Beschreibung des Oberamts Maulbronn/Kapitel B 23

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Zaisersweiher.
Gemeinde III. Kl. mit 616 Einw. – Evang. Pfarrdorf. Sitz eines Revierförsters. 3/4 Stunden östlich von Maulbronn gelegen.


Zwischen zwei ganz leicht eingefurchten Thälchen liegt auf der äußersten Spitze eines flachen Rückens der freundliche, etwas unebene Ort, umgeben von Fruchtfeldern, Wiesen und Gärten, die in mäßiger | Entfernung beinahe ringsum von Waldungen begrenzt werden. An den breiten reinlichen Straßen stehen ziemlich gedrängt die meist hübschen, theilweise mit geschnitztem Balkenwerk verzierten Bauernhäuser. Der nahe Aichelberg gewährt eine nicht eben große, doch sehr anmuthige Aussicht.

Die im westlichen Theile des Dorfes, auf dem alten noch ummauerten Friedhof stehende ziemlich unscheinbare Kirche hat flachbogige Fenster, und einen noch alten Thurm gegen Osten. Das Jahr ihrer Erbauung 1769 steht über den Thüren gegen Süden und Westen. Im flachgedeckten Inneren liegt (halb unter dem Altare) der beachtenswerthe Grabstein eines Geistlichen, geschmückt mit schönem eingeritztem Kelche; von der Inschrift ist noch zu lesen: Anno. dom. 1460. mense. julii. obiit. ... zeiszolfswilr sin äripin. In dem mit halbrundem Triumphbogen sich öffnenden Thurme steht die Orgel, von Schäfer in Heilbronn 1854 verfertigt. Auf dem vom dritten Geschoß an achteckig und von Holz aufgeführten Thurme hängen zwei reichverzierte Glocken, die eine mit der Inschrift: Gegossen von L. Neubert in Ludwigsburg. Anno 1834, die andere: Gegossen von A. Bachert in Kochendorf für die Gemeinde Zaisersweiher 1856. Die Unterhaltung der Kirche kommt der Heiligenpflege zu. Der neue Begräbnißplatz wurde 1800 außerhalb des Ortes angelegt.

Das ansehnliche guterhaltene Pfarrhaus mit großem Garten und hübschen Nebengebäuden stammt aus dem Jahre 1743 und ist vom Staat zu unterhalten. Schul- und Rathhaus sind in einem 1860 errichteten Gebäude vereinigt, das im untern Stock die Gelasse für den Gemeinderath, im obern zwei Lehrzimmer enthält. Der Schulmeister wohnt in einem besondern der Gemeinde gehörigen Hause. Die Wohnung des Revierförsters wurde in neuerer Zeit wesentlich restaurirt und befindet sich jetzt in gutem Zustande. Eine Kelter mit 3 Bäumen besteht.

Sehr gutes Trinkwasser liefern hinreichend 4 Ziehbrunnen; auch die Markung ist reich an Quellen, die meistens beim Ort entspringen, darunter der Heiligenbrunnen. Das am Ort nördlich vorbeifließende Bächlein ist nicht bedeutend. An der Straße nach Maulbronn kommen Hungerbrunnen vor. Zwei, je drei Morgen große Weiher sind vorhanden, der Schmietrinksee, 1/8 Stunde südwestlich, und der untere Reutsee, 1/4 Stunde nordwestlich vom Ort; der obere Reutsee ist seit 1860 trocken gelegt; deßgleichen (schon 1790) der 22 Morgen große östlich vom Ort gelegene Thalsee.

Vicinalstraßen gehen nach Maulbronn, Diefenbach, Schützingen und Lienzingen.

Die Haupterwerbsmittel der fleißigen und geordneten Einwohner bestehen in Feldbau, Viehzucht, Wein- und Obstbau. Von Gewerbetreibenden | ist nur ein Damenschneider zu nennen, der viel nach außen arbeitet. Außerdem suchen sich Manche durch Steinbrechen in den Steinbrüchen Maulbronns und durch Holzfällen in den Staats- und Gemeindewaldungen ihr Auskommen zu sichern. Drei Schildwirthschaften, eine Bierbrauerei und ein Kaufladen bestehen.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner gehören zu den mittleren; der begütertste Bürger besitzt 30, der Mittelmann 20, die ärmere Klasse 5–10 Morgen Feld und Weinberg. Gemeindeunterstützung erhalten 5 Personen.

Auf angrenzenden Markungen besitzen hiesige Bürger Güter, namentlich Weinberge.

Die mittelgroße, beinahe zur Hälfte mit Wald bestockte Markung hat, soweit sie für den Feldbau benützt wird, eine ebene Lage und einen mittelfruchtbaren, theilweise wenig ergiebigen Boden, der größtentheils aus den Zersetzungen des Keuperwerksteins, dem glücklicher Weise eine angemessene Beimengung von Lehm zukommt, besteht; wo der Lehm zurücktritt, erscheinen die mageren Sandböden (Schleisböden) und am Fuß der umliegenden Berge wird der Boden schwerer und thonig (Zersetzung des mittleren rothen Mergels).

Das Klima gehört nicht zu den besonders milden, indem die Gegend den Ost- und Westwinden zugänglich ist und schädliche Frühlingsfröste, wie auch kalte Nebel ziemlich häufig vorkommen; feinere Gewächse wie Gurken, Bohnen etc. wollen nicht recht gedeihen. Hagelschlag gehört zu den Seltenheiten.

Die Landwirthschaft ist in ziemlich gutem Zustande und landwirthschaftliche Neuerungen, wie zweckmäßige Anlagen der Düngerstätten, verbesserte Ackergeräthe (Brabanter Pflüge, eiserne Eggen, Walzen, Repssämaschinen) haben Eingang gefunden. Von den Getreidearten baut man vorherrschend Dinkel, Haber und Gerste, von Brach- und Handelsgewächsen Kartoffeln, viel Futterkräuter, namentlich dreiblättrigen Klee, Angersen, Kraut, Hanf, der sehr gut gedeiht, Flachs, Mohn, Reps und Hopfen. Von den Felderzeugnissen können nur 3–400 Scheffel Haber und der Hopfenertrag nach außen verkauft werden.

Der ausgedehnte Wiesenbau liefert nur mittelmäßigen Ertrag, von dem etwa ein Viertel sog. saures Futter ist.

Der Weinbau wird in nicht großer Ausdehnung auf den mittleren rothen Mergeln in der im Unterland üblichen Weise betrieben; auf den Morgen kommen 3000 Stöcke zu stehen und zwar meist Drollinger, Silvaner, rothe Elblinge und Burgunder, die einen vorherrschend rothen, guten Wein liefern, dessen Preise sich in den letzten 10 Jahren von 30–76 fl. für den Eimer bewegten. Der Absatz des Weins geht in benachbarte Orte. Die beste Lage ist der auf Lienzinger | Markung liegende Aichelberg, auf dem sich die Ortsbürger Weinberge erworben haben. Der Weinbau war früher ausgedehnter, indem das jetzige Hopfenland (15 Morgen) demselben diente.

Von Bedeutung ist die immer noch zunehmende Obstzucht, die in günstigen Jahren über den eigenen Bedarf einen Verkauf von etwa 5000 Simri zuläßt. Man pflanzt Luiken, Fleiner, Reinetten, Brat-, Knaus-, Pomeranzen-, Palmischbirnen und ziemlich viel Zwetschgen.

Die Gemeinde besitzt 800 Morgen vorherrschend Laubwaldungen, von dem jährlichen Ertrag derselben erhält jeder Bürger 50 Stück Wellen, das übrige Holz wird verkauft, was der Gemeindekasse eine jährliche Einnahme von 3000–3500 fl. sichert.

Die Weide wird gegenwärtig nicht benützt, dagegen sind die vorhandenen Allmanden theils verpachtet, theils mit Obstbäumen besetzt, was der Gemeinde 25–30 fl. Pachtgeld und in günstigen Jahren einen Erlös aus dem Obst mit 60–80 fl. einträgt.

In gutem Zustande ist die mit einer Landrace sich beschäftigende Rindviehzucht, zu deren Nachzucht 2 Farren aufgestellt sind. Handel mit Vieh, namentlich mit Jungvieh, wird besonders in das Badische ziemlich stark betrieben.

Die Geflügelzucht ist von einigem Belang und erlaubt einen Verkauf nach außen, namentlich nach Maulbronn.

In den zwei Seen werden Karpfen künstlich gezogen; die Gemeinde hat das Fischrecht und dasselbe um 25 fl. jährlich verpachtet.

An besonderen Stiftungen sind 571 fl. 40 kr. vorhanden, deren Zinse nach dem Willen der verschiedenen Stifter zur Anschaffung von Schulbüchern oder zu Brod für Unbemittelte verwendet werden.

In der Nähe des Orts wird ein Platz der „Säumarkt“ genannt; hier soll nach der Sage ursprünglich Zaisersweiher gestanden sein. Auf den nahe gelegenen sog. Hofstätten und beim sog. Bild ist man schon auf Gebäudeschutt gestoßen, so daß die Vermuthung, es sei hier in grauer Vorzeit irgend ein Wohnplatz gestanden, ziemlich nahe liegt.

Güter in Zeizolfeswilre, ohne Zweifel schon mit Einschluß des Patronatsrechts, sind unter der Dotation des Klosters Sinsheim durch Bischof Johann von Speier 1100 (s. bei Eilfingen). Der Ort gehörte vermuthlich zum Reichsgut und kam dann an die Herrn von Enzberg und Roßwag (nur einmal, 1152, kommt ein Herr von Zaisersweiher, Conrad, vor), später ans Kloster Maulbronn. Dieses erwirbt von den Enzbergern 6. Mai 1299 10 Morgen Weingarten hier (Archivurk.), von Rudolf von Roßwag 24. Sept. | 1308 Güter, eben solche 23. April 1368 von Friedrich und Reinhard von Enzberg, 13. Januar 1413 von Friedrich von Enzberg Wald. Die Roßwagischen Güter kamen vollends mit der Burg Neuroßwag von Wirtemberg ans Kloster, zuerst pfandweise 20. Juni 1372, sodann als eigen 12. August 1394, was 3. August 1401 K. Ruprecht bestätigte. Die Kirche blieb beim Kloster Sinsheim, das übrigens 1551 auf Verlangen des Abts von Maulbronn einen evangelischen Pfarrer setzen mußte, bis zum Jahr 1572, wo Herzog Ludwig ihm den Kirchensatz nebst dem von Dürrmenz und Lienzingen um 3500 fl. abkaufte (Sattler Herz. 5, 22).

1504 wurde Zaisersweiher von den Wirtembergern verbrannt.

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