Beschreibung des Oberamts Nagold/Kapitel B 25

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Rohrdorf,
Gemeinde III. Kl. mit 676 Einw., worunter 28 Kath. – Evang. Pfarrei und Kath. Kaplanei.


An der Vereinigung des Walddorfer Bachs mit der Nagold liegt 3/4 Stunden nordwestlich von der Oberamtsstadt der mittelgroße Ort, welcher theils in die Thalebene, theils an die untersten Thalabhänge auf beiden Seiten der Nagold etwas gedrängt und unregelmäßig hingebaut ist; ein kleiner Theil des Dorfs erstreckt sich noch in das Walddorfer Thal. Die Gebäude sind mit Ausnahme von einzelnen im städtischen Styl erbauten, meist klein, jedoch freundlich aussehend. Im Ort führt eine auf 3 steinernen Pfeilern ruhende hölzerne Brücke über die Nagold und eine kleine hölzerne Brücke über einen Arm des Flusses; überdieß ist oberhalb des Dorfs eine weitere hölzerne Brücke, die sogenannte Heubrücke, über die Nagold angelegt. Sämmtliche Brücken hat die Gemeinde zu unterhalten.

Die Pfarrkirche, das Rathhaus und das ehmalige deutschordensche Schloß liegen etwas erhöht auf einem Terrainvorsprung zwischen der Nagold und dem Walddorfer Bach und tragen Vieles zu der malerischen Ansicht des Orts bei. Diese Gebäudegruppe ist mit einer festen Mauer umfriedigt, deren ehemaliger Umgang sich theilweise noch erhalten hat; außerhalb der Mauer stehen einige Gebäude, wie das Schaffnerei- und Maiereihaus, das Viehhaus etc., die nebst dem großen Schloßgarten mit einer zweiten Mauer umfangen waren.

Die im Jahr 1311 eingeweihte Kirche ist im germanischen Style erbaut, welcher übrigens durch die Entfernung des Maßwerks in den spitzen Bogentheilen der Fenster namhaft verloren hat; der mit einem halben Achteck schließende Chor ist mit Streben versehen. Auf dem First der Kirche sitzt ein im Jahr 1824 erbautes, mit einem Zeltdach gedecktes Thürmchen, das 2 Glocken enthält, von denen die größere im Jahr 1817 von Heinrich Kurtz in Stuttgart umgegossen wurde; die kleinere trägt in alten Majuskeln eine nicht zu enträthselnde Umschrift. Das Innere der Kirche ist freundlich, übrigens | ebenfalls verändert, indem die ursprüngliche gewölbte Decke in eine flache umgewandelt wurde. An der Wand stehen 2 lebensgroße, von dem früheren Hochaltar herrührende Holzbilder, Johannes und die Mutter Gottes darstellend; auf der Rückseite des letzteren steht: Herr Jörg von Hohenheim, genannt Bombast, Commenthur uf Hus hat dis Werk machen lassen anno 1485. An dieser Kirche, welche für den katholischen Gottesdienst benützt wird, ist im J. 1740 für den evangelischen Gottesdienst das Schiff in einem sehr stumpfen Winkel vergrößert und durch eine Wand von der ersteren getrennt worden; sie hat hohe rundbogige, moderne Fenster und contrastirt unangenehm mit der ursprünglichen Kirche; das Innere ist flach gedeckt, weiß getüncht und hat nichts Bemerkenswerthes. Die Kirche ist Eigenthum des Staats, der sie auch im Bau zu unterhalten hat.

Der außerhalb (westlich) des Orts gelegene Begräbnißplatz ist ebenfalls Eigenthum des Staats.

Pfarrhäuser sind keine vorhanden und beide Geistlichen, der evang. ständige Pfarrverweser und der kath. Pfarr-Kaplan, wohnen in der Hausmiethe.

Das Rathaus, ehemaliges Kaplaneihaus, ein altes massives Gebäude, das sich an die Nordseite der angebauten evang. Kirche anschließt; es hat geradlinige, gepaarte Fenster und einen rundbogigen Eingang über dem 3 Wappenschilde angebracht sind. An der nordwestlichen Ecke des Rathhauses befindet sich ein Erker. Im Innern desselben finden sich noch manche Spuren von der früheren schönen Ausstattung, wie die Decke des Hauptzimmers, welche das Maltheserkreuz in Stuck ausgeführt enthält, und ein Nebenzimmer ist an Decke und Wänden noch alt getäfelt und bemalt. Das Rathhaus enthält, außer den Gelassen für den Gemeinderath, noch ein Schulzimmer und im unteren Stockwerk eine öffentliche Backeinrichtung.

Hinter dem Rathhaus stand das Schloß von dem nur noch der massive Unterstock vorhanden ist, dem erst in neuerer Zeit ein Holzbau aufgesetzt wurde; es wurde 1811 von der Regierung verkauft und ist jetzt zu einem Magazin eingerichtet. Das noch ursprüngliche untere Stockwerk enthält schön gedreite Fenster und einen spitzbogigen Eingang, über welchem die 3 gleichen Wappenschilde wie an dem Rathhaus, nebst der Inschrift „Anno domini 1430 do wart dis hus gebut“ angebracht sind. Im Innern des unteren Stockwerkes sieht man noch schwache Spuren früherer Wandmalerei. Das ursprüngliche Schloß bestand aus vier massiven Stockwerken und war an die | Kirche angebaut, über welche dasselbe noch hinausragte; es hatte 2 Keller und außer den Zimmern eine große Küche mit einem Brunnen in derselben.

Das ansehnliche, im Jahre 1815 neu erbaute Schulhaus enthält ein Schulzimmer und die Wohngelasse des Schulmeisters und des Unterlehrers.

Eine Zehentscheuer hat die Gemeinde im J. 1852 um 845 fl von dem Staat erkauft; ein öffentliches Waschhaus, ein Armenhaus und ein Schafhaus sind vorhanden.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend 3 öffentliche laufende Brunnen und 2 Privatbrunnen; überdieß befinden sich mehrere Quellen auf der Markung, von denen die Hofersbachquelle und der Pflügwiesenbrunnen die bedeutendsten sind. Auch einige periodisch fließende Brunnen (Seltenbrunnen) sind vorhanden.

Die Nagold fließt durch den Ort und theilt sich innerhalb desselben in 2 Arme, welche eine Insel umschließen; überdies fließt der Walddorfer Bach durch einen Theil des Dorfs und mündet bei der Ortsmühle in die Nagold. Der Fluß tritt öfters aus seinem Bett und richtet zuweilen Schaden an; er beherbergt Forellen, Aschen, Schuppfische, Weißfische, Nasen, Gruppen, Grundeln und Krebse, während der Walddorfer Bach nur Forellen führt. Das Fischrecht haben Privaten.

Die Einwohner sind im Allgemeinen gesunde Leute, indessen zeigen sich bei Einzelnen Spuren von Kretinismus; sie sind fleißig, geordnet und in Folge des vielen Verkehrs nach Außen gewandt im Umgang. Die Haupterwerbsquellen bestehen in Feldbau, Viehzucht und Gewerben, welch’ letztere schwunghaft und ausgedehnt betrieben werden. Die Vermögensumstände sind, mit Ausnahme einiger wohlhabenden Fabrikanten, im Allgemeinen mittelmäßig zu nennen.

Die verhältnißmäßig nicht große Markung, von der überdieß noch ein beträchtlicher Theil aus Wald besteht, ist beinahe ganz uneben und die Feldgüter liegen meist an steilen Gehängen, weßhalb sie schwer zu bebauen und überdieß häufigen Abschwemmungen ausgesetzt sind. Der Staat besitzt auf der Markung etwa 50 Morgen Güter, die an Ortsbürger verliehen sind und überdieß haben dieselben sich noch Grundstücke auf Nagolder Markung angekauft.

Der im Allgemeinen fruchtbare Boden besteht auf den Anhöhen aus den kalkreichen Zersetzungen des Hauptmuschelkalks, an den Gehängen ist er schwerer (Verwitterungen der Anhydritgruppe und des Wellenkalks) und gegen die Thalebene hin übt der bunte Sandstein seinen Einfluß auf die Oberfläche.

| Etwa 1/8 Stunde unterhalb des Orts ist an der Landstraße nach Nagold ein Steinbruch in dem bunten Sandstein angelegt, der gute Bau- und Werksteine liefert, während der Muschelkalk auf den Feldern zusammengelesen und zu Straßenmaterial benützt wird. Ein Tuffsteinbruch befindet sich im Walddorfer Thälchen und eine Lehmgrube südlich vom Ort.

Was die klimatischen Verhältnisse betrifft, so ist es im Hochsommer auffallend heiß, während im Spätjahr viele Nebel sich einstellen und im Frühjahr nicht selten Fröste dem Obst und den feineren Gewächsen schaden, daher auch Obstzucht nicht ausgedehnt betrieben wird und der Obstertrag für das örtliche Bedürfniß weit nicht hinreicht. Übrigens hat die Gemeinde in neuester Zeit gegen 400 Obstbäume auf Allmanden pflanzen lassen.

Die Landwirthschaft wird dreizelgig und mit allgemeiner Anwendung verbesserter Pflüge fleißig betrieben; zur Besserung des Bodens kommt außer dem gewöhnlichen Stalldünger, hauptsächlich die Gülle, welche in den durchgängig mit Gülleneinrichtungen versehenen Düngerstätten fleißig gesammelt wird, in Anwendung und überdieß benützt man Gyps, Salzasche etc.

Zum Anbau kommen Dinkel, Haber, Gerste, Linsen, Erbsen und in der zu 2/3 angeblümten Brache Kartoffeln, dreiblättriger Klee, etwas Reps, Hanf etc. Der Ertrag eines Morgens wird zu 6–12 Scheffel Dinkel, 5–6 Scheffel Haber und 4–6 Scheffel Gerste angegeben; übrigens reicht das Getreideerzeugniß nicht hin, das örtliche Bedürfniß zu befriedigen, daher noch ziemlich viel Früchte von Außen bezogen werden müssen. Die höchsten Ackerpreise betragen 500 fl., die mittleren 300 fl. und die geringsten 50–80 fl. per Morgen.

Der verhältnißmäßig ausgedehnte Wiesenbau liefert im Allgemeinen gutes Futter, das jedoch an einzelnen Stellen, wie in dem Walddorfer Thal etwas sauer ist. Die Wiesen sind 2mähdig und etwa 1/3 derselben wässerbar; sie ertragen durchschnittlich 20–25 Ctr. Heu und 10–12 Ctr. Öhmd. Die ergiebigsten Wiesen werden mit 400 fl., die mittleren mit 250 fl. und die geringsten mit 80–100 fl. per Morgen bezahlt.

Die mit gewöhnlicher Landrace sich beschäftigende Rindviehzucht wird ziemlich gut betrieben und durch 2 Zuchtstiere, die ein Bürger gegen die Nutznießung von 32/8 Morgen Wiesen und 21/8 Morgen Acker hält, nachgezogen. Der Handel mit Vieh ist ganz unbeträchtlich.

Etwa 120 Stück deutsche Schafe, welche den Ortsbürgern | gehören, laufen auf der Markung; das Weidgeld trägt der Gemeindekasse 25 fl. und die Pferchnutzung etwa 150 fl. jährlich ein. Die Wolle bleibt im Ort.

Schweinezucht besteht nicht und sämmtliche Ferkel werden von Außen bezogen und nur für eigenen Bedarf gemästet.

Die Bienenzucht wird gut betrieben und Schenkwirth Conrad Breuning zeichnet sich in derselben besonders aus.

Von den Gewerben nennen wir:

1) Eine Tuchfabrik nebst Spinnerei und Appretur von Reichart und Seeger fabricirt Tücher, Modestoffe, Sardin, Buksking etc. und beschäftigt 70–80 Personen. Der Absatz der Fabrikate geht nach Baden, der Schweiz, Bayern und in das Inland. Die Tuchfabrik liegt im Ort, die Spinnerei und Appretur aber außerhalb desselben an der Straße nach Ebhausen.

2) Eine Wollspinnerei, Walke und Appretur von Calmbach und Reichart, an der Straße nach Nagold gelegen; sie arbeitet theils für die eigene Tuchfabrik, theils um den Lohn und beschäftigt vierzig Personen.

3) Eine im Ort an dem Walddorfer Bach gelegene Wollspinnerei von Georg Reichart dem Jüngeren, arbeitet um den Lohn für Fremde und beschäftigt 12–15 Personen.

4) Eine Strickerei von Gottlob Reichart, in der Leibchen, Jacken und Unterhosen verfertigt werden, beschäftigt 10 Personen und setzt ihre Fabrikate in das Inland und nach Baden ab.

5) Eine Schönfärberei von J. F. Seeger beschäftigt 4 Personen.

6) Eine Bleiche von Friedrich Dürr.

7) Eine gut eingerichtete Mühle mit 3 Mahlgängen und einem Gerbgang.

8) Zwei Zündhölzchenfabriken, worunter eine von Xaver Bareis von Bedeutung ist und 15–20 Kinder beschäftigt.

Überdieß sind die nöthigen Handwerker, 4 Schildwirthschaften, worunter 3 mit Brauereien, und ein Kaufmann vorhanden.

Durch den Ort führt die Landstraße von Nagold nach Altensteig und überdieß sind Vicinalstraßen nach Mindersbach und Walddorf angelegt.

Die Gemeinde besitzt etwa 300 Morgen Waldungen, die 120 Klafter jährlich ertragen; hievon erhält jeder Bürger 1/4 Klafter und der Rest wird verkauft, was der Gemeindekasse eine jährliche Rente von etwa 800 fl. sichert.

| Ein Heiliger ist nicht vorhanden, indem der zur Bestreitung der Ausgaben für kirchliche Zwecke vorhanden gewesene Fonds dem Cameralamt Altensteig zugewiesen wurde, welches nun diese Ausgaben zu bestreiten hat.

Der Ort gehörte ursprünglich den Grafen von Hohenberg, unter deren Oberhoheit die Vögte von Wöllhausen die Burg und die Vogtei über des Dorf besaßen. Frühe faßte der Johanniterorden allhier festen Fuß und hatte eine Commende. Derselbe erwarb im Jahr 1296 etliche Güter von dem Kloster Hirschau, im Jahr 1317 die Fischenz zu R., das Weiderecht auf den Markungen der Dörfer Nagold, Ebhausen und Mindersbach und den Mühlbann über die Bewohner Mindersbachs von Graf Burkhard von Hohenberg (Schmid Gr. v. Hohenberg Urk. 210), im Jahr 1318 den Hof nebst Kirchensatz zu Ebhausen (s. E.), im Jahr 1321 das Dorf Walddorf (s. W.). Auch sonst in der Nähe, aber auch in weiterer Entfernung überkam er nicht unbedeutende Gefälle und Einkünfte, namentlich fast den ganzen Großzehnten (beziehungsweise den Kirchensatz) in Altenburg, Rommelsbach und Oferdingen, letzteren im J. 1356 durch Kauf von Hans v. Stein zu Marchthal. – Er überwuchs in R. selbst im Erwerbsglück die Mönche des Klosters Kniebis; dieses hatte am 26. März 1303 von Gertrud, Albrecht genannt Schnitzer des Vogts von Wöllhausen Tochter und ihrem Ehemann Kraft von Derendingen für 100 Pf. Heller gekauft all ihr Gut zu R. mit der Burg, dem Dorf und der Vogtei hierüber, worauf am folgenden 15. April Benz der Schnitzer der Bruder der Verkäuferin verzichtet hatte; auch Albert Hugs sel. des Vogts von Wöllhausen Sohn hatte demselben Kloster am 6. Dez. d. J. alle seine Rechte an dem Gute zu R. abgetreten (Schmid a. a. O. Urk. 155. 162. 172).

Die Vogtei über die Commende, den Oberherren des Orts, den Grafen von Hohenberg zuständig, wurde unter denselben getheilt und gehörte halb zur Herrschaft Nagold, halb zur Herrschaft Wildberg; mit diesen Herrschaften gelangte sie 1363 und 1440 an Württemberg. Dieses hatte (nach dem Landbuch von 1623) in Rohrdorf die hohe, landesfürstliche, maleficische, gleitliche und forstliche Obrigkeit und die Unterthanen waren ihm mit besonderen Pflichten und Frohndiensten verbunden; die vogteiliche Obrigkeit besaß der Johanniterorden.

In Folge des Tagesbefehls K. Napoleons I. vom 19. Dec. 1805, vollständig übrigens erst 1809, kam der Johanniterbesitz in R. mit andern schwäbischen Johannitercommenden an Württemberg.

| An das Oberamt Nagold, von welchem die altwürttembergischen Rechte über den Ort geübt wurden, gieng derselbe erst 1808 vollständiger über, da bis dahin ein, auf den Erwerbungen von Johanniter Besitzungen errichtetes Patrimonialamt Dätzingen bestund, welchem R., soweit es dem Johanniterorden gehörte, als Patrimonialort zugetheilt war. Der letzte Comthur zu Rohrdorf und Dätzingen (welche beide längere Zeit combinirt waren), Joh. Bapt. Anton Freiherrn von Flaxlanden wohnte als Großbailli zu Neuburg an der Donau.

Von den früheren Rohrdorfer Comthuren können genannt werden: Rudolf von Masmünster 1325, Konrad der Walch 1343. 1357, Friedrich Graf v. Zollern 1361 ff., Wolf Schenk von Andeck 1398. 1401, Hans von Weitingen 1429–1450, Jörg Bombast von Hohenheim 1454–93 (Begleiter Graf Eberhards im Bart im J. 1468 auf dessen Fahrt nach Palästina), Michael von Tachenhausen 1501 bis 1540, Jörg Schilling 1524 († 1524 als Großprior zu Heitersheim, von K. Karl V. wegen seiner wichtigen Dienste in den Reichsfürstenstand, dessen sich auch seine Nachfolger zu erfreuen hatten, erhoben), Haug von Münchingen 1548, 1552, Georg Andreas Kechler von Schwandorf 1561, 1568, Karl Reuß von Reußenstein 1587. 1599.

Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde R. mit Walddorf, von dem ersteres noch 1690 Filial war, zur lutherischen Religion gebracht durch die Bemühung Hans Caspar Kechlers, fürstlichen Rathes in Stuttgart († 1576) als Administrators seines in Malta befindlichen Bruders.

Lange Zeit, namentlich noch im Anfang des vorigen Jahrhunderts, waren hier keine Katholiken mehr ansäßig und der katholische Gottesdienst wurde an Sonn- und Feiertagen nur aus der Nachbarschaft besucht. Confessionelle Reibungen wegen der Benutzung der Kirche blieben gleichwohl nicht aus. Wegen solcher wurde im Jahr 1726 der bekannte J. J. Moser von Herzog Eberhard Ludwig hierher geschickt und brachte zu Stande, daß die Katholiken ihren Kirchendienst wieder nach den Evangelischen halten mußten (Moser Lebensbeschr. 1, 69–72 Aufl. 3).

Am 14. Juni 1738 kam es zu einem Vergleich, vermöge dessen Württemberg mehrere Rechte in R. und Dätzingen an den Johanniterorden, dieser dagegen das Pfarrdorf Walddorf, wo Württemberg schon zuvor auch Rechte hatte, an letzteres abtrat.

Nachdem R. lange Zeit Filial von Ebhausen gewesen war, | wurde allhier im Jahr 1854 eine ständige Pfarrverweserei errichtet.

Von benachbarten Klöstern, welche im Mittelalter allhier Güter erwarben, sind zu nennen das Kloster Kniebis (seit 1285, die Güter 1309 der Commende R. überlassen) und das Kloster Reuthin (gleichfalls seit 1285). – An Württemberg trug Hug von Berneck im Jahr 1396 Güter und Rechte zu Lehen auf.


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