Beschreibung des Oberamts Neckarsulm/Kapitel B 11

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 10 Beschreibung des Oberamts Neckarsulm Kapitel B 12 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
11. Duttenberg,


Pfarrdorf III. Kl. mit 519 Einw., worunter 44 Ev. a) Duttenberg, Pfarrdorf. b) Heuchlingen, Hof. Die Evang. sind nach Neckarsulm, die Kath. von Heuchlingen nach Untergriesheim eingepfarrt.

Auf der krummen Ebene gelegen, hart an deren südlichem Abfall gegen das Jagstthal, hat der nicht große Ort eine freundliche Lage und ein gutes Aussehen. Das Dorf ist von der Vizinalstraße, welche von Offenau nach Heuchlingen führt, durchzogen. Dieselbe vereinigt sich östlich vom Ort im Thal der Jagst mit der von Obergriesheim herabkommenden Vizinalstraße und überschreitet dann auf 5bogiger steinerner Brücke den Fluß.

Im östlichen Theile des Dorfs steht die stattliche, St. Kilian geweihte, im Jesuitenstil erbaute einschiffige Kirche. Über dem von einem abgebrochenen Schnörkelgiebel überragten Portal im Westen ist die heil. Elisabeth mit der Inschrift: Sancta Elisabetha Patrona Ordinis Teutonici Ora pro nobis, in der Bogenfüllung des Rundbogens die Zahl 1734, das Jahr der Erbauung der Kirche. Dieselbe steht auf dem Platz der früheren, im Jahr 1730 abgebrannten. Das Schiff wird durch große rundbogige Fenster und 2 Rundfenster an der Westseite genügend erhellt; die Decke, leicht gewölbt, ist in 3 Felder getheilt, von denen 2 bemalt sind. Die Empore im Westen, von eisernen Säulen mit Bronzeimitation getragen, enthält die in sehr gutem Zustand befindliche Orgel mit 22 Registern. Die hölzerne zopfige Kanzel ist an der Südwand. Die 2 Seitenaltäre des Schiffs zeigen oben über dem Altarbild das Buseck’sehe Wappen, darunter| auf weißem Band: I. C. V. B. – T. O. R. (Joh. Christ. v. Buseck, Kommenthur auf Horneck, † 1759, der wahrscheinlich den Bau der neuen Kirche gefördert hat).

Der östlich anschließende polygone Chor, durch 3 große Rundbogenfenster erhellt, enthält den Hauptaltar, auf dem in grünem Schild die Worte stehen: St. Chiliane ora pro nobis. Vom Chor führt eine Thüre in die nördlich von ihm angebaute Sakristei. An dem nordöstlichen Ende des Schiffs erhebt sich der von außen zugängliche Thurm in 3 durch Gesimse abgetheilten Stockwerken, das obere mit abgeschrägten Ecken. Es findet sich an ihm das Zeichen AV. Den Thurm schließt oben eine schiefergedeckte Kuppel mit Laterne. Die 3 auf ihm hängenden Glocken haben folgende Inschriften: 1. In Gottes Nam goß mich Martin Schmahe in Heidelberg 1630. 2. Herr Joseph Freiherr Roth von Schreckenstein, Kommenthur zu Horneck. Franziscus Antonius, Amtmann in Heuchlingen, Franz Anton, Pfarrer in Duttenberg. Samuel Mezger Heilbronnensis 1767. 3. anno dni 1443 Lucas Marcus Johannes (in deutschen Minuskeln). Die Unterhaltungspfiicht an der Kirche hat die Stiftung, am Thurm die Gemeinde. Die Kirche steht auf dem alten, jetzt verlassenen Friedhof, von dem die östliche und südliche Mauer noch erhalten ist; der neue, seit 1833 angelegte, liegt im Nordosten unmittelbar am Ort. – Nördlich neben der Kirche steht das alte Pfarrhaus, dessen Erbauungszeit nicht bekannt ist; die Unterhaltung liegt der Gemeinde ob. An dem nach Osten gehenden vorspringenden Anbau, der über dem Kellerhals steht, trägt ein Stein die Jahrszahl 1585. – Das älteste Taufbuch reicht bis 1685.

Das Schulhaus, 1850 gebaut, südwestlich von der Kirche, enthält 2 Lehrzimmer; die Wohnung des Lehrers befindet sich in einem Privathaus, dem früheren Schulhaus. – Das Rathhaus, 1846 erbaut, an der durch den Ort führenden Hauptstraße, enthält unten Spritzenlokal, Arrest und das Gemeindebackhaus; vor demselben gegen Osten ist ein ziemlich beträchtlicher freier Platz mit großem Brunnen. – Die Gemeindekelter enthält 2 Bäume. Neben ihr dehnt sich, östlich von der Kirche und nach Süden stark abfallend zum Jagstthal, ein gegen Süden von einer Mauer geschlossener, im Osten von neuen Ökonomiegebäuden begränzter ziemlich großer Platz aus. An Stelle dieser neuen Gebäude haben früher Deutschherrische Gebäude, beziehungsweise ein Schloß „die Burg“ genannt, gestanden. An der| Vorderseite des heutigen neuen Hauptgebäudes ist ein von dem früheren Gebäude stammender Stein eingesetzt, 2 Wappen enthaltend, links ein Schild mit breitem Querbalken (Capler v. Oedheim?), rechts ein solcher mit dem 5speichigen Wormser Rad, darunter ein Steinmetzzeichen. Die Südseite dieses Hauses zeigt noch 2 schmale, spitzbogige Fensteröffnungen. – Auch das an dem freien Platz vor dem Rathhaus stehende Haus des Schultheißen, das neuerdings umgebaut worden ist, soll ein früheres herrschaftliches Haus gewesen sein. (Freiherr v. Stüplin?) – An einer Scheuer an der Hauptstraße befindet sich ein quadrirtes Deutschordenswappen eingemauert, das in 2 und 3 je 4 Eisenhüte zeigt, (Wappen des Deutschmeisters Walther von Kronberg, 1526–43); ein anderes, nicht mehr erkennbar, mit der Zahl 1539 ist jenem gegenüber in eine Gartenmauer eingemauert. Von der Umschrift erscheint noch: Wolff von Assen? (Allen?)-heim ....

Einen Kilometer vom Dorf entfernt, südwestlich gegen die Jagst, steht die kleine Kreuzkapelle mit kleinem gothischem Chor; sie enthält 2 Altarbilder mit den Jahrszahlen 1685 und 1793. An dem Wege zu derselben steht auf einem Sockel ein über einen Meter hoher viereckiger Stein mit Weinbergshippe und Schäferstab, oben ein leeres Heiligenhäuschen: angeblich ein Sühnestein für einen dort vorgefallenen Mord, an welchem ein Schäfer und ein Weingärtner betheiligt gewesen seien.

Das etwas kalkhaltige Wasser im Ort wird aus 3 Quellen in eisernen Teucheln den 3 laufenden Brunnen des Orts zugeleitet. Einer dieser Brunnen mit steinernem Bassin steht auf dem freien Platz vor dem Rathhaus; die steinerne Brunnensäule mit 4 Röhren zeigt das DO. Kreuz mit der Zahl 1688. Im Ort befindet sich auch ein Feuersee, der abgelassen werden kann. Die Jagst berührt die Markung und begrenzt sie zum Theil im Osten.

Die nicht sehr ausgedehnte Markung, das sanftwellige Terrain der krummen Ebene enthaltend, das nach Südosten zur Jagst abfällt, enthält einen fruchtbaren, tiefgründigen Lehmboden, zum Theil mit Sand vermischt. Es finden sich auf ihr 2 Sandgruben und 2 Steinbrüche, welche letztere indessen nur Kalksteine liefern. Das Klima ist im Allgemeinen mild, die Nächte warm; Frühlingsfröste und kalte Nebel kommen öfters vor, auch starke Winde wehen oft; doch ist Hagelschlag selten, auch Gewitter sind nicht besonders zahlreich.

| Die Einwohner, von denen gegenwärtig 4 über 80 Jahre alt sind, gehören zu den besser gestellten im Bezirk. Der vermöglichste Einwohner besitzt 60 Morgen, der Mittelmann 25, die ärmere Klasse bis zu 12 Morgen. Die Haupterwerbsmittel sind Feldbau und Viehzucht; außer den nöthigsten Handwerkern sind 2 Krämer, eine Schildwirthschaft, eine Bierbrauerei und 2 Speisewirthschaften im Ort.

Der Zustand der Landwirthschaft ist ein guter. Auch Handelsgewächse werden gebaut: Zuckerrüben, Tabak und Cichorien, Zuckerrüben von 60 Morgen zu 200 Centner, Tabak von 6–7 Morgen zu 12 Ctr., Cichorien von 6 Morgen zu 130 bis 140 Centner. Die Preise der Äcker bewegen sich zwischen 800 und 400 fl. per Morgen.

Der Wiesenbau im Jagstthal, im sog. oberen und unteren, (unterbrochen durch die Markung Jagstfeld) liefert von den zweimähdigen Wiesen, von denen ungefähr 15 Morgen bewässert werden können, ein durchaus gutes Futter. Der Morgen Wiesen kostet zwischen 900 und 250 fl. Es muß noch von außen Futter zugekauft werden.

Der Weinbau ist unbedeutend (s. oben S. 147); etwa 40 Morgen Weinberg wurden zu Anfang dieses Jahrhunderts in Ackerfeld verwandelt. – Dagegen wird die Obstzucht in großer Ausdehnung betrieben; in guten Jahren werden 300–400 Ctr. Zwetschgen nach außen verkauft.

An Waldungen besitzt die Gemeinde 60 Morgen, meist Laubwald, der 14 Eichen, 33 Rm. Scheiterholz, 19 Rm. Stockholz und 2900 Wellen jährlich erträgt; sämmtlicher Erlös daraus fließt in die Gemeindekasse, jährlich ca. 860 M.

Die Brach- und Stoppelweide wird vom Ortsschäfer im Sommer mit 420, im Winter mit 250 Stück Schafen der Landrace befahren. Die Gemeinde bezieht davon einen Pacht von 386 M.; die Pferchnutzung beträgt 580 M. Güterstücke, welche der Gemeinde eigen sind, werden um 750 M. jährlich verpachtet.

Es wird stark mit Vieh gehandelt; von Geflügel kommen besonders Gänse zum Verkauf.

Die sämmtlich zu kirchlichen Zwecken bestimmten Stiftungen gehen zurück bis ins Jahr 1630; seit 1820 sind es festnormirte Beträge für Jahrtagsstiftungen. Bei Ausführung des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz sind aus der Stiftung| 4000 fl. an die Ortsarmenbehörde abgetreten worden. – Außerdem nimmt D. Theil an der Gundelsheimer Hospitalstiftung.

Flurnamen von einiger Wichtigkeit: Häusle, Judengrund, Grabenäcker, Käppelesäcker.

Eine hübsche Aussicht genießt man von dem Platz östlich von der Kirche gegen Süden und Osten, ins Thal der Jagst und nach dem gegenüberliegenden Heuchlingen.

Alterthümer: Bei der Grenze gegen die Offenauer Markung (s. Offenau) im früheren Wald Seehau (jetzt Ackerfeld) sind 8 beinahe ganz geebnete Grabhügel, aus denen schon 1 Bronzering und eiserne Gegenstande ausgepflügt wurden.

Über einen früher bestandenen, abgegangenen ritterlichen Burgsitz ist oben die Rede gewesen. – Eine römische Bronzemünze von Nerva wurde auf der Markung gefunden.


Duttenberg, alt Tutumes marca, Mark eines Tutumo, Dudunburc, Burg eines Dudo[1], wird schon 778 und 799 genannt, als ein gewisser Reginolf und ein Bernus dem Kloster Lorsch in Rheinhessen Güter zwischen Offenau und D. und in D. selbst schenken. Stark begütert war dort das Stift Wimpfen; das Kirchenpatronat kam im Beginn des 14. Jahrhunderts von denen v. Neideck mit Anderem an das Domkapitel zu Worms, von welchem dasselbe 1803 an den Großherzog von Hessen übergegangen ist. Der Ort selber, zum Reichsgut gehörig, wurde Lehen des Erzbischofs von Mainz (1362), als dessen Lehensträger die v. Bieringen, Helmstadt, Wittstadt vorkommen. Ein Theil scheint Weinsbergisch gewesen zu sein und ward in der Folge Pfälzisch (s. 1668). Mit der Herrschaft Neckarsulm-Scheuerberg ging auch D. 1484 durch Tausch von Mainz an den Deutschorden über. Im Schloß saßen aber noch 1679 Edelleute. Oberhalb der Kelter war eine adelige Wohnung der Capler v. Oedheim, gen. Bautz.

| Im Würzburger Synodalbuch von 1453 erscheint neben der Pfarrei noch eine Frühmeßpfründe, obgleich 1440 Offenau von D. getrennt wurde. Pfarrer: Johs. Muth 1790. Georg Keller 1803. Joh. Mich. Nuß 1810–1836. Xav. Bullinger 1840. Ant. Höpfel 1873.


778. Reginolf schenkt dem Kloster Lorsch inter Offenheim et Tutumes marca 30 Tagwerk mit Feldern, Wiesen, Wäldern, Wassern etc. Cod. Laur. 2409.

799. Bernus schenkt demselben Kloster all sein Eigenthum in Dudunburc. Ebend. 2458.

11.–12. Jahrh. Rüdiger, Probst des Stifts Wimpfen, schenkt demselben Güter in D. Frohnhäuser, Wimpfen 273.

1268. 1289. Das Stift Wimpfen hat einen Hof in D. Ebend. 43. Bad. Quellens. 3, 13.

1295. Stift Wimpfen verträgt sich mit dem Wormser Domkapitel über streitige Güter und tritt den Fronhof in D. an letzteres ab. Ztschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 15, 296.

1300. Stift Wimpfen verkauft an das Hochstift Worms eine Mühle, Weinberge und Wiesen in D. um 80 Pfd. H. St.A.

1302. Berthold v. Neideck überläßt mit Einwilligung des Bischofs v. Würzburg das Patronatrecht der Kirche zu Tuttenberg dem Domkapitel zu Worms. St.A.

(In der Urk. von 1317 W. F. 7, 505, unter deren Zeugen Heilmannus plebanus in Duttenberg, bestätigen nur die v. Neideck als frühere Patrone diese Übertragung; eine Schenkung an Wimpfen ist nicht darin enthalten).

1319. Konrad v. Neideck, Domherr in Würzburg, vermacht seiner ehemaligen Kirche in Tutenburg eine Gilt von 4 Pfd. H. von den Gütern des Tolr. Abh. d. hist. Kl. d. bay. Ak. d. W. XIII, 3, 108.

1343. Stift Wimpfen hat zwei Höfe in D. Frohnhäuser 84.

1347. Heinrich Wiße von D. und Hilt, Fritz Dolvs sel. Tochter, verkaufen Gilten in D. und Offenau an den Dechant Raben zu Wimpfen. St.A.

1349. Leygast v. Bieringen, Edelknecht, verschreibt sich Kraft v. Hohenlohe stets zu dienen und zu warten mit seinem Viertel der Veste zu Tuttenburg. Hanßelmann, Dipl. Beweis 1, 453.

1362. Mit den übrigen vom Reich an Burkard Sturmfeder verpfändeten Dörfern bei Wimpfen wird auch D. von Erzbischof Gerlach v. Mainz eingelöst. W. F. 5, 345. 7, 236. 9, 103.

1363 s. Bachenau.

1385. Heinz v. Bieringen genannt v. Tuttenberg. Schönhuth, Schönthal 99. W. F. 5, 34. 347. 7, 597.

1426. Swiker v. Helmstat, gesessen zu Tutenburg, Dienstmann Konrads v. Weinsberg. OR. 9, 435.

1460. Phil. u. Jak. Unter den „Reitern, Edlen und Unedlen in Schwaben“, welche Graf Ulrich v. Wirtemberg im Reichskrieg gegen Baiern und die Pfalz bei Helfenberg niederwirft, (Stälin 3, 521 f.) ist auch Herr Burkhart, Herr zu Tuttenberg. Eikhart Artzt Quell. u. Forsch. 2, 176.

| 1481. Duttenberger Geldstiftung ins Dominikanerkloster zu Wimpfen. Frohnhäuser 147.

1505. Philipp v. Wittstadt, genannt v. Hagenbach, verkauft sein von der Herrschaft Scheuerberg zu Lehen gehendes Besitzthum in D. u. a. O. an Deutschorden. W. F. 5, 347.

1522. Wilhelm v. Wittstadt, gen. v. Hagenbach, erhält diese Güter wieder vom Deutschorden zu Lehen. Ebend.

Um 1528. Bei dem Gericht über den Raubritter Hans Thomas v. Absberg wird auch D. unter den Unterschleifsorten genannt. W. F. 9, 386.

1539. Die Äbtissin von Billigheim, Katharine v. Wittstadt, gen. v. Hagenbach, verkauft Gilten u. A. in D. u. a. O. W. F. 5, 347.

1566. Ebenso Hans Ulrich Wittstadt gen. Hagenbach. Ebend.

1599. Hans Wolf Capler v. Oedheim, gen. Bauz, kauft von Adam v. Helmstadt um 600 Gulden dessen Ansprüche an die v. Wittstadtschen Güter zu D. (Gef. Mitth. des Frhrn. Heinr. Capler v. Oedheim gen. Bautz).

1632. In der Schwedenzeit nimmt die Stadt Wimpfen den früher vom Stift abhängigen Geistlichen zu D., Neidenau, Alfeld Handgelübde ab. Frohnhäuser 329.

1668. Bei einem Tausch zwischen Kurpfalz und Deutschorden wird auch der Pfälzische Antheil an dem Schlößlein bei D. dem letzteren überlassen. OR. 24, 271.

1693 s. oben S. 220.


b) Heuchlingen. Am linken Ufer der Jagst, unmittelbar über dem steilen Abfall ins Thal, an der Gabelung der Straße, welche von Kochendorf nach Ober- und Untergriesheim und Oedheim führt, erhebt sich mit ihren Mauern und Thürmen, die von unten aus dem Thal gesehen, einen hübschen Anblick gewähren, die frühere Burg des deutschen Ordens, der Amtssitz Heuchlingen, heutzutage in eine Kön. Staatsdomäne umgewandelt, welche ein arrondirtes Areal von 141,15 ha (447 Morgen) umfaßt. Von Süden her gelangt man zunächst an die neu gebauten Ökonomiegebäude, darunter ein 1877 erbauter Stall für 100 Stück Rindvieh. Der Weg führt dann durch einen Rundbogen und Mauern, die früher von 3 Thoren abgeschlossen wurden, auf steinerner Brücke über den jetzt aufgefüllten Schloßgraben in den inneren Hof. Nach Norden und Osten fällt die Umfassungsmauer steil und theilweise sehr tief ab, und es finden sich an ihr noch 3 Rundthürme mit spitzigem Ziegeldach erhalten. Die östlichen beherrschen die Straße, welche früher an der östlichen Seite des Schlosses zu der Brücke hinabführte, während an der nordöstlichen Ecke eine Terrasse oder frühere Bastei auf steinernem Unterbau freien Ausblick gewährt. Thürme und Mauern sind mit Schießscharten versehen. In dem inneren der erwähnten| Rundthürme an der Ostseite führt ein im Spitzbogen gewölbter Gang, der aber zum Theil eingestürzt ist, unterirdisch in der Richtung nach Nordwest. In dem Thorweg sind 2 gleiche, große steinerne Wappen in die östliche Mauer eingesetzt, die früher irgendwo anders angebracht waren. Das eine hat die Jahrszahl 1767, das andere 1773. Es sind 2 Hochmeisterwappen des Karl Alexander, Herzog von Lothringen, oben mit der Fürstenkrone, zu den Seiten als Schildhalter gekrönte Greifen mit Kronenkette um den Hals. Im inneren Schloßhof steht westlich, von Nord nach Süd, mit Schnörkelgiebel gegen Süden, das große 4stockige Hauptgebäude, das alte Schloß, massiv gebaut mit hohem, in 2 Abtheilungen aufgesetztem Mansardendach, heutzutage die Pächterwohnung. Daran schließen sich nach Süden und Osten weitere Gebäude, ziemlich unregelmäßig aneinander gefügt. Zwischen diesen erhebt sich im südlichen Theil ein viereckiger massiver Thurm mit kuppelähnlichem Schieferdach. Die auf ihm hängende Glocke hat die Inschrift: 1736 Clemens August, Kurfürst zu Köln Hoch- und Deutschmeister, von Buseck Kommenthur zu Horneck. Joachim Hauck, Hoch- und Deutschm. Hoffrad und Amtmann. – Leonhardt Lösch.

In der Mitte des Schloßhofs befindet sich ein laufender Brunnen mit steinerner Brunnensäule und neuem eisernem Bassin.

Die Aussicht von der erwähnten Terrasse im Nordosten ist sehr hübsch, das Jagstthal sowie die gegenüberliegenden Höhen mit der Höchstberger Kapelle, Obergriesheim, Duttenberg bis nach Wimpfen, im Thal die Mühle, Untergriesheim und die Bahn erscheinen dem Beschauer, während das Schloß und die hohe Schloßmauer selbst gegen Norden eine kahle Seite darbieten.

Unmittelbar unterhalb des Berges, auf dem das Schloß steht, finden wir die sog. Heuchlinger Mühle, sehr freundlich gelegen; das Hauptgebäude zeigt geschweiften Giebel nach Westen. Ein Fußweg mit steinernen Staffeln führt dazu vom Schloß an der Ostseite hinab und unter der Bahnlinie durch. Die Straße von Kochendorf nach Obergriesheim läuft heutzutage an der westlichen Seite des Schlosses vorbei in Serpentinen hinab ins Thal, überschreitet zuerst die unmittelbar unten am Schloßberg vorbei führende Eisenbahnlinie, dann auf 5bogiger steinerner Brücke den Mühlkanal und die Jagst.

Oben an der Straße nach Kochendorf, südlich vom Schloß, steht ein Bildstock, gestiftet 1772 von „Pinnig, Baurath zu Heuglingen“.

| Heuchlingen hieß ursprünglich Huchel–Heuchelheim, Heimwesen eines Huchilo, wie auch Heuchlingen, OA. Gerabronn, 1054 die Benennung Huchilheim hat (Wirt. Urkb. 1, 272). Ein Geschlecht, das sich nach unserem H. nannte, finden wir urkundlich von 1222 bis 1527 genannt. Übrigens erscheinen im Besitz oder Mitbesitz von H. schon vor 1442 die Wittstadt gen. Hagenbach und wenig später die Capler v. Oedheim, gen. Bauz, angeblich als Stift Ellwangische Lehensträger. Nachdem im Städtekrieg 1449 f. die Wimpfener dem Schloß und der Mühle übel mitgespielt hatten, ging der Wittstadtsche Antheil 1466, der Caplersche 1502 durch Kauf an den Deutschorden über, welcher das im Bauernkrieg 1525 zerstörte Schloß sofort wieder herstellte und zum Amtssitz für die Orte Bachenau, Duttenberg, Hagenbach, Jagstfeld, Ober- und Unter-Griesheim, Oedheim und Offenau erhob. Außer dem Amtmann waren daselbst ein Thorwart und Amtsdiener, ein Herrschaftsküfer und ein Strohmaier. Auf der Mühle besaß das Dominikanerkloster Wimpfen eine Hellergilt. Über den von H. stammenden Abt Joh. Leonhard von Schönthal s. Reg. 1636. Mit allen Deutschordensbesitzungen 1805 württembergisch geworden, war H. eine Zeitlang Sitz des Kameralverwalters von Gundelsheim und ist nun seit 1811 einem Domänepächter eingeräumt.


1222. Cunradus Mulnere et Heinricus de Huchelhein Zeugen neben 2 Brüdern v. Züttlingen, dem Schultheiß v. Wimpfen u. a. in Hall. UB. 3, 135.

1294 f. Crafto de Huchelheim, Heuchelheim Zeuge in Kloster Seligenthaler Urkunden. Gudenus, Cod. dipl. 3, 724. 726.

1319. Adelheid v. Huchelhein, Gemahlin des kleinen Markwart v. Meckmühl. W. F. 4, 195.

1387. Markart v. Huchelnheim, Vogt zu Neudenau. Amorb. Kopialbuch.

1397 s. Offenau.

1437. Konrad v. Heuchelheim, Domherr zu Speier, verkauft an den Spital in Mosbach den Hof Bernbronn um 10 Gulden jährliches Leibgeding. W. F. 5, 343. Ein Konrad v. Huchilheim, welcher seine Besitzungen in Gundelsheim dem Stift Wimpfen gab – Jäger, Handbuch für Reisende in den Neckargegenden 121 – ist wohl derselbe.

1456 ff. Adam Grunbach und Stadt Wimpfen vertragen sich, daß ersterer gegen eine Entschädigungssumme nicht klagt, weil die von Wimpfen ihm im letzten Städtekrieg seine Mühle zu Heuchelheim an der Jagst verbrannt, verwüstet und das Seine weggenommen hatten. Nach Urtheil des Pfalzgrafen v. Heidelberg 1461 muß die Stadt an Else Kuchenbeisserin 80 Gulden zahlen wegen des in „Huchenheim“ zugefügten Schadens. Ebenso nach Urtheil des Grafen Kraft v. Hohenlohe| 1468 dem Konrad Volprecht und seiner Ehefrau Agnes v. Wittstadt 800 Gulden, weil die Bürger von Wimpfen deren Antheil am Schloß zu Heuchelheim verbrannt, zerrissen und genommen hatten. Frohnhäuser, Wimpfen 128.

1466. Deutschorden kauft einen Theil des Schlosses H. von einem Heilbronner Bürger, wie ihn dieser von Burkhard († 1442) und Wilhelm v. Wittstadt gen. Hagenbach erworben hatte. W. F. 5 346. Vgl. Württ. Jahrb. 1841 S. 148.

1502 f. Heinrich und Ulrich Capler v. Oedheim, genannt Bauz, verkaufen ihren Antheil an H. dem Deutschorden um 374 Gulden. Heuchl. Lagerb. v. 1686.

1513. Philipp und Wilhelm v. Wittstadt, gen. Hagenbach, verkaufen ihr Fischwasser in der Jagst bei H. an Deutschorden. W. F. 5, 346.

1525. Das Schloß H. wird von den aufständischen Bauern zerstört. Gropp, Würzb. Chron. 1, 169.

? 1527. Wilhelm und Gangolf v. Heuchelheim. OR. 15, 187.

c. 1530. Der Hoch- und Deutschmeister Walther v. Kronberg läßt das zerstörte Schloß H. wieder herstellen. W. F. 5, 212.

1632. Heuchlingen wie Neckarsulm schwedischer Musterplatz für Anwerbungen. W. F. 7, 256.

1635 s. Gundelsheim-Horneck.

1636. Okt. 17. Joh. Leonhard Meynhard v. Heuchelheim oder Heuchlingen, Abt des Klosters Schönthal, stirbt. Geboren zu H., wo sein Vater deutschherrischer Amtmann war, hatte er in Mainz und Ingolstadt Jura studirt, bis ihm die Mittel ausgingen und er in das Kloster Schönthal eintrat. Von hier wurde er noch nach Würzburg geschickt, magistrirte daselbst, ward Subprior in Sch., dann Probst in Gommersdorf, 1635 Abt in dem nach den Wirren des Kriegs wieder von 8 Mönchen besetzten Kloster. Kremer, Series abb. et memorab. in der Bad. Quellensamml. IV. Schönhuth, Schönthal 156.

1680. Die Jagstbrücke wird neu aufgeführt, die Mühle von Grund aus reparirt. Heuchl. Lagerb. v. 1686.

1784. Deutschorden will das Hofgut H. in einzelne Lehen zu 4 Morgen Feld und 3/4 M. Wiesen zerschlagen und Ansiedler mit 7jähriger Steuer- und ewiger Frohnfreiheit gewinnen. W. F. 5, 346.



  1. Anders die früheren Gelehrten:

    Wie auch die Stadt Corneliam,
    Die Wimpfen heißet jetzt mit Nam,
    Von Weiberpein Wibpein genannt,
    Wie aus Münstero wohlbekannt,
    Daß man bei Tuttenberg abschnitt
    Den Weibern ihre Brust, damit
    Sie keine Kinder säugen könnten,
    Die Hunnen so die Weiber schänden.
          Jak. Frischlin 1616. W. F. 1851, S. 79.


« Kapitel B 10 Beschreibung des Oberamts Neckarsulm Kapitel B 12 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).