Beschreibung des Oberamts Neckarsulm/Kapitel A 5

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel A 4 Beschreibung des Oberamts Neckarsulm Kapitel A 6 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Nahrungsstand.[WS 1]


Hauptnahrungsquellen.

Die Hauptnahrungsquellen der Bezirkseinwohner bilden der Feldbau, der Weinbau und die Viehzucht, woneben auch der Waldbau viel Verdienst liefert. Die Gewerbe sind die gewöhnlichen, fast nur für den Bedarf des Bezirks. Die größere Industrie ist vertreten durch die zwei Salinen Friedrichshall und Clemenshall, die Zuckerfabrik in Züttlingen, die Schiffswerfte, eine Strickmaschinenfabrik, eine Malzextrakt- und Kaffeesurrogat-Fabrik und eine Kunstweberei in Neckarsulm, eine Zichorienfabrik in Kochendorf, eine Papierfabrik in Möckmühl, eine Karten- und Pappendeckel-Fabrik in Roigheim, 3 Cigarrenfabriken in Gundelsheim, auch mehrere größere Mühlen. Namhaft ist der Langholzhandel in Neckarsulm und der Landesprodukten- und Viehhandel der ziemlich zahlreichen Israeliten des Bezirks. (Näheres siehe unten).

|
Vermögen.

A. Geldwerth des steuerbaren Grundeigenthums.

Derselbe berechnet sich nach den bei der provisorischen Steuerkatasteraufnahme vom Jahr 1823 zu Grund gelegten Schätzungen des Reinertrags wie folgt:

Stand vom 1. April 1880.
Morgen Viertel Reinertrag Kapitalwerth
im 25 fachen
Betrag
fl. kr. fl. kr.
Zelglich gebaute Äcker 41.977 11/2 206.971 13 5.174.280 25
nicht zelglich gebaute Äcker 40 54 49 1370 25
einmähdige Wiesen 611 31/2 2736 1 68.400 25
zweimähdige Wiesen 6186 1/2 50.998 6 1.274.952 30
Baumäcker, Küchengärten und Länder 1639 7819 53 195.497 5
Gras- und Baumgärten, Baumwiesen 1007 11/2 10.010 9 250.253 45
Weinberge 2861 21/2 18.861 40 471.541 40
Waldungen 22.437 31/2 33.581 57 839.548 45
Weiden mit bestimmter Fläche 513 20/0 408 24 10.210
Schafweiden mit unbestimmter Fläche
bei geschätzten 14.790 Stück
2465 57 61.648 45
Steinbrüche, Fischwasser, Lehmgruben 4 31/2 141 18 3532 30
Zusammen       77.279 21/2 334.049 27 8.351.236 15

Unter dieser Summe ist jedoch der Grundbesitz des Staats und anderer steuerfreier Institute nicht begriffen. Ersterer besteht nach der im Jahr 1849/50 gefertigten Übersicht in nachstehenden nutzbaren Flächen:

Morgen. Ruthen.
Gemüse- und Blumengärten 127/8 0,7
Gras- und Baumgärten 227/8 23,2
Länder 44/8 17,9
Flürlich gebaute Äcker ohne Bäume 8006/8 24,7
Flürlich gebaute Äcker mit Bäumen 75/8 39,8
Willkürlich gebaute Äcker ohne Bäume 770/0 43,0
Willkürlich gebaute Äcker mit Bäumen 83/8 44,8
|
Morgen. Ruthen.
Weinberge zum Weinbau bestimmt 7/8 12,5
Weinberge zu anderen Kulturen verwendete 27/8 34,6
Zweimähdige Wiesen mit Obstbäumen 54/8 30,3
Zweimähdige Wiesen ohne Obstbäume 3217/8 34,4
Einmähdige Wiesen mit Obstbäumen 40,8
Einmähdige Wiesen mit Waldbäumen und Gebüsch 60/0 15,1
Einmähdige Wiesen ohne Bäume 325/8 46,4
Laubwaldungen 52815/8 34,8
Nadelwaldungen 263/8 6,1
Gemischte Waldungen 3112/8 8,3
Weiden mit Obstbäumen 7/8 25,0
Weiden mit Holz bewachsen 10/0 10,3
Weiden nur mit Gras bewachsen 92/8 38,6
Öden 494/8 23,3
Steinbrüche 27/8 22,1
Erz-, Thon-, Sand- und Mergelgruben 43,0
Seen und Weiher 1/8 25,0
Flüsse und Bäche 8690/0 32,6
Straßen und Wege 2772/8 29,6
Zusammen       81345/8 34,9

B. Geldwerth des Viehstandes.

Nach der neuesten Aufnahme des Viehstandes vom 10. Januar 1873 und dem früher diesfalls angenommenen Werth der verschiedenen Viehgattungen beträgt der Werth der

|
Pferde von 3 Jahren und darüber 1262
Pferde unter 3 Jahren 58
1320 Stück à 50 fl. = 66.000 fl.
Maulthiere und Esel 1 Stück à 10 fl. = 10 fl.
      Rindvieh und zwar:
Zuchtstiere 89
Ochsen und Stiere über 2 Jahre 1184
Kühe 6235
Jungvieh 1/2–2 Jahre alt 4930
Kälber 1862
14.300 Stück à 25 fl. = 357.500 fl.
Schafe, spanische 201
Schafe, englische 4
Schafe, Bastard- 9404
Schafe, Land- 2224
11.833 Stück à 6 fl. = 70.998 fl.
Schweine 5316 Stück à 8 fl. = 42.528 fl.
Ziegen 1072 Stück à 5 fl. = 5360 fl.
Bienenstöcke 1587 Stück à 5 fl. = 7935 fl.
Zusammen       550.331 fl.
Es beträgt hienach der Gesammtwerth des unbeweglichen
Vermögens nach dem Steueranschlag und des Viehstands
35.483.330 M.
      und zwar
des steuerbaren Grundbesitzes 14.316.405 M.
der steuerbaren Gebäude nach dem Gebäude-Kataster vom Jahr 1880 20.223.500 M.
des Viehstandes 943.425 M.
Zusammen       35.483.330 M.


Wirthschaft.

A. Urproduktion.
a) Gewinnung von Mineralien.[1]

Unter den nutzbaren Mineralien des Bezirkes spielt die erste Rolle das Salz. Das Steinsalzlager von Friedrichshall ist durch einen Schacht aufgeschlossen, der jährlich über 1 Million Ctr. Steinsalz liefert. Die Soole für die beiden Salinen Friedrichshall und Clemenshall wird aus den Bohrlöchern zwischen Jagstfeld und Offenau gewonnen.

Groß ist der Reichthum des Bezirkes an Gyps, der sowohl im mittleren Muschelkalk bei Roigheim als im unteren Keuper bei Neckarsulm gebrochen wird. Der rohe Gyps wird gebrannt zu Bauzwecken, der größere Theil aber gemahlen als Düngermittel verwendet. In dieser letzteren Form wird derselbe weit den Neckar und Rhein hinunter abgesetzt.

| Vielfache Verwendung finden die Schichten des Hauptmuschelkalks. Bevorzugte Lagen von Steinbrüchen sind hart am Neckar, von wo die Steine unmittelbar in die Schiffe verladen werden können. Die reineren Bänke werden vielfach zum Kalkbrennen verwendet. Die Brockelkalke des mittleren Muschelkalks liefern Straßensteine, welche weit auf die steinarme, lehmbedeckte Ebene und auf die Straßen des angrenzenden Keupergebietes verführt werden.

Die Steinbrüche des oberen Hauptmuschelkalks liefern gute Bausteine, einzelne regelmäßig geschichtete, körnige Kalkbänke geben Pflastersteine, die wenigen dolomitischen Schichten, welche nach oben zwischen den Kalken vorkommen, werden zu sogenanntem schwarzem (hydraulischem) Kalk gebrannt, die Schieferthone eignen sich vielfach zur Fabrikation von Cement und gehen aus der Gegend zu Schiff nach Mannheim.

Einen großen Ruf genießen seit dem Bau der Bahnlinie Jagstfeld–Mergentheim die Lettenkohlensandsteine, welche in seltener Schönheit im Hemmrichsholz bei Roigheim gebrochen werden.

Ein Versuch auf die Kohle in der Lettenkohlenformation bei Degmarn hat bis jetzt kein lohnendes Resultat ergeben.

Dagegen wird schon seit längerer Zeit auf dem Schrammbiegel bei Tiefenbach feuerfester Thon und Quarzsand für zwei Thonwaarenfabriken in Heilbronn gewonnen.

Bei der großen Verbreitung des Lehms in dem Bezirk sind Lehmgruben in demselben sehr häufig und liefern namentlich die tieferen Lagen des Lehms das zum Ziegelbrennen geeignete Material.

Die Gewinnung von Torf bei Roigheim hat bei dem billigen Preise der Steinkohlen in dem Bezirke längst aufgehört.

b) Pflanzenbau.
1. Verhältnisse des Feldbaus im Allgemeinen.
Nach den Ergebnissen der Landesvermessung beträgt die Grundfläche des Oberamtsbezirks 93.6255/8 Morgen, deren Vertheilung nach Gemeindemarkungen und Benützungsarten aus der angeführten Tab. II ersichtlich ist. Davon kommen auf das landwirthschaftlich benutzte Areal 58.874 Morgen, auf das forstwirthschaftlich benützte 28.9842/8 Morgen und auf das Areal, welches weder landwirthschaftlich noch forstwirthschaftlich benützt| wird, 57673/8 Morgen. Rechnet man auch die Waldungen zur nicht kultivirten Fläche, so nimmt das nicht angebaute Land 34.7515/8 Morgen oder 37,12 % des Gesamtareals ein.

Von der ganzen Bodenfläche kommen auf einen Einwohner 31/8 Morgen, auf ein Pferd 707/8 Morgen und auf ein Stück Rindvieh 64/8 Morgen.

Das Verhältnis sämtlicher Kulturarten unter sich, Gärten und Länder als Einheit genommen, ist folgendes:

Gärten und Länder 1,00
Äcker 33,12
Weinberge 2,49
Wiesen 6,45
Waldungen 21,19

Von 100 Morgen der ganzen Grundfläche kommen also auf

Gärten und Länder 1,46
Äcker 48,37
Weinberge 3,64
Wiesen 9,41
Waldungen 30,96
die unkultivirte Fläche 6,16

Die letztere im Flächengehalt von 57673/8 Morgen besteht aus dem Areal der

Ortschaften 4592/8 Morgen
Weiden 12075/8 Morgen
Öden 10035/8 Morgen
Steinbrüche 384/8 Morgen
Erz-, Thon-, Sand- und Mergelgruben 127/8 Morgen
Gewässer 10026/8 Morgen
Straßen und Wege 20426/8 Morgen
Vertheilung des Grundeigenthums.

Zur Zeit der Landesvermessung war das Grundeigenthum in 126.279 Parzellen vertheilt, so daß durchschnittlich 0,749 Morgen auf eine Parzelle kommen.

Die größten Markungen haben die Gemeinden Möckmühl und Oedheim, die kleinsten Hagenbach und Jagstfeld.

Größere, ganz oder großentheils arrondirte Güter sind: die Staatsdomäne Heuchlingen; die adeligen Hofgüter a) der Freiherren von Berlichingen: Edelmannshof, Jagsthausen, Leutersthal (Stahlhof), Stolzenhof; b) der Freiherren Capler von Oedheim,| genannt Bautz: Willenbach; c) der Freiherren von Ellrichshausen: Assumstadt, Ernstein, Maisenhälden, Schwärzerhof; d) der Freiherren von Gemmingen: Bürg, Hösselinshof; e) der Freifrau von Troyff: Domeneck und Seehof; f) der Freiherren von Wächter: Lautenbach; ferner die den nachbenannten Gemeinden gehörigen Hofgüter: Böttingen: Böttingerhof; Möckmühl: Sülzhof; Neuenstadt: Schafhofgut; endlich die im Privatbesitz befindlichen. Hofgüter: Brandhölzle bei Möckmühl, Buchhof und Schweizerhof bei Kochersteinsfeld, Dornbach und Hohschön bei Gundelsheim, Güter auf dem Pfitzhof. (Näheres siehe unten in der Ortsbeschreibung.)

Nach den Württemb. Jahrbüchern von 1857 Heft I S. 98 gab es im Bezirk Grundbesitzer von über 200 Morgen 17, von 100–200 Morgen 14, von 50–100 Morgen 86, von 30–50 Morgen 314, von 10–30 Morgen 1153, von 5–10 Morgen 1249, von weniger als 5 Morgen 4482, im Ganzen 7315.

Die hier beigefügte Übersicht zeigt die Vertheilung des Grundbesitzes nach der Aufnahme vom 10. Januar 1873.

Wirthschaften
von
Zahl der
Wirth-
schaften.
Areal im
Ganzen.
Darunter
Pachtgüter.
Pferdestand. Rindviehstand.
% ha % ha % St. auf
eine
Wirthsch.
St. auf
eine
Wirthsch.
0,25 ha u. weniger 729 12,73 102,01 0,53 22,96 22,51
über 0,25–1 ha 1534 26,79 893,49 4,68 126,00 14,10
über 1–1,5 ha 567 9,91 706,92 3,70 87,86 12,43
über 1,5–5 ha 1814 31,08 5271,24 27,60 681,33 12,96 5007 2,76
über 5–10 ha 743 12,97 5061,83 26,50 598,53 11,82 4345 5,85
über 10–20 ha 266 4,64 3570,58 18,70 477,33 13,37 422 1,59 2438 9,02
über 20–100 ha 65 1,14 2319,75 12,15 1206,79 52,02 187 2,88 1209 18,60
über 100 ha 9 0,16 1173,40 6,14 1172,13 99,89 86 9,56 528 58,90
Zusammen →      5727 100,00 19.099,22 100,00 4372,93 22,90 695 13.527

Von den nach der hinten angehängten, auf die Landesvermessung von 1852 sich gründenden Flächenmaßtabelle (Tab. II) vorhandenen 93.6255/8 Morgen gehörten

dem Staat 81624/8 Morgen oder 8,72 %
den Grundherrschaften 98254/8 Morgen oder 10,49 %|
den Gemeinden 21.371 Morgen oder 22,83 %
und den Stiftungen 816 Morgen oder 0,87 %

im Eigenthum der Privaten befanden sich demnach 53.4505/8 Morgen oder 57,09 % der Gesamtfläche des Bezirks.

Anbau.[2]

Der Oberamtsbezirk Neckarsulm ist ein fast ausschließlich Landwirthschaft treibender Bezirk; die große Industrie ist hier außer den Salinen Friedrichshall und Clemenshall, der Zuckerfabrik Züttlingen und einer kleineren Cichorienfabrik in Kochendorf, welche beide letztere landwirthschaftliche Rohprodukte verarbeiten, nicht vertreten.

Die Landwirthschaft wird durchgehend fleißig und meist rationell betrieben.

Die Gebirgsformation ist mit Ausnahme des kleinen Keupergebiets im Süden des Bezirks, die des Muschelkalks und der Lettenkohle. (Vergl. oben S. 4 ff.) Die Ackerkrume, welche aus der Verwitterung des Muschelkalks besteht, gibt einen für den Getreide- und Futterbau, wie für den Weinbau höchst fruchtbaren Boden und ist vornehmlich im Kocher- und Neckarthale anzutreffen, während auf den Höhen, namentlich des Jagstthales, die Lettenkohle vielfach sich findet, deren Verwitterung einen leichten, mehr sandigen Boden gibt und, je nachdem der Letten mehr oder weniger an die Oberfläche kommt, größere oder kleinere Ertragsfähigkeit hat.

Es ist dieses eine Bodenart – Schleißboden, auch weißes Feld genannt – welche, wenn sie richtig behandelt und bearbeitet wird, schöne Erträge liefert, und zwar werden hier sämmliche Getreidearten gebaut – Dinkel mehr als Weizen, – dagegen Gerste sowohl als Haber, Zuckerrüben, Rothklee und auch Luzerne; nur darf die Frühjahrsbestellung nicht zu bald geschehen, indem sich der Boden den Winter über schließt und die Wärme in denselben sehr spät kommt; umgekehrt wird im Herbst die Winterfeldbestellung möglichst bald beendet, um die Samen vor Winter sehr kräftig zu erhalten, da die Wurzeln bei diesem leichten Boden durch den Frost gerne aus dem Boden gehoben werden und erfrieren – auswintern.

| Das Terrain – Bodenformation, – wohl auch die Ertragsfähigkeit richtet sich nach den 3 Thälern des Neckars, des Kochers und der Jagst.

In dem breiten offenen Thale des Neckars, welcher den Bezirk Neckarsulm jedoch nur eine kurze Strecke durchzieht, sind in der Thalebene fast ausschließlich nur Wiesen anzutreffen, welche in Bezug auf Qualität wie Quantität ein ganz vortreffliches Futter liefern, während an den Bergabhängen gegen das Thal zu Feldbau und etwas Weinbau zu treffen ist und in den Thaleinschnitten meist kleine Waldparzellen vorhanden sind.

Anders ist es im Kocherthale: vom Eintritt des Kochers in den Bezirk in Kochersteinsfeld bis zu seinem Austritt und Einmündung in den Neckar bei Kochendorf, wird der Feldbau in ganz ausgezeichneter Art betrieben und zwar sowohl Getreide- als Handelsgewächsbau – Zuckerrüben, Tabak, Cichorien, Reps – aber auch Futterbau, nächst den trefflichen Kocherwiesen Kleebau und hier vornehmlich Luzernbau, auch Esparsette, Pferdezahnmais, Sorgho, welche in diesem guten, tiefgründigen, kalkhaltigen Lehmboden trefflich gedeihen und für die Viehzucht, welche hier in Blüthe steht, ausgezeichnetes Futter liefern.

Überhaupt gehören die Boden- wie klimatischen Verhältnisse des Kocherthales wohl zu den günstigsten im Lande und sind die Markungen der Ortschaften Kochersteinsfeld, Gochsen, Brettach, Bürg, Neuenstadt, Kocherthürn, Oedheim zu den fruchtbarsten des Landes zu zählen.

Das Parallelthal des Kocherthals ist das Jagstthal. Die Jagst tritt in den Bezirk Neckarsulm in Jagsthausen und durchläuft denselben in großen starken Wendungen mit meist tiefeingeschnittenen und nicht sehr breiten, oft steilen, mit Waldungen bepflanzten Thalwandungen; zweimal durchlauft hier die Jagst das badische Gebiet, bei Ruchsen und bei Neudenau, bis sie sich bei Jagstfeld in den Neckar ergießt.

Auch hier im Jagstthale wird der Feldbau umsichtig und fleißig betrieben, doch ist die Ertragsfähigkeit geringer als im Neckar- und Kocherthale.

In den Thalweitungen ist gewöhnlich auch Wiesenbau, welche ebenfalls sehr gutes und viel Futter geben, dagegen ist der Ertrag des Ackerfeldes – Boden theils Muschelkalk, theils Verwitterung der Lettenkohle – nicht so ergiebig wie im Kocher- und Neckarthale, und zwar wird der Grund wohl darin liegen, daß das Klima schon etwas rauher ist durch die Nähe des| großen und schönen Hardthäuserwaldes und vielleicht auch durch die Nähe des Odenwaldes; vornehmlich aber liegt der Grund in den Bodenverhältnissen selbst, indem auf der Höhe meist Lettenkohle anzutreffen und die Verwitterung dieses Gesteins nicht so fruchtbar als die des Muschelkalks ist.

Die Getreideernte ist hier stets 6–8 Tage hinter der des Neckar- und Kocherthales.

Auf der Hochebene dieses Thales zwischen Jagst- und Neckarthal ist die sogenannte krumme, auch deutsche Ebene genannt, welche sich bis ins Kocherthal, bis Oedheim, Hagenbach erstreckt und in deren Ortschaften Höchstberg, Obergriesheim, Duttenberg, Bachenau, Tiefenbach die Landwirthschaft sehr gut betrieben wird.

Dies gut im Allgemeinen vom ganzen Bezirk, wozu einestheils Lage, Klima und Boden, welche meist in sehr günstiger Wechselwirkung zu einander stehen, anderntheils aber auch und vornehmlich die im Bezirk befindlichen geschlossenen größeren Güter beitragen.

Die Staatsdomäne Heuchlingen, sowie die Herrschaftsgüter Lautenbach, Willenbach, Bürg, Assumstadt, Maisenhälden, ferner die Güter der Grundherrschaft v. Berlichingen in Jagsthausen sind sämmtlich verpachtet, und zwar an Landwirthe, welche meist nach rationellen Grundsätzen wirthschaften und als Musterwirthe sowohl in der Viehzucht, wie im Feld- und Ackerbau für die angrenzenden Ortschaften dienen, so daß die kleinen Bauern, welche im Allgemeinen ihren Beruf fleißig und unverdrossen ausüben, gerne das für ihre Verhältnisse Passende aus diesen größern Wirthschaften heraus für sich anwenden, wofür ein Beweis ist, daß im Bezirke wohl alle landwirthschaftlichen Maschinen eingeführt, ja eingebürgert sind, welche bis jetzt überhaupt in der Landwirthschaft angewandt werden, mit Ausnahme des Dampfpfluges; es ist dies nicht allein ein Zeichen des rationell betriebenen Feldbaus, sondern allerdings wohl auch eine Folge des großen Arbeitermangels, welcher sich bei uns in dem letzten Jahrzehnt sehr fühlbar gemacht und trotz der schon länger andauernden wirthschaftlichen Krisis sich noch nicht gebessert hat.

Den Anfang mit der Einführung der landwirthschaftlichen Maschinen haben auch hier wieder die Wirthschafter der größeren geschlossenen Güter gemacht, vornehmlich die Ökonomieverwaltung der Zuckerfabrik Züttlingen und die K. Domäne Heuchlingen.

| Erstere namentlich, welche eine sehr intensive Wirthschaft führt, übt allmählich einen sehr vortheilhaften Einfluß auf den landwirthschaftlichen Betrieb des Bezirkes aus; nicht allein, daß diese Verwaltung selbst überall wo es möglich Maschinenbetrieb eingeführt hat; leiht sie auch Maschinen an den kleineren Bauern aus – Säe-, Hackmaschinen – und ist durch den großen und stark verbreiteten Zuckerrübenbau im Bezirke der kleine Bauer von selbst auf sorgfältigste Bebauung seines Bodens angewiesen. Nachdem die Vortheile der Maschinenarbeit erkannt wurden, sind dieselben, wie bereits bemerkt, nun ziemlich überall eingeführt, so daß im Bezirke nächst der einfachen und gewöhnlichen Futterschneidmaschine, der Repssäemaschine, dem Felg- und Häufelpfluge nun auch Getreidesäemaschinen, breitwürfig und Reihensaat, sowie für die schnelle und leichte Einheimsung der Futter- und Getreideernte Mähmaschinen, Heuwender, für die leichte Bearbeitung der Zuckerrübe Hackmaschinen etc. nicht allein auf den größern Gütern zu treffen sind, sondern auch sehr häufig bei den kleinen Bauern, theils als Eigenthum des Einzelnen, theils als Genossenschaft; desgleichen wird die Getreideernte nun sehr häufig auch bei den Kleinbauern theils mit der Dampfdreschmaschine, deren mehrere im Bezirk miethweise zu erhalten sind, theils mit Göpel- oder Handdreschmaschine ausgedroschen, während die Pflug- und Eggarbeit durch gute eiserne Pflüge, Eggen, Exstirpatoren und Ringelwalzen geschieht.

Künstliche Dungmittel wie Kraftfutter werden von den größeren Landwirthen auch in größerem Maßstab verwendet, so namentlich verwenden die oben bezeichneten Wirthschaften Assumstadt und Heuchlingen für ihren intensiven Zuckerrübenbau sehr viel Chili-Salpeter, während dieselben für ihre ausgedehnte Mast- und Milchwirthschaft sehr viel Kraftfutter verwenden; aber auch von den kleinen Bauern wird hievon jährlich mehr und mehr in Anwendung gebracht in Form von Bierträbern, Malzkeimen, Ölkuchen, Kleie u. dergl. m.

2. Einzelne Kulturen.
I. Ackerbau. Der Ackerbau wird in den meisten Ortschaften noch nach den Regeln der Dreifelderwirthschaft getrieben, da die Feldregulirung noch nicht so weit vorangeschritten ist, um jedem Grundbesitzer freie Bewirthschaftung seines Gutes zu| gestatten, während auf den geschlossenen Gütern rationelle Feldwirthschaft mit Fruchtwechsel getrieben wird.

Das Brachfeld wird im Kocher- und Neckarthale vollständig eingebaut und zwar theils mit Hackfrüchten, theils mit Futterpflanzen, namentlich Pferdezahnmais, Sorgho, auch Wick-Mengfutter und dergl., während im Jagstthale schon mehr reine Brache gehalten wird, vielmehr gehalten werden muß, doch im Ganzen nur in sehr mäßiger Ausdehnung: im Jahr 1879 z. B. sind von dem ganzen Ackerfeld des Bezirks nur 340 Morgen reine Brache gelegen.

Die üblichen Brachfrüchte sind außerdem noch die weiße Rübe, Runkelrübe (hier Burgunderrübe genannt), Stoppelrübe, auch Ackerbohnen, Linsen und Erbsen.

Unter den Handelsgewächsen spielt die Zuckerrübe, welche für die beiden Zuckerfabriken Züttlingen und Heilbronn gebaut wird, eine bedeutende Rolle; die Zuckerfabrik Züttlingen verarbeitet jährlich 500.000 Ctr. Zuckerrüben, welche zum größten Theile im Bezirke selbst gebaut werden und deren Abfälle – Schnitzel – als gutes und gesundes Futter von der Zuckerfabrik den Rübenbauern gegen eine mäßige Entschädigung wieder zurückgegeben werden.

Cichorie wird in den untern Gegenden des Bezirkes ziemlich gebaut und in die Cichorienfabrik nach Heilbronn verkauft, er überflügelt daselbst sogar den Zuckerrübenbau, indem bei gleich guten Bodenverhältnissen der Geldertrag der Cichorie pro Morgen noch größer ist als der der Zuckerrübe.

Tabak. Dieser Bau ist ein sehr mäßiger; es wurden im Jahr 1879 40 Morgen gebaut und zwar vornehmlich in den Untergegenden des Bezirks – Bachenau, Böttingen, Degmarn, Duttenberg, Heuchlingen, Gundelsheim, Obergriesheim, Offenau, Höchstberg.

Sämmtlicher im Oberamtsbezirk gepflanzter Tabak wird im Handel als Neckartabak bezeichnet und ist weniger wegen seiner Feinheit als seines großen Blattes beliebt.

Der Absatz dieses Tabaks ist meist an Heilbronner, Gundelsheimer und Mannheimer Häuser, von wo aus der fermentirte und ausgeripste Tabak nach England verkauft wird.

Reps wird von Jahr zu Jahr weniger gebaut, theils in Folge des unsichern Ertrags (wahrscheinlich wegen der so unregelmäßigen Witterungsverhältnisse), theils in Folge der niedrigen| Preise, welche durch die Konkurrenz des indischen Reps und des Erdöls hervorgerufen werden.

Mohn wird auffallend wenig gebaut, und würde gewiß in dem fruchtbaren Kocherthale einen sichern und sehr lohnenden Ertrag liefern. Derselbe erfordert wenig Arbeit und ist ja auch eine sehr gute Vorfrucht für Wintergetreide.

Unter den angebauten Getreidearten nimmt bei der Winterfrucht der Dinkel die erste Stelle ein. Es wurden damit z. B. im Jahr 1879 10.500 Morgen angebaut, während mit Winterweizen nur 2230 Morgen angebaut worden sind. Derselbe wird hauptsächlich nur auf den geschlossenen Gütern gebaut.

Roggen nur so viel, als zur Brotfrucht und zu Bindstroh für die Getreideernte und in die Weinberge nöthig ist.

Wintergerste sehr wenig (1879 15 Morgen).

Unter den Sommerfrüchten ist der Anbau von Gerste und Haber ziemlich gleich groß, was auffallend erscheint, indem man annehmen sollte, daß bei den milden und guten Bodenverhältnissen der Gerstenbau den Haberbau weit überträfe.

Es ist dieses wohl dadurch zu erklären, daß die Gerste im Preise sehr variirt und der Haber als Handelsfrucht stets eine gesuchte Waare bleibt, schnell und leicht zu verkaufen, und die Ernte viel einfacher als die der Gerste ist.

Seit einigen Jahren wird auch der Sommerweizen viel gebaut und zwar mit großem Vortheil. Derselbe liefert schöne Erträge und viel Stroh. 1879 wurden 1260 Morgen hievon gebaut.

Der Sommerdinkel wird in einigen Orten namentlich des Jagstthales – Möckmühl, Widdern, Roigheim (Seckachthal) – von kleineren Bauern gebaut; liefert gutes Brotmehl, ist aber sehr heikel in der Ernte, darf nicht beregnet werden.

Hanf wird mehr als Flachs gebaut, beides aber kaum für den gewöhnlichen Hausbedarf.

Unter den Hülsenfrüchten wird vornehmlich die Wicke gebaut, theils als Grünfutter, theils zum Reifwerden, auch etwas Erbsen und Linsen und in neuester Zeit theilweise wieder mehr Ackerbohnen. Dieselben liefern schöne Erträge und sind bei den Müllern wie Landesproduktenhändlern stets eine gesuchte Waare.

Unter den Hackfrüchten nimmt die Kartoffel die erste Stelle ein und zwar wird hier hauptsächlich im Großen die weißfleischige| sächsische Zwiebelkartoffel gebaut, welche im Bezirke selbst zum größten Theil an die Branntweinbrenner als Brennkartoffel verkauft wird; andere Sorten, wie die „Seehäuser“, Wurstkartoffeln, Rosenkartoffeln, Bisquits-Chilikartoffeln u. dgl. m. sind da und dort beliebt, theils als Speisekartoffeln, theils als Viehfutter für den Winter, nachdem sie vorher gedämpft worden sind; außerdem werden viele Tausend Centner, namentlich der Wurstkartoffel, als Speisekartoffeln nach Heilbronn, Stuttgart, Mannheim verkauft.

Nächst der Kartoffel ist es die Zuckerrübe, welche, wie bereits oben gesagt, in großer Ausdehnung gebaut wird und außerdem noch die Runkelrübe, welche als Futterrübe dient.

Über die Ertragsverhältnisse auf dem besten Gut des Bezirks siehe die Tabelle auf S. 138.

II. Wiesenbau. Das Wiesenareal ist ein großes. Es beträgt 1643 Morgen einmähdige, 7386 Morgen zweimähdige Wiesen. Dieselben liefern, da beinahe sämmtliche Wiesen im Thale sind, durch welches einer der 3 Flüsse zieht, nicht allein viel, sondern auch ganz vortreffliches Wiesenfutter.

Wässerwiesen gibt es keine von Belang.

Der Wiesenbau selbst wird im Bezirke nicht sehr gepflegt, die sogenannten „Höhewiesen“ werden zwar wohl meist gedüngt, jedoch die Thalwiesen, welche das meiste Futter geben, erhalten wenig Pflege.

Die Besitzer dieser Wiesen spekuliren auf das alljährliche Austreten des Flusses, welcher, wenn dies zur richtigen Zeit geschieht, allerdings viele düngende Stoffe auf der Wiese liegen läßt, doch könnte, namentlich im Kocher- und Jaxtthale leicht eine rationelle Wiesenwässerung eingerichtet werden.

Leider werden jährlich viele Tausend Centner dieses Futters theils ins Weinsbergerthal, theils nach Baden verkauft, ohne Wiederersatz an Düngemitteln, und zeichnen sich durch diesen Raubbau namentlich die Wiesenbesitzer im Jagstthal – Möckmühl, Widdern – aus, im Neckarthal Neckarsulm und Kochendorf.

Über die Qualität und die Preise der Güter im Bezirk siehe die Tabelle auf S. 139 f.

|
Gesammtertrag pro Morgen auf dem Hofgut Lautenbach in den Jahren 1870 bis 1880.
Fruchtgattung. Gar-
ben.
Cent-
ner.
Brutto-
ertrag.
Gar-
ben.
Cent-
ner.
Brutto-
ertrag.
Gar-
ben.
Cent-
ner.
Brutto-
ertrag.
Gar-
ben.
Cent-
ner.
Brutto-
ertrag.
1870 pr. Mrg. 1871 pr. Mrg. 1872 pr. Mrg. 1873 pr. Mrg.
M. M. M. M.
Reps 3 51 9 153 121/2 198 6 84
Weizen 88 6 72 181 9 108 190 9 117 186 13 117
Dinkel 92 8 68 140 12 108 162 11 99 177 12 108
Roggen 100 5 43 194 6 54 150 6 54 180 61/2 59
Gerste 170 10 90 191 11 99 149 10 85 207 11 99
Haber 140 10 70 153 11 66 180 12 60 210 12 72
1874 pr. Mrg. 1875 pr. Mrg. 1876 pr. Mrg. 1877 pr. Mrg.
M. M. M. M.
Reps 6 84 51/2 79 6 90 6 69
Weizen 245 9 1121/2 149 91/2 104 148 9 81 240 10 120
Dinkel 217 13 971/2 192 111/2 801/2 115 11 1031/2 232 13 971/2
Roggen 204 61/2 581/2 125 5 145 59 3 27 196 4 36
Gerste 230 111/2 109 174 10 90 183 12 108 130 101/2 941/2
Haber 142 11 66 188 12 66 172 12 72 175 12 72
1878 pr. Mrg. 1879 pr. Mrg. 1880 pr. Mrg. Durchschnitt der 10 Jahre
1870/1879.
M. M. M. M.
Reps 9 135 8 100 71/2 971/2 7,10 104,30
Weizen 184 10 100 200 10 120 180 12 126 181,1 9,45 105,15
Dinkel 163 11 77 130 12 96 125 12 90 162,0 11,45 93,50
Roggen 173 10 80 208 9 72 225 8 72 158,9 6,10 62,85
Gerste 224 10 80 219 9 72 180 12 108 187,7 10,50 92,65
Haber 170 14 84 144 11 66 187 167,4 11,70 69,40
|
Markungen. Flächenmaße Durchschnittspreise
der Äcker:
gute mittlere geringe Zusammen gute mittlere geringe
Mg. Mg. Mg. Mg. M. M. M.
Neckarsulm 9000/0 4000/0 6500/0 19500/0 1500 1000 650
Bachenau 2000/0 2000/0 3770/0 7770/0 1500 1200 300
Binswangen 2000/0 3000/0 3210/0 8210/0 1300 700 400
Bittelbronn 1000/0 7000/0 1705/8 9705/8 685 428 86
Böttingen 1000/0 2220/0 2000/0 5220/0 1000 600 300
Brettach 6050/0 12700/0 1340/0 20090/0 1200 700 350
Bürg 2800/0 4690/0 3000/0 10490/0 1100 800 450
Cleversulzbach 1350/0 4000/0 500/0 5850/0 1000 700 150
Dahenfeld 2000/0 4070/0 2000/0 8070/0 700 600 200
Degmarn 1800/0 3100/0 2540/0 7440/0 1350 950 400
Duttenberg 3580/0 2970/0 3520/0 10070/0 1200 850 650
Erlenbach 3800/0 3000/0 1700/0 8500/0 1800 1000 500
Gochsen 4000/0 6000/0 2146/8 12146/8 1500 1000 650
Gundelsheim 5380/0 5390/0 5390/0 16160/0 1700 1200 900
Hagenbach 1000/0 2400/0 2500/0 5900/0 1000 600 400
Höchstberg 1600/0 5400/0 3600/0 10600/0 1000 700 350
Jagstfeld 2000/0 2000/0 2400/0 6400/0 1040 860 700
Jagsthausen 10500/0 4300/0 7600/0 22400/0 1000 700 200
Kochendorf 4820/0 5460/0 7820/0 18100/0 1200 800 500
Kochersteinsfeld 4000/0 10000/0 2420/0 16420/0 1400 1000 400
Kocherthürn 4000/0 8500/0 2133/8 14633/8 1000 700 500
Lampoldshausen 4000/0 6000/0 2195/8 12195/8 850 600 400
Möckmühl 14000/0 10000/0 6000/0 30000/0 950 550 300
Neuenstadt 3000/0 12000/0 6000/0 21000/0 1000 750 450
Obergriesheim 524/8 3540/0 5500/0 9564/8 1500 1000 550
Oedheim 10000/0 10000/0 2480/0 22480/0 1000 700 500
Offenau 1800/0 3900/0 5800/0 11500/0 900 625 430
Olnhausen 800/0 4000/0 3130/0 7930/0 1000 550 150
Roigheim 3500/0 10000/0 10900/0 24400/0 600 340 100
Siglingen 4490/0 7260/0 8640/0 20390/0 800 450 200
Tiefenbach 2236/8 3095/8 4014/8 9347/8 1000 600 300
Untergriesheim 2000/0 3000/0 4180/0 9180/0 1250 900 450
Widdern 3800/0 7600/0 7600/0 19000/0 850 450 250
Züttlingen 6000/0 8000/0 7000/0 21000/0 1000 800 50
12.9822/8 19.0595/8 14.1237/8 46.1666/8
|
Markungen. Flächenmaße Durchschnittspreise
der Wiesen:
gute mittlere geringe Zusammen gute mittlere geringe
Mg. Mg. Mg. Mg. M. M. M.
Neckarsulm 3000/0 1650/0 1500/0 6150/0 1200 900 600
Bachenau 100/0 80/0 130/0 310/0 1800 1350 850
Binswangen 300/0 300/0 250/0 850/0 1500 1100 500
Bittelbronn 500/0 400/0 60/0 960/0 680 400 100
Böttingen 700/0 400/0 300/0 1400/0 500 300 200
Brettach 680/0 2020/0 630/0 3330/0 1000 800 350
Bürg 610/0 500/0 5000/0 6110/0 1000 600 350
Cleversulzbach 350/0 1000/0 1600/0 2950/0 900 500 300
Dahenfeld 300/0 150/0 150/0 600/0 600 500 400
Degmarn 200/0 400/0 320/0 920/0 850 600 400
Duttenberg 500/0 600/0 380/0 1480/0 860 700 500
Erlenbach 1150/0 700/0 250/0 2100/0 2000 1200 600
Gochsen 1600/0 800/0 804/8 3204/8 1350 1000 750
Gundelsheim 1000/0 300/0 400/0 1700/0 700 600 400
Hagenbach 0/0 280/0 0/0 280/0 700
Höchstberg 400/0 650/0 400/0 1450/0 1000 700 350
Jagstfeld 400/0 350/0 380/0 1130/0 600 500 400
Jagsthausen 1140/0 1100/0 2160/0 4400/0 1000 700 300
Kochendorf 1450/0 1700/0 1200/0 4350/0 1000 700 400
Kochersteinsfeld 2000/0 2000/0 530/0 4530/0 1400 800 400
Kocherthürn 1500/0 2200/0 660/0 4360/0 1000 800 600
Lampoldshausen 970/0 2000/0 1300/0 4270/0 1100 550 250
Möckmühl 3000/0 2000/0 400/0 5400/0 700 500 300
Neuenstadt 1500/0 1000/0 1000/0 3500/0 750 550 350
Obergriesheim 200/0 350/0 700/0 1250/0 1500 1000 500
Oedheim 1100/0 2800/0 120/0 4020/0 800 600 400
Offenau 300/0 1000/0 700/0 2000/0 600 420 280
Olnhausen 400/0 800/0 230/0 1430/0 1100 800 400
Roigheim 480/0 520/0 0/0 1000/0 500 250
Siglingen 1530/0 1670/0 1510/0 4710/0 750 450 200
Tiefenbach 244/8 306/8 131/8 683/8 1200 800 400
Untergriesheim 300/0 500/0 400/0 1200/0 1200 800 600
Widdern 500/0 3000/0 620/0 4120/0 800 600 400
Züttlingen 1000/0 1000/0 500/0 2500/0 1000 700 500
29404/8 34526/8 24715/8 88647/8
| III. Weinbau.[3] Der Neckar, welcher unterhalb Heilbronn in den Bezirk eintritt und denselben sowie Württemberg bei Böttingen nach einem Lauf von 181/2 km verläßt, bespült die Weinberge von Neckarsulm, Kochendorf, Jagstfeld, Offenau, Gundelsheim und Böttingen und nimmt auf der rechten Seite die Sulm, den Kocher mit der Brettach und die Jagst auf, an deren Ufern gleichfalls die Rebe wächst.

1. Das Neckarthal. Das untere Neckarthal, belebt durch Flöße, Schiffe und Kettendampfer auf dem Flusse, ausgezeichnet durch Reichthum an Steinsalz, ein vortreffliches Gebiet der Landwirthschaft in allen Richtungen, auch des Obstbaus, kennt nicht unwahrscheinlich seit der Römerherrschaft den Weinbau und dieser blieb trotz mancher Fehljahre eine Quelle des Wohlstands der Bewohner bis auf die Gegenwart. Die Rebe steigt von der Ebene bis zur Höhe von 300 m empor und liefert unter günstigen Verhältnissen von 1 Morgen 12 Eimer Wein. Ehe der Geschmack des Publikums sich dem dunkelrothen oder reinweißen Gewächse zuwandte, wurden hauptsächlich Schillerweine erzeugt, welche fast durchgängig zu den besseren des Landes gehörten. Zu den vorzüglichsten Weinbergslagen ist der Scheuerberg, sowie der Michelsberg und das Himmelreich zu zählen, wovon unten bei Neckarsulm und Gundelsheim die Rede sein wird. An den Einmündungen des Kocher und der Jagst tritt der Muschelkalk wieder auf und es ist das auf sanften Erhebungen zwischen Kochendorf, Offenau und Bachenau sich ausdehnende Weinbaugebiet nicht besonders bedeutend. Der letzte Weinbau treibende Ort im Lande ist Böttingen, hart am Neckar, dessen Niveau 135 m über dem Meere ist.

a) Neckarsulm. Bei dieser Stadt mündet das Sulmthal, welches das Keupergebirge durchbricht, das sich auf dem rechten Neckarufer erhebt und wie bei Heilbronn in den Wartberg, so bei Neckarsulm in den Scheuerberg ausläuft. An diesem länglich abgerundeten Bergvorsprung, auf welchem die Bauern

die alte Burg der Herren von Weinsberg 1525 zerstörten und dessen oberste Erdfläche das Meer um 304 m, das Thal um 150 m überragt, sowie an seinen Vorbergen wächst der Weinstock, der auch noch von der linken Seite der Sulm den Ausläufer des Heilbronner Stiftsbergs bedeckt. Der Scheuerberg| besteht hauptsächlich aus Keupermergel, der auf dem Rücken von dem Schilfsandstein überlagert ist. Der Mergel schließt in der Mitte des Berges ein mächtiges Gipslager ein, das, nicht zur Zierde der Gegend, in einem mächtigen Bruche ausgebeutet wird. Die Weingelände reichen nicht bis auf die Thalsohle, dagegen ziehen sie bis in die Sandsteinregion und bei den vielen Bergeinschnitten und Mulden und der hügelartigen Form der Vorberge findet man die Weinberge fast gegen alle Himmelsgegenden gelegen, doch vorherrschend gegen Südosten und Südwesten. Die Abdachungen sind selten steil und haben die einzelnen meist breit angelegten Weinbergbeete in. der Regel nur niedere Mauern, zuweilen auch bloße Grasraine. Der Boden besteht vorherrschend aus leicht verwitterndem, dunklem bituminösem Mergel, durchzogen von sehr regelmäßigen harten Steinmergelbänken; die auch anderwärts vorkommenden Gipsschichten bilden, wie schon erwähnt, hier am Scheuerberg ein mächtiges Gipslager. In den untersten Lagen sind die Mergel

von Lehm bedeckt.

Das ungemein günstige Jahr 1834, welches den Neckarsulmer Weingärtner mit ca. 4000 Eimern Wein zu einem berechneten Gesamterlöse von mindestens 120.000 fl. beglückte, brachte die Gründung des „Weingärtner-Vereins“, welcher sich zur Aufgabe machte, edle Rebsorten einzuführen und der Pflege des Weinstocks vermehrte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Seinem Bestreben fehlte nicht der Lohn, allein eine Reihe geringer Jahre, unter denen 1854 im schlimmsten Andenken steht, da per Morgen kaum 6 Imi Wein gewonnen wurden, versetzte die Weingärtner in eine beklagenswerthe Lage. Mehrere um das Wohl ihrer ärmeren Mitbürger besorgte Männer faßten trotz vieler Hindernisse deshalb den Plan, das Weinerzeugnis gemeinsam zu verkaufen und sie gründeten 1855 die „Weingärtner-Gesellschaft“. Mit Nachdruck wurde auf eine rationelle Bestockung und Bearbeitung der Weinberge hingewirkt und dem patriotischen Unternehmen lächelte das Glück. Es folgten bessere Jahre, schon 1857 konnte die „Gesellschaft“ das in dem Schloßkeller lagernde 101 Eimer haltende Faß mit weißem Weinmost füllen, was seit 1828 nimmer der Fall war; 1868 vermochte sie ihr Weinquantum, nicht weniger als das von 1834, an einem Tage nicht zu verkaufen und der „Neckarsulmer“, auf allen Ausstellungen Württembergs, in Baden, London, Paris, Wien durch Medaillen, Diplome und Anerkennungen ausgezeichnet, hat sich| einen Namen erworben, der jetzt, weit außerhalb der Grenzen unseres Vaterlandes, sogar über dem Meere einen guten Klang besitzt. Nach den 1878 neu aufgestellten Statuten dieser segensreichen Verbindung werden nur solche Weingärtner zu der Traubenlieferung zugelassen, welche ihre Weinberge nach dem Ausspruche einer Kommission gut bebauten, sorgfältig gelesene Trauben bringen und bei dem rothen Gewächse mindestens 1/10 edler Früchte, vornehmlich Clevner, zu liefern vermögen. Die Gesellschaft besorgt das ganze Kelter- und Kellergeschäft ohne irgend einen Gewinn für sich, und der Weingärtner, welcher um die Weinbereitung und den Weinverkauf lediglich sich nicht zu kümmern braucht, erhält wenige Tage nach der auf dem Rathhause stattfindenden Weinversteigerung auf Grund seines Waagscheins seinen Betreff all der ganzen reinen Einnahme baar ausbezahlt. (Über die ziffermäßigen Resultate s. unt. landwirthschaftliche Anstalten.)

Der Weingärtner-Verein besitzt eine Rebpflanzschule, er ist Mitglied der Württembergischen Weinverbesserungsgesellschaft und des Deutschen Weinbauvereins; durch seine Ausflüge an den mittleren und oberen Neckar, nach Schorndorf, Waiblingen, Maulbronn und in den Taubergrund, an den Rhein, in die Pfalz und nach Franken knüpfte er schätzenswerthe Verbindungen mit auswärtigen Weinproduzenten an und 1877 und 1878 versuchte er wiederholt das „Räuchern“ als Schutzmittel gegen Frostschaden. Um ein sicheres Urtheil über die Zweckmäßigkeit dieser Maßregel zu gewinnen, müßte jedoch mit den Versuchen fortgefahren werden, was bei dem ausgedehnten Weingebiete, dem sehr zersplitterten Besitzthume, bei der widerwärtigen Handhabung des Theers, aus Vorurtheilen und wegen des Aufwands an Zeit und Geld kaum zu erwarten ist.

Nahezu 3/4 der Bevölkerung betreibt den Weinbau als Hauptbeschäftigung und fast alle bekannten Sorten findet man meist in gemischter Bauart in ihren Weingärten, doch schlagen Sylvaner, Elbling und Trollinger vor und die Müllerrebe (schwarzer Rißling) breitet sich immer mehr aus, was dem Umstande zuzuschreiben ist, daß sehr früh nach dem „rothen Neuen“ gefragt wird, der Stock gerne und stark trägt und der Preis im Verhältnisse zu dem des edlen Clevner sich sehr hoch stellt.

b) Kochendorf,

c) Jagstfeld und

| d) Bachenau auf der rechten Neckarseite, an schwachen Erhebungen des Muschelkalks mit vorherrschend südwestlicher Lage, bauen den Wein mit Elbling, Sylvaner, Trollinger, Gutedel und schwarzem Rißling als Nebenbeschäftigung, keltern fast ausschließlich für das eigene Bedürfnis, so daß ihr Wein selten nach auswärts verkauft wird und produziren nur sogenannten Schiller.

e) Ähnlich verhält es sich in Offenau, wo der Grasberg zwar ein recht gutes Erzeugnis liefert, dessen Fläche aber durch den badischen Eisenbahnbau um 31/4 Morgen vermindert worden ist.

f) Gundelsheim, dicht rechts am Neckar an einem abgerundeten Bergvorsprung mit dem Schlosse Horneck, hinter welchem sich ein tiefer Bergeinschnitt zeigt, auf dessen rechter Seite ein steiles, von Nordost gegen Südwest ziehendes, gegen das Neckarthal abgerundetes Muschelkalkgebirg sich erhebt und das ganz dem Weinbau angehört. Die Höhe des Berges, an welchem die Reben vom Fluß an, aber nicht bis auf die volle Höhe hinaufreichen, beträgt 105 m; die terrassenförmig aufgebauten, meist schmalen Weinbergsbeete stützen Mauern von 8–12 ja bis 20 Fuß Höhe und die daran befestigten Rebgelände verleihen dem Berg ein sehr freundliches Aussehen.

Die vorzüglichsten Weinbergslagen sind „das Himmelreich“ und der Michelsberg, welche ein Getränke liefern, das zu den besseren des Landes zu zählen ist. Der Boden an der steilen Halde dieses Berges hat sich durch Verwitterung der mergligen Zwischenschichten gebildet, welche die einzelnen Kalkbänke des Muschelkalks trennen. Die Brockelkalke in den mittleren Lagen übersäen den Hang mit Steingeröllen, welche von fleißigen Händen in hohen, von ferne sichtbaren Steinwällen zusammengetragen werden.

Der Wein hat theils eine weiße, theils eine etwas ins Röthliche gehende Farbe, er ist angenehm und hat in den ersten Jahren viel Feuer, doch zeigt er keine besondere Lagerhaftigkeit; in der Regel kommt er als Schillerwein in den Handel und seine vorzugsweisen Sorten sind: Trollinger, Sylvaner, Rißling. Der Weinbau bildet die Nebenbeschäftigung der Ortsbewohner, er dürfte aber in Folge des Eintritts der Markung in das Eisenbahnnetz vermehrte Aufmerksamkeit erhalten.

| g) Böttingen, hart am Neckar und an der Landesgrenze gegen Baden; seine Weinberge befinden sich an dem oben beschriebenen Muschelkalkgebirge, das sich vom „Himmelreich“ nordwestlich hinzieht und der Weinbau, im Allgemeinen mit dem von Gundelsheim übereinstimmend, ist nicht von Bedeutung.

2. Das Sulmthal. Das etwa 6 Stunden lange, bei Löwenstein beginnende Sulmthal, welches von 311 m über dem Meere zu 144 m fällt, verfolgt eine nordwestliche Richtung und bietet dadurch besonders an dem auf der rechten Seite befindlichen Gebirge ausgedehnte und vorzügliche südliche und südwestliche Lagen für den Weinbau dar, so daß es zu den weinreichsten Thälern des Landes gehört. Die auf beiden Seiten des Thales befindlichen Keuperberge bestehen aus mächtigen Mergel- und Gipslagern und sind oben vom Schilfsandstein bedeckt.

a) Erlenbach, ein vorzüglicher Weinort, dessen Einwohner sich ganz dem Weinbau widmen, und zwar einige Weinbergbesitzer mit anerkannter Intelligenz. Die Weinberge ziehen sich auf dem rechten Ufer der Sulm nahezu ununterbrochen vom Scheuerberg über Binswangen nach Erlenbach. An dem gegen S.S.O. gewendeten Hang bei dem letzteren Ort befindet sich die beste Weinberglage der Gegend. Die vorzüglichsten Gelände sind in der Mitte des Berges auf dem zur Erzeugung kräftiger Weine ganz geeigneten Mergelboden; die oberen mehr sandigen und kalten Böden sind dem Weinbau weniger günstig und kommen dort häufig Krankheiten der Reben vor, welche man in den tieferen Lagen nicht kennt.

Das schwarze Gewächs besteht hauptsächlich in Clevner, Trollinger, schwarz Rißling, das weiße in Elbling und Sylvaner. Der Weinhandel erstreckt sich über die Grenzen des Inlandes hinaus und Schwabens Gasthöfe führen auf ihren Weinkarten schon lange den „Erlenbacher“.

b) Das von Erlenbach kaum 1 km entfernte Binswangen hat ähnliche Lagen und Weinsorten und auch seine Bewohner machen den Weinbau zur Hauptbeschäftigung. In einzelnen Jahrgängen, wie 1865, erreichte der Wein eine außerordentliche Qualität und es wurden namhafte Preise erzielt.

3. Das Kocherthal. Der Kocherfluß tritt 1 km oberhalb Kochersteinsfeld in den Bezirk ein, durchzieht ihn auf eine Länge von 23 km in vielen Wendungen und verbindet sich| 1,5 km unterhalb Kochendorf mit dem Neckar. Die Muschelkalkformation des Thals bietet dem Weinbau mehrere günstige Lagen dar, doch stehen die unteren, da das Thal gegen seine Ausmündung sich mehr verflacht, den mittleren nach und es bildet auch der Weinbau nur die Nebenbeschäftigung der Bevölkerung.

a) Kochendorf s. oben S. 143.

b) Hagenbach baut vorzugsweise schwarzen Rißling und sein gemischter Wein, quantitativ und qualitativ von untergeordneter Bedeutung, ist kein Handelsprodukt.

c) Oedheim, an einem Bergeinschnitt, mit südlicher und südwestlicher Lage, umschließt auch die Weinberge des Lautenbacher- und Willenbacher-Hofs. Der Weinbau nähert sich mehr dem angrenzenden Neckar- und Weinsbergerthale, er kultivirt vornehmlich Weiß- und Roth-Elbling, Sylvaner, Trollinger, Gutedel und Müllertraube, und wenn auch die bewaldeten Höhen einigen Schutz bieten, so leidet doch das Thal durch Zugwinde und die kalten Ausstrahlungen der Wiesgründe haben nicht selten den Frostschaden im Gefolge. Deshalb ging

d) in Degmarn, sowie

e) in Neuenstadt der Weinbau zurück und

f) in Kocherthürn hörte er fast ganz auf.

g) Links vom Kocher, 4 km südlich von Neuenstadt, baut Dahenfeld in südwestlichen und zum Theile nordwestlichen Lagen Sylvaner, Weiß- und Roth-Elbling, Trollinger, Clevner, Müllertraube, und dieselben Traubensorten kommen vor

h) auf den südlichen Abhängen gegen das Kocherthal der Markungen Bürg,

i) Gochsen und

k) Kochersteinsfeld. Seine nicht sehr steilen Abhänge auf dem rechten Flußufer schützt gegen den Nordwind der unweit beginnende große Hardthäuser Wald.

4. Das Brettachthal. Das Brettachthal vereinigt sich mit dem Kocherthale bei Neuenstadt auf der linken Seite des Kochers, 150 m über dem Meere. Dasselbe hat eine südöstliche Richtung und gehört theils der Muschelkalk-, theils der Keuperformation an. Der Weinbau kommt nur vor

a) in einem kleinen Seitenthale an südlichen und südwestlichen Abhängen, theils auf Muschelkalk, theils auf Keuper, der Markung Cleversulzbach und

| b) in Brettach an dem Brettachbache mit gleichen und östlichen Lagen. In beiden Orten: Sylvauer, Weiß- und Roth-Elbling, Trollinger, Gutedel, Clevner und Müller.

5. Das Jagstthal. Der Jagstfluß, welcher bei Jagsthausen den Bezirk betritt, durchströmt denselben in einer Länge von 43 km, nähert sich dem Kocher bis auf 2 km und mündet zwischen Jagstfeld und Offenau in den Neckar, 141,54 m über dem Meere. In dem unteren Theil des Thals werden die Seitenwände desselben vom oberen Muschelkalk und der Lettenkohle gebildet; der nur auf der linken Jagstseite vorkommende Keuper reicht nirgends bis an den Thalrand. Das Thal ist meist eng und steil, bietet bei der häufigen steinigen Bodenbeschaffenheit wenig große Flächen zum Weinbau dar, auch ist es kalt und nebelig, daher im Allgemeinen weniger dem Weinbau günstig und derselbe wird deshalb mehr nur als Nebenbeschäftigung betrieben. Auf der rechten Seite mündet bei Möckmühl das Seckachthal und bei Widdern das Kessachthal in das Jagstthal ein.

a) Duttenberg und

b) Obergriesheim auf der rechten Thalseite, sowie

c) Untergriesheim links und wieder

d) Höchstberg rechts ob dem Seitenthale, besitzen einen Weinbau von untergeordneter Bedeutung und ihre Haupttraubengattungen in gemischter Bauart sind: Weiß- und Roth-Elbling, grüne und blaue Sylvaner, Trollinger, Clevner, Gutedel, Rißling und auch Ruländer.

e) Siglingen, nahe den badischen Ortschaften Herbolzheim und Neudenau, an den südlichen, südöstlichen und -westlichen steilen Abhängen der rechten Thalseite, erfreut sich einiger recht guten Lagen, auf welchen ein gesuchter Wein wächst. Traubengattungen wie oben, dazu Affenthaler. Desgleichen

f) Züttlingen mit Assumstadt und Domeneck, wo schon wiederholt namhafte Weinpreise erzielt wurden.

g) Möckmühl, an verschiedenen Stellen der rechten Thalseite der Jagst und der linken Thalseite der Seckach, an welcher

h) Roigheim liegt, produziren nur selten einen Wein für entferntere Kreise; ebenso

i) Widdern, auf der rechten Thalseite, an südlichen, meist aber südwestlichen steilen Abhängen, und

| k) Olnhausen, an den südlichen und südöstlichen Abhängen des Jagstthales und eines hinter dem Orte befindlichen Thaleinschnitts; doch wird jetzt an beiden Orten dem Weinbau eine aufmerksamere, lohnendere Behandlung zu Theil und ausgedehnte Strecken öder Plätze sind in freundliche Weingelände verwandelt. Traubengattungen: grüne und rothe Sylvaner, Gutedel, Velteliner, Elbling, Traminer und Trollinger.

l) Jagsthausen, theils auf der linken Thalseite mit südwestlichen, theils auf der rechten Thalseite an zurückstehenden südlichen und südöstlichen Abhängen, wendet gleichfalls dem Weinbau vermehrte Aufmerksamkeit zu, führte zu den oben genannten Sorten auch Burgunder, Arbst und St. Laurent mit günstigem Erfolge ein und in manchem Jahrgange sah sich der fleißige Weingärtner gut belohnt.

Hagelschlag, Frostschaden und dergleichen Unfälle.

Neckarsulm: Hagel 7. Mai 1849 (1/2 Vernichtung der Weinberge), 30. August 1851, 3. Juli 1863 (1/4), 23. Juni 1866 (1/2); orkanartiges Gewitter 14. Juli 1877; Winter 1829/30 und 1879/80 namhafter Frostschaden.

Kochendorf: Hagel 30. Juni 1853 (1/2), 1873 (1/4).

Gundelsheim: Hagel 1811. – Frost 1879/80.

Binswangen: Hagel 5. August 1816, 7. Mai 1849. – Frost 1879/80.

Erlenbach: Hagel 5. August 1816 (4/5), 30. April und 21. August 1818 (1/4), 9. August 1828, 3. August 1865 (1/6), 2. September 1873 (1/10). – Frost 1879/80.

Oedheim: Hagel 1811. 1827. 1. Juni 1832. 30. Juni 1853.

Degmarn: Hagel 14. Juli 1873 (4/5).

Dahenfeld: Hagel 1818. 1832. 1861 (1/10). 1862 (1/10).

Bürg: Hagel 1873 (1/2). 1877 (1/3).

Gochsen: Hagel 5. August 1828. 14. Juli 1873 (4/5).

Kochersteinsfeld: Hagel 1824 und 14. Juli 1873 (4/5).

Cleversulzbach: Hagel 1817. 1824. 1. Juni 1832. 16. Juni 1861 (1/3). 14. Juli 1873 (1/3).

Brettach: Hagel 1817. 1824. 14. Juli 1873 (1/2).

Untergriesheim: Hagel 1871 (1/2).

Höchstberg: Hagel Juli 1843. 1. Juni 1877 (7/8).

Siglingen: Hagel 1818 (8/10. 1826. 11. Mai 1851 (5/10). Juli 1860 (4/10). 1. Juni 1877.

Züttlingen: Hagel 1851 (4/5).

| Möckmühl: Hagel 19. Mai 1851. Juni 1876 (1/4). 1. Juni 1877 (1/4).

Roigheim: Hagel 1826. 25. Mai 1831.

Olnhausen: Hagel 1816. 1818. 1822. 1824. 1825. 1. Juni 1877 (1/4).

Jagsthausen: Hagel 1816. 1818 (4/5). 1822. 1824. 1825. 1826. 1862 (1/4). 2. Juni 1877. – Frost 5. Juni 1865.

(Siehe Tabellen auf S. 150 u. 151 f.)

IV. Hopfenbau. Dem Hopfenbau wird von Jahr zu Jahr eine größere Rolle und Fläche eingeräumt, namentlich wird ziemlich viel Hopfen gebaut im Jagstthale und zwar in Assumstadt, Domeneck und den daselbst umliegenden größeren Gütern, im oberen Jagstthal zu Jagsthausen, im Kocherthale vornehmlich Neuenstadt und auf der krummen Ebene Höchstberg.

Derselbe wird theils an Stangen, theils an Drahtgerüst gebaut und ist der Ertrag ein sehr guter, aber die Qualität nur mittelmäßig, weil der Boden zu fett ist und die Hopfendolden in diesen Muschelkalkböden zu groß, zu brausch werden, sich nicht so fest schließen und sich deshalb leichter blättern.

Wünschenswerth wäre nur, daß sich auch in diesem untern Bezirke während der Zeit der Hopfenernte für dieses Produkt ein Markt eröffnen würde; gewöhnlich verkauft man zu spät, wenn das Hauptbedürfnis gedeckt ist, und deshalb auch zu niedrigern Preisen.

V. Gartenbau wird nicht stark und in nicht großem Maßstabe betrieben. Derselbe beschränkt sich vollkommen auf das eigene Bedürfnis.

Eine schöne Ausnahme machen die Gärten der Freiherren von Wächter in Lautenbach, von Ellrichshausen in Assumstadt, Freifrau von Troyff in Domeneck, Kaufmann Krieger in Möckmühl, des Möricke-Stifts in Neuenstadt und der Grundherrschaft von Berlichingen in Jagsthausen, in welchen Gärten neben schönster Blumenzucht prachtvolles Spalierobst gezüchtet wird.

VI. Obstbaum- und Obstzucht. Der Obstbau ist im Bezirke ein sehr starker und überall verbreiteter. Die Zahl der tragfähigen Obstbäume im Bezirke betrug im Jahr 1879

(Fortsetzung S. 153.)

|
Herbstertrag nach den kameralamtlichen Erhebungen 1859/79.[4]


Jahrgang Gesammt-
Wein-Ertrag.
Im Ertrag
gestandene
Weinberge
Weinpreise. Verkauf
unter der
Kelter.
Auf 1 im
Ertrage
stehenden
Morgen
kommen
höch-
ster.
gering-
ster.
Eimer. Imi Morgen. fl. fl. Eimer. Imi. E. I. M.
1859 8687 11 21395/8 95 20 4741 14 4 1
1860 4571 6 20995/8 50 16 1692 2 3
1861 2825 8 20930/0 98 48 1545 14 1 5 6
1862 7015 11 20597/8 80 41 3456 13 3 6 5
1863 7903 13 20693/8 92 35 3512 3 13
1864 2452 5 21156/8 83 30 924 12 1 3
1865 2966 10 20916/8 199 60 1723 9 1 7
1866 1744 8 20882/8 104 47 908 14 13 4
1867 6581 5 21093/8 96 22 2918 7 3 1 9
1868 13.770 2 21164/8 114 30 6810 6 6 7
1869 3766 14 21694/8 90 35 1738 14 1 11 8
1870 9411 10 22385/8 61 18 3950 6 4 3 2
1871 2608 10 22531/8 78 36 913 6 1 3
1872 3650 11 22902/8 147 24 1866 1 1 9 5
77.956 12 36.703 4
 
hl l hl l hl l
1873 11.061 39 23352/8 95 23 5226 34 4 74
1874 15.901 97 23642/8 60 19 9704 61 6 73
 
ha M.
pro hl
M.
pro hl
pr. 1 ha
1875 44.757 70 746,94 65 13 22.443 86 59 81
1876 14.277 17 747,14 81 12 8720 26 10 10
1877 11.808 40 753,02 70 23 4734 15 15 68
1878 11.500 62 769,56 80 30 5097 29 15
1879 6865 45 768,79 55 14 2354 12 8 93
116.172 70 58.280 63
 
Ferner die in Hektoliter reduzirten Eimer
233.870 16 110.109 72
250.042 86 168.390 35
sonach Gesammtweinertrag durchschnittlich pro Jahr 16.668,70 Hektoliter.
|
Zur Statistik des Weinbaus.


Namen der Orte. Weinbau-
betrieb
in der
Höhe
von Met.
über d.
Meere.
Flächenmaß der Durchschnitts-
im Bau
befind-
lichen
brach-
liegenden
Ertrag
pro
Mrg.
Preis
pro
Eimer
Weinberge. innerhalb der
Periode 1859/79.
Mrg. Mrg. Eimer. M.
Neckarthal.
Neckarsulm, Stadt 170–300 500 120 51/2 Roth 153
Weiß 102
Gemischt 100
Kochendorf 150–170 30 10 21/2 Gemischt 70
Jagstfeld 140–160 11/4 4 dto. 100
Offenau ca. 150 91/8 3 dto. 100
Bachenau ca. 230 16 11 3 dto. 70
Gundelsheim 140–200 145 10 4 dto. 135
Böttingen 150–190 30 27 4 dto. 110
7313/8 178
Sulmthal.
Binswangen 180 180 41 5 Roth 118
Gemischt 93
Erlenbach 310 460 20 51/2 Roth 126
Weiß 103
Gemischt 102
640 61
Kocherthal.
Kochendorf s. o. Neckarthal
Hagenbach ca. 170 5 1 3 Gemischt 70
Oedheim mit Willenbach
      und Lautenbach
160–250 125 12 31/2 Gemischt 93
Degmarn ca. 180 8 8 21/2 Gemischt 70
Neuenstadt 160–190 50 20 3 Gemischt 99
Dahenfeld,
      links einem Seitenthal
220–300 60 20 3 dto. 86
Bürg, rechts ob dem Kocher 160–200 77/8 16 3 dto. 70
Gochsen 170–200 43 40 3 dto. 70
Kochersteinsfeld 180–210 97 9 3 dto. 60
3957/8 126
|
Zur Statistik des Weinbaus.


Namen der Orte. Weinbau-
betrieb
in der
Höhe
von Met.
über d.
Meere.
Flächenmaß der Durchschnitts-
im Bau
befind-
lichen
brach-
liegenden
Ertrag
pro
Mrg.
Preis
pro
Eimer
Weinberge. innerhalb der
Periode 1859/79.
Mrg. Mrg. Eimer. M.
Brettachthal.
Cleversulzbach, in kleinem
      Seitenthal links
      von der Brettach
200–300 81 25 21/2 Gemischt 60
Brettach an dem Bache
      dieses Namens
200–300 70 20 21/2 dto. 60
151 45
Jagstthal.
Duttenberg 150–190 34 19 3 Gemischt 102
Obergriesheim 150–190 21 15 21/2 dto. 70
Höchstberg, rechts oben
      in dem Seitenthal
150–240 36 14 2 Gemischt 80
Untergriesheim 150–220 20 10 2 dto. 80
Siglingen 170–250 50 15 3 dto. 80
Züttlingen-Assumstadt 170–200 21 16 31/2 Roth 130
Weiß 100
Gemischt 70
Möckmühl 180–240 170 25 21/2 dto. 75
Roigheim, oben in dem in
      das Jagstthal rechts
      einmündenden Seckachthale
210–260 15 30 2 Gemischt 75
Widdern 190–290 112 100 21/2 dto. 70
Olnhausen 200–290 30 494/8 21/2 dto. 90
Jagsthausen, Niveau der Jagst 200–270 36 65 2 Roth 100
Weiß 90
Gemischt 70
            Jagstthal 545 3584/8
            Brettachthal 151 45
            Kocherthal 3957/8 126
            Sulmthal 640 61
            Neckarthal 7313/8 178
24632/8 7684/8
32316/8 Mrg.
| (Fortsetzung von S. 149.)

78.739 Äpfelbäume, 39.480 Birnbäume, 102.891 Pflaumen- und Zwetschgenbäume, 867 Aprikosen- und Pfirsichbäume, 3188 Kirschbäume, 3909 Wallnußbäume. (Hievon sind im Winter 1879–80 zu Grunde gegangen: 18.395 Äpfel-, 2333 Birn-, 39.201 Zwetschgen- und Pflaumen-, 688 Kirschen-, 1046 Wallnuß-Bäume, also fast 28 Prozent.)

Dem Obstbau wird von Seiten der Behörden sowohl, als der Privaten viel Aufmerksamkeit geschenkt; nicht allein, daß beinahe in sämmtlichen Orten Gemeindebaumwarte sind, welche ihre Ausbildung in einem Obstkurse in Hohenheim erhalten haben, die Gemeindebäume pflegen und zugleich die Privaten in der Baumpflege unterstützen, sondern auch die Privaten selbst geben sich viele Mühe, die Obstbäume in gutem Zustande zu erhalten, welcher Eifer namentlich durch die in den letzten Jahren erfolgten Mißernten im Obstertrag erweckt worden ist, wo man einsehen gelernt hat, daß das Obst wie der Obstmost nachgerade bei uns unentbehrlich ist und bei Fehljahren nur durch große Geldopfer ersetzt werden kann, wie umgekehrt bei guten Obsternten eine schöne Summe Geldes hiedurch in den Bezirk kommt. Gibt es doch z. B. Güter, wie Lautenbach, Maisenhelden, welche in den Jahren 1878 und 79 für 6000 bis 8000 M. Obst verkauft haben und daneben noch den eigenen Bedarf von Most und Obst in den Keller brachten, während andere Güter und Gemeinden bei ordentlichen Obstjahren leicht 2–3000 M. für Obst erlösten.

Von Steinobst werden hauptsächlich Zwetschgen, weniger Kirschen und nur ausnahmsweise in den Weinbergen und einigen Herrschaftsgärten auch Pfirsiche gebaut.

In den Ortschaften Offenau und Duttenberg werden seit einigen Jahren, wenn’s Zwetschgen gibt, durch einen Händler Hunderte von Centnern Zwetschgen in kaum reifem Zustande aufgekauft und nach Hamburg versendet, woselbst sie zum Einmachen verwendet werden.

Kernobst ist in großer Anzahl und in den verschiedensten Sorten, theils als Tafelobst, theils als Mostobst, anzutreffen. Die Staats- wie Vizinalstraßen sind sämmtlich mit Apfel- oder Birnbäumen, nur vereinzelt mit Kirschbäumen angepflanzt; auch sind und werden die Allmandstücke in den Gemeinden, wo thunlich, mit Obstbäumen angepflanzt.

| In dem reichen Erntejahr 1879 kam sehr viel Obst nach Ludwigsburg, Stuttgart, Ulm, Mannheim, Straßburg. Frühobst wird wenig gebaut, weil das Spätobst den Frühjahrsfrösten weniger ausgesetzt ist und überdies einen besseren und haltbareren Most gibt, auch sich mehr als Tafelobst eignet. Von solchen Spätobstsorten werden hauptsächlich gepflanzt: Birnen: gelbe Mostbirne, Champagnerbirne, Bratbirne, Palmischbirne, Langstieler, Wildling von Einsiedel, Schneiderbirne, Knausbirne, Winter-Dechantsbirne u. s. w.; Äpfel: Luiken, Goldparmäne, verschiedene Reinettensorten, Lederapfel, Fleiner, Rosenapfel, Breitling, Glasapfel, Weinsäuerling, verschiedene Sorten von Calvill, Wachsapfel, Borsdorfer, rothe und weiße Bietigheimer u. s. w.


VII. Waldbau.[5] Die im Oberamt gelegenen Waldungen nehmen bei einem Gesammtflächenraum von 29.508 ha eine Fläche von 7782 ha, somit nahezu 21% des ersteren ein. Der ortsanwesenden Einwohner sind es 29.468, so daß auf einen Einwohner 0,26 ha Wald kommen, somit weniger als der Durchschnitt im ganzen Land beträgt.

Die Waldungen liegen zum größeren Theil im Nordosten und Norden des Bezirks und nehmen hier die Höhen und die Hänge des Kocher-, Jagst-, Seckach- und Kessachthales ein.

Den größten Komplex im ganzen Bezirk bildet der Hardthäuserwald, welcher sich auf der Höhe zwischen Kocher- und Jagst verbreitend innerhalb Bezirks eine Fläche von rund 2000 ha umfaßt. Als weitere namhafte Waldkomplexe sind aufzuführen: der im nordwestlichen Theil des Bezirks auf der Höhe des Neckar- und Jagstthales gelegene, meist aus Staatswaldungen bestehende Gundelsheimer Wald und der bewaldete Höhenzug, welcher der südlichen Grenze des Bezirks entlangziehend das Kocher- und Brettachgebiet vom Sulm- und Weinsbergerthal scheidet. Die sonst noch vorkommenden Waldungen sind Feldhölzer von keiner großen Ausdehnung. Der mit Wald bewachsene Boden besteht zum größeren Theil aus Diluviallehm, abwechselnd mit Lettenkohle, welche Gebilde an den Hängen in den Muschelkalk übergehen. Auf ersteren gedeihen Buche und| Eiche vortrefflich bis zur schönsten Nutzholzqualität, so namentlich in den beiden größeren Komplexen Hardthäuser- und Gundelsheimerwald, wo Buchen und Eichen in geschlossenem Stande erwachsen und im Durchschnitt eine Baumhöhe von 23 m erreichen, welche in günstigen Fällen bis zu 30 m steigt. Aber auch alle andern Holzarten, Weichhölzer und Nadelhölzer, zeigen sehr gutes Gedeihen. Auf dem Muschelkalk tritt je nach dem Grad der Flachgründigkeit Nachlaß im Höhenwuchs ein, meist gedeihen aber Buchen noch ganz gut und selbst Eichen überraschen noch durch ihren Wuchs. Die Keuperformation tritt blos bei dem erwähnten Höhenzug im südlichen Theil des Bezirks auf, an den Hängen mit ihren Mergeln, auf der Höhe mit feinkörnigem lehmigem Sandboden; auch auf diesen meist noch tiefgründigen und meist gegen Norden sich neigenden Böden zeigen die Laubhölzer, Forche und Lerche noch gutes Gedeihen, wenn dem Boden seine Kraft belassen wird. Von der Waldfläche dürfen 2/3, also ungefähr 5200 ha, als bedingter Waldboden angesprochen werden.

Die oben genannten größeren und kleineren Waldkomplexe hängen nicht unmittelbar zusammen, sondern sind durch die genannten Thäler und größere landwirthschaftliche Ebenen und Einhänge geschieden; sie grenzen im Norden auf eine lange Strecke an badische Waldungen; im Übrigen an Waldtheile des Oberamts Künzelsau, Öhringen und Weinsberg. In den weiteren Thälern der Jagst und des Kochers nehmen die Waldungen nur die Winterseite, zum Theil bis ins Thal herunter ein, während die engeren Seitenthäler auf beiden Seiten bewaldet sind.

Von der ganzen Waldfläche sind annähernd nur 2 % oder 155 ha unproduktiv, da außer Wegen keine kahlen Flächen vorhanden sind.

Das Laubholz ist weitaus vorherrschend und sind mit Nadelholz nur kleinere Flächen, meist neue Aufforstungen kahler oder herabgekommener Waldtheile, bestockt, welche zu 5 % der ganzen Fläche anzuschlagen sind. Dem Besitzstand nach gehören von den Waldungen dem Staat 1785 ha oder 23 %, den Korporationen 4289 ha oder 55 %, den Gutsherrschaften 695 ha oder 9 %, den Privaten 1003 ha oder 13 %; dieselben sind durchaus dem Forstamt Neuenstadt zugetheilt und liegen in nachstehenden Revieren:

|
Besitzer Gundelsheim Möckmühl Neuenstadt Schönthal Stettenfels Öhringen
ha ha ha ha
Staat 581 82 1038 84
Korporationen 505 667 1464 167 139 347
Gutsherren 18 300 200 177
Privaten 348 110 283 64 208
1452 2158 2985 408 347 431
7782 ha

Die Waldungen liegen in einer Meereshöhe von 157 m (Neckarthal) bis 339 m Höhe (oberhalb des Seckachthals). Die größten Hauptkomplexe liegen von 270 bis 230 m. Obschon das Klima vermöge der geringen Höhenlage des Bezirks zu den mildesten des Landes gehört, so wird dennoch die Vegetation namentlich in den vielen Vertiefungen der Lettenkohle, welche die Luftbewegung hemmen, häufig von Spätfrösten heimgesucht, die nicht nur dem Pflanzenwuchs, sondern auch der Samenbildung der Buchen und Eichen öfters schaden. In den Waldungen herrschen Rothbuchen mit mehr oder weniger Eichen vor. Der Eiche und Buche sind häufig beigemischt Weißbuche, Birke, Aspe, Erle und in Folge künstlicher Anzucht die Esche; weniger häufig kommen noch vor: der Bergahorn, die Ulme, der Kirschbaum, der Elsbeerbaum, die Linde, der Vogelbeerbaum, und auf dem Keupergebiet nur noch selten der Sperberbaum; außerdem erscheinen im Unterholz der Mittelwaldungen oder in den Junggewächsen der Hochwaldungen die Sale, die Hasel, der Maßholder.

Die Nadelhölzer scheinen im Bezirk ursprünglich nicht heimisch gewesen zu sein, die Fichte ist erst im Lauf der letzten 20 Jahre in größerer Ausdehnung angebaut worden, während Mittelhölzer nur in kleineren Horsten und alte Bäume nur in geringer Anzahl sich vorfinden. Die Forche bildet selten reine Bestände und wo solche vorkommen, sind sie von geringer Ausdehnung, in der Regel erscheint die Forche wie die Lerche eingemischt in Fichten und Laubholz, namentlich neben der Eiche in den Ausschlagwaldungen des Keupers. Weißtannen treten im Bezirk selten auf, werden aber zur Verbesserung der Buchen-Hochwaldbestände neuerdings gerne eingemischt.

| Herrn Oberförster Frhrn. v. Killinger verdanken wir nachstehendes Verzeichnis besonders starker Bäume im Hardthäuserwald.
Waldtheil Markung Holzart Umfang,
auf
Brusthöhe
gemessene
Meter
Höhe
bis zum
Gipfelende
geschätzt
Höllberg 2, Staatswald Lampoldshausen Buche 3,65 34
Buchwald, Staatswald Lampoldshausen Buche 3,20 28
Breitfeld 4, Staatswald Lampoldshausen Buche 2,80 29
Breitfeld 6, Staatswald Lampoldshausen Buche 2,60 30
Degelbach, Staatswald Lampoldshausen Buche 3,10 27
Eichelbach, Staatswald Lampoldshausen Buche 3,10 30
Eichelbach,
      v. Gemmingenscher Wald
Züttlingen Buche 3,00 30
Eichelbach, desgl. Züttlingen Eiche 3,00 30[6]
Osterbach, Staatswald Bürg Eiche 2,80 34
Breitfeld 5, Staatswald Lampoldshausen Eiche 2,85 29
Höllberg 1, Staatswald Lampoldshausen Eiche 3,56 32
Unteres Hechtthal,
      Gemeindewald v. Gochsen
Gochsen Eiche 3,58 27
      Daselbst Gochsen Eiche 3,80 29
Heuler,
      v. Gemmingenscher Wald
Kocherthürn Weiß-
tanne
2,30 37
Ernsteinwald Züttlingen Fichte 3,27 34
      Daselbst Züttlingen Fichte 3,70 38

Die Waldungen des Staats, der Gutsherrschaften und der Gemeinden befinden sich in gutem Zustand. Weniger befriedigend sind die Privatwaldungen, theils wegen der meist grundsatzlosen unregelmäßigen Wirthschaft, theils weil ihr Produktionsvermögen durch übertriebene Streunutzung theilweise fortwährender Abnahme zugeführt wird.

In den Staatswaldungen ist der vorherrschende Betrieb die Buchenhochwaldwirthschaft, bei welcher die Verjüngung durch Führung von Samen-, Licht- und Abtriebsschlägen bewirkt wird. Hier wird der Buche die Eiche vorzugsweise beigemischt, welche, soweit nicht natürliche Besamung erfolgt, durch Haisterpflanzung angezogen wird. Weiter kommen bei Nachbesserung der Schläge zur Vermehrung der Rentabilität des Hochwalds Weißtanne, Forche und Lerche zur Verwendung. Der Anbau der Fichte ist| zu Gunsten des Laubholzes neuerdings ziemlich aufgegeben und wird nur noch auf besonders angesprochenem Fichtenstandort geübt.

Die den Gutsherrschaften und den Gemeinden gehörigen Waldungen werden mit geringer Ausnahme als Mittelwaldungen bewirthschaftet und ist bei den Gemeinden der forstliche Betrieb nach dem Gesetz vom 16. August 1875 geregelt. Sämtliche Gemeinden, mit Ausnahme von zwei des Reviers Gundelsheim mit 267 ha, haben die Beförsterung durch die Staatsorgane angenommen.

Die Nachbesserung der Mittelwaldschläge erfolgt regelmäßig je nach Standort; zur Ergänzung des Unterholzes mit Weißbuchen, Buchen und Eichen, zur Verbesserung des Oberholzes mit Eichen, Eschen, Forchen und Lerchen etc. etc. Die Bestandespflege wird in sämtlichen Waldungen mittelst Durchforstungen, Reinigungen und Aufastungen geleistet, worüber die für sämtliche Staatswaldungen und Gemeindewaldungen, sowie die meisten gutsherrlichen Waldungen gefertigten Waldwirthschaftspläne spezielle Vorschriften geben.

Die Privatwaldungen werden entweder femelweise genützt oder als Mittelwaldungen mit niederer Umtriebszeit und schwächerem Oberholz.

Eigentliche Eichenschälwaldungen mit entsprechendem Umtrieb kommen im Bezirk nur auf kleinen Flächen vor; jedoch wird vielfach Eichenrinde gewonnen bei Zwischennutzungen in den Hochwaldungen des Staats und in den Mittelwaldschlägen der Gemeinden und Privaten. Die Bemühungen der Forstbeamten, bei Privaten auf Schälwaldzucht hinzuwirken, waren bis jetzt meist fruchtlos.

Die Umtriebszeit beträgt in den Buchenhochwaldungen 80 bis 100 Jahre, Fichtenhochwaldungen ditto, Forchenhochwaldungen 60 Jahre.

In den Mittelwaldungen erhält das Unterholz eine Umtriebszeit von 20–30 Jahren. Vom Oberholz werden übergehalten: Eichen bis zu 200 Jahren, Buchen bis zu 90 und 120 Jahren, Birken auf der Lettenkohle bis zu 90 Jahren, Birken auf Muschelkalk und Keuper bis zu 60 Jahren.

Der jährliche Holzertrag ohne Stockholz, Leseholz und Reisig beträgt durchschnittlich jährlich in Staatswaldungen 4630 fm Derbholz, zur Zeit in Körperschaftswaldungen bei einer jährlichen Unterholzschlagfläche von 109,8 ha 7063 fm Oberholz-| Derbholz und somit pro 1 ha der Gesammtfläche: in Staatswaldungen 2,6 fm, in Körperschaftswaldungen 1,7 fm. Die Gutsherrlichen Waldungen nutzen nicht immer gleichmäßig, sondern mehr nach Bedarf und nach Zeit und Umständen; ihr Ertrag dürfte bei ihrem guten Stand höher als der der Körperschaftswaldungen sein; derjenige der Privatwaldungen ist jedenfalls ziemlich niederer und ganz ungeregelt.

An Uferholz wird von Privaten eine ziemliche Masse genützt, leider ist die Uferholzzucht meist keine den richtigen Grundsätzen entsprechende und schadet deshalb häufig den Ufern mehr als sie nützt.

In den Staatswaldungen betrug die Nutzholzausbeute der letzten fünf Jahre durchschnittlich nur 15%, wobei zu berücksichtigen ist, daß wegen der schlechten Preise weniger Eichen und sonstige Nutzhölzer gehauen worden sind, und daß Nutzholz mehr nur in Buchen und Weichhölzern bestund. Die Nutzholzausbeute in den Körperschaftswaldungen, d. h. Mittelwaldungen, betrug mindestens 20 %.

Der Geldertrag betrug in Staatswaldungen:

Roh:       Rein:      
1870 103.000 M. 86.000 M.
1871 97.000 M. 78.000 M.
1872 102.000 M. 83.000 M.
1873 116.000 M. 95.000 M.
1874 113.000 M. 95.000 M.
1875 124.000 M. 104.000 M.
1876 97.500 M. 81.000 M.
1877 78.000 M. 60.000 M.
1878 67.000 M. 53.000 M.
1879 78.000 M. 60.000 M.
975.000 M. 794.000 M.

somit durchschnittlich jährlich pro ha Rohertrag 54,6 M., Reinertrag 44,5 M.

Bei neun größeren Gemeinden mit 2876 ha betrug der Rohertrag pro ha 38,7 M., wobei zu berücksichtigen ist, daß viele Abgaben nicht in der Geldrechnung laufen, sondern in anderer

Weise verrechnet werden. Der Werth des Leseholzes, welches von 348 Leseholzbesitzern in Staatswaldungen benützt wird, ist nicht gering anzuschlagen, es ist vielmehr diese Nutzung| ein sehr großer Vortheil der Einwohner. Die Nutzung geschieht in der Regel in zwei Wochentagen.

Die Holzpreise der 2 Hauptreviere waren:

1840 1850 1860 1870 1879
Brace segment, over, end-left.svgBrace segment, over, span5.svgBrace segment, over, span.svgBrace segment, over, mid.svgBrace segment, over, span5.svgBrace segment, over, span.svgBrace segment, over, end-right.svg
1 Festmeter
Eichennutzholz,
Durchschnitt
der Sortimente
M. M. M. M. M.
Gundelsheim 20,00 10,71 25,40 25,20 33,20
Neuenstadt 20,00 10,70 20,60 25,20 31,00
Buchennutzholz Gundelsheim 15,60 13,20 13,40 16,80 26,00
Neuenstadt 15,60 13,20 13,40 16,80 19,00
Brace segment, over, end-left.svgBrace segment, over, span5.svgBrace segment, over, span.svgBrace segment, over, mid.svgBrace segment, over, span5.svgBrace segment, over, span.svgBrace segment, over, end-right.svg
1 Raummeter
M. M. M. M. M.
Buchenscheiter Gundelsheim 7,00 6,50 7,00 7,90 9,50
Neuenstadt 7,90 6,60 7,10 8,90 10,00

In den Staatswaldungen wird sämtliches Holz nach Abzug des Bedarfs für eigene Zwecke gegen sofortige Baarzahlung im Aufstreich verkauft; in gutsherrlichen Waldungen meist mit Anborgung der Erlöse. Bei den Gemeinden werden vom Brennholz noch häufig sog. Bürgergaben verabreicht, auch erhalten ortsbürgerliche Handwerksleute ihren Bedarf noch theilweise um billigen Anschlag; alles übrige Material, abzüglich des eigenen Bedarfs der Gemeinde, wird gleichfalls gegen Anborgung versteigert.

Obgleich die gewöhnlichen Holz verarbeitenden und Holz verzehrenden Gewerbe im Bezirk gut vertreten sind, und insbesondere eine größere Anzahl von Sägmühlen sich im Betrieb befindet, so wird doch das Erzeugnis an Nutz- und Brennholz nicht vollständig im Bezirk selbst verarbeitet oder verbraucht, vielmehr findet eine ziemliche Ausfuhr nach auswärts statt, vom Brennholz jedoch in der Regel nur auf der Achse in die benachbarten Oberamtsbezirke und in nahe gelegene badische Orte. Die Ausdehnung der Benützung der Steinkohle wird schwer empfunden. Das stärkere Eichenholz und schöne Buchenstämme gehen in der Hauptsache an Holzhändler über und ist der Absatz dieser Hölzer durch die Nähe des Neckars begünstigt.

Holz- und andere Gerechtigkeiten bestehen nicht mehr.

Von Nebennutzungen sind aufzuführen:

Die Laubstreunutzung, welche in Staatswaldungen nur in Nothjahren, in Gemeindewaldungen aber meist alljährlich mit forstpolizeilicher Beschränkung gestattet ist. In den Staatswaldungen wird die Laubstreu auf Kosten des Staats auf regelmäßige| Haufen gebracht und versteigert, in den Gemeindewaldungen wird sie in Flächenloosen häufig noch unentgeltlich an die Ortsbürger abgegeben. Die Grasnutzung findet in Staatswaldungen auf Wegen und kahlen Plätzen mittelst Versteigerung, in den Beständen mittelst Graszettel, in den Gemeindewaldungen meist unentgeltlich statt.

Die Waldwaide wird im Bezirk nicht mehr ausgeübt. Das Bucheläckerich und die Eichelmast werden in den Staats- und gutsherrlichen Waldungen gegen Naturallieferung durch Verkauf von Flächenloosen oder gegen Zettel, in den Gemeindewaldungen theils gegen Naturallieferung, theils unentgeltlich verliehen. Wildobstnutzung kommt nicht vor.

Beeren, Haselnüsse etc. dürfen dermalen in allen Waldungen unentgeltlich gesammelt werden. Da meist natürliche Besamung vorkommt, sind Beschränkungen bis jetzt nicht nöthig geworden.

Kalk- und Sandsteinbrüche finden sich in den Waldungen häufig. Die meisten dienen zum eigenen Bedarf, und nur aus den Keupersandsteinbrüchen von Erlenbach und aus dem Lettenkohlensandsteinbruch im Staatswald Hemmrichsholz bei Roigheim werden Bausteine nach ziemlicher Entfernung versendet.

Von Insekten schaden in Flugjahren die Maikäfer, auch zerstören zuweilen die Engerlinge die Pflänzlinge in den Saatschulen. Andere Insekten kommen im Bezirk nicht in Betracht.

Schneedruck, Duftanhang und Frühfröste sind selten. Sehr großen Schaden, wie er im Laubwald nur selten vorkommt, haben im Lauf des gegenwärtigen Jahrzehnts die Stürme verursacht. Nachdem schon der Sturm des 26./27. Oktober 1870 und sofort der Sturm vom 1. Juni 1877 in sämtlichen Waldungen des Bezirks und vorzugsweise im Hardthäuser Wald große Massen von Holz umgeworfen hatte, wüthete schon wieder am 24. Mai 1878 ein Gewittersturm ausschließlich im Hardthäuser Wald, bei welchem dieser Wald von einer Windhose durchzogen wurde, welche auf ihrer Bahn von etwa 8 km Länge und durchschnittlich 80 m Breite den Holzbestand vollständig vernichtete, soweit er nicht aus Jungholz bestund. Die gebrochene Holzmasse beträgt gegen 12.000 fm.

Entwendungen von größerem Werth kommen im ganzen Oberamt in Staats- und anderen Waldungen selten vor und bleiben auch, wenn sie vorkommen, nicht unentdeckt. In den

Staatswaldungen ist dieser Zustand hauptsächlich dem guten Schutzpersonal zuzuschreiben. Auch in gutsherrlichen Waldungen| ist der Schutz in guten Händen; das Schutzpersonal der Gemeinden beginnt gleichfalls brauchbarer zu werden und werden die Gemeindewaldungen auch dadurch mitgehütet, daß die Bürger einander

selbst hüten, beziehungsweise einander verrathen, wenn Eingriffe vorkommen. In Privatwaldungen freilich steht es noch weniger gut und bleibt Manches unentdeckt.

An den Forstschutzeinrichtungen des Staats betheiligen sich im Revier Gundelsheim drei Korporationen, im Revier Möckmühl eine, im Revier Neuenstadt zwei, nebst drei Gutsherrn.

In den nachgenannten Jahren kamen folgende Forstvergehen bei dem Forstamt zur Anzeige:

1860 1870 1878
Revier Gundelsheim 48 143 77
Revier Möckmühl 129 98 65
Revier Neuenstadt

jährlich somit durchschnittlich 187 Fälle und zwar:

Weidexzesse 4, Streu- und Grasexzesse 14, Exzesse an Grünholz 24, an Dürrholz 85; sonstige, namentlich Forstpolizei-Vergehen 60.

VIII. Weidewirthschaft. Nach den Ergebnissen der Landesvermessung betrug das Areal der Weiden 12075/8 Morgen, hievon waren mit Obstbäumen bepflanzt 2192/8 Morgen, mit Holz bewachsen 184 Morg., mit Gras bewachsen 8043/8 Morg. Außerdem waren vorhanden 10035/8 Morg. Ödungen, welche zum Theil als Weide benutzt werden können.

Hievon gehörte den Gemeinden an Weidareal 5493/8 Morg., an ödem Land 1076/8 Morg. Die Weide wird nur mit Schafen ausgeübt und bildet, da auch die Brach- und Stoppelweide benützt wird, für die Gemeinden, denen beinahe überall das Weiderecht zusteht, eine nicht unbedeutende Einnahmequelle.

IX. Allmanden sind nur in wenigen Gemeinden vorhanden. Sie werden theils als Weideland benützt, theils den Bürgern zur freien Benützung überlassen.

c) Viehzucht.

Pferdezucht. Nach der Viehzählung vom 10. Januar 1873 waren im Bezirk im Ganzen 1320 Pferde, darunter

18 Fohlen,
24 Stück 1–2 jährige,
16 Stück 2–3 jährige,
1262 Pferde über 3 Jahre.
| Obgleich die Pferdehaltung und der Bedarf an Pferden im Bezirk großen Umfang hat, ist die Pferdezucht vollkommen = 0, so daß das Depot der Landbeschäler, welches früher in Neuenstadt a. L. war, nun seit einer Reihe von Jahren wegen Mangels an zuchtfähigen Stuten aufgehoben worden ist und die Stutenbesitzer, welche zuchtfähiges Material haben, mit ihren Stuten nach Heilbronn, Öhringen und Künzelsau gehen müssen.

Der Grund liegt wohl darin, daß namentlich die Kleinbauern jeden leeren Raum im Stall lieber mit einem Stück Rindvieh ausfüllen, als mit einem Fohlen, weil die Aufzucht einfacher und weniger kostspielig ist und hauptsächlich weil Grund und Boden im Bezirk zu rar und zu theuer sind, um für diese Thiere die für ihre Erziehung höchst nothwendigen Weideflächen und Tummelplätze zu erhalten.

Aber auch auf den großen geschlossenen Gütern, wo die Raumfrage wegfällt, ist, mit geringer Ausnahme in Maisenhälden, Pfitzhof, Jagsthausen, nirgends diese Zucht zu finden.

Die Pferde werden sämmtlich von den Händlern gekauft und zwar holen diese ihre Pferde theils in Luxemburg, theils in Ober- und Niederbayern, auch auf den Pferdemärkten Ulm, Ellwangen, Gmünd; weniger auf dem Stuttgarter Pferdemarkt.

Rindviehzucht. Anders verhält es sich mit der Rindviehzucht, wo die Behauptung aufgestellt werden darf, daß, was Schönheit der Thiere und Zuchtrichtung anlangt, der Bezirk mit allen Bezirken des Landes sich messen kann.

Nach der jüngsten Viehaufnahme vom 10. Januar 1873 waren im Bezirke im Ganzen 14.300 Stück Rindvieh und zwar

1862 Kälber,
4857 Stück unter 2 Jahren,
0073 Bullen unter 2 Jahren,
0089 Bullen, über 2 Jahren,
6235 Kühe und
1184 Ochsen.
Früher war hier ausschließlich der „Neckarschlag“ zu Hause, Thiere von rother, gelbrother, auch rothscheckiger Farbe mit feinem Knochenbau und leichtem Kopf und Hörnern, nicht sehr groß und schwer, dagegen gut im Nutzen, sowohl in der Milch, als namentlich zur Mast; diese Thiere liefern zartes Fleisch;| auch sind die Ochsen im Zuge gut und dauerhaft, so daß es wirklich zu bedauern ist, daß diese ausgezeichnete Rasse gar nicht mehr in ihrer Reinheit anzutreffen ist.

Wohl kommen alljährlich Züchter aus dem Nachbarlande Baden, aus dem württembergischen Taubergrunde, in neuerer Zeit auch aus Elsaß, um sich bei uns Zuchtthiere vom Neckarschlage zu holen und nehmen auch in der That stets sehr schöne Exemplare solcher „gelbrother Thiere“ mit fort, allein wirklich reine Thiere dieser Rasse sind wohl nicht mehr zu finden; dieselbe ist erloschen durch die stete Kreuzung mit Simmenthaler Farren, welche Thiere sowohl in der Farbe, als ihrer ganzen Körperkonstitution nach viele Ähnlichkeit mit denen des Neckarschlags haben.

Es ist somit im Bezirke die Zuchtrichtung Kreuzung von Simmenthaler Farren mit Neckarvieh, wobei jedoch mindestens 3/4 Blut auf die Simmenthaler Rasse kommt, indem durch Vermittlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Neckarsulm schon seit längerer Zeit alle 2–3 Jahre ein Transport Originalfarren, auch Kalbeln in dem Simmenthal selbst geholt und an die Farrenhalter und Viehzüchter verkauft werden. Der Zuchtbetrieb bei dem kleinen Bauern ist fast durchweg der gleiche: wenn möglich, werden die Kälber nach den Abgewöhnen von der Mutter „angebunden“ und später entweder als sogenannte Stiere an größere Ökonomen, Händler, auch Metzger verkauft, oder aber werden die weiblichen Thiere, wenn sie sich zur Zucht eignen, als Zuchtthiere behalten oder als solche verkauft. Aufzucht der Stiere zu Ochsen findet nicht statt.

Die Viehhaltung auf den großem Gütern ist verschieden; die Gutswirthschaften der Zuckerfabriken in Assumstadt, Bürg, Willenbach haben gar keine Züchtung, sondern nur Mastung und zwar Ochsenmastung. Desgleichen ist auf den Domänen Lautenbach und Heuchlingen auch keine Aufzucht, sondern nur Milchproduktion nach Heilbronn und Heidelberg. Die ausgemolkenen Kühe werden dann fett gemacht und verkauft und kommen meist nach Mannheim oder Mainz, während auf den meisten andern größern Gütern Viehzucht nebst theilweiser Milch- oder Mastviehhaltung getrieben wird, und zwar auf einigen größeren geschlossenen Gütern, z. B. Maisenhälden (Schmid) und Jagsthausen (Klein) in ganz musterhafter Weise.

Die Farrenhaltung ist leider noch in Händen von Privaten, doch wird durch die alljährliche Oberamtsfarrenschau, welche durch| Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins ausgeführt wird, auf Haltung schönster Zuchtfarren streng gesehen.

Der Viehhandel wird sehr stark betrieben und zwar theils in Fettvieh, theils in Magervieh und wird der größte Theil an Händler verkauft, welche das Fettvieh meist nach Mannheim, Mainz, Köln absetzen, während das Magervieh oder Gangvieh theils in die benachbarten Bezirke, theils aber auch viel nach Baden verkauft wird.

Viehmärkte gibt es im Bezirk 3: zu Neuenstadt, Kochendorf und Olnhausen, wovon hauptsächlich der erste größere Bedeutung hat. Auf den Kochendorfer werden namentlich im Monat Februar vorherrschend angefleischte Ochsen gebracht und in die Mastställe zum Ausmästen gerne gekauft. Der Hauptzug aber geht nach Heilbronn, dessen Viehmärkte, wohl die bedeutendsten im Lande, durch die erleichterten Verkehrsverhältnisse von Jahr zu Jahr an Frequenz zunehmen.

Durch schöne Viehzucht zeichnen sich namentlich die Ortschaften Kochersteinsfeld, Gochsen, Brettach, Kocherthürn, Oedheim, Kochendorf, Neckarsulm und Jagsthausen aus.

Die Hauptbedingungen für eine schöne und gute Viehzucht sind auch gegeben, es wird viel und sehr gutes Futter produzirt und auch der kleinste Bauer ist sich bewußt, daß er nur durch gute und richtige Fütterung aus seinem Viehstand eine hohe Rente ziehen kann.

Die Schafzucht oder besser gesagt Schafhaltung ist im Bezirke eine sehr bedeutende. Am 10. Januar 1873 waren im Bezirke 11.833 Schafe und zwar 205 spanische Schafe, 9404 Bastard-Schafe, 2224 Land-Schafe.

Schafzucht wird nur auf einigen größeren Gütern rationell betrieben und zwar wird hier das sog. „Bastardschaf“, auch „Frankenschaf“ genannt, gezüchtet, welches sich nicht allein durch großen Wollreichthum (4 Pfd. per Stück), sondern auch bedeutendes Körpergewicht, circa 80 Pfd. lebend Gewicht, auszeichnet. Die Lämmer werden entweder an einem der in Heilbronn stattfindenden Schafmärkte verkauft oder aber von den Züchtern 1 Jahr behalten und dann als Jährlinge verkauft. Schafhaltung ist in allen Gemeinden, welche ihre Gemeinde-Schäferei an Private verpachtet haben, sowie auf vielen geschlossenen Gütern, und zwar meist die Göltviehhaltung und Hammelmastung. Erstere geschieht mit sog. Jährlingen, welche im Besitz| ein Jahr bleiben, sodann auf gute Weiden kommen und von da als fette Hämmel verkauft werden.

Der Handel mit fetten Hämmeln ist ein sehr bedeutender, hauptsächlich wird auf den Ökonomiewirthschaften der Zuckerfabrik Züttlingen, desgleichen auf den Pachtgütern Heuchlingen und Seehof die Hammelmastung in starkem Maßstabe betrieben und kommen diese fetten Schafe fast ausschließlich nach Frankreich.

Die Wolle wird theils zu Hause verkauft, theils auf dem benachbarten Wollmarkte in Heilbronn; sie ist im Preise nicht so hoch, als diejenige, welche nach Kirchheim u. T. kommt, da bei den Schäfereien im ganzen Unterlande auf stärkeren Körperbau, aber auch auf gröbere und reichhaltigere Wolle gezüchtet wird.

Schweinezucht. Dieselbe ist nicht sehr verbreitet, um so mehr die Schweinehaltung; nach der schon mehrerwähnten Viehzählung waren im Bezirke 5316 Stück Schweine und zwar 26 Eber, 190 Mutterschweine, 2626 Mastschweine, 2474 Läufer- und Milchschweine.

Eigentliche und wirklich rationelle Schweinezucht ist in den Ortschaften Kochersteinsfeld, Gochsen, Cleversulzbach, Brettach, Degmarn, Kochendorf, Oedheim und Roigheim und auf den Gütern Maisenhälden und Seehof, während die weitaus größte Anzahl von Schweinen theils als Milchschweine, theils als sog. Läuferschweine auf den Schweinemärkten zu Heilbronn und Öhringen, auch im Schefflenzer Thale im Badischen gekauft werden, was sehr zu bedauern ist, weil dadurch eine große Summe Geldes aus dem Bezirke und die sog. Klauenseuche in den Bezirk kommt.

Gezüchtet wird theils halbenglische Rasse (Kreuzung von englischer mit norddeutscher Rasse), theils die sog. Schefflenzer Rasse, welche sich gleich jener durch leichte Mastfähigkeit und schweres Körpergewicht auszeichnet.

Ziegenzucht. Dieselbe ist beinahe in allen Ortschaften zu treffen, jedoch von keinem großen Belange. Im Ganzen sind es 1072 Stück.

Bienenzucht. Bienenstöcke waren 1873 im Bezirk 1587, worunter 371 mit beweglichen Waben.

Dieselbe wird von einigen Privaten ziemlich stark und auch rationell betrieben und zwar in den Ortschaften Jagsthausen, Bittelbronn, Reichertshausen, Kochendorf, Neckarsulm, auch auf den Gütern Maisenhälden, Ernstein, Seehof.

| Geflügelzucht. Dieselbe wird ebenfalls in allen Ortschaften getrieben, namentlich in Hühnern, Enten, Gänsen, weniger in welschen Hühnern und Tauben.

Es wurden 1873 im Ganzen gehalten 6439 Gänse, 1211 Enten, 3765 Tauben, 32.755 Hühner, 79 Truthühner, 43 sonstiges Geflügel.

Die Eier werden zum größten Theil an Ort und Stelle verbraucht. Ein kleiner Theil wird von Händlern aufgekauft und geht meist nach Heilbronn.

d) Jagd und Fischerei.[7]

Der Oberamtsbezirk zählt zu den mildesten und fruchtbarsten des Landes und sind somit die natürlichen Verhältnisse bei der reichen Abwechslung von Wald und Feld, von Berg und Thal für die Jagd ganz günstig.

Der Wildstand ist aber dem ungeachtet ein sehr mäßiger und besteht in den größeren Walddistrikten in Rehen, Füchsen, Dachsen, außerdem sind Hasen ziemlich häufig und werden mehr oder weniger Marder, selten noch Wildkatzen erlegt. Sauen kommen nur noch durchwechselnd vor. Ferner sind Gegenstand der Jagd das Rebhuhn und die Wachtel, letztere ist selten, ziemlich häufig werden an Flüssen und Bächen Fischotter getroffen.

Im Frühjahr und Herbst durchstreicht die Schnepfe die Gegend, Lagerschnepfen werden nur ausnahmsweise getroffen. Auch fallen im Winter und zur Zugzeit Wildenten in den Gewässern ein. Wildgänse werden auf ihren Zügen öfters beobachtet. Wildtauben, Ringeltauben und Hohltauben nisten in den Waldungen, jedoch nicht in sehr großer Zahl.

Ein besserer mit dem derzeitigen Stand der Land- und Forstwirthschaft leicht noch zu vereinbarender Wildstand wird abgesehen von den im derzeitigen Jagdgesetz liegenden hinderlichen Umständen, auch aus andern Gründen nicht wieder zu Stand zu bringen sein. Die Jagdpassion ist zu allgemein geworden, die Pachtpreise sind so hoch gestiegen, daß die Pachter während ihrer dreijährigen Pachtdauer schonungslos mit dem Wild verfahren und die Jagd zum Handwerk machen. Die derzeitigen Pächter sind vielfach keine Jäger, also auch bei guter Absicht außer Stande, die Jagd waidmännisch zu betreiben; namentlich| sind sie nicht in der Lage, das Raubzeug Fuchs, Marder, Wiesel, Gabelweihe, Bussard und die verschiedenen weiteren Falkenarten auf ein unschädliches Maß zu reduziren. Auch ist der Jagdschutz, abgesehen von den Staatsjagden, beinahe durchaus unzureichend und wird keine geringe Anzahl von Wild, namentlich von Hasen, beinahe jahraus jahrein in Schlingen gefangen. Bei der Feldjagd mag als weiterer Grund des Rückgangs in Betracht kommen, daß die Güter sehr vielfach parzellirt sind und das Wild keine Ruhe hat.

Die Erlegung des Wilds wird vorherrschend in Treibjagden bewerkstelligt, seltener ist der Anstand und der Pürschgang; der bäuerliche Jäger versteht unter Jagen das tagelange Durchstreifen von Feld und Wald mit einem oder gar mehreren Hunden. Die Benützung von Fallen ist selten, weil sie vielfach nicht ohne Gefahr gelegt werden können. Die Hühnerjagd, mehr nur von wirklichen Jägern getrieben, geschieht mit dem Vorstehhunde.

Eigentlicher Fischereibetrieb und Handel mit Fischen ist nicht vorhanden, es wird vielmehr nur aus Liebhaberei, aus besonderer Veranlassung oder bei ausnahmsweise günstigem Wasserstand der Fischfang betrieben, für Erhaltung eines guten Standes der Fische geschieht nichts Nennenswerthes.

Die häufigsten Fische des Bezirks sind: Hecht, Barsch, Barbe, Weißfisch, Äsche, Schleihe, Gruppe, Grundel, in der Seckach und Kessach hauptsächlich Forellen; überdies ist in Kocher und Jagst der Aalfang ziemlich ergiebig.

Zum Fang der Fische dient vorzugsweise die Flug- und Legangel, seltener der Hamen, für Forellen die sogenannte Reuse, für den Aal der Aalkasten oder Aalfang.

Von Krebsen kommt in den Bächen nur der Steinkrebs vor.

Vor Zeiten waren im Bezirk viele Seen, welche aber derzeit durchaus trocken gelegt sind.

Die Jagd in den Staatswaldungen ist gegenwärtig zu 246 Mark verpachtet, ein Pachtgeld, bei welchem, nach dem gegenwärtigen Stand der Jagd das Jagdvergnügen mit in Rechnung genommen werden muß.

Das Fischereirecht steht im Neckar theils dem Staat, theils angrenzenden Gemeinden zu, im Kocher mit der Brettach ebenso, in ersterem theilweise auch der von Gemmingenschen Grundherrschaft Bürg, endlich in der Jagst mit den Bächen Seckach und Kessach wieder theils dem Staat und angrenzenden Gemeinden, theils der v. Ellrichshausenschen Herrschaft und Privaten.

|
B. Kunst, Gewerbfleiß und Handel.


1. Fabrikations-Anstalten.

Abgesehen von den Salinen Friedrichshall (Jagstfeld) und Clemenshall (Offenau) als Staatsanstalten kommen hier nach der Größe des Betriebs in Betracht:

a) Die Zuckerfabrik in Züttlingen, Eigenthum der „Badischen Gesellschaft für Zuckerfabrikation“, beschäftigt ca. 350 Personen, arbeitet mit Dampfmaschinen und Wasserkräften, besitzt eine eigene Gasanstalt und hat wegen des Rübenbaus mehrere Höfe in Pacht.

b) Die Strickmaschinenfabrik von Ch. Schmidt in Neckarsulm an der Sulm mit 13 Arbeitern.

c) Die Kesselschmiede in Verbindung mit der Schiffswerfte in Neckarsulm, arbeitet mit einer Dampfmaschine und mit 25 Personen.

d) Die Preßspahn- und Cartonfabrik von Authenrieth in Roigheim an der Seckach mit 6 Arbeitern und 1 Dampfmaschine.

e) Die Cichorienfabrik von E. Seelig in Heilbronn zu Kochendorf, benützt Dampfkraft und beschäftigt zeitweise 25 Arbeiter.

f) In Möckmühl eine Papierfabrik auf Aktien mit 10 Gehilfen und Dampfmaschine.

g) In Neckarsulm eine Fabrik für Malzextrakt und Kaffeesurrogate mit 4 Gehilfen und ebendaselbst

h) eine Kunstweberei mit 8 Arbeiterinnen.

i) In Gundelsheim 3 Cigarrenfabriken mit 3–10 Gehilfen.

Außer den oben bemerkten Dampfkesselanlagen finden sich solche noch vor: in der Gießerei (Spritzenfabrikation und Glockenguß) der Gebr. Bachert in Kochendorf, in der Sägmühle von Knapp in Neckarsulm und in den Bierbrauereien von Brunner in Neckarsulm, von Elsäßer und Krebs in Kochendorf und von Wirth in Gundelsheim.

Gasanstalten sind 2 vorhanden; die eine auf dem Bahnhof in Jagstfeld, welche auch die K. Saline Friedrichshall bedient und die andere für die Zuckerfabrik in Züttlingen. Der Jahresverbrauch an Gas ist bei der ersten ca. 25.000 und bei der zweiten ca. 30.000 cbm.

Wassermühlen, wovon die in Heuchlingen gegenwärtig in eine Kunstmühle umgewandelt wird, zählt man 34 mit 104 Mahl-,| 6 Gipsgängen, 21 Sägen, 25 Ölpressen und 4 Lohmühlapparaten; sie beschäftigen zusammen 79 Arbeiter und die Gesamtwasserkraft ist mit 549 Pferdekräften berechnet.

In den 33 mit Kalkbrennereien verbundenen Ziegeleien arbeiten 42 Personen.

Die 24 Bierbrauereien mit 33 Arbeitern besitzen auch Branntweinbrennereien und sie finden ihren Absatz meist im Bezirke, doch wird von Gundelsheim, Jagstfeld, Kochendorf und Neckarsulm das Bier auch in entferntere Kreise, namentlich in das benachbarte Baden und nach Heilbronn, verführt.

Als Kunstgewerbe sind zu nennen 2 Bildhauer mit 4 Gehilfen und 1 Schreiner mit 4 Arbeitern, welcher Altäre und sonstige Kirchengeräthe liefert.

2. Mechanische Künstler und Handwerker.
Meist. Geh.       Meist. Geh.
Bäcker 80 21 Messerschmide 1
Barbiere 13 1 Mezger 72 14
Bildhauer 3 5 Mühlenmacher 6 2
Buchbinder 8 3 Musiker 54 16
Bürstenbinder 4 1 Nadler 1
Drechsler 15 1 Nagelschmide 8
Färber 5 Nähterinnen 113
Flaschner 17 2 Pflästerer 5
Gärtner 15 Potaschensieder 1
Gerber 14 11 Sattler 25 7
Gipser 26 12 Schäfer 37 34
Glaser 32 3 Schiffer 1
Glockengießer 1 1 Schlosser 25 7
Goldarbeiter 1 Schmide u. Hufschmide 74 17
Hafner 9 4 Schneider 107 14
Kaminfeger 2 1 Schreiner 77 25
Kammmacher 1 1 Schuster 181 39
Knopfmacher 1 Seifensieder 5
Korbmacher 16 1 Seiler 73
Küfer und Kübler 73 12 Steinbrecher 22 23
Kupferschmide 3 Strumpfweber 1
Kürschner 5 2 Tuchmacher 1
Leimsieder 2 Uhrmacher 10 4
Leineweber 84 7 Wagner 82 20
Lumpensammler 32 2 Wachszieher 2
Maler u. Vergolder 2 Zimmerleute 61 22
Maurer u. Steinhauer 174 41 Zimmermaler 12 6
Mechaniker 4 Zuckerbäcker 17

|
3. Handelsgewerbe.
Kaufleute mit offenen Verkaufsstellen 90 mit 18 Gehilfen.
Krämer, Klein- und Viktualienhändler 90.
Hausirer 43.
Holzhändler 12. Fruchthändler 14. Viehhändler 9 mit 3 Gehilfen. Weinhändler 3.
Landfuhrleute 9.

Der Bezirk zählt ferner:

Apotheken 4.
Buchdruckereien 1, Etiquettendruckerei 1.
Wirthschaften 337 und zwar
Bierbrauereien 24,
Branntweinbrennereien, welche Malz zur Branntweinbereitung verwenden, 10,
Gast- (Schild-) Wirthschaften 105 und
Schenkwirthschaften 198.



  1. Das Nähere siehe bei der Beschreibung der Salinen Friedrichshall und Clemenshall, sowie oben in dem Abschnitt über die geognostischen Verhältnisse.
  2. Von dem Vorstand des landwirthschaftlichen Bezirksvereins, Gutspächter Ege in Schwärzerhof.
  3. Von Oberamtmann Roger.
  4. wobei zu bemerken ist, daß die Neckarsulmer Weingärtnergesellschaft nicht unter der Kelter verkauft.
  5. Von Forstmeister Hochstetter in Neuenstadt.
  6. Bis auf 17 Meter Höhe astrein.
  7. Von Forstmeister Hochstetter.
Anmerkungen [WS]
  1. Überschrift aus dem Inhaltsverzeichnis ergänzt


« Kapitel A 4 Beschreibung des Oberamts Neckarsulm Kapitel A 6 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).