Beschreibung des Oberamts Nürtingen/Kapitel B 3

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3. Altdorf,


Dorf, Gemeinde III. Cl. mit 440 Einwohnern (worunter 3 Katholiken), Filial von Neckar-Thailfingen, 21/4 Stunde südwestlich von Nürtingen an der Staatsstraße von Stuttgart nach Urach, Reutlingen etc. (Forstamts Urach). Eine kleine Hochfläche, östlich gegen den Nettelbach und die Authmuth, nördlich gegen das Neckarthal gesenkt, bildet die Markung dieser Gemeinde, deren Boden, meist ein tiefgründiger Lehmboden, zu den besseren des Bezirkes gehört. Die Luft ist trocken und scharf. Der Feldbau ist ausgedehnt und lohnend, besonders ergiebig an Dinkel und Haber; auch der Hanf geräth hier vornehmlich gut, und unter andern Bracherzeugnissen hauptsächlich die Kartoffel. Es gibt Äcker, die mit 600 fl. der Morgen bezahlt werden.[1] Der mittlere Preis der übrigen Güter | ist 200–250 fl. Der Wieswachs ist gut und ergiebig, aber gleichwohl sehr unzulänglich; die Wiesenpreise stehen zu 200–400–600 fl. Der Holzertrag deckt bei weitem nicht den Bedarf. Die Rindviehzucht ist bedeutend und verbessert sich sehr durch Einführung der Simmenthaler Race. Der Handel mit Vieh und Viehmastung ist eine Haupteinnahmequelle. Leider findet man aber auch noch Stellvieh, das den Juden gehört. Altdorf hat verhältnißmäßig die meisten Schafe im Oberamt, einzelne Bürger gegen 300 Stück Bastarde, die hier gewintert werden. Die Gemeinde erhebt 450 fl. jährl. Pacht von der Schafweide, die übrigens sehr mittelmäßig ist. – Gewerbe sind nur die unentbehrlichsten, Schildwirthschaften zwei vorhanden. Auch hat die Gemeinde in neuerer Zeit ein Gemeindebackhaus errichtet.

Die Vermögensumstände der Einwohner sind verhältnißmäßig gut, die der Corporation, vor einigen Jahrzehnden sehr verwahrlost, jetzt geordneter. Es ist ein kleines Stiftungsvermögen von 1100 fl. vorhanden. Der Großzehnten ist zu 13/24 und 11/24 zwischen dem Hospital Kirchheim und dem Staat getheilt. Letzterer Antheil rührt von den Stiftern Sindelfingen und Oberhofen bei Göppingen. Den kleinen Zehnten bezieht die Pfarrei Neckar-Thailfingen. Den Heu- und Öhmd-Zehnten haben theils die Wittummaier, theils der Staat zu erheben. Bedeutend waren die auf den Gütern haftenden Lasten und Abgaben, welche zum größten Theil, als vom Kloster Denkendorf rührend, das in Altdorf Grundherr war, dem Staat entrichtet werden mußten, in neuester Zeit aber abgelöst worden sind.

Altdorf ist ein hochgelegener Ort, ziemlich unregelmäßig gebaut, und in den Nebenstraßen unreinlich. Die 1827 von der Gemeinde neu erbaute, kleine Kirche hat ein gefälliges Aussehen, aber ein äußerst einfaches Innere; es werden in derselben von dem Pfarrer in Neckar-Thailfingen jährlich 58 Gottesdienste, darunter 26 Sonntagspredigten, gehalten. Die alte Kirche wurde abgebrochen. Der Begräbnißplatz ist 1824 am Nordende des Dörfchens neu angelegt worden. Der Kirche gegenüber steht das Rathhaus, in welchem sich auch das Schullokal befindet. Der Ort hat wegen seiner hohen Lage bisweilen Wassermangel. – Altdorf, das früher zum Klosteramt Denkendorf gehört hatte, ist erst 1808 dem diesseitigen Bezirke zugetheilt worden.

| Besitzungen hatten hier, von Klöstern: Sirnau einen Hof seit dem Jahr 1280, laut Eßlinger Archivalurkunde, welche die früheste Nennung des Ortes enthält; Kloster Hirschau Güter, welche es im Jahr 1341 u. f. an die Schillingische Familie verlieh. Das oben erwähnte Kloster Denkendorf machte hier zu verschiedenen Zeiten Erwerbungen, im Jahr 1385, 1427 von der Familie Kayb (von welcher ihm im erstgenannten Jahre die hiesige Kirche verpfändet wurde) und im Jahr 1447 23. Juli von Berthold von Baustetten, dessen Vater Heinrich seinen hiesigen Besitz von den von Kayb erheirathet hatte; der Besitz bestand in der Vogtei, allem Gericht, Zwäng und Bänn, insonderheit 5 Höfen, Oheimshof, Freihansenhof, Kuonhansenhof, Rohrershof, Kolbenhof. (Archivalurkunde, Schmidlin Beitr. 2, 46. 69. 276.)

Vom Adel dieses Ortes kommt am frühesten vor Friedrich von Altdorf in einer Archivalurkunde von 1291 Juni 26. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verkaufte Berthold von Altdorf die hiesige Vogtei um 150 Pfd. an Fritz Kayb. Dns Bertholdus de Altorf al. dictus Coler miles † 1386 März 23. ist in Denkendorf begraben, wo noch ein Grabdenkmal seinen Namen angibt.[2]

Fußnoten:

  1. Daneben gibt es aber, was hier eigenthümlich, geringere Güter, etwa 15 Morgen, welche (laut den uns mitgetheilten Notizen) so schwer mit Abgaben belastet sind, daß der Besitzer sich glücklich preist, und selbst zu Geldopfern bereit ist, wenn ein Anderer sie nur annimmt. (Die Grundabgaben gegen den Staat bestehen übrigens jetzt nicht mehr. S. hiernach.)
  2. Der Ortsname heißt in einer Urk. von 1322 „Alchdorf.“ Das Kloster Denkendorf wurde 1454 durch die Räthe des Grafen Ulrich von Württemberg mit dem Dorfe dahin vertragen, daß dieses gegen Befreiung von Steuer und Dienst jährlich 12 Pfd. Heller dem Kloster reichen solle. Im J. 1523 waren (außer diesem) begütert: die Barfüßer in Reutlingen mit 1 Hof, die heil. Kreuzkaplanei in Nürtingen 1 Hof, die Frühmesse Tenzlingen 1 Lehen, das Stift Dachenhausen 1 Lehen, die Frühmesse Walddorf 1 Hof, und das Stift Oberhofen mit 1 Lehen. Auch hatten Tenzlingen und Thailfingen je einen Widumhof. Berthold Kayb verkaufte 1427 seinen Antheil am hiesigen Zehnten an St. Michaels und Barbara Pfründe in der Stiftskirche Sindelfingen. Die Burg derer von Altdorf scheint in der Zelge Friedlinbronnen gelegen zu haben, wo das Lagerbuch einen „Burgacker“ aufführt.
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