Beschreibung des Oberamts Maulbronn/Kapitel B 4

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Dürrmenz,
mit Eisenbahnstation und Bahnwärterhaus,
Gemeinde II. Kl. mit 2570 Einw., worunter 45 Kath. a) Dürrmenz, Pfarrdorf mit Marktrecht, 1627 Einw., b) Eckenweiher, Weiler, 25 Einw., c) Mühlacker, Weiler, 918 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kathol. sind nach Michaelsberg, O-A. Brackenheim eingepfarrt. 2 Stunden südlich von Maulbronn gelegen. Sitz eines Amtsnotars, eines Unteramtsarztes und eines Apothekers, auch gehört zu Mühlacker ein Bahnhof mit Post.


Dürrmenz und Mühlacker bilden gleichsam einen Ort und sind nur durch die Enz von einander getrennt; Dürrmenz liegt auf der rechten, Mühlacker etwas weiter oben auf der linken Seite des Flußes. Das Thal macht hier gerade einen Bogen von Westen nach Süden und wo es noch ostwärts zieht und von Norden herab das Erlenbachthälchen hereinmündet, liegt freundlich und eben der Ort Mühlacker und von ihm zieht sich auf demselben Ufer der Enz, also dem linken, an dem von da südwärts strömenden Flusse eine Reihe Häuser hinab bis zur Brücke, die hinüberführt nach Dürrmenz; diese Ortschaft breitet sich hier am Fuße eines sanft verlaufenden Thalgehänges aus, gegenüber aber thürmt sich fast lothrecht, in großen Felsmassen das Thalgeländ empor, das stolz und gebieterisch von der alten Burg Dürrmenz (Löffelstelz) bekrönt wird. Die Gegend ist sehr anmuthig, der trauliche Enzthalgrund, der sich in weitem Bogen zwischen den grünen Wald- und Rebenbergen hinzieht und aus dem aus hohen Pappelreihen der breite silberne Fluß hervorglänzt, von welchem Kanäle sich abzweigen und einige zerstreut liegende Mühlen in Bewegung setzen, hiezu die beiden freundlichen Ortschaften, von denen Häuserreihen am Fluß hinziehen, und endlich über kühnem, wildumbuschtem Felsabhang das umfangreiche Steinhaus der Burg.

Beide Dörfer haben neben einzelnen im städtischen Stil erbauten Gebäuden viele ansehnliche, zuweilen mit geschnitztem Balkenwerk versehene Bauernhäuser und gutgehaltene, reinliche Straßen. Ein Theil von Dürrmenz, der sich ziemlich abgesondert längs der Enz hinaufzieht, wird das Welsche Dörfle (früher Du Queyras) genannt; hier siedelten sich im Jahr 1699 eingewanderte Waldenser an.

Die dem h. Andreas geweihte Kirche steht am Westende von Dürrmenz bei dem großen, mit schönen Denkmälern und schattigen Bäumen besetzten Friedhofe und ist zum größten Theil in spätgothischen Formen mit hübschgefüllten Spitzbogenfenstern, und östlich stehendem Thurm aufgeführt. An der Südseite des Schiffes liest man über einem gradgestürzten Renaissancefenster 1650 und an der Ostseite, der Südostecke zu, steht über dem Eingang in höchst origineller erhabener Schrift 1585; hier liegt auch ein uralter kesselartiger Taufstein. | Im Innern der Kirche ist der Thurm mit einem rippenlosen Kreuzgewölbe überspannt, der Triumphbogen halbrund, das Schiff flachgedeckt und dieses letztere zeichnet sich aus durch viele trefflich geschnitzte hölzerne Emporensäulen; sie haben wechselnde, oft sehr ansprechende, mitunter ans Romanische erinnernde Zierden; an einer derselben steht Jerg 1614, an einer andern Jörg Mayr Zimrm. (Zimmermann). Die Kanzel ruht auf schönem steinernem Stock, der in demselben Stil gehalten ist und die Inschrift trägt: Gott alein die Ehr. 1616. An der Ostwand hängt ein kleines gemaltes Epitaphium des Georg Friderich Scheckh, geb. 22. April 1719, ertrunken 4. März 1728. Früher las man an der Wand folgende Inschrift: Im Jahr 1614 war die hiesige Kirche, als für die über 250 Mann starke Bürgerschaft zu eng, abgebrochen und an ihre Stelle ein schönes hölzernes Gebäude gesetzt, das aber bald zu sinken anfing und lebensgefährlich ward. Ein neuer Kirchenbau, der dadurch nothwendig geworden war, wurde durch die damaligen Kriegszeiten, in deren Folge im Jahr 1649 die Bürgerschaft auf 11 Mann zusammengeschmolzen war, bis 1650 hinausgeschoben, wo dann die hiesigen Bürger, 47 an der Zahl, das hölzerne Gebäude abbrechen ließen und die gegenwärtige Kirche aufführten. – Von den 3 Glocken auf dem Thurme ist die größte, mit Reliefs verzierte, gegossen von C. C. Neubert in Ludwigsburg anno 1821, die dritte ist von demselben 1823 gegossen; auf der zweiten steht: Paulus Strobel von Speyer anno 1750. Über die Verbindlichkeit der Kirchenunterhaltung wird gegenwärtig noch gestritten.

Am südwestlichen Fuße des Burgberges, mitten im zweiten Friedhofe liegt dachlos und halbzertrümmert das alte Peterskirchlein, bestehend aus ganz verschiedenen Theilen. Ursprünglich stand hier eine gothische Kapelle; von ihr ist zu erkennen die Westseite und die Nordseite. Im Jahr 1514 wurde sodann an die Giebelseite (Westseite) ein Thurm und zwar aus Trümmern eines früheren Gebäudes angesetzt, und hiebei die vierte Wand des Thurmes auf den Westgiebel des Kirchleins gestellt. Daher sieht man in seinem Innern noch die Gurtgesimse und die Giebelschrägen der alten Kapelle. Später überließ man das Kirchlein den eingewanderten Waldensern, die es gegen Süden und Osten erweiterten und allenthalben flachbogige Fenster einbrachen; zugleich aber behielten sie das an der alten Südseite gestandene Portal (in geschweiftem Spitzbogen mit der Jahreszahl 1515) bei.

Unten am Thurm umher ist ein sehr alter romanischer Sockel angemauert, und an den Ecken sind große Buckelsteine verwendet; an seiner Südwestecke liest man 1514. An der einen Seite des genannten südlichen Eingangs steht der Grabstein eines Kriegsmannes Franciscus Augae von Dorpien in der Provinz Dauphiné gebürtig, | starb 28. Juny Anno 1717, 85 Jahre alt. Vor dem Eingang liegt als Auftritt eine große Grabplatte, die ganz von Unkraut überwuchert war und erst in neuester Zeit von dem Verfasser wieder aufgefunden wurde; sie enthält in der Mitte das Wappen der Herrn von Dürrmenz und von der Umschrift in gothischen Majuskeln ist noch folgendes leserlich: Mich .... urmense (Durmense) ... MCCCIII. Man beabsichtigt dieses alte Denkmal an die Kirchenwand zu stellen, um es vor weiterer Zerstörung zu schützen. Der Begräbnißplatz ist an der westlichen und südlichen Seite noch mit einer Mauer versehen; an der südlichen Mauer sieht man eine römische Handmühle und eine kleine, aus einem Stein gearbeitete rundbogige Nische, vermuthlich ursprünglich einem römischen Gebäude angehörig, eingemauert (s. hier. unten).

Die Burg der Herrn von Dürrmenz (Löffelstelz genannt) steht, wie schon gesagt, noch in Trümmern über jener felsigen Thalwand; zu ihr führt von Mühlacker aus der theilweise noch gepflasterte Burgweg hinan. An drei Seiten war die Burg durch einen breiten Graben geschützt, auf der vierten, gegen das Enzthal hinab, ist sie vollkommen unzugänglich; sie besteht aus einem umfangreichen viereckigen Steinhause, das an den Kanten mit Haustein-Quadern, sonst aus Bruchsteinen, aufgeführt ist. Unten herauf hat das Gebäude kaum ein Fenster, oben aber öffnet sich gegen das Thal hin eine schöne Galerie von drei gedoppelten Bogenfenstern, und ähnliche sind gegen Süden; ihre Formen weisen auf den Anfang des 13. Jahrhunderts; an den stets aus Einem Steine bestehenden Fensterstürzen tritt neben dem Rundbogen der Spitzbogen auf. In dem ganz leeren Innern dehnt sich jetzt ein mit Obstbäumen bepflanzter Grasplatz hin; hier innen bemerkt man noch Spuren eines Umganges auf der Höhe der nördlichen Umfassungsmauer, derselbe stieg gegen Osten hinan, und es ist anzunehmen, daß das Gebäude selbst, der Gestalt des Bodens folgend, gegen Osten, d. h. an der dem Enzthal gerade abgewandten Seite am höchsten war, was sich dann an den Nebenseiten in herabsteigenden Zinnen zeigte. Der Eingang ging durch die Südseite, innerhalb des Steinhauses war jedenfalls ein kleiner Lichthof. Gewölbte Keller mögen noch unter dem hohen Schutt vergraben liegen. Feld, Heide und niederer Wald bilden jetzt die nächste Umgebung der stillen Stätte, von der ein gar lieblicher Ausblick sich darbietet über den grünen, von den sanftblauen Wassern der Enz durchzogenen Thalgrund hinüber an waldige Höhen und dahinter an die feinen Linien der fernen Vogesen. Die Burg gehört jetzt der Gemeinde, die sie 1808 vom Kloster Maulbronn erkaufte.

Das ziemlich alte 1710 von Kammerrath Scheitlin erkaufte Pfarrhaus hat eine schöne Lage in Gärten und ist vom Staat zu unterhalten. Das Rathhaus steht an der Brücke auf der linken Seite | der Enz, somit ziemlich in der Mitte beider Ortschaften und wurde 1845 neu hergerichtet. Schulhäuser sind drei vorhanden, eines in der Nähe der Kirche mit 3 Lehrzimmern und Wohnung für einen ständigen und zwei unständige Lehrer; ein zweites befindet sich in Mühlacker an der Straße nach Illingen mit 2 Lehrzimmern; die Wohnung für den Schulmeister steht abgesondert daneben. Die dritte Schule, die sog. Mittelschule zunächst beim Rathhaus ist für beide Ortschaften bestimmt; sie enthält ein Lehrzimmer und Wohnungen für zwei ständige Lehrer. Im Ganzen unterrichten sechs Lehrer, worunter einer an der Mittelschule.

Die sehr stattlichen Bahnhofgebäude liegen auf der Anhöhe, etwa 10 Minuten nördlich von Mühlacker; sie bestehen aus dem ganz massiven Hauptgebäude mit Restauration, verschiedenen Nebengebäuden (Schuppen etc.) und aus bedeckten Hallen und sind von hübschen Gartenanlagen umgeben. An ihn schließt sich westlich der auch mit sehr ansehnlichen Gebäuden besetzte badische Bahnhof an.

Eine alte Kelter mit 3 Bäumen, früher dem Kloster Maulbronn gehörig, befindet sich im nordöstlichen Theil von Mühlacker; sie ist ein sehr großes Steinhaus mit zwei mächtigen spitzen Giebeln; über dem Eingang steht: Maulbronüch Kirchen Ain und Keltr 1506; an der Ostseite findet sich ein schönes Vierblattfenster. Eine zweite, auch alte Kelter mit 3 Bäumen steht zwischen dem Petrikirchlein und der Enz und trägt die Jahreszahl 1572.

Von Privathäusern nennen wir das von Kunstmüller Bauer in freundlichem Stil neu erbaute Landhaus mit schönen Weinbergsanlagen und das ansehnliche, dem Fabrikanten Rapp gehörige Haus mit daran stoßendem, schön angelegtem Garten.

Gutes Trinkwasser liefern in Fülle ein laufender und 24 Pumpbrunnen. Die Markung besitzt nur 2 Quellen, die aber nie ausbleiben, der Goldsbrunnen beim Bahnhof und der Oberstenbrunnen an der badischen Grenze. Von ersterem führt eine Leitung in hölzerne Deucheln zu dem laufenden Brunnen in Mühlacker. Dann fließt die Enz und der Erlenbach durch den Ort und die Markung, beide treten aus und die Enz richtet mitunter Schaden an; über die Markung fließt ferner der Igelsbach, der indessen den Sommer über öfters eintrocknet.

Die von Stuttgart kommende Eisenbahn theilt sich hier in die Bruchsaler und die Pforzheimer Linie; dann geht durch den Ort Mühlacker die Stuttgart-Karlsruher Staatsstraße; Vicinalstraßen führen nach Pinache, Wiernsheim, Lomersheim, Lienzingen und Ötisheim.

Über die Enz geht eine große hölzerne, von der Gemeinde zu unterhaltende Brücke, über einen Arm derselben ein von Privaten | erbauter hölzerner Steg, und über den Erlenbach eine steinerne, vom Staat zu unterhaltende Brücke.

Die Erwerbsquellen der Einwohner, von denen gegenwärtig 10 über 80 Jahre zählen, sind Feldbau, Viehzucht, etwas Wein- und Obstbau. Außer den gewöhnlichen, meist für das örtliche Bedürfniß arbeitenden Handwerkern besteht eine Kunstmühle, mit 13 Mahl- und 2 Gerbgängen, die gute Geschäfte macht, deßgleichen eine Gipsmühle, Sägmühle, Ölmühle und eine Hanfreibe.

Die Tabaksfabrik von Rapp und Sohn beschäftigt gegenwärtig 30 Personen. Es wird meist Pfälzer- weniger auf der Markung gezogener Tabak verarbeitet. Der Absatz geht ins Inland und ins Badische, namentlich wird viel Schnupftabak abgesetzt und auch als Karotten verkauft.

Schildwirthschaften, worunter 3 mit Brauereien, sind 9 vorhanden, überdieß besteht noch eine weitere Brauerei; das im Ort gebraute Bier hat einen guten Ruf und wird viel nach Pforzheim abgesetzt. Kauf- und Kramläden sind 7 und Ziegeleien 2 vorhanden.

Die Krämer- und Viehmärkte in den Monaten Februar, April und November, wie auch die Viehmärkte in den Monaten Januar, April, Juni, Juli, September und December sind ziemlich bedeutend.

Die Vermögensverhältnisse und die Mittel des Auskommens der Einwohner sind im Vergleich mit andern Orten gerade nicht ungünstig. Der Grundbesitz des begütertsten Bürgers beträgt etwa 50, der des sog. Mittelmanns, welcher hier vorherrscht, 10 Morgen, die ärmere Klasse besitzt einige Viertel geringen Feldes.

Armenunterstützung erhalten gegenwärtig 30 Personen.

In Dürrmenz ist geboren 1549 Hermann Heinrich Frey, Sohn eines der ersten evang. Geistlichen, wollte in Tübingen Arzneikunde studiren, änderte aber auf Anrathen Dr. Dietrich Schnepf’s seinen Vorsatz und wandte sich mit ungetheilter Liebe zum Studium der Theologie, wurde schon frühe Pfarrer in Ober-Eßlingen, kam 1577 als Superintendent nach Schweinfurt, wo er 1599 den 1. April starb. Frey war ein allgemein hochgeachteter Mann, gelehrter Theologe und eifriger Verfechter der neuen Lehre (s. Christ. Heinr. Sixt „H. H. Frey Superintendent in Schweinfurt.“ Nürnberg. 1868). Ferner 1713 Simon Friedrich Rues, Professor der Geschichte in Tübingen, gest. 1748 und 1776 Christian Friedrich Dörner, ein sehr tüchtiger Arzt und Geburtshelfer, gest. 1806.

Die im Verhältniß zu der Einwohnerzahl nicht große, größtentheils für den Feldbau benützte Markung ist, mit Ausnahme der Gehänge gegen das Enzthal, ziemlich eben und hat im allgemeinen einen fruchtbaren Boden, der größtentheils aus einem leichten, mit Sand gemengten Lehm besteht, im übrigen ist er kalkreich; in der Thalebene herrscht Sandboden vor.

| Bedeutende Muschelkalksteinbrüche, aus denen sehr gutes Straßenmaterial gewonnen wird, befinden sich ganz in der Nähe des Orts.

Ein Bohrversuch auf Steinkohlen wurde am Ende der 1850ger Jahre auf Staatskosten veranstaltet (s. hier. den allg. Theil S. 30).

Das Klima ist mild und gestattet den Anbau der Reben und der feineren Gewächse; Hagelschlag kommt selten vor.

Die Landwirthschaft wird mit Anwendung verbesserter Ackergeräthe (vorherrschend Suppingerpflug) gut und umsichtig betrieben; zum Anbau kommen vorzugsweise Dinkel, Haber und Gerste, weniger Roggen und Einkorn, ferner Kartoffeln, Futterkräuter, Angersen, Bohnen, ziemlich viel Linsen und Erbsen, Welschkorn, Mohn, Kraut und hauptsächlich Tabak, der auf etwa 100 Morgen gepflanzt und in der hiesigen Tabaksfabrik verarbeitet wird; ein Morgen erträgt ungefähr 12 Centner. Von den Getreideerzeugnissen können in günstigen Jahren 100–150 Scheffel Dinkel nach außen abgesetzt werden, während man in ungünstigen noch ziemlich viel von außen bezieht.

Der nicht sehr ausgedehnte Wiesenbau liefert gutes Futter, das im Ort verbraucht wird, überdieß muß noch Futter zugekauft werden; über 50 Morgen Wiesen können bewässert werden.

Der Gartenbau läßt neben der Befriedigung des örtlichen Bedürfnisses auch noch einen Verkauf an Gemüsen nach außen zu.

Von einiger Bedeutung ist der Weinbau, der einen guten, angenehmen Wein liefert; man pflanzt 3–4000 Stöcke auf den Morgen, und zwar meist Elblinge, Silvaner, Veltliner, Gutedel, Clevner, Drollinger, Portugieser etc. Ein bedeutender, rationeller Weinproducent ist der Gastgeber zum Ochsen, Belser, der vortreffliche, sehr gesuchte Weine erzielt. Der Wein wird meist im Orte selbst verbraucht.

Die Obstzucht ist von keiner großen Bedeutung und dient nur dem örtlichen Bedürfniß; man pflanzt Luiken, Welschäpfel, Saueräpfel, Bratbirnen, Knausbirnen, Sauerbirnen, Palmischbirnen, Träublesbirnen, Zwetschgen und Pflaumen.

Die Gemeinde besitzt etwa 125 Morgen schlecht bestockte Waldungen, deren jährlicher Ertrag verkauft wird; der in 2–300 fl. bestehende Erlös fließt in die Gemeindekasse.

Eigentliche Weiden sind nicht vorhanden und nur die Brach- und Stoppelweide, wie auch die Wiesenweide, wird den Herbst und Winter über mit 4–500 Stück Schafen (spanischen) befahren, die ein Ortsschäfer auf der Markung laufen läßt; die Pachtsumme mit Einschluß des Pfercherlöses sichert der Gemeindekasse eine jährliche Einnahme von 1000–1100 fl.; überdieß tragen die vorhandenen, als Wiesen benützten 60 Morgen Allmanden, die an Bürger verliehen werden, etwa 450 fl. der Gemeinde ein.

| In sehr gutem Zustande ist die Rindviehzucht (Kreuzung von Landrace und Simmenthaler), zu deren Nachzucht 3 Simmenthaler- und 3 Landfarren aufgestellt sind; der Handel mit Vieh, auch mit gemästetem, ist ziemlich ausgedehnt und geht meist nach Frankreich und Baden.

Das Fischrecht in der Enz ist Eigenthum der Gemeinde, die es samt dem an der Enz gewonnenen Sand um 50–70 fl. jährlich verpachtet.

Die Zinse des in 5689 fl. bestehenden Stiftungsvermögens, worunter eine Stiftung des Baron v. Müller mit 1156 fl., werden für Kirche und Armenwesen verwendet.

Was nun die Überreste und Spuren aus der Vorzeit betrifft, so finden sich in den beiden Orten und zunächst derselben mehrfältige Spuren von römischen Gebäuden, die eine namhafte römische Niederlassung daselbst bekunden und zwar: unfern der Ziegelhütte wurden Grundmauern von römischen Gebäuden, nebst römischen Ziegeln, Gefässefragmenten, römischen Münzen etc. schon in früherer Zeit aufgefunden, ebenso neuestens in dem zum Gasthaus zum Ochsen gehörigen Garten, ferner 1/4 Stunde südöstlich von Dürrmenz auf dem sog. Bodenfeld, hauptsächlich aber auf dem zunächst der ehemaligen Waldenser Kirche gelegenen Frohnacker, wo in namhafter Ausdehnung römische Gebäudesubstruktionen aufgefunden wurden, was auch die Volkssage, Dürrmenz sei früher viel größer gewesen und habe sich bis gegen Lomersheim erstreckt, veranlaßt haben mag. Oberhalb der Frohnäcker wird ein hochgelegener Punkt „auf der Lug“ genannt, ohne Zweifel hatten die Römer hier einen Späheposten. Eine von Pforzheim herkommende Römerstraße überschritt bei Mühlacker das Enzthal und führte über Bietigheim an den Limes; der Enzthalübergang ist hier sehr günstig und hätte an keiner anderen Stelle mit weniger Schwierigkeiten ausgewählt werden können. Nordöstlich von Mühlacker wird eine erhöht gelegene Stelle „bei der Schanze“ genannt; hier hatten ohne Zweifel die Römer eine Befestigung angelegt.

Von altgermanischen Überresten hat sich in dem östlich von Sengach gelegenen Wald Stockach noch ein Grabhügel erhalten.

Hinter der Ortskirche entdeckte man Reihengräber, die mit Steinplatten umfriedigt waren und menschliche Skelette nebst Waffen und Schmucksachen enthielten.

Über die Burg der Herrn von Dürrmenz s. o.

Am südlichen Ende von Mühlacker wird eine Stelle „im Käpele“ genannt; hier stand ohne Zweifel eine Kapelle.

Die sog. Schanze, welche 1689–1697 unter dem Markgrafen von Baden aufgeworfen wurde (s. den allg. Theil, Abschnitt „Alterthümer“), lief westlich an Dürrmenz vorüber und führt noch deutlich | sichtbar, öfters noch als 10–12′ tiefer Graben, neben der Straße nach Pinache hin bis auf die Höhe des Waldes Enkenrain, wo westlich an der Straße gerade an der Waldecke ein Blockhaus stand; von hier zieht nun die Schanze einerseits nach Pinache etc. andererseits am südlichen Saum des Walds Rothenberg hin, bis an die Stelle wo die Landesgrenze einen stumpfen Winkel macht, von hier folgt sie der Landesgrenze bis an die Enz. Vom oben angeführten Blockhaus geht dann ein weiterer Schanzgraben ab, der in einem Bogen gegen Lomersheim führt.

Dürrmenz heißt im 8. Jahrhundert Turmenze und Dorminca, 1100 Durminzi, 1282 Durmenze, 1338 Dormentze, 1327 Turmenz, 1441 Dürmenz (Bacmeister findet darin römischen Klang); Mühlacker 769 Mulnen, später Mulnaker.

Kloster Lorsch hat hier Besitz, in Mühlacker seit 769, in Dürrmenz seit 779 (Cod. Laur. II, 402, 446–448, 455, 463), darunter 855 die steinerne Kirche und eine Mühle. – Schon 836 wurde hier mit Reffen gefischt (Stälin, Wirt. Gesch. 1, 398). Güter in Dürrmenz waren bei der Dotation des Klosters Sinsheim, und es befand sich hier eine Gerichtsstätte für die Unterthanen desselben (s. bei Eilfingen).

Dürrmenz war ein Theil der Herrschaft Enzberg, gehörte also ursprünglich den Kraich- und Enzgaugrafen, von denen die Oberherrschaft auf die Grafen von Ingersheim, dann auf die von Calw und Vaihingen überging. Ein Druthwin von D. kommt 1152 vor; die späteren Herrn von D. waren ein Zweig der Herrn von Enzberg-Niefern (s. Enzberg).

Von ihnen kam der Ort ans Kloster Maulbronn. 28. Mai 1294 verkauft Albrecht von Niefern sein Fischwasser bei der Stadt Mühlacker ans Kloster. 14. Februar 1365 verkauft Albrecht von Dürrmenz demselben all seine Güter und Rechte in Dürrmenz. 21. Januar 1373 verkauft Albrecht von D. dem Kloster alle seine Güter und Rechte zu Dürrmenz und Mühlacker um 863 fl. 7. Juni 1393 verkaufen Elsbeth, Wittwe des Machtolf von D., und ihre Tochter Mechtild dem Kloster Güter, Gefälle und Gerechtsame hier. 9. April 1394 verkauft Pfaff Gerlach von D. dem Kloster sein Einkommen und Rechte daselbst. 17. Juli 1395 verkauft Conrad von D. dem Kloster sein Einkommen und Rechte in Dürrmenz-Mühlacker (nach dem Landbuch von 1623 auch Weiler und Burgstall Löffelstelz). 14. August desselben Jahrs verkauft Gerlach von D. dem Kloster sein Einkommen und Rechte in D.-M., 8. Mai 1400 Heinrich von D. seine Güter. 9. Februar 1410 verkauft Albrecht von D. dem Kloster sein Einkommen und Rechte hier, 13. Jan. 1413 Gerlach von D. ebenso. 20. Januar 1422 freit Kurpfalz dem Kloster die Güter zu D., welche Lehen gewesen. | 1482 verkauft Heinrich von D. dem Kloster sein Einkommen und Rechte zu D., und Graf Eberhard von Wirtemberg, sowie Markgraf Christof von Baden freien und eignen sie.

Durch die Vermählung der Tochter des Stifters unserer Linie, Heinrichs von D., Elisabeth, mit Rüdiger von Ingersheim 1318 erhielt die Familie Güter in Ingersheim, und ihre Neffen, Albrecht und Gerlach, nannten sich von da. Später wurde sie von Wirtemberg mit Heimerdingen (1461) und mit dem obern Schloß und Gütern in Ehningen (1491) belehnt. – 1437 ist ein Johann von D. Probst zu Wimpfen im Thal. – Nach 1507 starb mit Martin und Conrad von D. das Geschlecht aus.

Weiter erwarb das Kloster Maulbronn: 15. März 1367 von Fürderer von Wunnenstein Gefälle zu D. und Bubenmühle, 21. Jan. 1379 ebenso Gefälle und Einkommen zu D. von Elsbeth von Ravensberg, 28. August 1412 Zins und Gülten vom Franziskanerkloster zu Pforzheim. (Außer diesem waren auch die Dominikanerinnen und die St. Michaelskirche von Pforzheim hier begütert, Pflüger 114, 150.) 17. Januar 1422 erwarb das Kloster Einkommen und Rechte hier von Johannes Sicheling.

2. Dez. 1488 erhielt das Kloster von Kaiser Friedrich III. das Recht, hier Brückengeld zu erheben. Auch war der Abt Gerichtsherr zweiter Instanz, wie denn 1494 Abt Johann den Spruch des Ortsgerichts gegen zwei Bürger bestätigt.

Wirtemberg bekam die Lehenshoheit über die ehemals Vaihingischen Besitzungen, die 1344 Gerlach von D. von ihm zu Lehen nahm (Sattler, Grafen 4, 270). 1. Nov. 1379 verkauft an dasselbe Graf Ulrich von Aichelberg seine Güter hier (Steinhofer, Chronik 2, 278); dagegen verkaufte 1409 Graf Eberhard von Wirtemberg die Burg Löffelstelz nebst Gütern und Gülten in D. an Hugo von Velberg (eb. 609).

Das Patronat der Kirche (pastoria et plebania Sti. Petri) erhielt, ohne Zweifel durch seinen Stifter, das Kloster Sinsheim, welches dasselbe 7. Juli 1572 an Wirtemberg verkaufte.

1504 wurden beide Orte von den Wirtembergen verbrannt. – Nach 1634 hatten sie noch 11 Bürger. – 1. September 1691 standen deutsche Truppen hier. – 28. oder 29. September 1692 wurde Mühlacker von den Franzosen geplündert. – 15. Mai 1696 sammelten sich hier deutsche Truppen. – Frühjahr 1705 lagen wieder solche da, und 26. Mai 1707 vereinigten sich daselbst der Markgraf von Baden und der Herzog von Württemberg.

1699 waren in Dürrmenz und Mühlacker 134 leere Hofstätten und über 700 Morgen wüste und in Gant befindliche Güter, daher in Dürrmenz an der Durlacher Straße eine Waldenserkolonie, Du Queyras (vom Thal Queyras im obern Dauphiné) genannt, welche | besonders auch Manufakturisten enthielt, sich niederlassen konnte. Andere Waldenser bauten sich in Mühlacker unter der Burg Löffelstelz an. Die Waldenser hatten in Dürrmenz eine eigene Pfarrei, worin bis 1811 französisch gepredigt, und welche 1823 aufgehoben wurde.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Eckenweiher, hat 1/2 Stunde nordöstlich vom Mutterort eine abgeschiedene stille Lage. Hier stiftete 1138 Walther von Lomersheim ein Kloster, das bald nachher nach Maulbronn verlegt wurde.

In Ecgerateswilare hat 802 Kloster Lorsch Besitz (Cod. Laur. 2, 442). Später gehörte der Ort den Herrn von Lomersheim und kam durch Walther von L., der hier die später nach Maulbronn verlegte Cisterzienserniederlassung gründete, an dieses Kloster.

c. Mühlacker, (s. oben).

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