Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 31

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31. Nieder-Rimbach,
Gemeinde III. Klasse mit 388 Einw., worunter 2 Kath. a. Nieder-Rimbach, Pfarrdorf, mit 308 Einw.; b. Standorf, Weiler, mit 80 Einw. Die Kath. sind nach Laudenbach eingepfarrt.


Der Ort liegt in Obstbäumen versteckt am Zusammenfluß des von Standorf herabkommenden munteren, mit Erlengebüsch umsäumten Rimbachs oder Dägelbrunnenbaches und des von Neubronn herkommenden Neubronner Baches.

Das etwas erhöht im ummauerten lieblichen Friedhof liegende Kirchlein ist sehr alt, hat einen Ostthurm mit noch rings umher gehendem schönem romanischem Sockel. Im Bogenfenster seines ersten Geschosses ein Fratzenkopf; die Schallfenster mit Säulen, neu, wie es scheint, den alten romanischen nachgebildet.

Auf der Mauer des Friedhofes ein schönes frühgothisches Steinkreuz. – Der Helfer von Creglingen versieht den Gottesdienst; die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde.

| Ein Schulhaus ist vorhanden, mit einem Lehrer, das Rathszimmer befindet sich im Wirthshaus zum Roß; ein Armenhaus und ein Schafhaus besteht. Gutes Trinkwasser liefern stets reichlich 2 laufende, 3 Schöpf- und 17 Pumpbrunnen; in der Nähe des Orts entspringt der Hagenbrunnen. Die Vizinalstraße von Creglingen nach Weikersheim geht durch den Ort; 2 steinerne Brücken und eine hölzerne, sowie zwei Stege, führen im Ort über den Rimbach.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner gehören zu den mittleren; der größte Grundbesitzer hat 86, der Mittelmann 30 Morgen Feld. Die Haupterwerbsquellen bestehen in Feldbau, Viehzucht und Weinbau. Zwei Schildwirthschaften und zwei Mühlen, je mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang sind vorhanden. Der Boden ist mittelfruchtbar, meist seichtgründig, das Klima mild, Hagelschlag ist selten.

Die Landwirthschaft wird fleißig betrieben, man baut die gewöhnlichen Getreidearten, und es können noch einige hundert Scheffel nach außen verkauft werden. Der Futterkräuterbau ist von keiner Bedeutung, der Wiesenbau nicht unbeträchtlich, die meisten Wiesen sind dreimähdig, etwa 80 Morgen bewässerbar. Futter muß noch zugekauft werden. –

Der Weinbau (meist schwarzes Gewächs) ist nicht ausgedehnt, der Wein mild und wohlschmeckend.

Die Obstzucht nimmt zu, man pflanzt meist rauhe Sorten, eine Gemeindebaumschule besteht, woraus, wie auch aus Amlishagen und Vorbachzimmern, die Jungstämme bezogen werden.

Aus der Brach- und Stoppelweide und der auf den Ödungen erhält die Gemeinde jährlich 825 M., aus der Pferchnutzung 1200 M. Allmanden sind keine vorhanden und nur 2 Morgen Gemeindewald (Nadelholz).

Die Viehzucht ist nicht gerade bedeutend, man hält einen Simmenthaler Farren. Der Schäfereipächter läßt 200 Bastardschafe auf der Markung laufen und im Ort überwintern. Die Bienenzucht ist im Zunehmen; der Rimbach führt Forellen, und es wird das Fischrecht, das der Gemeinde zusteht, jährlich um 5 M. vergeben.

Die sog. Barbarastiftung trägt jährlich 17 M. für Brot an Arme und Kinder.


Nieder-Rimbach, alt Rintbach, Bach in welchem das Rind getränkt wird, kam mit Creglingen (s. d.) um die Mitte | des elften Jahrhunderts von Baiern theilweise an das Bisthum Bamberg, welches 1125 noch Anderes, was Kloster Hirschau 1103 von einem Herrn v. Röttingen daselbst erhalten hatte, hinzukaufte. Bamberg scheint den Besitz bald an Würzburg abgetreten und dieses die Herren v. Hohenlohe-Brauneck damit belehnt zu haben. Von ihnen kamen schon 1219 und wieder 1325 vorübergehend Güter in Rimbach an den Deutschorden. Anderes ist im 14. Jahrhundert Eigenthum theils derer v. Finsterlohe (1347), theils der Herren von Rhein, welche es 1338 dem Burggrafen von Nürnberg zu Lehen auftragen. Fortan theilen sich Hohenlohe und Brandenburg-Nürnberg, später Ansbach in den Besitz, der Seitens Hohenlohe an die von Reinsbronn, die Mertin von Mergentheim, die von Ehenheim und am längsten an die Truchsesse von Baldersheim verliehen ist. Seit 1602 hatten Hohenlohe und Ansbach den Ort unmittelbar inne. Durch den Landesvergleich vom 21. Juli 1797 wurde der ganze Ort Ansbachisch und theilte weiterhin das Schicksal von Creglingen.


1045 s. Creglingen.

1103. Kloster Hirschau erhält von Diemar, dem Sohne Erkinberts v. Röttingen, ad Rintbach 103 (Jauchert) arabilis terrae et plus quam 100 de silva. Cod. hirs. 44.

1125. Bischof Otto v. Bamberg verkauft das Gut des Klosters Hirschau apud Rintpach mit den anhängenden villulis und den zum Gut gehörigen Leuten für 100 Pfund, mit folgenden näheren Bestimmungen: Wenn ein Dienstmann eine consocialem Frau heiratet, und von ihr einen Sohn hat, soll dieser den Vater beerben, nicht aber der Sohn einer fremden Mutter; die Dienstleute sollen alle Rechte derer im Bisthum Bamberg haben; der Schirm des Allods wird dem Grafen Ratpoto übertragen, welcher es an keinen andern verleihen darf und von jedem Mansus 1/2 Scheffel Haber auf Martini erhält; mit den Zinsleuten hat er nichts zu verhandeln, außer im Fall eines Streits unter denselben, zu dessen Beilegung er vom Bischof berufen wird. U.B. 1, 365. Ausgenommen von dem Kauf werden die Leibeigenen, welche zu dem Gut gehörten. Cod. hirs. 46.

1219. Die Brüder Heinrich und Friedrich v. Hohenlohe übergeben vor Bischof Otto v. Würzburg bei ihrem Eintritt in den DO. diesem ihre sämmtlichen Güter, darunter solche in Rinpach. U.B. 3, 95.

1277. Gottfried v. Hohenlohe-Brauneck trägt seinen Weiler Rimpach zum Ersatz für den Lohrhof dem König Rudolf zu Lehen auf. Reg. bo. 4, 45. Wib. 4, 17. St. 2, 547.

1325. Ofmya v. Tuvers, Witwe des Andreas v. Brauneck, verkauft an das DO.shaus zu Virnsberg (BA. Ansbach) den halben Hof zu Rimbach (?) u. A. Reg. bo. 6, 184.

| 1338. Götz und Herold, Gebrüder v. Rhein, tragen ihr frei eigenes Gut zu Niedern-Rentpach mit allen Zu- und Eingehörungen dem Burggrafen Johann v. Nürnberg zu Lehen auf. St.A. Uffenh. Nebenst. 2, 202.

1347 s. Creglingen.

1369. Heinrich v. Reinsbronn verkauft alles, was er hat im Dorf und in der Mark zu Rymbach, das gen Creglingen pfarret, an Hans Truchseß v. Baldersheim, Güter und Häuser und Gilten und 7 Pfd. Hellergeld, Eigen und Lehen, um 650 Pfd. Hllr. Arch. d. h. V. v. Unterfr. XIV, 3, 143.

1375 s. Bowiesen (Bernsfelden.)

1381. Im Krieg der Städte gegen den Bischof v. Würzburg und andere Herren wird von den Städtern auch Rimbach zerstört. W. F. 1854, S. 92.

1393. Weyprecht Mertin v. Mergentheim und Hans Mertin sein Sohn verkaufen dem Truchseß v. Baldersheim all ihre Gut zu Rimpach in Dorf und Mark, die vormals Kunzen v. Reinsbronn gewesen sind, um 190 fl. Arch. d. h. V. v. Unterfr. XIV, 3, 149.

1394. Heinrich v. Reinsbronn verkauft an Hans Truchseß von Baldersheim was er hat zu Rympach zu Dorf und Mark um 50 Pfd. Hllr. Ebend.

1398. Bezold Tünne der Ältere v. Ehenheim zu Hohenloch gesessen und seine Ehefrau Katrein Zoblin verkaufen ihre Gut zu Rinpach um 282 fl. rh. an Peter v. Klingenstein v. Ehenheim. Arch. d. h. V. v. U.fr. XIV, 3, 150.

1403. Unter dem Brauneckschen Erbe, das an Margarete von Brauneck fällt, ist auch Rimbach. Wib. 1, 146.

1408. Bei einer Theilung zwischen Hans und Fritz Truchsessen v. Baldersheim fällt an jenen, was der Vater und er bisher besessen zu Rimpach. Arch. d. h. V. v. U.F. XIV. 3, 158.[ER 1]

1421. Hans v. Ehenheim, v. Klingenstein genannt, und seine Ehefrau Margarete Zoblin verkaufen an Hans Truchseß v. Baldersheim alle ihre Gilten und Güter zu Rimpach, das meiste Lehen von Albrecht v. Hohenlohe, sammt Gericht, Vogtei, Mannschaft etc. um 267 fl. 1 Ort (Viertel) 2 Pfennig. Ebend. 165.

1427. Albrecht v. Hohenlohe verleiht Hansen Truchseß v. Baldersheim Güter und Gilten in Rimbach zu rechten Mannlehen. Ebend. 172.

1438. Vor dem Landgericht zu Würzburg erscheinen Konz Peter, Heinz Bischof, Hans Rabnold, Hans Bischof, Konz Reinbold, Hans Nagel, Hans Büttel und Fritz Rymbach, sämmtlich Schöpfen am Gericht zu Rympach und alle zu Rimbach gesessen, und beschweren sich, daß ein böser Leumund auf sie gehe, als ob sie ein falsch Urtheil gesprochen und für altes Herkommen erklärt hätten, daß Herr Hans Truchseß v. Baldersheim Vogt und Herr zu Rimbach sei und da zu gebieten und verbieten habe in Feld und Dorf. Solches Leumunds seien sie ganz unschuldig und haben kein Urtheil gesprochen. Das Landgericht erkannte: Sintemal die genannten Schöpfen also vor Gericht gekommen waren ungebunden und ungefangen und da stunden als freie Franken, dürfen sie mit ihrem Rechten zu Gott und den Heiligen erweisen, daß sie des genannten Leumunds unschuldig | seien; und sie erwiesen nun das, jeglicher mit seinem Eide, als Recht ist. Ebend. 175.

1465 wird für Jörg Truchseß v. Baldersheim ein Zinsbuch gemacht über seine Zinse und Gilten in Rimbach. Darin schreibt Jörg Truchseß: ein Hof zu Rimbach sollte in 4 Theile getheilt werden, was meine Ahnherren nur unter der Bedingung zugaben, daß von den Vieren, welche den Hof theilten, jeder ein Pferd auf demselben haben sollte. Ebend. 190.

1468. Hans Prentz zu Rimbach und seine Ehefrau verkaufen Jörgen Truchseß v. Baldersheim eine Hofreit und Kelter in Rimbach bei dem Kirchhof gelegen und ein Wiesflecklein daran, das zu Lehen von dem Junker gegangen, um 181/2 fl. Ebend. 195.

1469. Hans Schaur zu Rettersheim und Frau verkaufen an denselben ihren Theil an den 2 Rainwiesen in Rimbach, die sie von ihm zu einem Erbe inne hatten. Ebend. 186.

1473. Jörg Truchseß v. Baldersheim wird von Hohenlohe mit Gütern und Gilten zu Rimbach belehnt. Ebend. 199.

1474. Johannes Endres, Kleriker Würzburger Bisthums, von Kaiserlicher Gewalt offenbarer Schreiber, vernimmt im Schloß zu Aub Kundschaft, und alle Aussagen bestätigen, daß auf der Markung Rimbach kein fremder Schäfer weiden darf, sondern ein solcher immer gepfändet und das Pfand in Creglingen vertrunken werde; von den Gütern aber, welche dem Jörg Truchseß v. Baldersheim, „unserem natürlichen Vogt und Herrn des Dorfs Nieder Rimpach“, wie schon seinen Eltern gilt- und zinsbar sind, habe nur er Handlohn zu nehmen und sie zu verleihen. Einer der Zeugen war Graf Albrechts v. Hohenlohe sel. und Hrn. Konrads v. Weinsberg sel. Knecht und Waldförster gewesen über das Holz Bockstall, das gen Creglingen gehört. Ebend. 200.

1489. Georg Truchseß v. Baldersheim erhält von Hohenlohe wieder zu Lehen die Güter und Gilten zu Nieder-Rimbach, welche er wegen Okkupation des Schlosses Kocherstetten aufgeschrieben gehabt; derselbe wird mit Nieder-Rimbach

1491. 1506 neu belehnt. W. F. 6, 130. 214.

1519. Derselbe verhandelt mit Graf Albrecht v. Hohenlohe, daß seine Vetter die Truchsesse v. Baldersheim alle zusammen mit den Gütern zu Nieder-Rimbach belehnt werden möchten; Sigmund wird belehnt, Philipp Truchseß v. Baldersheim und seine 2 Brüder Philipp der mittlere und Philipp der jüngere empfangen den von ihrem Vetter Georg Truchseß v. Baldersheim ererbten Theil an den Gütern und Gilten. Ebend. (Ob dieses alles 1519?)

1552. Sigmund Truchseß v. Baldersheim baut einige Häuser in Nieder-Rimbach. St.A.

1554. Sebastian Truchseß v. Baldersheim für sich und seine Brüder Hans und Sigmund werden nach ihres Vaters Sigmund Tod von Hohenlohe mit Niederrimbach belehnt. W.F. 6, 130.

1557. Die Gemeinde Nieder-Rimbach legt ihre Stiftungsrechnung noch vor dem Truchsessen von Aub ab, obgleich der Markgraf daselbst Vogtherr ist. (Nürnb. Kreisarchiv.)

| 1567. 1570. 1577. Sigmund Truchseß v. Baldersheim wird belehnt.

1601. Die Vormünder Georg Sigmunds werden belehnt. W. F. 6, 130 f.

1602. Nachdem der unmündige Georg Sigmund Truchseß von Baldersheim als der letzte dieser Familie gestorben, zieht Hohenlohe die Unterthanen und Gefälle zu Nieder-Rimbach ein und bestellt sofort einen Hohenlohischen Schultheißen. Zugleich erheben sich aber wie schon früher Irrungen mit dem andern Lehensherrn Brandenburg-Ansbach, welche schließlich dahin beigelegt werden, daß Kirche und Kirchhof und 8 Unterthanen dem letzteren allein, das ganze Dorf sonst Ansbach und Hohenlohe gemeinschaftlich zuständig sind. St.A. W. F. 6, 131. Uff. Nebenst. 2, 202.

1676. Der Schulmeister zu Nieder-Rimbach, der zugleich Meßner und Gerichtsschreiber ist wird fortan wechselweise von Ansbach und Hohenlohe-Weikersheim gesetzt. Uff. N. 2, 223.

1737. Die Kirche wird renovirt. Stieber Nachr. v. Brand. Onolzb. 292.


Der Weiler Standorf liegt friedlich und schön im Obstbaumwald, am Zusammenfluß des Rinderfelder und Streichenthaler Baches. Eine herrliche überwölbte Quelle im Ort, mit dem Ansbachischen Wappen und der Jahreszahl 1703, gibt das nöthige Wasser.

Was aber den besonders in der Obstblüthe so anmuthigen Ort eines Besuches werth macht, ist die zum Weiler gehörige Ulrichskirche, in der alle vier Wochen der Stadtpfarrer von Creglingen Gottesdienst hält.

„Wo hinflatternd die Nachtigall mit helltönenden Lauten klagt aus grünenden Schluchten“, liegt auf der Bergkuppe, einsam und hoch über obst- und waldreichen, lieblichen Thälern und den freundlichen Häusern des Weilers Standorf die Kirche, eines der merkwürdigsten Bauwerke aus der Zeit des spätromanischen Stils. Eine starke, von dichtem Epheu bewachsene Mauer umschließt die Kirche, und nahe dabei, noch am Berge, quillt der nie versiegende, alterthümlich in Stein gefaßte, eiskalte Ulrichsbrunnen hervor. Die Schönheit und Stille des Orts, das hohe Alter (Beginn des dreizehnten Jahrhunderts), sowie das Eigenartige und wirklich Geistreiche der Anlage und Bauart macht dieses, nur eine halbe Stunde von der Herrgottskirche bei Creglingen entfernte, fast ganz vergessene Kirchlein eines Besuches werth. Wer von der Herrgottskirche auf altem Wallfahrtsweg aus dem waldigen Thal heraufsteigt, sieht bald den Thurm der Ulrichskirche hinragen über die Hochfläche; wie er näher kommt, trennen schroffe, von hohem Buschwerk erfüllte | Schluchten, dem Aufenthalt zahlreicher Nachtigallen, die Stelle, wo das Kirchlein steht. Dasselbe muß, als es noch vollkommen erhalten war, der so anmuthigen und friedlichen Landschaft einen ungemeinen Schmuck verliehen haben. Damals erhoben sich noch seine beiden Thürme mit ihren spitzen Dachhelmen, dazwischen die schön vortretende halbrunde Chorabside, an die sich gegen Westen das mit einem Zeltdach bedeckte Achteck anschloß. Jetzt hat nur noch der nördliche Thurm seine drei Stockwerke, wird jedoch von unschönem niedrigem Satteldache bekrönt, und über alles Andere legt sich ein breites, schwer lastendes Giebeldach, das die ursprüngliche feine Durchgliederung der ganzen Baugruppe verhüllt; leicht aber erkennt man diese bei näherer Betrachtung. Die Kirche bildet nämlich die seltene Form eines regelmäßigen Achtecks, von dem sechs Seiten vollkommen ausgeprägt sind, statt der übrigen zwei fügt sich gegen Osten ein quadratischer Chor, der in eine stattliche halbrunde Abside ausgetieft und von zwei Thürmen flankirt wird. An dem (nur noch mit dem ersten Stockwerk erhaltenen) Südthurm baut sich gegen Osten ein zierliches steinernes halbrundes Erkerchörchen hervor, am Nordthurm war ohne Zweifel, wie die zwei Tragsteine beweisen, eine Thüre sammt Austritt.

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Das Innere der Kirche ist vollständig erhalten, der Achtecksbau, unten umher durch Blendbögen belebt, hat eine flache, in der Mitte auf alter Holzsäule ruhende Balkendecke, der Chor ein kraftvolles Rippenkreuzgewölbe auf Ecksäulen, die Chorabside ein Viertelskugelgewölbe, beide Thürme sind tonnengewölbt und öffnen sich mit Rundbogenthüren gegen den Chor, wie überhaupt alle Wölbungen noch im Rundbogen ausgeführt sind. Die Dimensionen der Kirche sind mäßig, aber wohl abgewogen: die äußere Länge einer Achtecksseite beträgt 14 Fuß, und ebensoviel die äußere Seitenlänge der Thürme, die innere Länge einer Achtecksseite mißt 101/2 Fuß, und ebensoviel die innere Seitenlänge des quadratischen Chors; die größte innere Breite verhält sich zur größten inneren Länge wie 2 : 3. Aber nicht blos die Verhältnisse, auch die Ausführung, die Verzierungen und die Gliederungen sind, bei aller Sparsamkeit, sehr wirksam, zeugen von einer hochentwickelten Kunstübung. Sämmtliche Säulen haben zarte, tief unterhöhlte Füßchen mit Eckblättern und sehr schöne Kapitelle, an denen aus reichen, z. Th. diamantirten Blättergeschlingen Drachen oder Masken hervorschauen. Diamanten reihen sich auch um das über dem weich profilirten | Portal sich befindliche Rundfenster des Achtecks und um das wirksame Kranzgesims desselben. Wandbänder gliedern Achteck und Thürme, Halbsäulchen die Chorabside, tiefe, in der Mitte von einer Säule getheilte Bogenfenster das oberste Stockwerk des Thurmes; Alles trotz der ausnehmenden Härte des Bausteines (löcheriger Muschelkalkdolomit) mit großer Schärfe und Sicherheit gearbeitet.

Die so reich gegliederte Ostseite der Kirche steckte bis auf die jüngste Zeit bis an die Fensteröffnungen im Schutt, hatte daher ihre Wirkung beinahe verloren; man mußte tief hinabgraben, bis der rings um das Gebäude laufende wohlgebildete Sockel, der geschmackvolle Tragstein des Erkerchörchens und die Füßchen der Wandsäulen der Chorabside mit ihren graziösen, immer wechselnden Eckblättern sich zeigten, bis dieser ganze Theil des Gebäudes seine richtigen Verhältnisse und seine monumentale Würde zurückbekam. Auch gelang es, noch ein großes Stück von dem verschwunden gewesenen, auch reich diamantirten steinernen Dachgesimse der Chorabside zu finden, so daß sich jetzt, im Geiste wenigstens, das Bauwerk in allen seinen Formen wiederaufrichten läßt, bis vielleicht einmal ein gütiges Geschick seine vollständige Wiederherstellung ermöglicht und dadurch einen baulichen Eindruck schafft, der zu den reizendsten und eigenthümlichsten unseres Landes gehört.

Auf dem Boden des Chors liegt ein sehr alter mit rauhgeschafftem erhabenem Kreuz versehener Grabstein eines Geistlichen. Am Chorstuhl die Wappen von Ansbach und Seckendorf und die Jahreszahl 1569, sowie das Zeichen des Verfertigers J. V. S.

Auch fand sich an der breiten Leibung des Triumphbogens, nachdem wir die Tünche abgeschlagen, ein schönes reiches spätgothisches Rebengewinde noch wohl erhalten angemalt. – Auf dem Altar ein frühgothischer in Holz geschnitzter Krucifixus mit großem Schurz, gekreuzten Füßen, alterthümlichem Haupt.

Die Glocken auf dem Thurm sind aus neuerer Zeit. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde Standorf. In der Nähe der Kirche beim Ulrichsbrunnen soll ein Schlößchen, wahrscheinlich Pfarrhaus gestanden sein, an dessen Stelle man noch auf Mauerreste stößt.

| Standorf, wohl mundartlich für Steindorf, trugen die Herren von Hohenlohe mit Neubronn, Oberndorf und andern Orten der Herrschaft Röttingen vom Kloster Fulda zu Lehen (s. Neubronn.) Es blieb mit jenen Orten Hohenlohisch, als die genannte Herrschaft 1345 an Würzburg verkauft wurde, kam aber mit Neubronn und Oberndorf 1396 durch Heirat an Konrad v. Weinsberg, und von diesem nicht wie jene beiden Orte an Rosenberg und Würzburg, sondern an Brandenburg-Ansbach, so daß es ganz die Schicksale von Creglingen theilte.

Seit 1429 hatte der Pfarrer von Creglingen wöchentlich in Standorf eine Messe zu verlesen; seit 1570 besorgte der Unterkaplan von Creglingen den evangelischen Gottesdienst. (Uff. Nebenst. 2, 212 f.)


1292. Kraft v. Hohenlohe verkauft zeitweilig seine Güter zu Standorf für 235 Pfd. Hllr. an Deutschorden. St.A.

1408. Bei einer Theilung zwischen Hans und Fritz Truchsessen v. Baldersheim fällt an jenen, was der Vater und er bisher besessen zu Standorf. Arch. d. h. V. v. Unterfr. XIV, 3, 158.

1429. Konrad v. Weinsberg urkundet, daß die Gemeine zu Standorf ein allda gelegenes eigenes Gütlein nebst einem in das Gemeinholz gehörigen Lehen-Laub an den Pfarrer zu Creglingen übergeben, wofür derselbe wöchentlich eine Messe in Standorf verlesen soll. St.A. Uffenh. Nebenst. 2, 212.

1531. Die Gemeine Standorf verkauft an die Engelpfründe zu Creglingen eine jährliche Gilt von 1/2 Fuder Wühlwein, Creglinger Aich, um 60 fl. rhein. auf Wiederlösung binnen 36 Jahren. Ebend.

1544. Hans Jagstheimer zu Rothenburg hat von Brandenburg-Ansbach einen Hof in Standorf zu Lehen. St.A.


Errata

  1. ergänzt gemäß Berichtigungen und Ergänzungen, Seite 836.
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