Beschreibung des Oberamts Neckarsulm/Kapitel B 30

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30. Siglingen,


Gemeinde III. Kl. mit Marktgerechtigkeit, 1059 Einw., wor. 43 Kath. a) Siglingen, Pfarrdorf, mit Eisenbahnstation, 599 Einw. (20 Kath.); b) Kresbach, Weiler, 175 Einw. (6 Kath.); c) Neuhof, 6 Einw. (Kath.); d) Reichertshausen, Weiler, 279 Einw. (11 Kath.). Die Kath. von a, b, d sind nach Kocherthürn, die von c nach Neckarsulm eingepfarrt.

Der sehr freundliche, regelmäßig gebaute Ort, in seiner Anlage im ganzen ziemlich ein Quadrat bildend, liegt auf der linken Seite der Jagst innerhalb der starken Krümmung des Flusses, am Fuße des sich nach Norden verflachenden Höhenzuges.

Der Ort war als Städtchen (s. u.) von einer Befestigungsmauer mit Thoren, sowie einem Wallgraben umgeben. Auf die erstere weisen Namen hin wie „beim obern Thor, Thorhaus, Thorgärtlein, Grabenäcker“ u. a. Die Gräben mündeten gegen die Jagst aus; Spuren davon zeigen sich besonders noch auf der Ost- und Westseite des Dorfs. Die Ortsstraßen sind verhältnismäßig breit, regelmäßig und wohlaussehend. Vizinalstraßen führen nach Züttlingen, Neudenau, Kresbach und Reichertshausen. Die nach Norden führende Straße überschreitet die Jagst unmittelbar beim Ort auf schöner steinerner Brücke mit 5 Bogen, gebaut 1766/69, nachdem die alte durch den Eisgang weggerissen worden war; steinerne und hölzerne Brückchen führen über einen Arm der Jagst, sowie über den Sülzbach. –| Die Eisenbahn von Neudenau nach Züttlingen führt, dem Thal des Flusses folgend, in kleinerer Krümmung als die des Flusses ist, südlich vom Ort vorbei.

Die kleine, von außen unansehnliche Kirche, im Landkirchenstil gebaut, steht im südöstlichen Theil des Orts auf dem noch benützten, mit einer Mauer umgebenen Begräbnisplatz. Nach Angaben des Pfarrbuchs läßt sich schließen, daß sie seit 1650 steht, nachdem sie sammt dem ganzen Flecken im J. 1636 durch Brand zu Grund gegangen war; die letzte Reparatur erlitt sie im J. 1867. Ins Schiff führen 2 Eingänge, beide im Rundbogen, von Westen und Norden; über dem westlichen steht die Jahrszahl 1718, am nördlichen tragen 2 steinerne Wandsäulen einen Giebel, in dessen Feld die Worte stehen: Gottes Wort bleibet in Ewigkeit; hübsch ist dieser Eingang mit wilden Reben bewachsen. An der Südwand des flachgedeckten, mit Emporen überladenen Schiffes steht die Kanzel, in der auf blauen Feldern die Evangelisten geschnitzt und bemalt erscheinen; sie ruht auf einer steinernen Säule. In dem Chor, der das untere Geschoß des Thurms bildet, sind Chorstühle angebracht; hinter dem Chor nach Osten liegt die Sakristei. Der niedrige viereckige Thurm, mit kleinen schmalen Öffnungen gegen Osten, gipfelt in spitzzulaufendem Ziegeldach. Es hängen auf ihm 3 Glocken mit folgenden Inschriften: 1. Gegossen von A. Bachert in Kochendorf 1848 für die Gemeinde Siglingen. C. Fleischhauer Pfarrer und J. F. Wittmer Schultheiß; 2. dieselbe Inschrift wie auf 1 ; 3. C. G. Neubert in Ludwigsburg 1819.

Auf dem Kirchhof sieht man die Grabsteine der Pfarrer Stang † 1837, Fleischhauer † 1850, Klein † 1866.

Die Unterhaltung der Kirche kommt der Stiftungspflege, gemeinschaftlich mit den Theilgemeinden Siglingen, Kresbach und Reichertshausen zu. – Das geräumige, alte, etwas kalte und feuchte Pfarrhaus, dessen Erbauungszeit unbekannt ist, steht nahezu am nördlichen Ende des Dorfes an der Hauptstraße gegen die Jagstbrücke; die Unterhaltungspflicht desselben hat der Staat.

Das Rathhaus war früher mit dem Schulhaus vereinigt; seit 1875 ist es in das frühere Schafhaus verlegt. Das Schulhaus, neben dem Pfarrhaus stehend, wurde 1837 neu eingerichtet und erweitert; es enthält ein Lehrzimmer und die Lehrerswohnung. Winters wird hier auch die Industrieschule gehalten. Die Gemeinde besitzt ferner 2 öffentliche Backhäuser mit einem Waschlokal,| eine Kelter mit 3 Pressen, ein Armenhaus und einen Schafstall.

Mit gutem Trinkwasser wird der Ort durch 7 Pumpbrunnen versehen. Berührt wird die Markung von der Jagst und von dem Sülzbach, der von Norden her kommend, gegenüber Siglingen in die Jagst mündet. Fluß und Bach treten zuweilen aus und richten Schaden an.

Die nicht sehr ausgedehnte Markung erstreckt sich quer über die Jagst, über das Flußthal und die Höhen, die nördlich und südlich vom Fluß sich erheben. Die Beschaffenheit des Bodens derselben kann ungefähr zu 1/4 als fruchtbar, zu 3/4 als mittelfruchtbar bezeichnet werden. Lehmboden ist vorherrschend, mehr flachgründig als tiefgründig; ca. 30 ha haben naßkalten, ca. 30 hitzigen Boden. Das Klima ist im allgemeinen mild, die Sommernächte warm; doch kommen Frühlingsfröste und kalte Nebel vor. Hagelschlag ist selten. Es finden sich auf der Markung Lehm- und Töpfergruben, aber keine Steinbrüche.

Die Ortseinwohner, ein kräftiger Menschenschlag, von denen gegenwärtig 2 über 80 Jahre zählen, gehören der Mehrzahl nach dem Mittelstand an; der Grundbesitz des vermöglichsten Einwohners beträgt 18 ha, der des Mittelmanns ca. 3 ha, der der ärmeren Klasse ca. 30 ar.

Die Erwerbsmittel der Einwohner bestehen in Feldbau, Weinbau und Viehzucht.

Es sind 2 Kaufleute und 4 Schildwirthschaften im Ort, ferner eine Mühle mit 3 Mahlgängen, Gerbgang, Ölgang und Hanfreibe.

Die Landwirthschaft befindet sich in gutem Zustand. Verbesserte Ackergeräthe sind in größerer Zahl vorhanden: 22 eiserne Eggen, 6 Walzen, eine Repssäemaschine, 5 Dreschmaschinen, 13 Futter- und 21 Wurzelschneidmaschinen. Der Morgen Acker wird mit 1000, 600 und 200 M. bezahlt. Zuckerrüben werden ungefähr 700 Ctr. an die Zuckerfabrik Züttlingen abgesetzt.

Der Wiesenbau ist ausgedehnt und das Futtererzeugnis ein gutes. Ein Morgen der zweimähdigen, nicht bewässerbaren Wiesen kostet zwischen 800 und 150 M. Es können von dem Erträgnis ca. 700 Ctr. nach außen verkauft werden.

Der Gemüsebau dient nur dem eigenen Bedarf.

Von Weinbergen stehen ca. 15 ha im Ertrag (s. ob. S. 147). Die Preise eines Morgens Weinberg bewegen sich zwischen 800 und 400 M.

| Obst wird gepflanzt auf Allmanden, an Straßen und Wegen, sowie an passenden Plätzen auf Feldgütern. Die Jungstämme werden aus der Gemeindebaumschule bezogen; auch sind von der Gemeinde besondere Baumwarte aufgestellt.

An Waldungen besitzt die Gemeinde 81 ha 57 ar Nadelwald und gemischten Wald, von denen jährlich ca. 96 Festmeter gewonnen werden. Der Erlös dafür, im Betrag von ca. 1000 M., fließt in die Gemeindekasse.

Eigentliche Weiden sind nur in einer Ausdehnung von ca. 8 Morgen vorhanden; sonst wird die Brach- oder Stoppelweide benützt, welche im Sommer mit 100, im Winter mit 200 Stück Schafen von der Landrace befahren wird. Die Schafe werden im Ort überwintert. Der Schäfereipächter bezahlt der Gemeinde 300 M. Pacht, die Pferchnutzung trägt jährlich 300 M. Die vorhandenen kleinen Allmandplätze werden gleichfalls als Schafweide benutzt. Die Gemeinde besitzt eigene Güterstücke, nämlich ca. 3 Morgen Hopfengärten in Selbstbebauung; ca. 7 ha Wiesen und Äcker sind verpachtet. Letztere und die Hopfengärten tragen jährlich ca. 1600 M.

Die Rindviehzucht ist in gutem Zustand.

Das Fischrecht in der Jagst gehört der Gemeinde und 2 Privaten; die Gemeinde verpachtet das ihrige um 31 M. 71 Pf. Man fängt in der Jagst Weißfische, Barben, Schuppfische und Aale.

Stiftungen. Es existirt 1. eine sog. Brotstiftung im Betrag von 1426 M. 29 Pf., gestiftet von verschiedenen Personen. 2. die Schulersche Stiftung im Betrag von 1028 M. 57 Pf., von Kürschner David Schiller in Heilbronn. Die Zinsen der ersten werden zur Anschaffung von Brot u. s. w. für die Armen, die der letzteren zur Unterstützung kranker Armen verwendet.

Flurnamen: Judenkirchhof, Schelmenbaum, Kalkofen, Kappel.

Siglingen, alt Siginingen, Sigeningen = Ort eines Sigino, kam vom Reich an die Herren v. Weinsberg, welche die v. Ernstein, Domeneck u. A. damit belehnten und schließlich 1445 mit Möckmühl den von ihnen 1363 mit Stadt- und Marktgerechtigkeit ausgestatteten Ort an den Kurfürsten von der Pfalz veräußerten. Fortan theilte es die Schicksale des Amts Möckmühl. Ziemlich begütert war daselbst das Kloster Schönthal; um den Zehnten stritten sich in der Pfälzischen Zeit die Stifte Mosbach und Wimpfen und die Klöster Amorbach und Seligenthal.| Später hatten den großen und den Blut-Zehnten die von Ellrichshausen zu Assumstadt und die von Adelsheim zu Sennfeld. (St.A.) Es scheint, daß ursprünglich Ortsadel da war (Reg. 1285), der sich über das 15. Jahrhundert hinüber (Reg. 1437 f. 1454) bis weit ins 16te (1503. 1525. 1544) erhalten hat.

Eingepfarrt nach Züttlingen, hatte die Gemeinde eine angeblich von den Weinsberg gestiftete Frühmeß-Kaplanei, deren Inhaber in der Pfälzischen Zeit verwilligt wurde, zu taufen und die andern Sakramente zu reichen. (St.A. Vgl. unten Züttlingen.) 1542 setzte Württemberg einen Pfarrer ein, was zu langwierigen Beschwerden des Pfarrers von Züttlingen über Einkommens-Beschädigung Anlaß gab. (St A.)

Pfarrer: Gangolf Pfeffer 15 . . (Wibel 1, 391. W. Vierteljahrsh. 1880, S. 164.) Nikol. Zolt 1500. . M. Phil. Gerum 1587. M. Sim. Scharpff 1605. M. Joh. Helwer 1617. M. Ge. Keuerleber 1634. M. Sim. Elsäßer 1635. (Filial von Möckmühl 1637–51 und 1653–65, von Roigheim 1651–53.) M. Christ. Jak. Tafinger 1665. M. Joh. Regius 1668. M. Joh. Bernh. Canstetter 1676. M. Joh. Ruoff 1685. M. Fried. Karl Hoffmann 1695. Valent, Albrecht 1705. M. Joh. Lud. Rottner 1733. M. Aug. Bernh. Hochstetter 1734. M. Ge. Christ. Hartmann 1746. M. Christ. Fried. Winter 1748. M. Heinr. Christ. Wölfing 1770. M. Christi. Gottf. Kolb 1771. M. Nath. Gottl. Renz 1794. M. Karl Christ. Ferd. Sigel 1806. M. Christi. Franz Gottlieb Stang 1823. Gust. Fleischhauer 1837. Felix Klein 1851. Joh. Lud. Kies 1867. Karl Gust. Schettler 1875.

1285. Volknand v. Sigungen (wohl Sigeningen, Siglingen) hat Streit mit dem Kloster Gnadenthal über einen Hof in Kochersteinsfeld. W. F. 9, 99.

1308. Die v. Weinsberg verschreiben dem Gerhard v. Ernstein 110 Pfd. Hlr. auf einem Gut in Sigeningen. Albrecht, Weinsb. Reg. W. F. 8, 193.

1308 f. Kloster Schönthal macht Erwerbungen in Sigenunge. Mone, Bad. Quellensamml. 4, 153.

1310. Albrecht v. Helfenberg (OA. Marbach) und Konrad von Gosheim (Gochsen) verkaufen an Kloster Schönthal ein Gut zu Sigeningen, welches 20 Heller, 10 Malter Frucht und 1 Huhn giltet, um 20 Pfd. Hlr. St.A. W. F. 8, 26.

1345. Konrad Caplan, genannt der Hagenbuch, verkauft seine jährlichen Gilten und Zinse in Sigeningen um 100 Pfd. an Kraft von Michelfeld. Arch. Öhr.

| 1350. Konrad v. Marlach verlauft an Dietrich Hund v. Berlichingen (?) seine Gefälle zu Sygeningen um 80 gute kleine Gulden. Albrecht, Weinsb. Reg.

1357. Wolf v. Stein und seine Söhne verkaufen ihre Güter zu S., Keltern, Weingarten etc. an Engelhard v. Weinsberg um 50 Gulden. Albrecht, Weinsb. Reg.

1363. Kaiser Karl IV. erlaubt dem Engelhard v. Weinsberg, aus seinem Dorf Sygenyngen eine Stadt mit Wochenmarkt zu machen. Albrecht, Weinsb. Urk.

1363. Hertwig v. Thierbach (OA. Gerabronn) bekennt gegen Engelhard v. Weinsberg, daß er diesem seinem Herrn 10 Pfd. Hellergeld und 10 Hühner in S., welche Krafts v. Michelfeld waren, wieder zu lösen geben werde. W. F. 9, 32.

1406. Engelhard v. Weinsberg und Fritz v. Tumeneck mit seiner Ehefrau werden wegen des Dorfs Siglingen verglichen: Letzterer soll dasselbe dem v. Weinsberg wieder geben und ledig sagen, dieser aber soll ihm dafür wieder eingeben seinen eigenen Theil an den 3 Schefflenz für 490 Gulden. Albrecht, Weinsb. Reg.

1423. Konrad v. Weinsberg verkauft an Pfalzgraf Otto von Mosbach, doch so, daß sie nach dessen Tod an Weinsberg zurückfallen sollten, neben vielem Andern die Dörfer Siglingen und Kresbach. Ludewig 12, 615. Dillenius, Weinsberg 42.

1424. Konrad Egen verkauft etlichen Chorherren zu Möckmühl Äcker und Wiesen in Sigeningen um 57 Gulden. St.A.

1432. Konrad v. Weinsberg und seine Ehefrau Anna verpfänden dem Stift Möckmühl den Siglinger Wald. Dillenius 47.

1433. Ebendieselben verkaufen an das Stift Möckmühl um 500 Gulden ihre Zehnten und Gilten von und auf dem Vorst zu Signingen und von den Wiesen zu Hartzhusen, welche die von Krebsbach bestanden hatten. St.A.

1437 f. Konrad v. Weinsberg kauft „den Gesellen zu Siegeningen Eyer u. A.“, und hat Johannes Siegingen (Sickingen?) und Wiprecht v. Siegeningen im Dienst. Bibl. d. litt. Ver. 18, 11. 16. 17. 85.

1445. 51 s. Möckmühl.

1454. Hans v. Siglingen, Pfälzischer Keller zum Steinsberg (BA. Sinsheim). Ztschr. f. d. Gesch. d. Oberrh. 32, 202.

1463. Die Stifte Mosbach und Wimpfen, sowie Kloster Seligenthal streiten mit dem Kloster Amorbach über den Zehnten in Siglingen und Kresbach. W. F. 5, 315.

1464. Kloster Schönthal hat in Sigeningen und Kreßbach Hellerzinse, da gibt man 3 Pfenn. für 1 Schilling. W. F. 8, 129.

1495. In der Pfälzischen Steuerliste laufen von S. neben einem Armen 45 Zahlende mit einem Vermögen von 5974 Gulden und einer Steuer von 119 Gulden. Als Geistlicher ist genannt Konrad Carpentarius (Wagner), Frühmesser. W. F. 7, 553, 558.

1503. In Tübingen wird immatrikulirt Georgius de Siglingen, welcher 1507 als Ge. Siglinger ex Schorndorf magistrirt. Roth, Tüb. Urkunden 555.

1525. Meister (Mag.) Jörg v. Siglingen wird Pfälzischer Pfarrer zu Hilsbach (BA. Sinsheim.) OR. 32, 203.

| 1533. Aus dem Hohenberg in S. bezieht Stift Möckmühl 1 Fuder 1 Eimer Weingilt. St.A.

1544. Sebastian v. Siglingen, Schwarzenbergischer Amtmann auf Hohenlandesberg (abg. bayr. BA. Uffenheim.) W. F. 7, 492.

1604. Herzog Friedrich von Württemberg übernachtet in S. auf einer Bereisung der Grenzen seines Landes. Bes. Beil. d. Staatsanz. f. Württ. 1879, S. 323.

1831–39. Die Freiherren v. Ellrichshausen in Assumstadt und v. Troyff auf Domeneck verkaufen ihre Gefälle und Zehntantheile in S. an den Staat. St.A.

b) Kresbach, Theilgemeinde mit abgesonderter Markung, liegt 3 km südlich von Siglingen auf der Höhe in dem Kessel, welchen der westlich zur Jagst bei Herbolzheim fließende Kresbach, der in der Nähe des Orts entspringt, bildet. Die Vizinalstraße von Siglingen steigt erst sehr stark an, bis sie die Höhe gewinnt, und senkt sich dann wieder in den Kessel, in dem Kresbach liegt. Die Straße führt von hier weiter nach Stein im Kocherthal; von dieser zweigt westlich, etwas südlich vom Ort, eine alte Straße ab, die zwischen Jagst und Kocher nach Jagstfeld führt, die unten erwähnte Römerstraße; eine weitere führt östlich nach Ernstein. Die Markung wird auch von der Staatsstraße von Neuenstadt nach Züttlingen berührt. Der Weiler selbst hat nur eine Straße von West nach Ost; wegen seiner Lage und des Mangels an Gefäll ist er etwas feucht, wodurch Kelleranlagen erschwert sind.

Es ist ein Schulhaus im Ort, 1775 erbaut, welches ein Lehrzimmer und die Lehrerswohnung enthält; darauf befindet sich ein Glockenthürmchen mit Uhr. Daneben ist zur Berathung der örtlichen Angelegenheiten ein Gelaß vorhanden, an das Schulhaus angebaut. Unter demselben befindet sich das Back- und Waschhaus. Die Gemeinde besitzt außerdem ein Schafhaus.

Trinkwasser liefern 3 Pump-, 2 Schöpfbrunnen und 2 laufende Brunnen; auch ist eine Wette im Ort. Der Kresbach tritt bei starken Regengüssen und rascher Schneeschmelze aus und verursacht häufig Schaden. Der Markungsboden ist zu 1/3 fruchtbar, zu 2/3 mittelfruchtbar; Lehmboden ist vorherrschend, meist tiefgründig, theilweise sumpfig.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind gut; der Grundbesitz des vermöglichsten Einwohners beträgt ca. 23, der des mittleren Mannes 9, der des ärmeren 1 ha. Zur Landwirthschaft sind hinreichend verbesserte Ackergeräthe vorhanden: 14 eiserne Eggen, 4 Walzen, eine Repssäemaschine, eine Dreschmaschine| und 15 Futterschneidmaschinen. Der Morgen Acker kostet zwischen 1000 und 200 M. Zum Verkauf kommt ziemlich viel Getreide, Reps, Zuckerrüben. – Der Wiesenbau ist nicht ausgedehnt, das Futter hie und da sauer. Es muß Futter zugekauft werden.

Die Gemeinde besitzt 431/2 ha Laub- und Nadelwald, welche jährlich ca. 115 Festmeter ertragen. Von dem Ertrag erhielten die Ortsbürger bisher je 2 Rm. Holz und 50 Wellen.

Der Weidepacht trägt derzeit 260 M. jährlich, der Pfercherlös 200 M. Kleinere Allmandplätze werden als Schafweide benützt; eigene Güterstücke der Gemeinde sind für 500 M. jährlich verpachtet.

Eine Schildwirthschaft und ein Krämer ist im Ort.

Schöne Aussicht genießt man von der Höhe auf der Straße nach Siglingen.

Flurnamen: In der Schanz, Kirchfeld.

Kresbach, alt Crebesbach, Ort am krebsreichen Bach, theilte von jeher die Geschicke von Siglingen. Die Herren von Weinsberg hatten daselbst an der großen Straße von Heilbronn-Wimpfen nach Mergentheim-Rothenburg eine Zollstätte errichtet (Jäger, Heilbronn 1, 87); Kloster Schönthal bezog Einkünfte von einem Gut in K. Am großen Zehnten gehörte im 16. Jahrhundert je 1/3 dem Stift Mosbach, dem Kloster Seligenthal und den Herren v. Adelsheim, doch so, daß gewisse Äcker zur Kellerei und für die Pfarrei Züttlingen zur geistlichen Verwaltung Möckmühl zehnteten; der kleine Zehnten gehörte diesen beiden je hälftig. (Möckm. Kellerei-Lagerb. v. 1542.)

1319. Der kleine Marquart v. Möckmühl tauscht von Kloster Gnadenthal gegen seine Mühle in Kochersteinsfeld unter Anderem einen Hof zu Crebesbach ein. (Vgl. Züttlingen.) W. F. 4, 193.

1363. Engelhard v. Weinsberg kauft von Reinhard Hofwart eigene Leute zu Crebesbach, Alfeld etc. Albrecht, Weinsb. Urk.

1382. Konrad v. Weinsberg, Domherr in Würzburg, tritt an seinen Bruder Engelhard Krebisbach u. A. ab. W. F. 6, 258.

1420. Konrad Marbach zu Schwäbisch Hall bekennt, daß er an die Gilt, welche sein Sohn Simon, Konventual in Schönthal, um 44 Gulden an das Kloster verkauft, keine Ansprüche mehr habe. St.A. Schönhuth, Schönthal 113.

1423. 1463. 64 s. Siglingen.

1495. Im Pfälzischen Steuerregister laufen von Crespach neben einem Armen 15 Einwohner mit 1005 Gulden Vermögen und 20 Gulden Steuer. W. F. 7, 553.

| 1525. Im Rathe der aufständischen Bauern sitzt der Schweinheinrich von Kr. Öchsle 151.

1581 und später öfters Streit über die Weid- und Triebsgerechtigkeit zwischen Kr. einer-, Bürg, Züttlingen und Assumstadt andrerseits. St.A.

1597. Lienhard Schetzinger zu Kr. verspricht, seine Fruchtgilten hinfüro beständig nach Möckmühl in die Kellerei zu liefern. St.A.

1621. Die Herrschaft Württemberg vertauscht ein Haus in Kr., welches sie von Jakob Kraus und seinem Stiefvater Lenhard Schetzinger um 143 Gulden zu einem Forstknechtshaus erkauft, an Johs. Rau allda. St.A.

c) Der Neuhof liegt nordnordöstlich von Siglingen, ca. 31/2 km vom Ort entfernt oben auf der Höhe, die nördlich von der Jagst aufsteigt.

1557. Die Gemeinde Reichartshausen verspricht, aus dem Hof, gen. der Neuhof, zur Kellerei Möckmühl jährlich zu reichen: 32 Gulden Geld, je 9 Malter Roggen, Dinkel und Haber, 1 Gulden Handlohn, 1 Gulden Weglösin. St.A.

1621. 25 s. Reichertshausen.

1789. Die Stadt Heilbronn kauft den Neuhof um 130.000 Gulden. Jäger, Heilbronn 2, 263.

d) Reichertshausen, Weiler, Theilgemeinde mit besonderer Markung, liegt 21/2 km nördlich von Siglingen, auf der Höhe, die westlich ins Sülzbachthal, südlich in das der Jagst abfällt. Er steht durch Vizinalstraßen in Verbindung mit Siglingen, Neudenau und Billigheim, Bittelbronn und Möckmühl. Ein steinernes Brückchen führt über den Sülzbach. Das schöne, freundliche und helle Schulhaus, 1870/1871 neu erbaut, enthält ein Lehrzimmer, die Lehrerswohnung und ein Zimmer zur Berathung der Gemeindeangelegenheiten. In dem ebenfalls 1870 erbauten Hintergebäude zum Schulhaus befindet sich eine Backküche. Auf dem Neuhof sind die der Gemeinde gehörigen Schäfereigebäude.

Mit Trinkwasser ist der Ort versorgt durch eine nach neuem System angelegte Wasserleitung mit Hochreservoir, welche mit einem Kostenaufwand von 16.000 M. von der Gemeinde nach dem Plan des Oberbauraths v. Ehmann in Stuttgart durch Oberamtsbaumeister Lell im Jahr 1878 erstellt worden ist. Das Wasser der Leitung kommt von einem ca. 1 km entfernt liegenden, ca. 350 Eimer fassendem Reservoir, welches durch 3 gefaßte Quellen gespeist wird. Statt der früheren Pumpbrunnen| und der Wette sind nun im Ort 6 Hydranten mit Anschraubrohr, und die Wasserleitung ist in 23 Häusern eingeführt.

Der Boden der Markung ist ein mittelfruchtbarer, vorherrschend flachgründiger Lehmboden; einige kleinere Stellen sind steinig, einige Wiesen im Sülzbachthal sumpfig mit saurem Futter. Das Klima ist ziemlich mild, doch kommen schädliche Frühlingsfröste und kalte Nebel vor; starken Winden ist die Markung ausgesetzt, besonders auf der Höhe beim Neuhof. Eine Sandgrube und ein Kalksteinbruch „in der Schwärz“ befindet sich auf der Markung. Der frühere Nägelsee, im Meßgehalt von ca. 1 ar, ist jetzt trocken gelegt; ebenso wird der sog. Hofsee beim Neuhof, im Meßgehalt von ca. 4 ar, nunmehr als Wiese benützt. Ein trichterförmiger Erdfall findet sich im sog. Löchle.

Der Feldbau bildet den Haupterwerbszweig der im allgemeinen wohlhabenden Einwohner. Der Grundbesitz des vermöglichsten Bürgers beträgt ca. 30 ha, der des mittleren Manns ca. 13, der des ärmeren ca. 1 ha. 3 Schildwirthschaften und 1 Krämer sind im Ort.

Zum Betrieb der Landwirthschaft sind von verbesserten Ackergeräthen vorhanden 20 eiserne Eggen, 6 Walzen, 3 Repssämaschinen, 3 Dreschmaschinen. Die Dreifelderwirthschaft ist üblich; von der Brache werden 3/4 eingebaut. Reps wird nach außen verkauft, ca. 100 Ctr. jährlich. Von Halmfrüchten gedeihen besonders Dinkel und Haber; auch der Futterkräuterbau (rother und blauer Klee, Pferdezahn, Wicken) ist sehr ausgedehnt. Der Morgen Acker kostet zwischen 800 und 100 M. Der Wiesenbau ist nicht ausgedehnt, das Futtererzeugnis mittelmäßig und theilweise sauer.

Weinberge sind erst seit 6 Jahren, im Ganzen 12/8 Morgen, angelegt. – Vom Obsterträgnis können jährlich ca. 100 Sri. Äpfel und Birnen verkauft werden.

Die Gemeinde besitzt 47 ha, 6 ar und 75 m Nadel- und gemischte Waldungen, welche jährlich ca. 68 Festmeter ertragen. Der Erlös daraus, mit ca. 700 M., fließt in die Gemeindekasse.

Eigentliche Weiden sind nur einige ha vorhanden; sonst Brach- und Stoppelweide, wozu auch kleinere Allmandplätze benützt werden. An Pachtgeld bezieht die Gemeinde 745 M., die Pferchnutzung trägt 600 M. Von Güterstücken, die der Gemeinde gehören, sind 3 ha 17 ar mit der Schäferei verpachtet; 8 ha weitere Güter tragen jährlich ca. 387 M. Pacht.

| Schöne Aussicht genießt man auf dem Hoffeld bei der Sandgrube und auf der Leichtenweiler Höhe beim Diebsbusch.

Flurname: Maurach.

Reichertshausen = Behausung eines Reichart, gehörte mit Möckmühl zu dem großen Würzburgischen Lehen der Herren von Dürn, welches am Ende des 13. Jahrhunderts an Hohenlohe, 1445 an Kurpfalz, 1504 durch Eroberung an Württemberg gelangte.

1273. Mechthild von Dürn urkundet, daß die Gebrüder Bertold, Lutwin und Richger v. Richartshusen mit ihrer Schwester Hiltegund ihren Antheil an dem Hof in Ruchsen dem Kloster Seligenthal zu einem Seelgeräthe vermacht haben. Gudenus, Cod. dipl. 3, 690.

1333. Hohenlohe überläßt R. dem Bischof v. Würzburg (siehe Möckmühl).

1495. In der Pfälzischen Steuerliste laufen von Richartzhusen 13 Pflichtige mit 1879 Gulden Vermögen und 37 Gulden Steuer. W. F. 7, 553.

1621. Urtelsbrief zwischen der Gemeinde Reichertshausen, auch Georg Schreckhen, Schäfer auf dem Neuenhof daselbst, Klägern, und den Gemeinden Möckmühl und Roigheim, Beklagten, wegen eines Zutriebs und Weidgangs. St.A.

1625. Gütlicher Ausspruch zwischen vorerwähnten Theilen in derselben Sache. St.A.

Alterthümer von Siglingen, Kresbach, Neuhof und Reichertshausen. Durch den südlichen Theil der Markung (Kresbach) wenige Schritte südlich vom Weiler Kresbach zieht als ein jetzt noch vorhandener Weg von West nach Ost die mehrfach erwähnte Römerstraße, von Wimpfen-Jagstfeld über den Höhenzug zwischen Jagst und Kocher an den limes bei Jagsthausen, zum Theil die Grenze zwischen Kresbacher Markung und Baden bildend (s. o. Alterth. Römerstraße Nr. 1).

Eine zweite, von Neuenstadt über Züttlingen kommend, gewinnt die Höhe auf dem rechten Jagstufer zwischen dem Sülzbach und der Seckach und führt auf Reichertshauser Markung östlich am Neuhof vorbei nach Norden (s. o. Alterth. Römerstr. Nr. 3).

Spuren einer römischen Niederlassung entdeckte man im sog. Maueracker bei Kresbach. Funde: Gefäß- und Ziegelstücke, thönerne Röhren von einer Wasserleitung, Grundmauern.

Eine zweite Niederlassung ist in der Nähe der oben erwähnten zweiten Römerstraße eine kurze Strecke nördlich vom| Neuhof, wo eine starke Quelle entspringt, anzunehmen. Funde: römische Ziegelstücke, Gefäßstücke, Grundmauern eines mit der Breitseite gegen Süden stehenden Gebäudes (s. W. F. VI, 295 f. VII, 112).

Auf der zur Reichertshauser Markung gehörigen ausgerodeten Waldparzelle Lichtenweiler (Leichtenweiler), ganz im Westen an der badischen Grenze, laßt sich ein abgegangener Ort vermuthen; ebenso scheint die Bezeichnung „Schloßbuckel“ für einen südlich von Leichtenweiler gegen Westen in das Thälchen des Sülzbaches steil abfallenden Bergvorsprung, an dessen Fuß eine starke Quelle entspringt, auf einen abgegangenen Burgsitz hinzuweisen.


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