Beschreibung des Oberamts Neckarsulm/Kapitel B 24

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24. Neuenstadt am Kocher (an der Linde),
Stadt, Gem. II. Kl., mit 1538 Einw., worunter 61 Kath., Filialisten von Kocherthürn, und 7 Isr. zur Synagoge Oedheim gehörig, 8 eig. Konf.


Neuenstadt, an Zahl der Bevölkerung die dritte Stadt des Bezirks, ist Sitz des evangelischen Dekanatamts für den Oberamtsbezirk Neckarsulm, des Forstamts für die Reviere Gundelsheim, Möckmühl, Neuenstadt u. a., des Kameralamts für den Bezirk Neckarsulm, eines Revieramts und eines Amtsnotariats. Zwei praktische Ärzte und eine Apotheke sind in der Stadt.

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Das Wappen der Stadt zeigt oben zwei silberne Weinsbergische Schildchen im blauen Feld, unten statt des dritten Schildchens der Herren von Weinsberg „zum Gedächtnis an die alte Stadt Helmbund (s. u.) einen verschlossenen silbernen Helm“. (Vgl. Württ. Jahrb. 1854 II. S. 148.)

Die Stadt, welche in ihrer heutigen Anlage ein gestrecktes, mit der Spitze nach Westen sehendes Dreieck bildet, liegt am Ende eines sich nach Westen ziehenden Höhenzugs im spitzen Winkel der sich vereinigenden Flüsse Kocher und Brettach; sie senkt sich demnach gegen Westen in mäßigem Fall hinab, während sie nach Norden zum Kocherthal sehr steil, gelinder nach Süden,| zum Brettachufer, abfällt. Es sind 3 Theile zu unterscheiden: die obere Stadt, die untere Stadt und die obere Vorstadt mit dem sog. äußeren Marktplatz. Seit dem Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts war die Stadt, d. h. die vom oberen Thorthurm bis zum sog. mittleren Thor reichende obere Stadt befestigt mit einer zum Theil noch stehenden Stadtmauer, auf welcher sich ein gedeckter Gang befand, mit Zwinger, Graben und Wall versehen; der Zwinger ist jetzt meist überbaut, Graben und Wall planirt. Reste der Stadtmauer und eines viereckigen Thurms sind besonders noch vorhanden im Südosten und an der von Südost zum mittleren Thor führenden Gasse, der sog. hinteren Gasse.

Die untere Stadt, auch untere Vorstadt genannt, reicht von dieser Stadtmauer bis an die Flüsse Kocher und Brettach und hatte, weil von ihnen hinlänglich geschützt, gegen diese selbst keine Umfassungsmauern, jedoch 2 Thore mit Wachhaus, das eine zur Kocherbrücke gegen Kocherthürn sich öffnend, das andere, das sog. Geißelthor, zur Brücke über die Brettach und zur Straße nach Neckarsulm. Vom oberen Thor aber lief die Mauer zur Seite der Straße noch hinab bis zum Geißelthor an der Brücke. An der nordöstlichen Ecke der Stadt stand schon aus alter Zeit, wohl auf den Fundamenten einer alten römischen Niederlassung neben der Gerichtsstätte für den Brettach- und Kochergau, ein festes Schloß der Herren von Weinsberg, von Wall und Graben umgeben. An seiner Stelle hinwiederum erstand durch Herzog Christoph um das Jahr 1565 das neue, zum Theil jetzt noch stehende Schloß, zunächst der sog. Türnizbau, an den in der Folge die übrigen Gebäude des Schloßkomplexes sich anschloßen. Nach Norden war dieses Schloß durch den Steilabfall selbst geschützt, nach Osten durch den noch bestehenden Graben.

Die Stadt in ihrer heutigen Gestalt macht auf den Besucher, besonders in den an der Hauptstraße gelegenen Partien, welche nach kleiner Biegung im Westen in mäßiger Steigung gegen Osten in gerader Linie die Stadt durchzieht und meist saubere, zum Theil ansehnliche Häuser, worunter einige nicht uninteressante Holzbauten, aufweist, einen guten Eindruck. Außer dieser Straße tragen die anderen mit wenigen Ausnahmen, besonders gegen Süden etwas unebenen und engeren, mehr oder weniger das bekannte Gepräge des Landstädtchens. Sehr gut gefällt der schöne geräumige freie Platz im Osten der Stadt, neben der großen| Linde, der sogenannte äußere Marktplatz mit den schönen Gebäuden und Gärten des Mörickeschen Frauenstifts (s. u.), sowie ein zweiter freier Platz, der eigentliche Marktplatz bei dem Schloß neben der Straße.

Von Verkehrswegen sind folgende zu nennen: Die Staatsstraße von Neckarsulm, von der Stadt weiterführend gegen Osten nach Öhringen, gegen Norden ins Jagstthal. Die Straße von Neckarsulm nach Neuenstadt erlitt in den Jahren 1853 und 1858 verschiedene Korrektionen, indem sowohl die bedeutende Steigung an der noch vorhandenen alten Straße bei Neuenstadt, als auch die am Hängelbach gegen Neckarsulm durch Krümmungen vermindert, die Straßenstrecke selbst aber verlängert wurde. Die neue Straße nach Bürg, welche vom Marktplatz aus beim Schloß unter dem Bogen durchführt, wurde im Jahr 1829 hergestellt. Vizinalstraßen führen nach Oedheim–Kochendorf, nach Kocherthürn, nach Eberstadt und Cleversulzbach; an letzterer steht auf einem Stein einer Mauer zur Seite: anno dommeni 1609 bawd gemeine stad disen wech; Abzweigungen von der Hauptstraße führen nach Dahenfeld, Gochsen, Kochersteinsfeld und Brettach. Dem Verkehr auf diesen Straßen dienen folgende Brücken: 1. die Geißelthorbrücke über die Brettach, von Stein mit einem Bogen, nach Neckarsulm und Kochendorf führend. Die Baulast an ihr hat bis jetzt noch die Gemeinde, sie wird jedoch demnächst durch Ablösung vom Staat übernommen werden. 2. die sog. untere Kocherbrücke, nach Kocherthürn führend, mit 4 Bogen und steinerner Brüstung (im Gegensatz zu der auf Bürger Markung befindlichen oberen Kocherbrücke); sie wurde in den Jahren 1788–1790 von der Stadt mit einem Aufwand von 3378 fl. reparirt. 3. die sog. steinerne Dorfsbrücke über die Brettach, in der Straßenlinie nach Cleversulzbach und Eberstadt, südlich außerhalb der Stadt. Diese Brücken wie die Brückchen über die Brettach, den Dahbach und das Sulzbächlein sind sämmtlich von der Gemeinde zu unterhalten. Pflastergeld und Brückengeld, das früher erhoben wurde, ist seit 1. Jan. 1879 abgelöst.

Der Stadtgemeinde gehören folgende Gebäude: 1. Die Stadtpfarrkirche, an der Hauptstraße beim oberen Thorthurm in der Richtung von Ost nach West stehend und den Schloßplatz auf der Südseite theilweise begrenzend. Die Kirche ist wahrscheinlich als Umbau und Erweiterung einer früheren kleinen Kirche oder Kapelle im Jahr 1595 von der Stadtgemeinde

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Neuenstadt ad/Linde
| Neuenstadt auf eigene Kosten, woran aber das Kloster Schönthal 1350 fl. zu bezahlen hatte, erbaut und am 1. Jan. 1596 eingeweiht worden. (Nach Kirchenbuch II Fol. 6: Anno 1596 1. Jan. ist das erste Kind in jetzig stehender neuerbauter und erweiterter Kirch getauft worden.) Das Schiff mit Ziegeldach, in welches, als es 1653 umgedeckt wurde, den 23. Juli der Blitz schlug ohne Schaden zu thun, hat 4 Eingänge, einen im Norden mit der Jahreszahl 1651, einen westlich und 2 von Süden, der untere im Rundbogen, der obere im Renaissancestil; an dem oberen der südlichen steht die Jahreszahl 1595, darunter „renovihrt 1787“. Das Innere des Schiffs erscheint groß und geräumig; der Boden ist mit Steinplatten belegt, die Decke flach getäfert und in bemalte Felder abgetheilt; an der Westseite erhebt sich eine doppelte, an der Nordseite gar eine dreifache Empore. Auf der westlichen steht die Orgel, nach der Inschrift daran von Herzog Karl Rudolf im Jahr 1741 neu angeschafft und aufgestellt, 1855 und 1874 durchgreifend reparirt und vergrößert. Licht empfängt das Schiff durch 4 große Fenster im Süden, 2 Rundfenster hinter der Orgel und ein kleines Fenster an der Nordseite. Ein Rundbogen führt zu dem um 3 Stufen erhöhten, ein unregelmäßiges Sechseck bildenden Chor mit Kreuzgewölbe; er hat 3 Fenster mit gothischem Maßwerk. An der südlichen Seite des Chorbogens steht die hölzerne Kanzel, deren am Bogen befestigter Schalldeckel die Umschrift zeigt: ir seit es nicht die da reden sonder ewers vaters geist ist es der durch euch redet. Der Chor selbst enthält unten Stühle sowie eine Empore, welche vom heutigen Forstamt, vom sog. Prinzessin- oder Lindenbau her, aber auch von außen zugänglich ist. Im Chor steht der Altar, dabei ein Crucifix, Kreuzesstamm von Sandstein, Christus aus Marmor, und von weicher und edler Körperbildung, im Jahr 1703 von Herzog Friedrich August gestiftet, mit dem viergetheilten württembergischen Herzogswappen (bemalt) an der Rückseite. Der achteckige gothische Taufstein hat die Zahl 1499. Vor dem Altar hängt ein schöner achtarmiger vergoldeter Lüstre aus Messing. Unter den Bodenplatten des Chors befindet sich die herzogliche Gruft, welche sich gegen Süden außen sichtbar in einiger Höhe noch gegen den Thurm (s. u.) fortsetzt. Daneben ist die südlich an den Chor gebaute, zwischen Chor und Thurm befindliche Sakristei mit Eingang von Westen. Von ihr aus unter der Kanzelstiege geht der jetzt zugemauerte und bedeckte Zugang in die Gruft, welche| seit 11. Mai 1781 geschlossen ist. In derselben sollen nachfolgende Persönlichkeiten beigesetzt sein: 1. Herzog Friedrich von Württemberg-Neuenstadt 1615–1682, beigesetzt am 12. Mai 1682; 2. seine Gattin Herzogin Clara Augusta, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, beigesetzt am 18. Oktober 1700; 3. deren Sohn Herzog Friedrich August † am 5. Aug. 1716; 4. dieses letzteren Tochter, Eleonore Wilhelmine Charlotte, geb. 24. Juni 1694, gest. am 11. Aug. 1751; 5. Herzog Ferdinand Wilhelm, Bruder von Nr. 3, geb. 12. Sept. 1659, gest. den 7. Juni 1701 zu Sluys, beigesetzt am 12. September 1701; 6. Herzog Carl Rudolf, Bruder von 5 und 3, Administrator des Herzogthums Württemberg im Jahr 1737, geb. 1667, gest. 17. Febr. 1742. Grabschrift:

Kommt, Sterbliche! herbey, bewundert, lest und schauet,
Wie Herzog Carl Rudolf durch ganz Europas Staaten,
Von Ost bis Nord und West mit eigner Faust und Thaten
Sein Mausoleum sich schon längst selbst aufgebauet,
Nun urtheilt, ob ein Held sey in der That gestorben,
Der die Ohnsterblichkeit sich so, wie Karl erworben.

7. Herzogin Eleonore Wilhelmine Charlotte, Tochter von Nr. 3, gest. am 11. Aug. 1751; 8. deren Schwester, Herzogin Friderika, † 8. Mai 1781, beigesetzt am 11. Mai desselben Jahrs.

In der Kirche selbst befinden sich folgende Bilder und Grabdenkmale:

a) Im Schiff. 1. Dem westlichen Portal gegenüber an der Empore hängt ein Ölgemälde, das Abendmahl darstellend, wobei Johannes als Kind gemalt ist, mit der Umschrift 1. Cor. XI: So offt ir u. s. w.

2. An der Nordseite steht ein im Stil höchst interessanter Grabstein in streng gothischer Einfassung, oben ein von zwei bekleideten Engelchen gehaltener Christuskopf, darunter eine betende weibliche Figur mit sehr ausdruckvollem, entschieden portraitähnlichem Antlitz: rechts das Weinsbergische, links das Leiningensche Wappen (der Stein ist theilweise durch eine zur Empore führende Treppe verdeckt). Umschrift: anno dmi MCCCCXIII (1413) feria tertia an (?) kathedra ..... [Petri, 22. Febr.] .. comitissa de Leiningen uxor dni Engelhardi de Winsperg. (Anna von Weinsberg, geb. v. Leiningen.)

3. Unter dem Chorbogen bei der Kanzel: Grabstein mit zwei Wappen, rechts ein nach links gehender Rabe, über dem Helm Büffelhörner, links ein fünfendiges Hirschhorn, dasselbe über dem Helm. Inschrift: anno dmi 1558 | uff dinstag den 26. | Julii starb das edel | jungkfrawlin Sabina | von Helmstat des | Amptmans allhie | eheliche Dochter | und wartet der frolichen Uferste | -ung in Christo IHESV. Umschrift: Job 14. Der Mensch vom Weibe geboren lebt kurze Zeit.

| 4. Ein neben der Kanzel hängendes steinernes Epitaph, eine auf einem Todtenkopf liegende Figur mit Sanduhr darstellend, mit den Wappen von Limpurg, Erbach und Bitsch, ist gewidmet dem am 26. Juli 1590 gestorbenen 12 Wochen alten Gottfried, Söhnlein des Reichserbschenken Eberhard, Herrn zu Limpurg.

5. Ein Ölbild an der südlichen Wand, Jesus den Kinderfreund darstellend, mit dem Spruch: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solchen ist das Himmelreich; gewidmet dem Andenken des im J. 1594 gestorbenen jungen Friedrich Eberhard, Söhnchens des Eberhard von Limpurg, Neapoli praefectus semperque liber.

6. Auf einem Bilde, die Taufe Jesu darstellend, knieen ein Vater mit 2 Söhnen und eine Mutter mit 6 Töchtern. Umschrift: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darumb wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Anno dni 1598 den 29. Dec. starb selig in Christo der Ehrnhaft und vornehme Heinrich Dörtzbach, Burger und des Gerichts allhie . .; daneben: anno 1607 den 3. Nov. starb in Gott selig die erbare Maria Heinrich Dörtzbachs seel. nachgelassene Wtb, deren Seelen Gott gnädig sei.

7. Über einer der Thüren gegen Süden hängt ein Bild, auf welchem ein junger Ritter vor einem Crucifix kniet. Inschr.: Mittwoch Morgens umb 5 Uhr 7. Decbris ao. 1631 stirbt der Wohledel und gestreng Johannes Philippus von Ehrenberg, seines Alters 18 Jahr, als er auss dem Krieg kranck nacher Newenstatt Kommen, ligt allhier im Chor begraben, dessen Sel Gott genade.“ Umschrift: Der Mensch vom Weib geboren lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe.

b) Im Chor an der nördlichen Wand stehen neben einander zwei große Grabdenkmäler der von Gemmingenschen Familie; sie sind an Größe, Anlage und Bemalung ziemlich gleich, nur ist das eine noch zopfiger gehalten als das andere. Das Gemälde auf dem einen, links vom Beschauer, zeigt die Auferstehung, das rechts Jesus am Kreuz. Bei beiden tragen je 4 bemalte und vergoldete kannelirte Halbsäulen mit korinthischen Kapitälen einen mit Köpfen geschmückten Fries; zwischen den Säulen sind zu beiden Seiten je 6 kleine Wappen über einander, und zwar sind die rechtsseitigen auf beiden Epitaphien gleich. Oben im abgebrochenen Schnörkelgiebelfeld, dessen Ecken mit Früchten ausgefüllt sind, stehen neben einander 2 größere Wappen, nemlich auf dem einen die von Gemmingen und Grumbach, auf dem anderen die von Gemmingen und Becka (Meißnisches Geschlecht). Unter dem die Auferstehung vorstellenden Bild knieen mit Namensbändern: Hans Philipps, Bernolf, Hanß Conratt, Eberhard, Bernolf; Anna Maria, Anna Rosine, Maria Magdalena, Helene Maria, Maria Salome, Anna Dorothea. – Inschrift: Uff Sonntag den 17. Monatstag Decbris ao. 1609 ist in Gott seeliglich entschlaffen der Edel und Vöst Bernolff v. Gemingen zur Bürg. Desen Leicha der Allmechtig ein fröliche Uferstehung verleihen wölle. Amen. – Uff Dienstag vor Mittag d. 15. Sept. 1607 ist in Gott seeliglich entschlaffen die Edle und tugendsame Fraw Anna von Gemingen, geb. von Grumbach, deren Leicha der Allmechtig eine fröliche Ufersteung verleihe. Amen. Die 12 kleinen Wappen auf beiden Seiten sind ohne Namen.

Auf dem zweiten Bild kniet unten ein Ritter und seine Frau betend. Inschrift: Mittwoch den 29. Januarii 1617 ist der wohledel und| gestreng Schweickhard von Gemmingen zu Presteneckh in Christo seliglich entschlaffen, seines Alters 61 Jahr 2 Wochen zwen Tage, welchem Gott zu seiner Zeit eine fröhliche Aufferstehung verleihe. Amen. 1. Joh.1, 8. Das Blut Jesu Christi des Sohnes Gottes macht uns rein von aller Sünde. – Sonntag den 30. Janu. 1631 ist seliglich nachgevolgt die hoch wohledel Ehrentugendreiche Fraw Maria von Gemmingen, geb. von Beckha, ebengemeldten Junckhern G. nachgelasene Wtb. ihres Alters 60 Jahr, welche Gott an jenem tag mitt Freuden wieder aufferweckhe. Amen. Die 2 größeren Wappen oben tragen die Namen Gemmingen und Becka, die 12 kleineren links (vom Beschauer, heraldisch rechts): Werffsrecht, Adolzheim, Gemmingen, Greck von Kochendorf, Venningen, Ehrnberg; auf der andern Seite: Endt, Korbitz, Schönfeld, Wolffen, Wolframsdorf, Rauchhaupt. – An der Ostwand des Chors: Grabstein des Michael Jacobus Wolf, Diaconus Botwarensis.

Im Chor wurden noch weiter begraben: den 5. Oct. 1596 Freiin Philippine, geb. Gräfin v. der Widt; den 16. Dez. 1631 Johann Philipp von Ehrenberg; den 25. Mai 1632 Peter von Helmstatt; den 21. März 1645 Anna Catharina Sänftin von Sulburg, geb. v. Krewinkel.

Die Kirche hat keinen eigenen Thurm; als Kirchthurm dient der sog. obere Thorthurm. Es ist dies ein starker massiver, außen mit Verputz beworfener 4eckiger Bau, nahezu quadratisch, der in 3 Stockwerken aufsteigt; seine Mauern sind ca. 1 m stark, der innere Raum ist 10 Schritte lang und ebenso breit. Unten führt durch rundbogige Thoröffnungen die nach Öhringen führende Straße hindurch; rechts und links vom Thor gehen nach innen Strebepfeiler, nördlich stößt an den Thurm die Sakristei und Gruft neben der Kirche, wodurch er mit dieser zusammenhängt, südlich schließen sich Häuschen an, die an die alte Stadtmauer stoßen. Der Schlußstein des inneren Thorbogens ist ein Maskenkopf; etwas weiter oben ist eine Steintafel eingesetzt mit der Jahreszahl 1703, darüber ein geschlossener Helm und 2 kleine leere Wappenschildchen, darunter sind folgende Namen: Vogt J. N. Ritter.-Burgem. J. G. Durst. J. C. Lang Richter. Aboth. J. G. Schl. S. L. C. Bauer. L. N. Ashener. J. H. F. Werner. M. Endres. H. Barthold. F. Sitzler. V. A. Schäfer. M. Megerl. Meister Martin. Gegenüber auf der Außenseite befindet sich über dem Thor nebst der Jahreszahl 1703 das württembergische Herzogswappen und das von Eberstein’sche (Eber und Stern?) mit der Inschrift:

von Gottes Gnaden von Gottes Gnaden
Friedrich August Herzog zu Albertine Sophie Herzogin von
Württemberg und Teck, Graf zu Württemberg und Teck, geb.
Mömpelgardt und Heidenheim. Gräfin von Eberstein.
| Das dritte Stockwerk, mit ringsherumgehender Galerie versehen und etwas zurückgesetzt, enthält die Glocken; über diesem kommt auf kräftig profilirtem Gesimse das etwas sonderbar geformte, chinesisch anmuthende, eingezogene Dach mit Schiefer gedeckt; darüber ein viereckiger, mit schiefergedeckter Kuppel versehener Aufsatz, welcher die Uhr enthält. Im oberen Theil des Thurms befand sich früher die Hochwächters- und Stadtzinkenistenwohnung; nachdem aber dieser Theil im Jahr 1831 sammt dem Glockenstuhl abgebrannt war, wurde der Thurm in seiner jetzigen Gestalt und ohne Hochwächterswohnung hergestellt. Auf dem Thurm hängen 3 Glocken, sämmtliche, nachdem die alten beim Brand zerschmolzen waren, durch Glockengießer Neubert in Ludwigsburg hergestellt. Die Erhaltung der Kirche liegt nach Vertrag von 1775 dem Heiligen allein ob; das pium corpus muß die Glocken auf dem Thurm, die Stadt den Thurm selbst nebst der Uhr unterhalten.

Von Kirchengeräthen verdienen Erwähnung die von Herzog Karl Rudolf († 1742) für die Stiftskirche gestifteten vasa sacra, nemlich 2 große silberne innen vergoldete Kannen, ein außen vergoldeter silberner Kelch, eine silberne innen vergoldete Hostienkapsel und eine silberne Patene. Diese sämmtlichen Geräthe sind geschmückt mit dem herzogl. württembergischen und Braunschweig-Lüneburgischen Wappen und haben die Inschrift F. H. Z. W. C. A. H. Z. W. G. H. Z. B. V. L. (Friedrich Herzog zu Württ., Clara Augusta Herzogin zu Württ. geb. Herz. zu Braunschw. u. Lüneb.)

Der gegenwärtige Begräbnisplatz liegt außerhalb der Stadt, ca. 220 m vom obern Thor entfernt am Bergabhang gegen das Brettachthal, etwas abschüssig, aber trocken und sonnig. Er ist seit dem Jahr 1636 in Verwendung; vor dieser Zeit bildete der Kirchhof bei der alten Kirche von Helmbund den Begräbnisplatz für Neuenstadt, er wurde aber vom genannten Jahr ab allmählich aufgegeben und verlassen. (s. u.)

Der Gottesacker ist entstanden durch verschiedene Stiftungen von Gartenstücken durch Private; als erster Stifter wird genannt der am 14. Okt. 1636 gestorbene Otto Bauer von Cassel, juris utriusque licentiatus, der selbst am 16. Okt. 1636 „oben bei der Thüren“ als der erste begraben wurde. (Weitere Legate: von Laurentius Schmeltz 1650, von den Schmeltz’schen Erben 1676, von Friedrich Krieger 1708, von Friedrich Müller 1779/80, aus der Dr. C. A. Möricke’schen Stiftung 1875/76.)

| Da bis ins 18. Jahrhundert nur auf einer Seite eine Mauer war, auf den andern aber nur ein Zaun, und die Gräber durch die Schweine stark verwüstet wurden, so nahm Spezial M. Hochstetter anno 1736 als an dem anno fundati coemeterii jubilaeo am 16. Sonntag nach Trinitatis Gelegenheit, in der Predigt der Gemeinde die Aufführung einer Kirchhofmauer nachdrücklich zu rekommandiren. Im Jahr 1753/54 wurde dann mit der Ummauerung begonnen. 1763 wurde das neue Portal, das erst seit 1877 weiter gegen Westen versetzt und erhöht wurde, nebst der 1877 gleichfalls eingerissenen westlichen Mauer errichtet. 1789/90 wurde ein Theil der östlichen Mauer neu aufgeführt, 1872 und 1877 die südliche. 1877 wurde in Folge von Vergrößerung gegen Westen eine neue Mauer mit eisernem Gitter errichtet, endlich 1880 eine neue Mauer gegen Norden und Osten. – Der Kirchhof enthält jetzt mehrere schöne Grabmonumente, von Dr. Möricke etc.

Das Rathhaus, an der Hauptstraße stehend, hat unten gegen die Straße zwei Thorbogen; der Eingang geschieht durch den oberen, daneben sind Remisen und Feuerspritzenlokale. Auf dem First sitzt ein Glockenthürmchen. Die hintere Seite fällt nach Norden tief ab gegen den Zwinger. Die Zeit der Erbauung des Hauses ist unbekannt, der hintere, nach Norden gehende Theil scheint älter als der vordere. – Auf dem Rathhaus befindet sich unter andern Dokumenten das sog. Statutenbuch von 1536 in 2 Bänden, enthaltend eine genaue Darstellung und Beschreibung der Rechte, Freiheiten und Gewohnheiten der Stadt, an dessen Schluß im zweiten Band Herzog Friedrich August von Württemberg bemerkt: „Die Ordnungen seind gutt undt herrlich, undt sollte billich jeder Bürgermeister solche außwendig können. Es wurdt aber so liderlich darnach gethan, daß man sich bald schämen sollte, etwas weitteres anordnen. Jedoch ist jede Obrigkeit schuldig nach ihrer Pflicht darauf zu halten, da es eine große Verandtwortung bei dem Allerhöchsten hatt“.

Der Stadt gehören ferner 2 Schulhäuser. 1. das obere Schulhaus in der Brunnengasse am Brunnen, 1795 von der Stadt erbaut, enthält 2 Lehrzimmer, die Wohnung des ersten Schullehrers und das Zimmer des Lehrgehilfen. Die deutsche Schule (jetzt Volksschule) wurde schon 1614 von der Lateinschule getrennt und hat seit 1616 besondere Schullehrer; wo aber Anfangs die deutsche Schule war, ist unbekannt. 2. das untere Schulhaus in der hinteren Gasse, 1858 auf der früheren Kelter| gebaut, enthält 3 Lehrzimmer, Mittelklasse der Volksschule, Präzeptorats- und Kollaboraturklasse der lateinischen Schule, sowie die Wohnungen des Präzeptors und des zweiten Volksschullehrers. Der Kollaborator wohnt zur Miethe in einem Privathaus.

Seit 1846 besteht, aus den Mitteln der Hausleutnerischen Stiftung errichtet, eine Kleinkinderschule mit Lehrerin in einem Häuschen neben dem oberen Thor; ferner seit 1875 eine Industrieschule. Außerdem wird in den genannten Lokalen gehalten: eine Sonntagsgewerbe- und Zeichenschule, im Winter eine Winterabendschule.

Die Stadt besitzt ferner ein Backhaus mit 3 Öfen, zugleich Badanstalt mit 3 Badekabineten in einem Haus am mittleren Thor mit Glockenthürmchen; die Badeinrichtung stammt aus dem Jahr 1839 von Dr. Elsäßer (s. u.) und ist auch im Winter benützbar; es können Wasserbäder und Soolbäder (die Soole von Friedrichshall) genommen werden. Sie besitzt ferner eine öffentliche Kelter mit 2 Bäumen und 2 Pressen; ein Armenhaus, seit 1873 in die Hand der Stadt übergegangen; ein Schafhaus an der Straße nach Cleversulzbach, mit den dazu gehörigen Gütern, ursprünglich vom J. 1510 an ein herzoglich württemb. Erblehen, 1850 von der Stadt mit dem Schäfereirecht erworben um 26.300 fl.; endlich ein Wachthaus. –

Dem Staate gehören die noch vorhandenen Gebäude von dem früheren herzoglichen Schloß, das im Jahr 1565 von Herzog Christoph an der Stelle eines von ihm 1560–1564 abgebrochenen früheren Schlosses der Herren von Weinsberg auf den Fundamenten der alten Römerniederlassung zu bauen angefangen wurde. Der älteste Bestandtheil ist der nördliche Flügel, der sog. Türnizbau; hiezu kam in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts der Ostflügel, der sich von Norden nach Süden ziehend den Schloßhof gegen Osten begrenzt und unter dem Namen Lindenbau oder Prinzessenbau bis zur Kirche reicht. Dazu wurde weiter gefügt ein hoher schmaler, aber sehr tiefer Bau, zwischen der Türniz und dem Rathhaus, der Marstall mit Archiv und Kanzlei, später die sog. Kellerei; ferner der im J. 1680 gebaute sog. Neue Bau oder Steinbau mit Marstall, vorn an die Straße stoßend, wodurch der Schloßhof im Westen und Südwesten abgegrenzt, aber auch sehr eingeengt wurde. Zwischen diesem Bau und der Westseite der Kirche führte dann eine verhältnismäßig schmale Einfahrt in den Schloßhof. Dieser Bau ist heutzutage gänzlich verschwunden: er wurde im J. 1826 behufs| der Erbauung der neuen Straße nach Möckmühl, welche unter dem nördlichen Schloßflügel durchführt, abgebrochen und der dadurch gewonnene neue Platz in Verbindung mit dem übrigen Schloßhof, mit Ausnahme des sog. inneren Hofs, als Marktplatz an die Stadtgemeinde verkauft.

Der Türnizbau wurde 1829, als das Kameralamt von Kochendorf hieher verlegt wurde, zum Sitz des Kameralamts eingerichtet. Es ist dies ein stattlicher, dreistockiger, wohl hergerichteter und gut erhaltener Bau mit breiter Façade gegen Süden und großem, reich verziertem Rundbogen-Portal in bester Renaissance an der Ostseite. An ihn schließt sich östlich das Forstamt, 2 Flügel, der längere östliche (der Lindenbau) und der kleinere nördliche, im rechten Winkel zusammenstoßend im Nordosten, wo ein runder Eckthurm steht. Dieser Theil enthält den sog. Rittersaal, die Kanzleien des 1822 von Kochersteinsfeld hieherverlegten Forstamts und die Wohnung des Forstmeisters. Nach Süden steht der östliche Flügel mit dem Chor der Kirche in Verbindung. Das oben erwähnte Gebäude endlich westlich vom Kameralamt, die frühere Kellerei, ein dreistockiger schmaler, aber sehr tiefer Bau, der hinten nach Norden tief abfällt zur sog. Planie, enthält jetzt die Kanzlei des seit 1818 (bezw. 1822) eingerichteten Revieramts, mit dem 1870 das Revier von Lampoldshausen vereinigt wurde, sowie die Wohnung des Revierförsters. Seit 1781 waren die Schloßgebäude unbewohnt und wurden als Fruchtspeicher u. s. w. benützt, von 1806 bis 1815 dienten sie als Kaserne einer in Neuenstadt liegenden Garnison.

Weitere Bestandtheile und Zubehörden der herzoglichem Residenz waren: das Jägerhaus, außen an der Stadt bei der Mühle an der Brettach im J. 1603 für die Hofjägerei erbaut, 1739 umgebaut; das vordere Bandhaus und Speicher in der hinteren Gasse neben dem Brunnen; das hintere Bandhaus mit Speicher hinter dem vorigen; die Heu- und Zehntscheuer unten vor dem Geißelthor, 1606 erbaut, auch eine Zeitlang als Kelter eingerichtet. Diese sämmtlichen Gebäude sind jetzt im Besitz von Privaten. Über das Schafhaus (herzogl. Erblehen) s. oben. Endlich gehörte von Gebäuden zu den herrschaftlichen Besitzungen die jetzige mittlere Mühle, die frühere Stadtmühle, im J. 1683 der Stadt als Erblehen verliehen.

Aus Urkunden im K. Staatsarchiv in Stuttgart erhellt Folgendes:

| Zu Neuenstadt am Kocher wird unter Schickhardts Leitung 1617–21 ein Brunnen, Schloß, Kelter und Wagenhaus gebaut.

1617 der Brunnen im Schloß. 1618 macht der Meurer Godtfridt schübel (schibel) den neuen steinigen Brunnenkasten im Schloßhof, auch die Brunnensäule. Der württemb. schilt aber, wie auch beide Lewenköpff, dadurch das Wasser lauft, soll durch einen Bildhauer von Bretten oder Helbrun gemacht werden. (In Wirklichkeit dürfte „Wolff schwartz Steinmetz, Bürger in Stuttgart“ diese Theile ausgeführt haben, da er 12.–16. Juni 1620 in Neuenstadt in Arbeit war.) Schibel macht auch das Gartenthor. Schreiner ist Sebastian Rotenburger. Ein andermal wird Daniel Sohs Schreiner genannt. 1620 ist Schübel gestorben.

1619 und 21 ist Hans Ulmer, B. und Zimmermann zu Neuenstat genannt.

Paulus Haaß (auch Hasenbein), B. und Maurer zu Neuenstatt muß des Schübel Nachfolger gewesen sein, arbeitet am Jägerhaus und Waschhaus. Er wird 1621 in Siglingen auch genannt.

Von Gärten gehörten zum Schloß: 1. der über 8 Morgen große Hof- und Schloßgarten vor dem oberen Thor; von ihm wurde ein Theil 1830 und in den folgenden Jahren an die Stadtgemeinde zu Anlegung des äußeren Marktplatzes, ein anderer an verschiedene Private verkauft. Der jetzt noch vorhandene Theil ist an die im Schloß wohnenden Beamten verpachtet. 2. der herrschaftliche Lindengarten hinter dem Schloß, südlich an den städtischen Lindenplatz, nördlich an die Kocherwiesen stoßend, bis 1781 Fideikommißgut; im J. 1826 wurde er durch die Anlage der neuen Straße nach Bürg durchschnitten und der obere Theil verkauft. Zur Herrschaft gehörten endlich ca. 55 Morgen Wiesen.

Dem Staat gehören ferner: 1. Das Dekanat- und Stadtpfarrhaus an der Pfarrgasse, 1747 erbaut an Stelle des früheren zur Erasimipfründe gehörigen Pfarrhauses. 2. das Diakonathaus im sog. Zehnthof, gegen Süden auf der Mauer stehend, der vormalige Schönthaler Hof, 1488 von Abt Johannes gebaut, war gleich anfänglich ein Pfarrhaus, später Wohnung des Schönthaler Kellers, ging 1699 durch Kauf und Tausch an Herzog Karl Rudolf von Neuenstadt über und dient seit 1799 seinem jetzigen Zweck. In dem durch Ablösung der Zehnten und Gefälle disponibel gewordenen Speichergebäude wurden im| J. 1856 forstamtliche Gefängnisse eingerichtet. Die übrigen Gelasse sind nebst dem Keller vermiethet.

An der die Stadt von West nach Ost durchziehenden Hauptstraße finden sich mehrere Häuser aus der späteren Renaissancezeit, wie der Gasthof zum Lamm, weiter nach oben das Eckhaus an der Pfarrgasse, mit Voluten über der Thüre und rundem Erker, der von einer Rundsäule getragen wird, mit steinernem, von Säulen getragenem Balkon gegen die Gasse; die Apotheke, vormalige Hofapotheke mit Wappen (Haken und Eicheln) und der Jahrszahl 1801. In dem Haus unter dem Rathhaus, das früher der Stadt gehörte, jetzt im Privatbesitz ist, findet sich eine sehr schöne hölzerne Wendeltreppe von Eichenholz mit Geländer in reichem Rococostil; unten im Haus sind große Keller. – Das Mörickesche Frauenstift ist ein hübscher zweistockiger Bau, ursprünglich von Dr. Elsäßer (s. u.) erbaut. Zu erwähnen wäre noch ein in einem Seitengäßchen in der Nähe der Hauptstraße gelegenes nicht großes Privatgebäude aus Stein, das aber eine großartige Fassade mit schönen toskanischen Säulen zeigt.

Mit gutem Trinkwasser ist die Stadt ausreichend versehen; Quellen sind reichlich vorhanden. Von ihnen speisen die Brunnen in der Stadt 2 Hauptleitungen mit gußeisernen, zum Theil auch bleiernen Röhren, die eine aus einer Quelle im Dahbachthal, die sog. Seebronnenquelle, die andere aus 5 zusammengefaßten Quellen im Limbachthal, am Fuße des Ackergewandes „im Schänzle“. Eine weitere Quelle im Brettachthal, „der fallende Bronnen“, noch stärker als die obigen Leitungen, ist unbenützt.

Von den 9 laufenden öffentlichen Brunnen sind bemerkenswerth: der am mittleren Thor mit steinerner Säule, doppeltem steinernem Bassin, auf dessen viereckiger Säule ein aufrechtstehender Löwe das württembergische Herzogswappen mit Farben gemalt hält, darunter: Baumann 1744. Herr Amtsburgermeister Aug. Bernh. Hochstetter. C. Schöck, Stadtpfleger 1848; ferner der Brunnen im Schloßhof mit einem starken Rohr, der zuerst durch Baumeister Schickhard mittelst der Leitung aus dem Limbachthal, die zu damaliger Zeit für ein Meisterwerk galt, hergestellt wurde.

Die Gemeindemarkung, im Ganzen 4133 Parzellen, beträgt 38752/8 Morgen, wovon auf Äcker 2127 M., auf Wiesen 348 M., auf Weinberge 69 M., auf Waldungen 1078 Morgen kommen. Die wellige Hochebene des nördlichen und mittleren| Theils der Markung geht gegen Süden in waldige Höhen über. Der Boden, ein humushaltiger Lehmboden mit etwas Sand, zum Theil auch Thon und Mergel, ist gut und fruchtbar; nur wenige steile Hänge mit rauherem Boden sind minder ergiebig; sumpfige Wiesen mit saurem Futter finden sich nur in den äußeren Partien der 3 Wiesenthäler. Garten-Produkte gedeihen alle, auch feinere Gemüse; der Weinbau ist aber schon beschränkt. Das Klima ist im allgemeinen mild, die Sommernächte in der Regel warm, doch kommen ausnahmsweise im Vorsommer auch Frostnächte und kalte Nebel vor. Für die Windströmung ist die Gegend ganz offen, doch ist diese durch die niedere Lage gemäßigt. Hagelschlag kommt zuweilen vor, so z. B. 1861, 1862 und 1873 schwer, ebenso Gewitterschaden durch Stürme 1877 und 1878. Die Wetterscheide ist der Scheuerberg, sodann der ganze Höhenzug vom Scheuerberg nordöstlich gegen Maienfels; nordseitig zwischen Kocher- und Jagstthal scheidet einigermaßen der Hardthäuser Wald. In früheren Zeiten bestanden Seen auf dem herrschaftlichen Seewiesengut im Dahbachthal.

Die Markung wird berührt vom Kocher, der früher zur Scheitholzflößerei von Hall nach Friedrichshall benützt wurde, der Brettach, welche hart an der Stadt in den Kocher mündet, dem Sulzbach, der in die Brettach fließt, dem Dahbach, der ebenfalls in die Brettach mündet, dem Wäschbach, der vom Brambacher Hof her kommend, zum Kocher geht.

Auf der Bergebene südlich befindet sich am Bergrain „Pförzer“ ein alter Sandsteinbruch, der aber nur für den nöthigsten Bedarf betrieben wird und etwas weiche Steine liefert. Ferner gibt es auf der Markung eine Lehmgrube und eine Kiesgrube.

Die Erwerbsmittel der Einwohner bestehen in Gewerbebetrieb, Feldbau mit und ohne Viehhaltung, sowie Taglohnarbeit. In Folge der Anlegung der Eisenbahnen ins Kocher- und Jagstthal, wobei Neuenstadt neben draußen blieb, hat der Verkehr sehr abgenommen, während der Ort früher Einstellplatz auf der Linie Heilbronn-Würzburg, sowie auf der ins Tauberthal und Jagstthal führenden Linie war. In Folge dieser Abnahme des Verkehrs ist auch das Gewerbe zurückgegangen. Etwa 10 % der 300 Familien sind in guten, 20 % in mittleren, 40 % in schwachen, 15 % in geringen und 15 % in ärmlichen Verhältnissen. Der vermöglichste Mann besitzt 70 Morgen Felder, nach ihm kommen ca. 20 Bauern mit 35–50 Morgen, ebensoviele mit 20–35 Morgen, der mittlere Mann hat 15–25 M.,| der ärmere 3–6, die meisten Taglöhner 1–2 Morgen. Mühlen gibt es 3, sämmtlich an der Brettach, und zwar 1. die ehmalige Stadtmühle, jetzt mittlere Mühle mit 4 Mahlgängen und einem Gerbgang, dabei eine Sägmühle. 2. die obere Mühle mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, mit Lohmühle. 3. die untere Mühle, Ölmühle mit Hanfreibe und Gipsmühle, sowie besonders angebauter Sägmühle. Es besteht ferner eine Ziegelei mit 2 Hochöfen; Schildwirthschaften gibt es 4, sowie 3 Brauereien mit Wirthschaftsbetrieb; 6 Kaufleute, wovon 3 zugleich Konditoren, und 2 Krämer sind im Ort.

Die Landwirthschaft wird mit Eifer und Sorgfalt betrieben und befindet sich in gutem Zustand; vorherrschend ist dabei der Kleinbauern-, der sog. Kuhbauernstand. Die Markung ist seit den letzten 15 Jahren mit ständigen Feldwegen versehen worden, und mit der Feldwegregulirung wird noch fortgefahren.

Außer viel Zuckerrüben werden auf den Verkauf auch einige Cichorien gebaut.

Der Wiesenbau dürfte zum Theil beim Kleinbauern etwas stärker sein. Das Futter ist gut, nur ein kleiner Theil aus Thalwiesen sauer.

Dagegen wird der Obstbau an den Straßen und einzelnen Feldwegen, in Baum- und Grasgärten, ebenso auf Allmandplätzen stark betrieben. Ein Baumgärtner hat eine Baumschule, aus welcher er jährlich ca. 150 Stämme zum Versetzen ausheben kann. Gelernte Baumwärter sind 3 aufgestellt.

Die Gemeinde besitzt im Ganzen 9311/8 M. Wald; davon sind 111/8 M. Laubwald an der Kocherhälde, 920 Morgen in einem Komplex auf der Bergebene, meist Laubwald. Das Erträgnis derselben besteht in ca. 300 Klaftern Holz und 1600 Wellen. Die Bürgergabe beträgt seit 1879 50 Wellen für den Bürger; der übrige Ertrag wird für die Stadtkasse verkauft.

Die Stoppelweide und Winterwiesenweide ist sammt einem städtischen Gut von der Stadt verpachtet und wird von dem Pächter im Winter mit 500, im Sommer mit 150–200 Stücken befahren, welche auf dem Schäfereihof überwintert werden. Der Pachtgeldantheil an jährlichen 3500 fl. aus Gut und Schäferei ist für letztere zu 800 fl. anzunehmen; die Pferchnutzung, welche die Stadt nur auf 2 Monate hat, trägt ca. 200 fl.

An Allmandland besitzt die Stadt nur 11/2 Morgen, welche in 190 sog. Allmandländer vertheilt sind und an die Ortsbürger unentgeltlich abwechslungsweise überlassen werden. Dagegen besitzt| die Gemeinde 140 Morgen Äcker in einem Komplex, 1852/56 durch Waldausstockung angelegt, sowie 40 Morgen Wiesen. Dieses Gut sammt der Schäferei ist um jährliche 3500 M. verpachtet. Das zu dem Gut gehörige Schafhofgebäude wurde 1850 um 26.300 fl. von der Stadt erworben. Der Staat besitzt noch das sog. Seegut mit 14,23 ha = 45 Morgen, welche einzeln verpachtet sind.

Den Viehhandel haben ganz die Juden in der Hand, die Bauern züchten blos Jungvieh und verkaufen solches 1–11/2-jährig; gemästet werden jährlich 40–50 Stücke.

Zur Schweinezucht werden ca. 10–12 Mutterschweine gehalten; die meisten Ferkel aber (der Landrace angehörig) werden auf den Märkten in Öhringen und Heilbronn aufgekauft.

Ein Frachtfuhrmann fährt wöchentlich dreimal nach Neckarsulm und Heilbronn und am gleichen Tag wieder zurück.

Postverbindung besteht nach Neckarsulm, Kochersteinsfeld und Öhringen.

Die Stadt ist berechtigt zur Abhaltung von 3 Krämermärkten, von welchen aber nur einer, der im Dezember, einigermaßen nennenswerth ist, sowie zur Abhaltung von 4 Viehmärkten, welche ziemliche Frequenz haben.

Eine Feuerwehr mit militärischer Organisation wurde im J. 1861 gegründet; sie ist mit den erforderlichen Feuerlöschgeräthschaften, insbesondere 2 Fahrspritzen, 2 Handspritzen, einem Hydrophor nebst Schläuchen, Steigleitern und Rettungsschlauch versehen.

Zur Unterstützung der Armen bestand schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts eine besondere Almosenpflege, hervorgegangen aus einer jährlichen Sammlung von Beiträgen behufs Abstellung des Gassenbettels, wobei die Obrigkeit sich vorbehielt, den einzelnen selbst einen Ansatz zu machen, der bald zur Steuer geschlagen wurde. Ihr Grundstocksvermögen betrug 1876: Soll: 4238 M. 11 Pf.; Hat: 8743 M. 74 Pf.

Stiftungen. An Stiftungen ist Neuenstadt sehr reich, und wäre es in noch höherem Grad, wenn nicht in früheren Zeiten die Verwaltung der Stiftungen theilweise eine sehr mangelhafte und nachläßige gewesen wäre, so daß die Kapitalien nicht sicher angelegt, die Zinsen nicht zur rechten Zeit eingetrieben und verwendet wurden, daß sogar manche Stiftungen mit Kapital und Zins besonders in den Kriegszeiten ganz verloren gingen. Das Grundstocksvermögen der Stiftungspflege bestand am 1. Juli| 1876 in 30.582 M., worunter auch die Ablösungskapitalien für die früher bezogenen Gefälle in den Markungen Neuenstadt, Brettach, Bürg, Kochersteinsfeld, Kocherthürn, Cleversulzbach und Oedheim begriffen sind.

1. Armenstiftungen aus den Jahren 1587 bis 1877, deren Zinsen an verschiedenen Terminen an vom Kirchenkonvent bestimmte Arme in der Sakristei vertheilt werden. Hierunter sind folgende hervorzuheben:

Schweikhardt v. Gemmingen zu Presteneck 300 Gulden 1615; Joh. Phil. v. Ehrenberg, 1631 krank allhie angekommen und todt verblieben, hat, dieweil sein Leichnam in die Stadtkirch bestattet worden, 100 Gulden legirt; Eleonore Wilhelmine Charlotte, Herzogin zu Württemberg 1751 160 Gulden; Bürgermeister Hochstetters Witwe 1769 und Leibmedikus Fabers Witwe 1772 je 100 fl.; Herzog Karl 5 Scheffel Dinkel jährlich 1785, abgelöst 1827 mit 400 fl.; Apotheker und Bürgermeister Möricke’s Erben 1813 300 fl.; Lammwirth Kachels Ehefrau 1824, Forstkassier Schlotterbecks Erben 1825, Stadtrath Karls Witwe 1852, Bauer Schallers Hinterbliebene 1859 je 100 fl.; Lammwirth Kachels Witwe 1860 300 fl.; Hofrath Dr. Möricke mit Frau und Sohn 1863 700 fl.; Dr. K. A. Möricke und Frau neben 500 fl. zur Erweiterung des Kirchhofs 500 fl. 1868; Gutsbesitzer Reiner und seine Witwe 400 fl. 1870; Pfarrgemeinderath Schäfer 150 fl. 1870; Bauer Gramlichs Ehefrau 1873 100 fl.; Ökonom Leitz 1874 und Rentamtmann Binder und Frau 1875 je 100 fl.; Bestandschäfer Kollmers Witwe 200 fl. 1877.

2. Schulstiftungen. Die Zinsen derselben werden der Schulfondsverwaltung übergeben und durch diese zu Anschaffung von Büchern für arme Kinder und von Vierteljahrsheften verwendet.

Hievon sind hervorzuheben: a) die Hausleutner’sche Stiftung. Der im J. 1820 kinderlos gestorbene, aus Neuenstadt gebürtige Philipp Wilhelm Gottlieb Hausleutner, Professor etc. (s. u.), hatte die Hälfte seiner Hinterlassenschaft als Grundlage zu einer sog. „Industrieanstalt für dürftige Kinder männlichen Geschlechts aus dem gemeinen Stande“ legirt, welche im Jahr 1828 durch Abfindung mit der Witwe mit 4500 fl. der Stadt zukam mit der Bestimmung, daß diese Summe als besondere Stiftung abgesondert verwaltet und durch Zinsenanwachs auf die Summe von 8000 admassirt würde. Nachdem dies im Jahr| 1847 geschehen, wird das Stiftungskapital verwendet: zu 1/3 für Lehrgeldsbeiträge und realistische Studienkostenbeiträge an Bürgerssöhne, 1/3 zu Zwecken der örtlichen Industrieschule, das letzte Drittel, sowie etwaige vakante Erträgnisse aus den zwei ersten, zu den Kosten der Kleinkinderschule.

b) Die Schütz’sche Stiftung, im Betrage von 500 fl., hat der verstorbene Amtsschreiber Schütz in Maulbronn zum Andenken an seinen Vater für studirende Nachkommen gemacht und in die Verwaltung des hiesigen Stiftungsraths übergeben. Im Fall des Aussterbens der Familie des Amtsschreibers und seines Bruders M. Wilhelm Gottlieb Schütz soll es auf studirende Bürgerssöhne von Neuenstadt verwendet werden. Grundstock am 1. Juli 1875 Soll: 1084 fl. 32 kr., Hat: 1230 fl.

3. Stiftungen in den Heiligen und in die Almosenkasse mit ausdrücklicher Bestimmung der Kapitalisirung. (4 kleinere Beträge.)

4. Stiftungen zu Kirchengeräth seit 1653.

5. Vier Stiftungen von Güterstücken zu den Besoldungen der Kirchenstellen.

6. Die Stiftungen der Möricke’schen Familie in Neuenstadt. Von diesen fallen einige unter Nr. 1 und 4; die Hauptstiftung ist die von der verwitweten Frau Dr. Möricke geb. Seyffer 1874 zum ehrenden Gedächtnis an ihren am 1. Juni 1874 gestorbenen Gatten gemachte Stiftung, wodurch das ganze Neuenstadter Besitzthum der Witwe an Gebäuden und Gütern im Werth von ca. 34.000 fl. zu einem Frauenstift (s. o.) bestimmt und dasselbe als Asyl für einzeln stehende Witwen, Frauen und Jungfrauen eingerichtet wurde, in welchem den Stiftsfrauen bei friedlichem Zusammenleben in einem gemeinschaftlichen Haushalte unter einer Oberin gegen einen jährlichen Beitrag von 350 M. oder eine entsprechende Kapitaleinlage eine sorgenfreie Existenz gewährt wird. Das Stift steht unter der Aufsicht der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins, insbesondere des Verwaltungsraths für Frauenstifte in Stuttgart. Im Jahr 1875 am 25. Mai eingeweiht, beherbergt dasselbe derzeit 13 Stiftsfrauen und eine Oberin.

Alterthümer: Eine Römerstraße führte an die frühere hier gestandene römische Niederlassung von Westen her südlich vom Kocher, und von römisch Neuenstadt-Helmbund weiter in östlicher Richtung nach vicus Aurelii (Öhringen), s. oben „Alterthümer“, von den Straßen Nr. 2. Ferner führte von der| Neuenstadter Niederlassung eine Römerstraße (oben Nr. 3) nördlich über Bürg, weiter „über die Höhe“ an die Jagst nach Züttlingen. Daß die römische Niederlassung, deren Namen wir nicht kennen, so ziemlich auf der Stelle der heutigen Stadt, vielleicht etwas mehr nach Osten sich erstreckend gestanden hat, ist unzweifelhaft. Das heutige Schloß steht wohl auf dem Grund des alten Kastells. Die oben S. 232 f. beschriebenen Denkmäler römischer Ansiedlung mit Inschriften sind zwar theilweise auf der Markung von Gochsen gefunden worden, gehören jedoch entschieden zu der Niederlassung Römisch-Neuenstadt-Helmbund. Ob die mit Backstein gemauerten Räume, die man in der sog. Manggasse (Haus-Nr. 199) fand, altrömischen Ursprungs sind (Hypocaustum), ist bis jetzt noch nicht festgestellt worden. – Von Münzen wurde gefunden im Jahr 1864 bei Ausgrabung eines Kellers beim Thorhäuschen eine römische Silbermünze im Umfang eines Kreuzers, aber dicker als ein Guldenstück. A.: Kopf mit Helm, darüber der Buchstabe R. R.: Ein Zweigespann, darüber ebenfalls R. Caput Romae galeatum. Venus in bigis cupidinum. Auch von Heliogabalus, Trajanus und Alexander Severus sollen hier Münzen schon in früherer Zeit gefunden worden sein. – Östlich vom Schloß, nördlich vom äußeren Marktplatz, steht die alte ehrwürdige Linde[1], nach der Neuenstadt benannt wird. Der Baum steht auf einer sehr alten öffentlichen Gerichtsstätte aus der Zeit der Gauverfassung, wie lange, ist kaum mehr zu schätzen. Der frühere Neuenstadter Schulmeister und Präzeptor Jakob Frischlin beschreibt ihn 1606 folgendermaßen: „Gleich vor dem oberen Thor zu der Newenstadt stehet ein wunderbarlich großer Lindenbaum, so breit und dick, dergleichen keiner in ganz Europa zu finden ist, welches Äst ringsherum liegen auf 160 (?) Säulen. Ist mancher Ast so dick als etwa ein großer Baum. Hat jeder Nast bis zum Stamm 30 Schritt und ist der Stamm 30 Ellen dick. Er ist gar hoch und wird von hölzernen Zwenken oben zusammengezogen, denn er hat zween Stammen oben in der Zwickgabel. Wenn kein Lindenbaum dastundt, wäre es ein ziemlich großer weiter Garten, denn| man kann darunter Jahrmarkt halten, hat mehr denn 30 (?) steinerne Tisch, viel Kögelplätz und allerlei Kurzweil. Die Fürsten, Grawen, Edelleut haben ihre Wappen in steinernen Säulen gehauen. Als Herzog Christoph und Herzog Friedrich von Würtemberg und Mömpelgard stehet die Jahreszahl 1564. – Es stehet auch ein Fuhrmann Wolf Keidel in ein steinerne Saul gehauen mit einer Geisel und einer großen Fuhrmannstaschen, der soll die Linde in der Tasche tragen haben und auf der Landstraß dahin gesetzt ...“ (Letzteres ist unbegründete Sage.) Die Zahl der Säulen wird zum Theil auf 62, theils nach einem Vers aus einer Beschreibung vom Jahr 1504 auf 67 angegeben: Bei Newstadt eine Linde stat, die 67 Säulen hat. Heutzutage ist der kreisähnliche, ca. 30 bis 35 m im Durchmesser haltende Lindenplatz vorn eingefaßt, von einer (von Herzog Christoph hergestellten) ca. 3 Fuß hohen Mauer. Der hübsche rundbogige Eingang im besten Renaissancestil von Süden her zeigt in den Zwickeln Medaillons mit Herzogsköpfen (rechts vom Beschauer ein Frauenkopf?) mit der Jahrszahl 1558. Darüber ist das herzoglich württembergische Wappen groß angebracht und darunter die Inschrift: Von Gottes Gnaden Christoph Herzog zu Wirttemberg und zu Thek Grave zu Mimppelgart etc. Neben dem Wappen steht Ren. – 18 . . Auch in den Zwickeln der inneren Seite sind 2 Medaillons mit Herzogsköpfen (einer von einer Frau). Auch steht hier wahrscheinlich der Name des Baumeisters: M. B. Buhl. Außerdem ist links vom Eingang in die Umfassungsmauer ein Stein eingemauert mit der Inschrift: Disi Lind stedt in Gotts Handt, welcher do nein ged der ein Seul kritzt oder schreibt oder ein Unf. (Unfug) der hot ein Hand verlorn. Der Baum selbst, zur Gattung der tilia grandifolia gehörig, hat unten, wo er mit einer gemauerten Steinbank umgeben ist, einen Umfang von etwa 46 Fuß. Der Hauptstamm theilt sich in einer Höhe von ca. 16 Fuß in 2 aufrechte ca. 30 und 70 Fuß hohe Stämme und 8 in der Höhe von ca. 8 bis 10′ über dem Boden horizontal auslaufende Seitenäste, welche von Stützen getragen werden. Die Äste sind selbst zum Theil in der Stärke eines Baumes, jedoch zum größten Theil von oben muldenförmig ausgefault und zur besseren Erhaltung ausgemauert; sie gehen übrigens sichtbar einem baldigen gänzlichen Absterben entgegen, so daß trotz der großen Ausdehnung und Verästung der Baum nicht den großartigen Eindruck macht, den| sich der Besucher vorher einbildet, vielmehr bietet er mehr das Bild einer ehrwürdigen Ruine. Einer der Seitenäste ist sogar durch eine 6 Fuß hohe Mauer unterstützt. Der eine der beiden aufrechten Stämme wurde am 17. Juni 1773 durch einen Gewittersturm in einer Höhe von 32 Fuß abgerissen, schoß dann aber wieder zu einer Höhe von ca. 70 Fuß auf; der zweite, ca. 120 Fuß hohe aufrechte Ast wurde am 18. Juli 1847 von einem Sturm in einer Höhe von 30 Fuß abgerissen, von welchem Unfall er sich nicht mehr erholt hat. Ferner brach in den 1820er Jahren in Folge des durch Unachtsamkeit herbeigeführten Sturzes einer Säule ein Ast gegen den Schloßgraben.

Zur Ergänzung des abgängigen Blätterdachs der alten Linde sind allmählig zu verschiedenen Zeiten auf dem Platz um sie junge nachgezogen worden, von denen heutzutage noch 14 stehen.

Die Zahl der den Ästen zu Stützen dienenden Säulen, welche nicht mehr auf ihrem ursprünglichen Platz stehen, sondern willkürlich versetzt sind, soll im Jahr 1856 88 steinerne und 16 hölzerne betragen haben; heutzutage sind 90 steinerne und 8 hölzerne Säulen vorhanden. Von den mit Wappen und Inschriften und theilweise Jahrszahlen versehenen steinernen Säulen, wovon viele im besten Renaissancegeschmack gehalten sind, erwähnen wir, indem wir die mit Jahreszahlen versehenen dem Alter nach aufzählen:

1. Albert von Rosenberg, Ritter. 1551.
2. Hauprecht Bart, Keller zur Newenstat. 1551.
3. von Ehrenberg. 1551.
4. Sigmund Siginger. 1551.
5. Link. 1554.
6. von Gemmingen. 1555.
7. Michel Helmling. 1555.
8. Wolf Keidel. 1555.
9. Hans Funck, zu der Zeid Burgermeister gewest. 1555. Die Erst.
10. Wappen von Mainz. 1555.
11. Wolfgang Schmid von Rommelt 1555.
12. Burckhart von Weiller. 1571.
13. Hans Ulrich von (?) Steinen . . . 1575, zweimal.
14. Deo fido. Alperich Grof zu Leenstein und Her zu Scharfenec. 1583.
15. Georg Ernst Grave zu Henneberg, Her zu Aschach. 1583.|
16. Hans Heinrich von der Tann. 1583.
17. Johannes Abbt zu Schönthall. 1584.
18. Wilhelm von Krombach. 1588.
19. Hans Wolf von Gemmingen. 1588.
20. Bernolff von Gemmingen. 1588.
21. Schweigker Wambolt von Umbstatt. 1591.
22. Andreas von Oberbach, Vorstmeister zur Newenstat. 1601.
23. Johann Abbt zu Lanckhaim. 1601.
Praesul de Lanckheim rediens Cistercia ab urbe
Ramidem hanc posuit, flammis caelestibus votam;
Sentiat haec etiam numen spirabile toto
Pectore et illius semper sit munere faelix.
24. Johann Georg Erhardt. 1747.
25. Franziskus Kreß, Lindenwirth. 1751.
26. Eberhard David Keller, Keller. 1764.

Außerdem sind noch zu erwähnen die Inschriften: Graf Friedrich von Mempellgart, mit dem Wappen; Helmstat mit Wappen; Jacob ... Zimtan, Baumeister, mit seinem Wappenschild; Tomas Busch von Schorndorf, mit seinem Meisterzeichen; auf einem Schild das Meisterzeichen des Baumeisters Marte Berwart, Erbauers des Schlosses zu Brackenheim, gestorben den 14. Nov. 1564 und auf dem Brackenheimer Kirchhof begraben, s. O.A.Beschr. von Brackenheim S. 166 f., und die Jahreszahl 1555; Stammel, Hofmeister, sammt Wappen; Conrad Otto Flöge, sammt Wappen. Dann die Wappen des Herzogs Christof und seiner Gemahlin an schönen Renaissancesäulen, wie überhaupt aus den von der Zeit Herzog Christofs noch vorhandenen Theilen, dem Eingang und verschiedenen Säulen hervorgeht, daß damals in feinem künstlerischem und echt monumentalem Sinn die Einfassung und Stützung der hochberühmten Linde hergestellt wurde.

Im Anhang zu der Beschreibung dieser alten Linde erwähnen wir, daß auf dem äußeren Marktplatz ebenfalls eine und zwar noch junge Linde steht. Sie stammt von der großen alten Linde und wurde am 22. März 1871 als „Friedenslinde“ zur Erinnerung an die Beendigung des glorreichen Kriegs mit Frankreich feierlich gepflanzt und eingeweiht.

Die Helmbundkirche. Eine Viertelstunde südöstlich von der Stadt im Brettachthal hart am linken Ufer des Flüßchens neben der nach Cleversulzbach führenden Straße, nicht weit von der Mündung des Limbachs, stehen die Überreste des Helmbundkirchleins,| der früheren Mutterkirche von Neuenstadt und Cleversulzbach, worin bis zum Ende des 16. Jahrhunderts noch regelmäßiger Gottesdienst gehalten wurde. Die Ruine steht auf dem alten Kirchhof, von dem namentlich gegen Osten, Norden und Westen die Umfassungsmauern noch sichtbar sind, und der bis 1636 den einzigen Begräbnisplatz für Neuenstadt bildete. Was jetzt noch von der Kirche steht, ist der alte Chor derselben, gebildet durch das 28 Fuß hohe untere Geschoß des ehemaligen viereckigen Kirchthurms. Derselbe ist nahezu quadratisch angelegt, innen ca. 4,5 m lang und ca. 5 m breit. Wie das Kreuzgewölbe zeigt, dessen Gurten auf 4 runden gewirtelten Ecksäulen aufsitzen, stammt die ursprüngliche Anlage des Chors aus der spätromanischen Zeit. Eines der Kapitäle zeigt feines Laubwerk, die andern sind sog. Knospenkapitäle. Der heutige Eingang im Westen, der alte Triumphbogen, ist breit und spitzbogig; 3 gothische Fenster, zum Theil noch mit sehr altem Maßwerk, wovon das eine ein Rundfenster, haben sich erhalten. An der Seite gegen die Straße erkennt man noch Mauerreste und sonst am frühen Reifen des Getreides den Grund der ehemaligen Mauern des Schiffs. Dieses scheint sich ca. 20 Schritte nach Westen bis an die heutige Straße erstreckt zu haben. – Im Jahr 1870, nachdem ein gothischer Fensterbogen zusammengefallen war und der Einsturz des Kreuzgewölbes drohte, beabsichtigte die Stadtgemeinde, die Ruine vollends ganz abzubrechen, um die Steine zu einem Brückenbau über die Brettach zu verwenden. In Folge eines warmen Aufrufs eines begeisterten Alterthumsfreundes kam aber eine Kollekte zu Stande, welche im Verein mit Mitteln der Stadtgemeinde das Bestehende möglichst ausbessern und weiterem Verfall der merkwürdigen und schönen Ruine vorbeugen ließ. Der alte Kirchhof ist jetzt ein zur Besoldung des ersten Schullehrers von Neuenstadt gehöriger Acker. Die Gruft des alten Kirchleins diente noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts zur Ruhestätte verschiedener Glieder mehrerer adelicher Familien. – Von dem früheren Ort Helmbund selbst findet sich keine Spur mehr; jedenfalls stand derselbe auf dem linken Ufer der Brettach. Flurnamen von Bedeutung: Im Schänzle (östlich neben dem Limbachthälchen), beim Kirchle, in der Pfarr, Kirchberg, in der Schmitte, sämmtliche in der Nähe der Helmbundkirche. Ein Feldweg in der dortigen Gegend heißt „Kirrweg“. Hinterm Kalkofen (bei der Ziegelei). – Am Helmbunder Pfad, am| Wimpfener Pfad; der Salzweg, auf dem Plateau zwischen Brettachthal und Eberstadt; Diebspfad, ein Weg im westlichen Theil des Stadtwalds; das Sträßle, ein Weg vom Kirchberg auf die Straße nach Eberstadt. An der Nordseite der Stadt läuft ein Wasserablaufgraben zum Kocher, welcher „die Schanze“ heißt. Südlich der Stadt „beim Götzenkreuz“ und „beim alten Galgen“.
Geschichte der Stadt.[2]
Lange bevor im 14. Jahrhundert unfern dem alten Helmbund die „neue Stadt“ gegründet worden ist, stand die Linde, welche heute noch das Wahrzeichen der Stadt bildet. Zwar wird der ehrwürdige Baum vor 1448 nicht urkundlich erwähnt und die Botaniker streiten, ob sie sein Alter zu 700 oder 900 Jahren schätzen sollen; aber gewiß hatte unser vaterländischer Geschichtsschreiber C. F. Stälin Recht, als er dem Naturforscher, welcher letztmals die Linde eingehend behandelt hat (s. oben S. 552) schrieb: „Aus den Alterthümern des deutschen Reichs ist bekannt, daß Linden alte Gerichtsstätten waren. Man trat hier unter Gottes freiem Himmel zusammen. In den Kloster Schönthaler Urkunden des Stuttgarter Staatsarchivs findet sich nun ein Appellations-Instrument des Abts vom J. 1448 mit folgendem Datum: acta sunt haec sub arbore Tilia extra muros Novae civitatis iuxta fluvium dictum Kocher sita. Hienach war die Linde im J. 1448 gewiß schon ein sehr alter Baum“, bei ihr wohl bereits Jahrhunderte zuvor das Gaugericht für den Brettachgau gehalten worden. Noch älter aber wird das nahe Helmbund gewesen sein. Denn schon im J. 796 erhielt das Kloster Lorsch ein Bauerngut in villa Helmanabiunde, d. h. in dem Weiler oder Dorf, welches von der Beunde, dem Grundstück, einer Frau Helmana den Namen hatte. Der Ort, welcher frühe zur Stadt geworden ist, wurde vom Reich den in der Gegend weithin begüterten Herren von Dürn| (Walldürn), und den Schenken von Limpurg, nach der Ersteren Aussterben den Herren von Weinsberg verliehen. Als ihre Lehensleute erscheinen theils Adelige, die sich von H. nannten und bis 1354 mit Besitz in H., mit auswärtigem noch bis 1466 vorkommen, theils andere benachbarte Edelleute von Ernstein, Gosheim, Jagsthausen etc. Die Kirche wurde vom Bischof von Würzburg schon 1301 dem Kloster Schönthal einverleibt. Vielleicht hat das Raumbedürfnis eben dieses Klosters, zusammen mit Naturereignissen – die Sage weiß von einem Erdbeben und Überschwemmungen – noch im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts die Verlegung von Helmbund 1/4 Stunde westlich auf den letzten Ausläufer des Rückens zwischen Kocher und Brettach herbeigeführt. So entstand vor 1325 „die neue Stadt Helmbund“, bald nur die Neue Stadt, in, zu der Neuenstadt, genannt, doch so, daß noch einige Zeit beide Orte zusammen erwähnt werden, oder Neuenstadt die Bezeichnung „Helmbund genannt“ und namentlich die Pfarrei noch die Benennung Helmbund führt. Kirche und Kirchhof in H. blieben noch Jahrhunderte im Gebrauch („unter dem Boden der Kapelle erwarten viele ehemalige Hofbediente und Edle, v. Moser, v. Ellrichshausen, v. Beulwiz u. A., sonderlich aber viele aus den benachbarten Schlössern zu Bürg und Presteneck hieher geführte Leichname den Tag ihrer Auferstehung“ Gratianus.) Das Kirchlein blieb Pfarrkirche von Neuenstadt bis 1481, die letzte Beerdigung in das Kirchlein fand 1756 statt, ein Gedächtnisgottesdienst wurde darin alljährlich an Sommer Johannis bis 1790 gehalten. Die „neue Stadt“ mit 3 Thoren (Crusius 2, 416) und einer viel Streit verursachenden Vorstadt in Kocherthürner Markung (s. Reg. 1367) baute sich auf um 3 hervorragende Gebäude: das Schloß der Herren von Weinsberg, die Kapelle zu Unserer lieben Frauen neben dem Schloß und den Schönthaler Klosterhof mit der St. Erasmikapelle. Aber während der Abt von Schönthal seinen Besitz stetig zunehmen sah, auch die 4 Kirchenpfründen (s. u.) wohlgediehen, waren die weltlichen Herrschaftsverhältnisse bei der Mißwirthschaft des Hauses Weinsberg sehr schwankende. Aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hört man fast nur von Verpfändungen Neuenstadts, bis dieses, Stadt und Amt, 1450 durch Kauf ganz an den Pfalzgrafen von Heidelberg kam, welcher die andere Hälfte der Herrschaft, Stadt und Amt Weinsberg, schon 1412–1440 erworben hatte. In der Weinsbergischen Zeit residirten in N. manche Angehörige| des regierenden Hauses, so Engelhard VIII., † 1415 und seine Gattin Anna, geb. Gräfin v. Leiningen (s. Reg. 1381) und der bekannteste des Geschlechts, der Reichserbkämmerer Konrad IV., † 1448, wie nachstehende Einträge in seinem Einnahmen- und Ausgabenverzeichnis (18te Publ. des litterar. Vereins 1850) zeigen:

1437. Ich reit aus zu der Neuenstadt an Mittwochen nach dem h. Ostertag gen Franken, als ich reit zu meinem Herrn (dem Bischof) von Würzburg auf den Tag gen Haßfurt, als die Ritterschaft zu ihm dahin kommen sollt . . Johannes Kumpffen unter der Linden (in Neuenstadt?) han ich 5 Gulden geben, den Gesellen zu Siglingen Eier und Anderes zu kaufen . . Item Raban Neydeckern als er verzehrt hatte auf dem Tag zu Wertheim von der Burger zu der N. wegen gegen Wolff Meißern und Retzlin, 12 Schill. Peter unser Metzler hat uns gekauft um (von) Jorgen von Neuenstein 16 Rinder um 43 Gulden und uns die bracht zu der N. an Montag zu Nacht nach dem h. Pfingsttag . . Meiner Hausfrau, als sie (von Neuenstadt) gen Öhringen reit zu meiner Schwester von Hohenloh in die Kindbett, han ich ihr geben 2 Gulden . . Ich reit an Sonntag nach St. Margrethen Tag aus zu meinem Herrn (dem Erzbischof) von Mainz und ich kam also wieder heim zu der N. darnach auf Donnerstag, in der Zeit verzehrt ich 22 Gulden . . Nach Würzburg und wieder heim zu der N. Montag nach Mariä Geburt . . Sonntag nach St. Dionysien von der N. auf einen Tag in Mergentheim den Bürgern zu der N. für Wache und Bete (Steuer) 2 Gulden . .

1438. Als ich aus reit zu der Neuenstadt an dem h. Ostertag . . ich han Herrn Albrecht Kremern Kaplan zu der N. gesandt zu St. Johann gen Stamlos in dem Innthal, 2 silberne Bilde zu opfern vor meiner Sünden wegen . . Auf Dienstag vor St. Marien Magdalenen Tag zu der N. in meinem Stüblein . .

1439. Ich kam wieder heim zu der N. auf Mittwoch vor St. Elsbethen Tag . . ich han Konrad Kümpffen den Bürgern zu der N. lassen leihen gehabt 30 Gulden, die sollten sie mir wieder gegeben haben auf St. Mertins Tag 1439, also sind die Bürger zu mir kommen und haben mich herbeten, daß ich ihnen Ziel gegeben han bis auf St. Mertins Tag.

1440. Item darzu han ich den Bürgern geliehen, das sie dem Remen dem Zimmermann, der den untern Durn machen soll, gaben 2 Gulden . . Ich reit aus zu der N. gen Basel und dem Herzogen von Savoi an Montag nach St. Lucien Tag und ich führt mit mir 208 Gulden, an klein Geld 8 Pfd. Pfennig, machen 15 Gulden 6 Schill.

Kurpfalz erfreute sich nicht lange des Besitzes der Ämter Weinsberg und Neuenstadt; wie sie schon 1504 durch Waffengewalt aus demselben verdrängt und die ganze Landschaft württembergisch geworden ist, findet sich oben Seite 204 erzählt. Das erste halbe Jahrhundert der württembergischen Zeit war wie für| das ganze Herzogthum, so auch für Neuenstadt eine unruhige kämpfereiche Zeit. Das Städtchen hatte an Herzog Ulrichs Mißgriffen und Mißgeschicken seinen vollen Antheil zu nehmen, so gleich am Armen Konrad 1514, der Vertreibung des Fürsten durch den Schwäbischen Bund 1519, am Bauernkrieg 1525, der Wiedereroberung des Landes 1534, dem Schmalkaldischen Krieg 1546. (Siehe über alles dieses oben S. 205 ff.). Um so glücklichere Zeiten führte Herzog Christoph auch über N. herauf. Er baute 1560 den neuen Flügel des Schlosses und die Obervogtei und begründete damit für seine Nachfolger die Möglichkeit, N. zu einer Residenz für Prinzen und Prinzessinnen des Fürstenhauses zu erheben, was es von 1617 bis 1781 gewesen ist. Zunächst wurde unter Herzog Friedrich (1593–1608) das Schloß aus- und die Kirche umgebaut, worauf jenes im Januar 1618 erstmals ein apanagirter Prinz, Friedrich Achilles, bezog. Nach dessen 1631 erfolgtem Tod und einer kurzen österreichisch-katholischen Zwischenzeit 1635–1646 überließ Herzog Eberhard III. 1649 seinem Bruder Herzog Friedrich, als derselbe nach ruhmvoller Betheiligung am Krieg in die Heimat zurückkehrte, die Städte und Ämter Neuenstadt und Möckmühl mit allen Einkünften und der durch den gemeinschaftlichen Vogt oder Amtmann zu handhabenden niedergerichtlichen Obrigkeit, ferner den Neuenstadter Forst und die Anwartschaft auf den Böringsweiler Forst, das Recht der Präsentation für die erledigten Pfarreien etc. Mehr als 30 Jahre hat fortan Friedrich in N. gewaltet, als ein gerechter, gütiger Herr, der trotz den Nachwehen der langen Kriegszeit und trotz den 12 Kindern, welche ihm seine Gemahlin, eine Herzogin von Braunschweig, in N. schenkte, noch so viel übrig behielt, daß er in seiner Residenz eine Bibliothek von mehr als 20.000 Nummern, ein hauptsächlich durch den aus Paris flüchtigen Arzt Charles Patin, † 1693, zusammengebrachtes Münzkabinet von einigen Tausend Stück und eine werthvolle Rüst- und Kunstkammer anlegen konnte. Von seinen 12 Kindern überlebten den Vater, als er am 24. März 1682 starb, nur drei Söhne, die Erben seiner militärischen Tüchtigkeit. Während der zweite Sohn, Ferdinand Wilhelm, geb. zu N. 12. Septbr. 1659, als einer der gefeiertsten Feldherren schon im 42sten Lebensjahr in Holland starb, hatte den älteren, Friedrich August, geboren in Neuenstadt am 12. März 1654, der Vater schon frühe aus dem Feld, wo übrigens auch er durch Tapferkeit sich hervorthat, zurückgerufen und 1679 mit| der Erbin des letzten Grafen von Eberstein vermählt, welche ihm unter Anderem das Städtchen Gochsheim im Kraichgau beibrachte. Friedrich August vermehrte seines Vaters Sammlungen bedeutend und ließ über das Münzkabinet einen Katalog drucken: Cimeliarchium seu thesaurus nummorum tam antiquissimorum quam modernorum .. Friderici Augusti Ducis Würtembergiae, quod prostat Neostadii ad Cocharum. Stuttg. 1709. Da den Herzog von 14 in dieser Ehe geborenen Kindern nur 3 Töchter überlebten, folgte ihm 1716 sein jüngster Bruder Karl Rudolf, der, zu Neuenstadt 29. Mai 1667 geboren, in Morea und Irland, wie hernach im spanischen Erbfolgekrieg sich den Ruhm eines der ersten Heerführer erworben hatte, später nach Herzog Karl Alexanders Tod einige Zeit die Vormundschaft für den jungen Karl Eugen führte, 1738 wieder nach Neuenstadt sich zurückzog und hier am 17. November 1742 gestorben ist. Mit Ausnahme Friedrich Augusts, welcher mit seiner Gemahlin Gochsheim zur Ruhestätte erwählte, sind die Genannten in der Gruft unter der Stadtkirche zu Neuenstadt beigesetzt. Nach ihrem Hingang diente Schloß Neuenstadt nur noch den beiden Töchtern des Herzogs Friedrich August, Charlotte und Friederike, zur Residenz, bis auch sie, die erstere 1751, die zweite 1781 ihre letzte Ruhe in der väterlichen Grablege fanden. Die Sammlungen waren nach Herzog Friedrich Augusts Tod 1716 nach Gochsheim und 1729 durch Herzog Eberhard Ludwig, der sie den Töchtern desselben abkaufte, nach Stuttgart gebracht worden.


Kirchliches. Das Cisterzienserkloster Schönthal an der Jagst erwarb schon 1289 Zehnten und das Kirchenpatronat in Helmbund und ließ sich die Kirche daselbst 1301 durch den Bischof von Würzburg einverleiben. Es trat auch nach Gründung der Neuen Stadt sofort in den Besitz ihrer Kirche ein und blieb in demselben bis nach der Reformation. Wahrscheinlich war der Abt Johann III., Johannes Hoffmann de nova civitate, 1486–1494, ein geborener Neuenstädter. Das Kloster hatte seinen eigenen Hof, den sog. Zehnthof, in der Stadt und dabei eine Kapelle, St. Erasmus geweiht. Nach einem Zinsbüchlein von 1489 bezog das Kloster aus N., abgesehen von den vielen Einkünften der Pfarrei: den Wein- und Fruchtzehnten, mit Ausnahme von 4 Äckern, doch so, daß die Herrschaft den halben Weinzehnten an sich gezogen hatte, ferner viele Zinsfrüchte, Zinswein und Gilten, woneben die vielen incerta d. h. bestrittenen| Einkünfte auffallen. Neben der Pfarrei bestanden nach dem Würzburger Synodalbuch von 1453 eine Frühmeßpfründe und die 2 Altarpfründen St. Katharinä und Aller Heiligen. Der Pfarrer wohnte seit 1442 in einem zum Schönthaler Hof gehörigen Gebäude, welches 1747 mit dem jetzigen Stadtpfarrhaus vertauscht und 1799 dem Diakonus eingeräumt wurde. Als Herzog Ulrich gleich nach der Wiedereroberung seines Landes das Werk der Kirchenverbesserung in Angriff nahm, verhandelte er auch mit dem Abt von Schönthal wegen der Pfarrei Neuenstadt; zu einem Vertrag darüber kam es aber erst nach einigen Jahren. Am 19. Dezbr. 1541 geht in Stuttgart vor Herzog Ulrichs Hofmeister und Räthen der Abt Sebastian von Schönthal Folgendes ein: der Pfarrherr oder Prädikant und der Diakonus zur Neuenstadt sollen die Pfarr sowie die Unterthanen zu Claibersulzbach gemäß der Herzoglichen Kirchenordnung versehen; Schönthal als Lehensherr reicht für des Prädikanten Unterhaltung jährlich 100 Gulden, läßt ihm das Krautgärtlein, erhält die Behausung in Bau und Wesen; zu Unterhaltung des Diakonus, Schulmeisters und anderer Kirchendiener tritt Schönthal dem Herzog die 3 Kaplaneien, von welchen 2 bereits erledigt sind, ab, reicht auch dem Diakonus jährlich 14 Gulden. Vom Abtreten des Patronats der Pfarrei und der Kaplaneipfründen hört man indessen erst 1551. Und den Schönthaler Hof mit den Zehnten brachte erst 1699, wie Gratianus rühmt, „Herzog Ferdinands Feinheit und Höflichkeit durch einen höchst vortheilhaften Tausch an das Haus Württemberg“. Den Bau der Stadtkirche, welcher jedenfalls nur ein Umbau gewesen ist (s. o.) bezeichnet die Sage als die Erfüllung eines Gelübdes, welches Herzog Friedrich in einer Meeresgefahr auf seiner Reise nach England 1592 gethan haben soll. Urkundlich steht fest, daß die Stadtgemeinde mit einem Beitrag des zehntberechtigten Klosters Schönthal den Bau 1595 ausgeführt hat. Bis 1586 war die Stadtpfarrei der Spezial-Superintendenz Weinsberg, dann wenige Jahre Möckmühl unterstellt, bis in Neuenstadt 1612 ein eigenes Dekanat errichtet und demselben die Ämter Neuenstadt, Möckmühl, Weinsberg und das Kloster Lichtenstern untergeordnet wurden. (Das Weitere s. oben Seite 200.) Schönthalische Pfarrer in N.: Pfaff Konrad 1379 (W. F. 10, 175.) 1411 Martinus von Niedernhall; 1501 Johann Dolt (Frühmesser: Joh. Rutz, Altaristen: Heinr. Prukner und Peter Reyger. St.A.); 1511 Mauritius Klehe (Bad. Quellens.| 4, 161.) Evang. Stadtpfarrer: Jak. Rath 15.. Alexius Pistoris 15.. M. Mich. Pistor 1573. M. Joh. Matth. Stehelin 1575. Joh. Piscator 1577. M. Matth. Aulber 1589. M. Christoph Kautz 1597. M. Joh. Christ. Hertz 1608. Stadtpfarrer und zugleich Spezialsuperintendenten (Dekane): M. Joh. Chr. Hertz 1612. M. Joh. Ge. Renz 1620. M. Joh. Werner 1627. M. Joh. Jak. Wolff 1655. M. Simon Elsäßer 1669. M. Joh. Wolfg. Dieterich 1671. M. Wilh. Christ. Stein 1684. M. Joh. Alb. Machtolf 1705. M. Tob. Wagner 1708. M. Chr. Dan. Hoffmann 1724. M. Joh. Fried. Hochstetter 1730. M. Joh. Andr. Hochstetter 1744. M. Chr. Phil. Müller 1756. M. Gotthard Fried. Faber 1770. M. Eberh. Lud. Denk 1779. M. Imman. Pfleiderer 1793. M. Wolfg. Fried. Geß 1799. M. Jak. Fried. Märklin 1814. M. Aug. Lud. Schelling 1821. M. Rud. Fr. Wilh. Andler 1829. M. Chr. Ludw. Eyth 1842. Gottlob Fried. Nast 1850. Gottlieb Heinr. Beckh 1865. Paul Pressel 1871. Fried. Pet. Gößler 1876.

Eine Schule in N., wohl lateinische und deutsche zumal, wird schon in dem Kloster Schönthaler Zinsbüchlein von 1489 und dann wieder in dem oben angeführten Vertrag mit Schönthal 1541 erwähnt. 1579 erhielt dieselbe einen Kollaborator, dessen Stelle aber von 1603 bis 1702 erledigt blieb. Dafür übernahmen die Diakoni einen Theil des Unterrichts. 1614 wurde eine eigene deutsche Schule in einem von der Stadtgemeinde erbauten Haus errichtet. Die lateinische Schule lieferte von Alters her nicht wenige treffliche Schüler; sie wird ihr gut Theil dazu beigetragen haben, daß verhältnismäßig viele Söhne der kleinen Stadt sich einen dauernden Namen erworben haben. Wir nennen außer den bereits oben aufgeführten Prinzen:

Zimmermann, Wilhelm, geboren 1542, Magister und Repetent in Tübingen 1562, Pfarrer in Hagelloch 1563, Stiftsdiakonus in Stuttgart 1566, Dr. theol. und Stadtpfarrer in Wimpfen 1569, Hofprediger und Konsistorialrath in Heidelberg 1578, von da vertrieben 1583, als Kurfürst Johann Kasimir Calvinist wurde, Spezialsuperintendent in Vaihingen 1584, Hauptpastor und Scholarch zu Graz in Steiermark 1586. Hier starb er 1598 und soll sein Leichnam von den Jesuiten ausgegraben und ins Wasser geworfen worden sein. Fischlin, Mem. Theol. Wirt. 1, 182.

| Bader, Georg, geb. 9. Juni 1598, nach Bekleidung verschiedener geistlichen Stellen 1650 Konsistorialrath und Hofprediger in Stuttgart, als Prälat von Adelberg gestorben 1659.

Schübel, Johann, als Sohn eines Steinhauers geb. 10. Okt. 1606, Diakonus in Stuttgart 1639, Dekan daselbst 1651, Abt zu Hirschau 1666, Hofprediger in Stuttgart 1669, gestorben 31. Mai 1671. „Ein frommer freimüthiger Mann, das beides von einem Freunde Joh. Val. Andreä’s zu erwarten ist. Er scheute sich nicht, die Laster der Höflinge zu tadeln. Was aber damals für ein Geschmack im Predigen herrschte, zeigen einige Titel der von ihm gehaltenen Leichenreden: Christianus asinarius, der lasttragende Christ aus Psalm 68, 70. Regiments-Nagel aus Jes. 12, 23 ff.“ Seybold, Historienbüchlein 94.

Schmidlin, Joh. Christoph, geb. 19. Septbr. 1711 als Sohn des Diakonus – siehe Kochersteinsfeld S. 482.

Faber, Gottlieb Benj., geb. 7. Febr. 1731 als Sohn des langjährigen Amtsphysikus und Leibarztes F., studirte in Tübingen und Straßburg, praktizirte zuerst in seiner Vaterstadt, wurde 1755 Professor der Medizin in Tübingen und starb 24. April 1760 – „ein geschickter, belesener und liebenswürdiger Arzt, der seinen Lauf zu frühe vollendete“. Bök, Gesch. d. Univ. Tüb. 200.

Franz, Friedr. Christian, geb. 14. Okt. 1751, Sohn eines Chirurgen, Professor an der Karlsschule in Stuttgart 1781, am Gymnasium daselbst 1794, Rektor des Gymnasiums und Pädagogarch 1813, pensionirt mit dem Titel eines Prälaten 1821, gestorben 20. Febr. 1828.

Hausleutner, Phil. Wilh. Gottlieb, geb. 12. August 1754 als Sohn des Schneiders Gabriel Haußleiter, magistrirte in Tübingen 1774, Lehrer an der Karlsschule 1780, Professor 1788, nach Aufhebung der Akademie Regierungs-Sekretär und Registrator 1794, gestorben 13. Mai 1820. Gab außer einer lateinischen Chrestomathie, mehreren Operntexten, Übersetzungen, Gallerie der Nationen etc., das Schwäbische Archiv 1788–1793 heraus. Vgl. auch S. 550.

Süskind, Fried. Gottlieb, geb. 17. Febr. 1767 als Sohn des Diakonus, 1798 Professor der Theologie in Tübingen, einer der Hauptrepräsentanten der Storrschen Schule, ihr Philosoph und Dialektiker, 1805 Oberhofprediger und Konsistorialrath in| Stuttgart, 1814 Direktor des Ober-Studienraths, gest. 12. Nov. 1829. Vgl. über ihn Baur in Klüpfels Gesch. d. Univ. Tüb. 235 ff.

Elsäßer, Karl Ludwig, geb. 13. April 1808 als Sohn des Oberamts-Physikus Heinr. Friedr. E., war zuerst Privatdozent der Medizin zu Tübingen 1832–34, dann Unteramtsarzt in Neuenstadt, bis er 1853 als Medizinalrath und Hofarzt nach Stuttgart berufen wurde, starb als K. Leibarzt und Obermedizinalrath im Ruhestand zu Untertürkheim 7. März 1874. Dem Arzt und Menschen hat Ed. Mörike in einem reizenden Epigramm (Gedichte 4. A. S. 140) ein Denkmal gesetzt. Vgl. den Nekrolog von Cleß im Schwäb. Merkur 1874, Nr. 106.

Noch verdient Erwähnung, daß Neuenstadt der Stammsitz des württembergischen Zweigs der Familie Mörike ist, deren Namen das bereits oben erwähnte Stift verewigt. Im Jahr 1694 nemlich wurde Bartholomäus Mörike aus Havelberg in der Mark Brandenburg mit der Witwe des Hof- und Stadt-Apothekers Vischer getraut und übernahm die Hofapotheke, welche damals in der Pfarrgasse sich befand, 1802 in das stattliche Gebäude am Marktplatz verlegt wurde. Die Nachkommen Mörike’s, welche später durch die Fabrikation von Blutreinigungs-Pillen zu großem Wohlstand gelangten, blieben im Besitz der Apotheke bis 1865. Ein Ururenkel des Bartholomäus war der Dichter Eduard Mörike (s. Cleversulzbach S. 325.)


796. Milo schenkt dem Kloster Lorsch einen mansus (Bauerngut) mit Haus und Hof in villa Helmanabiunde im Brettachgau. Cod. Lauresh. 3537.

1218. 1221. Heinricus de Hellmunden, Helmundin, Benediktiner in Ellwangen. UB. 3, 69. 120.

1280. Heinricus de Helmbiunt Zeuge in einer Weinsberger Urkunde. W. F. 8, 488.

1283. Nithard v. Helmbund verkauft Zehnten in Bizfeld an Schenk Walther v. Limburg. Ebend.

1286. Graf Boppo v. Dilsberg, gen. v. Düren, freit dem Hartwig v. Ernstein 2 Theile des Zehnten und das Kirchen-Patronat zu H., welche von Boppo zu Lehen gegangen waren;

1289. Dieselben werden von Hartwig an Kloster Schönthal verkauft. W. F. 1847, S. 23. Bad. Quellens. 4, 146. Schönhuth, Schönthal. 42. 44.

1298. Johannes rector ecclesiae in Helmbunde Zeuge in einer Urkunde des deutschen Hauses in Heilbronn. W. F. 1863, S. VII. Ein Dominus Anshelmus quondam plebanus in Helmbunde ohne Zeitangabe im Öhringer Stifts-Nekrolog. Wib. 2, 161.

| 1301. Bischof Mangold v. Würzburg inkorporirt die Pfarrkirche in H. mit ihrem Zehnten etc. dem Kloster Schönthal; doch soll dieselbe einen weltgeistlichen Pfarrverweser behalten. W. F. 8, 487. Schönhuth, Schönthal 52.

1302. Fridericus de H. Zeuge in einer Dürner Urkunde. W. F. 1847, S. 27.

1304–7. Walther gen. v. Hellenbiunt, Erzpriester der Probstei des Kapitels Wimpfen, schenkt dem Kloster Schönthal seine Güter in Helenbiunt und Gochsen, darunter die Mühle zu Gochsen, welche er von Friedrich v. H. gekauft hatte. W. F. 8, 488. Bad. Quellens. 4, 153. Schönhuth, Schönthal 54. 58.

1307–10. Konrad und Siegfried v. Gosheim verkaufen, mit Einwilligung der Lehensherren v. Limpurg und v. Dürne, 1/6 Zehnten zu Helmbund und 1/3 Zehnten zu Cleversulzbach um 200 Pfd. Hlr. an das Kl. Schönthal. Schönhuth 58.

1310. Heinr. v. Hausen (Jagsthausen) gesessen zu Helmbund. St.A.

1324. Rükger v. Amlishagen und seine Frau, Agnes v. Adelmannsfelden, verkaufen an Hugo v. Wimpfen, Pfarrer zu Neidenau, 1 Malter Korngilt auf ihren Äckern zu Helmbund. Diesen Brief siegeln Symon der Schultheiß und die Richter und die Bürger gemeiniglich von H. mit der Stadt Insiegel. Albrecht, Weinsb. Reg.

1325. Agnes v. Brauneck, die Witwe Konrads v. Weinsberg, wird mit ihrer Morgengabe und Heimsteuer auf Helmbund die neue Stadt und was dazu gehört, verwiesen. Ebend.

1334. Damburg v. Sulme, Witwe Konrad Leinbachs zu Heilbronn, stiftet eine ewige Pfründe in Unser Frauen Kapelle in der Nuwen Statt zu Helmbünde. St.A.

1336. Agnes v. Brauneck, Konrads v. Weinsberg Witwe, stiftet für ihr und ihres Gatten Seelenheil eine ewige Priesterpfründe, Frühmesse in der Kapelle zu der Nuwenstat, die gelegen ist am Kochen, in der Pfarre zu Helmbunt, mit Erlaub und Willen des Abts und Konvents von Schönthal, dem derselbe Kirchsatz und die Pfarre zu Helmbunt zugehört. Der Priester, der die Pfründe hat, soll ewiglich nach seiner Messe über ihres Sohns sel. Engelhard Konrads Grab in seiner Alben gehen mit Weihwasser, Rauch und Gebet, und nach der Stifterin Tod soll er ebenso über ihr beider und all ihrer Nachkommen Gräber gehen. Albrecht, Weinsb. Reg.

1340. Elisabeth v. Thalheim und andere Gläubige stiften ein Priesterbenefizium auf dem Altar des h. Erasmus, der Frühmeßaltar genannt, in der Kapelle Unser Lieben Frauen infra muros novae Civitatis in parochia Helmbund mit Zustimmung des Pfarrers Resse in H. Roth 64.

1340. Chunz von Helmbund. Hanßelmann, Dipl. Bew. 1, 595. (Conradus de Helmbünde Stiftsherr in Öhringen. Wib. 2, 142.)

1341. Gebein und Heinrich v. Dahenfeld verkaufen 9 Morgen Acker auf der Markung Helmbund an ihrer gnädigen Frau Agnes von Weinsberg ehrbaren Knecht Rudolf Kelner um 21 Pfd. Hlr. Öhr. Archiv.

1342. Der Bischof v. Würzburg bestätigt die 1336 gestiftete Frühmesse, eine andere 1352, eine dritte 1391. W. F. 8, 486 f.

1346 s. Oedheim.

| 1346. Kraft Kelner zu Brettach verkauft an Heinrich Spehe zu Helmbund seine Güter in der Oedheimer Markung um 101/2 Pfd. Hlr. Öhr. Arch.

1349. Agnes v. Weinsberg richtigt zwischen ihren Kindern Engelhard und Mechtild, verehelichten Rechberg: ersterer soll haben die Nuwestat, Gosheim, das Dorf Brettach, Sulzbach, Siglingen und den Wald zu Harthausen mit den Wiesen darin, Mechthild 75 Pfd. für die Beed zu Weinsberg und 25 Pfd. von Engelhards Theil an dessen Beed. Albrecht, Weinsb. Reg.

1349. 1351. Heinrich von der Neuenstadt Bürger zu Wimpfen. OR. 14, 430. Albrecht, Weinsb. Reg.

? 1352. Pabst Innocenz VI. inkorporirt die Kirche zu N. dem Kloster Schönthal. Roth 73.

1353. Heinrich Buting v. Gosheim verkauft an Heinrich Spehen von Helmbund eine Gilt s. Gochsen.

1354. Engelhard von Helmbund und seine Gattin Anna verkaufen an ihren gnädigen Herrn Engelhard v. Weinsberg Güter und Gilten in der Mark zu Helmbund und zu der Nuwenstadt um 30 Pfd. H. Albrecht, Weinsb. Reg.

1354. Engelhard v. Weinsberg erlaubt dem Edelknecht Engelhard v. Helmbund, daß er seiner Ehefrau Anna, Walther Kudernecz Tochter, 100 Pfd. Hlr. auf 1/4 des Zehnten in Löwenstein, das von Weinsberg zu Lehen geht, als Morgengabe anweist. Ebend.

1355. Bruder Götz der Barfuße, Heinrich Spehen Sohn von Helmbund s. Kocherthürn.

1366. Engelhard v. Weinsberg verschreibt dem Kloster Seligenthal einen Jahrestag; wenn der unterlassen würde, soll der jährliche Zins an den Pfarrer und die Pfründner zu der Nuwenstat genannt Helmbunde an dem Kocher gelegen fallen. (Bauer.)

1367. Verhältnis zur Markung Kocherthürn s. o.

1371. Rugger v. Hage verkauft Gilten und Güter zur Neuenstadt, Helmbund genannt, in Cleversulzbach etc. an Engelhard v. Weinsberg. Albrecht, W. R.

1379. Konrad v. Weinsberg, Domherr zu Mainz, gestattet dem Pfarrer Konrad zu der N. gelegen am Kochen, auf seine Hofstatt an der Schönthaler Scheuer einen Stall zu bauen. Ebend.

1380. König Wenzel verleiht an Engelhard v. Weinsberg unter Anderem (s. Dahenfeld, Kochersteinsfeld) Zoll und Geleit im Weinsberger Thal, in der wilden Straße und zu Neuenstadt. Dillenius, Weinsberg 68.

1381. Die ehrbaren Leute Rukger Molle und Abel Snider, Richter und Bürger zu der Nuwenstatt a. K., Herr Konrad Pfarrer zu der N. W. F. 6, 253.

1381. Engelhard v. Weinsberg bewittumt seine Ehefrau Anna v. Leiningen mit 200 Gulden und 50 Pfd. Hlr. Gilt auf 3 Theile sämmtlicher Nutzungen und Gilten zu der Neuenstadt, genannt Helmbunde, gelegen an dem Kocher, ausgenommen 30 Pfd. jährlicher Gilt, welche er seiner l. Schwester Hedwig v. Weinsberg, Jungfrau, wohnend zu dem Lichtenstern, das weitere Viertel aller Nutzungen an Neuenstadt aber seinem l. Bruder Konrad, Domherrn zu Mainz, verschrieben und vermacht hat. Nach Engelhards Tod soll Anna in dem Hof der vorgenannten| Stadt, „wo wir itzund innewonde sind“, haushalten, das alte Haus bei der Kapelle oben hinaus gegen den Graben und den Keller darunter, den Stall daran, die Küche und auch den Keller unter dem vordern Haus innehaben. Schultheiß und Burger der Stadt N. verpflichten sich gegen Frau Anna und hängen der Urkunde ihr Siegel an, desgleichen der Weinsbergische Amtmann zu N. Hans v. Kochendorf und sein Vetter Heinrich von K. Albrecht, Weinsb. Reg.

1382. Hans v. Kochendorf, Weinsbergischer Amtmann zu Nuwenstat. (B.)

1384. Drei Wiener, welche Engelhard v. Weinsberg wegen einer Schuld Herzog Albrechts v. Österreich gefangen gehalten hatte, geloben, bis nächsten Palmtag sich wieder zu antworten zu der Nuvenstat genannt Helmbünde an dem Kocher. Albrecht, W. R.

1387. Engelhard v. Weinsberg und seine Ehefrau Anna versichern eine von der Stadt Wimpfen aufgenommene Schuld von 96 Goldgulden auf den Halbtheil ihrer Stadt Neuenstadt an dem Kocher gelegen und ihrer Dörfer Brettach, Gosheim und Steinsfeld. Ebend.

1389. Engelhard v. Weinsberg erlaubt seinem Bruder Konrad, Schulmeister (Domscholaster, nachmaliger Erzbischof) in Mainz, zwei Seen zu machen über und unter dem See in dem Grunde, da der Bach, der da heißet die Tapach, durchfließt von Dahenfeld herab in die Brettach in Neuenstadter Mark, genannt Helmbunde, und dieselben Seen soll er haben, nießen und abschlagen nach seinem besten Nutz und Willen. Ebend.

1391. Stiftung einer Priesterpfründe, Kaplanei und ewigen Messe auf St. Katharinen Altar in der Kapelle zu der Nuwenstat am Kochen in der Pfarr Helmbunde. Mit der Stat Insiegel zu der Nuwenstat. Ebend.

1391. Johs. Lose, Bürger zu N. a. K., bekennt, daß er dem Kloster Schönthal jährlich 1 Pfd. Hlr. von 2 Morgen Acker am fallenden Brunnen zu reichen habe. Schönhuth, Schönthal 100. Vgl. Bad. Quellens. 4, 156.

1392. Engelhard v. Weinsberg entlehnt für seinen Bruder Konrad von Wolf v. Wunnenstein, gen. der gleißende Wolf, 2000 Gulden und setzt als Pfand ein sein Schloß die Nuwenstat am Kochen gelegen, sowie seine Dörfer Gochsen und Steinsfeld. Zugleich verbürgen sich Berthold v. Schwarzach, Schultheiß zu Nuwenstat, u. A. (Bauer.)

c. 1393. N. N. v. Weiler, Vogt und Burgmann in N. (Dillenius.)

1398. Vergleichung zwischen Beringer v. Sindringen und Engelhard v. Weinsberg, wornach ersterer die Ansprüche auf Güter in Brettach etc. aufgibt, und dagegen ein Burglehen auf Neuenstadt erhält im jährlichen Betrag von je 1 Malter Korn, Dinkel, Haber und 1 Wagen Heu; Beringer soll Burgmann sein zu N. und das Lehen verdienen, so oft er ermahnt wird oder die Noth es erfordert, sein Haus soll beede- und wachfrei sein, das Gut zu Lautenbach soll er von Weinsberg zu Lehen tragen. Albrecht, Weinsb. Reg.

1398. Pfaff Konrad Recke, Kaplan der Herren v. Weinsberg, verleiht seinen Pfründhof zu Oedheim, welcher den Allerheiligen- und Erasmus-Altar in der Kapelle zu der Neuenstadt zugehört, mit Bewilligung des Klosters Schönthal als Lehensherrn der Pfründe, an Fritz Mutlin zu Oedheim. Albrecht, Weinsb. Reg.

| 1401. Engelhard v. Weinsberg verschreibt seinem Vogt in N., Wilhelm v. Helmstadt, zu einem Leibgeding Haus und Hofreit sammt Äckern etc. zu der Neuenstadt am Kochen, was der von Weiler sel. gewesen. Albrecht, Weinsb. Reg.

1401. Engelhard Helmünder, Tochtermann Ulrichs v. Gailenkirchen, Burgers zu Hall. Wibel 4, 37.

1405. April 29. Engelhard und Konrad v. Weinsberg mit ihren Frauen verpfänden an beide Weyprecht und Hans v. Helmstadt die Nuwestat mit der Vorstadt an dem Kochen gelegen mit Gosheim dem Dorf, Steinsfeld Dorf und Bürgel darin, Glepfhardt-Sulzbach, Dorf Dahenfeld, Hof und Baugut auf dem Eberfürst um 14.500 Gulden. Albrecht, Weinsb. Reg.

1405 s. Dahenfeld.

1408. Die v. Weinsberg lösen N. wieder ein und kaufen Güter daselbst von Götz Weinsberger. Ludewig 613. Dillenius 62.

1408. Anna v. Weinsberg stiftet der Pfründe und an den Altar, der da geweihet ist in St. Kathrinen, St. Maria Magdalena und St. Nyclaus Ehren, die (welche) Pfrunde wir von unserm eigen Gute gestiftet haben, noch 1/2 Fuder Weingilt von der Kelter in Brettach. St.A.

1408. Anna Eberwein, Witwe Konrad Adelmanns zu Neubronn, verkauft Besitzungen in Neuenstadt, Grantschen, Sulzbach etc. an Kl. Schönthal. (B.)

1408. Engelhard und Konrad v. Weinsberg eignen dem Kloster Schönthal unter Anderem 6 Schill. Hellergilt auf den Äckern in der Mark zu der N., das Cunz Adelmann von jenen zu Lehen getragen und dessen Erben an Schönthal verkauft haben. St.A.

1412. Das Kloster Schönthal erhält von Engelhard und Konrad v. Weinsberg 2 Pfd. Hlr. jährliche Gilt auf ihren Gütern zu Hohenbuch (Buchhof) als Ersatz für eine Gilt zu Neuenstadt, welche das Kloster abtrat, als jene Herren die Neuenstadt verpfändeten an Konz Landschade. (B.)

1412 Wilhelm v. Helmstadt, Speirischer Amtmann zu Bruchsal, und seine Ehefrau Elsbeth v. Ernstein erhalten von Engelhard von Weinsberg des Weilers Haus mit Gütern in N. wieder eingeräumt, nachdem er es dem Helmstadt 1401 verschrieben, dann aber wieder eingelöst hatte. Albrecht.

1415. Martin Gerung, Pfarrer zu N., vergabt dem Kl. Schönthal Güter und Gilten in Großgartach. Schönhuth, Schönthal 111.

1423. 1431. 1439. Engelhard v. Helmbund. W. F. 8, 489. Ludewig, Rel. mscr. 12, 618.

1428. Die Neuenstat am Kochen ist mit dem Amt an Swiger und Ludwig v. Sickingen verpfändet. W. F. 8, 250.

1431. Konrad v. Weinsberg verpfändet 1/4 von Neuenstadt mit dem Amt an Wiprecht v. Helmstadt für 5000 Gulden. Ludewig, Rel. msc. 12, 617.

1437 ff. Konrad v. Weinsberg in Neuenstadt s. o.

1442. Konrad v. Weinsberg befreit das durch Abt Heinrich von Schönthal neu erbaute Pfarrhaus in N. von allen Steuern, Abgaben etc., desgleichen die Hälfte einer Scheuer, welche an dasselbe stößt und von dem Abt für den Pfarrer erkauft wurde, wofür das Kl. den Bürgern zu N. jährlich 3 Schill. bezahlt. Schönhuth 131.

| 1444–1466. Ludwig v. Helmbund. W. F. 8, 369. OR. 11, 348. 359.

1487. Konrad v. Weinsberg vermacht dem Kloster Schönthal ein Haus in N. Dillenius 50.

1447. Albrecht Kremer Pfründner zu N. Amorbacher Kopialbuch.

1450. Gottfried Schenk v. Limpurg, Bischof v. Würzburg, als Vormund der Söhne Konrads v. Weinsberg, verkauft, nachdem schon 1412 die erste Hälfte der Herrschaft Weinsberg, 1440 die Stadt Weinsberg an Kurpfalz veräußert worden, auch die andere, Stadt und Amt Neuenstadt, an den Pfalzgrafen Friedrich um 24.000 Gulden. Roth 7.

1451. Pfalzgraf Friedrich will die Kleinod, die zu Basel liegen, verkaufen und mit dem Geld die Neuenstadt von Hans v. Gemmingen lösen. Steinhofer, Wirt. Chron. 2, 939. Quell. und Erört. z. bay. Gesch. 2, 219.

1455. Götz v. Berlichingen vermacht seiner Tochter Anna und deren Gatten Konz Echter sein Haus zur Neuenstadt u. A., was ihm von seiner Hausfrau sel. Else v. Thierbach angefallen war. Albrecht.

1460. Johs. Trutweyn de Newenstat (unserem?) inscribirt an der Universität Erfurt.

1465. Joh. v. Heinau, Pfarrer, Michael Kern, Joh. Grinbach und Konrad Sifrit, Altaristen zu N. Amorbacher Kopialbuch.

1468 ff. Kloster Schönthal macht weitere Erwerbungen in N. Bad. Quellens. 4, 159.

1476. Schadlosbrief (Quittung) des Pfalzgrafen Friedrich bei Rhein, betr. eine Bürgschaft von Bürgermeister, Rath und Gemeinde zur Neuenstatt am Kochen über 244 Gulden jährliche Gilt gegen Johann v. Heydeck. (Rathhaus Neuenstadt.)

1481. Bischof Rudolf v. Würzburg erlaubt, die Pfarrkirche von Helmbund in die St. Nikolauskapelle nach N. zu verlegen, weil sie bei schlechtem Wetter und unruhigen Zeiten, sowie für Alte und Kranke und neugeborene Kinder zu weit entfernt war. Doch soll die Kirche zu H. erhalten bleiben, weil Cleversulzbach dahin eingepfarrt war, und Wendelin Oberländer, Kaplan zu St. Nikolai in N., fortan Pfarrer daselbst, übernimmt für sich und seine Nachfolger die Pflicht, an allen Sonn- und Festtagen in H. Gottesdienst zu halten. Genannter Oberländer resignirt die neue Pfarrei in des Bischofs Hände, der sie dem Kloster Schönthal inkorporirt. W. F. 8, 487. Roth 73.

1482. Hans Bartholomäus und Elsa seine Ehefrau zu N. haben einen Pfründhof daselbst vom Stift Wimpfen im Erbbestand. St.A.

1484. Lutzein von der Neustatt vertritt das Kloster Schönthal in einem Streit mit den Berlichingen. Graf Berlichingen, Gesch. d. Ritt. Götz v. Berl 597.

1490. Das Dominikanerkloster zu Wimpfen verkauft eine Fruchtgilt an die gemeine Bruderschaft zu Neuenstadt. Rathhaus N.

1495. 134 Steuerzahler in N. sind von der Pfalz mit 16.770 Gulden Vermögen und 335 G. Steuer veranlagt; die 3 Priester, der Pfarrer Joh. Untz und die Altaristen Peter Steger und Mich. Bonnpenhein, mit 21 G. Steuer. W. F. 7, 552. 557.

1504 s. oben S. 204.

1510. Der Schafhof in N. mit ausgedehnter Weidgangs-Gerechtigkeit (s. 1553) wird von Herzog Ulrich dem Hans Mall als Erblehen verliehen. Roth 39.

| 1511. Das Dominikanerkloster Wimpfen verkauft die Mühle in N. dem Sebastian Straum. Rathhaus N.

1513. Die Gemeinde Cleversulzbach klagt, daß die vom Kloster Schönthal bestellten weltgeistlichen Pfarrverweser in N. ihre Schuldigkeit nicht thun, worauf Bischof Lorenz von Würzburg einschärft, daß der Kaplan zu St. Katharinä die sonn- und festtäglichen Gottesdienste in der Helmbunder Kirche regelmäßig halte. W. F. 8, 488.

1514 s. oben S. 205.

1514. Der gefürchtete Straßenräuber und Mörder Joh. Strauß von Neuenstein, früherer Salzfuhrmann, wird zu Brettach ergriffen und in N. hingerichtet. Crusius, Schw. Chron. 2, 183.

1519 s. oben S. 205.

1521. Schadlosbrief (Quittung) Kaiser Karls V. für Bürgermeister, Rath und Gericht N. über 225 Gulden. Rathhaus N.

1524. Verschreibung der Gemeinden N., Gochsen, Kochersteinsfeld, Brettach und Cleversulzbach, daß sie, nachdem ihnen der herrschaftliche Marstall in der Stadt, auf welchem die Kornschütte ist, nebst etlichen Äckern und Wiesen um 1400 Gulden verkauft worden, jährlich 20 Gulden mehr denn bisher zu Beed geben wollen. St.A.

1525 s. oben S. 208.

1526 s. oben S. 213.

1528. Erblehenrevers gemeiner Stadt N. um die herrschaftliche Mühle außer der Stadt an der Brettach und einen Morgen Wiesen: sie soll jährlich je 26 Malter Roggen und Kernen, 15 Kapaunen und 1001 Eier sowie 1 Gulden Geld daraus gelten. St.A.

1532. Bartholomäus Horneck v. Hornberg und Frau verkaufen der Herrschaft Württemberg um 260 Gulden ihre Behausung und Keller zu N. bei der Herrschaft Steinhaus oder Fruchtschütte, stoßt hinten an der Herrschaft Schloß, Scheuer oder Pündthaus. St.A.

1534 s. oben S. 213.

1537. Beschwerden der Stadt N. über den Obervogt Bernhard v. Rüdigheim. St.A.

1537. Streitigkeiten zwischen N. und den 3 Flecken Kocherthürn, Stein und Bürg über die Untermarkung von der Prambach herein bis in Neuenstadter Vorstadt auf die zween Stein werden beigelegt. (Hornberger Archiv.)

1541. Kloster Schönthal tritt das Patronat der Pfarrei N. an Württemberg ab. (Nach Bad. Quellens. 4, 161 schloß darüber schon Abt Elias 1535–37 in Stuttgart einen Vertrag mit Herzog Ulrich.)

1544. Schloß, Stadt und Amt N., sowie Möckmühl, werden der Braut Herzog Christophs, Anna Maria v. Brandenburg-Ansbach, als Versicherung ihres Mitbringens von 28.000 Gulden verurkundet. Stäl. 4, 489.

1546. Apr. 1. Kaiser Karl V. kommt auf dem Weg von Horneck nach Neuenstein, Crailsheim etc. durch N. Stälin Bd. 4, S. XII.

1546. Dezbr. s. oben S. 213.

1551. Kloster Schönthal tritt mit der Pfarrei N. auch die St. Erasmi-Pfründe, die St. Katharinä-Kaplanei und die Frühmeßpfründe an Württemberg zur Verwendung ad pios usus ab, wogegen Württemberg die Besoldung des Pfarrers, Diakonus und Schulmeisters in N. und Cleversulzbach übernimmt. Roth 74.

| 1553. Vertrag über das Weidrecht zwischen dem Lehensbesitzer des Schafhofs (s. 1510) und den Gemeinden N., Brettach, Cleversulzbach, Kochersteinsfeld, Gochsen. Roth 39.

1554 s. oben S. 213.

1556. Juni 8. H. Christoph verweilt in N. St.A.

1557. Michel Schodel verkauft an H. Christoph seine Behausung in der hintern Gasse, der Marstall genannt, zu einer Kelter um 200 Gulden. St.A.

1558. Herzog Christoph baut die Umfassungsmauer um die Linde. Roth 107.

1559. Herzog Christoph läßt Pläne für den Bau eines neuen Schlosses in N. ausarbeiten. St.A.

1562. Juni 16. H. Christoph weilt in N. St.A.

1565. Herzog Christoph läßt das neue Schloß in N. aufführen. Ein bei dem Bau beschäftigter Maurer Christmann wird von einem Mitgesellen erstochen. Roth 20. (Das Datum verbessert nach St.A.) Der Abt von Schönthal weigert sich, den Obervogt von N. in das Schönthalische Haus daselbst aufzunehmen, bis die für denselben einzurichtende Wohnung in Stand gesetzt wäre. St A.

1565. Juli 23–25. Herzog Christoph befindet sich in N. St.A. Kugler, Christoph 2, 469. 471. 475.

1566. Im Testament Herzog Christophs ist unter Anderem Stadt und Amt N. dem zweiten Prinzen des Hauses, Ludwig, zur Administration und Nutzung zugedacht. Stälin 4, 733.

1570. In N. stirbt der am Schloßbau beschäftigt gewesene Steinmetz Peter Abelin. Roth 20.

1575. Herzog Ludwig bestimmt zur Versicherung des Beibringens seiner Braut, Dorothea Ursula von Baden, Stadt und Amt N. mit aller hohen und niedern Obrigkeit als ein Widum. Sie darf in demselben alle geistlichen Stellen besetzen. Das Schloß in Dach und Schwellen soll sie erhalten, die Kosten der Grundgebäude der Herzog tragen etc. Sattler, Herzoge 5, 35 f.

1575. Herzog Ludwig schenkt der Stadt N. zu Wiederbauung der Kocherbrücke aus Gnaden und keiner Gerechtigkeit 30 Gulden. St.A.

1583. Ein Vergleichsrezeß zwischen Württemberg und dem Deutschorden erkennt dem letzteren die angemaßte Obrigkeit in der Vorstadt und auf der Kocherbrücke zu N. ab. Sattler 5, 81. Roth 3.

1592 s. Cleversulzbach.

1595. Die Stadtgemeinde N. erbaut die neue Kirche. Streitigkeiten, welche sich darüber mit dem zehntberechtigten Kloster Schönthal erheben, werden 1598 durch ein Schiedsgericht dahin beigelegt, daß das Kloster der Stadt an ihren Baukosten 1350 Gulden ersetzen muß. Roth 80.

1600. Das Kloster zahlt diese Summe. Roth 65.

1603. Herzog Friedrich baut bei der Mahlmühle an der Brettach ein Jägerhaus für die Hofjägerei und zur Verwahrung der Hunde und des Jagdzeugs. Roth 38.

1609. Zur Vergrößerung des Schlosses und Anlegung des Schloßhofs werden einige Plätze und Ställe von Bürgern erkauft. Sattler, Top. Gesch. 439. Roth 20.

1612 s. oben S. 200.

| 1617. Durch den fürstbrüderlichen Vertrag zwischen Herzog Johann Friedrich und seinen Brüdern erhält Prinz Friedrich Achilles neben einem Deputat von 10.000 Gulden freien Sitz zu N. Sattler 6, 110.

1619. Der Herzogliche Baumeister Schickhardt von Herrenberg stellt den Schloßbrunnen mit einer neuen Deichelleitung her. Roth 37. 65.

1621. Herzog Friedrich Achilles legt den Schloßgarten vor dem obern oder Schloßthor an. Sattler, Top. Beschr. 439.

1631. Dez. 20. Herzog Friedrich Achilles stirbt in N., worauf dieses an das regierende Haus Württemberg heimfällt.

1634 f. s. oben S. 216.

1634. Okt. 16. Der kaiserliche Diplomat, Graf Trauttmannsdorf, wird vom Kaiser mit den Ämtern N. und Weinsberg beschenkt, worauf der gewesene Tübinger Professor Besold, österreichischer Regimentsrath, am 27. Oktbr. d. J. im Schloßgarten vor dem Thor Geistlichen und Weltlichen den Huldigungseid abnimmt. Sattler 7, 137. Roth 18.

1640 s. oben S. 216.

1643 s. oben S. 217.

1646. Febr. 21. In Folge der zu Osnabrück beschlossenen Amnestie tritt Graf Trauttmannsdorf die Ämter N. und Weinsberg wieder dem Herzog von Württemberg ab. Sattler 8, 119. Roth 19.

1647. 48 s. oben S. 217 f.

1649. Sept. 27. Herzog Eberhard überläßt seinem Bruder Friedrich die Städte und Ämter N. und Möckmühl mit allen Zugehörden und Gefällen, auch der niedergerichtlichen Obrigkeit mit allem davon abhangenden Einkommen. Sattler 9, 63.

1650. Febr. 2. Herzog Friedrich bezieht seine Residenz im Schlosse zu N. Roth 23. Sept. 11. Der regierende Herzog Eberhard erneuert der Stadt N. die ihr schon durch H. Ulrich ertheilte, aber durch die Kriegszeit in Abgang gekommene Konzession zu Abhaltung von zwei Wochenmärkten. Roth 65.

1652 s. oben S. 218.

1653. Aug. 27. Hochzeitsfeierlichkeiten des Herzogs Friedrich und der Herzogin Clara Augusta von Braunschweig-Lüneburg. Roth 24.

1673. 75 ff. s. oben S. 219.

1678. Der Todtengräber und Pförtner in der äußern Pfarr Helmbund, Hans Georg Ohr, stirbt und wird auf dem dortigen Kirchhof begraben. Roth 71.

1679. Febr. 5. Hochzeitfeier Herzog Friedrich Augusts und der Gräfin Sofie Albertine Esther v. Eberstein. Roth 25.

1680. Herzog Friedrich baut den sog. neuen Bau oder Steinbau und Marstall vorn an der Straße bei der Kirche.

1682. März 24. Herzog Friedrich stirbt in N. und wird am 12. Mai in der fürstlichen Gruft daselbst beigesetzt. Roth 25.

1683. Die herrschaftliche Mahlmühle an der Brettach wird der Stadtgemeinde als Erblehen verliehen, von ihr aber 1698 veräußert. Roth 39.

1693 s. oben S. 220.

1699. Kloster Schönthal verkauft an die Prinzen von Württemberg-Neuenstadt seine Kellerei, den sog. Zehnthof und dahin gehörige Gebäude und Güter allda um 22.000 Gulden, an welcher Kaufsumme dem Kloster der unweit Sindringen gelegene Buchhof zugestellt wird. St.A.

| 1700 s. Möckmühl.

1701. Herzog Ferdinand Wilhelm, Gouverneur von Flandern, gestorben zu Sluys 7. Juni, wird in N. feierlich beigesetzt. Roth 29.

1701. Die Stadt bittet vergeblich um Ersatz der Kosten für die neue fürstliche Gruft. St.A.

1703. Herzog Friedrich August erbaut den Thurm neben der Kirche und stiftet auf deren Altar ein marmornes Kruzifix. Gratianus. Roth 83.

1710. Möckmühl, welches 1700 einen eigenen Spezialsuperintendenten erhalten, kommt wieder zur Superintendenz N., wogegen diese Weinsberg und Lichtenstern verliert. Binder a. a. O.

1716. Aug. 5. Herzog Friedrich August stirbt in N. und wird in Gochsheim bestattet. Gratianus.

1718. Herzog Karl Rudolf erweitert den Hofgarten und läßt viele Verbesserungen am Schloß, Marstall, Reithaus etc. vornehmen. Roth 33.

1719. Die Witwe Herzog Friedrich Augusts verkauft ihre Hälfte des Zehnthofs zu N., des Wiesenhofs und des Canofkyschen Hauses zu Brettach, auch ein Frühmeßgütle daselbst an Herzog Karl Rudolf für 17.000 fl. St.A.

1736. Bei Auflösung der alten Markungsgenossenschaft von Kocherthürn, Bürg und Stein wird der angeblich auf Kocherthürner Markung gelegene Theil von N. dem Gemmingenschen Ort Bürg zugetheilt (später aber bei der Landesvermessung mit der Markung N. vereinigt.) Roth 3.

1737–38. H. Karl Rudolf wird nach H. Karl Alexanders jähem Tod zur Regentschaft berufen.

1739. Er baut das Jägerhaus an der Brettach (s. 1603) um. Roth 38.

1741. Er schafft eine neue Orgel in die Kirche an. Roth 84.

1742. Febr., Sept. 17. H. Karl Rudolf stirbt und N. fällt an das regierende Haus heim.

1743 s. oben S. 220.

1747. Das jetzige Dekanathaus wird erbaut. Roth 75.

1751. Aug. 11. Herzogin Eleonore Wilhelmine Charlotte stirbt und wird in der fürstl. Gruft beigesetzt. Roth 26.

1766 s. Bürg.

1781. Mai 8. Herzogin Friederike stirbt und wird in der Gruft bestattet. Roth 35.

1788–90. Die untere Kocherbrücke wird von der Stadt mit einem Aufwand von 3378 Gulden reparirt. Roth 4.

1799. Das alte Pfarrhaus, nachherige Kl. Schönthaler Kellerei und Zehnthof, wird Diakonathaus. Roth 78.

1806–15. N. Garnisonsstadt. Roth 36.

1832. Das Forstamt wird von Kochersteinsfeld nach N. verlegt. Roth 37.

1826. Der sog. Neue Bau (s. 1680) wird abgebrochen und der Platz als Marktplatz an die Gemeinde verkauft. Roth 37.

1829. Das Kameralamt wird von Kochendorf nach N. verlegt. Roth 37.

1829. Die obere, zweite, Kocherbrücke wird erbaut und die neue Straße über Bürg nach dem Jagstthal hergestellt. Roth 61.

| 1851. Errichtung eines Postamts in N. Roth 60.

1871. März 22. Pflanzung der Friedenslinde auf dem äußeren Marktplatz. Roth 113.

1875. Mai 25. Das Dr. Mörikesche Frauenstift wird in Gegenwart der Königin Olga feierlich eingeweiht. Roth 99.



  1. Vgl. Pfizenmayer in der Monatsschrift für die Forstwirthschaft 1856 S. 360 ff., Walser in den Jahresheften des Vereins für vaterl. Naturkunde 1861 S. 70, Caspary ebendas. 1868 S. 193 ff. (Siehe auch unten in der Geschichte der Stadt.)
  2. Dav. Pistorius (Enkel des Stadtpfarrers Alexius Pistorius von Neuenstadt), Encomium urbis Palatino–Wirtembergicae Neapoleos ad Cocharum, in quo vetustas, dominatus et fortuna ejus decantantur. Tubingae 1606. P. C. Gratianus (Diakonus in N. 1773–1782) Denkwürdigkeiten der Herzogl. Würt. Stadt Neuenstadt. 1782. (Msc. auf der K. öff. Bibliothek in Stuttgart.) K. Roth, Geschichte der Stadt Neuenstadt an der großen Linde und des abgegangenen Ortes Helmbund. Mit Ansichten der Linde und des Helmbundkirchleins. Heilbronn 1877.


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