Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 10

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10. Deubach,
Gemeinde III. Klasse mit 196 Einw., worunter 9 Evang. a. Deubach, kath. Pfarrdorf, mit 171 Einw.; b. Sailtheim, Hof, mit 25 Einw. Die Ev. sind nach Edelfingen eingepfarrt.


Die unebene Markung des Dorfes liegt, durch das badische Gebiet getrennt, nördlich vom Oberamtsbezirk, und zwar gerade nördlich von der Stadt Mergentheim. Der kleine, aber freundliche und reinliche Ort liegt ebenfalls uneben in einem Thälchen und ist mit einer in neuester Zeit im frühgothischen Stil erbauten, dem hl. Antonius von Padua geweihten Kirche geschmückt. Der Begräbnisplatz wurde schon im Anfang des vorigen Jahrhunderts außerhalb des Orts bei der Kirche angelegt, das Pfarrhaus 1835–36 angekauft und eingerichtet. Die Unterhaltung von Kirche und Pfarrhaus hat die Gemeinde. Am Anfang des Orts steht eine neuerbaute Muttergotteskapelle.

Das Schul- und Rathhaus wurde im Jahr 1847 angekauft, und enthält auch die Wohnung des Lehrers.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend 17 Pump- und 1 Schöpfbrunnen; eine Wette besteht, auch die Markung ist quellenreich.

Vizinalstraßen gehen von hier nach Messelhausen und gegen Ober- und Unter-Balbach.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind gut; der vermöglichste Bauer besitzt 65 Morgen Feld und 22 Morgen Wald, der Mittelmann 50 Morgen Feld, 14 Morgen Wald, die ärmere Klasse 12 Morgen Feld. Die Haupterwerbsmittel sind Ackerbau und Viehzucht. Eine Schildwirthschaft, ein Schuhmacher und ein Schmid ist im Ort.

Die mittelgroße Markung hat einen fruchtbaren, etwas lockeren nicht tiefgründigen Boden, meist sandiger Lehm. Das Klima ist gemäßigt, die Luft rein, frisch und gesund; Frühlingsfröste und kalte Nebel sind ziemlich häufig; Hagelschlag ist ganz selten.

Die Landwirthschaft, welcher die unebene Lage des Orts und der Felder etwas hinderlich, ist in gutem Zustand; außer der Jauche, die sorgfältig benützt wird, kommt noch Gips und Asche in Anwendung. Der Brabanter Pflug, Holzwalzen und Dreschmaschinen sind allgemein eingeführt. Man pflanzt vorherrschend | Roggen, Weizen und Gerste, dann Dinkel, Haber, Hirse, Kartoffeln und Rüben; der Futterkräuterbau ist bedeutend, man pflegt vorzugsweise blauen Klee und Esparsette, dann auch Rothklee. Jährlich kommen 150–200 Scheffel Gerste und Weizen, 50 Scheffel Dinkel und Roggen nach außen zum Verkauf. Der Wiesenbau bedeutet wenig, die Wiesen sind zweimähdig. Auch der Weinbau (Kurzschnitt) ist mittelmäßig, man hat Österreicher und Gutedel, 1500 Stöcke auf den Morgen, die im Winter bezogen werden. Der höchste Ertrag ist 3 Eimer. Der Preis schwankt zwischen 60–100 M., der Wein ist gut, doch geringer als im Tauberthal. Die Obstzucht ist im Zunehmen, das Obst geräth nicht besonders.

Die Gemeinde besitzt 45 Morgen gemischten Wald, was ihr jährlich einen Ertrag von 300 M. sichert, während die Brach- und Stoppelweide 700, die Pferchnutzung 900 M. einbringt; endlich einige Güterstücke 18 M.

Man hält 12 Zugpferde, die Rindviehzucht (Neckarschlag) ist mittelmäßig wegen Mangels an Futter; ein Farre von genannter Race ist von der Gemeinde aufgestellt. Der Ortsschäfer läßt 250 Stück Schafe, die auch im Ort überwintern, auf der Markung laufen.

Kirchen- und Jahrtagsstiftungen im Betrag von 3600 Gulden bestehen.

Deubach, aus altem Die-, Diet- d. h. Volks-Bach (im Sinn von communis, zu allgemeinem Gebrauch – vgl. die vielen Dietweg, Dietbruck etc.) gehörte ursprünglich theils dem Hochstift Würzburg, theils den Grafen von Rothenburg-Komburg und kam später an die Reichsschenken v. Schüpf und die Herren v. Hohenlohe, neben welchen die Truchsesse v. Baldersheim, die v. Boxberg, v. Ehenheim und v. Rosenberg als Theilbesitzer erscheinen. (Übrigens sind die älteren Verhältnisse wegen möglicher Verwechslung mit anderen Diebach nicht ganz klar.) Der Schüpfer Antheil gieng schon 1255 an den Deutschorden über, welcher zuletzt den ganzen Ort besaß.

Deubach war mit Sailtheim von Alters her Filial von Königshofen. Kirche und Schulhaus wurden 1706 unter Schultheiß Mich. Richter aus Gemeindemitteln erbaut, worauf theils die Prämonstratenser von Gerlachsheim, theils die Kapuziner von Mergentheim den Gottesdienst versahen. Die hieraus erwachsenen Kosten wurden aus einer 1756 gemachten Stiftung | des Deutschordischen Hofkammerraths Falkenberger in Mergentheim bestritten. 1790 stiftete Jos. Ambr. Haas, Benediktiner zu St. Stephan in Würzburg, weitere 900 Gulden, kaufte von den vorhandenen Kapitalien Haus und Güter und zog als Pfarrkurat auf; nach seinem Tod wurde das Benefizium einem Schönthaler Exkonventualen übertragen und von 1812 an vom Kameralamt verwaltet, bis 1846 eine Pfarrei errichtet werden konnte. Pfarrer: Joh. Bapt. Schleich 1846. Joh. Nepom. Schänzle 1865. Andreas Münz 1876.

c. 1090. Graf Rugger von Komburg erwirbt für das Kloster Komburg von Sigibold von Zimmern das Gut Oellingen (bayr. BA. Ochsenfurt) und gibt dafür tauschweise Tithebach (Deubach) und Besitzungen in Gützingen (BA. Ochsenfurt.) U.B. 1, 392. Vgl. W. F. 1855, S. 78. 6, 147,

1252 Dez. Ludwig v. Schüpf verpfändet dem DO. in Mergentheim seine Güter in Thibach um 70 Pfd. Hllr. W. F. 5, 77.

1255. Derselbe verkauft den Weiler Deubach für 140 Pfd. Hllr. an den Deutschorden. St.A.

1268 Nov. 30. Heinrich v. Hohenlohe (Brauneck) für sich und seinen als Geisel in Gefangenschaft befindlichen Bruder vergleicht sich mit dem DO. in Mergentheim über Woltzo genannt Mönch von Thybach und überläßt die Gilt von einem Malter Weizen von einem Acker in Thybach an DO. (Bauer.)

1364. ? Das Hochstift Würzburg belehnt den Götz von Simmringen mit den Gütern zu Diepach, welche Konrad Zolner daselbst baute. Mon. bo. 42, 372.

1370. Lutz Truchseß hat als Hohenlohe-Weikersheimsches Lehen den halben Zehnten zu Tyebbach. Hoh. Arch. 1, 350.

1371. Frau Hedwig Guldin, Emhart Glychers sel. Tochter, empfängt zu Lehen den großen und kleinen Zehnten zu Dyebach. Ebendaselbst 351.

1409. Heinrich Belz Edelknecht zu Boxberg verkauft an DO. in Mergentheim sein Gütlein, Hellergilt und Fastenhühner zu Deubach und Oberbalbach um 30 Pfd. St.A.

1418. Die Kirchenpflege zu Bernsfelden kauft den Zehnten in Tybach von Konrad v. Ehenheim. St.A.

1448. Raban Truchseß von Baldersheim verwechselt mit DO. etliche Gilten zu Oberbalbach und im Deubacher Thal. (B.)

1483 und 1491. Wilhelm Sützel von Mergentheim empfängt von Graf Kraft v. Hohenlohe den halben Zehnten zu Tybach. Arch. d. hist. V. v. Unterfr. XIV, 3, 214.

1511. Friedrich v. Rosenberg zu Boxberg verkauft an DO. in Mergentheim seinen Theil am Weinzehnten zu Oberbalbach und Daibach. (B.)

1688. Deubach wird von den Franzosen verbrannt.

1701. Furchtbarer Gewitterschaden in Deubach und Sailtheim.

| Der Hof Sailtheim, eine halbe Stunde nördlich vom Mutterort gelegen, ist das Stammgut der Freiherrlichen Familie Zobel von Giebelstadt-Darstadt[WS 1] und gehört dem Freiherrl. Fideikommiß-Verband Messelhausen an. Derselbe bildet eine eigene Markung und umfaßt 595 württ. Morgen, worunter 5 Morgen Wiesen, 510 Morgen Feld und 50 Morgen Wald. Der Rest besteht in Wegen, Gräben, Öden und Hofraum. (Hienach wären die Angaben auf S. 232 Ziff. 6 zu berichtigen.) Die Bewirthschaftung des Guts ist durchaus frei, nicht flürlich; da nur 5 Morgen Wiesen vorhanden sind, wird ein Hauptaugenmerk auf den Anbau von Futter, in neuerer Zeit ist fast die Hälfte der der Landwirthschaft dienenden Fläche dem Futterbau gewidmet, gerichtet. Auf dem Hofe befindet sich eine Dampf-Branntweinbrennerei, die vom Gutspächter betrieben wird.

Sailtheim, alt Seylthal (von ?) kam im 14. Jahrhundert von den Herren v. Finsterlohe und (nach H. Bauer) von den Pfahl zu Königshofen an den Deutschorden.

1383. Götz und Albrecht v. Finsterlohe und ihre Ehefrauen Katharine und Anna verkaufen den großen und kleinen Zehnten zu Seyltal an Deutschorden um 100 Pfd. St.A.


Anmerkungen (Wikisource)

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