Beschreibung des Oberamts Neresheim/Kapitel A 5

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V. Nahrungsstand.
1. Hauptnahrungsquellen.

Die Hauptnahrungsquellen bestehen in Feldbau und Viehzucht. Die Gewerbe sind nur in Bopfingen von Bedeutung, in den übrigen Orten beschränken sie sich meist nur auf die örtlichen Bedürfnisse; überdieß wird neben den Gewerben noch Landwirthschaft getrieben (s. hierüber den Abschnitt „Kunst und Gewerbefleiß“, sowie auch die Ortsbeschreibungen). Einen weiteren Erwerbszweig bildet auf dem oberen Herdtfeld die Köhlerei, welche jedoch in neuerer Zeit im Abnehmen ist. Die im Bezirk anseßigen Israeliten suchen sich vorzugsweise durch Handel ihren Erwerb zu sichern. Die minder bemittelte Klasse findet ihr spärliches Auskommen durch Taglohnarbeiten, Holzmachen, Gänse- und Hausirhandel, Sammeln von Waldfrüchten etc.


2. Vermögen.
A. Geldwerth des steuerbaren Grundeigenthums.
Derselbe berechnet sich nach den Ergebnissen der Landesvermessung | und den bei der provisorischen Steuerkatasteraufnahme vom Jahr 1830 zu Grund gelegten Schätzungen des Reinertrags, wie folgt:
Stand vom 1. Juli 1871
Morgen     Viertel          Reinertrag
Kapitalwerth im 25-
fachen Betrag
fl.      kr. fl.      kr.
Zelglich geb. Äcker 52.498 030/0      168.088 025      4.202.210 025
nicht zgl. geb. Äcker 8644 21/2 3770 41 94.267 5
einmähd. Wiesen 1442 21/2 2425 2 60.625 50
zweimähd. Wiesen 9893 31/2 60.887 2 1.522.175 50
Baumäcker
Küchengärten
Länder
661 3985 52 99.646 40
Grasgärten
Baumgärten
Baumwiesen
147 20/0 1368 21 34.208 45
Kapitalwerth im 40-
fachen Betrag
Waldungen 34.474 11/2 25.003 7 1.000.124 40
Kapitalwerth im 25-
fachen Betrag
Weiden mit bestimmter Fläche 8017 10/0 2695 13 67.380 25
Schafweiden m. unbest. Fläche
bei 23.690 Schafen
3001 13 75.030 25
Steinbrüche
Lehmgruben
Fischwasser
1 1/2 18 40 466 40
Summe 115.781 1/2 271.243 36 7.156.136 45

Unter dieser Summe ist jedoch der Grundbesitz des Staats und anderer steuerfreier Institute nicht begriffen. Ersterer beträgt nach einer vom K. Katasterbureau im Jahr 1844/45 gefertigten Übersicht in nachstehenden nutzbaren Flächen:

Flürlich gebaute Äcker 00322/8 0Morgen 0 16,0 0Rth.
Willkürlich gebaute Äcker       01151/8
"
03,4
Einmähdige Wiesen 00057/8
"
27,3
Zweimähdige Wiesen 00266/8
"
39,7
Küchengärten und Länder 00171/8
"
12,1
Waldungen 61492/8
"
41,6
Weiden 00345/8
"
35,4
Öden 00126/8
"
25,0
Steinbrüche, Lehmgruben 00005/8
"
37,0
Seen, Flüsse und Bäche 00001/8
"
07,6
Straßen und Wege 01793/8
"
17,5
Zusammen      65744/8 0Morgen 22,6 0Rth.
|
B. Geldwerth des Viehstandes.

Nach der neuesten Aufnahme des Viehstandes vom 1. Januar 1868 und den früher dießfalls angenommenen Sätzen für den Werth der verschiedenen Thiergattungen (vgl. Memminger’s Beschreibung von Württemberg 1841, S. 506) beträgt der Werth der

Pferde über 3 Jahren 1111 St. zusam. 1427 St. à 50 fl. = 71.350 fl.
unter 3 Jahren 316 St.
Rindvieh und zwar:
über 2 Jahre alt,
Zuchtstiere 98 St. zus. 14.702 St. à 25 fl.= 367.550 fl.
Ochsen u. Stiere 2323 St.
Kühe u. Kalbeln 6728 St.
unter 2 Jahren alt,
Schmalvieh u. Kälb.
5553 St.
Schafe spanische 484 St. zus. 6849 St. à 6 fl. = 41.094 fl.
Bastardsch. 6008 St.
Landschafe 357 St.
Schweine 2581 St. à 8 fl. = 20.648 fl.
Ziegen 258 St. à 5 fl. = 1290 fl.
Bienenstöcke 1745 St. à 5 fl. = 8725 fl.
Zusammen      510.657 fl.

Es beträgt hienach der Gesamtwerth des unbeweglichen Vermögens nach dem Steueranschlag und des Viehstandes

9.676.121 fl. 45 kr.

und zwar der Werth:

A. des steuerbaren Grundbesitzes 7.156.136 fl. 45 kr.
B. der steuerbaren Gebäude nach dem Gebäudekataster vom 1. Juli 1870 2.009.328 fl. 0‒ kr.
C. des Viehstandes .0510.657 fl. 0‒ kr.
9.676.121 fl. 45 kr.


3. Wirthschaft.
A. Urproduktion (Landbau).
a) Gewinnung von Mineralien.
Die Gewinnung von Mineralien beschränkt sich außer den Bohnerzgruben bei Michelfeld, Dorfmerkingen und Ober-Riffingen (s. u.) auf den Abbau von Werk- und Bausteinen, Straßenmaterial, Lehm, Töpferthon, Sand und Kies; die Steinbrüche, Lehm-, Kies- und Sandgruben nehmen nach den Ergebnissen der Landesvermessung 423/8 Morgen ein. Sandsteine zu Werk- und Bausteinen gewinnt man aus dem braunen Jura auf den Markungen von Bopfingen, Baldern, Kirchheim und besonders bei Röttingen; weißen Jura (Kalk und | Dolomit) zu Straßenmaterial, Mauersteinen und zum Kalkbrennen gewinnt man auf den meisten Markungen mit Ausnahme der von Baldern, Kerkingen, Pflaumloch und mehreren Ortschaften in der jungen Pfalz. Von großer Bedeutung sind die Plattenkalkbrüche bei Steinweiler, ferner die bei Dorfmerkingen und Ohmenheim. Marmor kommt vor und wird theilweise ausgebeutet bei Neresheim, Dorfmerkingen und Kösingen. Trachyt, namentlich zu Werk- und Bausteinen, wird hauptsächlich gewonnen in den großen Brüchen bei Altenbürg (M. Utzmemmingen), dann bei Eglingen und früher im Osterholz bei Kirchheim. Jüngerer Süßwasserkalk wird abgebaut in den bedeutenden Brüchen vom Goldberg (M. Goldburghausen und Pflaumloch). Lehmgruben kommen fast allenthalben vor, Töpferthon gewinnt man bei Neresheim, Großkuchen, Kösingen; Sand- und Kiesgruben sind namentlich in der jungen Pfalz, überhaupt im Tertiärgebiet, sehr häufig. Torf tritt zuweilen in den Thälern auf, wird aber nicht gewonnen.

Der Stand der Bohnerzgruben bei Michelfeld und Dorfmerkingen, die seit langer Zeit in Betrieb sind, war in den letzten Jahren folgender:

Im Jahre 1865/66 mit 8 Waschen betrieben, lieferten dieselben

in Michelfeld 11.270
in Dorfmerkingen   12.223
23.493 Centner Bohnerz;

das Personal bestand in einem Steiger, zwei Untersteigern, 38 Bergleuten und Taglöhnern.

Im Jahre 1866/67 wurde die Grube bei Michelfeld, die lange Jahre im Betrieb gewesen war, verlassen und dafür eine neue Grube bei Ober-Riffingen eröffnet, man gewann bei 6 Waschen

in Dorfmerkingen   .08934
in Ober-Riffingen .06490
15.424 Centner Bohnerz;

das Personal bestand in einem Steiger, zwei Untersteigern und 29 Bergleuten.

Im Jahre 1867/68 wurde auch auf der alten Grube bei Dorfmerkingen das Fördern von Grund eingestellt und das Waschen des vorhandenen Grundes auf die bessere Jahreszeit verschoben; und in der Nähe dieser Grube eine neue im Staatswald eröffnet. Man gewann bei 6–7 Waschen

in Dorfmerkingen   .09230
in Ober-Riffingen .08307
17.357 Centner Bohnerz.
Im Jahre 1868/69 wurde auf der alten Dorfmerkinger Grube nur noch der vorräthige Grund etc. verwaschen, dagegen waren die neue | Dorfmerkinger Grube im Staatswald und die Ober-Riffinger Grube mit 6–7 Waschen in regelmäßigem Betrieb. Man gewann
in Dorfmerkingen   .09849
in Ober-Riffingen .09204
19.053 Centner Bohnerz;

das Personal war wie in den früheren Jahren.

Im Jahre 1869/70 wurde auf der alten Dorfmerkinger Grube in 2 Waschen vorräthiger Grund verwaschen, ferner waren auf der neuen Dorfmerkinger Grube 2, auf der Ober-Riffinger 4 Waschen in Betrieb; man gewann

in Dorfmerkingen   .09367
in Ober-Riffingen .08883
18.250 Centner Bohnerz.

Im Jahre 1870/71 waren auf der neuen Dorfmerkinger Grube 2, auf der Ober-Riffinger 4 Waschen in Betrieb, während auf der alten Dorfmerkinger Grube mit dem Waschen der noch vorhandenen Grundvorräthe fortgefahren wurde; man gewann

auf der alten Dorfmerkinger Grube .01823
auf der neuen .05357
auf der Ober-Riffinger Grube .07502
14.682 Centner Bohnerz;

das Personal bestand in den letzten Jahren in einem Steiger, zwei Untersteigern und 35 Bergleuten.


Früherer Bergbau.

1367 ertheilte Kaiser Karl IV. dem Kloster Neresheim und den Grafen von Oettingen das Bergwerksregal, um Eisen oder andere Erze zu suchen und zu bauen. Neresh. Ded. S. 449.

1469 vergleichen sich Propst und Convent von Ellwangen über das Eisenerzsuchen; es soll gemeinschaftlich geschehen.

1512 bei Ebnat wird vom Heidenheimer Schmelzmeister Erz in Menge gefunden.

1530 Die Grafen von Oettingen belehnen die Herren von Wellwart mit dem Recht bei Unterkochen und Wasseralfingen und auf dem Herdtfelde bei Bernlohe – Erz zu suchen. Die Herren von Wellwart überlassen aber dem Prälaten von Königsbronn 1539 das Eisenerz auf dem Herdtfelde.

1557 Der Stadtpfarrer von Bopfingen überschickt dem Grafen Ludwig von Oettingen eine Probe von dem Erz, welches beim Graben eines Brunnens zu Morenstetten 5 Klafter und 1 Elle tief war gefunden worden.

Vor 1580 wurde am Egerursprung Bohnerz entdeckt, weßwegen die Grafen von Oettingen bei Aufhausen einen Eisenhammer anlegten.

| 1668 Streit zwischen Ellwangen und Oettingen, weil letztere auf dem Gut eines ellwanger Unterthanen zu Unterriffingen Bohnerz gruben. Ebendas geschah noch 1697 für das ötting. Schmelzwerk bei Aufhausen.

Um diese Zeit fieng auch Ellwangen an zu graben für das wasseralfinger Schmelzwerk. 1753 bittet Ellwangen, im Katzenthal zwischen Kösingen und Hohlenstein, auch bei Auernheim Bohnerz graben zu dürfen.

1707 Verhandlung zwischen Neresheim und Württemberg (Königsbronn) wegen Erzgrabens im klösterlichen Walde zwischen Auernheim und Nattheim.


Hafnererde.

Die Oberkochener Häfner wünschen 1661 Leimen graben zu dürfen bei Ebnat.

1688 graben Gmünder Häfner auf Kl.-Neresheimer Grund und Boden, z. B. im Hannagarten.

Das Erdengraben des Wallersteinischen Hofhäfners auf dem Herdtfelde erregte 1725 Streit mit Kl.-Neresheim.


b) Pflanzenbau.
1. Verhältniß des Feldbaues im allgemeinen.

Nach den Ergebnissen der Landesvermessung beläuft sich die Grundfläche des Oberamtsbezirks auf 135.6821/8 Morgen. Betrachtet man Äcker, Gärten, Wiesen und Waldungen als gebautes, das Übrige als ungebautes Land, so sind nur 11.9686/8 Morgen der ganzen Fläche unkultivirt. Rechnet man dagegen die Waldungen zu der unkultivirten Fläche, so nimmt das nicht angebaute Land 59.4485/8 Morgen, oder 44% des Areals ein.

Von der ganzen Bodenfläche kommen auf einen Einwohner 6 Morgen, auf ein Pferd 95 Morgen, auf ein Stück Rindvieh 9 Morgen.

Das Verhältniß sämtlicher Kulturarten unter sich, Gärten und Länder als Einheit genommen, ist folgendes:

Gärten und Länder 2.2907/8 Morg. = 01,00
Äcker 63.3524/8
"
= 27,65
Wiesen 10.5901/8
"
= 04,62
Waldungen 47.4797/8
"
= 20,73.

Von 100 Morgen der ganzen Grundfläche kommen also:

auf Gärten und Länder   1,7 Morgen,
auf Äcker 46,7
"
auf Wiesen 7,8
"
auf Waldungen 35,0
"
91,2 Morgen.
| Der Rest von den 11.9686/8 Morgen ist eingenommen:
durch das Areal der Ortschaften 5003/8 Morgen,
00 "00 Weiden 65494/8
"
00 "00 Öden 16937/8
"
00 "00 Steinbrüche, Thon- u. andere Gruben       423/8
"
00 "00 Seen, Bäche und Gewässer 2112/8
"
00 "00 Straßen und Wege 29713/8
"
11.9686/8 Morgen.

Vertheilung und Grundeigenthum. Das Grundeigenthum war zur Zeit der Landesvermessung in 74.488 Parzellen vertheilt, wonach durchschnittlich 1,8 Morgen auf eine Parzelle kommen.

Die größte Markung hat Großkuchen, die kleinste Dorf Neresheim. Größere arrondirte Güter sind Altenbürg, Bernlohe, Duttenstein, Schloß Taxis, Ballmertshofen, Schloß Neresheim, Buchbronnenmühle, Diepertsbuch, Fluertshäuser Hof, Hagenbucher Hof, Hochstatter Hof, Hubertsweiler Hof, Katzenstein, Kapfenburg, Rothensohl, Weihnachtshof.

Nach den württembergischen Jahrbüchern 1857, Heft I. S. 99 waren im Jahr 1857 in dem Bezirk Grundeigenthümer von über 200 Morgen 16, von 100–200 Morgen 104, von 50–100 Morgen 272, von 30–50 Morgen 372, von 10–30 Morgen 981, von 5–10 Morgen 934, von weniger als 5 Morgen 2428.

Von den vorhandenen 135.6821/8 Morgen besitzen der Staat 66283/8 Mrg. oder 4,88 %, die Grundherrschaften 34.0755/8 Mrg. oder 25,11 %, die Gemeinden 3593 Mrg. oder 2,65 % und die Stiftungen 36443/8 oder 2,69 %; im Eigenthum der Privaten sind demnach 87.7406/8 Mrg. oder 64,67 % der Gesamtfläche des Bezirks.

Anbau. Der landwirthschaftliche Betrieb erfreut sich durch den Fleiß der Einwohner im ganzen Bezirk einer sehr sorgsamen Pflege und hat sich namentlich in den milderen und fruchtbareren Gegenden, wie im Ries und theilweise in der jungen Pfalz, auf eine sehr erfreuliche Weise gehoben; aber auch die von den weniger begünstigten rauheren Gegenden, wie das Herdtfeld, sind nicht zurückgeblieben und haben sich in den letzten Jahrzehnten in dem landwirthschaftlichen Anbau bedeutend verbessert. Weiden und Allmanden sind in neuerer Zeit vielfältig ertragsfähig gemacht worden, zum Ackerbau, Obst- und Waldbau, und werden im Laufe der Zeit noch mehr vermindert werden.

Einen sehr wohlthätigen Einfluß auf die Landwirthschaft äußert der landwirthschaftliche Bezirksverein (s. u.) und das Beispiel der rationell bewirthschafteten im Bezirk liegenden geschlossenen Güter.

Das für den Ackerbau benützte Land hat größtentheils eine ebene oder flachwellige und hügelige Lage; nur ein geringer Theil zieht sich am Fuß der Alb und ihrer Vorberge und an einigen | steilen Thalgehängen hinauf und erfordert eine mühsame Bebauung; die Steilgehänge sind mit Ausnahme des Flochberges stets mit Wald oder Weide bedeckt. Die Thalebenen und die Flachmulden der Hochebenen dienen, mit Ausnahme mehrerer auf dem Herdtfeld vorkommenden Trockenthäler, dem Wiesenbau.

Das Erzeugniß an Getreidefrüchten ist im ganzen Bezirk sehr beträchtlich und erlaubt mit Ausnahme von Aufhausen und Schloßberg einen zum Theil sehr nahmhaften Verkauf nach außen und bloß in Aufhausen müßen Brotfrüchte zugekauft werden, während in Oberdorf ebensoviel Früchte ein- als ausgeführt werden. Den verhältnißmäßig stärksten Verkauf nach außen haben die Orte: Ballmertshofen, Dirgenheim, Dunstelkingen, Elchingen, Goldburghausen, Kerkingen, Kirchheim, Kösingen, Neresheim (Schloß), Pflaumloch, Röttingen, Trochtelfingen, Unter-Riffingen und Utzmemmingen. Die Brach- und Handelsgewächse werden in den Orten selbst verbraucht, mit Ausnahme von Goldburghausen, das jährlich für etwa 10.000 fl. Kraut (Spitzkohl) ausführt.

Der Ertrag an Wiesenfutter ist zum Theil sehr beträchtlich, wird aber, mit Ausnahme von Baldern, in den Orten selbst verbraucht und reicht fast nirgends zur Erhaltung des nöthigen Viehstandes, daher auf den Anbau von Futterkräutern und Futtersurrogaten überall Bedacht genommen wird.

Der Obstbau ist im Ganzen nicht von Belang, beschränkt sich meist auf die um die Orte zunächst liegenden Gärten, und auf die Anpflanzungen der bedeutenderen Straßen mit Obstbäumen, deren Stelle jedoch auf dem Herdtfeld häufig durch Waldbäume, (Vogelbeer, Aspen, Hainbuchen) vertreten werden muß. Eine stärkere Obstzucht haben Auernheim, Baldern, Bopfingen, Dirgenheim, Dunstelkingen, Utzmemmingen und insbesondere Oberdorf, welche Orte jedoch nur in günstigen Jahren einen kleinen Theil ihres Ertrags nach außen verkaufen können.

Weinbau wird im Bezirk nicht getrieben; es scheint jedoch daß früher Versuche auf Weinbau gemacht wurden, was einzelne Flurbenennungen „im Weinberg“ bei Neresheim, Dischingen, Hülen und Ohmenheim vermuthen lassen. In Auernheim reift die Traube in ganz günstigen Jahrgängen an einigen Kamerzen.

Die Stallfütterung ist allgemein eingeführt, indessen haben viele Orte noch Herbstaustrieb, mit Ausnahme von Neresheim, Auernheim, Ballmertshofen, Bopfingen, Demmingen, Ebnat, Elchingen, Großkuchen, Kirchheim, Neresheim (Schloß), Ohmenheim und Schweindorf.

Zweckmäßige landwirthschaftliche Neuerungen, wie vortheilhaft angelegte Düngerstätten, verbesserte Ackergeräthe etc. haben mehr oder weniger Eingang gefunden; von verbesserten Pflügen findet man den Brabanter, Suppinger und Hohenheimer, während der verbesserte eiserne deutsche | Wendepflug namentlich auf dem steinigen noch häufig gebraucht wird. Überdieß ist die eiserne Egge verbreitet, während die Walze hauptsächlich auf den größeren Gütern in Anwendung kommt. Räpssämaschinen sind aufgestellt auf der fürstl. Domäne Kirchheim, auf Schloß Neresheim und Kapfenburg; Dreschmaschinen in Neresheim, Bopfingen, Demmingen, Dunstelkingen, Ebnat, Elchingen, Großkuchen, Hülen, (Kapfenburg), Kirchheim, Kösingen und Neresheim Schloß; Futterschneidmaschinen haben die meisten der eben angeführten Orte und überdieß noch Dorfmerkingen, Pflaumloch und Utzmemmingen.

Die Bespannung des Pfluges geschieht mit Stieren oder Kühen, und seltener mit Pferden.

Zur Bodenverbesserung werden neben dem gewöhnlichen Stalldünger und der Jauche und dem des Pferches angewendet Gips, Asche, Kompost, Knochenmehl und in Bopfingen auch die Abfälle von den Gerbereien und Leimsiedereien.

Werth und Ertrag. Der Werth des Bodens ist wie dessen Ertrag sehr verschieden; eine übersichtliche Zusammenstellung nach den Angaben der Ortsvorstände über die Aussaat, den Ertrag und die Preise der Güter liefert folgende Tabelle, in der auch die den Boden bedingenden Gebirgsarten angegeben sind.

| [Teil 1]
Namen
der
Gemeinden.
Aussaat auf den Morgen Acker. Durchschnittlicher Ertrag
eines Morgens Acker.
Din-
kel.
Ha-
ber.
Ger-
ste.
Rog-
gen.
Ein-
korn.
Din-
kel.
Ha-
ber.
Ger-
ste.
Rog-
gen.
Ein-
korn.
Sri. Sri. Sri. Sri. Sri. Sch. Sch. Sch. Sch. Sch.
Neresheim 8–10 5–6 3–4 3–4 8 4–6 4–5 3–4
Auernheim 9 7 5 5 7 7 3 3 3 4
Aufhausen 9 8 4–5 4–5 9–10 7 5 5
Baldern 9 8 5 6 10 6 31/2 5
Ballmertshofen 6 6 31/2 3 8–9 4–5 4–5 3–4
Bopfingen 8–9 6 4–5 4–5 10–12 6–7 5 5
Demmingen 6 6 4 3 8–9 5 4–5 3
Dirgenheim 9 9 6 6 12–15 9 4–5 4
Dischingen 10 10 5–6 5 10 8–9 6–7 4–5 4–5 4–5
Dorfmerkingen 8 6 4 4 8 8–9 4 4 4 8
Dunstelkingen 8 8 4 4 9–10 7 5 5
Ebnat 8 5 4 4 6 41/2 41/2 3
Eglingen 8 7 5 4 10 7 5 4
Elchingen 8 6 3 3 8 8 5 4 3 4
Flochberg 9 6 6 6 8 3–4 4 41/2
Frickingen 61/2 7 3 3 5–6 3–4 3 21/2
Goldburghausen 8–9 7–8 4 4 9–10 6–7 4–5 4
Großkuchen 6 6 3–31/2 3–31/2 6 8–10 5–6 4–5 4–41/2 5–6
Hülen 8 71/2 4 4 8 8 4–5 4
Kerkingen 8–9 9–10 5–6 5–6 9 6 4 4
Kirchheim 8–9 7–8 4–5 5–6 10–12 8–10 6 5
Kösingen 8 8 4 4 6 8 8 4 31/2 6
Neresheim (Schloß) 8–10 8 5 41/2 9–10 5 3–4 3
Oberdorf 10 10–11 5–6 5–6 10–12 6–7 5 5
Ohmenheim 10–11 8 4–5 4–5 10–12 8 4 4 31/2 3–4
Pflaumloch 8 5 4 4 10–12 9–10 5–6 5–6
Röttingen 10–11 8 4 4 10 8–9 5 4–5
Schloßberg
Schweindorf 8–9 5–6 4 4 6–7 4–5 4 3
Trochtelfingen 10 10 6 6 9–10 9–10 4–5 5
Trugenhofen 6 6 3 3 10 8 4 4
Unter-Riffingen 10 10 5 5 6 6 4 4
Utzmemmingen 9–10 6 4 3–4 8 6–7 41/2 31/2
Waldhausen 8 7 41/2 41/2 5–6 41/2–5 3 3
| [Teil 2]
Namen
der
Gemeinden.
Preise eines
Morgens Acker.
Durchschnittl.
Ertrag eines
Morg. Wiese.
Preise eines
Morg. Wiese.
Gebirgsarten.
Höch-
ster.
Mitt-
lerer.
Gering-
ster.
Heu. Öhmd. Höch-
ster.
Mitt-
lerer.
Gering-
ster.
fl. fl. fl. Ctr. Ctr. fl. fl. fl.
Neresheim 600 300 50 25–30 15 1000 800 700 Weißer Jura.
Auernheim 600 250 25 30–36 18–20 800 500 100 Weißer Jura und Lehm.
Aufhausen 600 400 300 30 15 800 5–600 450 Weißer Jura, Thon mit Bohnerz.
Baldern 350 250 200 25 15 450 350 200 Brauner Jura.
Ballmertshofen 450 200 100 36 18 800 600 300 Weißer Jura, Tertiär und Lehm.
Bopfingen 600 400 150 36 18 900 600 400 Brauner und weißer Jura und Lehm.
Demmingen 500 300 150 15 6 600 400 200 Tertiär und Lehm.
Dirgenheim 400 250 175 30–35 15 800 600 350 Weißer Jura und vorherrschend Lehm.
Dischingen 400 200 25 20–25 10–12 500 300 100 Weißer Jura, Tertiär und Lehm.
Dorfmerkingen 450 200 100 25 12 800 400 200 Weißer Jura und Lehm.
Dunstelkingen 400 275 150 25 14 600 400 300 Tertiär und Lehm.
Ebnat 450 175 15 25 15 600 450 300 Weißer Jura und Lehm.
Eglingen 500 300 100 20 10 500 300 250 Tertiär und Lehm.
Elchingen 500 250 15 30 15 1000 800 200 Weißer Jura.
Flochberg 500 300 150 18 6 500 300 150 Brauner und weißer Jura und Lehm.
Frickingen 240 160 60 25 14 300 200 150 Weißer Jura, Tertiär und Lehm.
Goldburghausen 7–800 4–500 2–300 35 15–18 7–800 4–500 200 Vorherrschend Lehm.
Großkuchen 500 400 300 15–36 10–25 600 400 200 Weißer Jura.
Hülen 400 250 100 20–25 15 800 500 300 Weißer Jura und Lehm.
Kerkingen 300 200 100 25 10–12 400 300 150 Meist Lehm.
Kirchheim 7–800 500 200 35 10–15 1000 5–600 400 Brauner und weißer Jura und Lehm.
Kösingen 400 300 150 30 15 600 400 300 Tertiär und Lehm.
Neresheim (Schloß) 25–30 15 Weißer Jura.
Oberdorf 600 300 100 36 18 800 3–400 100 Brauner und weißer Jura.
Ohmenheim 600 400 40 25–30 15–20 800 600 300 Weißer Jura und Lehm.
Pflaumloch 800 500 300 35–40 15–20 900 700 400 Lehm.
Röttingen 700 400 100 25–30 12–15 1000 400 300 Brauner und weißer Jura.
Schloßberg Weißer Jura.
Schweindorf 500 300 100 25 12 600 400 200 Weißer Jura und Tertiär.
Trochtelfingen 800 4–500 100 30 20 800 5–600 100–200 Brauner und weißer Jura und Lehm.
Trugenhofen 450 350 150 20 15 500 400 200 Tertiär.
Unter-Riffingen 700 300 50 30 18 1000 500 200 Weißer Jura.
Utzmemmingen 700 500 100 25–30 10–12 1200 800 600 Brauner und weißer Jura und Lehm.
Waldhausen 400 200 10 20 12 600 400 200 Weißer Jura, von Lehm überlagert.
| Der nach den Schätzungen für das Steuerprovisorium angegebene Reinertrag und der hienach berechnete Kapitalwerth der Bodenfläche des Bezirks steht schon oben bei der Berechnung des Vermögens.


2. Einzelne Kulturen.

a. Ackerbau. Derselbe wird nach dem Ergebniß der Landesvermessung auf 63.3524/8 Morgen getrieben, von welchen dem Staat 1473/8 Morgen, den Gutsherrschaften 42866/8 Morgen, den Gemeinden 255 Morgen, und den Stiftungen 1994/8 Morgen gehören.

Die Dreifelderwirthschaft mit 1/43/4 angeblümter Brache ist das allgemeine Wirthschaftssystem; willkürlichen Anbau haben nur, und zwar theilweise, Aufhausen und Bopfingen; beinahe vollständigen Bracheinbau haben Bopfingen, Kirchheim, Pflaumloch und Utzmemmingen; den geringsten Bracheinbau mit 1/4 haben Dischingen, Großkuchen, Ohmenheim.

Von den Cerealien kommen Dinkel, Haber, Gerste, Roggen und nur wenig Weizen und Einkorn zum Anbau.

Die Brache wird hauptsächlich eingebaut mit Kartoffeln, Futterkräutern (dreiblätteriger Klee, Luzerne, Esparsette), Ackerbohnen, Kraut, Erbsen, Linsen, Wicken (häufig mit Haber gemengt), Angersen und Stoppelrüben.

Von Handelsgewächsen zieht man Flachs, Hanf und Reps. Flachs und viel weniger Hanf wird in den meisten Orten, doch nur für den eigenen Bedarf gebaut; desgleichen der Reps. Kraut (Spitzkohl) bauen und führen zum Theil aus Auernheim, Aufhausen, Demmingen, Pflaumloch, und besonders Goldburghausen.

b. Der Gartenbau beschränkt sich mit ganz geringen Ausnahmen auf das eigene Bedürfniß. Von größeren Gartenanlagen nennen wir den Schloßgarten zu Taxis, den Garten auf Schloß Neresheim, Schloß Kapfenburg und den ehemaligen Klostergarten zu Kirchheim; dann haben mehrere Privaten, namentlich in den Städten, hübsche zum Vergnügen angelegte Gärten. Die Gemüse- und Blumengärten nehmen samt den Gartenanlagen und Ländern im ganzen Bezirk 10104/8 Morgen ein, wobei jedoch die Gras- und Baumgärten mit 12803/8 Morgen nicht gerechnet sind.

c. Wiesenbau. Nach den Ergebnissen der Landesvermessung besitzt der Bezirk 9733 Morgen zweimähdige und 8571/8 Morgen einmähdige, zusammen 10.5901/8 Morgen Wiesen, von denen dem Staat 326/8 Morgen, den Grundherrschaften 11336/8 Morgen, den Gemeinden 110 Morgen und den Stiftungen 1642/8 Morgen gehören.

| Die Wiesen, von denen einzelne einen dritten Schnitt erlauben, liefern im allgemeinen ein gutes, zum Theil vortreffliches Futter; an verschiedenen Stellen, in den mitunter etwas moorigen Thalebenen tritt saures Futter, jedoch in geringer Verbreitung, auf. Die Wiesen können entweder gar nicht oder nur in geringer Ausdehnung bewässert werden; namhafte Bewässerungseinrichtungen haben Kösingen (die Hälfte des Wiesenareals), Röttingen, wo die meisten Wiesen bewässert werden können, und Dischingen, wo gegen 100 Morgen demnächst dazu eingerichtet werden.

d. Die Obstzucht ist im Ganzen nicht bedeutend, jedoch in den meisten Orten im Zunehmen begriffen; auch haben in neuerer Zeit einzelne Gemeinden Theile ihrer Allmanden mit Obstbäumen angepflanzt. Die verhältnißmäßig besten Obstorte sind: Auernheim, Baldern, Bopfingen, Dirgenheim, Dunstelkingen, Kirchheim, Neresheim (Schloß), Oberdorf und Röttingen. Man pflanzt vorherrschend spätblühende Mostsorten und zwar von Äpfeln Breitlinge, Strömlinge, Luiken, von feineren Sorten Reinetten, Goldparmäne und Lederäpfel; von Birnen Muskateller, Wasserbirnen; von Steinobst Zwetschgen, Pflaumen, Zipparten und etwas Kirschen; schöne Nußbäume haben Demmingen und Röttingen. Das Obst wird für den eigenen Bedarf grün oder gedörrt verspeist und nur wenig gemostet; Verkauf nach Außen findet nur in ganz günstigen Jahren in geringer Ausdehnung statt von den Gemeinden Auernheim, Baldern, Dunstelkingen, Ebnat, Frickingen, Schweindorf (Zwetschgen) und Utzmemmingen. Die Jungstämme werden theils aus den in den Orten bestehenden Baumschulen, theils aus dem Ries, aus dem Unterland, und häufig auch als Wildlinge aus den Wäldern bezogen. Baumschulen, die den Gemeinden und mitunter auch Privaten gehören, haben die Orte Neresheim (der Amtskorporation gehörig), Baldern, Ballmertshofen, Bopfingen, Ebnat, Kerkingen, Kirchheim (sehr bedeutend, zur fürstlichen Domäne gehörend) und Oberdorf. Zur Überwachung der Obstbaumzucht sind von den meisten Gemeinden Baumwarte aufgestellt.

c. Waldbau.[1] Der Oberamtsbezirk umfaßt nach den Ergebnissen der Landesvermessung an Waldungen 47.480 Morgen = 14.964,4841 Hect. Davon liegen nach den neuesten Flächenverzeichnissen:

|
Mrg. Rth. Darunter
Nadelholz. Laubwald. Gemischte.
M. R. M. R. M. R.
     I. Staatswaldungen.
1) im Forste Kapfenburg:
          im Revier
     Aalen 2637/8 17,7 715/8 40,1 1921/8 25,6
     Kapfenburg 30725/8 32,2 9384/8 25,9 8817/8 39,6 12524/8 14,7
     Michelfeld 31935/8 41,3 10963/8 35,1 16280/0 18,8 4691/8 35,4
–> 65302/8 43,2 21063/8 5,1 27021/8 36,0 17216/8 2,1
2) im Forste Heidenheim:
     Oberkochen 5691/8 6,8 4666/8 19,4 1024/8 35,4
Staatswaldungen zus. 70996/8 2,0 25731/8 24,5 28046/8 23,4 17216/8 2,1
     II. Korporationswaldungen.
1) im Forste Kapfenburg:
          im Revier
     Aalen
     Kapfenburg 160/0 22,0 160/0 22,0
     Michelfeld 59794/8 22,7 20161/8 6,2 37914/8 26,7 1716/8 37,8
     Dettenroden 2010/0 30,2 2010/0 30,2
–> 61965/8 26,9 20321/8 28,2 39925/8 8,9 1716/8 37,8
2) im Forste Heidenheim:
     Oberkochen
     Schnaitheim 2240/0 24,1 486/8 18,5 1343/8 19,9 406/8 33,7
     Nattheim 25015/8 34,6 4043/8 26,0 20972/8 8,6
–> 27256/8 10,7 4531/8 44,5 22315/8 28,5 406/8 33,7
Korpor.-Waldgn. zus. 89223/8 37,6 24853/8 24,7 62242/8 37,4 2125/8 23,5
     III. Privatwaldungen.
0a) Standesherrliche:
1) im Forste Kapfenburg:
der Hr. Fürst v. Oett.-Wallerst.
          im Revier
     Dettenroden
8323/8 3,2 3413/8 8,5 3645/8 31,4 1262/8 11,3
     Michelfeld 69580/0 34,3 26634/8 23,2 34634/8 20,6 8307/8 38,5
der Hr. Fürst v. Thurn u. Taxis
     Michelfeld
15897/8 8,6 5092/8 3,0 9863/8 12,2 441/8 41,4
–> 93302/8 46,1 35141/8 34,7 48145/8 16,2 10013/8 43,2
|
2) im Forste Heidenheim:
der Hr. Fürst v. Oett.-Wallerst.
          im Revier
     Nattheim
4202/8 34,6 304/8 39,6 1156/8 7,6 2737/8 35,4
der Hr. Fürst v. Thurn u. Taxis
     Nattheim 18.4950/0 1,9 49775/8 33,2 85491/8 3,3 49681/8 13,4
–> 18.9152/8 36,5 50082/8 24,8 86647/8 10,9 52421/8 0,8
Standesherrl. Waldungen zus. 28.2455/8 34,6 85224/8 11,5 13.4791/8 27,1 62434/8 44,0
     b) Bürgerliche:
1) im Forste Kapfenburg:
          im Revier
     Dettenroden 645/8 39,1 645/8 39,1
     Kapfenburg 5837/8 29,3 2283/8 46,1 3047/8 34,9 503/8 44,3
     Michelfeld 13384/8 28,7 4140/0 0,0 5922/8 2,9 3322/8 25,8
–> 19872/8 1,1 6423/8 46,1 9617/8 28,9 3826/8 22,1
2) im Forste Heidenheim:
     Nattheim 15313/8 14,2 15313/8 14,2
     Oberkochen 370/0 370/0
     Schnaitheim 290/0 290/0
–> 15973/8 14,2 15973/8 14,2
Bürger-Privatwaldungen zus. 35845/8 15,3 6423/8 46,1 25592/8 43,1 3826/8 22,1
Privatwaldungen a und b zus. 31.8303/8 1,9 91650/0 9,6 16.0387/8 22,2 66263/8 18,1
Hiernach befinden sich gegenwärtig im Oberamte Neresheim
III. Staatswaldungen 70996/8 2,0 25731/8 24,5 28046/8 23,4 17216/8 2,1
III. Korporationswaldungen 89223/8 37,6 24853/8 24,7 62242/8 37,4 2125/8 23,5
III. Privatwaldungen 31.8303/8 1,9 91650/0 9,6 16.0387/8 22,2 66263/8 18,1
zus.0 47.8524/8 41,5 14.2235/8 10,8 25.0680/0 35,0 85606/8 43,7
Nach Hektaren:
III. Staatswaldungen 2237,6616 811,0034 884,0048 542,6534
III. Korporationswaldungen 2812,1357 783,3470 1961,7555 67,0332
III. Privatwaldungen 10.032,1235 2888,5820 5055,0623 2088,4792
–> 15.081,9208 4482,9324 7900,8226 2698,1658
| Es hat folglich die Waldfläche im Oberamte Neresheim seit der Landesvermessung durch Aufforstung von Ödungen und geringen Äckern zugenommen um 3724/8 Morgen 41,5 Ruthen oder 117,4365 Hectare.

Da nach der oberamtlichen Bevölkerungsliste pro. 3. December 1870 die Anzahl der Ortsangehörigen 25.808 beträgt, so kommen auf einen Einwohner 1,85 Morgen, oder 0,59 Hectar.

Die Waldungen verbreiten sich im Oberamtsbezirk folgendermaßen:

Im Norden über die Höhenzüge und ihre Ausläufer bei Baldern und Röttingen, ferner über den ganzen Steilabfall der Alb (Herdtfeld) und von diesem rückwärts auf der Hochfläche einerseits bis gegen Ebnat und Elchingen, andererseits bis gegen Dehlingen und Schweindorf, im Süden hauptsächlich über die Hochfläche des Herdtfelds bei Niesitz, Groß- und Kleinkuchen und Auernheim, dann über die Gehänge des Egauthals, ihre Seitenthäler und die dazwischen liegenden Anhöhen und endlich im Südosten, in der sog. jungen Pfalz, besonders zwischen Eglingen und Demmingen. Die für den Waldbau benützte Fläche hat im allgemeinen einen dem Holzwuchs günstigen Boden (s. o. den Abschnitt, Boden) und äußert sich auch da, wo derselbe nicht ganz seichtgründig oder durch übertriebene Ausübung von Streu- Gräserei- und Weidberechtigungen herunter gekommen ist, in Holzbeständen von ausgezeichneten Wachsthums-Verhältnissen.

Mit Ausnahme des Rieses bedecken die Waldungen so ziemlich gleichmäßig den Albtheil des Oberamts. Die Markungen Goldburghausen und Pflaumloch im Riese besitzen allein im Oberamte gar keinen Wald, dagegen die ergiebigsten Fruchtböden. Die meisten Waldungen besitzt die fürstlich Thurn- und Taxis’sche Standesherrschaft mit 20.0347/8 Morgen 10,5 Ruthen = 6314,4 Hectar, welche in 4 fürstliche Reviere (Eglingen, Elchingen, Hochstatter Hof und Nietheim) eingetheilt sind und sorgfältig bewirthschaftet und verwaltet werden.

Ungefähr zwei Drittel der Waldungen bestehen aus Laubholz, in welchem die Rothbuche vorwaltet und, soweit sie in Mastjahren angezogen worden, schöne Hochwaldbestände bildet. Die übrigen sind aus Mittelwaldungen übergeführt und in diesen befindet sich noch ein ziemlicher Vorrath alter Eichen vertheilt mit einzelnen ebenbürtigen Exemplaren von Bergahornen. Andere noch als Mittelwaldungen fortbestehende Laubhölzer haben vorherrschend im Unterholz die Hainbuche, gemischt mit Birken, Eschen, Aspen, Linden und Salen, in feuchten Niederungen mit Erlen; im Oberholze Eichen, Roth- und Hainbuchen; vereinzelt kommen vor der Elsebeerbaum, der Mehlbeerbaum, der Masholder, der Vogelbeerbaum, die Traubenkirsche und die Waldkirsche, dann verschiedene Weiden, die Felbe, die Bach- Busch-, Bruch-, graue-, Korb- und Salbeiweide.

| Weitaus den größten Theil der Nadelwaldungen bildet die Fichte, den kleineren Theil die gemeine Forche, erstere zum Theil in natürlicher Verjüngung erzogen, im übrigen beide durch Anbau auf Ödungen. Die geringste Fläche nehmen die aus Laub- und Nadelholz – namentlich aus Fichten, Rothbuchen, Eichen etc. gemischten Bestände ein. In hiebreifen Abtheilungen derselben hat man neuestens Plätzesaaten mit Weißtannen ausgeführt.

Von wildwachsenden Sträuchern kommen außer den ganz gewöhnlichen vor:

Der Haselnußstrauch (sehr allgemein), der rothe und schwarze Hollunder, der Pfaffenkäppchenstrauch, der Kreuzdorn, das Pulverholz, der Wasserholder, der Schlingstrauch, das Roth- und Weißbeinholz, die Steinmispel (auf Kalkfelsen), der Seidelbast, die Waldrebe, der Sauerdorn, viele verschiedene schönblühende Rosen, darunter die bibernellblättrige, die Weinrose und die Waldrose; ferner die Stachelbeere, die Steinbeere, und sehr häufig der Wachholder.

Wohl 80 % der gesamten Waldungen des Oberamts stehen im Hochwaldbetriebe, wobei je nach Maßgabe der Holzart und der örtlichen Wachsthumsfactoren eine Umtriebszeit von 60 bis 100 Jahren zu Grund gelegt ist. Die schlagweise Abnützung der Mittelwaldungen geschieht zumeist bei einem Unterholzalter von 35 Jahren.

Das örtliche Klima des Herdtfeldes und seiner nach Nordost in das sogenannte Ries auslaufenden Vorberge ist rauh. Der Winter beginnt in der Regel früh und streng. Er hält lange an, so daß der Frühling kaum etwas über einen Monat dauert. Den Nadelstangenhölzern werden öfter Stürme, Schnee- und Eisdruck, dem natürlichen Nachwuchse in Abtriebsschlägen und den Kulturen häufig Spätfröste in größerer Ausdehnung nachtheilig. Der große braune Rüsselkäfer sucht den Kulturen in einzelnen mittägigen Lagen verderblich zu werden. Wildbeschädigung in den Waldungen kommt neuestens nur selten mehr vor.

Die den politischen Gemeinden gehörigen Korporations-Waldungen werden genau nach den für den Wirthschafts- und Kulturbetrieb in den Alb-Staatswaldungen aufgestellten allgemeinen Grundsätzen und Regeln unter der eingehenden Leitung der betreffenden Königl. Revierförster behandelt. Die meisten dieser Gemeinden und auch einzelne Gemeinderechtsgenossenschaften, sofern nur ihr Waldbesitz nicht unter 50 Morgen = 15,7 Hectar beträgt, haben sich hiernach von geprüften Technikern besondere Wirthschaftsplane ausarbeiten und diese der höheren Genehmigung unterstellen zu lassen.

Der zu Kulturzwecken erforderliche Setzlingsbedarf wird überall in zahlreichen Pflanzschulen nachhaltig angezogen, auch der alljährliche | Bedarfsüberschuß an bürgerliche Privaten um geringe Preise abgegeben. Letztere suchen im allgemeinen den Zustand ihrer Waldungen durch Kultur zu heben. Der Holzeinschlag geschieht bei geringem Waldbesitz der letzteren fehmelweise nach zeitlichem Bedürfniß. Andere pflegen ihren größeren Waldbesitz mit sichtbarer Vorliebe.

Windbruch und Rothfäule beeinträchtigen alljährlich mehr oder minder die Nutzholzausbeute in den Nadelhölzern, welche in den Staatswaldungen gleichwohl schon über 60 % aufgestiegen ist. Als Durchschnitt im ganzen Bezirke können übrigens nur 50 % beim Nadelholze, beim Laubholz nur 20 % Nutzholzertrag angenommen werden. Der durchschnittliche Jahreszuwachs bewegt sich beim Nadelholz zwischen 0,5–0,9, beim Laubholz zwischen 0,4–0,6. Auf den Gerbrindenertrag haben Windbruch, Roth- und Weißfäule häufig vermindernden Einfluß. Es wird übrigens schon der hohen Erlöse wegen überall auf möglichste Rindengewinnung gesehen. Die Gewinnung von Birkenrinden zur Dosenfabrikation und des Lindenbastes verdient kaum der Erwähnung.

Aus dem früheren Unterthanenverbande sprechen die Besitzer vormals fürstlich Ellwangenscher und Deutschordenscher Falllehengüter beziehungsweise Laubstreunutzung, Handgräserei und Rindviehweide – theils unentgeltlich, theils gegen Zahlung einer geringen Taxe in einem großen Theil der Staatswaldungen an. Erstere wurde ehedessen zum sichtbaren Nachtheil der betreffenden Holzbestände übertrieben und ist daher in neuester Zeit zweckmäßig geregelt worden. Auch auf einem Theil der standesherrlichen Waldungen lasten dergleichen Nebennutzungen dritter und in den Gemeinde- und Gemeinderechts-Waldungen wird mit seltener Ausnahme die Laubstreunutzung bis zur äußersten Grenze der Zulässigkeit ausgeübt. Das Nadelreisig wird allgemein zu Streuzwecken benützt und daher gut verwerthet. Die Waldweide hat der intelligentere Theil der Forstinsassen schon längerher freiwillig eingestellt. Die Benützung des Waldgrases mittelst Handrupfens, auf Wegen und Blösen, auch mittelst der Sichel, wird überall, soweit unschädlich, geübt und gestattet. Die Wildobstbäume sind in den Waldungen nahezu verschwunden. Die Harznutzung hat aufgehört. Dagegen wird zur Zeit der Reife das Erd- und Himbeersammeln lebhaft betrieben, in den Staatswaldungen unentgeltlich.

Holzflößerei hat im Oberamtsbezirke Neresheim nie stattgefunden, der Holztransport aus den Waldungen geschieht je nach der Jahreszeit auf Wägen und Schlitten, zum Theil nur bis zu den Haltstationen der Eisenbahn zwischen Heidenheim und Nördlingen, über Aalen, von wo aus die Remsbahn die Bezirksprodukte weiter führt. Seit dem Bestand dieser Schienenwege sind die Waldungen des Herdtfeldes und des Rieses dem großen Verkehr erst erschlossen worden und haben sich die Holzpreise namhaft gehoben.

| In den Staats- und standesherrlichen Waldungen wird alles Stamm- und aufbereitete Brennholz, soweit dasselbe nicht zu Besoldungen, Verwaltungszwecken und an Berechtigte im Revierpreise oder nach besondern Taxen abgegeben werden muß, im Aufstreich verkauft. Diese Verkaufsweise findet in Gemeindewaldungen, wo meistens noch die Brennholzgaben an Ortsbürger die Regel bilden, nur beim Stammholz statt. Auch das Stockholz wird in den Staatswaldungen, aber im Boden, versteigert. Der Käufer hat es in bestimmter Frist selbst herauszumachen. Bei Stammholzverkäufen bilden meist nur Bauunternehmer, Sägmühlebesitzer und Holzhändler von nah und fern die Konkurrenz. Außer Bierbrauereien, Ziegeleien und einigen Privatfabriken giebt es keine bemerkenswerthe holzverzehrende Gewerbe im Bezirk. Bei Brennholzverkäufen sind die wohlhabenden Bewohner des holzarmen Rieses gern gesehene Steigerer. Für die außerhalb des Bezirks, aber demselben nahegelegenen Staatshüttenwerke Wasseralfingen und Königsbronn wird in den Staatswaldungen als einziges forsttechnisches Gewerbe alljährlich die Pachtköhlerei betrieben.

Zum Sammeln des zu Boden liegenden dürren Holzes in den Waldungen des Staates, der Standesherren und der Stiftungen werden armen Ortsangehörigen der Nachbarschaft meist unentgeltlich sogenannte Leseholzscheine ausgestellt, welche in der Regel auf bestimmte 2 oder 3 Wochentage lauten. Brennholzsurrogate gibt es keine im Bezirk.

Die Holzpreise betrugen in dem Forstbezirk Kapfenburg:
Nutzholz per Kubikfuß in den Jahren:
1820. 1840.
Eichenholz 8–14 kr. 10,5 kr.
Buchenholz 8 0" 6,2 0"
Nadelholz 31/2–41/2 0" 6,5–7,2 0"
Brennholz per Klafter:
1820. 1840
fl. kr. fl. kr. fl. kr. fl. kr.
Eichene Scheiter   5. 18. 5. 56. 07. 02. 10. 59.
Buchene hei" 6. 25. 7. 03. 10. 04. 12. 22.
Nadelholz-ei" 3. 54. 4. 15. 06. 51. 07. 59.
Im Forstbezirk Heidenheim:
Nutzholz per Kubikfuß in den Jahren:
1800. 1820. 1840.
Eichenholz   9–10 kr. 9–16 kr. 9,5–11,3 kr.
Buchenholz 5–06 kr. 6–07 kr. 7,8–10,3 kr.
Nadelholz 4–05 kr. 5,5–06,0 kr.
Brennholz per Klafter:
1800. 1820. 1840.
fl. kr. fl. kr. fl. kr. fl. kr. fl. kr. fl. kr.
Eichene Scheiter  2. 30. 3. 30. 4. 30 5. 33. 09. 19.
Buchene hei" 3. 30. 4. – 5. 30. 9. 42. 11. 55.
Nadelholz-ei" 4. 20. 4. 38. 5. 50. 08. 47.
| Nach den festgesetzten Revierpreisen vom Jahr 1872 belaufen sich die Holzpreise im Forstbezirk Kapfenburg:
Nutzholz:
Eichenholz pr. Festmeter (421/2 Kubikfuß) 10 fl. 16 fl. 40 kr.
Buchenholz 0" Fest"eter (42"00 Kub" 10 fl. 11 fl. 40 kr.
Nadelholz 0" Fest"eter (42"00 Kub" 03 fl. 20 kr 08 fl. 20 kr.
Brennholz:
Eichene Scheiter pr. Raumm. (0,2726 Kl.) 4 fl. 09 fl. 48 kr.
Buchene Sche"ter p" Ra" 4 fl. 36 kr. 05 fl.
Nadelholz- Sche"ter p" Ra" 2 fl. 12 kr. 05 fl. 24 kr.
Im Forstbezirk Heidenheim:
Nutzholz:
Eichenholz pr. Festmeter 10 fl. 16 fl. 40 kr.
Buchenholz 0" Fest" 10 fl.
Nadelholz 0" Fest" 05 fl. 10 fl.
Brennholz:
Eichene Scheiter pr. Raummeter 3 fl. 48 kr. 08 fl. 06 kr.
Buchene Sche"ter " Raum" 4 fl. 48 kr. 05 fl.
Nadelholz- Sche"ter " Raum" 2 fl. 12 kr. 02 fl. 24 kr.

Der Forstbezirk Kapfenburg ist neuestens aufgelöst und es sind die Reviere desselben Dettenroden, Kapfenburg und Michelfeld dem Forste Ellwangen, das Revier Aalen dem Forste Heidenheim zugetheilt worden.

Der Schutz in den Staatswaldungen des Forstes Kapfenburg wurde bis dahin von der militärischen Forstwache geübt, in den Staatswaldungen des Forstes Heidenheim und in den Korporationswaldungen von Waldschützen. Der Holzfrevel und die Waldvergehen überhaupt haben gegen früher bedeutend nachgelassen, so daß in neuester Zeit meist nur geringe Ausschreitungen zur Anzeige und Rüge gekommen sind.

f. Weidewirthschaft. Die Fläche der Weiden und Öden beträgt nach dem Ergebniß der Landesvermessung 82433/8 Morgen, hievon sind Eigenthum des Staats, 474/8 Morgen, der Gutsherrschaften 11286/8 Morgen, der Gemeinden 49414/8 Morgen, der Stiftungen 447/8 Morgen. Eigentliche Weiden besitzen die meisten Orte und zwar oft in bedeutender Ausdehnung, wie z. B. Bopfingen mit 809 Morgen, Kirchheim mit 515 Morgen, und Ohmenheim mit 415 Morgen. Die Weiden sind gut und werden, nebst den Brach- und Stoppelweiden, nur mit Schafen befahren und an Schäfer und Schafhalter verliehen, was vielen Gemeinden eine namhafte jährliche Rente sichert. Das Weidrecht haben die Gemeinden mit Ausnahme der fürstlichen Domänen und von Baldern, wo es die Gemeinde und der Fürst von Oettingen-Wallerstein gemeinschaftlich besitzen, von Ebnat, Großkuchen, Ohmenheim, Röttingen, Schweindorf und Waldhausen, wo es die weidberechtigten Bürger haben. Die Gemeinde Oberdorf hat das Übertriebsrecht auf dem Ipf (s. auch die Ortsbeschreibungen).

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c) Viehzucht.

Nach der Aufnahme vom 2. Januar 1868 beträgt die Zahl der Pferde 1427, worunter 316 Fohlen unter 3 Jahren; es kommen auf 100 ortsanwesende Einwohner 6,5 und auf 100 Morgen landwirthschaftlich benützte Fläche 1,9 Pferde. Der Bezirk nimmt daher in dieser Beziehung in der Reihe der Oberämter die 19. Stelle ein. Die Pferdezucht (starker Landschlag) ist unbedeutend, und nur in Demmingen und Schweindorf von einigem Belang; die Pferdehaltung dagegen etwas bedeutender, besonders in Neresheim, Bopfingen, Demmingen, Schweindorf und Trochtelfingen.

Die Rindviehzucht. Nach der gedachten Aufnahme zählt der Bezirk 98 Zuchtstiere, 2323 Ochsen und Stiere über 2 Jahren, 6728 Kühe und Kalbeln, 2754 Stück Schmalvieh und 2799 Kälber; sonach kommen auf 100 Einwohner 66,6 und auf je 100 Morgen landwirthschaftlich benützte Fläche 19,3 Stücke Rindvieh. Der Bezirk nimmt in dieser Beziehung die 16. Stelle in der Reihe der Oberämter ein.

Die Riehviehzucht ist in gutem Zustand und wird mit Eifer betrieben; man hält sehr verschiedene Racen, vorherrschend sind Kreuzungen von Landschlag mit Simmenthaler oder mit Limpurger (Schloß Neresheim hat einen Simmenthaler), ferner werden die Rieserrace, zuweilen die Allgäuer und reiner Landschlag gepflegt. Zur Nachzucht und Veredlung des Viehstandes halten sämtliche Gemeinden tüchtige Farren, von reiner Simmenthaler, oder mit Landschlag gekreuzter, von Limpurger und von Rieserrace. Die Haltung und Anschaffung der Zuchtstiere geschieht größtentheils von den Gemeinden, welche sie an einzelne Ortsbürger gegen Geld- und Nutznießung von Gemeindegütern verpachten. In Kirchheim hat der Fürst von Oettingen-Wallerstein die Verpflichtung der Farrenhaltung; in Utzmemmingen der Eigenthümer des Merzenhofes. In manchen Orten schaffen Ortsbürger unter Aufsicht der Gemeinde die Farren an und unterhalten sie gegen Unterstützung. Besonders schöne Viehstände sind in den fürstlich Wallersteinischen und Taxis’schen Domänen aufgestellt.

Der Handel mit Vieh ist im Ganzen beträchtlich und geht theils nach Bayern, theils in’s Unterland; beschränkt sich jedoch in manchen Orten auf das entbehrlich gewordene Vieh, während Neresheim, Aufhausen, Bopfingen, Demmingen, Ebnat, Elchingen, Goldburghausen, Kirchheim, Neresheim (Schloß), Pflaumloch und Utzmemmingen bedeutend ausführen. Viehmastung und Handel mit gemästetem Vieh treiben ausgedehnt nur Bopfingen, Schloß Kapfenburg, Kirchheim (Domäne) und besonders Schloß Neresheim. Viehhandel wird namentlich von den im Bezirk ansäßigen Israeliten schwunghaft betrieben.

Die Milch wird meistens in der Haushaltung verbraucht und verbuttert, theilweise auch an die in Baldern, Kerkingen und Kirchheim | bestehenden Käsereien abgegeben. Überdieß treibt Milchverkauf der Pächter vom Schloßgut Neresheim nach der Stadt Neresheim.

Die Schafzucht wird auf sämtlichen Markungen großentheils von fremden Schäfern, welche die Schafweiden der Gemeinden in Pacht nehmen, in großer Ausdehnung betrieben; man hält vorzugsweise Bastardschafe, viel weniger deutsche und spanische Schafe; am meisten laufen auf den Markungen Neresheim, Elchingen, Großkuchen, Kirchheim, Ohmenheim. Der Schafweidepacht und die Pferchnutzung sichert den meisten Gemeinden eine sehr erhebliche jährliche Rente. Die Wolle wird auf inländischen wie auf bayerischen Wollmärkten abgesetzt; der Abstoß der Schafe geht nach Bayern, Baden und Frankreich. Nach der Zählung vom 2. Januar 1868 besaß der Bezirk 484 spanische, 6008 Bastarde und 357 Landschafe, zusammen 6849 Stücke. In Vergleichung mit den übrigen Oberämtern nimmt der Bezirk nach der Zählung vom 2. Januar 1865 hinsichtlich der spanischen Schafe die 20., der Bastarde die 20. und der Landschafe die 38. Stelle, hinsichtlich der Schafe überhaupt die 21. Stelle ein.

Die Zucht der Schweine ist im allgemeinen nicht bedeutend, indem alle Orte, außer Demmingen, die Ferkel und Läufer entweder sämtlich oder zum größten Theil von außen beziehen und sie größtentheils fürs Haus oder zum Wiederverkauf mästen; die bayerische Race herrscht beiweiten vor, doch wird auch halbenglische und hällische gepflegt. Namhafte Schweinehaltung haben außer Demmingen Neresheim, Bopfingen, Dischingen, Kerkingen, Eglingen, Neresheim Schloß, Oberdorf, Schweindorf und Trochtelfingen. Ferkel verkaufen Demmingen, dann in geringerem Maß Ballmertshofen, Dunstelkingen, Eglingen und Oberdorf. Die Zahl der am 2. Januar 1868 vorhandenen Schweine betrug 2581, unter denen sich 17 Eber und 153 Mutterschweine befanden.

Die Ziegenzucht ist ganz unbedeutend und wird nur von Neresheim, Auernheim, Aufhausen, Baldern, Dorfmerkingen, Oberdorf, Röttingen und Schloßberg in geringer Ausdehnung betrieben; am 2. Januar 1868 waren 258 Stücke im Bezirk.

Die Bienenzucht ist nicht eben bedeutend, doch wird sie in allen Orten betrieben, am meisten in Neresheim, Ebnat, Eglingen, Flochberg und Oberdorf. Die Zahl der Bienenstöcke belief sich am 2. Januar 1868 auf 1745 Stücke im Bezirk.

Die Geflügelzucht (Hühner, Enten, Gänse) beschränkt sich mit Ausnahme der Gänsezucht meist auf den eigenen Bedarf, letztere aber ist in den meisten Orten von sehr großer Ausdehnung und bildet eine besondere Erwerbsquelle; den stärksten und weit verbreitetsten Handel mit Gänsen treiben Baldern, Ballmertshofen, Demmingen, Dirgenheim, Dischingen, Dunstelkingen, Frickingen, Goldburghausen, | Kerkingen, Kirchheim, Schweindorf, Trochtelfingen und Utzmemmingen. Anderes Geflügel verkaufen Demmingen, Dunstelkingen, Kirchheim und Trochtelfingen.


d) Jagd und Fischerei.[2]

Vordem war der Edel- und Schwarzwildstand auf dem Herdtfelde ein ausgezeichneter und es scheint nach einer bei den Forstamtsakten befindlichen deutschorden’schen Taxa über Schuß- und Fanggeld für die Ober- und Unterjäger, daß vor 100 Jahren im Bezirke auch noch Bären, Luchse und Wölfe vorgekommen seien.

Die Jagd im Freien hat bedeutend abgenommen. Hirsche, Sauen und die oben genannten größeren Raubthiere sind ausgerottet, der Rehstand ist gering und auch die Hasen nehmen mehr und mehr ab, – wohl in Folge der rauhen Witterung in den Monaten März und April. Birkhühner finden sich nur noch selten. Auch die Feldhühner nehmen ab. Nur im Riesbezirkstheile ist die kleine Jagd noch einigermaßen ergiebig. Wildenten streichen von der Donaugegend häufig in den Süden des Bezirks, woselbst bei lang andauernder Winterkälte auch Wildgänse erscheinen und selbst Schwäne in Mehrzahl gesehen werden. Dächse erhalten sich überall gleich. Unter den Raubthieren kommen vereinzelt der Iltis, der Edel- und Steinmarder, die Wildkatze und der Fischotter vor, am häufigsten der Fuchs. Die gewöhnlichsten unter den Raubvögeln sind der Bussard, der Hühnerhabicht, weniger häufig die Gabelweihe, der Wander- und der Thurmfalke.

An gut umfriedigten Wildparken bestehen zwei im Oberamte, einer im Süden bei Schloß Duttenstein, der fürstlich Thurn- und Taxis’schen Standesherrschaft gehörig, welcher ca. 1335 Morgen umfaßt (s. u. S. 252), ein offenes und acht geschlossene Thore hat und gegenwärtig nur noch mit 200 Stücken Damwild besetzt ist; der zweite bei Hohenbaldern im Norden, welcher 15831/2 Morgen begreift, der fürstlichen Standesherrschaft Oettingen-Wallerstein gehört und zur Zeit mit 9 Stücken Edelwild, 30 Damwild und 36 Rehen besetzt ist. Durch diesen Park zieht die Grenze zwischen den Oberämtern Ellwangen und Neresheim und es liegen in letzterem davon nur beiläufig 388 Morgen Wald und Wiesen.

Nach den Ergebnissen der Landesvermessung betragen die Gewässer im Bezirke kaum einige über 200 Morgen und davon ein Drittel die Seen und Weiher. Die Wildfischerei im Bezirk ist daher unbedeutend. Forellen giebt es in der Eger. Von Dischingen bis Ballmertshofen ist die Fischerei in der Egau der fürstlich Thurn und Taxis’schen Standesherrschaft zuständig, in der Eger auf der | Markung Aufhausen dem Fürsten von Oettingen-Wallerstein, im übrigen den Gemeinden. Die Egau mündet bei Dillingen in die Donau, aus welcher bei hohem Wasserstande und zur Laichzeit auch Hechte, Barben etc. heraufziehen. In den Tümpfeln derselben stehen meist Weißfische. Auch in der Sechta und von ihr abwärts werden Hechte, Karpfen, Weißfische, Grundeln und auch Krebse, diese nicht selten in größeren Exemplaren, gefangen.

Eigentliche Fischzucht wird nur in den Seen, Weihern und in den größeren sogenannten Hülben betrieben durch Besetzung derselben mit Karpfen und Hechten.


B. Kunst, Gewerbefleiß und Handel.
1) Fabrikations-Anstalten.

Anstalten, welche die Groß-Industrie repräsentiren, sind:

Die Lederlakierfabrik von J. M. Möllen in Bopfingen.

Dieses im Jahr 1820 gegründete Geschäft wird mit den neuesten Maschinen betrieben und hat gegenwärtig 50 Arbeiter. Möllen steht in Geschäftsverbindung mit Norddeutschland, Österreich, England, Frankreich, Amerika und Australien.

Die Leim- und Düngerfabrik des Veit Weil und Comp. in Oberdorf. Solche beschäftigt 20 Arbeiter.

Noch zu erwähnen ist die

Leimfabrik der Gebrüder Linse, des G. Schipprak und Friedrich Hieber von Bopfingen.

Die Lakierlederfabrik von Gottlieb Hieber und der Wilhelm Hieber’s Wittwe von dort, welche gleichfalls eine große Anzahl Arbeiter beschäftigen.

Ebenso die Damastweberei von Urf in Bopfingen.

Eine Futterschneidmaschinenfabrik daselbst.

Die Leinwandweberei ist nur als Nebenbeschäftigung im Bezirk im Betrieb.

Auf den Markungen Dorfmerkingen und Unterriffingen befinden sich Bohnerzgruben, welche Eigenthum des Staates sind und ihre Erzeugnisse an das Hüttenwerk in Wasseralfingen abliefern. (s. o.)

Die Hauptindustrie des Bezirks ist die Rothgerberei, welche in Bopfingen durch 13 Meister mit 25 Gehilfen vertreten ist, außerdem betreiben dieses Gewerbe auch 2 Meister in Dischingen.

Die Rothgerberei beschäftigt in Bopfingen 1 Lohmühle.

Die Weißgerberei zählt nur 1 Meister.

Eine Baumwollenfärberei befindet sich je in Dischingen und Bopfingen.

Getreidemühlen sind vorhanden: 35 mit 124 Mahl-, Schrot- | und Gerbgängen und zusammen mit 70 Arbeitern. Die bedeutendsten sind die 3 Mühlen an der Egau bei dem Orte Ballmertshofen und die Wiesmühle in Bopfingen.

6 Ölmühlen mit 8 Arbeitern.

12 Sägmühlen mit 12 Arbeitern.

1 Dampfmühle befindet sich in Dunstelkingen und ist Eigenthum des Schultheißen Schmittner daselbst.

7 Gipsmühlen mit 7 Arbeitern.

13 Ziegeleien und Kalkbrennereien mit 100 Arbeitern; die bedeutendste ist die von Sperber in Bopfingen und Salomon Weil in Oberdorf.

An Getränkefabriken sind vorhanden:

62 Bierbrauereien mit 120 Arbeitern.

Unter diesen sind von größerem Belange: die fürstl. taxis’schen Brauereien in Eglingen und Schloß Neresheim, die fürstl. Wallerstein’sche Brauerei in Kirchheim, und die dem Staate gehörige Brauerei in Kapfenburg.

Sämtliche sind verpachtet.

50 Branntweinbrennereien.

Besondere Erwähnung verdient auch das Gürtler- und Silberwarengeschäft von L. Schwager in Stadt Neresheim, welches hauptsächlich mit Kirchenarbeiten sich befaßt.


2) Mechanische Künstler und Handwerker.
  Meist. Geh.   Meist. Geh.
Bäcker 73 7 Maurer und Steinhauer 143 131
Barbierer 7 Metzger 51 9
Buchbinder 6 Nätherinnen 21 2
Bürstenbinder 6 Putzmacherinnen 8
Büchsenmacher 1 Rothgerber 15 30
Conditoren 3 2 Sattler und Tapeziere 14 6
Drechsler 12 2 Seifensieder 2
Färber 3 2 Seiler 13 2
Flaschner 4 Schirmmacher 1 1
Glaser 16 2 Schlosser 11 7
Goldarbeiter 1 Schmiede u. Nagelschmiede 61 27
Gürtler 1 1 Schneider 79 14
Graveure 1 Schreiner 78 34
Hafner 16 3 Schuhmacher 164 59
Hutmacher 2 Strohdecker 1
Kaminfeger 4 1 Tuchmacher 8
Kammmacher 1 Uhrmacher 7 2
Kleemeister 3 Wagner 52 12
Korbmacher 17 1 Weber 78 6
Kürschner u. Kappenm. 10 2 Weisgerber 1 1
Küfer 47 17 Zimmerleute 67 63
Kupferschmiede 4 2 Zimmermaler 3 1
Kohlenbrenner 4 3 Zinngießer 2
|
3) Handelsgewerbe.
18 Kaufleute mit offenen Verkaufsstellen mit 6 Gehilfen.
Seßhafte Krämer und Kleinhändler 150.
Hausierer 150.
Frachtfahrer und Lohnkutscher 40 mit 26 Knechten und 100 Pferden.

Mit dem Holzhandel befaßt sich eine namhafte Zahl von Personen, hauptsächlich aus den Gemeinden Stadt Neresheim, Auernheim, Ohmenheim, Schweindorf, Elchingen, Großkuchen, Waldhausen mit Beuren und Utzmemmingen.

Der Hauptabsatzort ist die bayrische Grenzstadt Nördlingen.

Die Anfertigung und der Verkauf von Holz- und Korbwaren findet von Angehörigen der Gemeinde Bopfingen statt.

Die in Flochberg bestehende Industrie-Anstalt fertigt auf Verkauf Wollstrickereien und Korbwaren in sehr schöner Auswahl.

Der Bezirk zählt ferner:

Apotheken 3.
Schildwirthschaften 90.
Speisewirthschaften 23.
Schenk- und Gassenwirthschaften 26.
Buchdruckereien 2.



  1. Von Forstmeister a. D. Starkloff.
  2. Von Forstmeister a. D. Starkloff.


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