 kr. aufgenommen: nach den für die Einschätzung gelieferten Angaben aber würde der Ertrag des Ackerfelds, mit Ausnahme des Zehnten und des Brachfeldes, dessen reiner Ertrag zu 12.033 fl. 12 kr. geschätzt ist seyn

roher Geldertrag  430.168 fl. 29 kr.
Productions-Kosten 418.812 fl.   5 kr.

Mit Einschluß des Brach-Ertrags wäre demnach der reine Ertrag noch 23.389 fl. 36 kr. Zieht man von dem Rohertrag von 466.016 fl. nach Maßgabe der Einschätzung den Betrag des Strohs mit 2/9 ab, und schlägt man den Scheffel Frucht zu 2 fl. 45 kr. an; so kommt, ohne Abzug für Hanf und Flachs etc., ein Körner-Ertrag von 131.802 Sch. heraus.

2. Gartenbau.
Der Gartenbau ist unbedeutend, und kann es, vermöge des Klimas auch nicht anders seyn; es werden zwar in Gärten und Ländern die gewöhnlichen Gemüsearten und Küchengewächse, an einzelnen Orten, wie zu Münsingen auch noch schöner Blumenkohl gezogen: aber die feinern Gewächse gedeihen nicht und schon die Bohnen haben einen harten Stand;| man hält sich deßwegen gemeiniglich auch an die härtern Feuerbohnen. Eigentliche Gärtnerey und schöne Garten-Anlagen darf man nicht suchen, doch wird man hier und da, wie in Marbach, Zwiefalten, Schiltzburg und auch in Münsingen und Laichingen durch einzelne schöne Blumen- und Gemüsegärten überrascht. Der Ertrag der Gärten und Länder stellt sich nach dem Kataster und nach der frühern Berechnung bey Reutlingen
rein auf  5.884 fl. 34 kr.
roh auf  15.691 fl.
3) Wiesenbau.
Das Verhältniß der Wiesen zu den Äckern ist fast wie 1 : 7, während es im Durchschnitt im ganzen Königreich wie 1 : 3 ist. Es ist dabey eine allgemeine Klage der Alpbewohner, daß sie zu wenig Wiesen haben. Dieser Mangel wird noch durch die immerwährenden Krümmungen der Flüßchen, wodurch viel Land verloren geht, vermehrt.[7] Er würde jedoch bey einer stärkern und zeitgemäßern Bedüngung, der aber die Weidewirthschaft im Wege steht, und bey einem stärkern Futterkräuterbau weniger fühlbar seyn. Fast 2/3 der Wiesen sind einmähdig, welche, wenn sie auch zu einer zweyten Schur gebracht werden könnten, bey der bestehenden Weide-Wirthschaft nicht mehr als einmal gemäht werden dürfen. Feldstetten, das die meisten einmähdigen Wiesen besitzt, und neuerlich zum Theil auch Laichingen, haben den löblichen Schritt gethan, die besten Mähderbezirke zu wirklichen Heu- und Öhmdwiesen einschließen zu lassen. Häufig geben die Bergwiesen nicht nur einen bessern, sondern sogar reichlichern Ertrag als die Thalwiesen, weil jene viel weniger von der Dürre, als diese in den engen Thälern von Reifen und nasser Witterung leiden. Die Thalwiesen tragen überdieß häufig ein saures und schlechtes Futter, weils sie zu wenig gegen| die sich ewig krümmenden Flüßchen geschützt und häufig in Sumpf verwandelt sind. In dieser Hinsicht ist besonders das Ach-Thal bey Bach nachtheilig ausgezeichnet.[8] Es sind jedoch Anstalten zur Correction des Fluß-Betts in der Verhandlung. Für trockene Sommer sind in den Thälern Vorrichtungen zur Wässerung gemacht.

Im Allgemeinen wird nicht so viel Futter erzeugt, als der Viehstand erfordert; und den Winter über erhält das Jungvieh fast kein anderes Futter als Stroh; an vielen Orten wird auch das Laub von den Eschen gefüttert, welche deßwegen häufig gepflanzt werden. Der Ertrag einer guten zweymähdigen Wiese wird zu 3 Wannen Heu und 2 Wannen Öhmd, einer mittlern zur Hälfte, einer geringen zum Drittheil geschätzt. Nach der Kataster-Einschätzung beträgt der Roh-Ertrag sämmtlicher Wiesen in Geld 109.895 fl. 8 kr., in Natur 183.158 Ctr., dazu 1/20 für den Zehnten macht der ganze Ertrag 115.315 fl. oder 192.316 Ctr. Der Reinertrag ist geschätzt auf 56.367 fl. 6 kr. Nach den für die Einschätzung gelieferten Angaben machten die Productions-Kosten 80.462 fl. 4 kr. und es bliebe somit noch ein Reinertrag von 29.433 fl. 4 kr. übrig.

4.) Obstzucht.
Weinbau findet in dem ganzen Oberamt nicht statt,[9] auch die Obstzucht ist von keiner Bedeutung, doch gibt es keinen einzigen Ort im Oberamte, wo man gar keine Obstbäume anträfe. Dagegen wird man nicht selten an Orten, wo man es am wenigsten erwartet hätte, durch schöne Obstgärten überrascht, wie z. B. zu Bremelau, Mehrstetten, Sontheim und zu Magolsheim, wo fast jedes Haus seinen Obstgarten hat. Auch Laichingen, Dottingen, Eglingen, Hayingen, Wilsingen| haben ihre Obstgärten, selbst zu Ingstetten, einem der rauhesten Alporte, wird noch ein eßbares Obst gezogen. Um die Obstzucht in Laichingen hat sich besonders auch der dortige Gärtner Schwenk verdient gemacht. Mehr Obstzucht erwartet man in dem Lauterthale und in den andern Thälern, als man findet, aber das Klima macht hier wieder seine eigenen Schwierigkeiten. Was übrigens Liebe und fester Wille vermag, sieht man an den schönen Obstpflanzungen des Freyherrn von Spät zu Schiltzburg. In neuern Zeiten ist der Eifer für die Obstzucht sehr angefacht worden. Hayingen hat neuerlich mehrere hundert veredelte Stämme aus der Hohenheimer und andern Baumschulen kommen lassen, und nicht nur dort, sondern auch an vielen andern Orten sieht man häufig selbst die Vicinalstraßen mit jungen Obstbäumen besetzt. Ebendaselbst und zu Zwiefalten, Ehestetten, Magolsheim, Dottingen, Eglingen, Bremelau, Laichingen und auch Münsingen, wo bisher Obstbäume sehr selten waren, sind neuerlich auch eigene Baumschulen angelegt, und, was besonders bemerkt zu werden verdient, diese auf Anordnen des Oberamts an mehreren Orten mit den Schulanstalten zum Unterricht der Jugend verbunden worden. Auch die Grundherrschaft zu Buttenhausen hat ihre Güter neuerlich mit Obstbäumen besetzen lassen. An vielen Orten kämpfen freylich Vorurtheil, Bequemlichkeit und Klima gleich stark gegen die Obstzucht. In einem Orte der Zwiefalter Alp gab ein Bauer auf die Frage, warum man so wenig Obstbäume sehe, zur Antwort: „man hat zu viel Feld, als daß man sich auch noch damit abgeben könnte!“ Was den Ertrag betrifft, so steht dieser freylich sowohl in Güte als Menge gegen den der mildern Gegenden sehr zurück. Doch findet man nicht selten, selbst auf der hohen Alp, wie zu Laichingen, sehr schmackhaftes Obst von edlern Sorten, und zu Bremelau konnte man sogar in dem ungünstigen Sommer 1824 die Bäume schwer beladen mit Obst sehen. In der Regel sind die Birnen vorherrschend, in Eglingen findet man hauptsächlich Zwetschgenbäume; im Allgemeinen aber ist das Steinobst seltener. Das Obst wird gemeiniglich | gedörrt, zum Mosten reicht es derzeit noch an wenigen Orten, doch findet man selbst in Magolsheim und Sontheim Mostpressen. Als besondern Gegenstand der Ertrags-Berechnung können wir den Obstbau um so mehr übergehen, weil er hier im Grunde schon bey den Gärten und Ländern eingerechnet ist.
5) Waldbau.

Die Forstwirthschaft hat in neuern Zeiten nicht weniger als der Ackerbau durch das Aufhören der Jagden und die Verminderung des Wilds gewonnen. Doch gibt es noch viele öde Waldplätze, welche erst allmählig wieder bestockt werden können. In einigen Gegenden, wie zu Magolsheim, Ödenwaldstetten, ist man darauf gekommen, die großen Wechselfelder zum Theil wieder zu Wald anzulegen. Die gewöhnliche und natürliche Holzart der Alp-Waldungen ist, wie schon bemerkt worden, Laubholz, hauptsächlich Buchenholz. Das Bedürfniß des Nadelholzes hat aber Veranlassung gegeben, daß seit einiger Zeit immer mehr öde Waldstrecken künstlich mit Tannen und Fichten angepflanzt werden, wie dieß zu Bernloch, Münsingen, Böttingen, Feldstetten und auf Staatskosten zu Justingen geschehen ist. Von ältern Nadelholzpflanzungen war oben S. 52 beym Pflanzenreich schon die Rede. Das Eigenthum der Waldungen gehört meist der Krone, den Grundherrschaften und den Körperschaften, Privatwaldungen gibt es nur wenige. Der reine Ertrag sämmtlicher steuerpflichtiger Waldungen ist bey dem Kataster auf 23.142 fl. geschätzt, wovon man mit Einschluß der Nebennutzungen immer das Dreyfache als Roh-Ertrag annehmen darf. Unter den Nebennutzungen kommt hauptsächlich auch das Einsammeln von Bucheln in Betracht, wodurch, wenn sie gerathen, was freylich, da sie im Frühjahr gern erfrieren, nicht immer der Fall ist, manche Familie sich 40 bis 60 Simri und noch mehr Bucheln verschafft, woraus Öhl bereitet wird.

6) Weidewirthschaft.
Diese kommt nicht nur als Nahrungszweig überhaupt, sondern auch als Cultur-Gegenstand in Betracht, da die Weiden häufig noch durch Nachhülfe, wie z. B. zu Magolsheim| durch Einsäen von Esper, verbessert, an den meisten Orten aber selbst auf Kosten der Acker-Cultur sehr in Acht genommen werden. Es ist weniger eine bestimmte Weidefläche, als vielmehr das Stoppel- und Wechselfeld mit den Mähdern, welche vorzugsweise der Weidewirthschaft gewidmet sind, was den Weidenutzen abwirft. Die Schafweiden werfen den Gemeinden des Oberamts (also die unten genannten grundherrschaftlichen Weiden nicht gerechnet) gegenwärtig nach dem Stand vom 1. Juli 1824, zusammen ein jährliches Pachtgeld von 22.173 fl. ab, und in frühern Zeiten haben sie auch schon bis auf 40.000 fl. abgeworfen. Am theuersten ist dermalen die Hayinger Schafweide – jährlich zu 1615 fl. – verpachtet. Nicht minder nützlich, als durch die Pachtzinse, werden die Schafe, besonders bey der großen Entfernung der Güter und ihrer beschwerlichen Lage durch den Pferch, der den Gemeinde-Cassen im Durchschnitt 1/4 des Schafweide-Preises einträgt. Übrigens ist nicht zu läugnen, daß das Schafweidewesen auch seine starke Schattenseite hat, und man kann es und überhaupt die ganze Weidewirthschaft in ihrer Ausdehnung als ein Überbleibsel des rohen, halbnomadischen Zustandes der alten Deutschen und ihrer zwischen Weide und Ackerland wechselnden Wirthschaft betrachten. (Arva per annos mutant, et superest ager. Tacitus Germania. 26.)

Die Schafweiden gehören in der Regel den Gemeinden, nur in der vormaligen Herrschaft Justingen, in Zwiefalten, Gossenzugen, Ehestetten, Anhausen, Buttenhausen, Erbstetten und Indelhausen und auf den grundherrschaftlichen Höfen stehen sie dem Staat und den Grundherrschaften zu.

Nach dem Kataster beträgt der Rohertrag von Schaf- und andern Weiden 17.852 fl.

Der ganze Rohertrag von dem steuerbaren Grund und Boden beträgt, mit Ausnahme von 11.266 Morgen ganz ungebauter Äcker, welche im Kataster mit 9 Kr. Reinertrag gerechnet sind,

 Äcker 490.016 fl.
 Gärten und Länder à 19 fl. 41 kr. 15.691 fl.
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 Wiesen, à 7 fl. 53 kr. 115.315 fl.
 Wald, à 3 fl. 4 kr. 69.426 fl.
 Weiden, à 57 kr.  17.852 fl.
708.300 fl.

dazu das steuerfreye nach Verhältniß mit 82.878 fl. gerechnet, macht der ganze Rohertrag – : 791.178 fl.

c) Viehzucht.

Die Stärke des Viehstandes und sein Verhältniß zu Grund und Boden gibt die Tabelle Nr. 3. an. In Vergleichung mit andern Oberämtern hat Münsingen im Verhältniß zu seiner Bodenfläche, und mit wenigen Ausnahmen auch ohne dieses Verhältniß, den geringsten Rindviehstand, in Beziehung auf Pferde aber steht es ziemlich oben an.

Die Pferdezucht war sonst ein Hauptvorzug der Alp und die Alp-Pferde zeichneten sich insbesondere durch Kraft und Ausdauer aus. Sowohl die Beschaffenheit des Gebirgs und Klimas, als die gute Gelegenheit, welche die Pferdezucht seit Jahrhunderten in dem Staatsgestüt zu Marbach fand, kam dieser sehr zu statten. In den letzten Zeiten ist sie aber, wie fast überall, sehr gesunken, so daß man Mühe hatte, ein gutes und schönes Pferd zu finden. Bey dem Schwunge, den die Würt. Pferdezucht unter der jetzigen Regierung wieder erhalten hat, erhebt sie sich jedoch zusehends. Nur Schade, daß der geldarme Bauer die bessern Thiere gemeiniglich schon als Fohlen wieder verkauft, wodurch alles Gute einer angehenden Veredlung schon in der ersten Generation entweder ins Ausland, oder in andere Landes-Gegenden geht und durch wohlfeilere, gemeine und ganz unveredelte Thiere aus dem benachbarten Auslande ersetzt wird. Einem Haupthindernisse, welches in der schädlichen Stallfütterung und in der allzufrühen Benutzung der jungen Thiere, die oft schon vor dem 2ten Jahre eingespannt werden, besteht, sucht eine Privat-Gesellschaft zu begegnen. Diese Gesellschaft, deren gemeinnütziges Unternehmen gerechtes Lob verdient, ist der Verein für Veredlung der Pferdezucht, der sich im Jahr 1821 unter dem Schutze der Regierung gebildet hat. Sein Hauptzweck ist, durch eine angemessene| Erziehung der Fohlen den Landwirthen der Gegend ein anregendes Beyspiel zur Nachahmung, auch Auswärtigen die Gelegenheit zu Aneignung dieser Vortheile zu geben, und so der gesunkenen Pferdezucht und eben damit einem, der Alp durch die Natur angewiesenen, Culturzweige wieder aufzuhelfen.

Die Mitglieder des Vereins (nicht aber die Weidekunden) verbinden sich, ihre Fohlen drey volle Jahre auf der Weide laufen zu lassen, und dieselben früher nie zu gebrauchen. Zu der Weide hat der Verein in dem benachbarten, ganz vorzüglich geeigneten, Hardt einen Bezirk von ungefähr 200 Morgen als Eigenthum erworben und daselbst die Einrichtung getroffen, daß die Thiere bey Nacht und sonst, wenn es nöthig ist, unter Dach gebracht werden können. In Münsingen selbst und in Grafeneck ist für eine gute Winterung gesorgt. Es können gegen ein festgesetztes Weidegeld von 12 bis 15 fl., mit Einschluß aller übrigen Kosten, auch Auswärtige und Ausländer an dieser Anstalt Theil nehmen. Die Winterung kostet ungefähr das Doppelte von dem Weidegeld. Dermalen befinden sich 80 Fohlen auf der Weide.

Die besten Pferde findet man dermalen zu Magolsheim, Bremelau und auf der Zwiefalter Alp zu Aichelau, Pfronstetten, Wilsingen, Tigerfeld, Huldstetten. Sonst waren Böttingen, Bernloch, Kohlstetten in ihrer Pferdezucht berühmt, scheinen aber durch die Folgen des Holzhandels-Fuhrwesen, mit dem zu große Anstrengungen und ein zu frühzeitiger Gebrauch dieser Thiere verbunden ist, diesen Ruhm eingebüßt zu haben.

Die Rindviehzucht läßt Manches zu wünschen übrig: Der Viehstand ist im Verhältniß zum Boden gering, und bey dem dermaligen Umfang und Zustand der Wiesen und des Futterkräuterbaus doch so, daß man kaum das Futter aufzubringen vermag (s. o.) und deßwegen auch um so mehr eilt, im Spätjahr das junge Vieh zu verkaufen. Die Race ist feinknochig und zart, aber leibarm, und im Allgemeinen finden hier dieselben Bemerkungen statt, welche schon bey Reutlingen gemacht worden. In neueren Zeiten zeigt sich jedoch ein| unverkennbares Fortschreiten zum Bessern. An vielen Orten ist das Vieh ungleich schöner und ansehnlicher, als es noch vor wenigen Jahren war; man richtet nun auch die gehörige Aufmerksamkeit auf gute Farren und das Oberamt unterwirft sie periodisch einer thierärztlichen Visitation. An mehreren Orten, wie in Laichingen, Bremelau, Buttenhausen findet man die einheimische Raçe auch durch fremde, Allgäuer und Schweizer veredelt, oder mit diesen vermischt. Insbesondere zeichnet sich die Wirthschaft des Freyherrn von Spät-Schiltzburg, der früher auch für die Pferdezucht sehr thätig war, so wie die des Radwirths Schwenk in Laichingen durch einen schönen Viehstand aus.

Die Stallfütterung beginnt allmählig Eingang zu finden, man findet sie wenigstens bey dem Melkvieh mehr oder weniger in mehreren Orten, namentlich zu Hayingen, Laichingen, Gundershofen, Mehrstetten, Bremelau, Schiltzburg, Hundersingen, Zwiefalten etc. eingeführt, und eine große Förderung hat sie durch die neuerlich eingeführten Zehentpachtungen erhalten, wodurch der Bauer im Besitze des ganzen Strohes bleibt. Die dadurch entbehrlichen Rindviehweiden wurden, wie z. B. zu Hayingen, Hundersingen und Mehrstetten, zu den Schafweiden geschlagen.

Mastung findet in der Bierbrauerey zu Zwiefalten, sonst höchst selten, statt, die ganze Viehwirthschaft ist eigentlich auf die Zucht - Erziehung von jungem Vieh für den Verkauf - gerichtet und diese bildet auch einen Hauptnahrungszweig der Einwohner, besonders der Hardtorte. Deßwegen behält aber auch die Weidewirthschaft immer noch einen großen Werth.

Käsereyen gibt es keine, nur Schafkäse werden zu Bremelau, Buttenhausen, Laichingen und einigen andern Orten, theils zum Hausbrauch, theils auch auf den Verkauf, auf dem Hofe Maisenburg auch etwas gewöhnlicher Käse gemacht. Der verderbliche Wucher mit dem Stellvieh ist durch die Thätigkeit des Oberamts ganz verbannt.

Die Schafzucht ist, wie die Tabelle zeigt, unbedeutend,| die Weiden sind größtentheils von auswärtigen Schafhaltern gepachtet.

Die Schweinszucht ist auffallend vernachlässigt; in der Viehstands-Tabelle erscheint das Oberamt zwar mit 1434 Schweinen: es sind aber größtentheils gekaufte, meist baiersche, zur Mastung, theils für den Hausbrauch, theils für den Verkauf an die Metzger, eingestellte Schweine. Nur die Wirthschaft des Freyherrn v. Spät-Schiltzburg zeichnet sich auch hierin wieder, und hierin vorzüglich aus. Man findet daselbst eine Schweinszucht, wie man sie selten antrifft, so daß der Eigenthümer alljährlich 200 bis 250 Frischlinge verkauft.

In frühern Zeiten muß die Schweinszucht weit bedeutender gewesen seyn; denn im J. 1628 wird, dem Wild zu lieb, das Recht der Münsinger beschränkt, ihre Schweine ins Eggerich zu treiben.

Ziegen sind, im Verhältnisse zu andern Oberämtern, zwar in ziemlicher Anzahl vorhanden, aber im Verhältnisse zum Boden und seiner natürlichen Beschaffenheit, immer noch wenige. Gemeiniglich werden sie nur von ganz armen Leuten, in Buttenhausen hauptsächlich von den Juden, gehalten. Demnächst wird der Landwirthschaftliche Bezirks-Verein, unterstützt durch die Gnade Sr. Majestät des Königs, den Versuch machen, diese Thiere durch Paarung mit einem Cachemir-Bock zu veredeln.

Die Bienenzucht ist ziemlich stark; obgleich an vielen Orten der Glaube herrscht, daß sie sich mit dem Klima nicht vertrage, zeichnen sich doch gerade die rauhern Alporte Oberstetten, Magolsheim, Laichingen, Dottingen, Bernloch, Bremelau, Böttingen etc. darin aus, welche häufig Honig und Wachs zu verkaufen haben. Ausgezeichnet als Bienenzüchter ist neuerlich der Revierförster Gerster in Pfronstetten.

Die Geflügelzucht beschränkt sich auf Hühner und Gänse, und ist nur selten von der Bedeutung, daß sie Handelsgegenstand würde.

Schnecken werden an vielen Orten gesammelt, und| in Schneckengärten genährt, um dann weiter verkauft zu werden. Für ihre Sammlung bieten die Wälder der Alp, insbesondere das Hardt, ein reiches Feld dar. Das Hundert Schnecken, welche gemeiniglich von Kindern gesammelt werden, wird mit 4 kr. bezahlt. Schneckengärten findet man zu Bremelau, Anhausen, Indelhausen, Eglingen, Ehestetten. Die Schnecken werden fässerweise nach Ulm, München, Wien etc. verkauft; aus den Schneckengärten von Anhausen und Indelhausen allein gehen jährlich über eine halbe Million Schnecken die Donau hinab.

Die Jagd ist überall, wo sie der Krone gehört, verpachtet, und, einige Distrikte bey Zwiefalten ausgenommen, ziemlich im Abgang. Das Hegen des Wilds hat unter der gegenwärtigen Regierung glücklicherweise aufgehört, nur in den eben genannten Pacht-Bezirken wird noch Klage über Wildschaden geführt. In frühern Zeiten gehörte das Wild unter die Landplagen des Bezirks, und in den Archiven finden sich von Jahrhunderten her ganze Stöße von Beschwerden voll Jammern und Klagens über die verderblichen Wildschäden.

Die Fischerey beschränkt sich blos auf die Flüsse, wo sie verpachtet oder Eigenthum der Grundherrschaften ist. Sie besteht meist in Forellen.

b. Kunst- und Gewerbsfleiß.
Künste und Gewerbe stehen in demjenigen niedrigen Grade von Entwickelung, wie eine fast blos ackerbauende Bevölkerung, und die Entferntheit von großen Städten es erwarten lassen. Die Gewerbe beschränken sich fast einzig auf die Weberey, fast alle übrigen Gewerbe werden blos für das eigene Bedürfniß getrieben; nur wenige Professionisten widmen sich das ganze Jahr ihrem Handwerk, und in den Dörfern werden Professionisten und Taglöhner gemeiniglich in eine Classe geworfen, nach der alten Feudalverfassung, wo nur das Bauerngut Rechte und Ansehen gewährte. In Münsingen wird auch das Gewerbe der Hafner, Nagelschmide und Strumpfstricker stark betrieben. Das Hauptgewerbe aber ist die Weberey; das Oberamt zählt 585 Webermeister mit 77 Gesellen, darunter| Laichingen allein 214 Meister und 18 Gesellen. Die bedeutendsten Weberorte nach Laichingen sind Feldstetten, Auingen, Münsingen, Mehrstetten. Die Weber theilen sich in Stückweber und in Kunden- und Lohnweber, d. h. in solche, welche Stücke von bestimmter Größe - ein ganzes Stück zu 66, ein halbes zu 33 Ellen - auf den Verkauf weben, und in solchen, welche für die Haushaltungen oder um den Lohn für andere Meister weben. Übrigens treibt ein großer Theil dieser Weber, selbst in Laichingen, dem Hauptsitze der Leinenweberey, das Handwerk nur einen Theil des Jahres, die übrige Zeit liegt er, wie in Schlesien und Siebenbürgen, dem Feldbau ob. In Münsingen befinden sich 3 Bild- und Damastwebereyen, von Ruoß dem Vater und 2 Söhnen. Diese Anstalten verdienen einer besonders ehrenvollen Erwähnung; sie waren in ihrer Art lange die einzigen im Lande und liefern eine Waare, welche jeder ausländischen an die Seite gesetzt werden darf. Der Vater Johann Jakob Ruoß ist zugleich der Gründer dieses schönen Industriezweiges.

Seine eigenen Unbequemlichkeiten und Nachtheile für den Oberamtsbezirk hat der Zunftverband, indem die meisten Gewerbe zu auswärtigen Laden - der größte Theil zu denen von Urach, Stuttgart und Tübingen, Ziegler und Färber nach Kirchheim, Nagelschmide nach Heidenheim, Bierbrauer nach Blaubeuren - gehören. In dem Oberamte selbst bestehen Zünfte: 1) in Münsingen für einige Handwerker der alten Amtsorte; 2) in Hayingen für die Fürstenbergischen Orte mit Zutheilung der vormals ritterschaftlichen Orte; 3) in Justingen für die vormalige Herrschaft Justingen und einige Gewerbe von Enabeuren und Magolsheim; 4) in Zwiefalten ein Zunftverband für alle Handwerker der vormals Zwiefaltischen Orte.

Zu Ergänzung der in der Tabelle Nr. IV. mitgetheilten Gewerbsliste und zur Kenntniß einzelner seltener Gewerbsarten tragen wir hier noch folgende Gewerbe und gewerbsmäßig betriebene Beschäftigungen nach, die wir in die Tabelle, um den Raum zu sparen, nicht aufgenommen haben.|
Abdecker - 3, Münsingen, Justingen, Sunderbuch.
Damast. und Bild-Weber 3, in Münsingen.
Bürstenbinder 3, Bernloch, Gundelfingen, Zwiefalten.
Bortenwirker 1, Münsingen.
Buchbinder 1, ebend.
Färber 3, Münsingen 2, Hayingen 1 mit 1 Ges.
Feldmesser 2, Münsingen, Laichingen.
Fischer 5, Tapfen, Buttenhausen, Anhausen, Gundelfingen, Hütten.
Flaschner 2, Münsingen mit 1 Ges., Magolsheim.
Groß-Uhrmacher 1, Gossenzugen
Gerber
 Rothgerber 2, Münsingen 1 mit 1 Ges., Bach mit 2 Ges.
 Weißgerber 3, mit 1 Ges. Münsingen.
Gürtler 1, Münsingen.
Hafner 13, Münsingen mit 2 Ges.
Hutmacher 4, Münsingen 2, Laichingen 1, Bach 1.
Holzdreher 1, Hayingen.
Kaminfeger 1, mit 1 Ges. Münsingen.
Kürschner 1, Münsingen.
Kupferschmide 4, Münsingen 2 mit 1 Ges., Hayingen 1, Laichingen 1.
Maler und Stecher 1, Buttenhausen.
Nagelschmide 9, Münsingen 5 mit 3 Ges., Laichingen 2 mit 1 Ges., Mehrstetten 1, Zwiefalten 1.
Orgelmacher 1, Hayingen.
Seckler 6, Münsingen 4, Laichingen 1, Ehestetten 1.
Seifensieder 1, Münsingen.
Siebmacher 6, Münsingen 2, Justingen 2, Tigerfeld 1, Sunderbuch 1.
Steinhauer 2, Aichstetten, Gundershofen.
Strumpfstricker 12, Münsingen 9, mit 2 Ges. Gauingen 1, Hayingen 1, Feldstetten 1.
Strumpfweber 3, Münsingen, Laichingen, Magolsheim.
Tuchmacher 2, Münsingen.
Zeugmacher 2, Münsingen.
Zuckerbäcker 2, Münsingen, Laichingen.
 Ferner
Blättersetzer und Weberschiffleinsmacher 6, Laichingen 4, Feldstetten 2.
Frachtfuhrleute 1, Laichingen.
Gärtner 1, ebend.|
Hauderer 1, Münsingen.
Keßler 3, Magolsheim, Gundelfingen und Tigerfeld.
Korbmacher 3, Buttenhausen 2, Oberstetten 1.
Kornmesser 1, Münsingen.
Rechenmacher 6, Auingen 2, Laichingen, Justingen, Ingstetten, Gundershofen, Bernloch.
Strohdecker 5, Sontheim 2, Enabeuren, Justingen, Gundelfingen.
Schäfer 9, Gomadingen 3, Münsingen 2, Laichingen 2, Feldstetten 1, Hayingen 1.

Für die Freuden der Tonkunst ist durch 6 Musiker von Profession sehr spärlich gesorgt. 1 (angestellter Stadt- und Amts-Zinkenist) mit 1 Ges. in Münsingen, 1 in Hayingen, 1 in Anhausen, 2 in Buttenhausen, 1 in Justingen, die Hayinger Musik gilt für die beste.

Garnsiedereyen haben Laichingen 3, Münsingen 1.

Pottaschensiedereyen gibt es 5, zu Gundelfingen 2, die andern zu Tapfen, Hayingen und Bach.

Ziegelhütten 9, zu Münsingen 3, Offenhausen 1, Zwiefalten 1, und in Hayingen 1, Maßhaldersbuch 1, Laichingen 1, Justingen 1.

Die ganze Summe der Handwerker und gewerbsmäßig betriebenen Beschäftigungen beläuft sich auf 1641 Meister und 213 Gehülfen.

Fabriken befinden sich, außer der Ruoßischen Manufaktur keine in dem Oberamt.

1 Papiermühle besteht in Gossenzugen.

Bleichen gibt es erst seit 2 - 3 Jahren zu Münsingen, Hayingen Laichingen, Feldstetten und Sontheim; sie bleichen jedoch nur für den Hausbrauch.

Mühlen und Werke, Schildwirthschaften und Getränkefabriken.

Das Oberamt besitzt 51 Mühlen und Werke, und zwar:

Mahlmühlen 22, mit 77 Gängen
Öhl- und Gypsmühlen 21.
Gerstenmühlen 1, Anhausen.
Lohmühlen 2, Münsingen, Bach.
Sägmühlen 2, Indelhausen, Zwiefalten.|
Schleifmühlen 1, Zwiefalten.
Eisenhämmer 2, Anhausen, Zwiefalten.

Die Orte, welchen die Mahl- und Öhlmühlen angehören, werden wir in dem zweyten Abschnitt kennen lernen. Die Mahlmühlen sind meist Bannmühlen..

Die Wirthschaften und Getränkefabriken sind in der Gewerbs-Tabelle aufgeführt; von Bedeutung ist darunter nur die Bierbrauerey in Zwiefalten, welche jährlich für etwa 30.000 fl. Bier braut, und als Bannbrauerey ihren sichern Absatz hat. Die Branntweinbrennereyen liefern meist nur Fruchtbranntwein.

Nebenerwerb.

So klein auch die Betriebsamkeit und Erwerbslust des Alpbauers ist: so findet man doch hier und da wenigstens einen Erwerbszweig, womit sich derselbe oder seine Familie neben seinem Feldbau beschäftigt. Dahin gehört die Spinnerey, nämlich die Flachs- und Hanf-Spinnerey; denn eine andere findet in der Regel nicht statt. Sie war, wie die Leinweberey, von Alters her ein Haupterwerbszweig der Alp; in neuern Zeiten hat sie jedoch abgenommen, und es ist insbesondere große Klage über Mangel an feinem Gespinnste. Der Grund dieser Erscheinung kann nicht sowohl in dem Mangel an Absatz, als vielmehr in den Einwohnern gesucht werden; denn es kommt alljährlich eine Menge Garn und weit mehr als hinaus geht, von Außen herein; in Laichingen allein werden fast alle Wochen 30 bis 40 Centner Schneller eingeführt, welche meist aus der Gegend von Biberach, Ißny, zum Theil auch von den Fildern und aus dem Wiesensteiger Thälchen, wo noch Feinspinnerey gefunden wird, kommen. Ein Grund der Abnahme dürfte wohl auch in den Beschränkungen der Nachtkärze liegen.

Am meisten wird dermalen noch auf der südöstlichen Alp in Justingen, Enabeuren, Magolsheim, Mehrstetten, sodann in Böttingen, Auingen, theils um den Lohn, theils auf den Verkauf gesponnen; sonst wurde auch viel im Lauterthal gesponnen, es hat aber dort mit dem Flachsbau abgenommen

| Die Oberamts-Behörde hat in neuern Zeiten theils durch Industrie-Schulen, theils durch Prämien auf die feinsten Gespinnste so wie auf den Flachsbau, diesem Industriezweig wieder aufzuhelfen gestrebt.

Andere, zum Theil gewerbsmäßig betriebene Nebenerwerbszweige, wie die Verfertigung von Holzwaaren, Körben etc., sind oben schon berührt worden. In Magolsheim beschäftigen sich 2 Familien mit der Verfertigung von Bienenkörben und andern Strohwaaren; neuerlich hat sich auch der Wohlthätigkeits-Verein viele Mühe zu Einführung der Strohhutfabrikation gegeben, und es sind darin in Münsingen, Zwiefalten, Hayingen schöne Anfänge gemacht worden. Zu dem Einsammeln von Schnecken und Bucheln kommt das der Haselnüsse, woran besonders das Hardt reich ist, und das von Erdbeeren, Himbeeren etc., welche weithin vertragen werden. In Mehrstetten, Magolsheim, Tapfen, Wasserstetten gibt es auch Kräutersammler, welche zum Theil Absatz ins Ausland haben.

c. Handel.
1. Mit Naturerzeugnissen.

Der Activ-Handel mit Naturerzeugnissen besteht in Vieh, Frucht und Holz. Die Hauptsache ist das Vieh, hauptsächlich junges Rindvieh; der Handel mit Pferden ist bey dem dermaligen Stand der Pferdezucht weniger bedeutend und meist auf Fohlen beschränkt. Doch fängt er an sich zu heben. Die Absatzplätze sind vornehmlich die Viehmärkte zu Münsingen und Hayingen, von wo das Vieh weiter, sowohl abwärts als aufwärts geht. Das entbehrliche Getreide wird auf die Märkte nach Urach, Riedlingen, Ehingen, auch Ulm geführt. Von Riedlingen und Ehingen aus, wo es von Fruchthändlern aufgekauft wird, geht es in die Schweiz. Der Holzhandel beschränkt sich fast ganz auf das Brennholz, das übrigens häufig nach Außen, in die benachbarten Städte Reutlingen, Ulm zu Markt geführt wird.

Außer diesen Hauptartikeln sind es mehrere kleine Artikel, welche aus dem Oberamt gehen, z. B. Wachs und Honig,| Schnecken, Apothekerkräuter etc. Letztere gehen auch außer Lands, nach Augsburg, München. Die Schnecken, wie schon bemerkt worden, bis Wien. Dazu kommt auch noch etwas Klee- und Espersaamen, Kochgerste, Öhl und Schafwolle.

Dagegen werden eingeführt Bau- und Schnittholz, Obst und Wein, Hanf- und Leinsaamen, Flachs und Hanf, Schneller, Schweine, Colonialwaaren und andere gewöhnliche Bedürfnisse.

2. Mit Gewerbserzeugnissen.

Das einzige Fabrikat, womit Activhandel und eigentlicher kaufmännischer Handel getrieben wird, ist Leinwand. Dieser Handel ist nicht nur für das Oberamt, sondern für Würtemberg überhaupt von großer Wichtigkeit, da er großentheils ins Ausland, in die Schweiz, nach Bayern etc. geht; das Münsinger Oberamt ist ein Hauptsitz desselben. Der Handel wird auf dreyerley Art getrieben: 1) durch eine ordentliche Leinwandhandlung von Rheinwald und Comp. in Laichingen, 2) durch einen Commissionshandel für Schweizerhäuser von dem Damastweber J. J. Ruoß in Münsingen, 3) durch kleinere Commissionäre und die Weber selbst, und durch unmittelbaren Aufkauf in den Dörfern von den auswärtigen Abnehmern.

Die Laichinger Handlung war früher Filial der privilegirten Leinwandhandlungsgesellschaft in Urach. Sämmtliche Stückweber waren zur Zeit als die privilegirte Gesellschaft, welche von Herzog Friedrich I. ihr Daseyn erhalten hatte, noch bestand, mit dem Absatz ihrer Waaren an diese Gesellschaft gebunden, und es bestand in Laichingen ein eigenes Comtoir der Gesellschaft. Im Jahr 1793 hörte diese Verbindung auf, und die Weber hatten von nun an ihr Fabrikat an bestimmten Stücktagen in das Amtshaus zu bringen und dort gegen Entrichtung der Accise stupfen (bezeichnen) zu lassen, um überall hin verkaufen zu können. An die Stelle des Stupfens traten 1808 die Accisepatente.

Es wird in neuern Zeiten sehr über Mangel an Absatz| geklagt, und es ist nicht zu läugnen, daß manche bedeutende Absatzwege sich verschlossen haben: im Allgemeinen aber ist nach dem Urtheile Sachverständiger und nach den Resultaten der Ausfuhrregister die Abnahme doch weit nicht so bedeutend, als gemeiniglich darüber geklagt wird; der Hauptunterschied gegen die frühere Zeit besteht vielmehr darin, daß an der Waare ungleich weniger verdient wird, was man zum Theil der von der Regierung i. J. 1812 zugestandenen Freyheit des Garns- und Schnellerhandels zuschreibt, wodurch sich zwischen den Weber- und den Stoffsproducenten ein eigener Stand, der Stand der sogenannten Garn- und Schneller-Kauderer eingeschoben hat, durch deren Zwischenhandel der Verdienst schon weiter getheilt wird.

Wenn aber auch unser Leinwandhandel an Lebhaftigkeit und Umfang verloren hat, so ist der Grund davon wohl weniger in äußern Umständen, als in dem Zustande unserer Industrie und Betriebsamkeit selbst zu suchen, welche offenbar, von der Erzeugung des Stoffes und Gespinnstes an bis zur Ausrüstung der Waaren und vielleicht bis zum Aufsuchen neuer Absatzwege, hinter den Forderungen unserer Zeit zurückgeblieben ist. Es ist in unseren Tagen weniger die gute, als die ins Gesicht fallende Waare, was man sucht: aber gerade hierin steht unsere Würt. Leinwand gegen die des Auslandes zurück. Es fehlt ihr in dieser Hinsicht insbesondere auch an guten Bleichen, und will z. B. die Leinwandhandlung in Laichingen ein vollkommen schön gebleichtes Stück haben, so ist sie genöthigt, es im Auslande (gewöhnlich werden die Schweizer Bleichen benutzt) bleichen zu lassen. Aus diesem Grunde geht die Leinwand auch meist roh, oder gefärbt, als Cannefaß, außer Lands, und aus diesem Grunde, aus dem Vortheil, worin sich dadurch der ausländische Weber befindet, ist zum Theil auch die neuere Erscheinung des starken Garn- und Schneller-Aufkaufs für das Ausland, worüber unsere Weber nicht weniger, als über die Kauderer klagen, zu erklären. Zu den nachtheilig auf den Erwerbszweig wirkenden Umständen| kommt dann noch der in ein nutzloses Sportuliren ausgeartete Zunftverband. Die neuern Bemühungen der Regierung, dem Leinwandhandel einen neuen Schwung zu geben, können wir hier nur berühren.

Die Einfuhr ist bey den geringen Bedürfnissen der Einwohner gering und fast einzig auf den Absatz durch Juden und Italiener beschränkt. Als Beförderungsmittel des innern Verkehrs haben wir bereits die Jahrmärkte der beyden Städte Münsingen und Hayingen, wovon jenes 9, dieses 6 Vieh- und Krämermärkte hat, genannt. Zu diesen kommen noch die Jahrmärkte zu Laichingen, Justingen und Zwiefalten. Zu Münsingen und Hayingen bestehen auch Fruchtwochenmärkte, die man neuerlich zu heben sucht. Eigentlicher Handel im höhern oder strengern Sinne ist, mit Ausnahme der Laichinger Leinwandhandlung, im Oberamte von keiner Art zu Hause. Die Anzahl der Kaufleute beläuft sich, mit Ausnahme der Krämer und 20 Handelsjuden zu Buttenhausen, auf 13, wovon Münsingen, mit Einschluß einer Apotheke, 6, Laichingen 3, Hayingen 2, und Zwiefalten, mit Inbegriff einer Apotheke, 2 hat. Das ganze Gewerbs-Kataster macht – 2789 fl. 48 kr.

davon
Handwerker und Kleinhändler 1644 fl. 31 kr.
Handlungen, Fabriken und Manufakturen   198 fl. 24 kr.
Mühlen und andere Werke   436 fl. 36 kr.
Wirthschaften   333 fl. 19 kr.
Getränke-Fabriken   176 fl. 58 kr.

Im Durchschnitt kommt auf 1 Gewerbtreibenden eine Gewerbsteuer von – 1 fl. 24 kr.[10]



  1. Nur die steuerfreyen Gebäude sind nach einem andern Maßstabe und zwar nach dem von der Staatsdomänen-Verwaltung angenommenen Mittelpreis zu 1600 fl. berechnet, ein Preis, der bey den vielen Schlössern und andern ansehnlichen Gebäuden – Grafeneck, Marbach, Offenhausen, Justingen, Schiltzburg, Ehrenfels, Zwiefalten – immer noch sehr tief angenommen ist.
  2. Sattler Grafen III. 138. Herzoge I. 59. Steinhofers Chronik III. 300 und 813.
  3. Sulger: Annal. Zwif. II. p. 69.
  4. Über diese und andere Verhältnisse anderer Oberämter und des ganzen Königreichs s. Würt. Jahrbücher 1823. 2tes Heft, S. 403.
  5. Mit Einrechnung der oben erwähnten 1031 Morgen oder Waldplätze würde der Morgen Wald auf 19 fl. 30 kr. kommen.
  6. Selbst auf der höchsten Alp, zu Bremelau, gibt es – ein Beweis, was die Cultur vermag, Äcker, welche bey gutem Anbau 10 Scheffel Dinkel tragen.
  7. Ein Bürger in Hundersingen, Namens Ludwig Häberle, hat neuerlich den löblichen Anfang gemacht, die Halbinseln zu durchstechen und der Lauter einen geraden Lauf zu geben.
  8. Der bessern Cultur der Wiesen steht hier noch der besondere Umstand im Wege, daß die Wiesen häufig Wechselwiesen sind, wovon der eine Bürger das Heu, der andere das Öhmd bezieht.
  9. Aber fast sollte man glauben, daß ehemals Weinbau statt gefunden habe; denn i. J. 1364 verkauft Schweikhardt v. Gundelfingen das Dorf Ehestetten mit aller Zugehör, „ausgenommen den Weingarten der gelegen ist im Mühlbach.
  10. Der Katasteransatz der Mühlen von Wimsheim von 54 fl. ist in der Tabelle zu Hayingen, und der von der Ziegelhütte zu Mashalderbuch mit – 2 fl. 24 kr. zu Oberstetten geschlagen.
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