Beschreibung des Oberamts Oberndorf/Kapitel B 25

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Sulgen,
Gemeinde III. Kl. mit 911 Einw., wor. 44 Ev. a. Sulgen, Pfarrdorf, 260 Einw. b. Aitenbach. Weiler, 10 Einw. c. Halden, Weiler, 32 Einw. d. Heiligenbronn, Weiler mit Marktrecht, 200 Einw. e. Heuwies, Weiler, 74 Einw. f. Hinter-Sulgen, Weiler, 125 Einw. g. Hutneck, Weiler, 7 Einw. h. Josenhans, Haus, 5 Einw. i. Laubenlinden, Weiler, 11 Einw. k. Löchle, Weiler, 6 Einw. l. Maden, Haus, 10 Einw. m. Oberreute, Weiler, 21 Einw. n. Schlichte, Weiler, 35 Einw. o. Schoren, Weiler, 16 Einw. p. Steighäusle, Weiler, 7 Einw. q. Sulgerberg, Weiler, 18 Einw. r. Tummelhof, Hof, 9 Einw. s. Vier Häuser, Weiler, 26 Einw. t. Vorderer Lienberg, Weiler, 39 Einw. u. Brombach, Haus, 17 Einw. – Kath. Pfarrei; die Ev. sind nach Schönbronn eingepfarrt.


Der Ort liegt ganz ähnlich wie das nur 1/8 Stunde nördlich entfernte Sulgau, doch hat er weniger den Charakter eines Schwarzwalddorfes; die Häuser sind meist verblendet und mit Ziegeln gedeckt; auch ist das Dorf größer und nicht so weit auseinander gebaut; freundliche Wiesen mit Gärtchen und stattlichen Waldbäumen treten auch hier zwischen den Wohnungen an die Straßen heran. Vom Kirchthurme und vom nahen Sulgerberge aus genießt man schöne Fernsichten an die Alb und den Schwarzwald.

Die dem h. Lorenz geweihte Kirche steht mitten im Dorf auf einem wohlgeformten Hügelchen und ist in schlichtem Rundbogenstile aus Buntsandsteinquadern im Jahre 1826 erbaut. Der starke dreistockige Thurm, im Norden des halbrund geschlossenen Chores stehend, stammt aus spätgothischer Zeit, hat spitzbogige gefüllte Schallfenster und 2 Staffelgiebel; in seinem ersten Stockwerke sitzen rechteckige, ihrer gothischen Füllungen beraubte Fenster. Über dem neuen westlichen Eingang des Thurmes steht in modernen Ziffern 1496; diese Zahl, die am früheren Eingang stand, bezeichnet das Jahr der Erbauung des Thurms. Das schöne geräumige Innere der Kirche hat eine flache Decke und ist freundlich geschmückt mit den Bildern der Stationen; die halbrunde Decke der Chornische zeigt ein großes Freskobild, die Auferstehung, gemalt von Fuchs und Georg Adler 1844; auf den Seitenaltären befinden sich 2 große Tafelbilder, die Himmelfahrt Mariä und der heil. Laurentius. Vom halbrunden Chorbogen hängt ein großes Kruzifix herab; im Westen steht eine Empore und trägt die 1828 erbaute Orgel. Das erste Geschoß des Thurmes bildet die Sakristei und hat ein Netzgewölbe, auf dessen| Schlußstein das Rechbergsche Wappen zu sehen ist; auch steht hier ein schönes Renaissancekästchen. Die drei Glocken sind neu, die größte mit Reliefs verzierte hat die Umschrift: Meinrad Sohn des Benjamin Grüninger goß mich in Villingen 1838, die beiden andern sind auch verziert, und gegossen 1857 und 1863 von A. Hugger in Rottweil. Die vereinigte Stiftungspflege Schramberg erbaute die Kirche und hat sie auch zu unterhalten.

Der Begräbnißplatz liegt seit 1828 südöstlich vom Dorfe.

Auf der Markung besteht noch eine kleine Feldkapelle, die in Hinter-Sulgen befindliche wurde in ein Wohnhaus umgewandelt.

Das schöne stattliche zweistockige Pfarrhaus wurde 1776 von der Stiftungspflege Schramberg erbaut und ist auch von ihr zu unterhalten.

Die Schul- und Rathhausgelasse wurden 1855 in einem tüchtigen Privathause eingerichtet, das 2 Lehrzimmer enthält. Der Schulmeister wohnt im Meßnerhaus; an der Schule ist noch ein Lehrgehilfe angestellt.

Hinreichendes Trinkwasser liefern 6 laufende, 2 Zieh-, 18 Pump- und 22 Schöpfbrunnen; das Wasser, namentlich aus dem sog. Dorfbrunnen, ist gut; bei denen außerhalb des Dorfes Wohnenden tritt zuweilen Wassermangel ein, sie beziehen dann das Wasser aus dem Weihermoos. Eine Wette ist westlich vom Ort angelegt. Die Markung ist nicht reich an Quellen, die bedeutendsten sind der sog. Dorfbrunnen, der Deißenbrunnen in Hinter-Sulgen und die Gnadenquelle unter dem Chore der Kirche zu Heiligenbronn. Von Bächen finden sich die Eschach, der Eberbach und der zuweilen austrocknende Aitenbach auf der Markung, von Seen der künstlich angelegte Feuersee und der natürliche unbedeutende Haldenweiher. Der Heuwiesen- und der Oberreute-Weiher sind trocken gelegt und werden als Wiesengrund benützt.

Vicinalstraßen gehen von hier nach Sulgau und nach Schönbronn.

Die Einwohner, ein mittelstarker, mitunter durch Fabrikarbeiten und beschränkte Wohnungen etwas verkümmerter Menschenschlag, sind im allgemeinen fleißig und geordnet, doch zuweilen etwas trotzig und genußsüchtig; ihre kleidsame Volkstracht haben sie zumeist beibehalten. Über 80 Jahre zählen gegenwärtig 5 Ortsangehörige.

Haupterwerbsquellen sind Feldbau, Viehzucht und Fabrikarbeit. Linnenspinnen, Wollenspinnen, Kittelstricken, Stroh- und Korbflechten, Wannenmachen und Besenbinden ist hier sehr verbreitet; der Absatz| geht nach Rottweil, Schramberg und in das Kinzigthal. Mit Butter, Vieh, gemästeten Schweinen, Frucht, Obst, Heidelbeeren und Branntwein wird theils in die Umgegend, theils dem Rheine zu gehandelt. Drei Frachtfuhrleute fahren nach Rottweil und Hausach.

Einige Buntsandsteinbrüche, deren Steine nach außen abgesetzt werden, Mergel, Töpferthon und Sandgruben sind vorhanden. In Heiligenbronn finden sich Torflager, die jetzt nahezu erschöpft sind.

Unter den Gewerbetreibenden sind am meisten vertreten: Schuster, Schreiner und Glaser und arbeiten auch nach außen; 7 Schildwirthschaften und 2 Kramläden bestehen.

Die Vermögensverhältnisse gehören zu den minder günstigen; der begütertste Bürger besitzt 60 Morgen Feld und 20 Morgen Wald, der Mittelmann 20 Morgen Feld und 5 Morgen Wald; die ärmere Klasse 1–2 Morgen Feld. Auf angrenzenden Markungen haben hiesige Bürger etwa 100 Morgen Feld.

Die natürlichen Verhältnisse sind wie in Sulgau, dessen Markung theils in die von Sulgen eingreift, theils sie umschließt; ebenso die landwirthschaftlichen Verhältnisse, mit dem Unterschied, daß der Kleebau ausgedehnter ist; auch findet hier willkürliche Wirthschaft statt, während in Sulgau das Dreifelder-System üblich ist. Von den Felderzeugnissen können jährlich etwa 125 Scheffel Haber nach außen abgesetzt werden.

Die mit einer Mischung von Land-, Schweizer-, Allgäuer- und Tyroler Race sich beschäftigende Rindviehzucht hat sich seit 20 Jahren gebessert, ist übrigens immer noch in mittelmäßigem Zustande. Zwei Landfarren sind zur Nachzucht aufgestellt.

Schweinezucht besteht nicht, dagegen werden viele Ferkel verschiedener Race eingeführt und theils für den eigenen Gebrauch, theils für den Verkauf, der nicht unbedeutend ist, aufgemästet.

Die Zucht der Ziegen, des Geflügels und der Bienen ist von keinem Belang und ganz gering die Fischerei.

Die Gemeinde besitzt kein Grundeigenthum; ein Schulfonds mit 500 fl. und ein Armenfonds mit 1390 fl. ist vorhanden.

Von den auf der Gemeindemarkung zerstreut liegenden kleinen Weilern, Höfen, einzelnen Häusern sind nur Heiligenbronn und Hinter-Sulgen von einiger Bedeutung.

Heiligenbronn liegt 5/4 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt in einem unbedeutenden moorgründigen Thälchen an der Landstraße von Schramberg nach Oberndorf.

Der Ort besteht aus einem ehemaligen Kloster, Kirche, und,| neben einigen hübschen Häusern, aus meist Armuth verrathenden Wohnungen.

Das Kloster, vor dem 30jährigen Krieg von Minoriten bewohnt, ein ziemlich großes zweistockiges Gebäude, dient jetzt einer Anstalt für verwahrloste, auch taubstumme Kinder (etwa 40 an der Zahl), welcher der Gründer Vikar Fuchs in Sulgen vorsteht; sie wird aus freiwilligen Beiträgen unterhalten und von freiwilligen Klosterfrauen unterstützt.

Das Kloster ist mittelst eines Ganges mit der Kirche verbunden, die im Jahr 1622 an der Stelle der 1621 abgebrannten im einfachen Renaissancestil erbaut wurde; sie hat einen schönen Eingang und an der nördlichen Außenseite eine hübsche steinerne Kanzel mit schmiedeisernem Geländer. Der Chor ist vieleckig geschlossen und auf dem First der Kirche sitzt ein hölzerner Dachreiter mit 2 Glocken. Das freundliche, flachgedeckte Innere der Kirche enthält 3 Rococoaltäre; der reich ausgestattete Hochaltar ist mit dem wunderthätigen Muttergottesbild mit der Aufschrift „Gratiarum fons“ geschmückt, zu dem eifrig gewallfahrtet wird. An den Chor ist ein kleines Häuschen angebaut, worin die in Stein gefaßte Gnadenquelle sich befindet, der auch der Ort seinen Namen zu verdanken hat.

Ein 1859 erbautes Schulhaus, das ein Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters enthält, ist vorhanden.

Der Ort hat das Recht, alljährlich im Monat September einen Krämermarkt abzuhalten, der jedoch nicht bedeutend ist; früher durften jährlich 3 Märkte abgehalten werden, von denen der mit Gottesdienst verbundene an Mariä Geburt der besuchteste, und mit dem je alle 7 Jahre eine große Wallfahrt zu dem wunderthätigen Marienbild und zu der Gnadenquelle verbunden war. Die bei den häufigen Wallfahrten gefallenen Opfer mehrten sich allmählig zu einem bedeutenden Kirchenvermögen.

Von dem zu dem Weiler gehörigen Lehengut des Grafen von Bissingen sind außer den Waldungen noch etwa 140 Morgen Äcker und Wiesen vorhanden, die größtentheils an die Einwohner von Heiligenbronn stückweise verpachtet sind; alle übrigen Theile des ursprünglichen Lehens gingen im Jahre 1850 durch Ablösung des Erbbestandzinses in das Eigenthum der Pächter über.

Unterhalb (nördlich) von Heiligenbronn bestand früher ein 70 Tagwerke großer Weiher, der alle 3 Jahre gefischt, aber schon vor dem Jahre 1781 trocken gelegt wurde.

Etwa 1/8 Stunde nordwestlich vom Ort finden sich auf der äußersten Spitze eines zwischen zwei Thälchen hinziehenden Flachrückens,| im Walde Liechenau, die in Graben und Wall bestehenden Überreste eines alten Burgstalls.

Hinter-Sulgen liegt 1/2 Stunde südöstlich von Sulgen an der Vicinalstraße von Sulgen nach Mariazell und besteht aus mehreren vereinzelt stehenden Bauernwohnungen.

S. war ursprünglich mit Schramberg verbunden und wurde erst nach 1558 zu einem besonderen Stab abgetheilt. (Weiteres Geschichtliche s. oben bei Sulgau.)

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