Beschreibung des Oberamts Neuenbürg/Kapitel A 7

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VII. Geschichtlicher Überblick.


1. Politischer Zustand.
Die Gegend gehörte zu dem Theil Schwabens, welcher mit Ablauf des ersten Jahrhunderts n. Chr. römische Provinzialverfassung erhielt, im 3. Jahrh. n. Chr. von den Alemannen den Römern entrissen wurde. Am Ende des 5. Jahrh. unterlagen die Alemannen | wieder der Obermacht der Franken, welche ihre Namen an die damals eroberte Landschaft hefteten, so daß Bezirke des nordwestlichen Alemanniens als Frankenland (zur Francia teutonica gehörig) bezeichnet wurden.

Ein Waldbezirk, wie diese Gegend war, tritt verhältnißmäßig spät im geschichtlichen Licht hervor. In den Zeiten der Gaueintheilung, welche bis in’s 12. Jahrh. herab dauerte, hat sich nicht ein einziger Ort des Bezirks mit der Bezeichnung des Gaues, welchem er zugetheilt war, erhalten. Im Allgemeinen möchte der südliche Theil des Oberamts zum Würmgau, der nördliche zum Enzgau gehört haben. Indeß gaben auch die Alb und Pfinz den Namen für einzelne Gaue, und so mochten der Alb- und der Pfinzgau bis gegen die Quelle dieser Flüsse hinaufgereicht haben.

Gleichwohl werden manche Orte an der Hand von Klosteraufzeichnungen ziemlich frühe in der Geschichte genannt. Zunächst freilich sind sie nicht aus erhaltenen Original-Urkunden bekannt, sondern erst aus einem weit späteren Werke, dem Hirschauer Dotationsbuch, in welchem um 830 Calmbach, um 1109 Arnbach, im 12. Jahrh. Bieselsberg, Gräfenhausen, Igelsloch, Lengenhardt, Maisenbach und Schömberg aufgeführt werden. Enzklösterle erscheint im J. 1145, aber auch noch lange nicht in gleichzeitiger Aufzeichnung. Durch die Stiftung des Klosters Herrenalb um 1148 kommt dieser Ort und der nahegelegene Dobel, ferner – jedoch blos als Name einer Quelle – Rothensol, und durch Original-Urkunden des genannten Klosters von 1177 Moosbronn, von 1257 Neusatz, von 1266 Loffenau und Bleiche[ER 1] zu unserer Kenntniß. Mit Wolmersbür (abgegangen bei Rudmersbach) macht uns eine St. Galler Urkunde von 1233 bekannt. Alle übrigen Orte des Bezirks tauchen erst auf in der Zeit nach den Hohenstaufen.

Die Gaugrafschaft in dieser Gegend mit ausgebreiteter Lehens- und Dienstherrlichkeit bekleidete die ausgedehnte mächtige Grafenfamilie, welche sich im 11. Jahrh. Grafen von Calw zu nennen anfing und in einer Zeit, in welche unsere Geschichtsbelege nicht hinaufreichen, mit den Grafen von Eberstein aus einer Wurzel entsproßte (darauf deutet Albert Bohemus im 13. Jahrh., wenn er sagt: domus illorum de Eberstein est ab antiquis Chalwaria appellata. Stälin Wirt. Gesch. 2, 22).

Wirklich läßt sich bei manchen Orten noch der Besitzstand bis zu den Ahnherrn der nachherigen Grafen von Calw oder wenigstens zu diesen Grafen selbst und deren Nebenzweig den Grafen von Vaihingen zurückverfolgen; so bei Calmbach, welches um 830 aus den Händen eines Calwer Ahnherrn an das Kloster Hirschau gelangte, | Bieselsberg, Igelsloch, Kollbach, Lengenhardt, Maisenbach, Schömberg, welche Orte im 12. Jahrh. im Besitz der Calwer Gräfin Uta, Gemahlin Herzog Welfs VI., vorkommen. Die Grafen von Vaihingen erscheinen in der Mitte und am Ende des 13. Jahrh. als Besitzer der Veste Neuenbürg, des Dorfes Neusatz, als Dienstherren derer von Gräfenhausen, als begütert zu Arnbach; die ansehnlichen Wälder Weckenhardt, Becherer und Heimenhardt (südlich und südöstlich von Calmbach) waren bis zum J. 1303 ihr Eigenthum.

Zum Hausgut der Grafen von Eberstein gehörten Herrenalb, Dobel und Loffenau, Orte, welche im 12. und 13. Jahrhundert das Kloster Herrenalb von ihnen erwarb. Der Sohn einer Ebersteiner Gräfin, Graf Simon von Zweibrücken Herr zu Alteberstein († vor 1281), dehnte durch seine Heirath mit der Tochter des gegen 1263 verstorbenen letzten Grafen von Calw seinen Besitz in dieser Gegend aus und so gelangte über ihn als kurzen Inhaber die Lehnsoberherrlichkeit über die Burg Liebenzell und zugehörige Bezirkstheile um 1272 an den Deutschorden, von diesem bereits 1273 an die Markgrafschaft Baden (s. O.A. Calw unter Liebenzell). Unter diesen gräflichen und markgräflichen Lehensoberherren waren die Herren von Straubenhard und Schmalenstein die Lehenträger der beträchtlichsten Burgen und Adelsgüter des Bezirkes, von deren Besitzungen z. B. der schmalensteinische Antheil an Dobel und Dennach 1382 an die Markgrafschaft Baden, am Ende alle im O.A. Neuenbürg befindlichen an Württemberg gelangten.

Württemberg erwarb nämlich Neuenbürg (wohl mit Wildbad und Calmbach) im Anfang des 14. Jahrh. vom Reiche, Birkenfeld 1322, Gräfenhausen 1335–1451, Ottenhausen 1418–1480, die Straubenhardtschen und Schmalensteinischen Besitzungen 1413–1602[ER 2] von verschiedenen Adelsfamilien, 1/2 Schwann, 1/4 Dobel, 1/4 Dennach, Burg Straubenhardt 1528 durch Tausch von Baden. Die Besitzungen des Klosters Herrenalb, aus denen Württemberg im Jahr 1603 behufs des eben erwähnten Tausches manches an Baden abgab (s. Herrenalb im topogr. Theil), und die hier gelegenen Wälder des Klosters Hirschau: Weckenhardt, Becherer und Heimenhardt[1] fielen ihm durch die Reformation zu.

Die zur Herrschaft Liebenzell gehörigen Bezirksorte, wie solche I., 5 als Bestandtheile des O.A. Liebenzell aufgeführt sind, kamen | mit dieser ganzen Herrschaft (und mit dem Amt Altensteig) im Jahr 1603 gleichfalls durch Tausch von Baden an Württemberg. (Schöpflin H.Z.B. 6, 280. Kausler, Neuenbürg 164), endlich bekam Württemberg im J. 1806 Unterniebelsbach.

Bei der württembergischen Landestheilung von 1442 erhielt Graf Ludwig Neuenbürg, Wildbad und die Schutzvogtei des Klosters Herrenalb.

Schon zu Anfang des 17. Jahrh. besaß Württemberg nach Obigem den ganzen Oberamtsbezirk außer Unterniebelsbach, welches durch den württembergisch-badischen Staatsvertrag vom 18. Oct. 1806 an Württemberg kam, während die ehemaligen Neuenbürger Amtsorte Grünwettersbach, Mutschelbach und Palmbach und die Herrenalber Klosterorte Bahnbrücken und Nußbaum an Baden abgetreten wurden.

Die mit Wäldertausch verbundene Regulirung einzelner Grenzen erfolgte in dem württembergisch-badischen Staatsvertrag vom 16. April 1807 (Reg.Bl. Nr. 76. 77.).

Aus solchen Erwerbungen wurde unter Württemberg das Amt Neuenbürg (wovon Wildbad später als ein eigenes Amt getrennt wurde), das Klosteramt Herrenalb und 1603 das Amt Liebenzell gebildet.

Im J. 1806 kamen die genannten Ämter Neuenbürg, Wildbad, Liebenzell, Herrenalb zum Kreise Calw. Bei der neuen Ämterorganisation von 1807 wurde das O.A. Wildbad mit dem O.A. Neuenbürg, das O.A. Liebenzell mit dem O.A. Calw vereint. Das O.A. Herrenalb blieb damals noch und wurde erst 1808 aufgelöst und der Kern desselben, wie solcher jetzt noch unter dem Oberamt Neuenbürg begriffen ist (I., 5), dem letzteren Oberamt, welches 1808 das Dorf Fünfbronn an das damalige O.A. Altensteig abtrat, zugetheilt. Gleichfalls an das O.A. Neuenbürg kam im J. 1809 das O.A. Liebenzell, doch wurden von den Orten des letztern die Stadt Liebenzell nebst Dennjächt, Ernstmühl, Monakam, Unterhaugstett und Unterreichenbach mit Parzelle im J. 1842 wieder an das O.A. Calw abgetreten.

Das O.A. Neuenbürg kam den 27. Oct. 1810 zur Landvogtei Schwarzwald, 1817 zum Schwarzwaldkreis.


2. Kirchliche Verhältnisse.
Der ganze Oberamtsbezirk gehörte vor der Reformation zum Bisthum Speier. Unter dessen Archidiaconat St. Mauricius und Germanus waren begriffen das Landcapitel Kuppenheim mit Herrenalb | und Loffenau, das Landcapitel Durlach mit Gräfenhausen, Rudmersbach und Schwann. Unter dem Archidiaconat St. Guido stund das Landcapitel Pforzheim mit Langenbrand und Neuenbürg. Dem Archidiaconat der hl. Dreifaltigkeit war zugetheilt das Landcapitel Weil der Stadt mit Wildbad.

Außer dem Kloster Herrenalb, dessen hieher gehörige Gebietstheile die westliche Ausbeugung des Bezirkes bildeten, hatte auch das Kloster Hirschau seine Besitzungen namentlich an Wäldern südlich und östlich von Calmbach.

Die Reformation wurde, wie im Lande überhaupt, 1534–35 eingeführt (vergl. Herrenalb). Einigen, vorübergehenden Eingang hatte sie in den Ämtern Neuenbürg und Wildbad bereits gegen 1523 gefunden, als solche im Besitz Franz von Sickingens waren (VII, 3). Die Synodalordnung vom 1. August 1547 vereinte die Ämter Neuenbürg, Wildbad und Herrenberg in ein Decanat, später bildeten die Ämter Neuenbürg und Wildbad das Decanat Wildbad (nur 1702–1707 war in Neuenbürg ein Decan). Zu diesem Decanat gehörten vor dem 3. Nov. 1810 außer den erwähnten zwei Städten die Pfarreien Birkenfeld, Calmbach (durch den Diaconus in Wildbad versehen), Dobel, Feldrennach, Gräfenhausen, Herrenalb, Langenbrand, Loffenau, Neuenbürg, Ottenhausen und Wildbad. Hiezu kamen unter obigem Tag Liebenzell, Schömberg und die Filialien Beinberg, Maisenbach, Unter-Lengenhardt und Unter-Niebelsbach vom Decanat Calw, welch letzterem jedoch im Jahr 1842 die Filialien Beinberg, Maisenbach und Unter-Lengenhardt wieder zugeordnet wurden. Enzklösterle gehört zum Decanat Nagold.

Der Decanatssitz wurde 1836 von Wildbad nach Neuenbürg verlegt.

Das Decanat selbst stund bis 1823 unter dem Generalat Maulbronn, in Folge der allgemeinen neuen Eintheilung seitdem unter dem Generalat Tübingen.

Das Patronats- und Nominationsrecht zu sämmtlichen Pfarreien der Diöcöse hängt von königlicher Collatur ab.


3. Besondere Schicksale.

Die größeren Bewegungen, welche Württemberg überhaupt durchzuckten, machten sich meist auch in diesem Oberamtsbezirke fühlbar.

Im J. 1519 beim Kriege des schwäbischen Bundes gegen den Herzog Ulrich kam Franz von Sickingen mit den Seinigen nach Neuenbürg und besetzte das Schloß. Daher erklärte die Stadt auch | dem Herzog Ulrich, als er sie wieder zur Huldigung aufforderte, sie wolle dieß gerne thun, könne es aber nicht, ehe das Schloß wieder gewonnen sey. Stadt und Amt wurden hierauf von dem schwäbischen Bunde an Franz von Sickingen († 1523) für die aufgewendeten Kriegskosten verpfändet und dieser erzwang am 1. Nov. auch mit Gewalt, daß ihm sowohl Neuenbürg, als auch Wildbad huldigte, indem er behauptete, letztere Stadt habe von jeher zu Neuenbürg gehört. Nach seinem Tode aber wurden beide Städte und Ämter im J. 1529 aus den Händen seiner Erben für 25.000 fl. von Kaiser Ferdinand zur Herrschaft Württemberg zurückgelöst.

Als 1534 Herzog Ulrich sein Land wieder gewann, huldigte ihm Stadt und Amt Neuenbürg den 18. Mai. Am 2. August 1535 baten die Vorsteher von Stadt und Amt, man möchte den Unterthanen das Scheibenschießen, welches 1525 von der österreichischen Regierung verboten worden sei, wieder gestatten.

Im 17. Jahrh. lagen die Kriegsleiden wiederholt auf dem Bezirk. Nach dem Anfang des 30jährigen Kriegs wurde im J. 1622 in dem Amte ein Dorf nach dem andern theils von den durchziehenden Croaten, theils von dem bayerischen Heere ausgeplündert und abgebrannt und mit den Einwohnern barbarisch verfahren (Sattler, Herz. 6, 183). Nach der für die Protestanten so unglücklichen Schlacht von Nördlingen vom 27. Aug. (6. Sept.) 1634 verfolgte über diesen Bezirk hin der bayerische General Johann von Werth, welcher die Verfolgung des protestantischen Heeres durch Württemberg übernommen hatte, seine Gegner. Von Calw her gezogen nahm er bei Igelsloch ein unter dem Oberstlieutenant Jak. Bernh. v. Gültlingen stehendes württembergisches Regiment mit diesem Oberst selbst gefangen und machte dabei reiche Beute, worauf seine Croaten in Calmbach arg hausten (Eifert 36). Dieses Kriegsunglück hatte im J. 1635 eine verheerende Pest im Gefolge. Gegen Ende des J. 1642 rückte das französisch-weimaranische Heer im Oberamtsbezirk ein, sengend und brennend. Zu Anfang des Jahres 1645 wurde Neuenbürg von General Rosen ausgeplündert. Nach dem Ende des Krieges herrschte auch hier Verwüstung und Verödung; im J. 1652 fehlten 3/5 der früheren Bevölkerung; die Hälfte der Gebäude war zerfallen oder verbrannt.

Beim Einfall der Franzosen von 1688 überfiel der französische Oberst Feuquieres von Pforzheim aus in der Nacht vom 30. auf den 31. Dez. (9. auf 10. Jan. 1689) mit 600 Dragonern bei starkem Schneegestöber Neuenbürg, erbrach das Thor und bemächtigte sich der Stadt, deren Besatzung (60 Dragoner des Regiments Stahremberg | und 30 Fußgänger) mit Verlust einiger Todten die Flucht ergriff. Sofort wurde die wehrlose Stadt ausgeraubt und der Vogt Vollmar gefangen fortgeschleppt. Auch im Jahr 1692 nach ihrem Siege bei Ötisheim erschienen die Franzosen und plünderten am 18. (28. Sept.) die ebengenannte Stadt, welche wenige Jahre darauf im spanischen Erbfolgekrieg wenigstens durch öftere Quartierlast schwere Zeiten hatte.

Im Juli 1796 erschienen die Neufranken, nachdem am 24. Juni General Moreau den Rheinübergang bei Kehl erzwungen, und vertrieben die Österreicher und Sachsen unter dem Erzherzog Karl aus ihrer Stellung an der Murg zurück und bis Loffenau, welchen Ort sie plünderten. Ihr erster Angriff auf Herrenalb den 7. Juli mißlang. Der französische General Taponnier aber überfiel am 9. Juli mit 150 Reitern und 5124 Fußgängern, vom badischen Jägerhaus am kalten Brunnen über das Sprollenhaus ziehend, die sächsischen Vorposten bei Wildbad, worauf die Sachsen, bis Höfen von den Franzosen verfolgt, sich über Neuenbürg schleunigst nach Pforzheim zurückzogen. Gleichfalls am 9. Juli griff General Saint-Cyr den östreichischen General Kaim auf den Höhen zwischen Loffenau und Herrenalb an und trieb ihn nach lebhaftem Widerstand auf die Höhen bei Dobel und Rothensol zurück. Bei Neusatz entspann sich nun der heftigste Kampf; fünfmal waren die Franzosen zurückgetrieben worden, bis endlich die französische Reserve vorrückte und von den Franzosen die Österreicher unter Verlust einer bedeutenden Anzahl von Todten und über 1000 Gefangener und zweier Geschütze zum Rückzug gegen Gräfenhausen hin gezwungen wurden. Bereits am 10. Juli standen die Franzosen bei Neuenbürg und Schwann, ihre Nachhut bei Neusatz, Moreau selbst kam den 13. Juli nach Neuenbürg (das Umständlichere s. bei Martens 640–645). Damals litten durch Plünderung Herrenalb, Gaisthal, Rothensol, Neuenbürg etc. Der Schaden, den bei diesem Einfall das Amt Neuenbürg erlitt, wurde auf 318.889 fl., der des Amts Wildbad auf 21.492 fl., der des Amts Herrenalb auf 47.327 und der der Liebenzeller Amtsorte auf 10.701 fl. geschätzt.

Späterhin belasteten nur noch Truppendurchzüge und Einquartirungen den Bezirk, wie denn im J. 1813 längere Zeit Kosaken hier lagen.

Unter dem Schaden, welchen Naturkräfte anrichteten, ist die beispiellose Überschwemmung, welche am 29. Oct. 1824 in der Nacht entstund, zu erwähnen; sie rieß eine von Stein und 23 von Holz | erbaute Brücken und – von Wildbad bis Neuenbürg – 7 Gebäude ganz und 28 zum Theil nieder.


4. Alterthümer.
A. Römische.

Die Römer, welche bekanntlich bei dem nahe gelegenen Pforzheim eine größere Niederlassung gegründet und dort den zu dem Rheinthal führenden Paß zwischen dem Schwarzwald und dem Stromberg benützt hatten, haben auch in unserem Bezirk Spuren hinterlassen, die von ihrem ehemaligen Aufenthalt hinlänglich Zeugniß ablegen.

Von römischen Straßen sind bis jetzt folgende aufgefunden und als solche erkannt worden:

1) Von Pforzheim führte eine Römerstraße, die gegenwärtig noch auf große Strecken „der alte Pforzheimer Weg“ genannt wird, in der Nähe des sogenannten Katzensteigs, 1/4 Stunde nordöstlich von Birkenfeld, in den Bezirk, zog nahe (südlich) an Obernhausen und weiter nach Schwann, von da unter der Benennung „Reutweg“ durch den Gräfenhauser Gemeindewald „Hardtberg“ über Neusatz nach Herrenalb und über das sogenannte Kapelle, die alte Steige hinunter nach Loffenau, Gernsbach, Baden-Baden etc.

2) Von dieser Straße ging eine weitere bei Obernhausen ab; sie führte zunächst (nördlich) an Arnbach vorüber nach Feldrennach, von da gegen Pfinzweiler, und dieses einige 100 Schritte südlich lassend, weiter in das Badische.

3) Von Gernsbach geht eine Römerstraße, jetzt unter der Benennung alte Weinstraße, über die Teufelsmühle und auf den badischen Schwarzwaldhöhen fort gegen Besenfeld etc. (s. hierüber die Oberamtsbeschreibung von Freudenstadt).

4) Von letzterer Straße scheint auf dem Langmartskopf, 11/2 Stunden südlich von Herrenalb, eine Straße abgelenkt und über die Orte Dobel und Dennach, in deren Nähe man Spuren von ihr hat, in die ad 1. beschriebene Straße nordöstlich von Schwann eingelenkt zu haben. Sie war ohne Zweifel der auf dominirenden Höhen geführte Militärweg von Pforzheim nach Gernsbach etc., während die ad 1 beschriebene Straße (Reutweg) nur die nähere Verbindung zwischen Pforzheim und Gernsbach herstellte und den Umweg, welchen die Militärstraße des günstigen Terrains wegen machte, abschnitt.

5) Eine römische Straße, die von Altensteig herkommen soll, führte bei Igelsloch in den Bezirk und von da östlich an Schömberg | vorüber, durch das sogenannte Eulenloch nach Salmbach und weiter nach Pforzheim. Sie ist an vielen Stellen noch erhalten und zeigt auf große Strecken das wohlgefügte Straßenpflaster. Auch bei dem wilden See will man Spuren einer Römerstraße gefunden haben, die übrigens nicht verbürgt werden können.

Von ehemaligen röm. Wohnplätzen sind bis jetzt folgende aufgefunden worden[2]:

1) Zunächst bei Birkenfeld stand eine ziemlich ausgedehnte Niederlassung (†), von der man zuweilen Grundmauern, röm. Ziegel etc. ausgräbt.

2) Auf der Markung Gräfenhausen befinden sich mehrere Spuren ehemaliger Römerorte und zwar zunächst (südöstlich) am Ort auf dem sogenannten Endelbach (†), ferner in dem 1/2 Stunde östlich gelegenen Wald Hegnach trifft man allenthalben ausgedehnte Reste eines zerstörten Römerortes, der sich durch viele Mauersteine, Backsteine, römische Ziegel, Bruchstücke von Steinfiguren etc. kenntlich macht (†). Von dieser Stelle führte ein alter, theilweise noch gepflasterter Weg nach dem 1/2 Stunde entfernten badischen Ort Dietlingen, wo man ebenfalls sichere Spuren der Römer aufgefunden hat, und nur einige 100 Schritte nördlich von der Stelle in dem Walde Hegnach finden sich in einem Wiesenthälchen zunächst der Landesgrenze, jedoch schon auf badischem Gebiet Spuren eines römischen Wohnhauses (†). Etwa 1/4 Stunde nordwestlich von Hegnach entdeckte man vor einigen Jahren am Saume des Waldes „hohe Fortelrain“ zunächst der Landesgrenze die Reste eines römischen Wohnplatzes (s. hierüber die Ortsbeschr. von Gräfenhausen). In Gräfenhausen selbst sind in den Kirchthurm römische Bildwerke eingemauert.

In der Giebelseite des Pfarrhauses zu Ottenhausen befand sich ein römisches Bildwerk, Diana vorstellend (s. Ortsbeschr.). In Conweiler wurde ein römisches Reliefbild mit Mercur, Apollo und einer Opferscene gefunden. Würt. Jahrb. 1835, 87. (Beide letztere Bildwerke sind jetzt im K. Museum der bildenden Künste in Stuttgart.)

B. Deutsche.

Grabhügel und Reihengräber sind bis jetzt in dem Bezirke keine aufgefunden worden.

Von Schlössern, Burgen, Burgruinen und Stellen alter Burgen finden sich folgende in dem Bezirke: die noch erhaltene Schlösser | zu Neuenbürg und Rudmersbach, die Ruine des alten Schlosses zu Neuenbürg, die Waldenburg bei Neuenbürg, die ehemalige Burg in Bernbach, die abgegangenen Burgen auf dem Schloßkopf, die Burg auf dem Eiberg und das kleine Schlößlein bei Calmbach, Trümmer der Burg Cunnenberg im Burgthal bei Conweiler, die abgegangene Burg Straubenhardt auf der Markung Dennach, in den Burgwiesen bei Pfinzweiler soll eine Burg gestanden seyn, die abgegangene Burg auf dem Falkenstein bei Herrenalb, auf dem Bürgle bei Ober-Niebelsbach soll eine Burg gestanden seyn, die Reste des Straubenhardt’schen Schlosses in Schwann etc.

1

Abgegangene Orte sind: Schwabhausen auf der Markung Dennach, auch auf dem Heuberg 1/2 Stunde südlich von Dennach und auf dem Eiberg bei Calmbach sollen Orte gestanden seyn, Wolmersbür bei Rudmersbach. Schanzen, die jedoch aus neuerer Zeit zu stammen scheinen, kommen vor: in der Nähe der Ziegelhütte, nördlich von Neuenbürg, 2 unfern von Dobel, eine auf der Höhe zwischen dem Wildbad und dem Lehmannshof und ein Blockhaus im Blockhauswald beim wilden See (s. auch die Ortsbeschreibungen).


  1. Verschiedene alte Orts- und Grenzbezeichnungen in der Gegend dieser Wälder lernt man kennen aus dem Tauschbrief von 1449 bei Christmann Hirschau 310–315.
  2. Die mit (†) bezeichneten wurden von dem Verfasser (Paulus) selbst entdeckt.

Errata

  1. S. 89, L. 25 nach „Neusatz“ setze: von 1266 Loffenau und Bleiche. Siehe Berichtigungen, S. VI.
  2. S. 90, L. 28 statt 1601 setze 1602. Siehe Berichtigungen, S. VI.


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